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Schlagwortarchiv für: YouTube

René Zeyer

Kaum einer schaut mehr

28. September 2026/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Bitter für die selbstverliebten Journalisten. Wer ausser ZACKBUM liest sie noch?

Versuchen wir’s mal für die Leseschwachen unter uns mit einer Grafik:

Die noch einigermassen gute Nachricht: News-Websites (blau) schwingen in fast allen Altersgruppen obenauf. Allerdings gehören auch Tiefflieger wie watson.ch oder Schnellfutter-Schleudern wie «20Minuten» dazu.

Dicht gefolgt, zumindest bei Jugendlichen bis 34, von Social Media. TV hingegen wird umso wichtiger, je älter der Konsument ist. Bei den Ü-55 ist es sogar die wichtigste Newsquelle. Das ist einerseits gut für Staats- und Privatfunker. Allerdings: blöd, wenn das Publikum wegstirbt.

Radio ist in allen Altersklassen ein Randgruppen-Phänomen.

Allerdings, das ist natürlich bitter für alle selbstverliebten «hast du meinen Kommentar gelesen»-Journis: Print hat über alle Altersklassen hinweg bis 55 eine Einschaltquote, die um 7 Prozent aller Newsquellen oszilliert. Nur die 35- bis 44-Jährigen scheren aus, bei ihnen informieren sich 7,7 Prozent im Print.

Hier raschelt die Generation Bald-einmal-dritte-Zähne noch am meisten mit Zeitungspapier: 14,1 Prozent aller Ü-55 vertrauen noch auf Druckerschwärze.

Seit 2016 hat Print 10 Punkte verloren, Newssites legten um 4 und Social Media um 7 Prozent zu.

Anders gemessen, laut BAKOM, erreichte Print 2024 insgesamt noch 60 Prozent der Bevölkerung. Allerdings nur 39 Prozent der bis 34-Jährigen, dafür 82 Prozent der Ü-60. Bei denen beträgt auch die Reichweite des Radions noch 87 Prozent, bis 35 sind es 39.

Was sollen uns alle diese Zahlen sagen?

Ganz einfach: Print und Radio sterben die Nutzer weg. Ebenso dem linearen TV. Das Durchschnittsalter bei SRF 1 beträgt 62 Jahre, bei SRF zwei sogar 63. Nicht zuletzt deswegen ist die angeblich schlechte Qualität von Dialogen bei Hintergrundlärm eine der häufigsten Gründe für Reklamationen. Jugendthemen sind deshalb logischerweise weniger nachgefragt; Gesundheit (Inkontinenz!), Reisen (aber bitte im Car oder Schiff) und leichte Unterhaltung mit lüpfigen Weisen, das sind die Trümpfe.

Bei Social Media als Newsquelle spreizen sich wieder die Altersklassen auf. Insgesamt wird WhatsApp mit 26,4 Prozent am häufigsten für Nachrichten genutzt, gefolgt von YouTube, Facebook und Instagram. Auf den Plätzen dann TikTok, X/Twitter, Telegram oder LinkedIn.

Hingegen ist bei den 18 – 24-Jährigen Instagram mit 47,2 Prozent die wichtigste Plattform für News, gefolgt von TikTok (33 Prozent) und YouTube (32,8). Schon bei den 25 – 34-Jährigen sieht’s ganz anders aus. Da ist WhatsApp (33,8) Nummer eins, gefolgt von YouTube (31,7) und erst dann Instagram (29,6), dicht gefolgt von Facebook (26,4), das bei den Jüngeren (11 Prozent) unter ferner Liefen kommt.

Hier werden allerdings News nicht gezielt gesucht, sondern man lässt sich von Feeds berieseln oder, immer wichtiger, man schaut Videos von Creators oder Persönlichkeiten.

Natürlich lampen hier auch sich auch klassische Newsquellen hinein. Da lassen sich die Medienhäuser von den grossen Plattformen die Werbebutter vom Brot nehmen, weil sie meinen, dass gesteigerte Reichweite ihnen was bringen würde.

