Schlagwortarchiv für: Leserverarschung

Le rire est bon pour la santé

Wussten Sie, dass es «Umweltpsychologen» gibt? Lesen und lachen.

Das ist Gabriella Alvarez-Hummel:

Sie ist Journalistin. Sagt sie. Für den Kopfblattsalat aus dem Hause Tamedia interviewte sie Nicole Haiderer von «Psychologists for Future Schweiz». Das sind die hier:

Aber genug der Bilder, lasst Worte sprechen. Interviews sind immer dann besonders spannend, wenn sich die Gesprächspartner dabei in den Armen liegen. Das kann auch unfreiwillig komisch sein:

«Klimaangst ist eine berechtigte Angst. Eine adäquate Reaktion auf einen bedrohlichen Zustand. Unsere Klimacafés schaffen einen Raum, in dem Menschen ganzheitlich mit ihren Gefühlen und Erfahrungen Platz haben und sich austauschen können.»

Also, liebe Leser, Leser*Innen** and everybody beyond: haben Sie Klimaangst? Hier wird Ihnen geholfen: «Was wir auch anbieten, sind Erstgespräche für Privatpersonen, die wir dann an klimasensitive Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen in unserem Netzwerk weitervermitteln

Was für Erkenntnisse kann man dabei gewinnen? «Menschen reagieren unterschiedlich auf die Klimakrise. Sie flüchten oder kämpfen. Oder sie gehen in Aktion und ändern etwas. Menschen handeln aber nur, wenn sie wissen, was sie tun sollen. Deswegen ist es so wichtig, Lösungen zu präsentieren.»

Was man auch tun sollte: «Einfach mal fragen: «Wie geht es dir eigentlich mit der Klimakrise?» Wenn wir diese Gespräche führen, dann merken wir, dass wir nicht allein sind mit unseren Sorgen. Und dass die meisten Menschen für Klimaschutz sind.»

Jawoll, auch ZACKBUM bekennt sich ohne Wenn und Aber zum Klimaschutz und fordert freien Schneefall bis in die Wohnungen.

Aber was kann denn der Einzelne nun tun, ausser Petflaschen zurückbringen und immer schön das Licht ausmachen in Räumen, die nicht benutzt werden?

«Nehmen wir an, Sie betreten ein Gebäude. Sie können den Lift oder die Treppe nehmen. Beim Eintreten sehen Sie Spuren, die zu den Treppen führen. Das kann Sie dazu bringen, die Treppen zu nehmen, was Ihnen guttut und zudem Strom spart.»

Super Idee, nie mehr Lift. Noch mehr? Aber ja: «sich für den Folgetag das Velo bereitstellen». Wow. Aber auch Firmen haben Möglichkeiten: «Etwa, indem sie im Personalrestaurant das vegane oder vegetarische Gericht attraktiv machen und das auch noch preislich günstiger ist.» Da hört’s dann leider bei ZACKBUM auf, keine vegane Mangelernährung, bitte.

Apropos vegan, damit kriegt man das sicher auch weg: «Gewohnheiten sind sehr schwer zu verändern. Der innere Schweinehund, das sind eigentlich unsere Gewohnheiten. Da muss man mit ganz vielen Mitteln dagegen ankämpfen, das kostet Energie. Aber wenn man es schafft, die Dinge so einzurichten, dass man sie automatisch anders macht, dann hilft das sehr..»

Aber es gibt sogar Tagi-Leser, die diesen inneren Schweinehund immer noch an der langen Leine spazieren führen und kommentieren: «Ich halte es für problematisch, dass in solch einem Interview tatsächlich nicht mal Platz war für EINE kritische Gegenfrage

ZACKBUM würde da noch einen Schritt weitergehen. Wir halten es nicht für problematisch, sondern für reine Leserverarschung, ein solches «auf welche Stichworte wollten Sie schon immer mal antworten?»-Interview zu publizieren. Wo bleibt da Qualitätspapst Simon Bärtschi? Wo bleibt auch nur der Ansatz des Bemühens, dem Leser etwas Lesenswertes zu servieren?

Aber es gibt Trost. Selten so gelacht.

 

Wahn und Wirklichkeit

Die neue Tamedia-Werbekampagne bringt Heiterkeit in den Alltag.

Zwischen Selbstvermarktung, Selbstwahrnehmung und Wirklichkeit sollte kein allzu grosser Spalt klaffen.

Ein Sparmobil kann sich nicht als Rolls-Royce verkaufen. Billig-Discounter sind keine Gourmet-Tempel. Die Deutsche Bahn ist nicht Pünktlichkeits-Weltmeister.

