• Home
  • QA
  • Links
  • Podcast
  • Video
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü

Schlagwortarchiv für: Georg Häsler

René Zeyer

Sergei Gerasimov, der grosse Warner

26. September 2026/18 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der ukrainische Schriftsteller darf sich in der NZZ austoben.

Mit seinem «Kriegstagebuch aus Charkiw» und weiteren Stücken schafft er es seit Februar 2022 auf rund 540 Meinungsartikel in der alten Tante.

Dass er nicht ganz objektiv in seinen Beschreibungen ist, versteht sich von selbst. Dass sich aber sein hemmungsloses Geschimpfe immer wieder unkommentiert über den Leser ergiesst, ist für ein Qualitätsorgan wie die NZZ unverständlich.

Schon im Juli 2022 schrieb er, es gebe «nur einen Weg», Russland müsse militärisch besiegt werden, Putin und seine «Vasallen» müssten vor Gericht gestellt werden. Selenskyj hingegen sei eine Lichtgestalt, «ehrlich, selbstlos, freundlich, tapfer, leidenschaftlich» und selbstverständlich «nicht korrupt». 2025 legte er noch nach, dass der ehemalige Schauspieler inzwischen ein Krieger geworden sei, er allein könne Putin besiegen.

Im Oktober 2025 sah er bereits «die Konturen eines ukrainischen Sieges Gestalt annehmen», neuen Raketen und Drohnen habe «Russland schlichtweg nichts entgegenzusetzen».

Da erhebt sich doch die Frage, wieso die NZZ dermassen häufig einen ukrainischen Propagandisten umfangreich das Wort erteilt, der zwar sicher als Augenzeuge und Schriftsteller seine Meriten, aber als politischer oder gar militärischer Analytiker nicht mal das Format eines Georg Häsler hat.

In seinem neusten Stück echot er eine neue Angstthese, der interessanterweise auch Roger Köppel auf seine Art anhängt: «Werden die Russen bald auch Europa angreifen? Das weiss niemand, doch einiges spricht dafür».

Mit sehr viel schriftstellerischer Fantasie zieht er eine Parallele zwischen drei Ereignissen. Nie fehlen darf da der Molotov-Ribbentrop-Pakt von 1939, mit dem sich Hitler-Deutschland und die UdSSR Polen und andere osteuropäische Länder untereinander aufteilten.

Dann eine kleine Zeitreise zum Besuch des ehemaligen CIA-Direktors William Burns Anfang November 2021 nach Moskau. Da sei die Kriegsgefahr schon unübersehbar gewesen, dazu ein schriftstellerisches Bild:

«Derweil vegetierten wir wie sanftmütige pflanzenfressende Dinosaurier vor uns hin, ohne zu ahnen oder zu realisieren, dass eine Apokalypse im Begriff war, über uns hereinzubrechen.»

Und nun reiste der CIA-Chef John Ratcliffe zu Gesprächen mit Putin nach Moskau. Schlussfolgerung Gerasimov: «Es gibt dieses unablässige schleichende Gefühl, dass etwas Böses auf uns zukommt. Dieses Gefühl überkommt mich immer, wenn jemand seine Absicht bekundet, mit Putin zu verhandeln.»

Das beschleicht einen besonders dann, wenn man Koinzidenz mit Kausalität verwechselt.

Putin sei obsessiv von der Idee beherrscht, als sein Vermächtnis unbedingt die Ukraine erobern zu müssen. Und dann wird Gerasimov zur Kassandra: «Es sei denn, er entfacht noch einen weit grösseren Krieg gegen Europa. Dabei werden ihn kurze Besuche von CIA-Direktoren nicht aufhalten.»

Anschliessend wird er wieder literarisch: «Der Mann glaubt wirklich an seine eigene Mythologie und trägt seine Ideen so, wie Maxim Gorkis Danko sein brennendes Herz trug.» Eine der absurderen Geschichten des grossen sowjetischen Schriftstellers über einen Helden, der im dunklen Wald sein eigenes Herz aus der Brust riss, um seinen Leuten mit seinem Leuchten den Weg hinaus zu weisen. Anschliessend stirbt Danko. Das hat natürlich grosse Ähnlichkeiten mit Putin.

Damals, will uns der Dichter sagen, grasten die Ukrainer friedlich wie Dinosaurier, während sich der Meteor Putin bereits näherte. Und heute? «Friedliche europäische Dinosaurier blicken mit einem vagen und zerstreuten Unbehagen zum Himmel hinauf und senken dann ihre langen Hälse, um weiter zu grasen.»

Das ist alles von überschaubarer analytischer und literarischer Qualität, so als Dinosaurier beurteilt. Aber aus unerfindlichen Gründen hat die NZZ einen Narren an Gerasimov gefressen. Die Frage ist nur, wer da der Narr ist.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-25-um-12.57.32.png 421 1037 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-26 05:00:292026-09-25 15:15:58Sergei Gerasimov, der grosse Warner
René Zeyer

Bravo, Häsler

15. September 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Mann wird richtig militant.

Bei Christof Münger ist’s schwer in die Hose gegangen. Kaum lobte ihn ZACKBUM, geriet der Auslandchef ohne Ausland von Tamedia völlig aus der Spur.

Aber das hält uns nicht davon ab, in unserer gerechten Zumessung von Lob und Tadel diesmal der Kriegsgurgel Georg Häsler von der NZZ ein Kränzlein zu winden.

Es gab viele Abrechnungen mit der so arroganten wie überforderten ehemaligen Verteidigungsministerin Viola Amherd und ihrer Fixpreis-Affäre. Sie und ihr VBS hatten über Jahre hinweg alle abgewatscht, die völlig zurecht darauf hinwiesen, dass die Schweiz keineswegs den US-Flieger F-35 zu einem fest vereinbarten Preis bekomme.

«Wünschen Sie eine Bestätigung der Bestätigung», blaffte Amherd, als eine Parlamentarierin schon 2022 in Frage stellte, dass bei der Beschaffung ein verbindlicher Fixpreis garantiert worden sei.

Da wird Häsler für einmal gegenüber den eigenen Streitkräften gnadenlos: «Doch die Glaubwürdigkeit dieses zentralen Projekts für die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz ist vorerst zerstört.» Der jüngst veröffentlichte Bericht «zeichnet ein beschämendes Bild der Beschaffung».

Jeder Satz ein Knaller: «Die ehemalige Vorsteherin des Verteidigungsdepartements (VBS) soll den Vertrag mit den USA nur in Teilen gelesen haben … Der Schweiz mangelt es an jeder Ernsthaftigkeit im Umgang mit der zentralen Staatsaufgabe … Das VBS wirkt schlicht unseriös … Bereits Anfang 2021 hatte Amherd das Projekt – und überdies den guten Ruf des Landes – gefährdet: mit windigen Avancen gegenüber Frankreich … Dieses Departement hat ein System- und ein Kulturproblem. Jeder lästert über jeden – und niemand trägt wirklich je die Verantwortung … Das VBS ist in einer Dauerkrise …»

Das kulminiert in der Frage:

«Weshalb genau soll dieses Verteidigungsdepartement mehr Geld erhalten?»

