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Wumms: Frank A. Meyer

Er nimmt sich ein Bombenthema zur Brust.

Ringiers Hausgespenst meldet sich mal wieder aus dem fernen Berlin, wo er geblieben ist, nachdem sein Geburtstagsgeschenk «Cicero» ein Flop wurde. Der Meister der didaktischen Frage holt diesmal weit aus:

«Das Gestern lehrt die Heutigen, dass es erneut ums Ganze geht: um den freien Westen – also auch um die Freiheit derjenigen Zeitgenossen, die in TV-Talkshows oder zu Hause auf dem Sofa tiefsinnige Gedanken über den offensiven ukrainischen Widerstand wälzen – dürfen die Ukrainer das, oder dürfen sie nicht

Das Gestern lehrt die Heutigen, damit will Frank A. Meyer offensichtlich die Flughöhe eines Helmut Schmidt erklimmen. Der hätte aber niemals so geschwurbelt. Worum geht es, um Meyer zu imitieren. Ist es statthaft, dass die Ukraine Ziele in Russland angreift, zum Beispiel Drohnen nach Moskau schickt?

So beschäftigt sich Meyer nicht mit den letzten Tagen, aber mit den letzten Fragen der Menschheit. Obwohl daraus durchaus die letzten Tage werden könnten, wenn der Krieg in der Ukraine atomar eskaliert.

Auf jeden Fall hat Meyer mal wieder die Autobiographie von Winston Churchill gelesen, wozu man nur als Rentner genügend Zeit hat; selbst die Kurzfassung seines 12-bändigen Oeuvres hat noch 1136 Seiten in der deutschen Taschenbuchausgabe.

Churchill hatte als Antwort auf die deutschen Bombenangriffe auf London Attacken auf Berlin befürwortet, auch wenn die britische Air Force zu diesem Zeitpunkt nur zu kleinen Schlägen in der Lage war. Aber es sei eben um die psychologische Wirkung gegangen. Meyer räumt ein: «Oh nein, die Geschichte wiederholt sich nicht. Doch manche historischen Ereignisse ähneln einander.»

Wiederholung nein, Ähnlichkeit ja. Denn «Ja: Jetzt ist auch gestern.» Und übermorgen ist auch heute, Sonntag wird Montag, heute wird zu gestern, aber wird gestern wirklich auch zu jetzt? Leider gibt Meyer auf diese entscheidenden Fragen keine Antwort.

Dafür geht es, was denn sonst, «erneut ums Ganze».  Da sitzt dann Meyer hingesunken zu Hause in seinem grauen Lehnsessel und schaut streng. Über die Farbgebung von Pullover und Hose wollen wir schweigen.

 

Dergestalt wälzt er tiefsinnige Gedanken über Zeitgenossen, «die in TV-Talkshows oder zu Hause auf dem Sofa tiefsinnige Gedanken über den offensiven ukrainischen Widerstand wälzen».

Hier klingt leises Bedauern durch, dass Meyer weder eine eigene Talkshow hat, noch in solche eingeladen wird. Aber zu Hause im Sessel darf er … Blöd für die Talkshows und Sofawälzer ist auch, dass Churchill doch die Frage, ob die Ukraine Moskau angreifen dürfe, längst beantwortet habe. Überliefert wird diese Erkenntnis vom Hobbyhistoriker Meyer. Aber auf den hört ja leider niemand.

Wumms: Philipp Loser

Sicher, die Wiederholung kann nerven. Aber der Mann nervt auch.

«Es geht je nach Quelle um 12’000 bis 12’500 Schuss. … Knapp zehn Minuten Krieg.»

Dieser Satz ist von einem dermassen abgründigen Zynismus, dass man Loser wirklich endlich die Lizenz zum schreibenden Scheitern entziehen sollte.

Denn er macht sich – wie meist als Letzter im Umzug – Gedanken zur Schweizer Neutralität. Originelles fällt ihm dazu nicht ein, dafür Altbekanntes. Plus das übliche Geseier von Autoren, denen rechtsstaatliche Prinzipien völlig schnurz sind. Statt die entsprechenden Artikel im glasklaren Gesetz über Rüstungsgüterexporte zu lesen, jammert Loser: «Was bedeutet die Schweizer Neutralität, wenn in Europa Krieg herrscht?» An dieser Frage sei das Schweizer Parlament in der Debatte gescheitert, behauptet Loser: «Dabei ging es, wie so oft im Parlament, aber nicht um grundsätzliche Erwägungen. Sondern um Formalien. Um rechtliche Details.»

