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Ist Israel alles erlaubt?

Protest bleibt aus, nicht mal die richtige Bezeichnung wird verwendet.

Angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs der israelischen Regierung auf den Iran wurde in der Hauptausgabe der deutschen «Tagesschau» von einer «Eskalation» gesprochen.

Auch die übrigen Massenmedien beschränken sich auf eine bewundernde Darstellung der Präzision des Angriffs, der technologischen und militärischen Überlegenheit Israels.

Die europäischen Regierungen und ihr grosser Bruder in Übersee vermeiden jede Kritik am Vorgehen und drücken höchstens ihre «Besorgnis» über Irans Atomwaffenprogramm aus.

Dabei ist in Erinnerung zu rufen, dass es klar definierte Kriterien für den Begriff Kriegsverbrechen gibt:

  • Tötung, Geiselnahme, Folter und Vergewaltigung von Zivilbevölkerung und Kriegsgefangenen
  • Angriffe auf die Zivilbevölkerung, auf Krankenhäuser, Kirchen, Schulen, Universitäten und Denkmäler
  • Plünderungen und Zerstörung von Eigentum
  • Angriffe auf humanitäre Hilfsmissionen, friedenserhaltende Missionen und auf Missionen des Roten Kreuzes

Alleine die gezielte Tötung von iranischen Professoren und Wissenschaftlern wäre selbst bei vorangehender Kriegserklärung, die Israel unterliess, ein Verbrechen, das geahndet werden müsste.

Dass hochrangige Generäle Opfer wurden, dafür könnte man cum grano salis noch Verständnis aufbringen. Man stelle sich aber das Aufheulen der Massenmedien vor, wenn es irgend einer Terrororganisation oder einem Staat gelungen wäre, die israelische Militärführung zu enthaupten.

Während die Tötung und Geiselnahme von Zivilbevölkerung durch die Hamas zu recht international verurteilt wurde, fällt die Beurteilung gleicher Verbrechen durch die israelische Armee im Gazastreifen deutlich milder aus.

Gleich verhält es sich auch mit den Angriffen auf humanitäre Hilfsmissionen oder beim Bombenterror im Libanon oder Syrien.

Bei Kriegshandlungen geht es immer in erster Linie um militärische Erfolge. Aber in einer modernen Gesellschaft ist die Propagandaschlacht um die Oberhoheit über Begrifflichkeit genauso wichtig. Auch in neutralen Staaten wie der Schweiz verhalten sich die Massenmedien wie weiland im Ersten und Zweiten Weltkrieg die nationale Kampfpresse.

Was die einen tun, ist verständlich, notwendig als Selbstverteidigung, provoziert von den anderen. Dubiose Führer wie Selenskyi oder Netanyahu handeln letztlich aus ehrenwerten Motiven. Ihre Gegner wie Putin oder der Ayatollah in Teheran sind abgrundtief böse und verächtlich.

Wenn jemand Kriegsverbrechen begeht, dann sind es die anderen. Die Eigenen, nun ja, die mögen vielleicht manchmal zu übertriebener Härte neigen, aber im Existenzkampf ist das erlaubt.

Man kann  diese Ansicht durchaus vertreten. Nur begibt man sich damit jeglicher Glaubwürdigkeit, verspielt das Vertrauen der Konsumenten dieser Newsplattformen. Also des Teils, der sich nicht in seiner gleichlautenden, vorgefassten Meinung bestärkt sehen möchte.

Der Teil, der gerne Erkenntnisgewinn, möglichst realitätsnahe Berichterstattung möchte, weder gegenüber der Hamas, dem Iran oder Israel besondere Sympathien hat, verabschiedet sich.

Der Unterschied zu gelenkten Staatsmedien in so vielen Staaten der Welt sollte doch sein, dass die angeblich freie Presse des Westens behauptet, in unerschrockener Unabhängigkeit zu «sagen, was ist», wie das der «Spiegel» bei seinem letzten grossen Relotius-Skandal einfältig kundtat.

Es mag eine intellektuelle Turnübung sein, ein Kriegsverbrechen als bedauerlichen, aber notwendigen Kollateralschaden schönzuschwatzen. Dem Opfer die Schuld zuzuschieben, hätte halt nicht Atomwissenschaftler werden sollen. Übergeordnete Gründe anzuführen, die das angeblich legitimieren. Aber in Wirklichkeit ist das nur Dummschwätzen.

Wer ein Kriegsverbrechen nicht als Kriegsverbrechen bezeichnet, wenn es von einer Macht verübt wird, der man sympathisierend gegenübersteht, verwischt diesen Unterschied zur Unkenntlichkeit. Wer die Ermordung von Wissenschaftlern neutral vermeldet oder gar als gelungenen Präzisionsschlag bejubelt, könnte genauso gut in Nordkorea oder Kuba als Journalist arbeiten. Er hätte keinerlei Adaptionsprobleme.

Ausser vielleicht sprachliche.

Torkelnder Kommentar

Auch Niklaus Vontobel von CH Media will Trump zeigen, wo der Hammer hängt.

Der Wirtschaftsredaktor von CH Media tischt dem Leser gross auf: «Trump torkelt von Idiotie zu Idiotie – was soll da schon schiefgehen

Dann tut er dem US-Präsidenten die Knöpfe rein. Den von Trump als «Tag der Befreiung» angepriesene 2. April dieses Jahres müsse man so sehen:

«Trump beschädigte damals das Ansehen der USA und des Dollars zugleich – und die USA stehen heute noch lädiert da. Das Vertrauen in den Dollar ist angeschlagen.»

Schuld daran ist Trump, dessen Regierung «so unseriös und chaotisch» agiere. Dabei ist der Dollar nach wie vor Weltwährung Nummer eins, US-Staatspapiere gehören zu den sichersten und am meisten nachgefragten Schuldpapieren der Welt, und solange die Anleger nicht ihr Vertrauen verlieren, lassen sich noch so absurde Staatsschulden problemlos refinanzieren.

Dann zitiert Autor Niklaus Vontobel  ausgerechnet «Ökonomen der Bank J. Safra Sarasin», um seine Ansicht zu untermauern.

Das ist die ehemalige Basler Privatbank, deren letzter Vertreter deutschen Milliardären wie Maschmeyer oder Drogerie-Müller im Cum/Ex-Skandal Spekulationspapiere andrehte. Und nach der Übernahme durch die Safra-Sippe sich standhaft weigerte, nach dem Totalschaden, als dieses illegale Verdienstmodell explodiert war, ihre Verluste zurückzuzahlen. Bis sie dazu gezwungen wurde.

Also eine sehr vertrauenswürdige Quelle zwecks Untermauerung der eigenen Ansicht.

Vontobel zitiert weiter: «Die Bank J. Safra Sarasin schreibt daher: «Der Dollar ist eine Risikowährung.»»