Man könnte da fast von Wehrkraftzersetzung sprechen, wenn man nicht wüsste, dass es Häsler natürlich immer um mehr Geld, mehr Waffen, mehr Verteidigungsfähigkeit eines Kleinstaates geht, dessen Armee sich im Ernstfall nicht mal mehr in den Gotthard zurückziehen könnte.

Aber, so hofft natürlich der Militärstratege, da gilt ewig der Satz von der Krise als Chance. «Richtig mutig wäre, wenn der Bundesrat darauf hinweisen würde, dass die Schweiz eigentlich 55 bis 70 F-35 benötigte.» Aber so mutig, wir ahnen es schon, wird die Landesregierung niemals werden.

Da kämpft Häsler wohl einen aussichtslosen Kampf: «Die Fixpreis-Affäre sollte insgesamt als Chance genutzt werden, um endlich eine echte Sicherheitspolitik zu initiieren.» Auch wenn er sich selber Mut zuspricht, wirkt das eher wie Pfeifen im Wald. Insgesamt sei die Beschaffung von F-35 gut unterwegs: «Das Projekt ist zeitlich auf Kurs. 2028 landen die ersten Jets in der Schweiz – und erhöhen die militärischen Fähigkeiten der Armee signifikant. Wenigstens eine gute Nachricht aus Bern.»

Wobei natürlich die bangen Fragen bleiben, ob sie dann tatsächlich landen und ob Kremlherrscher Putin nicht schon vorher die Schweiz angreift, wie Häsler auch schon befürchtet hat.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-11-um-08.10.47.png 289 938 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-15 05:00:482026-09-11 16:37:53Bravo, Häsler
redaktion@zackbum.ch

NZZ und Neutralität

31. August 2026/17 Kommentare/in Allgemein/von redaktion@zackbum.ch

Ballade eines Schweizer Weltblatts, das sich selbst abhandenkam.

Teil 1

Von Philipp Gut*

Wer ist eigentlich der Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ )? Eric Gujer oder Cédric Wermuth? Die Frage mag etwas maliziös klingen, doch sie führt direkt zu des Pudels Kern. In der Beurteilung der schweizerischen Neutralität, über deren Verankerung in der Verfassung das Stimmvolk am 27. September entscheidet, ist zwischen der Gujer-NZZ und der Wermuth-SP kaum ein Unterschied auszumachen. Beide sprechen wahlweise von einer «Putin-» oder «Blocher-Initiative». Der sozialdemokratische Politologe Wolf Linder bemerkt, die SP habe diese Kampfbegriffe gar von der NZZ kopiert, was «unter der Gürtellinie» sei und weitere Argumente offenbar entbehrlich mache, wie er in einem offenen Brief an die Parteiführung schreibt.

Falke von der Falkenstrasse

Tatsächlich ist die NZZ -Berichterstattung über die Neutralität und die Neutralitätsinitiative ein radikaler Bruch mit der eigenen Tradition. Das springt sofort ins Auge, wenn man die Artikel eines Gujer und anderer Redaktoren mit dem vergleicht, was ihre Vorgänger geschrieben haben. Was über 200 Jahre lang granitfest galt, ist plötzlich Makulatur. Dabei gehören die Gedanken zur Schweizer Neutralität, die ein publizistischer Leuchtturm wie Willy Bretscher, NZZ -Chefredaktor von 1933 bis 1967, formuliert und in die Welt getragen hat, zum Klügsten und Klarsten, was man bis heute zum Thema lesen kann.

Doch beginnen wir mit der Gegenwart. Da erklärt Gujer in einem Leitartikel vom 15. August, es sei endlich an der Zeit, «Putin klar als Feind» zu benennen, wohlwissend, «dass die Benennung eines Feindes immer die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts mit sich bringt». Eine publizistische Kriegserklärung.

Ein Teil der Schweizer Öffentlichkeit habe bereits kapituliert und betreibe Appeasement, behauptet der Falke von der Falkenstrasse, und zielt damit auf Christoph Blocher und alle, die an der umfassenden Neutralität der Schweiz festhalten. Gujer wirft Blocher «Geschichtsklitterung» oder «die bewusste Legitimierung russischer Aggression» vor, wofür spreche, «dass sich die Propaganda des Moskauer Aussenministeriums und Aussagen Blochers verblüffend ähneln». Beide kritisierten unisono, die Schweizer Regierung höhle die Neutralität aus, indem sie die westliche Sanktionspolitik mittrage. Beide plädierten «für eine absolute Neutralität, die keinen Unterschied dabei macht, ob sie einer Diktatur oder einer Demokratie gilt».

Obwohl Blocher vor einem dritten Weltkrieg und vor möglichen weiteren russischen Angriffen auf europäische Staaten warnt und Russland als grösste Gefahr für die Sicherheit der Schweiz und Europas bezeichnet, stellt ihn Gujer als Handlanger des Kremls dar («Hier ist augenscheinlich etwas zusammengewachsen, was zusammengehört»). Für Gujer – wie für einen Wermuth – sind Blocher und die SVP, die als einzige Partei noch eine konsequente Neutralitätspolitik verfolgen, bloss «Claqueure einer Diktatur».

Auf nach Brüssel!

Stattdessen zeigt die Kompassnadel der NZZ nach Brüssel, dem Sitz von Nato und EU. «Die Schweiz bekennt sich zur westlichen Gemeinschaft und leistet einen aktiven Beitrag, dass Putin und Konsorten die Welt nicht nach ihrem autoritären Willen umgestalten können», gab Gujer in einer Rede an der Generalversammlung der AG für die Neue Zürcher Zeitung am 13. April 2024 die Richtung vor.

Damals sagte er auch: «Wollen wir uns noch eine autonome Landesverteidigung leisten? Wenn nicht, was folgt daraus: ein Beitritt zur Nato und die Preisgabe der Neutralität?» Unter Gujers Ägide rät die NZZ unablässig zu einem Näherrücken an das westliche Militärbündnis und an den Machtblock namens Europäische Union. Da ist das Abwracken und Niederschreiben der Schweizer Neutralität und einer eigenständigen und unabhängigen Aussenpolitik zwischen den Blöcken und über den Fronten nur logisch: Wer nach Brüssel will, muss die Neutralität wegräumen.

Beispiele? «Die kleine Schweiz ist verletzlich – verbindliche Spielregeln mit der EU sind in ihrem Interesse», schrieb NZZ -Redaktor Tobias Gafafer im April 2024. Das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union werde «zu Unrecht schlechtgeredet». Und am 20. August 2026 dekretierte er: «Die Schweiz muss die Chancen des EU-Pakets nutzen.»

Ins selbe Horn bläst Georg Häsler, NZZ -Redaktor, Berner FDP-Politiker sowie Offizier der Schweizer Armee, der auch schon im Kampfanzug an einer Medienkonferenz teilnahm und als so etwas wie der militärstrategische Lautsprecher der Redaktion fungiert. «Ausgerechnet jetzt, wo stabile Beziehungen zu den Nachbarn an Bedeutung zunehmen, verfällt die Schweiz dem Eigensinn. Eine Annahme der jüngsten SVP-Zuwanderungsinitiative würde in Brüssel und allen anderen europäischen Hauptstädten als Vorentscheidung für die neuen EU-Verträge gelesen – die wohl letzte Möglichkeit, gleichberechtigt am Binnenmarkt zu partizipieren, ohne gleich beitreten zu müssen», meinte Häsler im Mai 2026, vor der Volksabstimmung über die Nachhaltigkeitsinitiative. «Die Europäer schliessen die Reihen» – und die Schweiz solle sich gefälligst mit ins Glied stellen. Das ist der Tenor und die aussenpolitische Devise der Redaktion.

