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Schlagwortarchiv für: Besserwisser

René Zeyer

Rechenkünstler Zimmi

13. April 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Zu viel Häme ist fehl am Platz. Aber ein bisschen muss schon sein.

«Denn als einziger Journalist in Westeuropa kann ich rechnen.» Ein kühner Satz. Ein arroganter Satz. Ein Satz, der zwei Möglichkeiten liess. Entweder, Kurt W. Zimmermann, der aus persönlichen Gründen meint, Ungarn besser als die meisten anderen zu verstehen, kann das grosse Triumphgeheul anstimmen.

Oder aber, er muss sämtliche verbalen Register ziehen, um mit einer Mischung aus gesenktem Kopf und trotzigem «wer nicht wagt, der nicht verliert»-Gestus einzugestehen, dass er sich verrechnet hat.

Und zwar nicht um ein hauchdünnes Weniges. Die Sitzverteilung im ungarischen Parlament sieht wohl so aus: die Opposition hat 138 Mandate, Viktor Orbán 55. Das nennt man einen Erdrutsch, einen Kantersieg, eine Gewalts-Niederlage.

Orbán hat bereits seine Niederlage eingestanden und verlegt sich auf Durchhalteparolen: «Wir geben nicht auf, nie, nie.»

Wie kam nun Zimmermann zu seiner Fehlanalyse, mit der er allerdings in der besten Tradition der «Weltwoche» («la crise n’existe pas») steht?

Das Schicksal des Geisterfahrers, der die Warnmeldung im Autoradio hört und sagt: Einer? Hunderte – das hat ihn wohl nicht irritiert.

Wegen der üblichen Mischung aus Arroganz und Besserwisserei, mit der die meisten Journalisten zwei Wahlsiege von Trump nicht wahrhaben und anschliessend ihn wegschreiben wollten.

«All die Journalisten, die sich mit ihren Wahlprognosen auf Umfragen stützen, haben indessen keine Ahnung vom ungarischen Wahlsystem.» Das mag durchaus sein, nur: recht hatten sie trotzdem.

Rechenkünstler Zimmermann meinte hingegen: «Erster Teil also: 63 bis 65 Direktmandate für Orbáns Partei.» Nicht mal das stimmt. Plus: «Bei der Listenwahl kommt die Fidesz damit auf 37 oder 38 Mandate.» Macht nach Adam Riese und nach Kurt W. Zimmermann 100 Abgeordnete in einem Parlament mit 199 Sitzen. Et voilà.

Da bleibt nur noch die Schadenfreude, dass der Wahlsieger schliesslich unter Getöse aus Orbáns Partei ausgestiegen ist und wohl charakterlich und von der Prinzipientreue her seinem Gegner nicht nachsteht.

Worauf basiert Zimmermann seine singuläre Position? «Ich habe mit meiner ungarischen Frau viele Jahre in Budapest gelebt. Ich bilde mir deshalb ein, ein bisschen etwas von Ungarn zu verstehen.»

Da möchte ZACKBUM-Redaktor René Zeyer ihm ein kleines Geständnis mit auf den Weg geben. Er hat viele Jahre mit seiner kubanischen Frau in Kuba gelebt. Das hat dafür ausgereicht, dass er sicher weiss, dass er keine Ahnung hat, wie die Kubaner ticken, was sie antreibt, wie sie funktionieren, wie sie das immer dysfunktionaler werdende Regime weiter ertragen.

Auf die banale Frage, wie viele der compañeros denn die Revolution bis zum heutigen Tag unterstützen, kann die richtige Antwort nur sein: das weiss niemand. Das Regime weiss es nicht, kein Ausländer weiss es, nicht einmal die Kubaner selbst wissen es.

Bevor wir den armen Zimmi in seinem Elend ruhen lassen: «Wenn ich richtig liege, dann schenke ich mir ein Glas Kreinbacher Egoiste Brut ein.»

Da kann man nur sagen: hoch die Flasche …

PS: Wer’s aushält: hier versuchen Chefredaktor Roger Köppel und Fehlprognostiker Kurt W. Zimmermann, die krachend falsche Vorhersage einzufangen und zu erklären. ZACKBUM hat nach zwei Minuten Gegiggel und guter Laune aufgegeben. Leider können wir uns morgens so etwas nicht schönsaufen.