Gebeutelt von ständigen Sparmassnahmen, Zusammenlegungen und Entlassungen kam bislang nur die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi auf die Idee, das als Qualitätssteigerung und Bekenntnis zum Qualitätsjournalismus des Hauses Tamedia zu verkaufen.

Während sich die Leserschaft zunehmend gähnend abwendet, wenn sie mit eingekauften Stücken von der «Süddeutschen Zeitung» aus München, der unermüdlichen Nabelschau der verbliebenen Redaktoren und ständigen Besserwissereien, Ratschlägen und Handlungsanleitungen berieselt wird.

Hier fehlt die Trennschärfe zwischen Wahn, Wille und Wirklichkeit immer mehr. Selbst die krachende Niederlage der Erbschaftssteuer-Initiative wird wortreich bedauert und betrauert und behauptet:

«Eine Erbschaftssteuer würde die Wirtschaft ankurbeln und die Welt gerechter machen.»

Aber die Welt bleibt leider, trotz allen Bemühungen der Gesinnungsblasen-Schreiber von Tamedia, die nichts anderes machen als ständig neue Blasen aufzublasen, ungerecht.

Obwohl der gesamte Kopfsalat von Tamedia weitgehend mit der gleichen Einheitssauce abgefüllt wird. Basel, Bern, Zürich, Hauptsache München.

Nun wurde aber eine neue Werbekampagne lanciert, bei der man sich fragen muss, welche Substanzen bei ihrer Kreation inhaliert, geschnupft, geschluckt wurden:

ZACKBUM wischt sich die Lachtränen aus den Augen und fragt: «Vielstimmig statt eintönig»? Wie soll das gehen, wenn vielstimmig Eintöniges intoniert wird. Wie wäre es stattdessen mit «Einfältig und eintönig?» Wie wäre es, eine Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen: Verkaufte Auflage minus 62 Prozent seit 2008.

Und wenn Nicken von oben verordnet wird, dann nicken doch alle bei Tamedia mit. Wenn dem Big Boss Pietro Supino ein Artikel, ein Autor nicht passt: weg damit. Wenn er die strikte Trennung zwischen Verlag und Redaktion in die Tonne tritt und zu ellenlangen Kommentaren ausholt: nick, nick, nick.

Ach ja? Das hätte zur Voraussetzung, dass verschiedene Meinungen existieren würden. Ist aber nicht so, nicht nur ZACKBUM-Redaktor René Zeyer hat bei Tamedia Schreibverbot. Chefredaktorin Mimose goutiert seine kritische Meinung nicht. Kein Brückenschlag möglich.

Aber, das muss man der Kampagne lassen, hier schimmert eine Spur von Selbstkritik durch:

Das hindert aber die in ihren Verrichtungsboxen im Newsroom werkelnden Journalisten nicht daran, zwar nicht Bescheid zu wissen, aber allen Bescheid zu stossen, wie man die Welt sehen sollte. Informiert sind sie mittels Google, KI und Newsagenturen. Denn wer mehrere Artikel pro Tag raushauen muss, kann sich ja nicht en détail schlau machen.

Diese Werbekampagne erinnert einen an den alten Ausdruck «lügen wie gedruckt». Der entstand mit dem Aufkommen der Massenmedien als Druckerzeugnis. Seit Erfindung des Internets ist das auch digital möglich.

Als die Agentur Fraser diese Gaga-Kampagne einem auserlesenen Zirkel von einkommensschweren, aber meinungsschwachen Tamedia-Managern vorstellte, hätten die versammelten Koryphäen für die Tausenden von Franken, die ihre wertvolle Anwesenheit kostete, doch sagen müssen: Knick in der Fichte, Wand draussen, einen an der Waffel, komplett Banane, Sprung in der Schüssel, im Oberstübchen zieht’s, alle Schrauben locker, ins Hirn geniesst oder was.

Stattdessen haben sie diese Leserverarschung abgenickt.

Einen drauf setzt wie immer die Leiter nach unten. Der behauptet doch in einem Interview: «Schlankere Strukturen bedeuten nicht weniger Stimmen». Bärtschi lebt offenbar in einer Parallelwelt, wo alle Regeln der Logik aufgehoben sind. Obwohl Tamedia Dutzende von Mitarbeitern entsorgt hat, bedeute das für ihn nicht, dass es weniger Stimmen gäbe.

Wenn also der Männerchor Werdstrasse statt 50 Sänger nur noch 20 umfasst, würde Bärtschi sagen: ist verschlankt, singt aber vielstimmig wie vorher. Der Mann hat Nerven und ist völlig schmerzfrei.

Aber sehen wir es positiv: es gibt so wenig zu lachen heutzutage.

Pimmel-Postille Tamedia

Es gibt Fake-Inserate, die via Google auf die Medienwebseiten gespült werden. Und dann gibt es «Sponsered».