Den Vogel schoss Inlandchefin Christina Neuhaus in einem Kommentar vom 25. August 2026 ab. Allen Ernstes nahm sie die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), die immer schon gegen die bewaffnete Neutralität war, als Referenz und Kronzeugin: Sie lehne «Blochers Volksbegehren ohne Wenn und Aber ab». Auweia. Wenn die das sagen. Bretscher würde sich im Grab umdrehen.

«Uneingeschränkt, absolut»

Im Licht der eigenen Geschichte betrachtet, ist das eine Wende um 180 Grad, um nicht zu sagen: ein Verrat am geistigen Erbe, an der NZZ-DNA. Die Belege finden sich im Archiv. Wenn ein Gujer die Vorstellung einer «absoluten Neutralität» in die Nähe von moralischem Versagen und Parteigängertum für das Böse auf der Welt rückt, widerspricht er damit auch frontal dem NZZ-Idol Bretscher. «Die Neutralität der Schweiz ist uneingeschränkt, absolut», erkannte Bretscher in seinem Meisterstück, dem berühmten Leitartikel «Die schweizerische Neutralität» vom 17. Oktober 1939.

Wer die Schuld an diesem Krieg trug und wer der Aggressor war, war vom ersten Kriegstag an sonnenklar. Dennoch verfiel Bretscher nicht der Versuchung, die Neutralitätsmaxime einem wohlfeilen Moralismus zu opfern. Auf die wiederhergestellte, keinen Vorbehalten, keiner Differenzierung mehr unterliegende «uneingeschränkte Neutralität» der Schweiz könne «nicht der Schatten eines Zweifels oder einer Zweideutigkeit fallen». Sie bedeute die «bedingungslos gleiche Behandlung beider Parteien in einem kriegerischen Konflikt durch die neutrale Schweiz», militärisch abgesichert durch die Schweizer Armee, die «die Unabhängigkeit, Unversehrtheit und Sicherheit des Vaterlandes gegen jeden fremden Angriff, komme er, woher immer, mit allen Mitteln schützen» werde, wie der Bundesrat am 30. August 1939 betonte.

Bretscher – auch diese analytische Unterscheidung geht seinen Nachfolgern durch die Lappen – stellte klar, dass die strikt und absolut neutrale Aussenpolitik der Schweiz nicht mit moralischer Indifferenz oder gar einem Maulkorb für den Bürger zu verwechseln sei: «Die unbedingte Wahrung der Neutralität ist für das Schweizervolk eine Selbstverständlichkeit, die durch den Umstand, dass das gleiche Schweizervolk daneben auch seine bestimmten Meinungen über den Krieg hat, gar nicht berührt wird.»

Mit anderen Worten: Gesinnungsneutralität verlangt niemand. Die Neutralität der Schweiz als Lebensversicherung in Zeiten des Kriegs misst sich nicht daran, wie man sich dabei fühlt, sondern daran, was sie bewirkt. Entsprechend verteidigte Bretscher die «unbedingte Neutralität» und wies jede «willkürliche Ausweitung des Neutralitätsbegriffes» als «unstatthaft und gefährlich» zurück.

«Martyrium der Neutralität»

Während heutzutage nicht nur eine NZZ, sondern auch der Schweizer Bundesrat und die Parteienvertreter von links bis Mitte-rechts nach Applaus aus dem Ausland gieren und alles tunlichst vermeiden wollen, was irgendjemandem, vor allem aber den «europäischen Partnern» missfallen könnte, erinnerte Bretscher in einem weiteren Leitartikel vom 2. November 1942 an das «Martyrium der Neutralität». Dieses bestehe wesentlich darin, «dass wir es beim besten Willen keiner der Kriegsparten recht machen können».

Schon damals klangen die Vorwürfe der Neutralitätsgegner und -verwedler wie heute: Man tadle das «Stillesitzen» der Schweiz als nationalen Egoismus, und man drohe den «Abseitsstehenden», dass sich ihre Haltung früher oder später an ihnen rächen werde, beobachtete Bretscher. Inzwischen ist das zum Narrativ nicht bloss der NZZ, sondern der politischen Elite des Landes geworden.

Nachzulesen sind die Gedanken des weitsichtigen Chefredaktors in einem Sammelband seiner wichtigsten Kommentaren zwischen 1933 und 1944. Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen, legte die NZZ das Buch zum 90. Geburtstag ihres bedeutendsten Angestellten nochmals auf. Im Vorwort schrieb der damalige Chefredaktor Hugo Bütler, die ausgewählten Texte seien «Dokumente eines publizistischen Kampfes um Freiheit und Unabhängigkeit der Schweiz». Man schrieb das Jahr 1987, und ein schweizerisch-deutscher Jungjournalist, aufgewachsen in der Bundesrepublik, machte seine ersten Gehversuche in der NZZ als Praktikant. Sein Name: Eric Gujer.

_____________

Fortsetzung folgt.
*Der Artikel erschien zuerst in der «Weltwoche». Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-28-um-08.48.46.png 636 1226 redaktion@zackbum.ch https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg redaktion@zackbum.ch2026-08-31 05:00:522026-08-28 08:49:54NZZ und Neutralität
René Zeyer

Wumms: Adrian Schmid

14. August 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Neutralitäts-Initiative-Basher gibt nicht auf. ZACKBUM auch nicht.

Man fragt sich wieder vergeblich, wo denn die Qualitätskontrolle beim Kopfblattsalat aus dem Hause Tamedia ist. Hitzschlag oder in den Ferien.

Also darf Schmid seinen Feldzug fortsetzen, nur wird es langsam ziemlich dünn bei Argumenten. Also noch dünner: «Abstimmung über Neutralität: Parlament probt Aufstand gegen russische Propaganda», poltert er weiter.

Wow. Gut, es sei ja nur eine Probe gewesen, aber wie äussert sich denn dieser «Aufstand»? Also eigentlich sind die Parlamentarier bis Mitte September in der Sommerpause. Das steht einem Aufstand schon mal hinderlich im Wege. Oder haben sich National- und Ständeräte vor dem Bundeshaus versammelt – bei dieser Hitze – und skandiert «nieder mit der russischen Propaganda; Blocher, Moskau einfach»?

Nein, für Schmid, der auch vor Demagogie und Fake News nicht zurückschreckt, beginnt ein Parlamentarieraufstand bei zwei Nasen. Die im Sommerloch gerne mal wieder in die Medien kommen wollen. Es handelt sich um zwei Möchtegerns. «Ständerätin Marianne Binder fordert eine Protestnote des Bundesrats gegen russische Propaganda». Damit könnte sicherlich verhindert werden, dass Moskau die Neutralität-Initiative «kapert», wie Schmid schon völlig losgelöst von der Wirklichkeit behauptet hat.

Ihr zur Seite gesellt sich der Ex-Juso und SP-Nationalrat David Roth, eine gewichtige Stimme in Bern. Er «verlangt eine Wirkungsprüfung der 2024 eingeleiteten Gegenmassnahmen». Ja wozu denn. Wenn man Schmid glauben kann, aber wer tut das schon, sind alle diese Massnahmen völlig wirkungslos geblieben, der russische Bär tanzt im Schweizer Abstimmungkampf Kasatschok.

