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Skandal um Skandal um Skandal

Die Zürcher Staatsanwaltschaft will sich demontieren.

Der Skandal um die Herzchirurgie am Unispital Zürich weitet sich nochmals aus.

Zum Thema «Todesfalle Unispital» hat ZACKBUM bereits umfangreich berichtet. Oder die Berichterstattung von Lukas Hässig auf «Inside Paradeplatz» übernommen.

Durch eine umfangreiche Recherche hat gerade die deutsche «Welt am Sonntag» den versammelten Schweizer Pseudo-Investigativjournalisten – und der Öffentlichkeit – gezeigt, was hier alles wahrhaft kriminell ablief.

Es ist eine Kette von Versagen über alle Kontrollinstanzen hinweg bis hinauf zur obersten Verantwortlichen, der Regierungsrätin Natalie Rickli. Auch sie zeichnet die ungeheuerliche Arroganz aus, mit der bislang alle Verantwortlichen versuchten, den Skandal auszusitzen, zu vertuschen, kleinzureden, wegzudrücken. Nach dem erschütternden Artikel in der WamS ging Rickli nicht etwa in sich, sondern verlangte nassforsch eine «Richtigstellung», die natürlich abgelehnt wurde.

Die einzige Lichtfigur in diesem völligen Desaster ist der Herzchirurg Paul Vogt, der sich breitschlagen liess, an der Herzklinik aufzuräumen. Das brachte ihm von den intriganten Überlebenden der Maisano-Clique eine Strafanzeige ein.

Den Prozess mit seinem dröhnenden Freispruch benützte Vogt dazu, nochmals auf die über 150 ungeklärten Todesfälle hinzuweisen, die in der Ära seines Vorgängers stattgefunden hatten.

Alleine diese (im übrigen wohldokumentierte) Anschuldigung hätte schon längst die Zürcher Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen müssen. Denn nicht nur ein einzelner, gar 150 ungeklärte Todesfälle sind ein potenzielles Verbrechen, dem mit aller Energie nachgegangen werden muss. Müsste.

Nun ist die Staatsanwaltschaft endlich tatsächlich tätig geworden. Denn ihr reicht die dröhnende Ohrfeige nicht, die ihr von der Bezirksrichterin verabreicht wurde, die Vogt über jeden Zweifel erhaben freisprach.

Gegen diese Urteil hat die Staatsanwaltschaft tatsächlich Rekurs eingelegt und zieht es ans Obergericht Zürich weiter.

Das ist in diesem wilden Reigen von Skandalen ein weiterer, der dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt. Damit verbrät die Staatsanwaltschaft ungeniert und sinnlos Steuergelder und belästigt das Obergericht mit einem Fall, der bereits vollständig aufgeklärt ist und wo es nicht das Fitzelchen eines Restverdachts gibt, dass eine angebliche Urkundenfälschung stattgefunden haben könnte.

Wo sie nicht tätig werden sollte, wird sie es – wohl aus gekränkter Eitelkeit. Wo sie aber zweifellos und unbedingt tätig werden müsste, wird sie es nicht.

Hier gibt es eine von intriganten und anonym bleibenden Spitalangestellten mutwillig eingereichte Strafanzeige. Die zu einer Strafuntersuchung führte, zu einer Anklage – und einem erstklassigen Freispruch. Dagegen rekuriert die Staatsanwaltschaft.

Dort gibt es seit Jahren unaufgeklärte Todesfälle in der erschreckenden Höhe von 150 Menschenleben. Dort gibt es möglicherweise strafbare Verletzungen von Aufsichtspflichten. Dort gibt es das Versagen aller Beteiligten, die schon zuvor von einem Whistleblower und dann von Prof. Vogt in aller Deutlichkeit über diese Ungeheuerlichkeit informiert wurden – und ausser einer Pseudountersuchung nichts, schlichtweg nichts taten. Ausser alles, um den Skandal unter dem Deckel zu halten.

Welchem dieser beiden Verdachtsfälle auf strafbare Handlungen sollte eine verantwortungsbewusste Staatsanwaltschaft nachgehen?

Das sollte keine Frage sein, aber ihre Beantwortung durch die Zürcher Staatsanwaltschaft ist skandalös. Ungeheuerlich. Verstörend.

Kriminell

Welche Versagen aller Orten beim Skandal um die Uniherzklinik.

