Fertig lustig

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Auch ZACKBUM hat sich in letzter Zeit gehäuft über pseudofeministischen Genderwahnsinn lustig gemacht. Absurditäten wie «free bleeding» oder der Versuch, die Bezeichnungen «Frau» oder «Mutter» auszusondern, lösen in der Ernsthaftigkeit, mit der sie vorgetragen werden, Lachanfälle aus.

Die angelegentliche Befassung mit dem eigenen Bauchnabel, das Abtasten, an welchen eigenen oder geliehenen oder geklauten Diskriminierungen und Ausgrenzungen man lautstark leiden kann – das ist in seiner unverschämten Egozentrik erheiternd.

Man muss auch Bewunderung zollen. Drittklassige Journalistinnen mit einem hauchdünnen Leistungsausweis haben es geschafft, alle Kontrollinstanzen auszuhebeln, zumindest bei Tamedia. Denn welcher Vorgesetzte, ob alt, weiss und männlich oder nicht, würde sich denn trauen, einen neuerlichen Schwachsinnstext über die in Wörtern enthaltene strukturelle Gewalt, über männliche Dominanz, über unaussprechliche Rassismen wie Mohrenkopf vom Tisch zu lachen?

Dass es es der überwiegenden Mehrheit der Leser (und auch der Leserinnen) schwer am Allerwertesten vorbeigeht, was hier zu zukunftsentscheidenden Problemen aufgepumpt wird, die null und nichts mit der Lebenswirklichkeit der Konsumenten zu tun haben, das spielt zurzeit keine Rolle. Man mag nun hoffen, dass die Marktmacht diese Auswüchse zurückstutzt, indem sich immer mehr Leser davon verabschieden, für dieses Gendergeschwurbel auch noch etwas zu bezahlen.

Was ist eigentlich nach dem Aufschrei der diskriminierten Tamedia-Frauen passiert?

Immerhin hat man von den 78 erregten Protestfrauen nichts mehr gehört, auch nicht von der angekündigten strengen Untersuchung der fürchterlichen verbalen Übergriffe, die von ihnen anonymisiert und daher nicht überprüfbar behauptet wurden. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die ganze Aktion eigentlich zwei Ziele hatte. Zum einen den zwei Wortführerinnen Bekanntheit zu verschaffen. Wie kommen solche journalistischen Nullnummern sonst zu einem Gastauftritt in «10 vor 10».

Zum zweiten sich den Freiraum zu ellbögeln, von nun an über jeden feministischen oder genderseligen Blödsinn schreiben zu dürfen, ohne daran gehindert zu werden. So brutal das Tamedia-Management ansonsten bei der Umsetzung von Sparplänen ist, hier hat es seine weiche, geradezu weibliche Seite der Nachgiebigkeit entdeckt – und kommt aus dieser Nummer nur schwer wieder raus, will es nicht übel beschimpft werden.

 

Das Buch des Anstosses einer englischen Professorin. Ex-Professorin.

Vielleicht sollte es sich diese Nachgiebigkeit nochmal überlegen. Die NZZ berichtet von einem erschreckenden Fall in europäischer Nähe. Dass in den USA inzwischen an vielen Unis reiner Gesinnungs- und Korrektheitsterror herrscht, ist bekannt. Nun gibt es aber einen Fall an einer englischen Universität, also aus dem Land, in dem die freie Debatte unter Wissenschaftlern und Intellektuellen eine jahrhundertalte Tradition hat.

Wie eine wissenschaftlich fundierte Meinung niedergemacht wird

Kathleen Stock lehrte 18 Jahre lang an der Uni von Sussex analytische Philosophie. Erfolgreich, in Fachkreisen geachtet. Das änderte sich schlagartig, als sie das Buch «Material Girls. Why Reality Matters for Feminism» veröffentlichte. Die NZZ fasst den Inhalt zusammen, sie komme darin

«zu dem Schluss, dass zwar die selbstgewählte Gender-Identität eines Menschen respektiert werden solle. Jedoch lasse sich das biologische Geschlecht von Männern und Frauen nicht ändern.»