Etwas mehr Demut anstelle überhebliches Grinsen wäre vielleicht angebracht:

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-12-um-23.53.53.png 280 661 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-13 05:00:312026-04-13 10:36:56Rechenkünstler Zimmi
René Zeyer

Widerliche Heuchelei

1. August 2025/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Was ist von Journalisten zu halten, die sich davon bezahlen lassen?

Sie sind woke. Sie sind sensibel. Sie kämpfen gegen Worte wie Mohr. Gegen den Klimawandel im Hitzesommer. Sie vergewaltigen die deutsche Sprache («Wohnende»). Sie belehren und schulmeistern ihre Leser ohne Rücksicht auf Verluste. Sie geben Gebrauchsanweisungen für die richtige Verwendung des Gendersterns.

Sie wissen alles besser und erteilen Ratschläge ohne Unterlass, wie Trump, Putin, die kriegsverbrecherische israelische Regierung sich besser, richtiger verhalten sollte. Sie betrachten ihren Bauchnabel und lassen die Leser daran teilhaben, wenn sie sich unwohl fühlen. Sensibel, achtsam, politisch korrekt, und sie warnen ohne Unterlass vor Sexismus, Rassismus, Exklusion und setzen Zeichen gegen rechte Hetzer, Populisten und überhaupt gegen alles Böse auf der Welt.

Kein Anlass zu nebensächlich, um nicht mit aufgeregtem Geschnatter mutig Position zu beziehen. Wie gut, wie besser wäre die Welt, wenn sie nur auf sie hören würde.

Sie verschonen die Medienclans in der Schweiz, die Familien Coninx, Ringier oder Wanner, von jeder Kritik. Bei Tamedia lassen sie sich von Pietro Supino schurigeln, öffnen ihm ohne Widerspruch die Spalten, wenn er in Missachtung der angeblich strikten Trennung von Redaktion und Verlag in ellenlangen Kommentaren dafür plädiert, dass zur Gewinnmehrung der Steuerzahler den jämmerlichen Output der zu Tode gesparten Redaktionen subventionieren soll.

Sie sehen jeden Splitter im Auge der anderen, aber den Balken im eigenen nicht.

Augenfällig wird das, indem seit Wochen peinliche Inserate auf der Homepage von Tamedia erscheinen. Mit anzüglichen Bildern illustriert, macht ein «Start-up» Werbung für sein fragwürdiges Angebot:

«Über 50 Prozent der Männer sind von Potenzproblemen betroffen, wünschen sich jedoch besseren Sex. Ein Schweizer Start-up bietet jetzt eine Online-Behandlung in nur fünf Minuten und überzeugt damit auch in der Investoren-Sendung «Die Höhle der Löwen».»

Jede Redaktion, die noch etwas Ehre im Leib hätte, würde spätestens nach dem zweiten «Sponsored»-Ad, das täuschend ähnlich wie ein redaktioneller Beitrag daherkommt und verspricht «Jetzt lassen sich Ihre Erektionsprobleme in nur fünf Minuten lösen», kritisch recherchieren und hinterfragen, ob das nicht zu gut ist, um wahr zu sein.

Jeder Journalist*In müsste sich fragen: «Wer frühzeitig gegen Erektionsprobleme vorgeht, kann sie meist einfach und erfolgreich behandeln», ist das wirklich ein Versprechen, das sich einlösen lässt?

Oder leiden auch männliche Tamedia-Journis unter diesem Problem? Und hoffen auf einfache Heilung von Schäden, die nicht zuletzt frustrierter Alkoholkonsum anrichtet? Wenn sie nach dem zuvielten Halbeli nach Hause wanken und keinen hochkriegen?

Und selbst Viagra diesem Versagen keine Abhilfe schafft?

Anders ist es nicht zu erklären. Ausser damit, dass sie alle wissen, dass selbst solche Inserate ihr Gehalt bezahlen. Die Gleichen, die sich nicht einkriegen, schonungslose Aufklärung zu fordern, welche Beziehungen denn zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem verurteilten Sexualstraftäter Geoffrey Epstein existierten. Und nicht müde werden zu betonen, dass auch Trump einschlägig vorbestraft ist.

Wie darf man dann die schweigsamen Tamedia-Journis bezeichnen, die unermüdlich Artikel zur Verbesserung der Welt veröffentlichen, vor und nach einem solchen Inserat, ohne in juristische Schwulitäten zu geraten?