Tamedia ist das Haus der Betroffenheit, der Woken, Guten und Sprachvergewaltiger mit Gender-Sternchen und anderem Pipifax. Hier wird inkludiert und achtsam verhindert, dass sich irgend ein Empfindsamer unwohl fühlen könnte.

Aber auch der Journalist muss von etwas leben. Also vermieten unfähige Verlagsmanager Werbeplätze an Google, wo dann auch Fake-Inserate erscheinen, die den Lesern das Geld aus der Tasche ziehen. Selber blöd, passiert doch den Abonnenten auch, die keine geldwerte Leistung bekommen.

Einen einsamen Höhepunkt (Pardon), sozusagen den gesteigerten Erektionswinkel, erreicht Tamedia aber hier:

Viagra und Penisverlängerung war gestern, jetzt gibt es die Fünf-Minuten-Lösung für den Ständer durch Everyman. Schlappschwänze erheben hoffnungsfroh die Eichel:

«Ein Schweizer Start-up bietet jetzt eine Online-Behandlung in nur fünf Minuten und überzeugt damit auch in der Investoren-Sendung «Die Höhle der Löwen»

Wenn das in dieser Qualitätssendung für Investmententscheide Wallungen auslöste, dann kann doch kein Zweifel bestehen, dass die Probleme von angeblich 50 Prozent aller Männer schnell gelöst werden können.

Die angeblichen Probleme von fast 50 Prozent aller Frauen, die am Arbeitsplatz und sonst wo von notgeilen Männern belästigt werden sollen, bleiben aber weiterhin ungelöst – wenn sie sich nicht verschärfen.

Schliesslich hätten es schon ganze 5000 begeisterte Bettversager benützt. Und rammeln wieder wie die Karnickel.

Dabei fehlt es nicht an begeisterten Testinonials:

««Ich habe meine Manneskraft wieder», berichtet Christian L., 42, erleichtert. «Ich muss nicht mehr darüber nachdenken, obs denn klappt. Diese Sicherheit zu haben, ist unbezahlbar. Meine Partnerin und ich geniessen jede Sekunde.»

Wunderbar für Christian L, so er denn existiert. Dass «Everyman» alles tut, um Propaganda für seine völlig uneigennützige Dienstleistung für Männer mit Pimmelproblemen zu machen: erlaubt und verständlich.

Dass sich Tamedia dazu hergibt, in täuschend ähnlicher Aufmachung wie ein redaktioneller Artikel eine solche Werbung tagelang auf der Homepage zu halten, ist das andere.

«Dieser werbliche Beitrag wurde von Everyman Health AG erstellt. Er wurde von Commercial Publishing, der Unit für Content Marketing, die im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia kommerzielle Inhalte produziert, für die Publikation aufbereitet, wobei die Haftung für Inhalte (Wort, Bild) und externe Links bei Everyman Health AG liegt.»

Also Tamedia verdient am Inserat, verdient an der Herstellung und käme nie im Traum auf die Idee, den Inhalt kritisch zu hinterfragen, wie es die Aufgabe von Qualitätsjournalismus wäre. Die Haftung für Inhalte ist selbstverständlich ausgeschlossen, wie das auch bei eigenen Artikeln Gang und Gebe ist.

Die Schnur des Senkbleis beim Ausloten publizistischer Tiefen muss ein weiteres Mal verlängert werden.

 

Torkelnder Kommentar

Auch Niklaus Vontobel von CH Media will Trump zeigen, wo der Hammer hängt.

Der Wirtschaftsredaktor von CH Media tischt dem Leser gross auf: «Trump torkelt von Idiotie zu Idiotie – was soll da schon schiefgehen

Dann tut er dem US-Präsidenten die Knöpfe rein. Den von Trump als «Tag der Befreiung» angepriesene 2. April dieses Jahres müsse man so sehen:

«Trump beschädigte damals das Ansehen der USA und des Dollars zugleich – und die USA stehen heute noch lädiert da. Das Vertrauen in den Dollar ist angeschlagen.»

Schuld daran ist Trump, dessen Regierung «so unseriös und chaotisch» agiere. Dabei ist der Dollar nach wie vor Weltwährung Nummer eins, US-Staatspapiere gehören zu den sichersten und am meisten nachgefragten Schuldpapieren der Welt, und solange die Anleger nicht ihr Vertrauen verlieren, lassen sich noch so absurde Staatsschulden problemlos refinanzieren.

Dann zitiert Autor Niklaus Vontobel  ausgerechnet «Ökonomen der Bank J. Safra Sarasin», um seine Ansicht zu untermauern.