Dass dem so sei, will Vontobel mit weiteren wilden Behauptungen unterstreichen. Das Wirken von Elon Musk, mit dem Präsident Donald Trump inzwischen in einem schmutzigen verbalen Krieg verhakt ist, habe mit seinen Sparversuchen Folgendes bewirkt: «In der Entwicklungshilfe hat sein Wirken nach einer Schätzung über 100’000 Erwachsene und 200’000 Kinder das Leben gekostet. Dann enthüllte die «New York Times», was Musk nebenbei massiv konsumiert: Ketamin, Ecstasy, psychedelische Pilze.»

Dabei ist die Reduzierung der Geldverschleuderung von USAID das einzig Sinnvolle, was Musk zustande gebracht hat. Und der angebliche Drogenkonsum von Musk, der von ihm dementiert wird, ist eine haltlose Unterstellung, die auf anonymen Aussagen aus seinem Umfeld beruht.

Nach diesem wilden Herumhüpfen und dem Zitieren sehr vertrauenswürdiger Quellen nimmt sich Vontobel noch die erratische Zollpolitik von Trump zur Brust und schliesst mit dem weisen Satz, voll verunglückter Ironie: «Was soll da schon schiefgehen

Das ist tatsächlich die Frage. Eine Tatsache ist allerdings, dass sich CH Media mit solchen wirren Kommentaren keinen Gefallen tut.

Dass Trump und Musk viel dafür tun, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, ist die eine Sache. Dass ein Medienkonzern, der mit x Kopfblättern seiner Tageszeitungen einen guten Teil der deutschsprachigen Leserschaft in der Schweiz beschallt, mit solchen Kommentaren seine eigene Glaubwürdigkeit gegen die Wand fährt, eine andere.

Mangels Masse und Kompetenz verlegen sich die zu Tode gesparten Elendsmedien immer mehr darauf, den überlebenden Redaktoren freien Auslauf zu gewähren, damit sie ihren Lesern beim Betrachten des eigenen Bauchnabels ihr Leid an der Welt klagen können.

Das verkommt mehr und mehr zu einer Ersatzhandlung für Einordnung und Analyse. Für diese Leistung auch noch Geld zu verlangen, ist nichts weniger als eine Frechheit.

OneLog: war da mal was?

Ende Oktober gehackt, 10 Tage ausser Betrieb. Na und?

Die Idee hörte sich grossartig an: ein einziges Login, damit man sich bei allen teilnehmenden Schweizer Verlagen authentifizieren und anmelden kann. Damit man nicht jedes Mal das Prozedere dafür durchstehen muss. Einmal die notwendigen Daten angegeben, und schon flutscht das.

Dann flutschte es allerdings tagelang nicht. Damit die zahlenden Gäste nicht sauer wurden, mussten Ringier und Tamedia sämtliche Artikel frei zugänglich machen. Die NZZ und CH Media blieben davon verschont, weil sie noch nicht auf diese Plattform gehüpft waren.

Man kann sich natürlich fragen, welche Verluste dadurch bei «Blick+» entstanden sind. Aber bei Tamedia dürften sie deutlich über null liegen. Auf jeden Fall wurde OneLog nach zehn Tagen wieder online gestellt. Und seither herrscht das grosse Schweigen.

«Den Schaden können wir derzeit noch nicht beziffern», schreiben TX-Sprecherin Iris Blättler und Kollegin Johanna Walser von Ringier wortgleich auf Anfrage des Medienmagazins «Edito». In der sonst doch so auskunftsfreudigen und auskunftsheischenden Medienbranche herrscht also seit dem 4. November Sendepause. Damals wurde verkündet, dass das Teil wieder funktioniere.

Seither behauptet die Plattform:

«OneLog geht von einem Sabotageangriff aus, nicht von einem Diebstahl oder unerlaubten Aneignung (Exfiltration) von Daten.
Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass persönliche Daten, einschliesslich persönlicher Informationen oder Passwörter, gestohlen wurden»

Seither «laufen die forensischen Untersuchungen». Und laufen und laufen, ja wo laufen sie denn? War das nun ein merkwürdiger Hackerangriff, der einfach diese Plattform lahmlegen sollte? Wenn ja, wer tut so etwas? Die liebe Konkurrenz, aber welche? Oder wollte hier ein Amateur-Hacker unter Beweis stellen, dass es kinderleicht ist, diese Plattform in die Knie zu zwingen? Was schon peinlich genug wäre.

Oder aber, noch peinlicher, es sind zudem Daten abgesaugt worden. Dazu gebe es «derzeit keine Hinweise», steht auf der Homepage von OneLog unverändert seit Wochen. Das wäre dann allerdings der GAU, denn welcher Nutzer wollte schon persönliche Daten auf eine Plattform hieven, die so dicht wie ein Sieb ist?

Trotz all diesen Merkwürdigkeiten und Unsicherheiten scheinen alle grossen Medienhäuser der Schweiz weiterhin wildentschlossen, sich OneLog anzuschliessen oder an Bord zu bleiben.

Mit ihrer eher nordkoreanischen Informationspolitik leisten sie sicherlich einen grossen Beitrag zur Glaubwürdigkeit von OneLog. Denn wenn etwas peinlich ist im Internet, dann personenbezogene Daten, die einem anvertraut wurden, zu verlieren oder geklaut zu bekommen. Wobei man eben nicht einmal genau weiss bis heute, ob das Teil einfach nur kaputtgemacht wurde – oder ob es einen Diebstahl gab.

Da wird es dann allerdings ganz heikel. Sollte sich herausstellen, dass es einen Datenabfluss gab, müsste OneLog sofort die Betroffenen darüber informieren.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass es sich hier eigentlich um einen Nebenschauplatz im Online-Schlachtfeld der Medienhäuser handelt. Die ganz grosse Auseinandersetzung spielt sich auf dem Gebiet Werbeeinnahmen im Onlinebereich ab.

Da lassen sich alle grossen Verlage weiterhin von Facebook, Google & Co. die Butter vom Brot und das Brot wegnehmen und begnügen sich lediglich mit Krumen vom grossen Laib. Denn solange über 80 Prozent dieser Einnahmen von den US-Giganten abgezügelt werden, sind die Content-Provider, die sozusagen die Plattform für diese Einnahmen zur Verfügung stellen, die Gelackmeierten.

Aber eben, es gibt in der gesamten Volkswirtschaft wohl nichts unfähigeres als die Teppichetage der grossen Medienhäuser in de Schweiz.

Zerstreuungszentralen

Glaubwürdigkeit, Kompetenz, Vertrauen. Bereicherung. Wenn nix davon existiert …

Die deutschsprachige Schweiz wird von drei Medienhäusern plus einem kleinen Leuchtturm beschallt, im Tageszeitungsgeschäft.

Was nicht zu Tamedia gehört, gehört CH Media, mit abnehmender Bedeutung wankt Ringiers «Blick» durch die Medienlandschaft. Und dann gibt es noch die NZZ, die leider gelegentlich schwächelt.

Daneben gibt es nur noch wenige kleine Guerilleros und den in der zweiten Generation langsam abgebenden Somedia-Verlag in der Südostschweiz. Über all dem schweben die staatlichen Übermedien von SRF.

Alles andere ist Randgruppenprogramm, vielleicht noch mit Ausnahme der «Weltwoche» und ab und an der WoZ.