In dem es auf Deutsch heisst: Männer, wenn euer Erektionswinkel so flach wie ein Leitartikel bei uns ist, es gibt schnelle, problemlose Abhilfe, damit ihr wieder Frauen nageln könnt?

Denn  es ist einfach: «Weit über 5000 Männer haben die Methode von Everyman bereits getestet – der Ansatz ist bisher ein voller Erfolg.»

Damit er wieder steht, tut Tamedia alles, ausser mal einen dieser Männer ausfindig zu machen:

«Dieser werbliche Beitrag wurde von Everyman Health AG erstellt. Er wurde von Commercial Publishing, der Unit für Content Marketing, die im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia kommerzielle Inhalte produziert, für die Publikation aufbereitet, wobei die Haftung für Inhalte (Wort, Bild) und externe Links bei Everyman Health AG liegt.»

Es ist ein Teufelskreis. Wer weiss, dass sein Einkommen davon abhängig ist, muss fleissig dem Alkohol (oder gar verbotenen Substanzen) zusprechen. Das wiederum wirkt sich nicht positiv auf die Performance im Bett aus. Denn Heuchelei («heute habe ich wieder ein Zeichen gegen Sexismus und den Missbrauch von Frauen als Sexualobjekt gesetzt») funktioniert in einer Beziehung nicht lustfördernd.

Heuchelei macht auch die Leser nicht scharf, sondern turnt sie ab. Der Kampf gegen die Ausbeutung der Frau als williges Sexualobjekt wird schal, wenn solche absurde Versprechen ihn begleiten.

Das Problem ist: Der Journi mag es sich schöntrinken. Aber der Leser, mit oder ohne Erektionsproblemen, wendet sich angewidert ab und glaubt diesen Besserwissern, ausser in eigener Sache, kein Wort mehr. So erregt die auch formuliert sein mögen.

Einfach reich werden, Tipps für ein glückliches Leben, so gewinnen Sie garantiert in der Lotterie.Schlaffer Pimmel, kein Problem. Selbst bezahlte Jubelartikel über Feriendestinationen, garantiert wirksame Wässerchen und Salben, die Falten glätten und überhaupt verjüngen, Anpreisungen von Autos und anderen Produkten, die sich mit Inseraten erkenntlich zeigen: All das sind lässliche Sünden gegen diese Heuchelei.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/07/Bildschirmfoto-2025-07-26-um-14.10.40.png 249 637 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-08-01 05:00:462025-07-31 09:47:15Widerliche Heuchelei
René Zeyer

Will SoBli-Chef seinen Job loswerden?

21. April 2025/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Es ist mal wieder Flugzeit bei Ringier.

Steffi Buchli hat das Haus Knall auf Fall verlassen. Ausser Gerüchten gibt es keine nachvollziehbaren Gründe für den schwachen Abgang. Ist auch sie mit der Nemesis des Verlags übers Kreuz geraten? Oder mit Aidos? Wir müssen hier etwas gelehrt werden, denn Namensnennungen können gröberen Ärger verursachen.

Also sagen wir nur, dass es sich um eine Bündnerin handelt.

Auf jeden Fall ist das nach Christian Dorer bereits das zweite Bauernopfer bei einer völlig verfehlten Strategie, das Markenzeichen Boulevard des «Blick» zu enteiern.

Da fällt uns spontan der schöne Spruch ein: Es tut der Osterhase kräftig fluchen, wenn Kinder seine Eier suchen.

Bislang sitzt der Chefredaktor «SonntagsBlick» noch einigermassen sicher auf seinem Stuhl. Das scheint er aber ändern zu wollen. Denn in einem Anfall von österlichem Eingedenken schreibt Reza Rafi doch tatsächlich in seinem aktuelle Editorial:

«Heute profiliert sich jeder, der den Zeigefinger hebt. Von Kindererziehung über Sexualität und Lebensverlängerung bis zu Ökonomie und Weltpolitik: An jeder Ecke lauert ein Rechthaber.»

Und haut gnadenlos seiner eigenen, glücklichen (oder nicht so glücklichen) «Blick»-Familie eins in die Fresse:

«Tipps zu geben, ist das billigste Geschäftsmodell für Medien, PR-Leute, Parteienvertreter und alle anderen, die um Aufmerksamkeit buhlen.»

