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Reine Panik

Den Gegnern der 10-Millionen-Initiative geht inzwischen der Arsch auf Grundeis.

Das ist ein schöner teutonischer Ausdruck, mindestens so sympathisch für den Schweizer wie «ich krieg‘ dann noch ein Bier».

Die Geschichte wiederholt sich als Farce. Es gab mal eine Kampagne, die an Bescheuertheit schlecht zu überbieten war:

Ein Willy Tell mit dysfunktionaler Armbrust, der nicht etwa die benützt, sondern mit einer Zeitung (!) auf eine Mauer (!) eindrischt, auf die «Fake News» gesprüht wurde. Das und die Geldgier der Medienclans Coninx und Ringier sorgte dafür, dass die schon sicher geglaubte Subventionsmilliarde flöten ging.

Nach anfänglicher, überheblicher Sicherheit breitete sich immer mehr Panik aus, als das Abstimmungsdatum näher rückte.

Genau das gleiche Phänomen lässt sich wenige Tage vor der Abstimmung über die SVP-Initiative zur Begrenzung der Wohnbevölkerung beobachten.

Einmal mehr klafft ein ziemlicher Spalt zwischen der Position der meisten Parteien und Medien und der Meinung der Bevölkerung. Ausser der SVP natürlich sind die anderen Parteien deutlich oder weniger deutlich dagegen. Natürlich ist Tamedia ausgesprochen dagegen, «Blick», CH Media oder NZZ eiern herum, sind aber zumindest chefredaktionell auch dagegen. Vom Schweizer Farbfernsehen ganz zu schweigen.

Auch hier war die Werbekampagne eine ganze Zeitlang eher staatsmännisch:

Plakate müssen plakativ sein und eine Botschaft möglichst einfach transportieren. Dieses Sujet war etwas leblos, also wurde Tell durch Helvetia ersetzt:

Aber mit zunehmender Panik wurde mehrere Gänge hochgeschaltet und ein neuer Kampfbegriff geboren und in den Vordergrund geschoben:

Das folgt dem guten, alten Propagandaprinzip: hau einen möglichst negativen Begriff raus und untermaure ihn mit unbewiesenen, aber Ängste schürenden Behauptungen. Sollte die Initiative angenommen werden, bräche Chaos aus. Keine Behandlung oder Betreuung mehr in Spitälern.

Schlimmer noch:

Dass sich ein Ständerat für den Schwachsinns-Slogan «Unsere Polizei würde blind» hergibt, bedenklich.

Hier versucht man’s mit einem schlechten KI-Bild und dem gleichen Topos. Allerdings, ein Polizist mit Haarproblemen von hinten, der auf einen leeren Bildschirm starrt, statt Verbrecher zu fangen, na ja. Wieso das dysfunktionale Schengen-Regime, das nicht einmal mehr von unserem grossen Nachbarn im Norden befolgt wird, für weniger Kriminalität sorgen sollte, ist allerdings schleierhaft.

Natürlich darf diese Angstmacherei nie fehlen:

Und wer verantwortet diesen Quatsch?

Die ««Allianz «NEIN zur Chaos-Initiative», c/o FDP. Die Liberalen Schweiz». Der ehemals liberalen Kraft scheint es nichts auszumachen, mit der SP und allen linken Kräften im gleichen Boot zu sitzen. Und kräftig gegen die eigene Wählerschaft anzurudern.

Es ist nun möglich, dass diese jämmerliche Kampagne von ausländischen Kommunikationskräften konzipiert wurde. Es ist aber auch möglich, dass Schweizer Nichtskönner am Gerät sind.

ZACKBUM wartet und hofft darauf, dass im Schlussspurt ein Wilhelm Tell hereinströmende Ausländer begrüsst, mit einem Juchzer willkommen heisst und ihnen einen Apfel offeriert. Oder so.

 

Panik macht sich breit

Keiner zu klein, Meinungsträger zu sein.

