Viel Lärm um fast nichts

Wie eine Finanzjournalistin und eine Anwältin eine schlechte Figur machen.

«Die Plattform, die unsere CEO sexistisch verunglimpfte, musste die entsprechenden Passagen löschen.» So hört sich das Triumphgeheul von elleXX an.

Das ist eine Plattform, die als Motto hat: «Lasst unser Geld zusammenlegen. Für eine frauenfreundlichere Welt.» Aushängeschild ist die in den Medien bestens vernetzte Patrizia Laeri. Nach diversen Flops (CNN Money Switzerland, DACHelles) setzt sie inzwischen voll auf die Karte «weibliche Investmentmöglichkeiten».

Es ist nun leider so, dass der von ihr angepriesene Fonds «elleXX Gender Equality Basket» gnadenlos schlechte Performance mit üppigen Gebühren verbindet. Die in ihm enthaltenen Unternehmen sollen frauenfreundlich sein. Sind sie aber nicht besonders.

Diese Problematik thematisierte «Inside Paradeplatz». Leider hielt es die elleXX-Geschäftsführerin Laeri nicht für nötig, auf ihr vor Publikation zugestellte Fragen zu antworten.

Fragen ignorieren, dann zuschlagen

Dafür griff sie aber danach zum juristischen Morgenstern. IP wehrt sich: «Der eingeklagte Artikel hatte nicht das Frau-Sein von Patrizia Laeri zum Thema, sondern die Performance ihres ersten Banken-Produkts.»

Keinesfalls sexistisch: Selbstdarstellung von Laeri.

Laeri liess vor dem Bezirksgericht Meilen einen Antrag auf eine superprovisorische Verfügung einreichen, die forderte, der gesamte Beitrag solle sofort gelöscht werden: Persönlichkeitsverletzung, Streitwert Fr. 100’000.-.

Das schmetterte der zuständige Richter ab. Die auch für Jolanda Spiess-Hegglin nicht sonderlich erfolgreich tätige Anwältin Rena Zulauf musste sich zudem belehren lassen, dass das Bezirksgericht Meilen nicht für die Firma elleXX mit Sitz in Zürich zuständig sei.

Aber immerhin für Laeri, die in seinem Umkreis Wohnsitz hat. Allerdings gab es noch das zweite Problem, dass bei einem Streitwert von mehr als Fr. 30’000.- für UWG-Ansprüche automatisch das Handelsgericht zuständig wäre. Aber man liess Gnade vor Recht walten; immerhin sei das angerufene Gericht «nicht offensichtlich unzuständig».

Also trat es «einstweilen» auf den Antrag ein. Das war eine Doppelklatsche für die Anwältin. Zudem muss Laeri schon mal einen Kostenvorschuss von Fr. 5000.- leisten.

Laeris Anwältin forderte für den Fall, dass nicht der ganze Artikel gelöscht wird, die Löschung von 9 einzelnen Passagen. 4 davon sind einstweilen verboten. Interessanterweise stehen alle bemängelten Sätze, die sich auf die mangelhafte Performance oder hohe Preise beziehen, weiterhin im Artikel.

Doppelt gemoppelt hält nicht besser

Damit aber nicht genug. Parallel dazu reichte Anwältin Zulauf beim Handelsgericht Zürich ein Gesuch um vollständige Löschung des Beitrags ein; falls nicht, um Löschung von 4 Passagen. Diesmal unter der Rubrik «unlauterer Wettbewerb». Ebenfalls superprovisorisch, also ohne Anhörung der Gegenpartei. Die nächste Klatsche: «Mangels zeitlicher Dringlichkeit ist das Dringlichkeitsbegehren abzuweisen», entschied das Handelsgericht.

Es weist im Weiteren darauf hin, dass auch dieses Gericht einstweilen auf die Behandlung des Gesuchs eintritt, weil es durchaus einen möglichen Konflikt mit dem Bezirksgericht Meilen sieht. Der jedem Laien einleuchtende Hintergrund ist: Man kann nicht vor zwei Gerichten das Gleiche verlangen.

Das Handelsgericht sieht ebenfalls keine Dringlichkeit.

Auch hier ist ein Kostenvorschuss von Fr. 5000.- fällig.

Viel Geld – und Lärm – um fast nichts

Wenn man eine Zwischenbilanz ziehen darf, kann von einem Sieg von elleXX keine Rede sein. Es wurde ohne Not ein Zuständigkeitskonflikt geschaffen, zweimal wurden die Anträge auf sofortige Löschung des ganzen Artikels abgeschmettert. Lediglich 4 von 9 eingeforderten Passagen wurden vom Bezirksgericht gelöscht, das Handelsgericht verwies von vornherein auf den ordentlichen Massnahmeweg mit Anhörung, da es keinerlei Dringlichkeit sah.

Zudem kostet der Spass elleXX, bzw. die Geschäftsführerin Laeri, bislang Fr. 10‘000.- Vorschuss an Gerichtsgebühren. Von den bekanntlich üppigen Honoraren der Anwältin ganz zu schweigen.