Um lammfromm zu enden: «Das Osterfest beendet die Zeit des Fastens, das einen zentralen Wert des Christentums fördern soll: die Demut.»

In aller gebotenen Demut, eine Auswahl aus der gleichen Homepage, auf der Rafis Editorial erschien:

Der Wein-Ratgeber.

Der erhobene Zeigefinger.

Die Kritik an Trump.

Die Promotions-Tipps.

Der Ratgeber.

Und noch ein Ratgeber.

Der Besserwisser.

Sucht man auf der Webseite des «Blick» nach dem Stichwort «Ratgeber», poppen 261 Treffer auf. Und hat nicht eine führende Bündnerin im Haus verkündet, dass der Abschied vom Boulevard (und von den meisten Lesern) mit mehr Service und Ratgebern einhergehen sollte?

Also wenn man da Rafi auch ungebeten einen Rat geben darf: in sich gehen, Busse tun, Haupt senken, im nächsten Editorial Gegensteuer geben. Sonst könnten das noch traurige Ostern ohne Auferstehung werden.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-20-um-13.01.11.png 508 1334 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-04-21 05:00:292025-04-22 09:21:07Will SoBli-Chef seinen Job loswerden?
René Zeyer

Das Ende des seriösen Journalismus

23. Juli 2024/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die Totenglocke läutet Peter Burghardt.

Der US-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung», der dank Sparmassnahmen auch die Leser der Blätter des Qualitätskonzerns Tamedia beschallt, gibt in typisch deutscher Manier den Tagesbefehl aus.

Auch Burghardt weiss es  im Nachhinein besser, was er vorher anders sah: «Natürlich hätte Joe Biden früher aufgeben sollen, am besten wäre er gar nicht erst angetreten.»

Nachdem derselbe Burghardt (oder ein Klon?) die Kandidatur Bidens noch lauthals bejubelt hatte, sucht er nun krampfhaft nach Alternativen. Dabei lobhudelte er (der Klon?) noch vor einem Jahr: «Für einen doch schon etwas älteren Herrn ist Joe Biden in diesen Tagen wieder gut unterwegs. Reicht seine Energie, um Donald Trump zu stoppen? Das ist die Hoffnung.» Oder sollte man ihn doch auswechseln? «Sinn machen sie (solche Überlegungen, Red.) eher nicht mehr, weil es voraussichtlich zu spät ist.» Wusste Burghardt im November 2023. Und noch im Februar 2024 pfiff er im Wald: «Am Ende könnte Biden schon deshalb wieder eine Mehrheit bekommen, weil wie 2020 eine Mehrheit Trump nicht will.»

Schliesslich war sich Burghardt noch im März 2024 sicher: «Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Biden beim Parteikongress im August offiziell nominiert, um dann am 5. November wie vor vier Jahren wieder gegen Donald Trump anzutreten. Auch wenn seit einiger Zeit die sehr vage Theorie herumwabert, er lasse sich angesichts seines Alters und gelegentlicher Versprecher womöglich doch noch auswechseln.» So viel zu einer herumwabernden, sehr vagen Theorie.

Nachdem die nun nicht mehr wabert, wird Burghardt mit der Vizepräsidentin auch nicht so recht warm und gönnt sich erst mal eine Runde «hau den Trump»:

«Die Republikaner folgen Trump wie eine Sekte ihrem Guru. Im Duett mit J.D. Vance wird der Serienlügner, Mehrfachangeklagte und verurteilte Betrüger von seinen Fans vergöttert, umso mehr nach seinem überstandenen Attentat.»

So, dann wieder zurück zu den Demokraten. Was haben die zu tun? Natürlich auf Burghardt hören: «Wenn die Demokraten wirklich glauben, dass sie (Kamala Harris, Red.) das schaffen kann, dann müssten sie möglichst rasch alle prominenten Fürsprecher hinter ihr vereinen, von Barack Obama über die Clintons bis zu George Clooney, die Gönner sowieso.»

Die wichtigste Gruppe vergisst der Besserwisser glatt: die Grossspender. Oder nennt er sie euphemistisch «Gönner»? Aber Burghardt ist eine richtige Wundertüte an guten Ratschlägen: «Öffentliche Zweifel in den eigenen Reihen jedenfalls wären fatal.»