Das ist die ehemalige Basler Privatbank, deren letzter Vertreter deutschen Milliardären wie Maschmeyer oder Drogerie-Müller im Cum/Ex-Skandal Spekulationspapiere andrehte. Und nach der Übernahme durch die Safra-Sippe sich standhaft weigerte, nach dem Totalschaden, als dieses illegale Verdienstmodell explodiert war, ihre Verluste zurückzuzahlen. Bis sie dazu gezwungen wurde.

Also eine sehr vertrauenswürdige Quelle zwecks Untermauerung der eigenen Ansicht.

Vontobel zitiert weiter: «Die Bank J. Safra Sarasin schreibt daher: «Der Dollar ist eine Risikowährung.»»

Dass dem so sei, will Vontobel mit weiteren wilden Behauptungen unterstreichen. Das Wirken von Elon Musk, mit dem Präsident Donald Trump inzwischen in einem schmutzigen verbalen Krieg verhakt ist, habe mit seinen Sparversuchen Folgendes bewirkt: «In der Entwicklungshilfe hat sein Wirken nach einer Schätzung über 100’000 Erwachsene und 200’000 Kinder das Leben gekostet. Dann enthüllte die «New York Times», was Musk nebenbei massiv konsumiert: Ketamin, Ecstasy, psychedelische Pilze.»

Dabei ist die Reduzierung der Geldverschleuderung von USAID das einzig Sinnvolle, was Musk zustande gebracht hat. Und der angebliche Drogenkonsum von Musk, der von ihm dementiert wird, ist eine haltlose Unterstellung, die auf anonymen Aussagen aus seinem Umfeld beruht.

Nach diesem wilden Herumhüpfen und dem Zitieren sehr vertrauenswürdiger Quellen nimmt sich Vontobel noch die erratische Zollpolitik von Trump zur Brust und schliesst mit dem weisen Satz, voll verunglückter Ironie: «Was soll da schon schiefgehen

Das ist tatsächlich die Frage. Eine Tatsache ist allerdings, dass sich CH Media mit solchen wirren Kommentaren keinen Gefallen tut.

Dass Trump und Musk viel dafür tun, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, ist die eine Sache. Dass ein Medienkonzern, der mit x Kopfblättern seiner Tageszeitungen einen guten Teil der deutschsprachigen Leserschaft in der Schweiz beschallt, mit solchen Kommentaren seine eigene Glaubwürdigkeit gegen die Wand fährt, eine andere.

Mangels Masse und Kompetenz verlegen sich die zu Tode gesparten Elendsmedien immer mehr darauf, den überlebenden Redaktoren freien Auslauf zu gewähren, damit sie ihren Lesern beim Betrachten des eigenen Bauchnabels ihr Leid an der Welt klagen können.

Das verkommt mehr und mehr zu einer Ersatzhandlung für Einordnung und Analyse. Für diese Leistung auch noch Geld zu verlangen, ist nichts weniger als eine Frechheit.

Zusammengeholzt

Arme Autoren der SZ. Tagi-Leser bekommen nur Fragmente.

Michael Neudecker ist der England-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung». Wenn er sich nicht gerade darüber erregt, zur Präsentation des neuen Pirelli-Kalenders eingeladen und bewirtet zu werden, widmet er sich auch der Literatur. Genauer dem Bestsellerautor Robert Harris. Dessen neustes (und nicht unbedingt bestes) Buch «Abgrund» stürmt mal wieder die Bestsellerlisten.

Zudem kommt die Verfilmung seines Werks «Conclave» über die Papstwahl gerade in die Kinos. Genug Anlass für ein «Profil» in der SZ, Titel: «Robert Harris. Autor von «Konklave» mit einem Faible für Randfiguren». Auf rund 4000 A holpert sich Neudecker nicht unbedingt literarische hochstehend und sehr, sehr selektiv durch das voluminöse Werk von Harris. Die Cicero-Trilogie («Imperium, Titan, Dictator»), das Hauptwerk, ist ihm offensichtlich zu schwer. Ausserdem passt es nicht zu seiner dünnen These der Randfiguren. Zu erwähnen wären sicherlich auch «Aurora» über einen fiktiven Sohn Stalins oder «Der zweite Schlaf», eine bedrückende Dystopie.

Aber item, Neudecker gibt alles und versucht das ihm Mögliche, was nun nicht viel, aber immerhin etwas ist. Zu seinem Pech hatte der Tagi gerade auf seiner Seite «Meinungen» mangels Meinungen noch ein Plätzchen frei:

Nun ist es aber im Kopfsalat-Imperium Tamedia so, dass ja über ein Dutzend Blätter bespielt werden müssen, wo jeweils die lokale Rumpfredaktion theoretisch die Möglichkeit hat, eigene Werke einzupflegen. Deshalb hat hier jedes Gefäss im Sinne des Qualitätsmanagements von Simon Bärtschi (wo ist der Schlingel eigentlich abgeblieben; trinkt er mit Kerstin Hasse ein Bierchen nach dem anderen?) seine genau vorgegebene Zeichenzahl.

