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Creditli Suissli

Gibt es in der Schweiz momentan ein wichtigeres Thema als die CS?

Hat denn niemand Erbarmen mit der Nummer zwei im Schweizer Banking? Die Aktie steht bei rund 5,5 Fränkli. Aus der einstmals stolzen Credit Suisse ist ein Bänkli geworden. Ein Credit Suissli. Ein Scheinriese.

Aber die Medien haben weitgehend vermeintlich Wichtigeres zu tun als die «too big to fail»-Bank mit ihren «too big to jail»-Bankern unter die Lupe zu nehmen.

Wie geht’s in der Ukraine weiter? Müssen wir nächsten Winter frieren? Wird der Flug in die Ferien gestrichen? Brauche ich heute Sonnencreme oder den Regenschirm?

Wichtige und gewichtige Fragen. Darüber sollte man aber nicht ausser Acht lassen, dass sich bei der immerhin zweitgrössten Bank der Schweiz Schlimmes tut. Die Bank ist so gross, dass sie «too big to fail» ist. Sie hat eine Staatsgarantie, dass ihr im Fall der Fälle geholfen wird. Weil sie angeblich systemrelevant sei. Also ein möglicher Zusammenbruch hätte dermassen gravierende Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft, dass man ihr vorher mit Steuergeldern unter die Arme greifen würde.

Vieles deutet darauf hin, dass die Bankführung sich aus diesem Grund am liebsten mit Geldzählen beschäftigt. Mit dem Zählen des eigenen Geldes natürlich. Denn der gesammelte und millionenteure Sachverstand von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat kann seit Jahren nur einen einzigen Erfolg melden: seine Gehälter bleiben turmhoch – während sich die Probleme turmhoch stapeln und der Aktienkurs nur eine Richtung kennt.

Der Aufschrei bleibt aus

Gerade hat er mal wieder einen absoluten Tiefststand erreicht; zeitweise lag er bei 5.44 Franken. Das müsste eigentlich einen Aufschrei auslösen, nicht nur bei den gebeutelten Aktionären. Denn im Fall der Fälle wird jeder eidgenössische Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Man muss versuchen, sich diesen Wertzerfall plastisch vorzustellen. Ein Kaffee creme in einem teuren Kaffee kostet gleichviel. Etwas mehr als zwei Liter Benzin tanken kostet gleichviel. Für einen Fünfliber und eine Fünfzigermünze bekommt man eine CS-Aktie. Was bedeutet das noch?

Auf Banglisch gibt es den Begriff «price to book». Das vergleicht den Börsenwert einer Bude mit dem Bilanzwert, also dem, was in ihren Büchern an Werten vorhanden ist. Normalerweise sollten diese beiden Werte einigermassen übereinstimmen.

Bei der UBS beträgt dieses Verhältnis 0,9. Das bedeutet, man kann von einer fairen Börsenbewertung sprechen. Bei der CS sind es ganze 0,29. Das bedeutet, dass ihr Börsenwert rund 70 Prozent unter ihrem Buchwert liegt. In absoluten Zahlen beträgt er noch 14 Milliarden Franken.

Zum Vergleich: selbst die zurzeit arg gebeutelte Partners Group hat eine Marktkapitalisierung von über 23 Milliarden Franken. Zudem: hier arbeiten rund 1500 Angestellte, bei der CS sind es 50’000. Eine UBS-Aktie kostet rund 15 Franken, deren Börsenwert liegt bei 55,75 Milliarden. Auch noch ein Klacks im Vergleich zu richtig grossen Banken. Die Bank of America zum Beispiel bringt fast 260 Milliarden US-Dollar auf die Börsenwaage. JP Morgan Chase sagenhafte 335 Milliarden.

Wieso kauft keiner das Schnäppchen?

Dagegen ist die CS ein Schnäppchen, das diese Banken aus der Portokasse kaufen könnten. Zudem, wenn der Kaufpreis ein Drittel des inneren Wertes beträgt, könnte man die einstmals stolze Schweizer Bank, gegründet von Alfred Escher, in ihre Einzelteile zerlegen, die verscherbeln und mit einem satten Gewinn nach Hause gehen.

Daraus ergibt sich die Frage: wieso macht das keiner? Es werden zwar immer wieder haltlose Gerüchte herumgeboten, dass es ernsthafte Kaufinteressenten gäbe. In Wirklichkeit traut sich aber keiner. Zum einen, weil die Schweizer Bankenaufsicht FINMA, obwohl ansonsten zahnlos, hier wohl ihr Veto einlegen würde – oder zumindest den Kaufprozess so stachelig wie möglich machte, es geht schliesslich doch um Schweizer Tafelsilber.

