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Tamedianer, fürchtet euch

Denn Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar) hat ein Interview gegeben.

Eigentlich braucht es Mitgefühl. Wie soll das ein aufrechter Journalist, von denen gibt es noch ein paar wenige, nur aushalten? Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi übt sich als Terminator. Laut «Schweizer Journalist» feuert er mal so die bewährte Produktionschefin Viviane Joyce mit der Begründung, es brauche frischen Wind.

Den sollte ihr Stellvertreter, zufällig ein guter Freund von Bärtschi, dann bringen. Der kündigt stattdessen selbst. So geht gutes Management. Zudem scheint Bärtschi immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Kündigungsstopp dann im September auslaufe. Auch das nächste Rausschmeissen wird der völlig schmerzfreie Mann mit dem verkniffenen Blick sicher als Qualitätssteigerung anpreisen.

Als wäre das nicht schwer genug zu ertragen, gibt seine Chefin Jessica Peppel-Schulz (die mit der grossen Leitungserfahrung als CEO) persoenlich.com ein Interview. Ihr, die ihr das lest, lasst alle Hoffnung fahren, wenn ihr für Tamedia arbeitet. Noch.

Erste nahtliegende Frage an die Quotenfrau: wenn die Gewinnmarge 2025 bei schlappen 3 Prozent lag, wie soll dann das Ziel von 8 bis 10 Prozent für 2026 erreicht werden? Denn wenn nicht, wird Pietro Supino sehr sauer.

Margenfreie Antwort: «Das Ziel ist ambitioniert, ich weiss – es ist aber bewusst so gesetzt, um uns zu zwingen, alte Strukturen loszulassen, auch wenn das schmerzhaft sein kann.»

Alte Strukturen loslassen, grandioser Schönsprech für: weil meine Strategie bislang nicht geklappt hat, muss halt noch mehr weggespitzt werden.

Oder gäbe es andere Möglichkeiten?

«Unsere Hebel sind klar: Erstens unsere qualitativen Inhalte, zweitens wollen wir mutige und moderne Produkte entwickeln, und drittens legen wir den Fokus auf sehr gute Beziehungen zu unseren Abonnenten. Wenn wir diese drei Hebel konsequent umsetzen, ist das Ziel erreichbar – aber nur mit grossem Engagement und klarem Fokus.»

Klare Hebel, alles klar? Nur: wo sind denn die qualitativen Inhalte, wenn selbst die «Weltwoche» online den Tagi bei den Single Visitors abtrocknet? Und wo sind denn die mutigen Produkte? Schliesslich: ist Leserverarsche mit Gaga-Interviews, Bauchnabelbetrachtungen und realitätsfernem linksgrünem Gedöns Ausdruck von guten Beziehungen?

Aber Nick Lüthi führt halt auch gerne Wohlfühlinterviews und verzichtet auf kritische Nachfragen. Also kommt noch jede Menge Gedöns hinterher:

«Diese Fokussierung auf unsere Kernmarken bedeutet nicht, dass unsere weiteren Titel weniger wichtig wären – im Gegenteil.» Kicher. «Unsere Strategie ist es, diese Stärken gezielt weiter auszubauen.» Gröl. «Wir befinden uns in einer Phase der Transformation», schenkelklopf.

Noch ein Heuler: «Unser Fokus liegt dabei klar darauf, unsere publizistische Leistungsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig effizienter zu werden.» Und dann Breaking News: «Dieses Geschäftsmodell verschiebt sich gerade fundamental – weg von Print, hin zu Digital.» Wer das ohne rot zu werden noch im März 2026 sagt, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Und bevor der ZACKBUM-Leser abklopft und um Gnade winselt, nur noch einen Abschiedsschwurbel zum Schönsaufen: «Alles, was uns publizistisch unterscheidet – also Recherche, Einordnung, lokale Nähe, starke Persönlichkeiten – das stärken wir gezielt.»

Denn völlig verfehlt wäre die Strategie, das gezielt zu schwächen. Durch demotivierendes ständiges Rausschmeissen zum Beispiel.

Nein, der hier muss noch sein, auch wenn’s weh tut: «Mein Ziel ist es – und das sage ich jetzt auch als Mutter von drei Kindern –, dass wir als Tamedia eine führende Rolle in dieser grossen Transformation einnehmen können.»

ZACKBUMs Ziel wäre, dass sich diese Mutter mehr um ihre drei Kinder und weniger um Tamedia kümmern würde. Das wäre eine Wohltat für alle.

So, dann hoch die Flaschen, anders ist das Leben im Glashaus an der Werdstrasse nicht mehr zu ertragen.

Hü und hott und holterdiepolter

Tamedia ist weiter ausser Rand und Band.

Leser ohne Alzheimer erinnern sich noch: Im August 2024 wurde mit grossem Trara angekündigt, dass Tamedia Digital und Print zusammenführt, zusammenlegt. Gemeinsamer Digital und Print Desk, natürlich «Synergien, Leserverhalten, Cross Channel» und das übliche Blabla.

Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi wollte den damit einhergehenden Stellenabbau als «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» verkaufen. Das war der bisher unerreichte Gipfel der Peinlichkeit. Und seine Vorgesetzte Jessica Peppel-Schulz samt plapperndem Avatar verkündete eine «neue Strategie».

Das war zwar eine alte Strategie des gescheiterten Mathias Müller von Blumencron. Aber was soll’s, neue oder alte Strategien sind immer willkommener Anlass für ausführliches Bullshit Bingo.

Aber he, neues Jahr, neues Spiel. Was ist besser als eine neue-alte Strategie? Genau, eine neu-neue Strategie. Allerdings sind die strategischen Möglichkeiten beschränkt (ebenso wie die Fähigkeiten). Was kann man also machen, nachdem man Digital und Print näher zusammengeführt hat?

Kopfkratz, nachdenk, Workshop, PPP, Task Force, wichtiges Geschnaufe, Papers, Executive Summary, Blüblü. Heraus kommt: «Strategische Trennung von Print und Digital». Das Publikum klopft sich auf die Schenkel vor Lachen. Zusammennähen, auftrennen, hü und hott, hin und her, so macht Strategie im Sandkasten richtig Spass.

Allerdings gibt es eine Konstante bei all diesen wunderbaren neuen Strategien: den Stellenabbau. Weitere «25 bis 30 Vollzeitstellen» müssen über die Klinge springen.

Warum? Nun, CEO Peppel-Schulz ist zu bahnbrechend neuen Erkenntnissen gelangt: «Die Mediennutzung und der Werbemarkt haben sich grundlegend verändert. Diese Realität gilt es zu akzeptieren und sich danach auszurichten

Dann vergiesst sie ein paar Krokodilstränen:

«Der damit verbundene Stellenabbau schmerzt, jede verlorene Kollegin schmerzt, jeder verlorene Kollege schmerzt. Besonders belastend ist es natürlich für die Betroffenen selbst, aber auch für die Teams und für das gesamte Tamedia Management ist das sehr schwierig

Meine Güte, hoffentlich stehen genügend Kleenex-Boxen bereit, ist für psychologische Betreuung des Managements gesorgt, das dieses Rausschmeissen eigentlich mehr schmerzt als die Betroffenen. Die gefälligst Mitleid mit den geschundenen Führungskräften haben sollten.