Man erahnt die Qualen, die dieser Mann erleiden muss. Er wüsste eigentlich ganz genau, wie’s geht. Was die Demokraten tun müssten. Und was sie zu lassen haben. Bloss: nicht mal in München, nicht mal in Zürich, Basel oder Bern hört man auf ihn. Keinen interessiert’s wirklich, zu unstet ist der Mann in seinen Fehlanalysen.

Und am Schluss geht er wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nach, dem Pfeifen im Wald:

«Denn eine Mehrheit gegen Donald Trump kann es nach wie vor geben.»

Und es ist möglich, den Hunger in der Welt zu besiegen. Auch Frieden kann allerorten ausbrechen. Die Menschheit ist unterwegs ins Paradies. Sie wäre es, wenn bloss auf Burghardt gehört würde. So aber leiden wir weiter im Jammertal. Und müssen uns das Gejammer und Gegreine dieser Fehlbesetzung anhören.

Hat denn wenigstens Tamedia ein Einsehen mit seinen gequälten Lesern? Ist die Chefredaktion mit Betrachtungen über blanke Busen völlig ausgelastet? Könnte wenigstens der Auslandchef ohne Ausland mal ein Machtwort sprechen und diese Unke abstellen? Gegen Burghardt sind sogar Kommentare von Christof Münger eine Labsal, und das will nun wirklich etwas heissen.

Wobei, betrachten wir Müngers Gequatsche mal genauer: «Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte. Hoffentlich realisieren die Amerikanerinnen und Amerikaner, dass sie am 5. November 2024 nicht nur über einen alternden Präsidenten befinden, sondern eine Weiche stellen. Dabei geht es um mehr als um Amerika.»

Wir nehmen die vorherige Aussage zurück …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/01/Bildschirmfoto-2024-01-15-um-10.43.26.png 684 1014 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-07-23 06:00:062024-07-23 08:48:51Das Ende des seriösen Journalismus
René Zeyer

Mario Stäuble

13. April 2023/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die Kommentare sind noch der Untergang von Tamedia.

«Die Unabhängigkeit der CS geopfert, die Stabilität des Finanzsystems gesichert.» Das habe der Bundesrat getan, behauptet der frischgebackene Inlandchef von Tamedia. Frisch degradiert zeigt er ungefähr so viel Sachkompetenz wie Finanzministerin Karin Keller Sutter.

Die hat gerade vom Nationalrat eine zwar nur symbolische, aber dennoch schallende Ohrfeige gekriegt. Denn die Volksvertreter lehnten das Notrecht-Gemurkse des Bundesrats ab. Damit bewiesen sie mehr Fachkenntnis als Bundesrat, Nationalbank, FINMA und Stäuble zusammen.

Denn jedem vernunftbegabtem Menschen muss es klar sein, dass die Lösung, eine strauchelnde Dinosaurierbank zu «retten», indem man sie in einen noch grösseren Dinosaurier transplantiert, grotesk schlecht ist. Dass das wieder per Notrecht in höchster Eile geschah, macht aus der Groteske eine Tragödie.

Was wird passieren, sollte die UBS – wie bereits zehn Jahre nach ihrer Gründung 1998 – wieder am Abgrund stehen und nur durch künstliche Beatmung mit Milliarden Staatsgeldern gerettet werden könnte? Das stellte damals 66 Milliarden ins Feuer. Bei der CS sind es bereits 259 Milliarden. Wie viele müssten es bei einer neuerlichen UBS-Rettung sein? Die Bank ist nun dreimal grösser als die CS, man rechne.

Also tat der Nationalrat das einzig Vernünftige, obwohl das folgenlos bleiben wird. Es ist ein Unding im Gemurkse, dass per Notrecht gefasste Beschlüsse alternativlos sind. Weder vom Parlament, noch vom Stimmvolk überprüft oder korrigiert werden können.

Aber statt diese naheliegenden Probleme zu thematisieren, kritisiert Stäuble, dass Parteipolitik betrieben worden sei: «Man spürt: Es ist Wahljahr.» Das hat was, aber dann müsste der kompetente Kommentator vielleicht kritisieren, dass die SP zunächst einem sinnvollen Vorschlag der SVP zur Lösung der «too big to fail»-Problematik zustimmte, dann aber aus rein parteitaktischen Gründen auf dem Absatz kehrt machte und ihn versenkte. Angeführt von der Schnellschwätzerin Jacqueline Badran.