Völlig vernünftig, völlig klar, auch in Übereinstimmung mit dem britischen Gleichstellungsgesetz von 2010, das wie Stock logisch begründet: «Unter bestimmten Umständen, so Stock – in Gefängnissen, bei Therapien in Vergewaltigungsfällen und beim Sport –, sollte das biologische Geschlecht Vorrang haben, um die Rechte der Frauen zu schützen.»

Dagegen sollte eigentlich nicht viel zu sagen sein. Oder wenn, sollte sich das zivilisiert als akademische Debatte mit Argument und Gegenargument abspielen. Aber im heutigen Genderwahnsinn ist das nur noch beschränkt möglich. Denn Stock hatte sich damit mit den sogenannten Transgender angelegt. Die waren nicht auf Debatte, sondern auf Krawall aus: «Feuert Kathleen Stock. Andernfalls werdet ihr uns kennenlernen», kreischte es aus einem Instagram-Account. Nicht nur die Uni-Toiletten wurden mit Plakaten vollgepflastert, die der Professorin die Verbreitung von «transphobic shit» vorwarfen.

Inquisitionsstuhl, im Museum. Noch.

Ähnlich war es schon der Bestellerautorin Joanne Rowling (Harry Potter) ergangen. Aber während die durch ihren Reichtum geschützt das Gekeife abtropfen liess, gab Stock zermürbt auf und kündigte ihre Stelle, nachdem sie traumatisch gemobbt worden war. Und von der Unileitung im Stich gelassen, die aus Schiss vor Boykott und Zahlungsverweigerung jede Unterstützung verweigerte.

Stocks Ansichten waren schon vor diesem Buch bekannt, deshalb hatten im Januar «Hunderte von Akademikern und Akademikerinnen die Regierungsentscheidung kritisiert, Stock mit der Auszeichnung des britischen Ritterordens OBE auszuzeichnen», berichtet die NZZ.

Schlimmer noch:

«Stocks Gegner sind davon überzeugt, dass Transmenschen ihr Geschlecht vollständig ändern können und dass anderslautende Ansichten, denen akademische Freiheit gewährt wird, Inklusivität verhindern. Sie vertreten ihre Auffassung apodiktisch.»

Vorläufig noch ein feuchter Traum der modernen Inquisitoren.

Dagegen hält Stock, eher verzweifelt, in einem BBC-Interview daran fest: «Ich glaube an relativ altmodische Dinge wie Argumente und Gründe, die sich anführen lassen, um zu Schlussfolgerungen zu gelangen und an die Vernunft zu appellieren.»

Das ist für solche Fanatiker tatsächlich altmodisch, überflüssig und falsch. Was bei Tamedia geschah – und geschieht – sollte man wohl nicht mehr von der heiteren Seite nehmen, so lachhaft und lächerlich es auch ist.

Möglicher Umbau des Tamedia-Glashauses an der Werdstrasse.

3 KOMMENTARE
  1. Beat Reichen
    Beat Reichen says:

    Ich glaube trotzdem noch fest daran, dass nur eine debile Minderheit hinter diesem Gendermist steht. Wohlstandsverwahrlosung eben.

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    • Adrian Venetz
      Adrian Venetz says:

      Stimmt. Aber dass gerade debile Minderheiten in der Lage sind, durch Dauerterror einen Flächenbrand zu entfachen, hat uns die Geschichte leider oft genug gelehrt.

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    • Simon Ronner
      Simon Ronner says:

      Debile Minderheiten sind auch nicht das Problem. Gefährlicher ist die nicht zu unterschätzende Masse an Feiglingen, die sich schleimig dem Zeitgeist anpassen und sich immer genau dort positionieren, wo sich gerade die Mehrheit und die Macht befindet. Dort auch, wo der Netzmob wütet, wo sich Redaktionen auf eine Person oder Gruppe einschiessen, wo Schläger und Gewalttäter prügeln. Für charakterliche Jammerlappen hat eine solche Bewegung einen unwiderstehlichen Sexappeal. Weitere Mitläufer gesellen sich hinzu.

      Ebenso unerträglich feige verhalten sich Unileitungen und Chefredaktionen, die sich einem solchen Treiben nicht entgegenstellen.

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