Natürlich wäre zuerst zusammennähen, dann wieder auftrennen selbst für diese Fachkräfte etwas peinlich. Also wird ein drittes Segment dazugeschnallt.

Also, zum einen: «Print und Digital werden organisatorisch voneinander getrennt und in zwei eigenständigen Geschäftsbereichen geführt: Premium Digital sowie Premium Print & E-Paper.» Zum anderen: «die entsprechenden Bereiche werden zur Einheit AI & Data unter der Leitung von Nadia Kohler zusammengefasst».

Das kommt sicher gut, denn «der Bereich ist direkt der CEO unterstellt». Ob ihr höchstpersönlich oder ihrem Avatar, das geht aus der Medienmitteilung nicht hervor. Vielleicht sollte mal jemand dem Avatar schonend beibringen, dass E-Paper irgendwie auch digital ist.

Man kann das Chaos auch noch anders organisieren: «Die neue Organisationsstruktur umfasst somit den Bereich Publizistik (Leitung Simon Bärtschi), die beiden Geschäftsbereiche Premium Digital (Leitung Marc Isler) und Premium Print & E-Paper (Leitung Jürg Mosimann) sowie Technology (Leitung Marcel Holdener). Die Organisation der Redaktionen bleibt unverändert und die Kernmarken sind vom Personalabbau nicht betroffen.»

Ähm. Wie diese ingesamt fünf Bereiche wohl ineinander verzahnt sind? Geht das noch mit einem Schnittmengendiagramm oder braucht es schon eine Quanten-Matrix?

Nehmen wir mal an, es ist eine Entscheidung für ein Problem nötig, das die Bereiche Digital, AI & Data unter dem Dach der Publizistik mit einem Abstecher zu Technology umfasst. Ist da die Entscheidungsfindung unterhalb einer Task Force überhaupt möglich?

Muss Peppel-Schulz auch begrüsst werden oder nur ihr Avatar? Und wer hält es aus, wenn Bärtschi sein Bullshit Bingo zur Aufführung bringt?

Die Geschassten sind zu bedauern. Die verbleibenden Mitarbeiter allerdings auch.

Leserverarsche, Part II

Tamedia als Leserforum.

Ob das Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar), ob das Simon Bärtschi, die publizistische Leiter nach unten, ob das Pietro Supino, der profitorientierte Oberboss, lustig finden?

Ihnen allen geht es doch um nichts anderes, als die Qualität des Angebots von Tamedia hochzuhalten und mit allen Mitteln (vor allem mit Sparmassnahmen und Rausschmissen) zu verteidigen.

Besonders wichtig ist dabei natürlich auch die Reaktion des Publikums. Denn obwohl das die vielen Rechthaber und Oberlehrer und Besserwisser in der Redaktion nicht wahrhaben wollen: eigentlich sollten sie ein Produkt herstellen, dass der Konsument ihnen deswegen abkauft, weil er darin einen Mehrwert sieht, einen Return on Investment.

Nun scheinen aber diese Tamedia-Macher der Auffassung zu sein, dass die Mehrheit ihres zahlenden Publikums aus Masochisten besteht. Also aus Menschen, die sogar etwas dafür zahlen, dass man sie quält.

Mit Leiden an sich selbst, Bauchnabelbetrachtungen, wokem Sternchenjournalismus, Mohrenkopf-Denunziationen, damit, einer übergriffigen und frechen ukrainischen Botschafterin mit zweifelhafter Vergangenheit eine Plattform zu bieten. Als Höhepunkt des Qualitätsjournalismus dann noch das:

Die Qualitäts-Bildredaktion weiss nicht mal, wie Anna Netrebko aussieht? Würde ZACKBUM dazu seine Meinung schreiben, würde die garantiert nicht publiziert.

Zum Versuch, den schönen Schein zu polieren, gehört die Behauptung, dass Tamedia die Lesermeinung überaus wichtig sei. Allerdings gibt es keinen öffentlich zugänglichen Leitfaden, nach welchen Kriterien Kommentare veröffentlicht oder abgelehnt werden.

Immer mal wieder bekommt ein Kommentarschreiber das hier als Antwort:

«Guten Tag
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass Ihr Kommentar nicht veröffentlich werden kann.
Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehört die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken. Ebenso persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer sowie Dritte oder auch ein grundsätzlicher Ton «unter der Gürtellinie». Als beleidigend gelten auch Verunstaltungen von Namen, entweder von anderen Diskussionsteilnehmern, aber auch von dritten Personen oder Einrichtungen.»

Es gibt auch diese Variante:
«Guten Tag
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass Ihr Kommentar nicht veröffentlicht werden kann.
Um anderen Lesern und Leserinnen das Verständnis Ihrer Beiträge zu erleichtern, schreiben Sie bitte Hochdeutsch und achten Sie auf eine korrekte Rechtschreibung. Vermeiden Sie dabei Ausrufezeichen und das Schreiben ganzer Wörter in GROSSBUCHSTABEN.»

Es ist natürlich löblich, dass sich Massenmedien wie Tamedia-Produkte darum bemühen, die Kommentarspalte nicht zur Kloake verkommen zu lassen. Ganz abgesehen davon, dass ein Medienorgan (im Gegensatz zu Social Media) auch für den Inhalt publizierter Kommentare verantwortlich und haftbar ist.

Welche polemischen oder beleidigenden Ausdrücke wurden hier wohl verwendet? Wie vergriff man sich im Ton? Gab es persönliche Angriffe? Formulierungen «unter der Gürtellinie»? Verunstaltung von Namen? Verstösse gegen die deutsche Rechtschreibung, gar das Verwenden von Ausrufezeichen oder wurden Wörter in GROSSBUCHSTABEN geschrieben?

Nichts von alledem. Der abgelehnte Kommentar war noch schlimmer. Er war unerträglich. Ungeheuerlich. Gemein, hinterlistig, bösartig, einen Blutrausch auslösend.

Denn ein solcher Kommentar geht nun einfach gar nicht:

Ich lese jeweils die Zusammenfassung des täglichen Tagi-Outputs auf Zackbum.”

Daraus dürfen wir schliessen, dass das Wort ZACKBUM auch in Kleinbuchstaben auf der absoluten Shitlist bei der Kommentarzensur steht. Da muss nicht mal ein schlechtbezahlter Moderator irgendwo auf der Welt eingreifen. Da läuft bereits der Zensuralgorithmus rot an, kriegt einen digitalen Schluckauf. Braucht zusätzliche Kühlung und schüttelt sich vor Abscheu.