Am 30. Juni liess die «Welt am Sonntag» eine Bombe platzen. Unter dem Titel «Ein Gewinn fürs Herz» rollte sie nochmals den Skandal an der Herzklinik des Unispitals Zürich auf. Auf 35’000 A seziert das deutsche Blatt die unglaublichen Zustände in Zürich.

Es ist eine Anhäufung von Skandalen, wie sie die Schweiz bislang nicht gekannt hat. Im Zentrum des Skandals steht der Mediziner Francesco Maisano. Obwohl nicht mal im Besitz eines Doktortitels, wurde er zum Professor und zum Leiter der Zürcher Herzklinik am Unispital gemacht. Dort wandte er seine angeblich revolutionäre Erfindung, das sogenannte Cardioband, an.

Dabei spielte er mit dem Leben seiner Patienten, aus reiner Geldgier offensichtlich. Denn diese fatale Erfindung verkaufte er gewinnbringend an einen US-Multi. Der dann aber die zweite Tranche der vereinbarten Zahlung von insgesamt 690 Millionen Dollar nicht überwies: es hatte sich längst herausgestellt, dass diese Erfindung Pfusch war.

Dennoch konnte Maisano jahrelang unbehelligt wüten, geschützt von der Spitalleitung, während die politisch Oberverantwortliche von nichts wusste, nichts hörte, nichts sah. 150 ungeklärte Todesfälle müssten aufgearbeitet werden, eine ungeheuerliche Zahl.

Der zweite Skandal besteht darin, dass es einen Whistleblower gab, der die Führung des Unispitals «vertraulich, schriftlich und detailliert» über die kriminellen Machenschaften an der Klinik in Kenntnis setzte. Auf 43 Seiten «beschreibt Plass exemplarisch und in medizinisch-analytischer Präzision das Schicksal von Opfern Maisanos, von schwer Geschädigten, von Toten». Einzige Konsequenz: er wurde entlassen. Der Whistleblower, wohlgemerkt.

Cliquenwirtschaft, turmhohe Mortalität, der Chefarzt operiert ins Elend, es werden erfundene Posten verrechnet: «Ein Ermittlungsbericht hält fest, es seien „interdisziplinäre Arztgespräche im Wert von 2,5 Millionen Franken abgerechnet worden, die nie stattgefunden hatten“», schreibt die WamS.

Und dann zitiert sie aus einem bislang nicht veröffentlichten Bericht einer Arbeitsgruppe, die aus 24 Professoren und leitenden Ärzten besteht. Es ist ein Dokument des Grauens. Unter Maisano war die Sterberate massiv gestiegen, «zehn bis fünfzehn mal höher als in vergleichbaren Kliniken in der Schweiz oder in Deutschland».

Und: «Besonders schockierend die Bilanz der Herztransplantationen mit tödlichem Ausgang: von zwölf Prozent 2016 sei sie unter Maisano auf 50 Prozent im ersten Halbjahr 2020 gestiegen

Von einem ganz anderen Kaliber ist der Herzchirurg Paul Vogt, der sich 2020 breitschlagen liess, das Schlamassel aufzuräumen, das Maisano hinterlassen hatte. Gegen den erbitterten Widerstand der Reste seiner Seilschaft und gegen die Unileitung.

Vogt liess sich nicht einschüchtern, auch ihm wurde eine Intrige angehängt, sogar eine Strafanzeige. Sein Freispruch vor dem Bezirksgericht war nicht erster Klasse, er war ein vernichtendes Urteil gegen alle Vorgesetzten und Verantwortlichen. So sagte die Richterin: «„Herr Vogt, Sie haben unter sehr schwierigen Verhältnissen versucht, diese Herzklinik wieder dorthin zu führen, wo sie hingehört.“ Sie hoffe, der Freispruch wirke versöhnlich auf ihn.»