Es ist wie beim Referendum gegen die schon auf sicher geglaubte Subventionsmilliarde für reiche Medien-Clans. Zuerst überhebliches Grinsen, dann ernste Gesichter und schliesslich reine Panik beim Schlussspurt. Eine bescheuerte Werbekampagne mit einem Wilhelm Tell, der mit einer Zeitung eine Mauer kaputthaut. Haben wir gelacht.

Bei der 10-Millionen-Initiative spielt sich sehr Ähnliches ab. Zuerst meinten die Gegner, das Massieren der Anti-SVP-Reflexe, plus ein Sprutz «alles Rassisten und Fremdenfeinde», plus Panikmache (wenn ihr das annehmt, gibt es in den Spitälern kein Personal mehr; dann ist eure Rente futsch), das würde doch locker reichen.

Aber dann, ja dann, ergaben die Meinungsumfragen, dass sich doch tatsächlich eine Mehrheit abzeichnet. Nun geht’s wieder los. Die Medien tun ihr Möglichstes, die Menge der Befürworter der Initiative zu steigern.

Zunächst, das ist gefürchtet bei Freund und Feind, griff Tamedia-Chefredaktorin Raphaela Birrer in die Tasten und warnte: «Achtung: Die SVP will Sie täuschen». Die Täuschung bestand allerdings darin,  dass es sich hier um einen Leitartikel mit Sinn und Verstand handeln sollte.

Auch das Hausgespenst bei Ringiers gibt Laut und Frank A Meyer empfiehlt den Lesern seiner Besserwisserkolumne im SoBli, dass sie gefälligst ein Nein in die Urne zu legen hätten.

Nun kommt noch Stefan Schmid von CH Media. Stefan who? Bitte schön, der Mann am Fenster beim St. Galler Tagblatt, dessen Einzugsbereich ebenfalls die Weltblätter Werdenberger & Obertoggenburger umfasst. Der darf in der immerhin auflagenstärksten Zeitung «Schweiz am Wochenende» seine Erkenntnisse auf den Leser regnen lassen.

Allerdings braucht der keinen Regenschirm und dürfte sich schon beim Titel leicht indigniert abgewandt haben: «Die Schweiz sitzt auf einem hohen Ross». Ach was, wie macht das denn die Schweiz?

Nun, so: «Nur wir Schweizer debattieren über volle Züge, Wohnungsknappheit und Expats, die das Bier auf Englisch bestellen. Luxusprobleme in einem der reichsten Länder Europas». Hm, interessant, in keinem anderen Land Europas wird über Dichtestress, Wohnungsknappheit und Masseneinwanderung debattiert?

Ist es ein Wunder, dass in der Schweiz lebhaft debattiert wird? Nein, aber dazu müsste der IQ leicht angehoben sein, weil erstens im Gegensatz zu allen anderen Ländern im Haus Europa in der Schweiz Volksabstimmungen ständig stattfinden. Und zweitens, weil sich die Wohnbevölkerung Deutschlands in den letzten 5 Jahren um 1 Prozent gesteigert hat, in der Schweiz um 17 Prozent.

Aber wieso soll man sich durch Fakten Geschwurbel kaputt machen lassen.

Dann will sich Schmid didaktisch in die Kurve legen: «Man muss Wachstumsschmerzen ernst nehmen. Die Schweiz wächst schnell und die Politik ist langsam. Der Wohnungsbau etwa ist ungenügend». Aber das wäre dann doch zu verständnisvoll, also fährt er fort: «ein freilich selbst gemachtes Problem, das wir nicht den Asylbewerbern in die Schuhe schieben können». Was eigentlich auch keiner tut, aber was soll’s.

Dann spricht Schmid eine Binse gelassen aus: «Ein Ja zur 10-Millionen-Initiative würde man in unseren Nachbarstaaten nicht als freundeidgenössischen Wink über den Gartenhag interpretieren.» Nein, würde man nicht. Nur: na und?

Aber wenn Schmid schon bei Banalitäten und Plattheiten verweilt, wieso nicht noch eine: «Europa wird der vom Wohlstand verwöhnten Eidgenossenschaft nicht entgegenkommen.» ZACKBUM wiederholt sich: na und? Erwartet das jemand?