Nun sollte es die vornehmste Aufgabe der sogenannten Vierten Gewalt sein, politisches und gesellschaftliches Geschehen zu kontrollieren, darüber zu informieren und dem mündigen Leser die Möglichkeit zur eigenen Meinungsbildung zu geben.

Dabei sollte zwischen der eigentlichen Nachricht und der Kommentierung sorgfältig unterschieden werden. Die persönliche Befindlichkeit des Boten, des Journalisten, sollte dabei keine Rolle spielen, seine Meinung höchstens dann, wenn er etwas Qualifiziertes zum Thema beizutragen hat.

Bei konfliktiven Themen sollten verschiedenen Meinungen und Standpunkten die Möglichkeit eingeräumt werden, sich in diesen Quasi-Duopolmedien zu äussern.

Zudem sollte es ihre vornehmste Aufgabe sein, möglichst umfassend und kompetent über Themen zu berichten, die der Bevölkerung, zumindest der Leserschaft, unter den Nägeln brennen. Also beispielsweise das Thema Altersversorgung und Pensionskassen. Situation auf dem Mietermarkt. Einwanderung. Schulsystem. Kriminalität. Überlastete Infrastruktur. Entwicklung des Verhältnisses zur EU. Sanktionen gegenüber reichen Russen. Um nur die wichtigsten Themen zu nennen.

Konjunktiv.

Seit etwas mehr als vier Jahren beobachtet ZACKBUM diese Medienlandschaft und hat 3550 Beiträge veröffentlicht, die knapp 14’000 Kommentare auslösten, plus diverse direkte Kontakte.

ZACKBUM kann also behaupten, einen gewissen Überblick über die Entwicklung in den letzten vier Jahren und den aktuellen Zustand dieser Medien zu haben.

Dabei sind folgende Fakten augenfällig:

  1. Anfänglich befleissigten sich noch einige Journalisten, auf Anfragen von ZACKBUM zu reagieren oder gar zu antworten. Das hat sich radikal geändert. Entweder gibt es keine Antwort mehr, oder die Frage wird zwecks Veredelung an die Medienstelle weitergeleitet. Die gerne mitteilt: Redaktor xy möchte hierzu keine Stellung nehmen.
  2. Besonders auffällig war das Verhalten der 72 erregten Tamedia-Mitarbeiterinnen. Sie wurden mehrfach mit konkreten Fragen um Stellungnahmen gebeten und allesamt angeschrieben. Reaktion: keine Reaktion.
  3. Der Informationsfluss von Whistleblowern ist ziemlich ausgetrocknet. Das liegt wohl daran, dass die Angst um den eigenen Arbeitsplatz deutlich zugenommen hat, was angesichts der unablässigen Sparwellen auch kein Wunder ist. Zudem haben viele kritische Geister die skelettierten Medien verlassen.
  4. Ausser dem Ausschlachten von gestohlenen Geschäftsunterlagen, die sich in Papers, Leaks und Flops verwandelten, ist kaum nennenswerte Recherchiertätigkeit entfaltet worden.
  5. Die Behandlung der Corona-Epidemie hat gewaltigen Schaden an der Reputation, Glaubwürdigkeit und Werthaltigkeit des Inhalts der Tageszeitungen angerichtet. Vor allem Tamedia verstand sich als Sprachrohr der Regierung oder der Task Force. Kritiker an staatlichen Massnahmen wurden teilweise übel beschimpft («potenzielle Massenmörder»), es wurden hysterische Untergangsszenarien für das Gesundheitssystem entwickelt, von bis zu 100’000 Toten gefaselt, die Wirksamkeit der Impfung unkritisch bejubelt. Kritische Stimmen wurden ignoriert oder beschimpft. Diverse dafür völlig unqualifizierte Journalisten verwandelten sich in wahre Amokläufer und forderten sogar eine Zwangsimpfung für alle. Ein Trauerspiel.
  6. Nicht in diesem Ausmass, aber in einem ähnlichen wiederholt sich das bei der Berichterstattung über die Invasion der Ukraine. Auch da stört vor allem, dass starke Meinungen mit schwachen Kenntnissen eine unappetitliche Melange eingehen.
  7. In diesen vier Jahren ist eine bedenkliche Zunahme von Artikeln zu verzeichnen, die sich ausschliesslich mit Nabelschau des Schreibenden befassen. Sein Befindlichkeiten, seine Weltsicht, seine Ängste und Befürchtungen werden thematisiert. Ohne Rücksicht darauf, dass das die meisten Leser überhaupt nicht interessiert.
  8. Wohl bedingt durch die deutlich abnehmende Relevanz und Bedeutung der Tageszeitungen macht sich zunehmend eine verbissene, oberlehrerhafte Befehlsausgabe bemerkbar. Der Journalist ordnet nicht nur alle Ereignisse auf der Welt nach seinem Gusto, er teilt auch dem Leser mit, wie der sich zu verhalten habe. Insbesondere in Sachen Umweltschutz oder korrekte Anwendung von Sprache.
  9. Obwohl sämtliche Meinungsumfragen beweisen, dass der überwältigenden Mehrheit der Leser Sprachvergewaltigungen mit Gender-Sternchen, Binnen-I und ähnlichem Unfug schwer auf den Zeiger gehen, sehen viele Medien auch hier eine Erziehungsaufgabe. Das gilt auch für faschistoide Sprachreinigungsmassnahmen wie beispielsweise das Verbot, das Wort Mohr zu verwenden.
  10. Angesichts der Social Media und anderen Werbemöglichkeiten (sowie Einnahmen, die nicht bei Schweizer Verlagshäusern anfallen), wirken die Verlagsmanager wie Droschkenfahrer, die verkniffen auf ihrem Bock hockenbleiben und finster beobachten, wie Automobile sie überflüssig machen. Aber der Droschkenfahrer musste sich dann eine neue Einkommensquelle suchen. Die Vollversager in den Geschäftsleitungen der Medienhäuser brauchen das (noch) nicht zu fürchten.
  11. Last, but not least: es ist ein weiterer Niveauverlust zu verzeichnen. Sprachbeherrschung, Hintergrundwissen, Kultur, Geschichte, die Wüste lebt und wird Immer grösser.

Werbejauchzer vom «Blick»

Wenn das keine Gratis-Flugmeilen gibt …

«Das musst du wissen», behauptet das Boulevardblatt ohne Boulevard, aber mit Regenrohr im Logo, nassforsch. Da wird sich die Lufthansa als Besitzer des Charterfliegers freuen, dass es gleich eine ganze Lobeshymne absetzt, wie sie eine Werbeagentur nicht besser schnitzen könnte.

Aber wozu die bezahlen, plus Geld für einen «paid content» aufwerfen, wenn das der «Redaktor Wirtschaft» Jean-Claude Raemy auf Kosten des Medienhauses erledigt. Vielleicht ist es auch eine Stellenbewerbung als Werbetexter, obwohl er am Einstieg noch etwas arbeiten könnte, denn der ist zu banal: «Edelweiss startet durch».