Und das sind hier halt 2800 und nicht 4000 wie bei der SZ. Da gilt das Qualitätsprinzip: was nicht passt, wird passend gemacht. Also werden mal kurz 30 Prozent des Texts rausgehackt.

Nun ist natürlich jeder Text kürzbar. Allerdings gibt es dabei zwei Probleme. Es muss gekonnt sein, und irgendwann wäre es besser, einen neuen, kürzeren Text zu schreiben, weil sonst alles in den Gelenken knirscht und knackst.

Der Originaltext von Neudecker in der SZ ist auch nicht gerade ein Höhepunkt der Beschreibung von Literatur. Aber wer das Geholper beim Tagi & Co. liest, könnte sich schon fragen, ob Neudecker noch das Perlhuhn mit Rosmarin-Mangold mit sich an der Decke räkelnden leichtbekleideten Damen auf dem Magen lag, als er das schrieb.

Dass Tamedia aus Qualitätsgründen, Pardon, aus Spargründen so vieles von der SZ übernimmt, ist das eine. Ohne Rücksicht darauf, dass sich die deutsche Weltsicht nicht nur in Form eines ß oder mit Wörtern wie «parken» von der schweizerischen unterscheidet.

Das andere ist aber, dass sogar bei diesen Übernahmen Hand angelegt wird, Texte notgeschlachtet, damit sie in die Gefässe des Qualitätsorgans passen. Ohne, dass sich der Autor dagegen wehren könnte. Denn letztlich steht immer noch Neudecker über oder unter dem Text, obwohl er mit diesem Trümmerhaufen eigentlich nicht mehr viel zu tun hat.

Als Gipfel der Frechheit versteckt Tamedia diesen übernommenen, gekürzten und misshandelten Text noch hinter der Bezahlschranke. Die Leserverarschung erreicht ungeahnte Höhepunkte.

 

Gut abgehangen

«Blick» bleibt gnadenlos. ZACKBUM auch.

Sicher, die Frage ist interessant. So mehr oder weniger. Aber noch wichtiger ist die Frage, wieso dieser Artikel seit dem 15.August zuoberst bei «Politik» steht.

Aber auch «In eigener Sache» fällt dem Schnarchblatt nichts Neues ein:

Die besten Callcenter, wohl der Rekordhalter, steht seit knapp einem Monat hier, seit dem 29. Juli. Nur wenig jünger ist die Ankündigung, dass Steffi Buchli nun die Texte vorliest, inklusive des Anpreisungstexts. Seit dem 18. August. Und nun der Superstar; «Blick will deine Story» wurde am 6. September publiziert. Nein, das ist kein Blick in die Zukunft. Und nochmal nein, es ist nicht September 2023. Sondern 2022.

Den irreführendsten Titel hat aber nach wie vor das Ressort «News». Ein Rehash über die Regierung von Olaf Scholz zuoberst, immerhin aktuell. Dass viele Republikaner Harris wählen würden, weiss der «Blick» seit dem 21 August. Dann noch Polizeimeldungen, und fertig ist die Schlafpille.

Neben solcher Leserverarschung gibt es auch immer wieder die Abteilung «doppelt gemoppelt» wo man ein fröhliches Ratespiel betreiben kann, wie oft der gleiche Artikel immer wieder vorkommt. Zum Beispiel der über Scholz:

Ach, und Cora Schumacher packt auch schon länger aus. Und schliesslich ist das «Beste von Blick+» allesamt nicht wirklich taufrisch:

Dabei ist das der verzweifelte Versuch, dem grossen Vor-«Bild» zu folgen und eine Bezahlschranke zu errichten. Mit durchschlagendem Erfolg, denn gehört hat man davon schon länger nichts, als alte Artikel auf der Homepage stehenbleiben.

Wunderbar ist auch dieser hier:

Wirklich mal ein Artikel mit Gehalt? Im «Blick»? Kann ja nicht wahr sein. Ist nicht wahr:

Nur aufgewärmt und aus der «Handelszeitung» übernommen. Soll sich doch irgendwie lohnen, dass Ringier dem Axel Springer Verlag dessen Schweizer Organe abgekauft hat. Ob’s allerdings rentiert, ist eine andere Frage.

Werbejauchzer vom «Blick»

Wenn das keine Gratis-Flugmeilen gibt …

«Das musst du wissen», behauptet das Boulevardblatt ohne Boulevard, aber mit Regenrohr im Logo, nassforsch. Da wird sich die Lufthansa als Besitzer des Charterfliegers freuen, dass es gleich eine ganze Lobeshymne absetzt, wie sie eine Werbeagentur nicht besser schnitzen könnte.