Dann erhebt er die Banalität des Gedankens zur Weltordnung:

«Wir riskieren stattdessen ausgerechnet in einer Zeit, in welcher man sich mit den Nachbarn lieber gut stellt, weil auf andere kein Verlass mehr ist, politische und wirtschaftliche Verwerfungen. In der Konsequenz gar das Ende der bilateralen Verträge. Das wäre unklug.»

Die Schweiz soll sich also mit den verlässlichen Nachbarn Frankreich, Deutschland oder Italien gutstellen? Mit Liechtenstein vielleicht, warum nicht.

Aber was sind Banalitäten ohne einen guten Schuss reinen Schwachsinns? «Aber Deutschland, dessen Bürger bitte nicht in die Schweiz emigrieren sollen, darf uns dann wenigstens vor Russland schützen. Widersprüche noch und nöcher.» Deutschland schützt die Schweiz vor Russland? Weil sonst der Alptraum aller kalten Krieger von anno dazumal wahr würde und der Iwan käme? Und nicht mehr länger der Deutsche droht, das kleine Stachelschwein im Rückzug einzunehmen?

Aber auch hier gilt: Zum Glück oder zum Pech ist mal der Platz alle, also hurtig noch eins draufgesetzt aus den wilden Gefilden von Absurdistan: «Ein Kleinstaat, selbst ein reicher wie die Schweiz, sollte demütig bleiben, solidarisch auch, freundlich zu den anderen. Erfolg ist nicht gottgegeben. Man kann herunterfallen, wenn man nicht aufpasst, vom hohen Ross.»

Lustigerweise nennt man diese Sprachmarotte Rechtsversetzung. So kann ZACKBUM nur demütig bitten: ist denn niemand so freundlich, Schmid vor sich selbst zu schützen?

Nacht der lebenden Leichen

Die Horrorshow zwischen Biden und Trump auf CNN.

Der «Blick» wird übergriffig: «Joe Biden muss weg, sofort». «20 Minuten» verwendet ein gutes Titelzitat: «Der alte Mann gegen den Hochstapler». Etwas umständlich formuliert CH Media: «Im TV-Duell gegen Donald Trump sieht Biden einfach nur alt aus».

Um Neutralität bemüht sich hingegen die NZZ: «Biden wirkt fahrig, Trump argumentiert wie üblich emotional und energisch». Und beruhigt sich selbst: «Immerhin hatte der 81-jährige Joe Biden bei der ersten TV-Debatte in Atlanta kein völliges Blackout.» Wenn man die Erwartung so niedrig legt, wird man wenigstens nicht enttäuscht. Auch die meist neutrale SDA haut kräftig drauf: ««Katastrophe» – Biden versagt beim TV-Duell gegen Trump», oder «Bidens Debatten-Desaster und die Panik der Partei».

Geradezu gespenstisch neutral gibt der Gebührensender SRF das Debakel wieder: «das Wichtigste zur Debatte». Dazu gehört offensichtlich nicht der gespenstische Auftritt Bidens mit Verwechslern, Gestammeltem und unverständlichem Gemurmel. Stattdessen: «Auffallend: Insbesondere Trump wich den Fragen immer wieder aus.» Sollte Biden tatsächlich zur Wahl antreten, darf man sich darauf gefasst machen, dass SRF nur in höchster Not einen Wahlsieg von Trump vermelden würde …

Die «Weltwoche» fragt hingegen schon: «Wer tritt im November gegen Trump an

Und was macht denn so die Trumphasser-Fraktion im Gutmenschenduo «Süddeutsche Zeitung»/Tamedia? Bei denen bricht Panik aus, was sie allerdings tapfer spiegeln: «Bei Bidens Demokraten macht sich Panik breit». Hier ist Peter Burghardt weiter am Gerät, der Mann, der Pfeifen im Wald bei den Vorwahlen zu seinem journalistischen Credo machte und jeden Hoffnungsschimmer zum Sonnenaufgang hochschrieb, dass Trump vielleicht doch nicht Präsidentschaftskandidat werden könnte.