Also rundum ein Abschied von den Zeiten, als am Morgen die Tageszeitung und am Abend die Tagesschau die beiden wichtigsten Newsquellen waren.

Und was lernen die grossen Medienhäuser daraus? Nichts. Das gilt insbesondere für die Teppichetage, allerdings auch für die meisten Journalisten, die einen langatmigen Meinungskommentar immer noch für das Höchste der Gefühle halten.

Natürlich gilt das auch bis zu einem gewissen Grad für ZACKBUM und seine Leser. Da besteht allerdings der Trost darin, dass es keine kommerzielle Plattform ist und daher Betreiber und User zusammen alt und älter werden, bis zur biologischen Lösung.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-22-um-16.22.55.png 467 1281 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-28 05:00:512026-09-25 15:16:31Kaum einer schaut mehr
René Zeyer

Trump gefährdet die öffentliche Ordnung

6. Juni 2021/0 Kommentare/in Allgemein, Medienschelte/von René Zeyer

Das mag vielleicht sein. Aber dürfen nun Privatkonzerne Recht sprechen und Urteile fällen?

Ex-Präsident Donald Trump wird bis Januar 2023 keinen Zugang zu Facebook oder Instagram haben. Von Twitter ist er bereits lebenslänglich verbannt. Auch YouTube hat sich diesem Bann angeschlossen. Als diese Massnahmen zuerst im Zusammenhang mit der schändlichen Erstürmung des US-Kapitols bekannt gegeben wurden, passierten zwei Dinge.

Vom linken Mainstream wurden diese Zensurmasnahmen freudig begrüsst. Nur wenige Kommentatoren wagten es, sie als bedenklich und fragwürdig zu kritisieren. Nicht aus Sympathie für den notorischen Lügner Trump. Sondern weil es gefährlich ist, wenn solche Entscheide privater Gerichtsbarkeit überlassen werden.

Mit dem zunehmenden Bedeutungsverlusts Trumps, der wie der Politik-Irrwisch Steve Bannon wohl kaum ein Comeback feiern wird, liess zweitens das Interesse an der Debatte über solch eine Zensur aus privater Hand nach.

Zensur, also das Verbot bestimmter Inhalte, Publikationen, Meinungsäusserungen, diese Entscheidung war in modernen, zivilisierten Staaten ausschliesslich Staatsbehörden überlassen. Gegen die sich der Betroffene auf dem Rechtsweg wehren kann.

Wer entscheidet über Zensurmassnahmen?

Facebook, Twitter und Instagram sind dermassen weitverbreitet, dass es gerade für auf den Kontakt mit den Massen angewiesene Politiker einer schweren Strafe gleichkommt, diese Plattformen nicht mehr benützen zu können.

Das habe sich Trump selbst eingebrockt, mit seiner unverhohlenen anfänglichen Sympathie für den Abschaum, der den Sitz der US-Demokratie stürmte? Es geht doch nicht darum, dass diese Mann einen Sympathiewettbewerb gewinnen müsste.

Es geht darum, dass diese Verlängerung des Entscheids von Facebook (und damit Instagram), plus die Entscheide von Google oder Twitter aufgrund der Einschätzungen von Dunkelkammern gefällt werden. Bei Facebook heisst das «Oversight Board». Die hier versammelten Entscheidungsträger urteilen intransparent und nach Gusto, selbst Mark Zuckerberg muss sich diesen Entscheiden beugen.

Nur noch Berichterstatterpflicht in Schweizer Medien

Die Verlängerung wurde in den Schweizer Medienkonzernen als Meldung abgehandelt. Entweder, indem die SDA-Meldung übernommen wurde, oder – bei CH Media und der NZZ – eigene Korrespondeten so neutral wie möglich darüber berichteten. Ohne jede kritische Distanz, ohne wenigstens kurz darauf hinzuweisen, dass wohl die Mehrheit der Öffentlichkeit mit dieser zensur durchaus einverstanden ist, weil es sich um Trump handelt.