Aber wozu die bezahlen, plus Geld für einen «paid content» aufwerfen, wenn das der «Redaktor Wirtschaft» Jean-Claude Raemy auf Kosten des Medienhauses erledigt. Vielleicht ist es auch eine Stellenbewerbung als Werbetexter, obwohl er am Einstieg noch etwas arbeiten könnte, denn der ist zu banal: «Edelweiss startet durch».

Dann liefert er «musst du wissen»-Delikatessen a gogo ab: «Neu reicht das Rot bei der Heckflosse bis auf den Rumpf, dazu sind die Konturen der Edelweiss-Blume am Heck etwas feiner als bisher.» Wahnsinn, da fühlt sich der Passagier doch gleich viel besser im Flieger.

Selbst Verschlechterungen werden angepriesen: «30 Sitze in Business, in 2-2-2-Reihe». Das war bis anhin eine Fünferreihe auch mit Einzelsitzen, Privatsphäre für Alleinreisende. Nun hat man zwangsweise einen Sitznachbarn, was für das Geld leicht unverschämt ist.

Auch Zukunftsmusik wird gespielt: «Geflogen werden die neuen Routen noch mit Flugzeugen des Typs Airbus A340. Das grösste Interesse gilt passagierseitig jedoch den neuen Airbus A350, die bei der Swiss-Schwester ab Frühjahr 2025 zum Einsatz kommen

Interessant, was da «passagierseitig» für Interessen bestehen, dass man dann nächstes Jahr mal einen neueren Airbus besteigen darf, wow. Im Frühherbst 2023 hatte das bereits der «Reporter Wirtschaft» Patrik Berger vermeldet, damals wurde das Startdatum noch in den «Sommer 2025» verlegt. Besonders köstlich war die Fotostrecke zum damaligen Jubelschrei:

So stellt man sich ein umweltfreundliches Flugzeug idealerweise vor. Oder sollte das damals ein diskreter Hinweis an die Startbahnkleber der Letzten Generation sein?

Die Medienhäuser machen ganz allgemein willig die Beine breit, wenn sie auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit und als Leserverarsche inzwischen eigene Abteilungen beschäftigen, die im Auftrag von Werbekunden «paid content» oder schlichtweg Werbung herstellt, die täuschend ähnlich wie der redaktionelle Inhalt daherkommt. Aber für aufmerksame Leser hat’s da dann immer noch irgendwo versteckt einen Hinweis darauf.

Beim «Blick» ist nicht einmal das mehr nötig. Ob und in welcher Form es da Gegengeschäfte gibt – oder ob der Beitrag tatsächlich einfach gratis und franko Jubelwerbung für Edelweiss betreibt, man weiss es nicht. Man will es auch nicht wissen. Übel wird’s einem auf jeden Fall. Dabei liegt dem Artikel nicht einmal eine Kotztüte bei.

 

Gut abgehangen

Bei Fleisch wünschenswert, bei einer News-Webseite weniger.

Es ist unbekannt, ob der «Blick» mit einer erhöhten Anzahl von Alzheimer-Lesern rechnet. Also solchen, die den gleichen Artikel wieder und wieder lesen können – wobei er ihnen jedes Mal neu vorkommt. Das können sie beispielsweise beim Aufmacher im Ressort «Leben» ausgiebig tun:

Ob es wohl ein Fehlschluss ist, dass dieses rasend interessante Stück aus der Mehrwertküche von «Blick+» seit dem 13. Juli (!) online ist?

Auch nicht gerade brandneu, aber hinter der Bezahlschranke steckt dieser Ratgeber:

Er ziert seit dem 27. Juli als Aufmacher das Ressort «Gesellschaft». Na und, die «Tipps vom Magen-Darm-Spezialisten» (nur für Plusser) verstauben seit dem 20. Juli darunter.

Podcasts herstellen, ist aufwendig. Kein Wunder, dass der «Pro und Konter» über die Leistungen von Pogacar seit dem 22. Juli als Aufmacher in dieser Rubrik dudelt. Auch die «Affäre am Unispital» lockt Plusser seit dem 28. Juli, als Aufmacher im Ressort «Politik».  Vielleicht in die Vergangenheit sollte man die Verben im «People»-Aufmacher «Megawatt rocken Paris» setzen. Sie rockten am 30. Juli, und nicht Paris, sondern höchstens das «Deutsche Haus» dort.

Seit dem 28. Juli erklärt «Blick+», «Warum eine Libanon-Offensive die ganze Welt durchschütteln würde». Das steht perverserweise unter «News», und es ist zu hoffen, dass wenn eine solche Offensive stattfände, der Konjunktiv gestrichen würde.