In der SZ wird schon im Lead Klartext geredet:

«Der US-Präsident wirkt bei der ersten Fernsehdebatte mit seinem Herausforderer Donald Trump schwer angeschlagen. Seine Antworten haben mehr Substanz als Trumps, aber er verhaspelt sich derart oft, dass sich bei den Demokraten Panik breitmacht

Darauf mussten dann die Gutmenschen von Tamedia einen Schalldämpfer stülpen, sonst hätten die Alkoholvorräte in der Helfti nicht mehr ausgereicht: «In der Nacht attackierten sich Biden und Trump auf CNN. Für die Berater des Präsidenten wurden die Befürchtungen wahr.» Ist doch fast das Gleiche …

Nun hat Burghardt allerdings auch in den Panikmodus gewechselt: «Zumindest wird wieder die Frage laut werden, ob sie (die Demokraten, Red.) Biden im August in Chicago tatsächlich nominieren oder doch noch nach einer Alternative suchen sollen, obwohl es vier Monate vor der Wahl zu spät sein dürfte.»

Der Gerechtigkeit halber muss man allerdings sagen: der amerikanische Wähler kann sich zwischen einer lebenden Mumie und einem notorischen Lügner und Aufschneider entscheiden. Was für ein jämmerliches Bild gibt bei diesem Personal die US-Politik ab, welcher Hohn einer demokratischen Wahl ist das. Da ist selbst die Wahl des kleineren Übels fatal.

Nur der «Spiegel» («Trump wegschreiben») fabuliert nach dem Prinzip Hoffnung: «Lieber der alte Opa im Weissen Haus als der Irre».

Wie schlimm es steht, beweisen die Nachlassverwalter von «Spitting Image». Selbst die werden von der Realität überholt …

Wie riecht Panik?

Beim Medienpaket schwimmen den Verlegern die Felle davon.

Es gibt eine wahrhaft unheilige Allianz. Linke Kreise entdecken plötzlich ihre Liebe zu den Portemonnaies sonst gröber kritisierter Medienclans. Die würden nämlich den Löwenanteil der Zusatzmilliarde Steuergelder abgreifen, sollte das Medienpaket bei der Abstimmung vom 13. Februar wider Erwarten angenommen werden.

Aber es fallen dann auch ein paar Batzeli für schmalbrüstige, ewig in Geldnöten steckende linke Organe ab. Darunter das völlig überflüssige «bajour», die Blasenpostille «Republik» oder auch die gerade gegründete «Hauptstadt».

Die einen wettern gegen reiche rechte Milliardäre, die sich ja nicht noch mehr Zeitungen kaufen dürften. Die anderen quengeln, dass ihre Einheitssaucenfabriken einen unverzichtbaren Beitrag zu Demokratie, Meinungsbildung und Information leisten würden.

Dass die Töne der Befürworter immer schriller werden, liegt auch daran, dass ihnen eine Werbekampagne aufs Auge gedrückt wurde, die wohl in die Geschichte eingehen wird. Als das Allerbescheuertste seit der Erfindung des Werbeplakats.

Ausgerechnet Wilhelm Tell als Sujet zu nehmen, das im SVP-Stil zu zeichnen und den armen fiktiven Nationalhelden als Bannerträger des Kampfs gegen Fake News in Stellung zu bringen: das muss man sich erst mal einfallen lassen.

Seither mit Regenrohr.

Werber sind entschuldigt, sie bedienen sich ja gelegentlich auch verbotener Substanzen, um ein Stück Sauglattismus hervorzuzaubern. Aber man muss schon sagen, der Ringier-Verlag lässt sich die Verunstaltung mit Regenrohr seines «Blick»-Logos aufs Auge drücken, und die Befürworter des Medienpakets gehen unter anderem mit dieser Variante in die Schlacht (und unter):

Rascheln im Ohr?

Ist Tell schwerhörig gewesen? Hatte er tatsächlich neben der NZZ noch ein zweites Organ abonniert? Waren das schon Hörausgaben, vielleicht, um dem damals weitverbreiteten Analphabetismus zu begegnen? Vor allem aber: Wo ist seine Armbrust geblieben? Und wieso hat er einen Apfel in der Tasche?