Aber das will Stäuble seinem linksliberalen Publikum nicht zumuten. Stattdessen versteigt er sich zu einer absurden Behauptung: «Das Parlament sendet Signale des Misstrauens aus – wenige Wochen nachdem der Bund mit einem dreistelligen Milliardenbetrag einen Bank Run gestoppt hat. Mit ihrem Widerstand unterlaufen SP, Grüne und SVP die Strategie des Bundesrats, um jeden Preis Stabilität zu garantieren.»

Der Mann hat keine Ahnung. Der Bundesrat hat, wenn seine Behauptung stimmt, dass die CS alle Eigenkapitalvorschriften erfüllt und solvent gewesen sei, keineswegs einen Bank Run gestoppt. Er hat vielmehr einen Notverkauf der Bank erzwungen. Ob er damit Stabilität hergestellt hat, ist mehr als fraglich.

Aber Stäuble zeigt dem Parlament, wo der Hammer hängt: «Statt Lösungen zu debattieren, betreiben die Parteien Wahlkampf.»

Als Stammtischmeinung nach dem zweiten Halbeli durchaus akzeptabel. Als Kommentar des Inlandchefs des zweitgrössten Medienkonzerns der Schweiz inakzeptabel.

Die GV der CS hat immerhin die Vergütung der Geschäftsleitung der Krisenbank abgelehnt – Quittung für Unfähigkeit. Stäubles Kommentar steht hinter der Bezahlschranke bei Tamedia. Ist zwar nichts wert, kostet aber. Wäre es da nicht naheliegend, dass auch der Tamedia-Leser die Honorierung von solchem Unfug verweigern dürfte? So als Anregung Richtung Supino.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-04-13 05:00:232023-04-12 14:29:15Mario Stäuble
René Zeyer

Gesinnung statt Meinung

21. November 2020/1 Kommentar/in Allgemein, Meinung/von René Zeyer

Zum Trio Infernal des Elendsjournalismus gehört der Kommentar.

Die Verarbeitung von Listen, die Erstellung von Rankings und der Faktencheck sind schon mal zwei Elendsgebiete des aktuell auf der Intensivstation liegenden Journalismus.

Zusammen mit Agenturmeldungen, zusammen mit Einheitssauce aus Zentralredaktionen, zusammen mit der Übernahme ausländischer Korrespondentennetzen, zusammen mit der Einsparung des Lokaljournalismus sind das deutlich sichtbare Krankheitssymptome.

Auch die schöne, alte Tradition, dass der Journalist die Käfighaltung in seinem Grossraumbüro, Pardon, im «Newsroom», verlässt, um seiner Aufgabe nachzugehen, wozu, es gibt doch Google, Videokonferenzen und auch das gute alte Telefon.

Von nichts eine Ahnung, zu allem eine Meinung

Zudem: Rausgehen kostet, vernichtet viel kostbare Zeit, die der Redaktor besser verwendet, indem er mindestens drei Online-News und noch Beigemüse rauspustet. Reportage ist sowieso so was von gestern. Heute ist: übernehmen, schütteln, anreichern und kürzen, und rein damit, ein neues Stück Qualitätsjournalismus.

Aber neben all dem, und etwas Aufmunterung muss ja sein, wuchern auf einem Gebiet die Erzeugnisse, als gäbe es keine Medienkrise. Dieses Gefäss kommt auch der Grundeinstellung jedes Journalisten entgegen. Denn er hat ja eigentlich von nichts eine Ahnung, weiss aber dennoch alles besser.

Stellen wir uns nur einmal vor, in welch paradiesischer Welt wir leben würden – wenn die Welt nur auf die Meinungen und Kommentare der Journalisten hören würde. Wir lebten dann in der beste aller Welten, von der schon Leibniz träumte. Wer war das schon wieder? Egal, viel wichtiger ist:

Würde die Welt nur auf die Journalisten hören

Trump? Hätte es nie gegeben. Flüchtlingskrise? Das Wort wäre nie geboren worden. Pandemie? Die wäre schon längst und eigentlich geräuschlos verschwunden. Entscheidungen von Politikern, Unternehmensführern, überhaupt von mächtigen Menschen? Selten gut, selten richtig.

Meistens «hätte man», «müsste man endlich», wäre es «höchste Zeit», ist es geradezu «uverständlich», ja «fahrlässig», schlichtweg «falsch», mindestens «kurzsichtig». Aber das ist ja längst nicht alles. Hier geigt der Journalist unermüdlich allen und der Welt, was alles falsch gemacht wird, was dringend anders gemacht werden müsste.