Dann liefert er «musst du wissen»-Delikatessen a gogo ab: «Neu reicht das Rot bei der Heckflosse bis auf den Rumpf, dazu sind die Konturen der Edelweiss-Blume am Heck etwas feiner als bisher.» Wahnsinn, da fühlt sich der Passagier doch gleich viel besser im Flieger.

Selbst Verschlechterungen werden angepriesen: «30 Sitze in Business, in 2-2-2-Reihe». Das war bis anhin eine Fünferreihe auch mit Einzelsitzen, Privatsphäre für Alleinreisende. Nun hat man zwangsweise einen Sitznachbarn, was für das Geld leicht unverschämt ist.

Auch Zukunftsmusik wird gespielt: «Geflogen werden die neuen Routen noch mit Flugzeugen des Typs Airbus A340. Das grösste Interesse gilt passagierseitig jedoch den neuen Airbus A350, die bei der Swiss-Schwester ab Frühjahr 2025 zum Einsatz kommen

Interessant, was da «passagierseitig» für Interessen bestehen, dass man dann nächstes Jahr mal einen neueren Airbus besteigen darf, wow. Im Frühherbst 2023 hatte das bereits der «Reporter Wirtschaft» Patrik Berger vermeldet, damals wurde das Startdatum noch in den «Sommer 2025» verlegt. Besonders köstlich war die Fotostrecke zum damaligen Jubelschrei:

So stellt man sich ein umweltfreundliches Flugzeug idealerweise vor. Oder sollte das damals ein diskreter Hinweis an die Startbahnkleber der Letzten Generation sein?

Die Medienhäuser machen ganz allgemein willig die Beine breit, wenn sie auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit und als Leserverarsche inzwischen eigene Abteilungen beschäftigen, die im Auftrag von Werbekunden «paid content» oder schlichtweg Werbung herstellt, die täuschend ähnlich wie der redaktionelle Inhalt daherkommt. Aber für aufmerksame Leser hat’s da dann immer noch irgendwo versteckt einen Hinweis darauf.

Beim «Blick» ist nicht einmal das mehr nötig. Ob und in welcher Form es da Gegengeschäfte gibt – oder ob der Beitrag tatsächlich einfach gratis und franko Jubelwerbung für Edelweiss betreibt, man weiss es nicht. Man will es auch nicht wissen. Übel wird’s einem auf jeden Fall. Dabei liegt dem Artikel nicht einmal eine Kotztüte bei.

 

Wie es in Deutschland ludert

Relotius ist nur eine Ausprägung des linken Schreibens in die Bedeutungslosigkeit und Unglaubwürdigkeit.

Zwischen «#metoo»-Erregungswellen und angebliche Enthüllungen über rechtsradikale Schweinereien gibt es nur graduelle Unterschiede – und grosse Ähnlichkeiten.

Ähnlich ist vor allem, dass am Anfang ein Riesengeschrei steht. Kevin Spacey, Rammstein, Copperfield, furchtbar. Irgend einer «enthüllt» den Skandal, die Meute hechelt los und bauscht weiter auf. Bis ein völlig Entgleister sogar forderte – mit Hinweis auf die Unschuldsvermutung –, dass die Konzerte von Rammstein in der Schweiz präventiv abgesagt werden sollten.

Phase zwei ist dann jeweils verkniffenes Schweigen, wenn sich die Anschuldigungen in Luft auflösen – und Organe mit rechtlichen Schritten dazu gezwungen werden müssen, Falschbehauptungen richtigzustellen.

Sehr ähnlich verhält es sich mit dem «Geheimplan gegen Deutschland» der Plattform «Correctiv» oder dem Versuch der «Süddeutschen Zeitung», im Wahlkampf dem Chef der Freien Wähler in Bayern zu diskreditieren. Beides startete bombastisch – und verröchelte winselnd.

Dabei wäre es so schön gewesen. Finstere Rechtsradikale aus AfD und CDU treffen sich insgeheim in der Nähe von Potsdam, um ungeniert «Deportationspläne» von Migranten, sogar solchen mit deutschem Pass, zu besprechen und voranzutreiben. Knallharten Recherchierjournalisten sei es dabei gelungen, an diesem «Geheimtreffen» teilzunehmen, das gar nicht so geheim war.

Inzwischen musste «Correctiv» gezwungenermassen einige Behauptungen korrigieren und zurücknehmen. Sehr dünnhäutig werden sie, wenn ihnen in der medienkritischen Plattform «Übermedien» (sozusagen das deutsche ZACKBUM) vorgeworfen wird, sie hätten nach dem «Prinzip Nichtbeleg und Grossdeutung» angeschwärzt. Die seien «von Neid zerfressen», japste der Geschäftsführer von «Correctiv» zurück. Auch die «Tagesschau» musste in zweiter Instanz dazu gezwungen werden, eine haltlose Behauptung zu löschen. Das Gericht schrieb ihr (und  dem «Spiegel» und vielen anderen Medien) ins Stammbuch: «Prozessual ist von der Unwahrheit der Behauptung der Antragsgegnerin, es sei bei dem Treffen in Potsdam die Ausweisung deutscher Staatsangehöriger diskutiert worden, auszugehen.»

Eine Riesenklatsche. Damit endet vorläufig eine «Enthüllung», die ungeheuerliche Wirkung hatte; Hunderttausende gingen auf die Strasse, um «gegen rechts» zu demonstrieren; Politiker überschlugen sich dabei, diese furchtbaren Pläne zu verurteilen.

Wie demagogisch abgefeimt, suggestiv und ungenau der Text von «Correctiv» ist, dafür nur ein Beispiel: «Knapp acht Kilometer entfernt von dem Hotel (wo das für alle per Anmeldung zugängliche Treffen stattfand, Red.) steht das Haus der Wannseekonferenz, auf der die Nazis die systematische Vernichtung der Juden koordinierten.» Diese üble Assoziation wurde im «Spiegel» nicht etwa kritisiert, sondern als «nicht nur legitim, sondern geboten» gelobt.

Der Treppenwitz dabei ist, dass zum Thema Remigration nur gesagt wurde, was die AfD schon lange öffentlich vertritt: nicht-assimilierte Staatsbürger sollten durch «Anpassungsdruck» zur Rückwanderung gedrängt werden. Während die SPD – natürlich unkritisiert – fordert, Antisemiten auch nachträglich den deutschen Pass wegzunehmen.

Im Fall des bayerischen Politikers Aiwanger wurde ihm von der SZ unterstellt, er habe vor vielen Jahren als Jugendlicher ein abstossendes Flugblatt verfasst, das sich über den Holocaust amüsierte. Als sich herausstellte, dass seine Urheberschaft – von ihm bestritten – in keiner Form belegbar war, entblödete sich der Chefredaktor der SZ (das war noch vor der Plagiatsaffäre) nicht, sich mit diesem Satz von allen journalistischen Prinzipien zu verabschieden: «Auf die Urheberschaft kommt es nicht mehr an, der Rest ist schon schrecklich genug.» Damit meinte er aber nicht das Vorgehen seiner Zeitung.