Neben einer grottenschlechten Werbekampagne …

Aber selbst das ist nicht mal der Gipfel. Es haben sich unzählige «Komitees» von aufgeregten Befürwortern gebildet, die ebenfalls mit gerütteltem Flachsinn auffallen. Herausragend das Verleger-Modell «Die Meinungsfreiheit». Hier klettern verlorene Menschen auf schwarzen Bergen herum. Vielleicht soll man sich bis zur Besinnungslosigkeit an die Stirn schlagen, um dann willenlos ein Ja auf den Stimmzettel zu schreiben.

Dann gäbe es noch die weiteren Retter der Demokratie, die immerhin von ihrer ersten Visualisierung mit Blocher, Köppel und Trump (!) Abstand genommen haben.

Vorher …

Nachher …

Aber immer ohne Absender:

Der Verein im Verband im Dunkeln …

Mit steigender Nervosität wird nun auch noch dieses Komitee in die Schlacht geworfen:

Unfassbar schlecht …

Auch hier scheint der Billig-Grafiker am Werk gewesen zu sein; auf ein dermassen abschreckend hässliches Ja muss man erst mal kommen. Vielleicht sollte man in der Wortkaskade noch ergänzen: Grafik braucht Grips.

So sieht übrigens das Impressum des «Aufrufs» für das Medienpaket aus:

In der Hektik nicht ausgewechselt …

So sieht Panik aus. So riecht Panik. Das ist kein schöner Anblick. Das ist kein schöner Geruch. Das wäre fast mitleidserregend, wenn nicht dermassen viel Geld unnütz verbraten würde. Statt es ZACKBUM zu spenden.

 

Spritze, hilf!

Es ist wieder so weit. Angst und Schrecken in der Vorweihnachtszeit.

Eigentlich sollten Besinnlichkeit und Kaufrausch herrschen. Weihnachtsmänner sollten Kinderaugen zum Leuchten bringen und Kreditkarten zum Glühen.

Stattdessen muss an Art. 258 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs erinnert werden:

«Wer die Bevölkerung durch Androhen oder Vorspiegeln einer Gefahr für Leib, Leben oder Eigentum in Schrecken versetzt, wird mit Frei­heitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.»

Schreckung der Bevölkerung heisst dieser Straftatbestand. Schauen wir mal, ob ihn folgende Schlagzeilen erfüllen:

«Die Lage ist so angespannt wie nie» («Blick»), «Lage so angespannt wie nie» («Aargauer Zeitung»), «Die Situation ist kritisch» («20 Minuten»), «Erste Stationen sind voll» («Bündner Tagblatt»), «Überlastete Spitäler rechnen mit Triage» («Schaffhauser Nachrichten»), «In Zürcher Spitälern spitzt sich die Lage zu» («Tages-Anzeiger»).

Fachkoryphäen warnen wieder, der Chef der Intensivmedizin am Berner Inselspital hat laut eigenem Bekunden Alpträume und prognostiziert:

«Es wird ganz sicher eine Triage geben.»

Für noch nicht genügend geschreckte Leser, die mit dem Wort nicht ganz vertraut sind: Triage stammt aus der Militärmedizin, wenn bei einem plötzlichen Anfall von vielen Verwundeten entschieden werden muss,  wer eine Überlebenschance hat und behandelt werden sollte – und wer nicht.

Das Ende ist nahe – mal wieder

Da der Tagi auch einen Jazzer als Redaktor in Lohn und Brot hält, werden sogar Nebenschauplätze bespielt: «Corona-Verirrungen in der Jazzszene». Hier darf man schon mal zum seltenen Fall gratulieren, dass legal vier Konsonanten aufgereiht werden dürfen. Schpitze!

Also, das Ende ist nahe, das Gesundheitssystem am Anschlag. Bald müssen die Eingänge der Spitäler bewaffnet verteidigt werden, es werden sich herzzereissende Szenen vor Intensivstationen abspielen, Beatmungsgeräte brauchen einen Leibwächter mit Knarre. Und mitten in diesem Tsunamie Pflegekräfte am Rande des Zusammenbruchs, übermüdete Ärzte, Patienten, die auf dringend nötige Eingriffe warten, die verschoben werden müssen.