Noch schlimmer ist, dass Laeri gegenüber fundierten Kritiken an der Performance eines von ihr angepriesenen Finanzprodukts die Sexismus-Karte ausspielte. Es ist zwar richtig, dass in diesem Artikel Anspielungen auf ihr Äusseres gemacht wurden, über deren Niveau oder Geschmack man trefflich streiten kann.

Dass Laeri ihr Äusseres durchaus ins Spiel bringt, bestätigt schon ein Blick auf das Intro der Kurzzeit-Talkrunde DACHelles, wo die Teilnehmerinnen auf schwindelerregenden High-Heels ins Studio stöckeln und die Kamera auf die hohen Absätze in einer Art schwenkt, die jeden Schuhfetischisten in Wallungen versetzen.

Aufs Köpfchen kommt es in Finanzfragen an.

Also eine Doppel-Null-Nummer bislang. Zwar hat es Laeri geschafft, damit in die Medien zu kommen, aber wie. Zudem kann sie mit diesen Mitteln die inhaltlich berechtigte Kritik an ihrem Finanzprodukt nicht aus der Welt schaffen. Und bei Geldanlagen zählen keine Äusserlichkeiten, kein Feminismus, keine weibliche Solidarität. Sondern die Performance. Das Substantiv ist zwar weiblich, aber der Gewinn ist männlich, der Verlust auch. Völlig egal, ob Geld frauenfreundlich angelegt wird oder nicht.

Verstand keiner, hat sich versendet …

4 KOMMENTARE
  1. Simon Ronner
    Simon Ronner says:

    «Ich erinnere mich an eine Modeschöpferin, die behauptete, ihre Kleider würden nur von intelligenten Frauen getragen. Natürlich ist sie Pleite gegangen.» (Karl Lagerfeld)

    Sollte «elleXX» bachab gehen, so hat Laeri jetzt bequem das Argumentarium bereit: Das unterdrückerische Patriarchat, der Sexismus…

    Fortan kann sie sich dann wieder vermehrt dem Projekt «Edit-a-thon» widmen: Frauen sichtbar zu machen. Als heterosexueller Mann sagt mir das natürlich zu; schaue ich doch gerne Frauen an (vornehmlich solche nach traditionellem Schönheitsverständnis). Aber eben: Dazu müssen sie natürlich zuerst mal sichtbar sein.

    Antworten
  2. Laura Pitini
    Laura Pitini says:

    Auch als Frau finde ich es irritierend, wenn Frauen ungesunde High Heels und SuperBras tragen.
    Push-up-BH’s können nämlich zu einem Funktionsverlust der Brustmuskulatur führen. Die spezielle Schnittform und die eingearbeiteten Kissen zaubern auch bei kleinen Oberweiten ein sexy Dekolleté vor. Push-up-BH’s sind immer gefüttert und lassen daher den Busen größer wirken.

    Frau sein definiert sich nicht über solchen Firlefanz!

    Antworten
  3. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Es muss für die Ladies von elleXX ein Schock gewesen sein. Zuerst Gredig’s wohlwollwende Berichterstattung in «10 vor 10» von Wappler Diversity TV. Dann der giftige Artikel von Frenkel in «InsideParadeplatz» wo offen gelegt wird dass «elleXX Gender Equality Basket» floppt.

    Interessant auch TAmedia. Der Kommentar von Maren Meyer: «Es ist gut und richtig, dass sich Patrizia Laeri wehrt», die übliche Sexismus-Leier. Kein Wort darüber dass das Vehikel floppt, feministische Solidarität der «HeldInnen» für eine MöchtegerneElitefrau!.
    Dann der Artikel von Armin Müller: «Patrizia Laeris Produkt ist für Einsteigerinnen nicht geeignet». Nach der Meinung von Fachleuten ist das Produkt für Frauen ohne Anlageerfahrung nicht zu empfehlen. Die bittere Realität!

    Frau Laeri und ihre Kolleginnen täten gut daran ihre Kräfte zu bündeln und überlegen ob das Vehikel tatsächlich für die Altersvorsorge von Frauen geeignet ist, oder ob sie Frauen im Alter noch mehr von Männern abhängig machen!

    Antworten
  4. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Vermisse die grosse Linie bei dieser Frau Laeri. High-Heel-shoes senden doch ganz falsche Signale aus. Ein understatement im Auftritt ist immer sympathischer.

    Im Branchenportal persoenlich.com ist gestern Sonntag dieser Artikel erschienen:

    https://www.persoenlich.com/medien/aktienprodukt-nicht-fur-anfangerinnen-geeignet

    Der Artikel ist immer noch abrufbar. Drei interessante Kommentare dazu, wurden leider zwischenzeitlich bereits wieder entfernt. Unglaublich diese Ängstlichkeit bei diesem Portal, obwohl die Kommentare rein informativ und überhaupt nicht verletzend waren. Matthias Ackeret bekommt jeweilen sehr schnell kalte Füsse………

    Apropos Branchenprodukte: Vor einigen Jahren gab es beispielsweise gezielte Funds in der Nanotechnologie und den BRIC-Staaten. Diese damaligen Modeprodukte sind längstens wieder verschwunden. Auch Zertifikate im Segment Gender gehen in dieselbe Kategorie.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Möchten Sie an der Debatte teilnehmen?
Ihre Meinung interessiert. Beachten Sie die Kleiderordnung dabei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.