Recht so. Denn alles andere wäre ja ein Widerspruch zu dem, was ZACKBUM seit Jahren an diesem Elendsjournalismus aus dem Hause Supino kritisiert.

Dumm, dümmer, Verleger

Messen wir sie an ihrem Output. Und an den Kosten für den Konsumenten.

Am Samstag haben Tamedia, Ringier und CH Media insgesamt 119 Artikel online veröffentlicht. Die NZZ als einzigen Verlag, der ungebrochen auf die Kraft des Journalismus setzt, lassen wir aussen vor.

Für das E-Paper samt «Blick+» will Ringier 300 Franken im Jahr heuschen. Der «Tages-Anzeiger» versucht es mit dem Dumpingpreis von 99 Franken pro Jahr. Der verspricht umlimitierten Zugriff per App & Web und legt sogar noch den Zugang zur «New York Times» drauf. Und die «Carte Blanche».

Die NYT verlangt für die ersten sechs Monate pro Woche den absoluten Dumpingpreis von rund 45 Rappen, da halten sich die Unkosten mit Verlegerrabatt für Tamedia in engen Grenzen.

CH Media hat das Angebot digital zum Beispiel beim «Tagblatt» auf 2.80 Franken pro Woche gesenkt, also 145.60 pro Jahr, plus Zugang zu Guetzli und Spezialangeboten.

Dafür bekam der Konsument in einem Jahr insgesamt 83’889 Artikel auf Deutsch online serviert. Das heisst, wenn man die Gratisangebote mitzählt, sind das 0,007 Rappen pro Artikel Erlös.

Man stelle sich vor, dass Coop oder Migros (oder Aldi oder Lidl) in ihren Läden einen Teil des Sortiments gratis anbieten und im Schnitt für ihre Produkte den Bruchteil eines Rappens kassieren. Oder sie würden sagen: du kannst den Liter Milch im Shop kaufen – wahlweise bestellst du ihn im Internet, dann ist er meistens gratis.

Denn will man auch die Printausgabe, legt man bei Tamedia (inklusive «SonntagsZeitung» und umlimitierter digitaler Zugang) stolze 838 Franken hin. Ringier will für seinen «Blick» im Print ebenfalls heruntergesetzte 498 Franken im Jahr, inklusive E-Paper. Darin dürfte dann «Blick+» nicht inbegriffen sein.

Das ist hier etwas mit Arbeit verbunden, denn wählt man den «Abo-Shop» mit angeblich allen Angeboten an, wird einem nur der «SonntagsBlick» für 229 Franken im Jahr angeboten, mit «Gratis-Zugriff auf das E-Paper».

Die Print-Ausgabe des «Tagblatt» aus dem Hause CH Media kostet (inkl. abo+ und E-Paper) zunächst 9.25 pro Woche, nach 6 Monaten 13.70, also im Jahr knapp 600 Franken.

Oder man geht an den Kiosk, dann legt man für den «Blick» 3 Franken, für das «Tagblatt» 4.50 und für den Tagi 5.20 hin. Wären insgesamt für rund 300 Ausgaben pro Jahr stolze 3’810 Franken.

Das ist so, wie wenn die Migros für einen Liter Milch, gekauft im Laden, 1.85 verlangt. Schliesst man aber ein Abo mit Hauslieferung ab, fällt der Preis auf einen Bruchteil runter. Oder er wird sogar ab und an gratis geliefert.

Selbst im jetzigen Zustand der Migros würde ein Manager, der solche Zahlmodelle vorschlüge, fristlos entlassen.

In den grossen Medienhäusern der Schweiz herrscht zwar im Maschinenraum das grosse Rausschmeissen, aber in der Teppichetage wuseln weiterhin Scharen von überbezahlten Managern herum.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Führungsfiguren, also bei Tamedia Pietro Supino, darunter Jessica Peppel-Schulz samt plapperndem Avatar, bei Ringier Marc Walder und darunter Ladina Heimgartner, lange Routine darin haben, all ihre Flops den Untergebenen in die Schuhe zu schieben – und die zu feuern.

Bei CH Media ist es etwas anders, Patrik Müller erweist sich seit Jahren als geschickter Verwalter, der seinen Vorgesetzten, den unsäglichen Pascal Hollenstein, elegant abservieren liess und auch die zweite Generation des Wanner-Clans auf Distanz hält, was den Tageszeitungen guttut.

Wird eine neue «Strategie» vorgestellt, wie letzthin bei Tamedia, nach immerhin einjährigem Brüten, lachen selbst analphabetische Hühner und die verbliebenen Redaktoren rollen stumm die Augen nach oben und fragen sich, ob es noch bis zur Frühpensionierung reicht – und ob das die Leber aushält.

Man muss gar nicht das Fehlen eines nachhaltigen Plans beklagen, wie das denn wenigstens kostentragend, wenn schon nicht gewinnbringend, weitergehen soll. Dazu gibt es ausser dem üblichen Bullshit Bingo nichts Nennenswertes zu hören.

Alleine eine solche Verkaufspolitik ist dermassen aberwitzig, dass das selbst im verblichenen kommunistischen Lager Stirnrunzeln ausgelöst hätte.

Ein Jahresabo digital der internationalen Ausgabe der kubanischen Parteizeitung «Granma», immerhin auf Deutsch übersetzt, kostet knapp 20 Franken.144 Ausgaben der russischen Zeitung «Prawda» kosten digital rund 540 Franken, wenn man sie ergattert. Das dürfte kostendeckend sein.

Aus welcher Perspektive man das unseligen Wirken der Medienmanager in der Schweiz auch anschaut, man kommt immer auf die gleiche Steigerung: dumm, dümmer, Verleger.

Die machen ihrem Namen alle Ehre, indem sie nie um eine Ausrede verlegen sind. Und unermüdlich nach Staatssubventionen krähen.

Weil sie sonst ihrer staats- und demokratietragenden Funktion nicht weiter nachgehen könnten. Kriegen sie dann die verlangte Milliarde nicht, weil sie es selbst versemmelt haben, krähen sie einfach weiter, diesmal gleich nach 1,4 Milliarden.

 

Ach, Supino

Der Tx-Boss macht sich wieder lächerlich.

Es ist noch nicht so lange her, dass Pietro Supino unter strikter Beachtung der Trennung von Verlag und redaktionellem Inhalt im Tamedia-Kopfblattsalat das Wort ergriff und für die Ablehnung des Referendums weibelte, das den Verlegerclans die schon sicher geglaubte Steuersubventionsmilliarde vor der Nase wegzog.

Dass Tx fast gleichzeitig eine Sonderdividende ausschüttete und den milliardenschweren Zusammenschluss seiner Handelsplattformen mit Ringier bekannt gab, hatte dabei sehr geholfen.