Wir müssten uns die Ohren zuhalten, würde das Barack Obama, Bill Clinton oder Jimmy Carter passieren. Die sind auch keine Gefahr für die öffentliche Ordnung? Mag sein, aber wer entscheidet das? Das ist die entscheidende, zentrale Frage. Um die sich offensichtlich «Blick», Tamedia, CH Media und auch die NZZ drücken wollen.

Einfach berichten, ja nicht werten. Überhaupt nicht die Debatte weiterführen, ob es wirklich eine gute Idee ist, US-Multimilliardären – oder von denen eingesetzten Gerichtshöfen – Entscheidungen von solcher Tragweite zu überlassen. Was Trump vor und während des Angriffs einer Meute aufs Kapitol alles gesagt oder verbreitet hat, ist übel und eines US-Präsidenten unwürdig.

Aber nochmal, ein offensichtlich verhaltensgestörte Mark Zuckerberg, ein mindestens so merkwürdiger Boss von Twitter, von den Google-Chefs ganz zu schweigen, nun soll es in deren Macht liegen, jemanden einen sozialen Tod sterben zu lassen?

Jetzt herrscht in der Schweiz offenbar die stillschweigende Übereinkunft: kein Büro aufmachen deswegen. Es trifft doch den Richtigen. Was mal wieder (fast) alle übersehen: Es trifft zuerst immer die Richtigen. Bis es dann nicht mehr die Richtigen trifft.

Aber dann ist Protest normalerweise vergeblich und zu spät.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/06/Trump1.jpeg 608 926 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-06-06 09:00:202021-06-05 08:31:04Trump gefährdet die öffentliche Ordnung
René Zeyer

Totalflop «Play Suisse»

28. Mai 2021/2 Kommentare/in Allgemein, Meinung/von René Zeyer

SRG hat ein Streamingangebot. Nur: kein Schwein schaut. Aber wir sind beim Gebühren-TV.

Das kann sich nur ein Staatssender leisten. Pardon, ein Gebührensender mit Auftrag des Service Public. Gratis, versteht sich, oberhalb der Zwangsgebühren. Und auf allen Kanälen, sowie modern und vorne dabei.

Deshalb gibt es seit einem halben Jahr «Play Suisse». Ein Totalflop, der von jedem Sender, der etwas auf die Kohle achten müsste, schon längst eingestampft worden wäre. Mal ein paar Zahlen, um die Relationen zu wahren:

Nummer zwei im Streaming-Angebot in der Schweiz ist Netflix. 1,8 Millionen zahlende Nutzer. YouTube hat 5,5 Millionen. Und «Play Suisse» hat 260’000 Gäste mit Login. Gratis natürlich, als Bestandteil des «service public» der SRG. Ach, was «Play Suisse» eigentlich ist?

«Die neue Streaming-Plattform der Schweiz. Hier finden Sie die  besten Schweizer Filme – ohne zusätzliche Kosten.» Alles ausgewählt, kuratiert, «alles, was Sie dafür benötigen, ist ein Login. Entdecken Sie eine neue Art des Fernsehens.»

Die neue Art des Fernsehens ist bei näherer Betrachtung alt

Neu? Selten so gelacht. Schon beim Login hat sich SRG verstolpert. Denn die Informationen wandern schnurstracks in die USA mit ihren lausigen Datenschutzgesetzen. Weil die SRG zu schmürzelig war, eine eigene Software zu entwickeln – oder in der Schweiz einzukaufen. Lieber eine Bude im Portefeuille von Microschrott.

ZACKBUM hat diesen Skandal aufgedeckt – aber keinen interessiert es. Dabei lohnt sich die Lektüre des Kleingedruckten: «Wir geben Personendaten auch an Dritte beziehungsweise Auftragsbearbeiter weiter, die ihren Sitz nicht in der Schweiz und in Nicht-EU/EWR-Ländern haben.»

Ausser, natürlich, der Nutzer protestiert dagegen. Aber wie soll er das tun, wenn er keine Ahnung hat, was mit seinen Daten passiert? Immerhin, die gute Nachricht ist: die Anzahl Nutzer mit Login ist überschaubar. Sehr überschaubar.

