Die Faschismus-Unke
Einer muss es ja machen, meint Daniel Binswanger.
Die schreibende Schmachtlocke wandelt auf den Spuren von Constantin Seibt, dem ehemaligen Starschreiber der «Republik». Der hat sich im ganzen vergangenen Jahr haarscharf zwölfmal gemeldet. Zwar in gewohnter Länge (ungern unter 35’000 A), aber doch etwas abgespacet: «Der dritte Besuch aus dem Weltall: Ist es ein Koment? Oder sind es Ausserirdische», lautet sein letztes Werk vom November 2025.
Idyllische Zustände für Schreiber, wenig Gegenwert für Abonnenten, Pardon, Verleger.
Doch zurück zur Unke Binswanger. Die warnt: «Der Faschismus ist auf dem Vormarsch. Doch es gibt Gegenkräfte.» Aber da gibt es eine Kraft des Bösen, die Binswanger aus der wohlgeheizten Redaktionsstube ankläfft:
«Trump betreibt Politik auf die einzige Weise, die er versteht: als zynisches Spiel der Aufmerksamkeitsökonomie. Ohne Prinzipien, ohne ethische oder rechtliche Tabus. Und wenn er glaubt, damit durchzukommen, mit horrender Brutalität.»
Nachdem er es dem kräftig gegeben hat (Trump soll echt erschüttert gewesen sein, als er das las), wendet sich Weltstratege Binswanger Europa zu, denn auch diese Staaten bedürfen seines Ratschlags: «Europa muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen.» Meine Güte, dass da noch niemand drauf gekommen ist.
Aber auch hier muss gewarnt und geunkt werden: «Zum anderen werden aber auch in Europa die Kräfte des Rechtsradikalismus immer virulenter.» Fremdwörter sind Glücksache, oder sagten wir das schon.
Man muss bei dieser Gemengelage den Überblick behalten und es auf eine Banalität unterbrechen: «Womit wir es heute zu tun haben, in Europa, in den USA und natürlich auch in Russland, das ist Faschismus.»
Neben dem Faschismus allerorten gibt es noch einen zweiten Gefahrenherd, vor dem dringend gewarnt werden muss: «Die Unterminierung der amerikanischen Demokratie beschleunigt sich. Der Epstein-Skandal ist ein schreckliches Symptom dieser Entwicklung.»
Hier hebt die Schmachlocke, Pardon, Schmachtlocke mit dem ausgeleierten Gag an, einen zu zitieren: «Es ist quasi normal geworden, dass sich die Vereinigten Staaten unter Trump im «permanenten Ausnahmezustand» befinden, um den Begriff zu verwenden, mit dem der Philosoph Giorgio Agamben das Machtsystem des Dritten Reichs beschrieb.»
Das ist bestechende Logik. Einer verwendet einen Begriff für den Hitlerfaschismus, den wendet Binswanger auf die USA an, also herrscht dort auch Faschismus. Q.e.d., wie der Lateiner sagen würde. Und anschliessend prustend loslachen.
Es ist bei Binswanger «quasi» normal geworden, ständig auf den Zehenspitzen zu stehen und lauthals zu krähen und zu warnen, um ZACKBUM zu zitieren.
«Die Epstein-Klasse» überschreibt Binswanger diese Kolumne von ermüdenden 15’000 A. Zunächst mäandert er sich um Trump herum, dann macht er einen Ausflug in die Medienlandschaft:
«Denn in Zeiten des Autoritarismus ist es für Plutokraten nicht mehr prioritär, den unabhängigen Journalismus zu fördern, sondern ihn auf Regierungslinie zu zwingen oder klein und unbedeutend zu machen. Die «Washington Post» ist ein tragisches Lehrstück dafür, wie gefährlich es ist, wenn Medien von Plutokraten kontrolliert werden.»
Was er wohl zum Vorwurf sagen würde, dass es die «Republik» ohne die tiefen Taschen von zwei Millionenerben nicht mehr geben würde? Und ob das dann auch Plutokraten sind?
Nach gefühlt 100’000 A kommt er dann endlich auf sein Titelobjekt zu sprechen: «Die Epstein-Affäre ist ein horrender Höhepunkt struktureller misogyner Gewalt.» Solche Aussagen sind ein Höhepunkt des Rezyklierens von längst Gesagtem und Bekanntem. Auch das nächste Urteil ist nicht gerade neu: «Wenn Epstein eines ist, dann der Beleg für den jämmerlichen Zynismus von Repräsentanten der globalen Machtelite.»
Da wird sich Noam Chomsky, der sicherlich im Geistesolymp von Binswanger einen besonderen Platz einnimmt, aber freuen, dass er auch ein jämmerlicher Zyniker sei.
Aber auch hier muss Binswanger wohl oder übel mal zum Schluss kommen, so Leid ihm das tut (und wie sehr auch der Leser vorher leiden musste). Da hat er, Überraschung, noch einen Ratschlag zur Hand, den sich die USA hinter die Ohren schreiben sollten: «Wie werden die USA aus dem Epstein-Skandal herauskommen? Nichts könnte dringlicher sein als eine echte, tabulose Aufarbeitung. Es sieht bisher nicht danach aus, dass sie stattfinden wird. Auch das ist eine Bedrohung für die amerikanische Demokratie.»
Wie wäre es mal, nur so als Frage, mit einer echten, tabulosen Aufarbeitung der «Republik»-Skandale? Die ganzen Falschbeschuldigungen von Globe Garden aufwärts und abwärts? Das Wegmobben des Gründers und ersten Chefredaktors Christof Moser? Das Wegmobben seines Nachfolgers? Das Rausschmeissen eines Starreporters, ohne dem Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben, was die «Republik» ein hübsches Sümmchen kostete? Das wären doch mal naheliegende Themen, die Co-Chefredaktor Binswanger energisch angehen könnte.
Anschliessend kann er sich immer noch um die Rettung der Welt kümmern.