Bevor uns die Panik wegreisst, treten wir einen Schritt zurück und fragen uns: Ist das so? Und wenn es so ist, wer ist daran schuld? Vor allem aber: Was kann man denn dagegen tun?

Schritt für Schritt

Sind die Intensivstationen (IS) wirklich voll, gibt es faktisch keine freien Betten mehr? Laut offiziellen Zahlen des BAG ist das nicht so. Aber das ist ja nur so eine Statistik, ein Ist-Zustand.

Quelle: BAG; Zahlen vom 30. November 2021.

Die Auslastung der IS liegt bei etwas über 80 Prozent. Das ist im üblichen Rahmen. Völlig normal. Denn ein Bett auf der IS kostet ein Gewehr, ob belegt oder leer. Also sind die Spitäler gehalten, eine möglichst kleine Reserve vorzuhalten, um weitere Kosten im Gesundheitssystem zu vermeiden.

BAG, Zahlen vom 30. 11. 2021.

Punkt zwei: Bei diesen Kapazitäten werden nur sogenannte zertifizierte Betten gezählt. Also offiziell-amtliche. Als beispielsweise vor Ostern 2020 eine ähnliche Welle durch die Medien schwappte, dass die IS in der Schweiz an der Kapazitätsgrenze angelangt seien und die Bevölkerung entsprechend verschreckt reagierte, winkte sogar das BAG selbst ab. Es gebe dann im Fall noch ein paar hundert weitere Intensivpflegestationen, halt nicht zertifiziert. Also sei die Belegung keinesfalls 98 Prozent, sondern nur etwas über 60.

BAG, Zahlen vom 30. 11. 2021

Wer ist daran schuld?

Da sind sich eigentlich alle einig: die Ungeimpften. Die Impfverweigerer. Die fahrlässig Verantwortungslosen, denen die persönliche Freiheit wichtiger ist als das Allgemeinwohl. Wir wollen hier nicht in diese erbitterte Debatte eintreten. Nur: auch das stimmt so nicht. Das Problem sind nicht mangelnde Bettenkapazitäten. Das Problem ist der Pflegenotstand.

Es gibt schlichtweg zu wenig Personal. Wie selbst der von Alpträumen geplagte Berner Professor eingesteht: «Eigentlich hätten wir 36 zertifizierte IPS-Betten. Aktuell können wir 28 betreiben, nächsten Monat noch 26», sagt Chefarzt und Klinikdirektor Stephan Jakob. Grund sei der Personalmangel: «Viele haben gekündigt. Manche sind länger krankgeschrieben, weil sie nach diesen schweren 21 Monaten so erschöpft sind», sagt er auf SRF.

Daran sind aber nicht die Ungeimpften schuld, sondern letztlich wir alle. Die Spitalverwaltungen, die politisch Verantwortlichen und die Stimmbürger, die ihnen kein Feuer unter dem Hintern machen, sondern meinen, auf dem Balkon klatschen und ein paar gesäuselte «da muss nun aber mal dringend» löse das Problem.

Was uns übrigens nicht heimtückisch aus dem Nichts angesprungen hat. Sondern seit Jahren bekannt ist.

Was kann man denn noch tun?

Es gibt die untauglichen Vorschläge von profilierungssüchtigen Politikern. Zuvorderst dabei wie immer der SP-Nationalrat Fabian Molina. Wenn er sich nicht gerade um den Weltfrieden kümmert, hat er diesen Einfall: «Impfpflicht ist besser als ein Lockdown oder Verschärfung für Ungeimpfte». Damit erobert er sich eine Schlagzeile auf «watson». Und reiht sogar sechs Konsonanten aneinander. Schschpitze.

Ihm wird entgegen gehalten, dass das doch ein kräftiger Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte sei. Dem stimmt er zu, um dann die abenteuerliche Begründung hinterherzuschieben: der sei aber «verhältnismässig, weil erforderlich». Diese Bemerkung ist ungefähr so intelligent wie die Feststellung: Die Ampel ist rot, weil sie nicht grün ist.