Eine Welle ist’s ab drei; auch diese alte Journalistenregel ist nicht mehr in Kraft.

Binder macht sich wunschgemäss echt Sorgen: ««Die russische Desinformation hat sich dramatisch entwickelt», sagt Mitte-Ständerätin Marianne Binder. Sie fordert die Initianten auf, sich zu distanzieren.» Vielleicht sollte sich Binder mal zu ihren vielfältigen Interessensbindungen äussern und sich gegebenenfalls davon distanzieren.

Aber gut, Schmid schafft doch noch den Aufschwung ins Allgemeine: «Doch auch Bürgerliche erhöhen den Druck auf den Bundesrat.» Und was macht der, dieser druckresistente Schlingel? Ungeheuerliches: Da «sagte Ignazio Cassis am Dienstag vor den Medien, die Bevölkerung sei «reif und intelligent genug», die Kommentare richtig einzuordnen. In der Schweiz gebe es viermal pro Jahr Abstimmungen, und die ganze Welt spreche darüber. Solange die Quelle transparent sei, «gehört das zur Politik».»

Unglaublich, er weiss wohl nicht, dass der Schweizer Stimmbürger hilflos der Russenpropaganda auf den Leim kröche, wenn Kriegsgurgel Georg Häsler in der NZZ und Schmid bei Tamedia nicht im Chor dagegen ankreischen würden.

Denn merke: nur ein richtig beeinflusster Stimmbürger stimmt auch richtig ab, nämlich gegen diese «Putin-Initiative», die von einer Fünften Kolonne Moskaus in der SVP lanciert worden ist. Vom Urschweizer zum Unschweizer, so schnell geht das.

Gut, der Aufstand schnurrt bei genauerer Betrachtung auf zwei Nasen zusammen. Aber es tut sich ein neuer Abgrund auf: horribile dictu, ist unser Aussenminister Cassis etwa schon der Russenpolka erlegen? Ganz im Gegensatz zu den Grossstrategen und Propaganda-Entlarvern Binder, Roth, Schmid und Häsler sieht er keinen Anlass. gegen die Gehirnwäsche aus Moskau etwas zu unternehmen.

Da tut sich möglicherweise ein Abgrund von Landesverrat auf; Häsler, übernehmen Sie wieder. Schmid ist ausgeschossen, seine Stimme schon heiser vor lauter ungehörten Warnrufen.

Man wünschte sich nebenbei, dass diese tapferen Vaterlandsverteidiger gegen äussere Einflüsse auch so mutig wären, wenn es um despektierliche und freche Anwürfe aus den USA geht. Das «Loch im Donut» der Nato sei die Schweiz, sagte der ehemalige US-Botschafter von ihnen unwidersprochen.

Wo ihre Löcher sind, das wollen wir aus rechtlichen Gründen nicht vertiefen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-14 05:30:262026-08-14 07:02:56Wumms: Adrian Schmid
René Zeyer

Nehmt das, Ihr Unschweizer von der SVP

8. August 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Auf eine solche Idee kann nur Georg Häsler kommen. Aber nur nach einem Hitzschlag.

Man kann der SVP vieles vorwerfen. Aber dass sie, mitsamt ihrem Vordenker Christoph Blocher, nicht urschweizerisch, sondern unschweizerisch und russlandfreundlich sei, das hat bislang noch niemand behauptet.

Der Bundesrat hat gerade seine Befehle von der Kriegsgurgel aus Bern bekommen, also muss sich Häsler anderen Kriegsschauplätzen zuwenden. Denn neben der echten Kriegsgefahr, dass Russland (oder der Iran!) die Schweiz bombardieren, weil sie damit die Energieversorgung Westeuropas zerstören wollen, gibt es auch noch das:

«Moskau unterstützt offen die Neutralitätsinitiative der SVP. Dieser Beeinflussungsversuch ist Teil der hybriden Kriegsführung des Putin-Regimes.»

Sapperlot, das ist ja wieder ein Ding, und nur einer hat’s gemerkt. In der Aufregung verrutschen dem Armen mal wieder die Sprachbilder. Die Sprecherin des russischen Aussenministers setze «den Ton der russischen Staatspropaganda: den Generalbass der hybriden Kriegsführung gegen den Westen». Muss die Dame vielleicht eine tiefe Stimme haben. Wahrscheinlich halt ein russisches Mannsweib, ein weiblicher Iwan Rebroff.

Was tut die? Sie nimmt sich die Schweiz vor, «in einer beispiellosen Unverfrorenheit». Wie das? «Russland unterstützt expressis verbis das Vorhaben der SVP, die Neutralität immerwährend, bewaffnet und integral in der Verfassung zu verankern.»

Ha, damit ist die SVP als Fünfte Kolonne Moskaus entlarvt. Für Blocher muss gelten: Moskau einfach!

Wobei, ist das nicht genau die offizielle Definition seit Menschengedenken, halt nur nicht so in der Verfassung?

Nun, die russische Bärin unterfüttert das mit typisch absurden Argumenten. Die Sprecherin «behauptet, die Schweiz sei kein neutrales Land mehr, weil der Bundesrat seit dem russischen Grossangriff auf die Ukraine 2022 die EU-Sanktionen gegen Russland übernehme». Unverschämtheit, auch das weiss Häsler besser: «Der Bundesrat handelt im Rahmen seiner neutralitätspolitischen Möglichkeiten.» Nimm das, du Generalbass.

Der spielt wilder auf als ein Kasatschok: «Angstmacherei … gezielte Kampagne … europäische Unterstützer der Ukraine buchstäblich zu neutralisieren … überragender Sieg der russlandtreuen AfD vorausgesagt …»

AfD, russlandtreu? Und was hat die AfD mit der SVP und der Abstimmung in der Schweiz zu tun?

Wie auch immer, es geht noch weiter: «Ein wichtiger Einflüsterer der SVP-Führung pflegt einen regelmässigen Austausch mit dem Putin-Regime.» Wahnsinn, nur traut sich der Kalte Krieger nicht einmal einen Namen zu nennen. Vielleicht befürchtet er, damit auf die Todesliste Putins zu geraten. Wenn wir einmal raten dürfen: er meint Roger Köppel.

Aber vielleicht reicht dafür bereits seine Entlarvung dieser hybriden Kriegsführung: «Die Gegner der Vorlage sprechen von einer Putin-Initiative. Moskau gibt ihnen nun recht.» Der Beweis: «Es ist wohl kaum ein Zufall, dass die Kreml-Propaganda semantisch auffällig ähnlich klingt wie Werbung für die Neutralitätsinitiative.»

Daher hat Semantiker Häsler hier seine Befehlsausgabe für die SVP-Mitglieder parat: «Die Patrioten in der Partei müssen sich fragen, ob sie den russlandfreundlichen Kurs ihrer Spitze mittragen wollen – oder doch die Freiheit und die Souveränität der Schweiz höher gewichten.» Immerhin, er gesteht damit ein, dass es neben der moskauhörigen Fünften Kolonne doch noch senkrechte Schweizer in der SVP gibt.