Nun hält er in den gleichen Organen ein 17’000 A schweres «Plädoyer für eine aufgeklärte Medienpolitik». Nicht zu vergessen, dass er damals den Untergang der kontrollierenden Vierten Gewalt an die Wand malte, sollte sie keine Staatssubventionen in Milliardenhöhe kriegen. Der Mann kennt kein Schamgefühl.

Denn jetzt schreibt er: «Die Aufgaben der SRG … liessen sich mit 200 Franken Gebühren pro Haushalt erfüllen.» Er ist also für die Halbierungs-Initiative. Bis er zu diesem Schluss kommt, eiert er Tausende von Buchstaben lang um die Bedeutung der Medien für die Demokratie herum, als habe er eine Schnupperlehre bei der «Republik» absolviert.

Er holt bis ins 19. Jahrhundert aus, erklärt nochmal Banalitäten wie die veränderten technologischen Möglichkeiten der Newsdistribution. Und bläst in die grosse Trompete: «Unabhängige Medien sind wichtig für das Funktionieren des demokratischen Gemeinwesens.» Im Gestus tiefsinniger Bedeutung Flachheiten absondern, das ist sonst nur Politikern eigen.

Er versteigt sich sogar dazu, Thomas Jefferson zu zitieren, und den englischen Verleger Lord Northcliff. Hübsch versteckt in diesem Brimborium ist sein Kernsatz:

«Angesichts dieser Realität ist der vom Parlament beschlossene Ausbau der indirekten Presseförderung von existenzieller Bedeutung für die Zukunft der gedruckten Zeitung

Kleiner hat er es dabei nicht: «Es stehen die Errungenschaften der Aufklärung auf dem Spiel.» Wenn es nicht neuerlich Staatsknete gibt, obwohl der erste Versuch abgeschmettert wurde. Nun fürchtet er bei der Wiederholung eine neuerliche Klatsche.

Dann schreibt er sich noch in eigener Sache um Kopf und Kragen: «Die Forderung, dass der damit erzielte Gewinn zur Querfinanzierung rückläufiger oder gar unrentabler Aktivitäten eingesetzt werden sollte, ist nicht überzeugend.»

Im Gegenteil. Es ist nicht überzeugend, dass Supino seinem Stammblatt die Einnahmequellen der Stellen- und anderes -anzeiger wegnahm, die nur durch den Tagi gross geworden sind, dazu «20 Minuten» in ein eigenes Profitcenter auslagerte, weil es immer noch  ertragreich ist. Und die restlichen Medien ins Elend stiess, denn auch Tagi & Co. müssen seine sportlichen Renditevorstellungen erfüllen.

Das geht nur mit runtersparen, rausschmeissen, grosse Teile des Inhalts aus München übernehmen. Mit dem Verkauf von Blättern, die für mehr Geld weniger Content liefern. Dafür hat er sich mit dem Quartet Jessica Peppel-Schulz, ihrem plappernden Avatar, dem Kommunikationsgenie Simon Bärtschi und der farblosen Raphaela Birrer eine Mannschaft geholt, die das Ziel, Aufgabe der Printherstellung, sicher erreichen wird.

Das ist die Realität, alles andere ist Nonsens.

Aber er hat noch mehr Gejammer auf Lager: «Die globalen marktmächtigen Plattformen betreiben ihr Geschäft mit journalistischen Inhalten, die sie von regionalen und nationalen Medienanbietern übernehmen, ohne dafür zu bezahlen.»

Das tun sie deswegen, weil die Verlage zu blöd sind, dafür ein ausreichendes Entgelt zu verlangen. Sie träumen von grösseren Reichweiten, haben aber keine Erklärung, was ihnen das bringen soll. Sie sind insbesondere in der Schweiz so blöd, sich über 80 Prozent der Erträge des Online-Marketings von den Plattformen Google, Facebook und Amazon wegnehmen zu lassen.

Statt sich mit Google-Ads vollklatschen zu lassen und dafür ein Trinkgeld zu kassieren, hätten Verlagsführer wie Supino so in den letzten 15 Jahren vielleicht mal eine Idee haben können, wie man das ändert. Den Middle Man ausschaltet, der sich in der normalen Distributionskette von Herstellung zum Konsumenten vielleicht maximal 10 Prozent abschneidet. Aber sicher nicht 80.

In seinem «Fazit» sorgt Supino nochmals für grosse Heiterkeit: «Die Medienbranche ist mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Sie wird sich weiter fundamental ändern, aber aus Nutzersicht besteht kein grundlegendes Angebotsproblem.»

Aus Nutzersicht der zahlenden Konsumenten der papierdünnen Inhalte seines Hauses besteht allerdings ein grundlegendes Problem. Wieso sollen sie für diesen Dünnpfiff immer mehr bezahlen? Was ist die geldwerte Leistung? Selbst die Migros, in schweren Turbulenzen, käme nie auf die Idee, ein halbes Gipfeli für mehr Geld als zuvor ein ganzes anzubieten. Und das mit «Fokussierung, Qualitätssteigerung, noch näher an den Bedürfnissen des Konsumenten» schönzuschwatzen.

Statt wenigstens eine brauchbare Digitalstrategie zu entwickeln, wurden Bruchpiloten wie Mathias Müller von Blumencron geholt, der nach einer abgekupferten Flop-Idee und viel heisser Luft wieder das Weite suchte. Genau wie der AD, der das verunglückte Redesign des Internet-Auftritts verbrach.

Supino selbst profitiert davon, dass er als Mitglied des Coninx-Clans unkaputtbar ist. Und sich seine vor dem nächsten Rausschmeissen fürchtende Redaktionen nicht trauen, ihm zu sagen, dass er seinen Stuss doch bitte wenn schon als bezahltes Inserat unter die Leute bringen soll. Denn selbstverständlich dürfe auch der Big Boss eine Meinung haben und die auch so länglich absondern, wie es ihm drum ist. Aber Geld genug hätte Supino, sich dafür ein Inserat zu leisten.

Im Tagi kostet eine Doppelseite schlappe 43’560 Franken. Bei einem Jahreseinkommen (inkl. Bonus) von 7,5 Millionen wären das aufgerundet 7 Prozent eines Monatsgehalts. So viel sollte ihm seine Meinung doch noch wert sein. Dazu käme noch, dass er seinen Organen einen Reputationsschaden ersparte, wenn sie nicht einfach «his master’s voice» publizieren müssten.

Der Treppenwitz dabei: einen Tag, bevor der Deutschschweizer Verlegerverband eine Einigung mit der SRG bekannt gab und offiziell verkündete, dass er gegen die Halbierungsinitiative sei, veröffentlichte Supino sein Pamphlet, dass er dafür sei. Um diese Einigung wissend. Das nennt man einen veritablen Blattschuss. Dabei ist Tx Mitglied bei «Schweizer Medien». Noch. Das nennt man kompetente Vereinspolitik. Oder einfach: wie blöd ist das denn.