Seither herrscht verkniffenes Schweigen, alleine die NZZ getraut sich, Klartext zu schreiben: «Die Redaktion musste den Text «Geheimplan gegen Deutschland» korrigieren – viele deutsche Medien scheuen bis heute die Aufarbeitung.» Autorin Beatrice Achterberg führt noch ein weiteres Beispiel der abgrundtiefen Heuchelei der «Correctiv»-Macher an. Einerseits empören die sich über angebliche Deportationspläne der Rechten. Andererseits schreibt einer ihrer Reporter und Mitautor des «Geheimplan»-Schmierenstücks angesichts des starken Zuspruchs für AfD, BSW und Linke in Ostdeutschland, dass es doch nicht angehe, dass «eine Mehrheit der ehemaligen DDR-Bürger, die nur 1/6 der Gesamtbevölkerung stellen, mit der Westbindung das Erfolgsmodell der Bundesrepublik zerstören.»

Sein Lösungsvorschlag: man müsse über eine «Trennung» der neuen Bundesländer, der Ex-DDR, von der BRD nachdenken. Also sozusagen die Zwangsausbürgerung von Millionen von Deutschen.

All das ist dermassen hanebüchen und wirft ein grelles Licht darauf, was ZACKBUM schon lange sagt. Nicht die Arglist der Zeiten oder die Umstände haben die Medien in die Krise geführt. Ein wenig auch, aber in erster Linie ist es dieses Versagen, diese Einäugigkeit, diese Unfähigkeit zur Selbstkritik, diese voreingenommene und angeblich belehrende Schmiere, die Leser und zahlende Konsumenten in Scharen davontreibt.

Denn wer will denn – unabhängig von seiner eigenen politischen Überzeugung – Geld für solch journalistisches Desaster, für Offenbarungseide am Laufmeter, für mit ideologischer Brille geschriebene Propagandamachwerke ausgeben.

Wumms: Marc Walder

Wird ihm seine Grossmannssucht zum Verhängnis?

Zwei Glatzköpfe vereint im Kampf gegen Corona. Alain Berset trat in der Grauenvoll-Zeitschrift «Interview by Ringier» als Modepuppe auf  und zeigte sich Seite an Seite mit Walder bei der Vernissage des neuen Organs.

Walder reagierte hysterisch auf die Pandemie und liess sich doch tatsächlich dabei filmen, wie er stolz verkündete, dass er «seinen» Redaktionen die Stallorder ausgegeben habe, das Tun von Regierung und Ämtern nach Kräften zu unterstützen. Der damalige Oberchefredaktor der «Blick»-Familie musste auf der Frontseite in einem peinlichen «Statement» behaupten, dass seine Redaktionen selbstverständlich völlig unabhängig von Walders Meinung seien. Michael Ringier höchstpersönlich griff zur Feder und sprang seinem in die Bredouille geratenen Tennis- und Juniorpartner beiseite.

Kaum war das einigermassen abgewettert, wurde bekannt, dass Walder in einem regen Austausch mit Bersets Kommunikationschef Peter Lauener stand. Das hatte selbstverständlich keinerlei Zusammenhang damit, dass der «Blick» Anträgen aus Bersets Departement regelmässig medialen Schub gab, bevor der Bundesrat darüber beriet.

Währenddessen machte Berset mit privaten Kapriolen Schlagzeilen und leistete sich die Peinlichkeit, als Privatflieger von der französischen Luftwaffe zur Landung gezwungen zu werden, weil er sich in ein militärisches Sperrgebiet verfranzt hatte. Es muss grossartig gewesen sein, wie Berset den Franzosen zu erklären versuchte, dass er ein conseil fédéral  der Schweiz sei. «Und ich bin der Papst», hat er sicher von einem Funktionär zur Antwort gekriegt.

Als Sündenbock in der ganzen Walder-Affäre musste bislang Lauener hinhalten; natürlich habe sein Chef nichts Genaueres von diesen Kontakten gewusst. Diese Verteidigungslinie liess sich aufrecht erhalten, solange SMS zwischen Berset und Walder geheim blieben. Walder berief sich dabei auf seinen Quellenschutz.

Aber der «Weltwoche» sind nun die Protokolle der Unterhaltungen zugespielt worden. Die wenigen veröffentlichten Beispiele zeigen, dass es einen engen Kontakt zwischen den beiden gab – und dass Walder aktiv versuchte, auf Entscheidungen des Bundesrats Einfluss zu nehmen: «So eine ganz klare Aussage wäre die kommende Woche wichtig», damit begleitete Walder einen Artikel der NYT, den er Berset ans Herz legte. Der antwortete brav: «Vielen Dank! Werde es lesen und schauen, was wir noch machen können.»

Dass mächtige Manager bei Regierenden ein und ausgehen, ist bekannt. Dass sie gefragt und ungefragt Empfehlungen geben, Forderungen aufstellen, in ihrem Sinne beeinflussen, nichts Neues. Aber dass ein führender Medienmanager dermassen ungeniert  mitregieren will, das ist neu – und schockierend.

«Bersets Berater und Vertrauter», so nennt die «Weltwoche» Walder. Trifft das so zu, ist die Glaubwürdigkeit des Ringier-Organs «Blick» kontaminiert. Dass Walder operativ etwas in den Hintergrund verschoben wurde, ist reine Kosmetik, er ist weiterhin der designierte Nachfolger von Michael Ringier als Verwaltungsratspräsident.

Ausser, Walder fällt doch noch über sein übergrosses Bedürfnis, bei den Mächtigen und Wichtigen auf Augenhöhe zu sein. Männerfreundschaften mit Pierin Vincenz und Philippe Gaydoul resultierten daraus. Beide agierten eher glücklos als Geschäftsleute, um es mild auszudrücken. Dennoch hielten die Ringier-Organe Vincenz lange, zu lange die Stange und gaben ihm die Möglichkeit, Kritiken in Gefälligkeitsinterviews wegzubügeln.

Die Berset-Lauener-Walder-Connection ist inzwischen erstellt. Wie direkt nahm Walder Einfluss auf die «Blick»-Redaktion? Das bleibt solange im Dunkeln, bis weitere SMS oder E-Mails auftauchen. Denn auf eines kann man sich im elektronischen und digitalen Zeitalter verlassen: Kommunikation hinterlässt immer ihre Spuren. Früher hiess das «paper trail», heutzutage ist es viel perfider. Alles, was digital in die Welt gesetzt wurde, verschwindet nie mehr.

Nun muss sich Walder über die Feiertage eine Strategie überlegen, wie er diese neuerlichem Enthüllungen überstehen will. Wir sind gespannt.

 

Unwürdige Glaubwürdigkeit

Worauf stützen wir uns Weltverständnis?

Findet in der Ukraine ein Krieg statt? Waren die Corona-Massnahmen gerechtfertigt und zielführend? Gilt bei Christian Dorer die Unschuldsvermutung? Stimmen die Vorwürfe von Anuschka Roshani? Ist US-Präsident Joe Biden senil? Greift China nach der Weltherrschaft? Interessieren jemanden die Hunderttausenden von Toten und Millionen von Vertriebenen im Tygrai?