Aber am Schluss blitzt etwas Optimismus in Häslers düsterer Welt auf: «Tatsächlich dürfte sich der Kreml am Abstimmungssonntag wundern, wie schlecht die Schweizerinnen und Schweizer auf fremde Vögte reagieren.» Auch auf dieses schiefe Bild muss man mal kommen: Putin als Gessler, der Schweizer Patrioten dazu zwingen will, sich vor seiner Uschanka zu verbeugen.

Aber nicht nur die Patrioten in der SVP, überhaupt alle Eidgenossen, die noch etwas Ehrgefühl im Leib haben, sind dazu aufgefordert:

«Wer zur Schweiz steht, wendet sich klar gegen die Einmischung Russlands in den schweizerischen Abstimmungskampf.»

Es ist eigentlich zum Totlachen, dass nun der SVP etwas passiert, was im Kalten Krieg regelmässig den Linken reingewürgt wurde: ihr seid doch nur nützliche Idioten, Helfershelfer Moskaus, Wegbereiter der roten Gefahr. Und daher keine echten Schweizer, sondern Vaterlandsverräter.

Auf so eine irre Idee kann nur einer kommen …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-14.21.15.png 453 1082 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-08 05:00:132026-08-05 15:26:59Nehmt das, Ihr Unschweizer von der SVP
René Zeyer

Ha, hä, Häsler

3. August 2026/14 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Da gurgelt er wieder. Und die NZZ lässt ihn.

Der Mann im Kämpfer, die martialische Kriegsgurgel Georg Häsler darf sich in den heiligen Hallen der NZZ austoben. Während dort sonst das Prinzip gilt: zuerst nachdenken, dann schreiben, ist für ihn immer Angriff die beste Verteidigung. Aus dem Stand galoppiert er auf jedes rote Tuch los, wie das auch andere Säugetiere tun.

Wer stoppt Häsler, fragte ZACKBUM resigniert. Die Antwort ist: nichts und niemand. Immer ist es höchste Eisenbahn, könnte Russland Europa, natürlich auch die Schweiz, noch viel früher als erwartet angreifen. Bloss: Putin, dieser Schlingel, tut der Kassandra aus der Falkenstrasse den Gefallen nicht.

Also muss sich der heisse Krieger anderen Themen zuwenden. Zum einen greift er weit, ganz weit in die Geschichte zurück: «Der Aufruf des alten Atheners Thukydides an die Europäer von heute: Tragt Sorge zu eurem Friedensprojekt». Also eigentlich hatte der chinesische Staatschef Xi Jinping vor dem Schicksal Spartas und Athens gewarnt. Was Donald Trump mit einem «what the fuck is he talkin‘ about?» beantwortet haben dürfte.

Häsler hingegen schlaumeiert zum Thema: «Die Thukydides-Falle scheint – trotz der grundsätzlich milderen Rhetorik Trumps – weiterhin weit offen zu sein.» Au weia. Aber gleich gibt der Militärhistoriker Entwarnung: «Doch der Rückgriff auf die Antike geht nicht ganz auf: Die USA sind nicht Sparta, China ist nicht Athen.» Gut, dass wir das nun wissen.

Dann allerdings verliert sich Häsler etwas im Dunklen der Geschichte:

«Der Bruch der Normen als Katalysator der Eskalation … In dieser Deformation der attischen Demokratie erkennt Thukydides schliesslich eine weitere, tieferliegende Ursache dafür … Dieses Spiegelspiel ist durchaus im Sinne Thukydides’, der von der Prämisse ausging … Der alte Athener Thukydides warnt die Europäer, in die Fallen des Populismus, der Sonderbünde und des gegenseitigen Misstrauens zu treten.»

Da ruft also der alte Thucydides (ca. 454 bis 399 v.u.Z.) warnend zu den heutigen Europäern und den Schweizer Sonderbündlern hinüber. Wahnsinn, und Häsler ist sein Sprachrohr.

Aber der Mann ist auch für scharfe Zurechtweisungen in der Jetztzeit zuständig: «Es reicht: Die Sicherheit der Bevölkerung ist wichtiger als eine Musterbuchhaltung». Da muss er mit der Landesregierung mal wieder ganz streng werden: «Nach wie vor weigert sich der Bundesrat, die geopolitischen Veränderungen in ihrer ganzen Tragweite anzuerkennen.» Diese Vaganten, Diversanten, Weicheier. Denen muss mal wieder «deutlich gesagt» werden: so geht das ja nicht.

Denn, der Iwan ist bekanntlich zu allem fähig. Zum Beispiel: «Doch wenn Russland – oder übrigens auch Iran – in Westeuropa den Strom abstellen will, dann beschiesst es die Schweiz.» Weil die Schweiz bekanntlich zu wesentlichen Teilen die westeuropäische Stromerzeugung garantiert? Öhm, also ihr Anteil an der Stromproduktion der EU beträgt 2,4 Prozent. Nimmt man Europa insgesamt, sind es 2 Prozent.

Vielleicht weiss das – im Gegensatz zu Häsler – der Kremlherrscher, und würde aus diesem Grund von einer Beschiessung der Schweiz Abstand nehmen. Aber der Sandkastengeneral sieht das natürlich ganz anders und erteilt mal wieder hemmungslos Befehle:

«Deshalb muss der Bundesrat seine Haltung revidieren und sich nach der Sommerpause doch noch mit der Sonderarmeebotschaft auseinandersetzen. Alles andere wäre verantwortungslos gegenüber der Bevölkerung – und auch gegenüber dem Wirtschaftsstandort Schweiz.»

Mit Verlaub: solches Geschwätz zu veröffentlichen, das ist verantwortungslos von der NZZ gegenüber ihren Lesern.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-24-um-08.45.24.png 494 1199 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-03 05:00:122026-08-02 03:56:46Ha, hä, Häsler
René Zeyer

Besserwisser NZZ

25. April 2026/0 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die Gazette weiss alles. Besser. Aber vergeblich.

Das Intelligenzblatt für die gehobenen Stände und die Finanzelite verliert langsam aus den Augen, was mal ihre Hauptaufgabe war. Berichten, was so passiert, plus Analyse und Einordnung. Stattdessen meint nicht nur Sandkastengeneral Georg Häsler, ohne seine Ratschläge seien moderne Kriege (und die Verteidigung der Schweiz) gar nicht mehr denkbar.

Ganz allgemein wird kommentiert, gemeint, gefordert, besser gewusst, geratschlagt, gelabert, dass es eine Unart hat. Analysieren wir mal eine aktuelle Homepage und ordnen ein.

Zuoberst gibt es tatsächlich einige Meldungen, aber dann beginnt die Abteilung «Iran-Krieg» bereits mit einer Meinung: «Luftangriffe werden das iranische Regime nicht stürzen. Jetzt ist Zeit für Diplomatie», kommentiert Anne Allmelig. Die Hamburgerin ist im Oktober 2024 zur NZZ gestossen und bringt den in der Schweiz sehr beliebten teutonischen Rechthaber-Ton ins Blatt: «Israel und die USA sollten mit Teheran über ein Ende des Konflikts verhandeln.» Das sollten sie wohl, tun sie aber nicht, zum grossen Tort der Kommentatorin.