Wir gestehen: da ist uns selbst Konsumterror mit unablässigem Jingle Bells und Weihnachtsliedern lieber.

No panic!

Der «Blick» ist eine Zeitung, die mit ausschliesslich positiven Nachrichten Wellness für die Seele bieten will. Panik verbreiten ist ihr fremd.

Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, mag die leisen Töne. «Ich habe meine Redaktion angewiesen, keine Panik zu verbreiten», sagte er vor einer Woche im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema «Corona und die Medien». Das war seine Reaktion auf den genau gegenteiligen Vorwurf, dass sich nämlich seine Medien auf alles stürzen, was selbst Kanalratten vor Angst aus den Städten vertreiben würde. Ausserdem sagte er sinngemäss, Corona sei eine so wilde Situation, dass man gar nicht künstlich übertreiben müsse, die Realität sei ja verrückt genug.

Aber das ist sie eben offenbar doch nicht. Eine Woche nach dem salbungsvollen Versprechen steckten sich in St. Moritz zwölf Personen mit einem mutierten Virus an. Der «Blick» titelte, das Virus «wüte» im Wintersportort. Wobei ein Taschenspielertrick angewendet wurde, das Wort «wütet» fand sich nur auf dem Anriss auf der Startseite von blick.ch, im Artikel ist dann die Rede von «breitet sich aus». Immer noch völlig falsch und übertrieben, aber immerhin ist Ausbreitung kein Begriff aus dem Paniksprech.

So verbreitet man garantiert keine Panik

Am Tag darauf darf zwar ein Mitglied der Engadiner Task Force an gleicher Stelle relativieren, es sei «kein wilder Ausbruch, nur eine Häufung von Fällen». Die Panik wäre damit etwas gedämpft, aber das ist offenbar nicht erwünscht. Daher wählte die Dorer-Truppe bei dieser Entwarnung als Übertitel «Turbo-Virus wütet in St.Moritz». Turbo und wütet. Viel mehr Panik geht nicht.

Lässt sich mal keine Panik verbreiten von der Redaktion, welche die Anweisung hat, sie solle keine Panik verbreiten, gibt sie einfach die Panik einer anderen Person wieder. «Schock für Mutter Julia T.* (45) anfangs Woche!», schreibt der Blick. Ja, klar, Anfang Woche, Montag halt, da ist sind wir alle geschockt. Aber nein, es ist schlimmer. Denn: Auf eine Terminanfrage bei einer Ärztin erhielt Julia T. als Antwort, sie – die Ärztin – werde keine Maske tragen bei der Behandlung. Schock! Man kann sich wahrlich vorstellen, wie Frau T. kraftlos vom Stuhl kippte, als sie diese E-Mail sah. Zumal das ja die einzige Ärztin ist, die in der Schweiz praktiziert und es somit keine Alternativen gibt.

Panik gestern, Panik heute, Panik morgen. Aber don’t panic

Und auch am Tag danach herrscht Panikmodus in der panikbefreiten Redaktion von blick.ch. Der «Global Risk Report» des WEF zeigt: Corona war gestern, wir müssen uns schon in diesem Jahr auf neue ansteckende Krankheiten vorbereiten. Das könnte man vorübergehend relativ gelassen nehmen, weil die WEF-Experten bereits 2006 vor einer Pandemie warnten, die sich danach 15 Jahre Zeit nahm, bis sie auftauchte. Aber die «Blick»-Onliner zimmern aus der lauwarmen Prognose sicherheitshalber doch den Aufmacher. Für den Fall, dass die Panikwelle nach St.Moritz bereits wieder verebbt ist.

Entweder hat die Redaktion ihrem Chef nicht zugehört, als der aufrief, keine Panik zu verbreiten oder es hält sich keiner daran. Dritte Variante: Das alles ist nach «Blick»-Massstäben keine Verbreitung von Panik. Dann darf man gespannt sein, wie die Zeitung aussieht, wenn ein zukünftiger Chefredaktor auf Panik steht.

Der Autor Stefan Millius ist Chefredaktor der «Ostschweiz».

Packungsbeilage: Unser Mitarbeiter René Zeyer publiziert dort regelmässig.