Soweit eine Momentaufnahme am 1. August. Fehlt noch das Absackerchen:

Nein, der Artikel war aktuell. Die Preisfrage ist aber: worin besteht die Behinderung von Martina S.? Nein, falsch geraten, es ist das Bein …

Frischling trifft auf alten Fuchs

Schlachtross Ossi Grübel vernascht die Fragen einer Jungredaktorin.

Die Idee ist nicht schlecht: was meint eigentlich Oswald Grübel, der einzige Mensch, der Chef bei der UBS und bei der CS war, zu dem UBS-Krisenplan unserer Finanzministerin Karin Keller-Sutter? Das könnte interessant werden – wenn nicht jemand die Fragen stellte, der von Finanzen, Banking und so Zeugs so viel Ahnung hat wie Keller-Sutter.

Bei CH Media darf da Ann-Kathrin Amstutz dilettieren. Die schreibt über sich selbst: «Schon immer hat mich eine grosse Neugier angetrieben. Dies brachte mich 2016 zum Journalismus. Ein Praktikum bei der Aargauer Zeitung war mein Einstiegsticket.» Jö. Noch mehr jö: «Ab und zu versuche ich mich an kreativen Texten.»

Jemand mit einem so wohlgefüllten Rucksack darf nun Grübel interviewen. Dem dürften dabei die Augenlider noch schwerer geworden sein als sonst. Denn er muss nicht mal aus dem Halbschlaf erwachen, um so harmlose Fragen zu beantworten wie die, ob man die UBS eigentlich überhaupt abwickeln könne: «Das wird sehr schwierig sein. Die UBS ist eine global systemrelevante Bank und im internationalen Netz eingebettet – das kann die Schweiz gar nicht alleine bestimmen.» Das ist im Prinzip richtig, aber genau dafür gibt es Plattformen wie die CMG. Hä, würde da Amstutz sagen, daher: das ist die Abkürzung für «Crisis Management Group»,  eine Behörde, mit der sich international Bankenaufsichten austauschen und koordinieren.

Was sie im Fall der CS übrigens auch taten – und was Grübel sehr wohl weiss. Aber wenn es die Interviewerin nicht weiss …

Dann behauptet Grübel: «Wenn die Schweiz keine Grossbank mehr hätte, wäre das sehr nachteilig für die Wirtschaft und das ganze Land.» Blühender Unsinn. Gäbe es keine UBS mehr und bestünde Nachfrage nach ihrem Angebot, würden das problemlos andere internationale Banken mit Handkuss übernehmen. Und ein Zusammenbruch der UBS wäre mehr als nur bloss «nachteilig» für das Land, das wäre eine helle Katastrophe bei einem solchen Dinosaurier.

Dann wird es ganz abstrus, denn Grübel darf unwidersprochen behaupten: «Dass die Regulatoren wie im Falle der CS schon über ein Jahr im Voraus wussten, dass die Bank vor dem Abgrund steht, aber dann bis zu einem Tag warten, wo ein Krisenentscheid gefällt wird.»

Dabei hat Grübel den FINMA-Bericht über ihr Handling der CS-Katastrophe sicherlich gelesen, aber eben auch im Gegensatz zu Amstutz. Hätte sie sich etwas kreativer und neugieriger vorbereitet, dann wäre ihr aufgefallen, dass die FINMA selbst klarstellt, dass ihr am Vorabend des katastrophalen Entscheids der Finanzministerin die Zusicherung der wichtigsten Bankenaufsichtsbehörden weltweit vorlagen, dass die bei einer von der FINMA vorgeschlagenen Sanierung keine Probleme in ihren jeweiligen Jurisdiktionen sahen.

Diese Sanierung hätte vorgesehen, die CS-Aktionäre und Wandel-Obligationäre, wie es in einem solchen Fall Brauch ist, auf null zu setzen, die Bail-in-Obligationäre zu den neuen Besitzern zu machen und die Operation mit einem Kapital (Total Loss-Absorbing Capacity, aber das würde für Amstutz zu weit gehen) von über 111 Milliarden Franken zu unterfüttern. Das wäre doppelt so hoch gewesen wie das Eigenkapital der UBS und wäre zudem mit Liquidität von der SNB gestützt worden.

Also wären die wirklich interessanten Fragen an Grübel gewesen, wieso um Himmels willen die Finanzministerin nicht diese Lösung wählte und stattdessen die CS zum Schnäppchenpreis von 3 Milliarden an die UBS wegschenkte. Und noch dem Steuerzahler mit ihrer ungeschickten Äusserung («this is not a bail-out») ein 16-Milliardenproblem aufs Auge drückte. Aber dafür müsste Amstutz wissen, was AT-1-Bonds sind, und nein, dass hat nicht mit James Bond zu tun.