Auch ihr Chef Peter Rásonyi leidet öffentlich vor dem Leser an der Welt: «Victor Orban ist gefallen. Doch Trump folgt ihm noch lange nicht». Das ist für seine Verhältnisse noch ein sanfter Stupser für die Welt. Tut der Internationale Strafgerichtshof etwas seiner Meinung nach Verpeiltes, dann wird er drakonisch-kategorisch: «Die Haftbefehle gegen israelische Regierungsmitglieder sind überheblich.» Wobei ihm nicht bewusst ist, wie überheblich ein solcher Satz ist.

Christian Wildhagen macht sich so seine Gedanken zum weltbewegenden Thema, wie sich Porträtierte gegenüber ihren Porträts verhalten: «Offizielle Darstellungen von Politikern und Machthabern führen regelmässig zu Streit – wie jüngst im Fall eines Zürcher Regierungsrats. Die Erwartungen der Porträtierten und der Anspruch der Maler auf einen eigenen Blick gehen selten zusammen.» Das nennt man eine Binsenwahrheit von unüberbietbarer Flachheit.

Aber damit nicht genug, Giorgio Scherrer muss auch noch seinen Senf dazu geben: «Die drei Gemälde des Martin Neukom: Der Streit um missliebige Ölbilder zeigt das Überborden der politischen Image-Kontrolle». Vom Überborden der Kommentaritis ganz zu schweigen.

Auch in den hohen Hallen von «Pro» mit seinen «exklusiven Analysen» wird wie wild kommentiert: «Künstliche Intelligenz macht Technik-Firmen zu Rüstungsunternehmen. Damit werden sie zu militärischen Zielen». ZACKBUM sagt nur Palantir, Palantir, Palantir. Und fragt sich: wo bleibt hier Häsler? Ach so, der schwelgt mehr in Panzern, Flugzeugen und Artillerie. Als Ewig-Gestriger.

Neben der Wal-Qual gibt es natürlich noch eine zweite Tierart, die kommentiert werden muss: «Genick brechen, sterilisieren oder hätscheln? Städte ringen um den richtigen Umgang mit Tauben». Wohnungsnot, Velowege, woker Wahnsinn? Pipifax, zuerst geht es ums Genick der Tauben. Da ist das Verb ringen richtig eingesetzt.

Dabei kommen wir erst jetzt zum Ressort «Meinung» wo ja gemeint werden darf, bis der Bildschirm glüht. Hervorragend schräg wie immer Beat Balzli: «Ein Placebo gegen Dichtestress – oder warum der Bundesrat gerade versagt». Der Mann geht sogar einen Schritt weiter. Er diagnostiziert nicht nur Versagen, sondern gibt auch gleich die Gründe dafür an. Auch Herbie Schmidt muss einen grossen Schritt für die Menschheit kommentieren: «Die Rückkehr zu Knöpfen im Auto ist kein Rückschritt».

Schliesslich redet noch Matthias Kamp aus Peking den führenden Genossen ins Gewissen: «China fährt einen gefährlichen Kurs. Das Land muss sich aus der einseitigen Abhängigkeit von den Exporten befreien». Hoffentlich nehmen das Xi und seine Gesellen noch rechtzeitig zur Kenntnis und setzen es um!

Gastkommentare lassen wir mal ausser Konkurrenz laufen; wir krönen diese Sammlung mit einem Kommentar von God Almighty himself, der wie immer geschliffen mal nicht die Weltläufe regelt und ordnet, sondern seinen Miteidgenossen ins Gewissen redet: «Kleine Anarchisten und grosse Angsthasen: Die Eidgenossen sind ein kompliziertes Volk. Und sie stehen sich selbst im Weg. Eine kurze Schöpfungsgeschichte aus Schweizer Sicht.» Mit verbalem Kleingeld hat Eric Gujer es nicht so.

Das war ein unvollständiger Überblick der Meinungsvielfalt in der NZZ. Ach so, Analyse und Einordnung? Nun, wie antwortete der damalige Feuilletonchef der «Zeit» Fritz J. Raddatz mal auf ein zugesandtes Manuskript des Jungspunds René Zeyer, der gerade seine erste Auslandsberichterstattung publiziert sehen wollte: «Wir haben mit den Reiseberichten von Hans Magnus Enzensberger ein Niveau gesetzt, das wir nur ungern verlassen möchten.»

Das sollten sich viele NZZ-Kommentarschreiber auch mal zu Herzen nehmen. Kommentar heisst nicht: ich labere mir was von der Seele. Sondern ein gewisses Niveau sollte es schon haben.

Und die Einordnung? Ob die pluralistische Diskursivität im poststrukturalistischen Zeitalter im Blick der Luhmannschen Systemtheorie und der herrschaftsfreien Kommunikation von Habermas den gestrengen Urteilen von Derrida, Finkelkraut oder gar Houellebecq standhält, darf wohl mit Michel Foucault («Überwachen und Strafen») bezweifelt werden.

Oder ganz einfach: schön, haben sie drüber geschrieben.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-22-um-09.32.49.png 606 1176 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-25 05:00:232026-04-22 09:35:36Besserwisser NZZ
René Zeyer

Ach, Häsler

23. März 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Mann gibt nicht auf. ZACKBUM schon.

Es gibt die Koalition  der Willigen. Die Achse des Bösen. Und dann gibt es Georg Häsler. Nur echt im Kämpfer, mit Vollbart und grimmigem Blick. Und mit düsteren Ansagen und markigen Forderungen in der NZZ.

Diesmal:

«Eine Koalition der Vernünftigen muss die Geschicke in die Hand nehmen – über die Sicherheitspolitik hinaus – und ein Programm für mehr Einigkeit und mehr Widerstandskraft erstellen.»

Offensichtlich ist unser Stossseufzer Wer stoppt Häsler? unerhört verschallt. Nun reitet er wieder, und ZACKBUM weiss, wann genug ist. Also ein letztes Mal die Kriegsgurgelgurgel.

Diesmal greift er gleich am Anfang weit in die Geschichte zurück: «Das alte Bern ging satt, selbstgefällig und an der feudalen Sorglosigkeit der Patrizier unter.» Ach was. Und das junge, also zumindest aktuelle Bern?

Gemach, auch sein neues Steckenpferd, historischer Ausflug, muss Häsler zuerst zu Tode reiten: «Gewiss, das Ancien Régime hatte sich längst überholt, und es herrschte damals Krieg in unmittelbarer Nähe.» Also war damals doch einiges anders als heute. Oder nicht? «Aber das Denken der politischen Elite scheint sich kaum verändert zu haben.»

Potz tausend: «Auch der Bundesrat von 2026 – und mit ihm die Berner Blase aus Beratern, Verbandsfunktionären und Parlamentariern – glaubt, die Kriege der Gegenwart gingen die Schweiz im Grunde nichts an.»

Alles schlappe Zivilisten, Weicheier, Drückeberger. Dabei ist es mal wieder Mathäi am Letzten: «In der Welt der realen Rüstungspolitik rast der Schweiz die Zeit davon.» Und nur einer kann mit ihr Schritt halten, mit der rasenden Zeit. Der rasende Häsler natürlich.

Alle anderen hingegen, ein Bild des Jammers: «Eine vernünftige Sicherheitspolitik ist gegenwärtig blockiert – wie fast alle grösseren Projekte des Bundes.»