Was sollen diese Fragen gemeinsam haben? Ganz einfach: Ihre Antworten entziehen sich unserer persönlichen Überprüfbarkeit. Wir sind dafür auf Boten angewiesen. Auf Nachrichtendienste, auf die Presse, auf Medien.

Es ist eine Binse, dass es eine sogenannte objektive Realität nicht gibt. Oder wahrscheinlich gibt es sie, aber sie ist unseren Aufnahmemöglichkeiten nicht in dieser Form zugänglich. Im schlimmsten Fall gilt sogar die Heisenbergsche Unschärferelation, dazu die Erkenntnis von Gödel, dass ein ausreichend komplexes System niemals in sich selbst widerspruchsfrei sein kann.

Weniger abstrakt ausgedrückt: es gibt nur Annäherungen an die Wirklichkeit. Ob die gelungen sind oder nicht, dafür gibt es allerdings einige Kriterien. Wird die Wirklichkeit durch eine ideologische Brille betrachtet, sind die Ergebnisse nicht sehr überzeugend. Beziehungsweise überzeugen sie diejenigen, die schon vor der Aufnahme der Nachricht Anhänger dieser Ideologie waren. Dabei ist aber der Erkenntnisgewinn nahe null.

Was ist denn nun aber der Wesenskern einer Nachricht? Was sollte sie sein, damit sie sinnvoll ist? Nehmen wir ein einfaches Beispiel, die Prognose. Die Wetterprognose. Wenn berichtet wird, dass Meteorologen aufgrund ihrer wissenschaftlichen Ausbildung und  in Interpretation der vorliegenden Daten zur Ansicht gekommen sind, dass es morgen schneien wird, kann der Empfänger der Botschaft entsprechende Vorkehrungen treffen. Also Winterkleidung hervornehmen, einen Schirm einpacken und Handschuhe. Sollte die Prognose nicht eintreffen, ist der Schaden überschaubar.

Wichtig ist noch, dass die Prognose eben mit wissenschaftlichen Methoden erstellt wurde. Basiert sie auf der Interpretation von Wolkenformationen und Vogelflug als Zeichen der Götter, ist sie abergläubischer Unfug, selbst wenn sie zufällig eintreffen sollte.

Also wieder abstrakt: Informationen über die Welt sollten gewissen handwerklichen Ansprüchen genügen. Während eine Wetterprognose direkten Einfluss auf mein Verhalten haben kann, sind Nachrichten aus aller Welt nicht unbedingt mit meiner Lebenswirklichkeit verknüpft. Dennoch ist der Mensch neugierig und möchte verstehen, was um ihn herum und in der Welt, in der er lebt, so vorgeht.

So kann auch der Krieg in der Ukraine direkte Auswirkungen auf seine Lebenszusamenhänge haben. Er könnte sich zum Beispiel in einen Atomkrieg verwandeln oder dazu führen, dass der Leser aus seiner Wohnung geschmissen wird, weil Platz für ukrainische Flüchtlinge geschaffen werden soll. Oder er muss eine exorbitante Energierechnung begleichen oder auf den Kauf russischer Güter verzichten.

Von den Corona-Massnahmen war jeder ganz direkt und in seinem Lebenszusammenhang betroffen. Theoretisch sollte bei Christian Dorer, wie bei Pierin Vincenz, die Unschuldsvermutung gelten. Die Vorwürfe von Roshani hätten nicht nur auf ZACKBUM einem banalen Faktencheck unterzogen werden sollen. Der geistige Zustand des 80-jährigen Biden kann mit entsprechenden Untersuchungen einigermassen analysiert werden. Welche machtstrategischen Absichten China hat, kann man einschlägigen Ankündigungen entnehmen, vorausgesetzt, man kann Chinesisch. Die Toten und Vertriebenen von Tygrai interessieren keinen, weil sie in der falschen Weltgegend leiden und die falsche Hautfarbe haben.

In all diesen Fällen muss konstatiert werden, dass in den Massenmedien eine Vereinheitlichung der Meinungen, ein ideologisch-moralischer Tunnelblick, eine selbstverliebte Rechthaberei ohne entsprechende Kompetenzen zunehmend um sich greift.

Bezüglich des Ukrainekonflikts klar Partei ergreifen, das ist erlaubt. Wenn aber die Kriegsberichterstattung es dem Konsumenten unmöglich macht zu beurteilen, wer hier Fortschritte macht und wer Rückschritte, wer Kriegsverbrechen begeht und verbotene Waffen einsetzt. Wenn klare Analysen fehlen, wie verwurzelt die faschistische Ideologie, die Verherrlichung eines Nazi-Kolaborateurs und Kriegsverbrechers wie Stepan Bandera noch ist. Wenn kein Massenmedium beispielsweise durch die Publikation verschiedener Blickwinkel die Positionen beider Kriegsparteien dem Konsumenten zumindest darbietet: dann verlieren unsere Messfühler in die Welt ihre Glaubwürdigkeit.

Wenn es auch im Nachhinein kaum möglich ist, die staatlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie kritisch aufzuarbeiten, wenn beispielsweise die «SonntagsZeitung» eine zur Stellungnahme eingeladene kritische Meinungsäusserung einfach kommentarlos unterdrückt, wenn es zu praktisch jedem Thema auf der Welt eine vorgefasste Redaktionslinie gibt, von der keine Abweichung toleriert wird: dann verlieren unsere Nachrichtenboten ihre Glaubwürdigkeit.

Wenn der Kommentar die Analyse verdrängt, wenn die Betrachtung des eigenen Bauchnabels den Blick nach aussen ersetzt, wenn Klatschgeschichten aus dem Innenleben von Redaktionen wichtiger werden als die Berichterstattung über Aussenereignisse, wenn fehlende Kompetenz kein Grund für Schweigen ist, wenn für Beförderungen das Geschlecht der ausschlaggebende Faktor wird: dann verlieren unsere Medien ihre Glaubwürdigkeit.

Wenn die privaten Besitzer dieser Nachrichtenquellen ihren Blättern ihre Meinung aufdrücken, so wie der Wannerclan es bei CH Media vorexerziert, oder der familiennahe Mitbesitzer und CEO bei Ringier, wenn sie gleichzeitig darauf achten, dass ihre Pfründe satte Gewinne abwerfen, während den sogenannten Content Providern sogar noch das Hungertuch weggespart wird und weniger und magerer Inhalt dem Käufer zu exorbitant steigenden Preisen als angeblicher Mehrwert verkauft wird: dann verlieren unsere Newskonzerne ihre Glaubwürdigkeit.

Wenn schliesslich wildes Gehampel über Genderfragen, inkludierende Sprache, Vergewaltigungen der deutschen Syntax und Grammatik wichtiger werden als Inhalte, wenn herrschaftsfrei und nichtdiskriminierend Schwachsinn erzählen wertvoller wird als kenntnisreichen Inhalt zu liefern: dann verlieren unsere Wirklichkeitsverarbeiter ihre Glaubwürdigkeit.