Viel wichtiger aber: potenzielle Käufer werden abgeschreckt, weil keiner weiss, welche Leichen noch in den tiefen Kellern der CS liegen. Sie hat in der Vergangenheit milliardenschwere Bussen und Wiedergutmachungszahlungen geleistet. Alleine im Steuerstreit mit den USA über 2,6 Milliarden Dollar. Aber weitere teure Konflikte sind noch nicht gelöst, immer wieder poppen neue auf. Alleine im Zusammenhang mit der Anschuldigung, das Entwicklungsland Mosambik durch fahrlässige Kreditvergabe in Milliardenhöhe in den Staatsbankrott getrieben zu haben, geht es um eine runde Milliarde.

Ein ungetreuer Bankmitarbeiter in Genf soll seine reiche, russische Klientschaft um über eine Milliarde erleichtert haben. Das Risikomanagement der Bank versagt eins ums andere Mal krachend; Stichwort Archegos– oder Greensill-Skandal mit Milliardenschäden.

Privatbanking in Asien, Investmentbanking im Allgemeinen, überall gibt es Baustellen. Das Personal kommt und geht, selbst der Bonustopf ist 2021 auf 1,8 Milliarden Franken geschrumpft. Gleichzeitig ein exorbitanter Betrag für kontinuierliches Versagen.

Zudem braucht die Bank frisches Geld; Fachleute sprechen von einer nötigen Kapitalaufnahme in der Region von 10 Milliarden Franken. Die Grossaktionäre der CS, die US-Riesen Blackrock, Harris Associates, dazu Scheichs aus Katar und Saudi Arabien, sind nicht wirklich lustig darauf, Geld nachzuschiessen. Zudem haben sie bislang stillgehalten, weil sie sich an speziellen Schuldpapieren mit dem lustigen Namen CoCos gütlich tun konnten; mit Zinsen bis zu 9,5 Prozent in einem Nullzinsumfeld. Aber diese Schuldverschreibungen, mit denen sich die CS bei der Finanzkrise eins 2008 aus der Bredouille rettete, sind ausgelaufen.

Das grösste Abschreckungspotenzial hat ein weiterer Aspekt: die Führungscrew der Bank. Weder dem VR und erst recht nicht der Geschäftsleitung fällt eine Business-Idee ein. Eine neue Strategie, ein Wurf, der Versuch eines Ausbruchs aus der anhaltenden Misere. In einer solchen Situation ist nicht Kleinklein gefragt, sondern Mut und Ansage.

 

Der 13-köpfige Verwaltungsrat kassiert zwar stolze 12 Millionen Franken, produziert dafür aber nichts Nennenswertes. Die Geschäftsleitung kassiert exorbitante 76 Millionen – und stochert dafür im Nebel.

 

VR-Präsident Axel Lehmann ist sicherlich ein Fortschritt im Vergleich zu seinem Vorgänger Rohner. Aber als Professor und Risikochef ist er kein visionärer Macher. Und CEO Thomas Gottstein? Als grosse Schweizer Hoffnung angetreten, nach den diversen Milliardenabschreibern schwer angeschlagen.

 

Es sind Elendsverwalter, Probleme Schönredner, keine Problemlöser. Wo soll das alles enden? Der Schweizer Steuerzahler wird’s früher oder später erfahren.

Bittere Wahrheit in der NZZ

Wie man die Misere der CS auf den Punkt bringt.

In der NZZ erschien ein ausführliches Porträt des Superstars Partners Group. Innert 25 Jahren  «stieg der Vermögensverwalter für Privatmarkt-Anlagen aus dem Kanton Zug zum europäischen Champion und SMI-Mitglied auf».

Das ist richtig. Gleich am Anfang bringt der Autor die unglaubliche Fehlentwicklung der einst stolzen Credit Suisse auf den Punkt::

«Als Marcel Erni, Fredy Gantner und Urs Wietlisbach in Zug 1996 PGR gründeten, bewerteten die Aktionäre die Credit Suisse mit 26 Mrd. Fr. Beim Börsengang im Jahr 2006 erreichte PGR eine Marktkapitalisierung von 1,7 Mrd. Fr. Die CS wies dannzumal einen Börsenwert von 91 Mrd. Fr. auf. Zurzeit bewerten die Aktionäre PGR mit 44 Mrd. und die CS dagegen sogar mit einigen Milliarden weniger als im Jahr 1996.»

Die aktuelle Marktkapitalisierung der konsequent heruntergewirtschafteten CS liegt bei 23,74 Milliarden Franken. Also es Bitzeli mehr als die Hälfte der Partners Group.

Eigentlich unfassbar, dass das CS-Management in dieser Zeit Milliarden eingesackt hat.