Kurzer Marschhalt, um dem Herrn aus Herrliberg eine reinzuhauen: «Die SVP unter ihrem Vordenker Christoph Blocher setzte die Versatzstücke der bürgerlichen Schweiz nach ihrem Gutdünken wieder zusammen – zu einer Karikatur eines supersouveränen Landes, das es nie gegeben hat.»

Himmels willen, was tun, ausser beten? «Es braucht deshalb jetzt dringend eine Koalition der Vernünftigen, die die Dinge an die Hand nimmt. Politikerinnen und Politiker aus allen Parteien, denen es nicht darum geht, die eigene Blase zu bespassen, sondern im Landesinteresse zu handeln.»

Das bestünde worin? Auf Spassbremse Häsler hören, heisst endlich wieder siegen lernen: «Die Bedrohung schafft eine hohe Dringlichkeit, jetzt Geld in die Hand zu nehmen, um mindestens die nötigen Mittel für die Luftverteidigung zu beschaffen.»

Da geht noch einer: «Statt endlos um die Neutralität zu tanzen, könnte die Koalition der Vernünftigen einen neuen Anlauf nehmen, das Dach-Format – die Zusammenarbeit der deutschsprachigen Länder – zu einer Alpenallianz mit Frankreich, Italien und Slowenien zu erweitern: für einen gemeinsamen Luftschirm.»

Gerade ist er so schön mit dem Luftschirm am Abheben, da erinnert er sich plötzlich, dass a) der Platz dann mal alle ist, und b) mit einer Artikelklammer doch der Anfang am Schluss wieder aufgenommen werden muss. Aber woher nehmen, und nicht stehlen? Da kraulte sich Häsler gedankenverloren den Bart und kam auf diese Glanzidee:

«Als die Franzosen das alte Bern besetzten, raubten sie den Staatsschatz der gnädigen Herren. Die volle Kasse nützte nichts. Der Legende nach liegt das Berner Gold vor der Küste Ägyptens. Die Republik der Patrizier zerfiel. Eine neue, beständige Ordnung begann erst 1848 mit dem modernen Bundesstaat, der jetzt – wie schon im Ersten und im Zweiten Weltkrieg – vor einer Bewährungsprobe steht. Die Schweiz braucht ein Programm für mehr Einigkeit und Widerstandskraft.»

Und ZACKBUM (wohl auch seine Leserschaft) braucht dringend eine Häsler-Pause. Mit reichlich Gurgelwasser.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-18-um-10.41.42.png 604 923 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-03-23 05:00:372026-03-20 08:59:57Ach, Häsler
René Zeyer

Der weibliche Häsler

25. Februar 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Auch Tamedias Clara Lipkowski kann gurgeln.

Als ob die völkerrechtswidrige Invasion der Ukraine nicht schon widerlich genug wäre: dazu gibt’s noch journalistische Schützenhilfe obendrauf.

Lipkowski wandelt auf Georg Häslers kriegerischen Spuren im Sandkasten und weiss: «Russland blufft – es ist besiegbar». Wenn der Wunsch der Vater des Gedankens ist …

Sie beginnt etwas elegisch, während Häsler jeweils gleich losbombt: «Verhalten zwar, aber doch spürbar steigen die Temperaturen, kehrt die Wärme in die Häuser der Menschen zurück, deren Heizung ausfiel, weil Russland Kraftwerke in einem beispiellosen Krieg der Kälte zerbombt hatte.»

Lipkowski blickt tief in ihre Seelen: «Die Menschen in der Ukraine sehnen den Frühling herbei, sind aber gleichzeitig müde.» Das nennt man bekanntlich Frühjahrsmüdigkeit.

Genauso behende kennt sie sich in Russland aus: «Moskau macht unbeirrt weiter, baut Druck auf, droht – aber blufft. Denn Russland ist nicht übermächtig, nicht unbesiegbar.»

Es soll Militärstrategen geben, zum Beispiel an der ETH Zürich, die die Niederlage Russlands schon klar vorhersahen. Für den Herbst 2022. Da ist Lipkowski doch etwas vorsichtiger.

Dafür ist sie mit einer Befehlsausgabe für den Westen offensiv zur Hand: «Europa, einschliesslich der Schweiz, muss die Sanktionen präziser gestalten und ausweiten. Drittstaaten, die noch mit Russland Geschäfte machen, müssen stärker sanktioniert werden.»

Sonst noch was? Aber ja: «Sanktionsumgehungen, durch die westliche Elektronik in russischen Drohnen landet, müssen viel härter geahndet werden. Die russische Schattenflotte muss konsequent verfolgt, Schiffe festgesetzt, deren Fracht konfisziert werden.»

Oder in einem Satz:

«Russland muss in die Knie gezwungen werden, damit die Ukraine überleben kann.»

Der ist nun von einer unbesiegbaren Dummheit, die es verdient, genauer angeschaut zu werden. Russland in die Knie zwingen? Echt jetzt? Die grösste Atom- und die drittgrösste Militärmacht der Welt?

Die könnte in die Knie gezwungen werden, ohne dass die Welt explodiert? Interessanter Gedankengang. Aber auch der zweite Teil ist nicht minder bescheuert. Nur unter dieser Voraussetzung könne die Ukraine überleben? Gelänge das also nicht, stirbt das Land? Welch absonderlicher Irrwitz.

Der Letzte, der versuchte, Russland in die Knie zu zwingen, war bekanntlich Adolf Hitler. Ist ihm nicht so recht gelungen, wie man mit rudimentären Geschichtskenntnissen weiss. Die Schweiz verharrte damals in einer sicherlich nicht über jeden Zweifel erhabenen Neutralität, um sich unbeschädigt durchzuschlängeln. Das sollte diesmal völlig aufgeben und sich an noch «präziseren» Sanktionen beteiligen.

Aber Lipkowski geht noch einen Schritt nach unten weiter: «Und für wen das Solidaritätsargument mit der Ukraine nicht reicht: auch damit unser Leben in Europa, wie wir es kennen, bleibt, wie es ist.» Also nur, wenn Russland auf die Knie gezwungen wird, können «wir unser» Leben weiterführen. Und wenn nicht? Zwingt dann der russische Bär uns Westler in die Knie? Was früher die rote Gefahr war, ist jetzt die neue russische Gefahr?

Als ob die unbesehene Übernahme aller Sanktionen der EU und der USA nicht schon ausreichen würden, das Image der Schweiz als neutraler Staat und Vermittler schwer zu beschädigen.

Natürlich darf in der Schweiz – im Gegensatz zu Russland, im Gegensatz zur Ukraine – jeder mehr oder minder frei seine Meinung äussern. Auch frei von des Gedankens Blässe. Qualifikationen sind nicht gefragt, der Zugang zu einem Lautsprecher wie dem Kopfblattsalat von Tamedia reicht.

Qualitätskontrolle, das Aufrechterhalten eines Mindeststandards an Kompetenz, Analysefähigkeit, die Kontrolle vor Veröffentlichung auf Widerspruchsfreiheit und Realitätsnähe: im modernen Qualitätsjournalismus à la Simon Bärtschi sind das unbekannte Begriffe.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-24-um-09.00.39.png 808 1298 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-02-25 05:00:462026-02-24 09:07:55Der weibliche Häsler
René Zeyer

Wer stoppt Häsler?