Wenn es nicht mehr erlaubt sein sollte zu konstatieren, dass faktisch alle weiblichen Führungskräfte im Journalismus nicht durch ihre Fähigkeiten in diese Positionen gelangten, dort durch Inkompetenz wie Wappler, Unsichtbarkeit wie Heimgartner oder durch peinlich-banale Kommentare wie Hasse auffallen, dann verlieren unsere angeblich pluralistischen Plattformen ihre Glaubwürdigkeit.

Der Prozess kann als beinahe abgeschlossen betrachtet werden. ZACKBUM ist gespannt, welche neuen Formen der Informationsvermittlung als Geschäftsmodell sich durchsetzen werden.

 

Glaubwürdigkeit

Systematische Probleme in den Medien.

Ohne Häme und Polemik gefragt: warum berauben sich viele Medien freiwillig ihrem wichtigsten Asset, ihrer Existenzgrundlage?

Nähern wir uns der Antwort in vorsichtigen, kleinen Schritten. Die Kernaufgabe eines Newsmediums ist es, News herzustellen. Das ist keinesfalls banal. Denn zu 99 Prozent sind diese Informationen vom Leser nicht überprüfbar. Oder wenn, nehmen sich 99 Prozent der Leser nicht die Zeit dafür. Genau aus diesem Grund halten sie sich doch ein Qualitätsorgan, das für seine Tätigkeit zudem happige Preise fordert.

Was auch immer wo auch immer auf der Welt stattgefunden hat, der Leser muss darauf vertrauen können, dass ihm kein X für ein U vorgemacht wurde. Dass Präsident Biden tatsächlich schärfere Waffengesetze fordert und nicht etwa der Waffenlobby zujubelt. So brandschwarz lügt nun allerdings kaum ein Medium, zu leicht wäre das durchschaubar.

Und dann wäre weg, was die Existenzberechtigung ausmacht. Die Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit heisst, dass sich der Leser oder Konsument darauf verlassen kann, dass zumindest das Faktische stimmt. Dass die Gewichtung stimmt. Dass die Auswahl der News stimmt. Dass dem Satz audiatur et altera pars nachgelebt wird, man höre auch die andere Seite. Das alles gehört zur Glaubwürdigkeit.

Besonders in Kriegen ist es völlig klar, dass alle Kriegsparteien in Propaganda-Modus verfallen und sich bemühen, sich selbst möglichst gut und edel und siegreich, den Gegner möglichst schlecht, heimtückisch und als Versager hinzustellen. Das ist normal und erlaubt. Sowohl in der Ukraine wie in Russland herrscht Zensur, die Massenmedien geben natürlich nur die offizielle Sichtweise wieder.

Nicht kriegsbeteiligte Medien, insbesondere noch in der neutralen Schweiz, sollten hingegen beide Seiten zu Wort kommen lassen. Sie sollten versuchen, hinter die Nebel der Propaganda zu schauen, im Dienst und Auftrag ihrer Konsumenten. Tun sie das nicht, haben sie über kurz oder lang ihre Existenzberechtigung verloren.

Medien haben Haltungen, Redaktoren haben Meinungen. Das ist kein Verbrechen, sondern unausweichlich. Es gibt kein «objektives» Newsblatt, keine völlig ausgewogene Nachrichtensendung. Diese Haltung, diese Meinungen können vertreten, ausgewiesen, in Editorials, Kommentaren und Redaktionsstatuten vertreten werden. Wenn es allerdings offenkundig wird, dass dadurch die Fähigkeit beeinträchtigt ist, in erster Linie Hilfe bei der Meinungsbildung des Konsumenten zu leisten, verliert das Medium sein wichtigstes Asset. Und ist zum Untergang verurteilt.

Der Konsument ist ein geduldiges Wesen, das sich auch überraschend lange und kräftig quälen lässt. Schrumpfende Umfänge, nachlassende Qualität, Rechthaberei, unqualifizierte Schreiber, Einäugigkeit, Voreingenommenheit, Haltungsjournalismus pur, ruppiger Umgang mit abweichenden Meinungen – all das verträgt der Konsument mit wahrlich bewundernswerter Engelsgeduld.

Aber es stauen sich in ihm Bedenken auf. Weniger Umfang als Qualitätssteigerung? Sparmassnahmen als Verbesserung des Angebots? Kolumnitis und Meinungen und Kommentare und Beschreibungen persönlicher Befindlichkeiten oder gar Betroffenheiten als Ersatz für Reportagen, Berichte, Analysen? Schwarzweiss-Malerei statt Wiedergabe der bunten Welt? Gar im Befehlston geschnarrte Handlungsanweisungen an den Konsumenten, wie der sich zu verhalten habe? Was er zu tun und zu lassen habe, um nicht als fahrlässig, uneinsichtig, unmenschlich, moralfrei, bequem, unsolidarisch zu gelten?

Es ist wohl nicht ein einzelner Vorfall dieser Art, sondern ihre Akkumulation, begleitet von einer zunehmenden Kreischigkeit in der Tonlage, mit der der Bedeutungsverlust der Massenmedien kompensiert werden soll, die dann beim Konsumenten den Entschluss reifen lassen: es reicht. Wieso soll ich ein paar hundert Franken dafür ausgeben, damit ich einseitig informiert, dünn dokumentiert, ständig belehrt und beschimpft werde? Was interessieren mich die Meinungen der Redaktoren, ihre Befindlichkeiten, ihr Leiden, ihre persönlichen Probleme? Wieso soll der Konsument dafür bezahlen?

Dann, nun dann folgt auf den Verlust der Glaubwürdigkeit der Verlust des Zahlers. Weil zunehmend aus dem Fokus gerät, dass Newsmedien keine Anstalt für Eigentherapie und das Hinausposaunen der eigenen Meinung sind. Bei der das zahlende Publikum und dessen Interessen eigentlich keine Rolle spielen. Es wird höchstens wahrgenommen als zu belehrende, anzuweisende und natürlich zu kritisierende Masse, die sich allzu oft leider nicht so verhält, wie sie es nach Meinung des Journalisten tun sollte. Sie wählt falsch, hat falsche Ansichten, ist schnell einmal fremdenfeindlich, rassistisch, unsolidarisch, verklemmt, konservativ, egoistisch.

Da sagt sich dann der Konsument: Wenn zur dünnen Suppe des Inhalts, dem starken Tobak der Meinung auch noch Publikumsbeschimpfung dazukommt, dann reicht’s: ich kündige.

«Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht»

So endet «Der Prozess» von Franz Kafka. So können die Medien enden.

Seit es das Internet und das Digitale gibt, ist der Satz «lügt wie gedruckt» leicht veraltet. Aber nur technologisch, nicht inhaltlich.

Seit dem Aufkommen der Presse, was auch noch nicht so lange her ist – weder Ägypter noch Griechen kannten das –, wogt die gleiche Debatte. Wer entscheidet wonach, was es wert ist, publiziert zu werden?

Ein Genie verfilmte Kafka mit einem genialen Anthony Perkins.