Aber immerhin wurden damit nicht die schlappen 32 Seiten des Print-«Tages-Anzeiger» gefüllt, für die das Blatt stolze Fr. 4.60 heuschen will. Was immer weniger Leser zu zahlen bereit sind, wie die Auflage beweist …

Tx steht wohl für «täglich ein X für ein U vormachen.» U wie unfähig.

«Blick»-Mitarbeiter, fürchtet Euch

CEO Marc Walder übt sich im Doublespeak nach Orwell.

Der Umsatz schrumpfte um 13 Prozent auf nur noch 800 Millionen. Der Digital-Anteil am Geschäft ging von zwar beeindruckenden 83 auf 82 Prozent zurück. Walder: «Der Online-Werbemarkt ist nicht mehr gewachsen.» Dabei wächst er weltweit mit zweistelligen Raten, letztes Jahr um über 15 Prozent.

2024 wurden 500 Mitarbeiter entsorgt. Walder verkündete nur den «operativen Gewinn», was davon als eigentlicher Profit übrigbleibt, ist Geschäftsgeheimnis. Auch das kann er knapp schönreden: das Ergebnis sei «gut und zufriedenstellend». Jubel hört sich anders an.

Es habe halt «Portfolio-Bereinigungen» gegeben, Doublespeak für die Schliessung der letzten Druckerei und den Abschied vom Flop «meindeal». Der Zusammenschluss mit Tx bei den Verkaufs- und Handelsplattformen spülte einen noch nicht realisierten Gewinn bei einem möglichen Börsengang in die Kasse. Ob und wann der stattfindet?

Sobald die Platzhirsche Google, Facebook und Amazon ernsthaft in der Schweiz in diesen Markt eindringen, wird das wie Eis an der Sonne schmelzen. Die kassieren bereits heute mehr als 80 Prozent vom Online-Werbekuchen. Dank eines jahrelangen Versagens der Verlagsmanager. Und wer sucht, geht immer auf die grösste Plattform, nicht auf die kleinen Brüder und Schwestern.

Apropos, wer meint, mit dem Trio Ladina Heimgartner, Marc Walder und einem «wie heisst er doch gleich»-«Blick»-Oberofficer für die Zukunft gut aufgestellt zu sein: viel Glück!

Knüppeldick kommt es aber mal wieder für die vermeintlich so glückliche «Blick»-Familie. Das Bezahlmodell «Blick+» plusst überhaupt nicht. Nach einer völlig verunglückten Werbekampagne, die immerhin für Heiterkeit sorgte. Rund 25’000 Abonnenten werden eingestanden, mehr als ein «Ok-Wert» fällt dazu selbst Walder nicht ein.

Dabei ist es nicht klar, wie viele Schnupper-, Gratis- und Kurzzeit-Abos mitgezählt werden.

Dann kommen wir zum Spassfaktor. «Über die vergangenen Jahre sind mehrere Hundert Millionen an klassischem Medienumsatz weggebrochen», jammert Walder, als sei ihm diese Erkenntnis erst neulich gekommen. Aber Ringier bekenne sich sich weiterhin zu einem «qualitativ hochwertigen Journalismus». Auch VR-Präsident Michael Ringier, der trotz fortgeschrittenen Alters (76) sich nicht traut, Walder als seinen Nachfolger zu inthronisieren, behauptet: «Wir sehen einen steigenden Bedarf an gutem Journalismus als Chance

Der Bedarf ist tatsächlich da. Die Ausnützung dieser Chance zeigt die «Blick»-Familie auf allen Kanälen täglich und wöchentlich. Ein enteierter Boulevard, der weiblicher und runder werden will. Was allerdings nur zu einem Regenrohr in den verunstalteten neuen Kasten-Logos geführt hat. Wie viel Schnauf Ringier da hat, zeigte sich auch im Flop «Blick TV».

Das regelmässige Feuern des «Chief Content Officer» und der Aufbau einer amüsanten Riege von Officers, Chiefs, Heads of und Heads off, bei denen niemand mehr weiss, wer wofür zuständig ist, trägt auch nicht zur qualitativen Verbesserung bei. Das Fehlen eines Chefredaktors wie Christian Dorer, der ganz übel entsorgt wurde (und seither gibt es seinen Titel nicht mehr), ein gravierender Fehler.

Nun soll ausgerechnet mit dem Einsatz von KI «mehr Tiefe im Journalismus» erreicht werden. Kleiner Denkfehler: chatgpt und Co. kann inzwischen fast jeder selbst bedienen. Der Unterschied zu dem, was ein Kindersoldat im Newsroom in seiner Verrichtungsbox daraus macht, ist nicht sichtbar.

Grosser Fehler: «Blick» & Co. haben keine USP mehr, kein übergreifendes Konzept, keine Richtung, keine erkennbare Position, keine Mission. Was sich nicht zuletzt in einem Niedergang der Zahl der online-User niederschlägt. Kam der «Blick» mal auf Augenhöhe mit «20 Minuten», ist er inzwischen wieder abgeschlagen.

Und die Print-Auflage beträgt laut letzten Zahlen kümmerliche 73’869 Exemplare. Wie viele davon tatsächlich verkauft werden, ist ebenfalls Betriebsgeheimnis.

Online 25’000 wie auch immer geartete Abos seit dem Start 2023. Bei 800’000 täglichen Nutzern sind das aufgerundet 3,13 Prozent. Darauf kann man eine solide Zukunft bauen. Ganz abgesehen davon, dass alle Leser sauer gemacht werden, die einen «Blick+»-Artikel mangels Abo nicht zu sehen kriegen.

Also in einem Satz: Blickler, fürchtet Euch. Oder eher: ihr 6000 übrig gebliebenen Ringier-Mitarbeiter, fürchtet Euch. Viele werden es nicht zur ersehnten Frühpensionierung schaffen. Und wohin dann?

Oder in Umformulierung des bescheuerten Slogans «Ich bin dabei»: «Ich war dabei.»

Plappern mit Peppel-Schulz

Tamedia-Mitarbeiter, fürchtet euch!

Dass es dem obersten Tx-Boss nur um eines geht, ist bekannt. Pietro «Rendite» Supino ist allerdings nicht sonderlich geschickt darin, mit Medien Geld zu verdienen. Aber als Mitglied des Coninx-Clans ist er unkaputtbar.

Dann hätten wir noch den Tamedia-CEO Jessica Peppel-Schulz. Dass sie sich nach kurzer Karriere in einem Modemedienhaus aus einem längeren Sabbatical aufgerafft hat, um als Quotenfrau bei Tamedia einzusteigen, ist für die Belegschaft keine gute Nachricht.