Deren Nominalwert belief sich auf 16 Milliarden Franken, die nun weltweit eingeklagt werden, weil die FINMA auf Anordnung des Bundesrats diese Wandelanleihen auf null setzte. Dadurch verschluckte sich die UBS fast an einem Sondergewinn von 29 Milliarden Franken – durch die halb geschenkte Credit Suisse.

Dann sagt Grübel noch das Übliche zur Frage, ob nicht wenigstens Boni wieder zurückgefordert werden könnten, wenn es der Bank schlecht läuft. Die CS brachte bekanntlich das Kunststück fertig, 32 Milliarden Boni auszuzahlen – für einen kumulierten Verlust von 3 Milliarden Franken. Aber auch da darf Grübel unwidersprochen behaupten, «so eine Bestrafungsmentalität» bringe nichts. Es sollten halt «die falschen Leute von den mächtigen Positionen ferngehalten» werden.

Wie dieses Kunststück funktionieren sollte? Sagt Grübel nicht, fragt Amstutz nicht.

Es ist einer Jungredaktorin ohne Fachkenntnisse unbenommen, naive und uninformierte Fragen zu stellen. Wieso aber auch bei CH Media sämtliche Qualitätskontrollen versagen und ein solcher Müll dem zahlenden Leser als geldwerte Leistung aufs Auge gedrückt wird?

Das ist so, wie wenn der Kochlehrling ein 5-Gänge-Menü auf den Teller zaubern sollte. Während der Chefkoch gemütlich zuschaut und auch das Gemurmel überhört, wenn er dann die Rechnung präsentiert.

Es wird immer deutlicher. Nicht die Umstände schaffen die klassischen Newsmedien ab, sondern die Unfähigkeit auf der Chefetage der grossen Medienhäuser.

 

Bli, blü, blöd

Der «Blick» arbeitet weiter am Leserunterhaltungsprogramm. Bravo.

Hier ist die Antwort auf die Frage, wie viele «Blick»-Journalisten es braucht, um eine Schlagzeile in den Sund, Pardon, Sand zu setzen:

Die Antwort ist: fünf reichen für eine Hölle.

Manche mögen das als Journalismus bezeichnen, ohne vor Lachen loszuprusten:

ZACKBUM nimmt zudem belustigt zur Kenntnis, dass es nun auch einen «Teamlead Wirtschaft-Desk» gibt. Wir verlangen ultimativ eine Gebrauchsanweisung für all die Titel der Häuptlinge beim «Blick». Und wir möchten wissen, wie viele Häuptlinge pro Indianer inzwischen chefen, leaden, offizieren und sonstwie wichtig tun.

So, und nun kann man aus Mitleid oder Mitgefühl lachen:

Einfach zur Klarheit: um das zu lesen, bekommt der «Plusser» nicht etwa Geld, sondern muss Geld zahlen.

Nun kommen wir zur Rubrik «wo die News von gestern heute gemacht werden»:

Liebe «Blick»-Officers, Heads, Chefs und Team-Leads: haltet Ihr es wirklich für eine gute Idee, eine News vom 5. März auch am 11. März noch zuoberst auf der Homepage unter «People» zu halten? Wo die «Vorbereitung für Montag» am Montagnachmittag eigentlich vorbei ist und auch bekannt, welche der nominierten Filme was gewonnen haben.

Oder ist das einfach ein kühner Versuch, den Leser zum Lachen zu bringen? Und wenn ja, wieso versteckt ihr ihn dann hinter der Bezahlschranke? Dass Ihr in der Lage seid, die Aktualität zur Kenntnis zu nehmen, zeigt Ihr doch verschämt und klein unten drunter:

Aber den Rekord in alt, angestaubt, aber immer noch brandaktuell zuoberst in der Rubrik hält dieser Artikel:

Er stammt sage und schreibe vom 26. 2., immerhin allerdings 2024. Er wurde um 14.54 Uhr aufgeschaltet und rasant um 14.55 Uhr «aktualisiert». Und seither ist an seiner Aktualität nichts mehr zu rütteln; er ist sozusagen zeitlos aktuell. Und wird den «Blick»-Leser vielleicht noch lange begleiten.

Und noch das Absackerchen zum Nachglucksen? Bitte sehr, ZACKBUM sagt nur: Nutzwert, Service, Lebenshilfe.

Klitzekleiner Wermutstropfen: Ob dieses Ei noch geniessbar ist? Schliesslich stammt es von der SI Style. Das ginge ja noch, aber der Ratgeber wurde am 11. Dezember 2023 verfasst …