Soweit, so schlecht. Jeder darf haftungsfrei und verantwortungslos was reinbellen. Wenn er ein Megaphon dafür hat, umso besser. Aber in den letzten Jahren, seit die Welt immer unübersichtlicher geworden ist, multipolarer, wie man das akademisch nennt, Philosophen sprechen sogar von einer überkomplexen Wirklichkeit, steigt gleichzeitig das starke Bedürfnis nach Orientierung. Nach Koordinatensystemen beim Kartographieren dieses chaotischen Haufens namens Erde.

Nur eine Meinung? Nein, eine Gesinnung

Und, so ist der Mensch, umso einfacher, desto lieber. Also ja nicht zu kompliziert; die Welt ist es schon genug. Es muss einfach und klar sein. Wie macht man das? Na, einfach: indem man in dem Kommentar nicht einfach zwischen richtig und falsch unterscheidet. Sondern dahinter Gesinnungen denunziert.

Jemand, der zum Beispiel auch gute Eigenschaften bei Trump sieht, der liegt nicht einfach damit falsch. Ist nicht einfach ein Depp. Also einer von 70 Millionen Deppen, die ihn doch tatsächlich wiederwählen wollten. Nein, wer das sagt, zeigt damit seine Gesinnung. Er meint nicht einfach etwas – ob richtig oder falsch –, er ist etwas.

Und zwar nichts Angenehmes. Er hat noch Schwein, wenn er mit der Qualifizierung «Populist» davonkommt. Schreckt er nicht vor weiteren Dummheiten zurück, entwickelt er sich zu einem Rassisten, Rechtsradikalen, Verschwörungstheoretiker, Neo- oder Altnazi, Fremdenfeind, kurz: zum Unmenschen.

Die Sicherheit des unfehlbaren Urteils

Woher nimmt denn der Kommentator die Sicherheit seines unfehlbaren Urteils? Nun, er speist es aus zwei Quellen. Dem tiefsitzenden Frust, dass er (und seine Meinung) immer unwichtiger werden. Dass es selbst dem «Spiegel» nicht gelingt, Trump «wegzuschreiben», wie es seine erklärte Absicht war. Das ist natürlich bitter, wenn der weltverändernde Kommentar nicht mal mehr von Kollegen gelesen wird.

Die zweite Quelle ist die unfehlbare Sicherheit aus moralischer Überlegenheit. Wer weiss, was gut und böse ist, weiss auch, wo das Böse lauert und dass man dem im Kampf fürs Gute sofort und streng Einhalt gebieten muss. Wobei klar ist: Böses sagt man nicht einfach so. Böses sagen nur böse Menschen. Schlechte Menschen. Unbelehrbare Menschen. Deshalb muss man sich auch gar nicht inhaltlich mit ihnen auseinandersetzen. Kategorisieren reicht, dann kann es nur noch darum gehen, diese Gesinnungslumpen aus dem öffentlichen Diskurs auszuschliessen.

Rein in die Framing-Kiste

Erkenntnis durch Debatte, Streitgespräche, das Aufeinanderprallen angeschärfter Argumente? Ach was, das ist so old school wie eine Reportage. Und überhaupt, wie soll man sich denn in 15 Minuten mit einer anderen Meinung auseinandersetzen können? Dann muss der Kommentar nämlich fertig sein. Also rein in die Framing-Kiste: Wer das sagt, der ist das. Und mit dieser Gesinnung sollte er möglichst schnell einfach die Schnauze halten. Der Böse.

https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg 0 0 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2020-11-21 08:00:432020-11-20 16:53:29Gesinnung statt Meinung
René Zeyer

Der Corona-Journalist, Teil I

30. Oktober 2020/3 Kommentare/in Allgemein, Medienschelte/von René Zeyer

Neue Lage, neue Gattung: keiner zu klein, Fachmann zu sein.

Wie wusste Hölderlin schon so richtig: «Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.» Bevor nun gegoogelt wird: nein, das war kein Corona-Fachmann; nur so ein deutscher Dichter.

