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Rings- und Lechtsanwalt Peyer

Man kann sich seine Mandanten nicht immer aussuchen. Claudia Blumer ist die Höchststrafe. Selbst für die Cracks von «Suits».

Markus Peyer ist Anwalt. Eigentlich ein sympathischer und netter Mensch. Eigentlich auf Seiten des Rechts gegen Unrecht.

Blumer-Anwalt Markus Peyer.

Nun sind die Zeiten halt zunehmend garstig im Journalismus. Es wird an allen Ecken und Enden gespart, nicht zuletzt auch an Kompetenz und Recherche. Was früher noch schweisstreibend selber erarbeitet wurde, wird immer mehr von Angefüttertem und Zugehaltenem ersetzt.

Irgendwelche anonyme Kriminelle klauen strikt vertrauliche Geschäftsunterlagen und verteilen die auf hungrige Medienmäuler. Die nennen das dann Leaks oder Papers, schlachten die aus und hauen nach Lust und Laune damit Betroffene in die Pfanne. Als Untersuchungsrichter, Ankläger und Tribunal in einer Person.

War’s dann nichts, wie bei der Verleumdungsattacke gegen Gunter Sachs oder gegen einen schweizerisch-angolanischen Geschäftsmann, dann ist die Karawane von bellenden Hunden längst weitergezogen.

Journalistische Tiefstleistung im Hause Tamedia

Die ehemalige «Tages-Anzeiger»-Journalistin Claudia Blumer hat in einem selten erreichten journalistischen Tiefpunkt einen völlig einseitigen, schlecht recherchierten, nur auf den Aussagen eines Beteiligten sich abstützenden Schmierenartikel über einen hässlichen Scheidungs- und Sorgerechtsstreit veröffentlicht. Der strotzte zwar von faktischen Fehlern (wir berichteten), aber Tamedia inklusive Arthur Rustishauser sah keinen Anlass, ausser zwei Nebensächlichkeiten die Falschaussagen zu korrigieren.

Das brachte Blumer eine Anzeige wegen Verleumdung, Anstiftung zur Amtsgeheimnis- und Berufsgeheimnisverletzung ein, die Staatsanwaltschaft Schaffhausen wurde nach längerem Zögern tätig und begann zu ermitteln. Dazu gehörte auch eine Vorladung an Blumer, der sie im dritten Anlauf nachzukommen geruhte.

Sie erschien mit Markus Peyer bewaffnet zu dieser Einvernahme, über deren Inhalt natürlich der Mantel des Amtsgeheimnis gelegt wird. Allerdings konnte es sich Anwalt Peyer nicht verkneifen, auf die Berichterstattung von ZACKBUM.ch hinzuweisen. Leider nicht lobend, wie sie es verdient hätte. Denn wir halten uns an alle journalistischen Gepflogenheiten, geben allen Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme, unsere Fakten stimmen, ernsthafte Gegenwehr des Hauses Tamedia ist nicht möglich.

 

Schlaf des Ungerechten?

Dennoch beschwerte sich Peyer darüber, dass auf ZACKBUM angeblich vertrauliche Dokumente verwendet und veröffentlicht worden seien. Das könnte dann im Fall noch seine Konsequenzen haben, man behalte sich vor, bitte um Kenntnisnahme durch die ermittelnde Staatsanwaltschaft.

Das sagte Peyer ausserhalb des Einvernahmeprotokolls, wie mehrere voneinander unabhängige Quellen ZACKBUM gegenüber bestätigten. Abgesehen davon, dass wir auch diesen Einschüchterungsversuch – wie seine Vorgänger – mit schallendem Gelächter begegnen: wir hätten da eine Frage.

Posse, wie von Daumier gezeichnet.

Arthur Rutishauser, der Oberchefredaktor des Tamedia-Konzerns, veröffentlicht seit Jahren, wiederholt und unablässig strikt vertrauliche Dokumente oder Untersuchungsresultate aus der Strafuntersuchung gegen Pierin Vincenz. Vor allem mit seinen ausführlichen und keine Geschmacklosigkeit auslassenden Berichten über Spesenabrechnungen des gefallenen Raiffeisen-Stars hat er den Ruf von Vincenz unrettbar beschädigt.

Rutishauser lässt keine Gelegenheit aus

Inzwischen geht Rutishauser sogar so weit, auch die damalige Ehefrau von Vincenz unter Beschuss zu nehmen. Während er bei ihm ausplaudert, was alles ermittelt wurde, fragt sich Rutishauser bei ihr, wieso nicht energisch genug ermittelt werde. Als Höhepunkt beschaffte er sich offensichtlich die 368 Seiten umfassende Anklageschrift, las die sogar schneller als das zuständige Gericht durch und versorgte seine Leser mit weiteren pikanten, unappetitlichen Behauptungen der Staatsanwaltschaft. Nicht ohne meistens, aber nicht immer darauf hinzuweisen, dass selbstverständlich die Unschuldsvermutung gelte, was nun nicht mal mehr ein schaler Witz ist.

Daher gelangten wir mit der Frage an Anwalt Peyer, ob es ihm nicht selbst bei der bekanntlich flexiblen Rechtsauslegung durch Anwälte nicht etwas gar schräg vorkomme, gegenüber ZACKBUM auf die Vertraulichkeit einer Strafuntersuchung zu pochen, während der oberste Chef seiner Mandantin Mal um Mal vorführt, dass er darauf pfeift.

Leider mochte sich Peyer nicht zu einer Antwort aufraffen. Menschlich verständlich, was sollte er denn auch sagen; der Widerspruch ist so offensichtlich und schreiend. Da wir Markus Peyer nach wie vor für einen aufrechten und moralisch gefestigten Menschen halten, können wir uns nicht vorstellen, dass er sich eine solche Heuchelei mit der überreichlichen Anwendung von alkoholhaltigen Getränken schönsaufen könnte.

Sich über die Verletzung des Amtsgeheimnisses in einer Strafuntersuchung wegen Anstiftung zur Verletzung des Amtsgeheimnisses zu beschweren, das ist schon ein starkes Stück. Das im Auftrag des Hauses Tamedia zu tun, das lässt selbst Tartuffe vor Neid erblassen.