ZACKBUM hat ihr Wirken, gesteigert noch durch Teamarbeit mit dem Brachial-Kommunikator Simon Bärtschi (Qualitätssteigerung durch Rausschmiss), von Anfang an verfolgt. Sie dachte zunächst einmal ein Jahr lang über eine «neue Digitalstrategie» nach. Als diese präsentiert wurde, blieb dem Publikum die Spucke weg. Peinlich war noch einer der höflicheren Qualifikationen für das, was das Trio infernal Peppel-Schulz, ihr Avatar und Bärtschi (als himself) präsentierten.

Nun ist wieder einige Zeit ins Land gegangen, Tamedia lebt weiter nach dem Prinzip «nach dem Rausschmeissen ist vor dem Rausschmeissen», und persoenlich.com führte eines seiner Watteweich-Interviews mit der Dame.

Da spielt sie Bullshit-Bingo in seiner schlimmsten Form. Es gibt keine Manager-Worthülse, mit der sie nicht um sich wirft.

«Unsere Stärken sind die tiefe Verankerung im Markt … unsere Geschäftsmodelle in der Schweiz erfolgreich weiterentwickeln … die Transformation ist grösser als gedacht … wir müssen digital schnell wachsen, weshalb wir eine neue Strategie entwickelt haben … Die Welt verändert sich rasant. Auch Tamedia muss diese Veränderungen adaptieren … Wir müssen uns auf unser Geschäft konzentrieren … denn wir können nur gemeinsam diese Veränderungen stemmen … leider mussten wir auch viele schmerzhafte Entscheidungen treffen …»

Gut, ZACKBUM hat wieder ein Einsehen mit dem gequälten Leser, der um Gnade winselt. Aber er sollte sich vorstellen, dass die armen Tamedia-Mitarbeiter sich diesen Schrott ständig anhören müssen und dazu ein freundliches Gesicht machen. Das geht vielleicht auf die Leber.

Man fragt sich allerdings, ob Matthias Ackeret hier einen schlecht gelaunten und noch schlechter programmierten Avatar von Peppel-Schulz interviewt hat. Apropos, dass die NZZ diesen Gag in der Luft zerrissen hat, ist bei Peppel-Schulz ganz schlecht angekommen:

«Hier haben einige Wettbewerber eine fortschrittliche Lösung im Sinne der Mitarbeitenden bewusst falsch interpretiert.» Ts, ts, ganz schlimm war aber die alte Tante: «Die Kritik am Avatar war schlichtweg falsch dargestellt. Kritik sollte auch möglich sein, aber eben professionell und richtig recherchiert. Das muss man von der NZZ erwarten können. … Wenn die Konkurrenz eine solche Innovationskultur ohne Not schlechtmacht, schadet das am Ende nur dem Journalismus.»

Nun, noch mehr schadet dem Journalismus und dem Ansehen von Peppel-Schulz, wenn sie holprig formulierte unbelegte Behauptungen in den Raum stellt. Was war denn an der Kritik «falsch dargestellt»? Meint sie vielleicht, die Kritik habe den Einsatz des Avatars falsch dargestellt? Wenn ja, wieso sagt sie das dann nicht? Und wenn sie es so sagen würde, womit belegte sie diese kühne Behauptung?

Diese Avatar-Nummer sorgte innerhalb von Tamedia immerhin für dringend nötige Unterhaltung und Lacher. Aber ihn als «Innovationskultur» hochzuplappern, also wirklich. Lachkultur, das ginge noch.

Hat Peppel-Schulz der Welt und dem Leser noch etwas mitzugeben? Eher nicht: «Wir müssen gemeinsam mit den Institutionen Wege finden, um junge Menschen auch künftig zu erreichen

Gibt es wenigstens eine gute Nachricht in diesem Interview für die noch nicht rausgeschmissenen Tamedia-Mitarbeiter? Eher nicht: «Ich habe nicht vor, zu gehen, denn jetzt beginnt erst der spannende Teil: unser Wachstum. Dafür bin ich gekommen, und ich schaue nur nach vorne.»

Ob sie dafür wohl den Rückspiegel benützt?

 

Tobler, es reicht!

Dieser Mann ist unmöglich.

Dass der Tagi plus Kopfblattsalat dieses Stück Schmiere als Leitartikel veröffentlicht, ist ein neuer Tiefpunkt des Journalismus. Der einschlägig verhaltensauffällige Andreas Tobler, über dessen Untaten ZACKBUM schon einige Male berichten musste, lotet wieder einmal die Abgründe des demagogisch-heimtückischen Gesinnungsjournalismus aus.

Man halte sich die Nase zu und lese dieses Stück Sch…:

«In der Schweiz erhält Alice Weidel Unterstützung, die sie so nicht kennt: Hierzulande wird das Aushängeschild der AfD – einer in Teilen rechtsradikalen Partei – von Journalistinnen und Journalisten hofiert, wie es in Deutschland nicht möglich wäre

Dann vergreift sich der Kleinjournalist Tobler an der Grande old Dame des Schweizer Journalismus, an der Könnerin Margrit Sprecher: «Mitte Januar veröffentlichte die «NZZ am Sonntag» ein grosses Porträt.» Und belfert: «In deutschen Leitmedien wären solche Texte undenkbar. Dort wahren seriöse Medien Distanz – mit gutem Grund.»

Das ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig wäre. Die Berichterstattung über Trump oder Musk wahrt in in deutschen Leitmedien überhaupt keine Distanz. Und Schweizer Leidmedien sabbern ständig über Menschliches und Allzumenschliches. Aber nur bei ihnen genehmen Politikern wie Beat Jans und sein Eheleben.

Tobler aber will ihm missliebige Politiker wie Alice Weidel ja nicht als Mensch dargestellt wissen: «Noch problematischer ist der obsessive Fokus einiger Schweizer Medien auf Weidels «menschliche» Seiten – wie ihre kulinarischen Präferenzen oder ihre Naturliebe: Damit wird verschleiert, dass sie als Aushängeschild einer in Teilen rechtsextremen Partei fungiert.»

Was schreibt dieses leitende Mitglied der Tanedia-Redaktion hier? Wer Weidel als Mensch darstellt, verschleiert. Also ist sie eigentlich kein Mensch, wohl vielmehr ein Unmensch für diesen unerträglichen Dummschwätzer.

Er endet mit der menschenverachtenden Schlussfolgerung: «Wenn hiesige Medien ihr hierfür eine Bühne schaffen, machen sie sich ohne Grund und ohne Not mitverantwortlich für die Politik der AfD, deren Konsequenzen für Deutschland und Europa noch nicht absehbar sind.»