Wer kam denn auf diese tolle Idee? Die «Medienwoche» kolportiert das so: Generaldirektor Gilles Marchand habe eines Tages einen Einfall gehabt: «Ich war überzeugt, dass die Schweiz eine Plattform braucht, die einheimische Serien, Filme und Dokumentationen aus allen Landesteilen an einem Ort vereint».

Wer ist an einem Ort vereint?

Nun, gönnen wir Marchand diese Legende, er hat’s ja auch nicht leicht zurzeit. Da braucht er jedes Erfolgserlebnis. Nur: woher nehmen – und nicht stehlen? Ursprünglich war geplant, diese Plattform zusmmen mit privaten Anbietern aufzubauen. In erster Linie wäre da der Wanner-Clan (CH Media) mit seinen zusammengekauften TV- und Radiostationen in Frage gekommen.

Nur: man konnte sich nicht einigen, damit verabschiedete sich doch ein gröberes Stück der landesweiten Plattform. Denn die 3-Plus-Gruppe überflügelt inzwischen gelegentlich sogar die Einschaltquoten von SRF. «Ein Streaming-Portal zu etablieren, auf das niemand gewartet hat, schafft man nur mit einer gewissen Wasserverdrängung», meint Nick Lüthi in der «Medienwoche» richtig. In den sechs Monaten seiner Existenz verdoppelte Netflix die Zahl seiner zahlenden Gäste. Allerdings auf einem ganz anderen Niveau. Platzhirsch SRG hat rund 4,3 Millionen Unique Users pro Jahr.

Eine lachhaft kleine Zahl. Kaum einer kennt «Play Suisse». Das liegt auch an der grossartigen Idee, diese Streamingplattform nicht in die vorhandenen Internet-Auftritte der SRG einzubinden. Auf der anderen Seite, wenn schon, denn schon, werkeln ganze 17 Vollzeitstellen für ein Angebot, bei dem gilt: kein Schwein schaut.

Zusammenfassung: ein Desaster

Wir fassen zusammen: lausig- fahrlässiger Umgang mit Datenschutz der User. Nischenangebot, kaum einer kennt’s. Aber immerhin gratis, wenn man nichts dagegen hat, dass seine Daten im Netz herumschwirren.

Schön für SRG, dass Wertschöpfung oder Ertrag nun wirklich etwas für private Anbieter ist. Das kann man bei Einnahmen pro Kopf der Schweizer Wohnbevölkerung von 365 Franken im Jahr durchaus verstehen. Wir reden hier von grösseren Beträgen, die schlichtweg verwaltet, verröstet, in langweiliges Sendungsbewusstsein umgemünzt werden.

Aber mal Hand aufs Herz: nur weil der Generaldirektor mal eine Idee hatte, wofür man ihm ja gratulieren möchte, bei dem Gehalt? Für mehr als eine halbe Million im Jahr (mehr als ein Bundesrat) sollte das ab und zu drinliegen. Andererseits: wenn die Idee halt ein Totalflop ist, wieso dann dran festhalten?

Halbe Kiste, aber kein Geld für den Coiffeur?

Ach so, weil’s doch keine Rolle spielt. Wenn die Kostenstellennummern vergeben sind, läuft halt sowas wie geschmiert. Und läuft und läuft und läuft. Steht einsam und alleine im Netz rum, hält immerhin eine Schar von Medienschaffenden in Lohn und Brot. Könnte man auch einfach abschalten, und kaum einem würde es auffallen. Aber wieso auch, der zwangsweise bespasste Gast zahlt doch sowieso.

«Play Suisse»? Wer sucht das? Ohne Lupe?

Ach, und obwohl auch die SRG letztes Jahr einen Millionenverlust einfuhr, ist das doch kein Grund, die happigen Saläre der Teppichetage etwas niedriger zu legen. Ebenfalls ist es kein Grund, an den angeblich «leistungsabhängigen» Lohnkomponenten was zu schräubeln. Wer sich mal an eine halbe Kiste gewöhnt hat, dem würde es schwer fallen, sich mit weniger zufriedengeben zu müssen.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/05/Play2.jpeg 591 602 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-05-28 08:00:312021-05-28 00:31:56Totalflop «Play Suisse»

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