Vogt hatte schon bei seinem Stellenantritt Klartext gesprochen:

«Vogt trug den Klinikchefs vor, es bedrückten ihn all die „Toten und die schweren Komplikationen“. Und dass der Satz „Patienten sind keine zu Schaden gekommen“, mit dem die Leitung der Uniklinik zu Maisanos Zeiten versucht habe, die Öffentlichkeit zu beschwichtigen, „auf keine erdenkliche Art und Weise haltbar ist“. Dieses Statement des USZ sei „schlicht gelogen“. Dann ließ Vogt seinen neuen Arbeitgebern eine Kampfansage zukommen: „Ich werde nicht schweigen zu den Toten.“ »

Das tat er dann erst an diesem Prozess vor wenigen Wochen; dort sprach Vogt in aller Offenheit von rund 150 ungeklärten Todesfällen. Nachdem die Klinikleitung tapfer alles ausgesessen hatte, will sie nun nochmals eine «Taskforce» einsetzen, die im Herbst mit der Arbeit beginnen soll. Ein Hohn, der nächste Skandal.

Denn hier geht es eindeutig um strafbare Handlungen schwerster Art, die Staatsanwaltschaft hätte schon längst tätig werden müssen. Die oberste Verantwortliche für diesen Skandal, die Zürcher Regierungsrätin und Vorsteherin der Gesundheitsdirektion, Natalie Rickli, muss zurücktreten.

Es gibt noch einen letzten Skandal. Obwohl der «Tages-Anzeiger» ein wenig und vor allem der Finanzblog «Inside Paradeplatz» immer wieder über diesen Skandal berichtet hat, muss eine deutsche Zeitung vorführen, was eine sorgfältige Recherche ist, eine deutsche Zeitung gräbt diesen bislang unter Verschluss gehaltenen Bericht aus, der nochmals bestätigt, dass am Unispital unhaltbare Zustände herrschten.

Was hier auf Kosten von Patienten getrieben wurde, ist kriminell. Das Versagen aller Aufsichtsbehörden, die Maisano sogar noch mit Lobliedern verabschiedeten, ist abstossend. Die Verantwortung der zuständigen Politikerin ist evident.

Ob etwas passieren wird? Bei dem hier immer noch existierenden Zürcher Filz, bei der quallenartigen Geschmeidigkeit der Führungspersonen, bei der ärztlichen Kumpanei, ja nichts Böses über einen Kollegen zu sagen, ist das zu bezweifeln.

Die Reaktion Ricklis, sie verlangte von der WamS «Richtigstellungen», die sie nicht bekam, lässt Übles ahnen.

In all diesem Elend ist besonders beelendend, dass keines der Leitmedien der Schweiz richtig recherchierte, dass all die Angeber in den Recherchedesks und all die «investigativen» Journalisten – auch und gerade bei SRF – sich von deutschen Journalisten vorführen lassen, während sie selbst wohl bedauern, dass seit den «Pandora Papers» keine Hehlerware mehr ausgeschlachtet werden kann.

Hier wäre die sogenannte vierte Gewalt wirklich mal gefordert gewesen. Sie hat genauso kläglich versagt wie die Spitalleitung bis hinauf zu Regierungsrätin Rickli.

Gibt es in Zürich denn auch in der Staatsanwaltschaft niemanden mehr, der angesichts dieser hochkriminellen Machenschaften Handlungsbedarf sieht? Sind inzwischen 150 ungeklärte Todesfälle höchstens ein Antragsdelikt? Ein Kavaliersdelikt?

Das wollen wir nicht hoffen …

 

«Köpft den Boten»-Rickli

Das ist nicht frauenfeindlich. Aber unfreundlich gegenüber der Regierungsrätin.

«Inside Paradeplatz» gebührt, wie bei so vielem, die Ehre, dass der Finanzblog zuvorderst dabei ist, wenn es um die Aufarbeitung des Skandals an der Herzchirurgie des Universitätsspitals Zürich geht.

IP hat aufrüttelnde Beiträge des damaligen Whistleblowers publiziert, der als Erster den Skandal meldete – und zum Dank dafür entlassen wurde. IP hat dem Herzchirurgen Paul Vogt das Wort erteilt, der versuchte, das unglaubliche Schlamassel aufzuräumen – und dafür übel intrigiert und gemobbt wurde. Der reputierte Herzchirurg sah sich im Sperrfeuer von Heckenschützen, die sogar eine Strafanzeige gegen ihn einreichten.

Vor Kurzem wurde er mit Pauken und Trompeten freigesprochen. Er benützte die Gelegenheit, nochmals darauf hinzuweisen, dass es am Unispital zu bis zu 150 ungeklärten Todesfällen kam. Weil sein Vorgänger ein Kardioband ausprobierte, dessen Wirkung mehr als zweifelhaft ist.