Nein, falsch. Richtig ist: wenn Tamedia so einer Schmähschrift eine Plattform bietet, dann machen sich Raphaela Birrer, Simon Bärtschi, Jessica Peppel-Schulz und Pietro Supino mitverantwortlich, dass hier ein Hinrichtungs- und Entmenschlichungsjournalismus betrieben werden kann, dessen Konsequenzen für das Niveau, die Qualität und die Abozahlen des Tages-Anzeigers noch nicht absehbar sind.

Bislang ist noch niemand in der Journaille auf die Idee gekommen, einer Hassfigur alles Menschliche abzusprechen. Es ist noch niemand auf die Idee gekommen, Journalisten, die wie Sprecher meilenweit oberhalb von Tobler stehen, dafür zu kritisieren, dass sie ihrer Aufgabe nachgehen. Nämlich ein Porträt über einen Menschen zu schreiben, das nicht von Vornherein eine Niedermache und eine Aufzählung von Vorurteilen sein soll.

Wann hat man eigentlich von Tobler das letzte Mal so etwas gelesen? Das Einzige, was der Mann kann, ist Demagogie, Polemik und Niedermache. Wenn er zum Beispiel über seine Hassfigur Ueli Maurer herfällt, dann mangelt es seinem Versuch der Aburteilung an allem. An Niveau, an Schreibkraft, an intellektueller Schärfe.

Aber es ist üblich: das, was man selber nicht hat oder kann, das beneidet man. Das hasst man. Nur: Warum darf Tobler diesen niederen Trieben im Tagi öffentlich nachgehen?

Wenn in Frage gestellt wird, dass Alice Weidel – unabhängig von ihren politischen Positionen – ein Mensch ist, in Porträts als Mensch dargestellt werden darf und muss, dann ist man auf der Stufe Entmenschlichung des politischen Gegners angelangt. Und wohin das führt, weiss man aus der Geschichte zur Genüge.

Also dringende Bitte an die, die das können: Schreibverbot für Tobler. Anders ist das Niveau des Tagi nicht mehr zu retten.

Wumms: Ursula Nötzli

Das wird TX herumreissen, diese Kündigung.

So macht das ein Kommunikationsprofi. Zuerst Bullshit-Bingo: «In den letzten vier Jahren hat sich die TX Group und jedes einzelne Unternehmen stark weiterentwickelt – für mich war es eine sehr bereichernde und spannende Zeit, in der ich viel gestalten und bewirken konnte», schreibt Nötzli an persoenlich.com. Und dann kommt das in eigener Sache hinterher: «Nach dieser intensiven Phase und einem langen Denkprozess habe ich entschieden, dass jetzt der richtige Moment ist, nochmals etwas Neues zu wagen.»

Wie viel Anteil sie selbst an dieser Entscheidung hatte, man weiss es nicht. Das hier liefert einen kleinen Hinweis: was Neues komme, sei noch nicht spruchreif. Sagen sie alle, angefangen bei Kerstin Hasse.

Aber was machte Nötzli eigentlich, als sie noch gestaltete und bewirkte? Wer da «nichts» sagt, ist natürlich ein misogyner Sexist, also sagt ZACKBUM: Nötzli war Mitglied der sogenannten «Gruppenleitung» und hier zuständig für die Kommunikation, dafür durfte sie sich CCO nennen, Chief Communication Officer. Leider kennt Englisch kein korrektes Gendern, sonst würden wir natürlich …

Zudem war sie auch, das konnte aber sehr gut geheim gehalten werden, für Sustainability zuständig. Das ist auch fester Bestandteil jedes Bullshit-Bingo-Phrasendreschens; man muss allerdings ein wenig üben, bis man es rumpelfrei aussprechen kann. Gehört in den Dunstkreis von Resilienz, «für die Zukunft gut aufgestellt» und «noch mehr auf die Bedürfnisse eingehen». Heisst schlichtweg Nachhaltigkeit, und bedeutet gar nix.

Wobei, vielleicht war Nötzli dafür verantwortlich, dass die Papierkörbe im Glashaus eingespart wurden, was sowohl Nachhaltigkeit wie Resilienz ungemein förderte.

Zuvor war Nötzli bei ABB, bei der Credit Suisse und bei der GAM Holding. Es wäre sowohl misogyn wie bösartig, einen Zusammenhang mit dem Zustand der Firmen zu sehen. Aber sagen wir so: zur CS kann sie nicht mehr zurück, zu GAM auch eher nicht.

Verdächtig ist auch, dass die Lücke, die Nötzli hinterlässt, sie völlig ersetzt. Denn Kommunikation wird neu dezentral den CEOs der Bestandteile der TX-Holding übertragen. Und Sustainability? Geht ohne Resilienz nachhaltig verloren.

Vielleicht, aber nur vielleicht hat sich Oberboss Pietro Supino doch die diversen Vorschläge von ZACKBUM, wie man ganz oben sparen könnte, endlich zu Herzen genommen. Zum Beispiel  im Verwaltungsrat. Leider sind es dort auch Frauen, die grosses Sparpotenzial bieten:

Da hätten wir Pascale Bruderer. Medienkompetenz null, unternehmerische Fähigkeiten null, strategische Kenntnisse null. Tripple-Null, verdient aber 112’000 Franken im Jahr. Money for nothing.

Dann Stephanie Caspar. Die deutsche Managerin baute einen Schuh-Onlineshop für Otto auf. War mal vier Jahre im Vorstand von Axel Springer. Meckerte über angebliche patriarchalische Strukturen und heuerte bei einer Investmentfirma an. Kenntnisse des Schweizer Medienmarkts null. Kassiert dennoch 80’000 Franken im Jahr als VR der TX Group. Money for nothing.

Oder Claudia Coninx-Kaczynski. Studium der Rechtswissenschaften und Spezialistin im Gesundheitswesen. Mediale Kenntnisse null. Mitglied des Familienclans. Verdient 85’000 im Jahr. Money for nothing.

Und dabei haben wir Jessica Peppel-Schulz, CEO von Tamedia, noch gar nicht erwähnt. Deren grossartige Idee, aus den Überresten der Mantelredaktion zwei Paketversendestationen zu machen, eine für Print, eine fürs Digitale, dazu beim erfolgreichsten Blatt die gesamte Redaktion abzuschaffen und nur einen Chefredaktor für die «SonntagsZeitung» übrig zu lassen, sorgt anhaltend für Spass und Tollerei auf der Redaktion. Die sich in zwei Fraktionen aufgespaltet hat. Eine «nix wie weg», die andere «Augen zu und bis zur Frühpensionierung durch». Beide eint: hoffentlich werde ich nicht bei der nächsten Sparrunde rausgeschmissen.

Aber jetzt hören wir sofort auf, sonst kommt wirklich noch jemand (jemand*In?) auf die Idee, wir würden geschlechtlich diskriminieren. Tut ZACKBUM aber nicht, bei uns zählt nur die Leistung, nicht das, was der Mensch, die Menschin oder der/die/das Mensch!In** zwischen den Beinen trägt.

