Von Schiffen und Ratten

Führungsfiguren verdienen viel, weil sie viel Verantwortung tragen.

Selten so gelacht.

Das hier wird in die Lehrbücher als Beispiel für Heuchelei eingehen. Immer, wenn es Kritik an Millionensalären von Angestellten geht – denn alle Wichtigtuer in Geschäftsleitung und Verwaltungsrat sind das –, murmeln die was von grosser Verantwortung, schier übermenschlichen Leistungen, grosser Übersicht, weltweiter Erfahrung.

Als Sahnehäubchen setzen sie noch drauf, dass der Wettbewerb halt verlange, für gute Leute gute Saläre zu bezahlen. Schliesslich müsse sich Leistung lohnen, könne das nicht jeder. Was genau?

Die Credit Suisse wird von einem Skandal nach dem anderen geschüttelt. Der vorletzte CEO stolperte über eine Beschattungsaffäre. Der vorletzte VR-Präsident über seine Wurstigkeit gegenüber Corona-Regeln.

Der Aktienkurs dümpelt noch knapp über dem Allzeit-Tief bei 7,50 Franken. Nahe am Totalverlust für Anleger, die zu Höchstkursen einstiegen. Mit einem einzigen, vorbestraften Kunden fuhr die Bank einen Verlust von wohl 5 Milliarden ein, mit dem dubiosen «Geschäftsmodell» eines australischen Wunderknaben 2 Milliarden.

Engagement in Russland, offene Kredite im Rohstoff-Trading, Asset-Beleihung für reiche Russen: steht wo ein Fettnapf, die CS springt rein.

Das ist nun eindeutig die Zeit, Verantwortung zu tragen, die grosse Überlegenheit des Beziehers eines Millionensalärs auszuspielen. Hier ist der Verwaltungsrat gefordert, der schliesslich die Strategie vorzugeben hat, an die sich die GL halten soll.

Also genau der richtige Moment für den Pharma-Man Severin Schwan, die Verantwortung für seine Personalpolitik zu übernehmen. Rücktritt. Oder von Kai Nargolwala, berühmt geworden für seine Salärexzesse und Leiter des Vergütungsauschusses. Rücktritt. Oder für Juan Colombas, um zu zeigen, dass er nicht einfach als Horta-Osório-Mann in den VR kam. Rücktritt.

Da soll sich noch ein Banker wundern, wieso das Image dieser Berufsgattung im Keller ist und bleibt.

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