Nichtsdestotrotz war Herzchirurg Maisano am Verkauf der Herstellerfirma beteiligt, die für 700 Millionen einem US-Multi aufs Auge gedrückt wurde. Der zahlte allerdings nur 300 Millionen und hielt die zweite Tranche zurück – wegen offensichtlicher Mängel des Produkts.

Also ein veritabler Skandal übelster Art. Die Spitalleitung versuchte krampfhaft, den Deckel draufzuhalten. Die oberste Aufseherin über das Spital ist Natalie Rickli. Vogt hatte alle zuständigen Stellen bereits kurz nach seinem notfallmässigen Antritt als neuer Leiter im Jahr 2020 über diese Häufung von Todesfällen informiert.

«Er würde nicht den Kopf hinhalten für die vielen Verstorbenen in der Zeit seines Vorgesetzten», schreibt IP. Nach dem Prozess, also 2024 (!), hat sich die Spielleitung dazu bequemt, nochmals eine Untersuchung einzuleiten. Vielleicht wird sie endlich klären, wann Gesundheitsministerin und Regierungsrätin Rickli über den Skandal im Bild war. Auf jeden Fall schickte ihr Vogt im März 2022 ein langes Mail mit vielen Informationen und dass bei bestimmten chirurgischen Eingriffen unter Maisano die Mortalitätsrate auf 13 Prozent hochgeschnellt war, jenseits von Gut und Böse.

Aber:

«Auf einen Online-Bericht zum Prozess und den dort von Vogt geäusserten 150 Toten meinte ein Sprecher von Ricklis Gesundheitsdirektion:
Es würde sich um „alte Geschichten“ handeln, die der Tages-Anzeiger „immer wieder aufwärmt und die allesamt erledigt“ seien.»

So weit, so schlecht. Wird Rickli nun endlich aktiv? Oh ja. Sie verklagt «Inside Paradeplatz». Der solle seinen Bericht löschen, widrigenfalls 10’000 Franken Genugtuung spenden. Dafür hat sich Rickli der Dienste der einschlägig bekannten umtriebigen «Medienanwältin» Rena Zulauf versichert. Die hat bereits mit recht durchwachsenem Erfolg Jolanda Spiess-Hegglin (in einem Punkt gewonnen, alles andere verloren) oder Patrizia Laeri (an zwei Gerichten gleichzeitig in der gleichen Sache geklagt) vertreten.

IP wirft zudem noch die Frage auf, wieso eigentlich weder Spital noch Uni am exorbitanten Verkaufserlös des Cardiobands beteiligt wurden, wie das üblich ist. Die Institutionen behaupten, «dass sie keinen Anteil an der Erfindung und Entwicklung des Cardiobands von Maisano bis zu dessen lukrativen Verlauf gehabt hätten».

Dem stellt Lukas Hässig eine Aussage des damaligen CEO des Unispitals entgegen, der verkündete im Jahr 2016: „Am USZ entwickelt wurde beispielweise auch das Cardioband.

Während also Hässig am Ball bleibt und das macht, was die Mainstreammedien grösstenteils verschnarchen – nämlich immer wieder auf einen längst nicht aufgearbeiteten Skandal hinzuweisen, hat Regierungsrätin Rickli, statt sich endlich um ihre eigentliche Aufsichtspflicht zu kümmern, nichts Besseres zu tun, als IP einzuklagen.

Und wer berichtet über diesen Skandal im Skandal? Tamedia? Ach was, anderes zu tun, Stichwort Frauenstreik, Stichwort Pride. CH Media? Nö, kä Luscht. Immerhin die NZZ moniert: «Es ist ein Vorgehen, das den gewohnten Rahmen sprengt. Eine Regierungsrätin ergreift rechtliche Schritte gegen einen Journalisten

Auch wenn Hässig bei einem Datum ein Fehler unterlaufen ist: angesichts dieser ungeheuerlichen Vorwürfe gegen das Unispital wegen einer angeblichen «Persönlichkeitsverletzung» der Regierungsrätin mit Steuergeldern (Zulauf ist teuer) auf  den One-man-Blog vorzugehen, das ist jämmerlich.

 

Corona sei Dank

Am Unispital Zürich geht es zu und her wie in einer Metzgerei. Skandal nach Skandal. Segelt aber unter «ferner liefen».

