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Ach, Kaltërina Latifi

Kaum lobt ZACKBUM, muss wieder getadelt werden.

Es ist wahrlich ein Wechselbad der Betrachtung. Die Tamedia-Kolumnistin Latifi fiel schon mehrfach unangenehm auf. Aber siehe da, sie kann auch anders.

Aber vielleicht hätte ZACKBUM nichts Positives sagen sollen. Denn das haben wir alle nun davon. Es gibt eine Steigerung der Betrachtung des eigenen Bauchnabels, die so vielen Tamedia-Kolumnisten ein Herzensanliegen ist. Die Steigerung besteht darin, dass man denjenigen betrachtet, von dem man sich abgenabelt hat: die eigene Mutter.

Immerhin arbeitet Latifi nicht in aller Öffentlichkeit allfällige Dissonanzen auf, die allenfalls in ihrer Kindheit oder Jugend entstanden sind.

Aber dennoch hat es etwas Peinliches und Unschickliches, wenn der Leser damit belästigt wird, ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter auf fast 22’000 A im völlig heruntergewirtschafteten «Magazin» vorgeführt zu bekommen. Schon das Titelzitat müffelt aus anderen Zeiten in anderen Ländern herüber.

Wen das noch nicht abschreckt, der flüchtet schon bei der Einleitungsfrage: «Mama, warum bist du in die Schweiz emigriert?» Tja, da wird Mama so ihre Gründe gehabt haben, wie eigentlich jeder, der in die Schweiz emigriert. Diese Mama wollte den archaischen Sitten entgehen, die bei Kosovo-Indianern herrschten und möglicherweise bis heute noch herrschen.

Eine schöne Frage ist auch die hier, nur übertroffen von der Antwort:

«Wie bist du aus diesem System ausgestiegen?
Es war ein langer Weg, glaub mir. Über die Details möchte ich hier nicht sprechen, es ist zu privat.»
Hier tritt das ganze Elend offen zu Tage, wenn eine Tochter (oder auch ein Sohn) Mutter oder Vater interviewen. Ihnen fehlt nicht nur jegliche Distanz, sie kämen auch nicht im Traum auf die Idee, eine kritische Frage zu stellen oder dort nachzuhaken, wo ihnen ausgewichen wird.
Alleine schon aus diesem Grund ist es eigentlich nie eine gute Idee, ein solches innerfamiliäres Zwiegespräch in aller Öffentlichkeit auszubreiten. Irgendwie erinnert das an eine Kolumne einer anderen Selbstentblösserin: «Gülsha Adilji zieght sich vor sieben Fremden nackt aus». Gut, die hat zurzeit andere Probleme.
Also zurück zu Latifi. Interessante Fragen können interessante Antworten ergeben. Aber diese hier: «Warum das? Gibt es weitere Beispiele, die dich geprägt haben? Wie ging es weiter? Wo siehst du das besonders? Und sag, willst du einmal zurück in deine erste Heimat», die können ja nur als billige Stichworte dienen.
Bleibt die Frage, wieso Mama bei dieser gespiegelten Selbstbespiegelung überhaupt mitgemacht hat. Wollte sie ein wenig den Sonnenschein der relativen Bekanntheit ihrer Tochter auf der eigenen Haut spüren? Für sie selbst (und für ihre Tochter) ist natürlich ihr Leben etwas Einzigartiges und Besonderes.
Allerdings sind die Beschreibungen der archaischen und rückständigen Gesellschaftsstrukturen im Kosovo wirklich nichts Neues, sondern hinlänglich bekannt. Neuer ist höchstens, dass die gegen alle Zusagen an Serbien früher autonome Region Kosovo – unterstützt nicht zuletzt von der Schweiz – sich einseitig für unabhängig erklärte.
Seither ist der Kosovo zum korrupten Drogenstaat denaturiert, beherrscht von der organisierten Kriminalität, die ihre Tentakel bis in die höchsten Sphären der Politik hat.
Dem Ex-Präsidenen Thaci drohen 45 Jahre Haft. Er steht in Den Haag vor Gericht, angeklagt wegen schwerster Kriegsverbrechen.
Das wären vielleicht auch Themen gewesen, die man jemanden fragen könnte, der im Kosovo verwurzelt ist. Aber so etwas macht natürlich eine Tochter bei der Mama nicht.
Also ein weiteres trauriges Beispiel dafür, das Qualitätskontrolle oder der Schutz von Mitarbeitern vor sich selbst im dysfunktionalen Tagi nicht funktionieren.

Schon wieder Djokovic

Die Medien haben sich schon mal an ihm abgearbeitet.