20. Februar 2026/12 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die Überkriegsgurgel hyperventiliert wieder in der NZZ.

 

Der Oberst der Schweizer Armee erscheint auch schon mal im Kämpfer zu Pressekonferenzen. Auf LinkedIn präsentiert sich Georg Häsler so:

Ob er den schwarzen Helikopter fliegt oder Schiss davor hat, von einem solchen entführt zu werden? Andere murmeln «the end ist near» und warnen vor dem bevorstehenden Armageddon. Häsler warnt unermüdlich vor dem Iwan. Und vor der gelben Gefahr. Fordert kriegerische Manneskraft im verweichlichten und schwächlichen Europa.

Sieht er nicht gerade einen Atomkrieg am Horizont, beobachtet er mit zu Sehschlitzen verkniffenen Augen den Fürsten der Finsternis im Kreml. Der ist nämlich kriegslüstern wie nie. Das sähe auch das westliche Verteidigungsbündnis so: «Die Nato geht davon aus, dass ab 2028 die Wahrscheinlichkeit einer direkten Konfrontation mit dem Kreml steigt.»

Aber Häsler weiss mehr: «Die rhetorische Offensive des Kremls hat sich in den letzten Wochen allerdings verschärft.» Was folgt nach einer rhetorischen Offensive? Bei Häsler nichts, beim Moskauer Potentaten der Einsatz des Militärs.

Und was passiert im Westen? Da lässt man die Fünfte Kolonne Moskaus, die Diversanten hüben und drüben ungeniert ihr defätistisches Werk verrichten und aufrechte Warner wie Häsler ins Eck stellen:

«Wer vor dem Krieg warnt, ist ein «Kriegstreiber». Wer die Ukraine unterstützt, «greift Russland an». Wer die demokratischen Gepflogenheiten schützen will, der «behindert die freie Rede». Diese Formeln der russischen Propaganda in den sozialen Netzwerken spielen stets mit einer Umdeutung der Realität.
Die kognitive Kriegsführung Russlands setzt dort an, wo die europäische Argumentation schwächelt, sie missbraucht das kritische Denken der Bürgerinnen und Bürger der liberalen Demokratien – und benutzt die gesunde Skepsis gegenüber dem Staat als Einfallstor zur Unterwanderung der Institutionen.»

«Kognitive Kriegsführung», das ist Krieg ohne Waffen, Krieg in der Fantasie, Krieg als Alptraum eines hilflosen Warners. Denn sieht denn ausser ihm niemand, was der Iwan, der Russe, der Untermensch aus dem finsteren Osten, in Wirklichkeit tut? Häsler weiss: «Nach einer Phase einlullender Friedensbotschaften aus Moskau folgen nun wieder offene Drohungen gegen Staaten, die sich dem neuen Geist von Machtpolitik und Einflusssphären entgegenstellen.»

Schlimm: «Ein Zielgebiet der russischen …» Raketen, Minenwerfer, Panzer? Nein, bloss «Giftpfeile sind die Niederlande». Finster geschickt, wie der Russe halt ist, droht er nicht etwa mit Angriff, im Gegenteil: ««Konfrontation, Konfliktrausch und unverantwortliche Kriegstreiberei scheinen die Eckpfeiler der niederländischen Politik gegenüber Moskau zu sein», kommentierte die russische Botschaft Anfang Februar in Den Haag auf der Plattform X in passiv aggressivem Ton: «Wir nehmen das so zur Kenntnis.»»

Passiv aggressiv und hinterlistig wird hier das mögliche Opfer zum angeblichen Täter umgebogen: «Einige Länder der EU würden «die Vorbereitungen für einen grossangelegten Konflikt mit Russland faktisch vorantreiben»», behauptet dieser russische Botschafter.

Geradezu poetisch wird Häsler dann bei der Einführung des Oberschurken: «Den Generalbass dieser vielstimmigen Propagandaoffensive hat – wie immer – Präsident Wladimir Putin angelegt: «Wir haben nicht die Absicht, Krieg gegen Europa zu führen, aber wenn Europa dies will und damit beginnt, sind wir ab sofort bereit», sagte er am 2. Dezember in Moskau vor Journalisten.»

Angelegt? Zu seinem grossen Bedauern kann Häsler allerdings noch keine militärischen Kampfhandlungen beklagen oder beschreiben. Aber sein kriegerisches Vokabular lässt er dennoch aufmarschieren: «Seit Anfang Jahr verschärft sich die russische Offensive im sogenannten Informationsraum – dem militärischen Operationsfeld zur Beeinflussung der Öffentlichkeit.»

«Offensive im Informationsraum … Einschüchterungsversuche … Oreschnik-Überschallrakete … Russland kann auch den Westen Europas treffen … hybride Kriegsführung … Sabotageakte ...». Eigentlich sind wir bereits im Krieg, eigentlich werden wir bereits von Russland angegriffen. Zumindest in der Alptraumwelt von Häsler.

Denn man weiss ja eins: «Je mehr der Kreml mit dieser Methode erreicht, desto dreister wird er sie anwenden.» So schaut’s aus: «Europa muss sich selber wehren – oder gerät unter russischen Einfluss.»

Ukraine, Naher Osten, Pazifik, der Geostratege Häsler sieht überall dräuende Gefahren und schaufelt mit der grossen Schippe in seinem militärischen Sandkasten.

Wie stoppt man nun die Kriegsgurgel im Kreml, fragt sich (und den Leser) die Kriegsgurgel Häsler. Eigentlich wäre es einfach: Europa muss eine ««Abschreckungslücke» verhindern». Lücke, komm heraus und ergib dich, du bist umzingelt. Allerdings: «Doch das funktioniert nur, wenn Europa zusammen steht, gemeinsam erstarkt – und sich nicht spalten lässt: weder vom Trump noch von Putin.»

Oh je. Am Schluss seines 16100 A umfassenden Lamentos (man kann den Gegner vielleicht auch zu Tode quatschen) lediglich dieser fromme Wunsch, der kaum in Erfüllung gehen dürfte. Genauso wenig wie die absurden Kriegsängste des Oberst, der wirklich ernsthaft glaubt, dass Putin so verrückt wäre, einen Atomkrieg zu riskieren.

Vielleicht könnte Häsler statt in den Sandkasten mal einen Ausflug in die Geschichte machen. Russland wurde von Polen-Litauen, Schweden, Napoleon und zweimal von Deutschland überfallen, dazu mischten sich die Westmächte blutig in den Bürgerkrieg nach der Russischen Revolution ein. Russland hingegen hat Westeuropa niemals angegriffen.

Und der Versuch, die im Zweiten Weltkrieg vom Hitlerfaschismus befreiten Länder ins eigene politische System einzugemeinden, scheiterte 1990 kläglich.

Kleine Denksportaufgabe, die selbst ein Oberst bewältigen könnte: welche Eintrittswahrscheinlichkeit ist höher? Dass der Westen Russland überfällt – oder umgekehrt?

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-18-um-10.41.42.png 604 923 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-02-20 05:00:312026-02-18 14:41:06Wer stoppt Häsler?
Seite 1 von 3123

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
© Copyright - Zackbum | Webdesign: 60francs.ch |  info@zackbum.ch | Datenschutz |  Impressum
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen
Unsere Website verwendet Cookies zur besseren Bedienbarkeit. Durch Ihre Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.