Es gibt die (wenigen) Guten in diesem unglaublichen Skandal. In erster Linie ist das Professor Paul Vogt. Als es Anfang dieses Jahres nicht gelang, anschwellendes Gemurmel bezüglich der Herzklinik des Uni-Spitals und ihres damaligen Leiters unter dem Deckel zu halten, liess sich die Spitalleitung mühsam zu einer externen Untersuchung tragen.

Als dann verdienstvollerweise der «Tages-Anzeiger» und «Inside Paradeplatz» immer tollere Stücke aus diesem Tollhaus veröffentlichten, sah sich die Spitalleitung gezwungen, ihren bis dahin hochgelobten Herzchirurgen, weltbekannten Experten, hochangesehenen Professor Dr. Francesco Maisano, zu beurlauben. Nur für die Zeit der Untersuchung, die dann, Überraschung, ein paar kleine Fehler fand, aber eigentlich nichts Gravierendes.

Was einer alleine alles ausrichten kann

Aber während die Spitalleitung bis hinauf ins Kontrollgremium Spitalrat meinte, in Vogt einen stillen Verwalter in Notzeiten gefunden zu haben, täuschte sie sich schwer. Denn der stiess innert kürzester Zeit auf einen ganzen Berg von Schweinereien. Was Operationen, den Einsatz eines nutzlosen Ersatzteils, das aber von einer Firma hergestellt wird, an der Maisano beteiligt war, aber auch, was finanzielle Ungereimtheiten betrifft.

Was die Spitalleitung falsch eingeschätzt hatte: Vogt ist nicht nur völlig unabhängig, er ist auch ein Arzt, dem es nicht in erster Linie um das Wohl seines Portemonnaies geht, sondern um das der Patienten. Also setzte er die Spitalleitung so lange unter Druck, bis die die Beurlaubung Maisanos auf unbestimmte Zeit verlängerte.

Was den aber nicht daran hinderte, unter Ausnützung seiner Seilschaften an der Klinik, weiterhin sein Büro und die Infrastruktur zu benützen. Schliesslich räumt Vogt weiter auf; es gibt einen Exodus von rund 10 Maisano-Anhängern, der ehemalige Klinikdirektor wird dann fristlos gefeuert und es wird Strafanzeige wegen Urkundenfälschung gegen ihn eingereicht. Es besteht der Verdacht, dass Maisano Patientenakten manipuliert haben soll.

Ein völlig überforderter Spitalratspräsident

Dass der Whistleblower, der den ganzen Fall ins Rollen brachte, zuerst entlassen wurde, dann wieder eingestellt, dann nochmals entlassen, das ist nur eine Groteske am Rande. Nachdem sich der völlig überforderte Spitalratspräsident Martin Waser zunächst mit dem üblichen «es wurden Fehler gemacht» aus der Verantwortung stehlen wollte, muss er unter zunehmendem Druck zurücktreten.

Scherbenhaufen neben Scherbenhaufen; auch andere Klinikdirektoren sollen sich unrechtmässig bereichert haben, wurden entweder stillschweigend entsorgt oder zum Rücktritt getragen. Der Fall Maisano ist noch längst nicht abgeschlossen. Neben möglichen Operationsfehlern mit tödlichen Folgen, was zu unabsehbaren Haftungsfolgen führen wird, ist es auch nur dem Insistieren des Sohnes einer in der Herzklinik verstorbenen Patientin zu verdanken, dass sich an ihrer horrenden Rechnung bestätigte, was vorher schon vermutet wurde.

Krankenkasse zahlt, also kann abgezockt werden

Dass es zum guten Brauch, nicht nur an der Herzklinik, gehört, dass Ärzte sich für Operationen einschreiben, die sie gar nicht selbst durchführen. Dass sie an Besprechungen teilnehmen, die dann vierstellig in Rechnung gestellt werden, obwohl sie nicht gleichzeitig an vier oder mehr Meetings teilnehmen könnten oder sicher nicht sieben Stunden eines Arbeitstags damit verbrachten.