Für Loser ist es offensichtlich ein blödes Detail, dass alle Abnehmer von Schweizer Rüstungsgütern versichern müssen, diese nicht an kriegführende Parteien weiterzuleiten. Pacta sunt servanda, wussten schon die alten Römer. Hat der junge Loser vergessen, wenn er es jemals wusste. Dafür probiert er einen Ausflug in die Vergangenheit: «So war es, als sich die Schweiz im Zweiten Weltkrieg auf ihre Neutralität berief und alle insgeheim wussten, dass es für die Achsenmächte ganz andere Gründe gab, unser Land zu verschonen (nicht nur schöne)

Das ist richtig, die Schweiz hat sich durchlaviert. Was Loser mit der Überheblichkeit des Nachgeborenen kritisiert. Das darf er, aber es wäre ihm gut angestanden, wenigstens andeutungsweise auszuführen, was die Schweiz denn seiner Meinung nach hätte tun sollen. Den Achsenmächten den Krieg erklären? Den Widerstand im nicht besetzten Frankreich mit Waffen beliefern? Sich solidarisch mit der Sowjetunion erklären und die in ihrem Kampf gegen ukrainische Faschisten, Kriegsverbrecher und Nazi-Kollaborateure wie Stepan Bandera unterstützen?

Die «kleinliche Debatte um die Panzermunition» zeige, «dass wir Schweizer schon immer versucht haben, alles zu bekommen.» Was soll die Schweiz denn sonst wollen? Weniger bekommen? Nichts bekommen? Statt eine «kleinliche Debatte» führen auf die eigenen Gesetze scheissen? Was hat Loser an Alternativen anzubieten?

Kritiken nachbeten, das kann jeder. Dazu braucht es null Gramm Gehirnschmalz. Sinnvolle, valable, durchdachte Alternativen auf die Kritik folgen lassen, das bräuchte eine eigene Denkleistung. Das ist nichts für Loser. Wahrscheinlich bekäme er dann Kopfweh. Oder schlimmer noch: er müsste einsehen, dass er ein ganz, ganz kleines Licht auf der grossen Torte der Intellektuellen ist.

Wumms: Markus Somm

Rechnen: ungenügend. Geschichte: setzen.

Historiker Markus Somm hat’s nicht so mit den Zahlen. Das merkt man am Geschäftsverlauf beim «Nebelspalter». Bzw. man merkt es nicht, weil auch nach einem Jahr keine einzige Zahl das Licht der Welt erblickt hat. Leser, Abonnenten? Einschaltquote? Entwicklung? Nix, nix, nix und nix.

Auch bei grossen Zahlen ist Somm etwas verloren, wenn er über die Hintergründe der Siegesfeier der Sowjetunion (heute Russland) über Hitlerdeutschland berichtet:

«Zwar stellten sich ihnen 3 Millionen sowjetische Soldaten entgegen, sie besassen 11 000 Panzer und 9000 Flugzeuge.
• Doch die Russen waren chancenlos. Allein in dieser Anfangsphase verloren sie fast 5 Millionen Soldaten.»

Das war natürlich dramatisch; auf 3 Millionen 5 Millionen Verluste, phänomenale Wiederauferstehung.
Auch historisch ist Historiker Somm nicht ganz sattelfest. Er will die unbestreitbaren Leistungen und Anstrengungen der Sowjetunion im Kampf gegen den Hitlerfaschismus verkleinern:
«In den kommenden vier Jahren diente der Westen der Sowjetunion als Arsenal. Es war unerschöpflich. Die Russen erhielten vom Westen jede Art von Rüstungsgütern, Munition, Bomben und Granaten

Also führte die UdSSR eigentlich nur einen Krieg mit Leihwaffen, laut Somm. Dass es der Sowjetunion gelang, mehr Waffen als Deutschland herzustellen: wenn’s nicht ins Narrativ passt, lassen wir’s doch weg.

Immerhin legt er sich dann noch in die Kurve:
«Kein Land hat unter den Nazis mehr gelitten, kein Land hat mehr Opfer gebracht, um Hitler, das Monster, das uns alle bedrohte, niederzuringen:
• man geht von 20 Millionen Kriegstoten aus
• Das Land war nachher wirtschaftlich ruiniert»

Man geht zwar von mindestens 25 Millionen Kriegstoten aus, und das Land rappelte sich nach dem Vernichtungskrieg der Nazis mit einer ungeheuerlichen Anstrengung schnell wieder auf und wurde zur Militär-, Atom- und Weltraummacht.

Aber sonst stimmt alles.