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Zürich zeigt’s Putin

Dem Kreml-Herrscher ist ein neuer, furchtbarer Feind erwachsen.

Es gibt das Zürcher Kantonsparlament. Das parlamentiert normalerweise so vor sich hin; manchmal gehen die Wogen hoch. Aber das kräuselt dann nicht mal den Zürichsee, und ausserhalb des Kantons interessiert das meistens nicht wirklich.

Deshalb hat Präsident Putin sicherlich den Fehler gemacht, nicht mit dem Zorn dieser Parlamentarier zu rechnen. Der entlud sich in einer von allen Fraktionen unterzeichneten Erklärung. Sie beginnt mit Pathos: Der Angriff von Russland sei «der bisher traurigste Moment unserer Generation in Europa».

Deshalb fordern die Parlamentarier Russland ultimativ auf, die Kriegshandlungen in der Ukraine sofort einzustellen. Leider gibt es keine Anzeichen, dass sich der russische Bär daran hält. Dann fordern die Parlamentarier die Kantonsregierung auf, sich in Bern für eine «härtere Gangart gegen Russland» einzusetzen.

Noch härter? Wie wäre es mit einem Ultimatum? Sollte Russland nicht sofort die Kampfhandlungen einstellen, dann, öhm, nun ja, dann wird die Schweizer Luftwaffe eingreifen. Vielleicht doch lieber nicht. Dann wird die Schweizer Armee ihre Kavallerie ausschicken? Oh, abgeschafft. Das Radfahrer-Bataillon? Verflixt, auch weg. Den Code der Schweizer Chiffriermaschinen veröffentlichen? Ach, auch schon bekannt.

Was tun? Alphornblasen für den Frieden? Tellerrollen gegen den Krieg? Jodeln für die Freiheit? Hissen der ukrainischen Fahne? Stirnrunzeln? Zeigefingerwackeln?

Schwierige Fragen. Der schwierigsten musste sich natürlich die kantonale SVP stellen. Wieso sie denn mitunterzeichnet habe, wo doch SVP Schweiz gegen das Mitmachen bei den EU-Sanktionen sei? Das sei etwas «unglücklich formuliert» räumt der Präsident der SVP-Fraktion im Kantonsrat ein. Aber wichtiger sei: «Wir wollen gemeinsam unsere Ohnmacht zum Ausdruck bringen und unser Mitgefühl für die ukrainische Bevölkerung.»

Ohnmacht ist gut.