Das alles führte im Fall dieser betagten Patientin, über die noch beratschlagt wurde, als sie bereits im Koma lag, zu einer Gesamtrechnung von fast 200’000 Franken. Inklusive Eingriffen, Operationen, die von Fachleuten als völlig überflüssig taxiert werden. Aber das Problem ist: Krankenkasse zahlt, Kanton St. Gallen als Überweiser zahlt, dem Sohn blieb ein Selbstbehalt von lediglich 100 Franken.

Deswegen macht normalerweise niemand ein Büro auf, aber hier ging es einmal einem Unternehmer ums Prinzip. Alleine schon, um Einsicht in die detaillierte Rechnung zu bekommen, musste er einen Regierungsratsentscheid aufbieten; das Spital weigerte sich.

Ein Riesenskandal auf kleiner Flamme gekocht

Alles in allem ein Riesenskandal. Ein völlig unfähiges Kontrollgremium, das wie viele solcher staatlich dominierter Aufsichtsräte nicht nach Kompetenz, sondern nach Parteibuch und Seilschaften besetzt wird. So kam ein Waser, ehemaliger Lehrer und Stadtrat für Schulen, zu diesem Amt, da man noch ein Abklingbecken bis zur Pensionierung für ihn brauchte – mit einem netten jährlichen Salär.

Bislang im Amt halten konnte sich der Spitaldirektor Gregor Zünd. Er laviert geschickt damit, dass die unmögliche Struktur des Spitals – eine Kreuzung zwischen Uni Zürich und Kanton Zürich, ihm gar nicht die Möglichkeit gäbe, richtig durchzugreifen. Dann noch die Leier von bedauerlichen Einzelfällen, durchaus Handlungsbedarf, aber das sei oberhalb seiner Gehaltsklasse.

Maisano fuhr gewaltige Geschütze auf

Maisano zeigte zusätzlich, was man heutzutage alles auffahren kann, wenn man genügend Geld aufwirft. Er liess sich ein ihn völlig entlastendes Gutachten erstellen, mit dem er sich als unschuldiges Opfer darstellen konnte. Er motivierte die «Weltwoche» dazu, eine mehrteilige Kampagne gegen seinen Nachfolger und für Maisano zu fahren, der hier auch als Opfer finsterer Machenschaften verteidigt wurde.

Bis immer mehr Ungereimtheiten zum Vorschein kamen und die WeWo abrupt in ihrem Kreuzzug pro Maisano stoppte und verstummte. Ebenso wie die Solidaritätsadressen versiegten; nur das Kantonsspital St. Gallen war so blöd, sich stramm hinter Maisano zu stellen.

Anhaltend kranke Zustände am Spital

Also alles in allem ein anhaltender Skandal. Das wichtigste Spital des Kantons Zürich ausser Kontrolle. Versagen auf allen Ebenen. Gefährdung des Patientenwohls, Ärzte als gierige Beutelschneider zum Wohl der eigenen Geldbörse. Unfähige Aufsicht, unfähiger CEO, und was passiert? Ein paar Rücktritte, ein paar übliche Ankündigungen – und die berechtigte Hoffnung, dass man das aussitzen kann.

Corona sei Dank. Denn wenn das Unispital in den Medien auftaucht, dann als Mitsänger im Chor, dass dringend die Fallzahlen gesenkt werden müssten, man sei wieder an der Kapazitätsgrenze, schon erste Operationen mussten verschoben werden.

Missmanagement, über Jahre hinweg geduldet, offener Betrug auf Kosten der Krankenkassen und des Steuerzahlers? Jahrelang geduldet. Versagen aller Kontrollinstanzen und der Spitalleitung? Jahrelang geduldet. Abhilfe in Sicht? Nicht mal am Horizont. Corona sei Dank.

Praktisch keine Eigenleistung der Medien

Und den Medien, die auch hier weitgehend ihre Funktion als vierte Gewalt eingebüsst haben. So aufsehenerregend auch die Enthüllungen im Tagi und auf «Inside Paradeplatz» waren: Das war alles angefüttert, zugehalten. Keine Eigenleistung. Ausser vielleicht, sich juristisch abzusichern.

Genauso machte es Maisano auf der anderen Seite. Er beschäftigte sogar eine der üblichen, sackteuren und völlig ineffizienten Agenturen, die zunächst eine Riesenstrategie entwickeln, einen nicht minder riesigen Vorschuss kassieren, um dann kläglich zu versagen. Und die übrigen Medien machten das, was sie inzwischen am besten können: copy/paste.