Beiträge

Watschelnde Ente im «Blick»

Wird Putin gestürzt? «Insider» packen aus. Und ein.

Kreml-Kenner, Geheimplan, Enthüllung, Sturz. Im Zentralorgan der Kreml-Astrologen wird ganz exklusiv ganz Brisantes enthüllt. Dem wechselweise kranken, verrückten, wahnsinnigen Verbrecher im Kreml soll es an den Kragen gehen. Auf der Homepage steht noch die Frageform, der Artikel selbst ist dann im Indikativ überschrieben: «Vertraute wollen Putin stürzen».

Solche Pläne schmiedet man, das ist ja bekannt, am besten halböffentlich. Das steigert die Erfolgsaussichten ungemein. Denn sofort sickern die zu Insidern durch, und von denen holt sich dann der «Blick» die heissen News. Da wäre mal «der gut informierte Kreml-Kenner Igor Sushko». In seinem anderen Leben ist er das:

Nämlich ein ukrainischer Unternehmer und Autorennfahrer. Also eine unparteiische, kompetente und gut informierte Quelle für Interna aus dem Kreml. Bislang war ja nur bekannt, dass Wladimir Putin gerne mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd sitzt. Aber vielleicht frönt er auch so dem Motorrennsport.

Auf jeden Fall hat dieser «gut informierte Kreml-Kenner» etwas getwittert. Nämlich «Wissen des Menschenrechtlers Wladimir Osechkin. Der Aktivist gilt als sehr gut informiert und lebt aus Furcht vor dem Putin-Regime seit Jahren im Exil». Dort betreibt Osechkin eine regimekritische Webseite. Die strotzt nun auch nicht gerade von sehr gut informierten Exklusiv-Informationen.

Auf jeden Fall plaudert der «Blick» aus: «An der Spitze der Putsch-Bewegung finden sich laut Osechkin zwei Hardliner.» Nicht verwunderlich: «Mit an der Spitze der Putsch-Bewegung soll ausserdem kein Geringerer als Tschetschenen-Anführer Ramsan Kadyrow (45) sein. Der Machthaber wird auch als «tschetschenischer Bluthund» bezeichnet und gilt als äusserst skrupellos.» Und eigentlich als treuester Anhänger Putins, aber man weiss ja nie.

Dann geht die Räuberpistole weiter. Ein inszeniertes Attentat auf Putin, damit sollte ein Keil zwischen den Präsidenten und seinen Unterstützern geschoben werden. Nämlich zum Beispiel der Oligarch Oleg Deripaska. Beweis: «Zudem habe Deripaska nicht geklatscht, als Putin die Bühne betreten habe. Gemäss Kreml-Insider Osechkin hatte das einen einfachen Grund. Der Oligarch nahm gegen seinen Willen an dem Treffen teil. Er sei von Geheimdienstmitarbeitern zum Forum gebracht worden.»

Ein Oligarch klatscht nicht, ein Attentat sei fingiert worden, zwei einem Exil-Russen namentlich bekannte «Hardliner» betreiben den Sturz Putins, ohne dass der bislang etwas dagegen unternimmt.

Vor langer Zeit gab es mal die TV-Sendung «Es darf gelacht werden». Sie ist schriftlich wieder auferstanden.