Corona ist vorbei und vergessen (ausser vielleicht bei Marc Brupbacher). Jetzt ist Ukrainekrieg. Da muss wie damals bei Corona jeder Position beziehen, am besten ein Zeichen setzen. Selbstverständlich sollte man auf der Seite der Ukraine sein.

Die verteidige doch unsere westlichen Werte wie Korruption, Autokratie und Medienzensur gegen das korrupte Russland mit Medienzensur und Autokratie. Oder so.

Nun war und ist Novak Djokovic aus Gründen, die eigentlich nur ihn etwas angehen, ein Gegner der Corona-Impfung. Im Nachhinein geben ihm immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen recht. Die Wirksamkeit der Impfung, vor allem die Behauptung, Geimpfte seien nicht ansteckend, wird immer mehr in Frage gestellt.

Aber das ist Schnee von gestern, Schlamm drüber, sagen die Massenmedien, die sich selbst unsterblich blamiert hatten, durch ihre obrigkeitshörige Berichterstattung ihrer Glaubwürdigkeit einen Bärendienst erwiesen hatten. Aber man ist natürlich nachtragend, eine der Lieblingsbeschäftigungen des Journalisten.

Nun trug es sich zu, dass der Tenniskünstler Djokovic das hier getan hat:

Statt nur brav Autogramme zu geben, schrieb er auf eine Kameralinse: «Kosovo ist das Herz von Serbien. Stoppt die Gewalt.»

Ein Aufruf gegen Gewalt kann ja eigentlich nicht ganz schlecht sein. Es kommt aber darauf an, wer gegen welche Gewalt wo aufruft. Bekanntlich ist es so, dass sich die südserbische Provinz Kosovo 2008 einseitig für unabhängig erklärte. Gegen den damaligen selbsterklärten Präsidenten Hashim Thaçi ermittelt seit 2020 der Sonderankläger des Internationalen Strafgerichtshof im Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im April begann der Prozess gegen Thaçi und Mitangeklagte.

Die Unabhängigkeit des Kosovo wurde zuvorderst von der damaligen Schweizer Aussenministerin Calmy-Rey befürwortet, die sich damit gegen die Garantie der territorialen Integrität Serbiens nach dem Jugoslawienkrieg stellte. Russland nahm dann nebenbei diese Unabhängigkeitserklärung als Präzedenzfall für die Krim.

Seit seiner Unabhängigkeit, die auch nicht von allen EU-Staaten anerkannt wird, hat sich Kosovo den Namen korrupter Mafiastaat redlich und unredlich verdient. Eine UNO-Friedenstruppe unter Schweizer Beteiligung versucht, Auseinandersetzungen zwischen dort lebenden Albanern und Serben zu verhindern.

So viel Hintergrund muss sein. Nun ist es in letzter Zeit wieder nach Kommunalwahlen zu Handgreiflichkeiten und Krawallen gekommen, bei denen Soldaten der Schutztruppe KFOR verletzt wurden. Es geht um den Rücktritt von serbischen Bürgermeistern als Protest gegen die Politik der kosovarischen Regierung; sie wurden durch Albaner ersetzt, weil bei die nötigen Wahlen von den Serben boykottiert wurden.

Also zumindest eine etwas unübersichtliche Gemengelage. Und in die hinein kommt nur der Aufruf Djokovics zum Frieden, gegen Gewalt. Während aber das Schwenken ukrainischer Flaggen und fast alle Formen von Sympathiebezeugungen im Sport hier applaudiert, werden, kommt Djokovic wieder ins Feuer der Meinungsmacher.

Darauf reagierte der Tennisstar, dessen Vater in der damaligen serbischen Provinz geboren wurde: «Ich bin kein Politiker und habe auch keine bösen Absichten. Ich weiss, es ist heikel. Es tut mir einfach weh, was passiert

Den Medien tut nichts leid: «Djokovic sorgt nach Sieg mit Kosovo-Botschaft für Eklat», schimpft der «Blick». Etwas zurückhaltender (noch) textet Tamedia: «D. erhitzt Gemüter mit Kosovo-Botschaft». «D. sorgt mit politischer Botschaft für Aufsehen», echot nau.ch. D. habe «eine politische Kontroverse riskiert», urteilt die NZZ. D. habe «eine politische Kontroverse ausgelöst», konstatiert srf.ch. Und schliesslich sieht CH Media, nicht gerade der Jahreszeit entsprechend, dass sich D. «auf politisches Glatteis begeben» habe.

ZACKBUM sammelt zunächst mal diese ausgewogenen Äusserungen und wartet auf die zukünftigen Kommentare in dem Mainstreammedien  …