Wer entscheidet wonach, wie es kommentiert, gefärbt, beurteilt wird, moderndeutsch «geframt»? Haben sich die Medien das Schmähwort von der «Lügenpresse» redlich verdient oder ist das ein dümmlicher Kampfbegriff von Marginalisierten und Verpeilten?

Gedrucktes ist normalerweise schwarz auf weiss, seltener weiss auf schwarz. Die Wirklichkeit ist aber mindestens grau, häufig bunt, scheckig und kompliziert.

Wo fängt unzulässige Beeinflussung an, wo hört die redaktionelle Unabhängigkeit auf? Ist es eine Karikatur aus dem Bilderbuch des Antikapitalisten, dass der Besitzer der Produktionsmittel, hier des Verlags, befiehlt, wo’s langgeht? Oder geben die Schweizer Medienclans die grossen Linien vor? Lesen wir also im Wesentlichen, was Coninx-Supino, Ringier-Walder , Wanner-Wanner oder Lebrument-Lebrument genehm ist?

In Krisen und Kriegen stirbt die Wahrheit zuerst

Fangen wir mit den Basics an. Erinnert sich irgend jemand, in deren Hausorganen einen kritischen Bericht über diese Clans gelesen zu haben? Ist doch auch logisch, wenn mir «Tages-Anzeiger» oder «Blick» gehören würden, fände ich es auch nicht lustig, von meinem eigenen Blatt in die Pfanne gehauen zu werden.

In Krisenzeiten scharen sich Massenmedien gerne um die Regierenden. In den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts wurde Unsägliches auf allen Seiten publiziert. Gelogen, gehämt, gekeift, gehetzt, ganze Weltbilder auf Lügen und Verzerrungen aufgebaut.

Vor dem Gerichtshof der Massenmedien.

Auch im Kalten Krieg gab es unschöne Auswüchse. Unvergessen die Hetze der NZZ gegen den Kommunisten und Kunsthistoriker Konrad Farner Mitte der Fünfzigerjahre. Unvergessen der Inserateboykott der Autolobby gegen den «Tages-Anzeiger». Unvergessen das Schreibverbot gegen Niklaus Meienberg, das damals Otto Coninx unverblümt als persönliche Abneigung verteidigte: «Daneben aber hat sich ein ungutes Gefühl bei mir verdichtet, ich verspürte einen Aberwillen gegen M.s Schreibart, seine Einseitigkeit, seine Verzerrungen, sein Verhältnis zur Schweiz, seine Animosität, seine Manipulation, der ich mich persönlich als Leser ausgesetzt sah.»

Beziehung Medien – Masse: es ist kompliziert

Einzelfälle, dagegen steht eine lange und strahlende Geschichte von durch die Medien aufgedeckten Skandalen? Muss man dann nicht auch die Glanztat eines Hansjörg Abt erwähnen, der hartnäckig den Hasardeur und Betrüger Werner K. Rey zur Strecke brachte? Auch hier könnte man eine lange Latte von Beispielen aufführen.

Aber sind das alles Gross- und Schandtaten aus der Vergangenheit, weil es an Beispielen aus der Gegenwart mangelt? Durchaus nicht. Das Internet ermöglicht ganz neue Formen der Recherche und Aufdeckung. Was früher mühsam in Archiven oder vor Ort zusammengesucht werden musste, ist heutzutage mit etwas Gelenkigkeit am Bildschirm möglich. Allerdings sind die ewigen «Leaks» und «Papers» kein Glanzlicht dieser neuen, schönen Welt. Sondern verantwortungslose Verwertung von Hehlerware, die von anonymen Quellen zugesteckt wird, ohne dass man deren Motive kennen würde.

Blick in einen Newsroom …

Zudem sind die Medien in einen fast perfekten Sturm geraten. Einbrechende Inserate im Print, im Web nehmen ihnen Internet-Giganten wie Google, Facebook oder Amazon die Butter vom Brot. Inhaltliches und im Umfang dramatisch Geschrumpftes wird hartnäckig zu den gleichen Preisen wie früher angeboten.

Die Personaldecke wird dünn und dünner; drei der vier überlebenden Tageszeitungskonzerne verdienen ihr Geld längst mit journalismusfremden Tätigkeiten. Um für wegfallende Einnahmen kompensiert zu werden, fahren sie zudem einen erkennbaren Schmusekurs gegenüber Staat und Regierung.

Grenzenlose Vermischung von Bezahltem und Berichtetem

Auch die Pandemie ist Anlass, staatstragende Geräusche von sich zu geben. Das ist nicht verboten, aber da es inzwischen faktisch Tageszeitungsmonopole gibt, wäre es schön gewesen, wenn die Behauptung, Forumszeitung und Plattform zu sein, mehr als ein Lippenbekenntnis wäre.

Die schon immer sehr dünne Grenzlinie zwischen bezahltem und selbst erstelltem Inhalt verblasst bis zur Unsichtbarkeit. Früher inhaltsschwere Worte wie «recherchiert», «investigativ», «undercover» oder «Reportage» denaturieren zu Lachnummern.

Das alles sind unangenehme Begleiterscheinungen. Aber die Wurzel des Übels liegt woanders: Glaubwürdigkeit behält man, wenn man nicht heuchelt. Vertrauen geniesst man, wenn man nicht lügt. Kompetenz und Nutzwert strahlt man aus, wenn man inhaltlich und intellektuell etwas zu bieten hat.

Den Anspruch, «wir liefern euch gegen Bezahlung eine professionell gemachte Auswahl der wichtigsten News des Tages, kompetent dargeboten, eingeordnet und analysiert», den kann man behaupten. Wenn man an ihm Tag für Tag scheitert, dann schafft man sich selbst ab.

Arbeiten an der Selbstabschaffung

Genau daran arbeiten die drei grossen Medienkonzerne der Schweiz. Der vierte versucht immerhin, auf Content, Journalismus und Inhalt zu setzen. Und die Staatsmedien, denn nichts anderes ist die SRG, können trotz garantierten Einnahmen immer weniger den Anspruch erfüllen, die Grundversorgung an Informationen aufrecht zu erhalten.

Wenn’s im «Prozess» dem Ende zugeht.

Nur ein Symbol dafür: Wer eine Wirtschaftssendung wie «Eco» ersatzlos streicht, setzt keine Sparmassnahme um, sondern holzt einen Grundpfeiler des Service publique ab.

Die schrumpfende Bedeutung der Medien, der zunehmende Verlust der Deutungshoheit in der öffentlichen Debatte, mangelnde Ressourcen und bescheidene intellektuelle Kapazitäten werden kompensiert mit verbitterter Rechthaberei, mit Kommentaren, die sich mit dem eigenen Bauchnabel, eingebildetem oder geklautem Leiden befassen. Die ungefragt und sowohl haftungs- wie verantwortungsfrei kreischig Ratschläge erteilen, Forderungen aufstellen, Handlungsanleitungen geben.

Einen guten Ruf erarbeitet man sich über lange Zeiten. Verspielen kann man ihn mit wenigen Handgriffen. Wir haben keine «Lügenpresse» in der Schweiz. Aber «All the News That’s Fit to Print» ist’s schon lange nicht mehr.