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Tamedia wird weiblicher!

Wenn das Salome Müller noch erleben darf! Das Ende von Sexismus, Diskriminierung und unerträglichem Arbeitsklima.

Schwatzhaft, wie Frauen nun mal sind, konnte es nicht lange ein süsses Geheimnis bleiben. Jetzt greift die Führungsriege durch. Schluss mit sexueller Belästigung. Stattdessen wird endlich ernst gemacht mit Diversity und Frauenförderung.

Keine Frau im ganzen, grossen Tamedia-Imperium muss mehr heimlich «Woman is the nigger of the world» von John Lennon (und Yoko Ono natürlich) hören. Toller Song, übrigens.

Marco Boselli, Co-Geschäftsführer von Tamedia, bestätigte gegenüber persoenlich.com, dass die Würfel gefallen sind, mit ihnen die männlichen Bastionen. Ob er selbst auch an eine Geschlechtsumwandlung denkt, liess er aber offen.

40 Prozent. Frauen. Überall.

Auf jeden Fall verkündete er die Ergebnisse der von Co-Chefredaktorin Priska Amstutz geleiteten internen Arbeitsgruppe. Genau, die Bestseller-Autorin Amstutz, die wie kaum ein Chefredaktor vor ihr Inhalt und Umgangsformen geprägt hat. Oder so. Auf jeder Hierarchiestufe soll es zukünftig einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent haben. Das soll mit einer jährlichen Steigerung um 5 Prozent mehr Frauenanteil geschafft werden.

Sicherlich nehmen die meisten frauenbewegten Männer (und divers und überhaupt) diese Absicht zustimmend zur Kenntnis. Es gibt sogar einen fixen Fahrplan, will persoenlich.com wissen:

«Für Mai 2022 heisst das, basierend auf der heutigen Anzahl von Mitarbeitenden, den Frauenanteil um vierzehn Mitarbeiterinnen, eine Teamleiterin, sechs Kaderfrauen sowie zwei Obere Kadermitarbeiterinnen zu erhöhen, wie aus der Präsentation vom Mittwoch hervorgeht

Das stellen wir uns grossartig vor, endlich die negative Dialektik, die Negation der Negation, nun beim Tagi. Sicherlich bringen die Tamedia-Männer dieses kleine Opfer, dass nun sie diskriminiert werden. Nur deswegen, weil sie Männer sind. So im Stil: «Lieber Marco Boselli, auch wir sind überzeugt, dass sie als Co-Geschäftsführer auch in Zukunft gute Dienste leisten würden. Leider, da sie mit Vornamen nicht Mara heissen, müssen wir dennoch auf Ihre Dienste verzichten, um Platz für eine Quotenfrau zu schaffen.»

Was man vielleicht auch nicht vergessen sollte: mit natürlichen Fluktuationen ist das nicht zu schaffen, liebe Tagi-Männer …

Durchdachter Ersatz eines untauglichen Systems

Wunderbar, endlich wird ein unerträgliches System durch ein anders-unerträgliches ersetzt. Ob nun Salome Müller ihre Kündigung rückgängig macht? Ob Aleksandra Hiltmann ihren Output steigert? Ob Michèle Binswanger wieder in die Gruppe «selber monden, gemeinsam monden» aufgenommen wird? Ob die 78 Unterzeichnerinnen des Protestschreibens nun ihr Schweigegelöbnis brechen und Fragen beantworten? Man weiss noch nichts Genaues, denn diese Ankündigung war wohl eher eine Sturzgeburt, wenn dieser Kalauer gestattet ist.

Kehren vielleicht auch alle Mitarbeiterinnen zurück, die wegen diesen unerträglichen Arbeitsbedingungen gekündigt haben? Jetzt, wo Stellen endlich nicht mehr nach Befähigung, sondern nach dem Besitz einer Vagina vergeben werden. Wenn das gelingen sollte, dürfte Tamedia dem Untergang einen guten Schritt nähergekommen sein.

Dass die Besetzung vor allem von Kaderstellen nach Geschlecht –auch mittels Männerbünden, Seilschaften – jahrelang, jahrzehntelang in den Familienbetrieben, die unsere so grossartigen Bannerträger der Vierten Gewalt halt sind, zum Vorteil von Männern stattfand – das wird jetzt ersetzt durch umgekehrte Diskriminierung, ebenfalls ohne besondere Berücksichtigung der Kompetenz.

Das wollen wir bei Tamedia nie mehr sehen.

Und was wird aus Blumer?

Eine Frage bleibt noch zu beantworten, bevor dann alles gut wird: was geschieht nun mit Claudia Blumer? Mitunterzeichnerin, Bannerträgerin, obwohl selbst gar nicht betroffen? Sie war von Oberchefredaktor Arthur Rutishauser mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt worden. Als es dem Organisationsgenie einfiel, dass es vielleicht etwas merkwürdig wäre, wenn eine Protestunterzeichnerin die ausschliesslich anonym erhobenen Vorwürfe überprüfen würde, wurde Blumer zur Ansprechperson degradiert. Den Posten ist sie nun auch los, da sie zu «20 Minuten» wechselt.

Aber sie kommentiert noch fleissig, jüngst die Forderung nach Bezahlung der Hausarbeit. «Keine Lösung», donnert Blumer, «Hausarbeitslohn oder Grundeinkommen, beides wird in absehbarer Zeit nicht realisiert.» Kann ihr bei dem Lebensabschnittsgefährten auch völlig egal sein.

Statt ihrer lässt Tamedia nun aus Deutschland «die Expertin Christine Lüders» kommen. Wer? Na, DIE Lüders, «unter anderem Leiterin der deutschen Bundes-Antidiskriminierungsstelle.» In dieser Funktion machte sie was? Also bitte, sie setzte Zeichen, forderte «wir müssen uns der Homophobie entgegenstellen, egal aus welcher Richtung sie kommt.» Wir können uns knapp zurückhalten, dieses schiefe Bild tiefer auszumalen.

Seit Lüders pensioniert wurde, ist sie gerne im Einsatz für Diversität und gegen Sexismus. Als in Deutschland letzten Sommer die Werbebranche dran war, holte sich die Agentur Scholz & Friends – im Feuer wegen Sexismus und Diskriminierung – als «Fachexpertin» – Christine Lüders. Zudem habe man «Listening Sessions» mit allen Mitarbeitenden und eigene «Round Tables» nur für Frauen durchgeführt, schliesslich einen Aktionsplan entwickelt und umgesetzt.

Wir fordern eine Beauftragte für DEI bei Tamedia

Wunderbar, seither ist es an der Geschlechterfront ruhig bei Scholz & Friends. Das wünscht sich natürlich auch Tamedia. Hier hat man den Aktionsplan sogar schon verabschiedet, nun soll Lüders die konkreten Vorwürfe abklären. Da alle anonym erhoben wurden, nicht einmal bekannt ist, wie alt sie sind, dürfte das Lüders einige Zeit in Lohn und Brot halten. Bis sie das Ergebnis verkündet, interessiert das keinen mehr.

Vielleicht noch ein kleiner Tip; als clevere Agentur hat sich Scholz & Friends damals gleich eine neue Position einfallen lassen: die Beauftragte für «Diversity, Equity und Inclusion», kurz DEI. Dieser Titel passt wie angegossen auf Priska Amstutz.