Allerdings hätte er sich unter dem Rettenden wohl nicht die aktuelle Entwicklung in den Medien vorgestellt. Denn während noch im Januar dieses Jahres wohl 99 Prozent aller Journalisten auf das Stichwort Corona geantwortet hätten: «ah, das Bier mit dem Zitronenschnitz», ist das heute anders. Ganz anders.

Jeder, der sich berufen fühlt, ist inzwischen zum Epidemiologen, Virologen, Corona-Virus-Kenner, Testspezialisten und vor allem zum Warner, Mahner und wackelndem Zeigefinger herangereift. Unabhängig von Alter, Geschlecht und Vorbildung.

Wenn alle davon reden, müssen alle Journalisten mitreden

Ob gelernter Taxifahrer, abgebrochener Germanist, promovierter Soziologe, Maturand auf dem zweiten Bildungsweg, Kursbesucher des MAZ: spielt überhaupt keine Rolle. Wenn alle von Corona reden, müssen alle Journalisten mitreden.

Wenn der Oberchefredaktor, also Patrik Müller (Betriebswirtschaftslehre, Handelsschuldiplom), Arthur Rutishauser (Doktor der Volkswirtschaft), Eric Gujer (Geschichte, Politikwissenschaft und Slawistik) oder Christian Dorer (B-Matur, Grundstudium Wirtschaft) das Wort ergreifen, schweigt natürlich der Plebs* und studiert fleissig die geäusserten Positionen.

Sobald das klar ist, kann losgelegt werden. Zum Beispiel, wenn der Bundesrat neue Massnahmen verkündet, aber keinen Lockdown. «Nicht fünf vor zwölf, sondern High Noon», lässt die NZZ Filmbildung erkennen, überhaupt sei der Bundesrat viel zu zögerlich unterwegs. Riskante Strategie, der BR folge der Wirtschaft, das Risiko trügen die Schwächsten, barmt sich der «Tages-Anzeiger».

«Totales Versagen» wird gerne genommen

Wie es sich gehört, poltert «Blick»-Oberchef Christian Dorer kräftiger, er konstatiert ein «totales Versagen» von BR und Kantonsregierungen, aber immerhin, jetzt sei das Minimum beschlossen worden. Patrik Müller räumt ein, dass es noch nicht zu spät sei, also der Schweizuntergang noch aufgeschoben sei, allerdings sei die Verkümmerung des kulturellen und sozialen Lebens beklagenswert.

Ich fasse zusammen: Versager, Zauderer, Minimalisten, wirtschaftshörig, Zeichen der Zeit nicht erkannt, riskieren für die Wirtschaft das Leiden der Schwächsten.

Wenn das so wäre, müssten wir uns wieder einmal schämen. Schämen, dass wir eine solche Versagertruppe als Bundesrat haben. Dass wir solche Versager in die Kantonsregierungen gewählt haben. Wir könnten sicherlich ruhiger schlafen und der Pandemie viel gelassener entgegenblicken, wenn wir eine Notregierung aus diesen vier Chefredaktoren bilden würden, unterstützt von ihrer Bodenmannschaft, die auch alles über Corona weiss.

Beschädigtes Vertrauen allenthalben

Die Kakophonie der Wissenschaftler mitsamt Kassandra-Rufen beschädigt die Glaubwürdigkeit und die Reputation. Die Rechthaberei und Zurechtweisung der Medien, völlig verantwortungs- und haftungsfrei, beschädigt die Glaubwürdigkeit und Reputation.

Wenn sich jeder Journalist als wissenschaftlicher Scheinriese fühlt, der genau weiss, welche Massnahmen wann und wie ergriffen werden müssten, aber eben, leider hört man nicht auf ihn, dann versagt die Vierte Gewalt wieder einmal krachend in ihrer Kernaufgabe: informieren, analysieren, einordnen, Auslegeordnung machen, die Entscheidungsfindung des Lesers befördern.

Ich (promovierter Germanist und Historiker) kenne mich nur mit vier Dingen aus: Worten, Zahlen, logischen Zusammenhängen und Deduktionen. Dazu äussere ich mich, zu Dingen, für die ich nicht die nötige Qualifikation habe, schweige ich. Damit minimiere ich zumindest die Gefahr, die von mir ausgeht. Wachsendes Rettendes sehe ich allerdings nicht.

* In einer ersten Version war Plebs falsch geschrieben.

https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg 0 0 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2020-10-30 08:00:212020-10-30 22:36:09Der Corona-Journalist, Teil I

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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