Kollektive Dummheit

Raumschiff Redaktion Tamedia: völlig losgelöst von der Erde …

Besteht die Redaktion des ehemaligen Qualitätsblatts «Tages-Anzeiger» ausschliesslich aus kleinen Major Toms? Wohl schon deswegen nicht, weil nicht einmal die sogenannte Kulturredaktion David Bowie noch kennt.

Aber Schmerz beiseite: wie bescheuert kann man denn sein? Bevor sich da jemand auf die Hinterbeine stellt und in typischer Realitätsblindheit fragt, wie ZACKBUM denn auf eine so beleidigende Frage käme: dagegen setzen wir zwei Zahlen.

78’107 und 213’738. Das ist nicht die Entwicklung des Gehalts der Chefredaktion zwischen 2008 und heute. Das war damals schon höher. Das ist die Entwicklung der Printauflage des «Tages-Anzeiger». In zeitlich umgekehrter Reihenfolge. Denn würden die Beteiligten gute Arbeit abliefern, wäre die Auflage heute höher als 2008.

Jetzt lassen wir mal alles Gedöns von Internet, Inserate, Arglist der Zeiten, allgemeine Krise, Leseunlust, Social Media, neue Informationskanäle und so weiter weg.

Ein Absturz der Auflage um 135’631 Exemplare – und lassen wir grosszügig die an Flughäfen und anderswo verteilten Gratisexemplare weg – ist ein Desaster. Eine Katastrophe. Seit 2007 ist Pietro Supino VR-Präsident von Tamedia, dann von TX. Seither heisst er vornehm «Executive Chairman».

Supino war auch von 2016 bis 2022 Präsident des Verbands Schweizer Medien. Obwohl er höchstselbst zum Griffel griff und in einem Kommentar (so viel zur strikten Trennung von Redaktion und Verlag) die Vergabe von einer Milliarde Steuergelder an reiche Medienclans befürwortete, schiffte das Vorhaben an der Urne ab. Dafür hatte nicht zuletzt die Ausschüttung einer Sonderdividende an den geldgierigen Coninx-Clan gesorgt.

Der Mann fällt auch immer wieder durch ruppige Eingriffe in die redaktionelle Freiheit auf, was auch nicht gerade zur Steigerung der Glaubwürdigkeit seiner Organe beiträgt.

Er schaut dem Wirken und Wüten einer oberhalb ihrer Liga spielenden Damenriege in der Führungsetage von Tamedia tatenlos zu. Was Jessica Peppel-Schulz, Raphaela Birrer und die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi hier anstellen, ist bodenlos. Visuell wird das durch das völlig verunglückte Redesign des Online-Auftritts sichtbar gemacht, nachdem sich der verantwortliche AD Knall auf Fall wieder nach Berlin abseilte.

Inhaltlich ist das Errichten von Paketverteilungsstationen, eine fürs Digitale, eine für Print, das wohl unsinnigste Newsverarbeitungssystem, das einem einfallen kann.

Inhaltlich sorgt diese Mitteilung für Lachsalven unter den verbleibenden Lesern:

«In eigener Sache. Die Trennung von Berichterstattung und Kommentierung gehört zu den Kernprinzipien unserer Redaktion.»

Ob das all die Losers, Toblers, Reichens, all die Genderstern-Apologeten, Trump-Hasser, Putingegner, also fast alle Journalisten, die die Zeilen füllen, von nah und von ferne aus München, auch mitgekriegt haben?

Wenn das zu den «Kernprinzipien» (was sind eigentlich die anderen?) gehören soll, dann ist diese Redaktion prinzipienlos.

Aber das alles erklärt restlos, wieso die Printauflage auf genau 36,54 Prozent der ehemalige Höhe abgesackt ist. Es erklärt aber nicht, wieso dieses Katastrophe keine ernsthaften Konsequenzen hatte.

Gut, Supino als Mitglied des Coninx-Clans ist unkaputtbar. Daran ändert auch seine Personalpolitik leider nichts. Einen Schwätzer wie Mathias Müller von Blumencron, diesen Digital Native, zum interimistischen Leiter Publizistik zu machen, wo er unter anderem die Totgeburt eines «Verkehrsmonitor» (abgekupferte Idee vom Berliner «Tagesspiegel») zu verantworten hatte, abenteuerlich. Eine Frau zum CEO vom schlingernden und lecken Schiff Tamedia zu machen, die bislang bei einem Lifestyle-Kleinverlag kurz Karriere machte, bis sie sich wieder in ein Sabbatical verabschiedete, abenteuerlich.

Zuschauen, wie die ein Jahr lang schweigt oder einen Avatar für sich sprechen lässt, um dann die wohl unsinnigste Neuordnung eines Medienkonzerns zu verkünden, mitsamt 90, ähm 55, ohalätz, 17, eigentlich 21 Kündigungen, absurd.

Den begabten Oberchefredaktor Arthur Rutishauser wegen des hysterischen Protests von 78 erregten Tamedia-Redaktorinnen und ihren unbewiesenen Behauptungen abzusägen und zum Chefredaktor ohne Redaktion zu machen, bescheuert.

Jeden Egotrip, jede Bauchnabelschau, jede strenge Zurechtweisung der Welt durch frustrierte und leichtbemittelte Schreiber (generisches Maskulin) zuzulassen, während alle, die können, das Weite suchen – tödlich.

Rücksichtslos das Grundprinzip des erfolgreichen Journalismus über Bord werfen «beim Schreiben an den Leser denken», das lässt den Begräbniszug Fahrt Richtung Grab aufnehmen.

Oder in einem Bild: Der Tanker leckt und tropft aus allen Löchern, die Passagiere springen wie Lemminge von Bord, im Maschinenraum tasten sich die Arbeiter nach Wehwehchen ab, statt zu heizen. Auf der Kommandobrücke herrscht wildes Durcheinander, der Kapitän hat sich zum Geldzählen in seine Kajüte zurückgezogen. Wer an Bord bleibt, wird für immer mieseren Service mit immer höheren Preisen abgezockt.

Dagegen war die Titanic eine zweckrational gesteuerte Veranstaltung, bei der der Kapitän immerhin mutig mitunterging. Das wird bei Tamedia nicht der Fall sein. Auch bei TX nicht.

Aber wenn dann beim Begräbnis Krokodilstränen vergossen werden, alle Verantwortlichen beteuern, dass sie alles versucht hätten, nichts dafür könnten, die Umstände, die Zeit, die Welt, der Klimawandel daran schuld seien, dann soll fürs Protokoll hier festgehalten werden:

Alles gelogen. Das Desaster ist hausgemacht. Es sind nicht die Umstände, es ist das krachende Versagen der Führung. begleitet von einem dissonanten Redaktionsorchester, wo jeder erste Ego-Geige spielen will und Publikumswünsche konsequent ignoriert werden.