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Wumms: Marcus Keupp

Quatsch erzählen? Na und, einfach weiter Quatsch erzählen.

Beim «Militärexperten» und Dozenten an der Militärakademie der ETH Zürich stellen sich ernsthaft zwei Fragen:

  1. Ist er ein Rohrkrepierer?
  2. Ist er ein von Moskau bezahlter Diversant?

Denn sein öffentliches Wirken begleitet eine Spur von Fehleinschätzungen, Fehlprognosen und unbeirrter Rechthaberei.

So meinte der grosse deutsche Stratege: «Russland wird den Krieg im Oktober verloren haben.» Zu dieser schneidenden Prognose kam er «aufgrund mathematischer Berechnungen». Wahrscheinlich hantierte er mit Fantastillionen, dividiert durch null. Blöd nur: er meinte den Oktober 2023. Blöd nur: das haben die Russen bis heute nicht eingesehen.

Auf die Anfrage, was er denn im Nachhinein zu diesem Schlag ins Kontor sage, reagierte er nicht.

Das hielt ihn nicht davon ab, auch im April 2024 an seiner im März 2023 geäusserten Prognose festzuhalten, dass Russland den Krieg im Oktober 2023 verloren habe. Allerdings nur «strategisch».

Als Militärökonom erlaubt er sich auch Prognosen allgemeiner Art: «Der Kollaps des russischen Finanzsystems ist nur noch eine Frage von Tagen.» Aber diese Tage verstrichen ohne Kollaps – im März 2022.

Unbeschadet solcher Quatschaussagen findet der «Blick» immer wieder Gelegenheit, den Fehlprognostiker zu interviewen, der unbeirrt behauptet: «Wenn es so weitergeht, wird Russland den Krieg verlieren.»

Die grosse Keule hat er für alle parat, die versuchen, ohne das zu billigen, die Motive Putins zu ergründen. Diese Menschen seien «moralisch verrottet».

Nun ist Weihnachten bekanntlich Saure-Gurken-Zeit im Journalismus. Da sind Redaktionen zu Verzweiflungstaten bereit. Zum Beispiel der «Blick» zu dieser:

Nein, das ist nicht der Stehsatz von 2022, 2023, 2024 oder Anfang 2025. Das ist alt und neu zugleich.

Das Interview beginnt mit einer ganz kritischen Frage von Ausland-Reporter Samuel Schumacher:

«Herr Keupp, im April sagten Sie, Russland verliere den Krieg, wenn es so weitergeht. Bleiben Sie dabei?
Marcus Keupp: Wenn die westliche Waffenhilfe weitergeht und Russland weiterhin so viel Personal und Material durchbrennt, dann ja. Russland lebt von seinen Reserven. Und diese Reserven gehen aus.»

Dass Russland laut Keupp eigentlich schon mehrfach verloren habe und ausserdem sein Finanzsystem kollabiert sei, diese Erinnerung erspart Schumacher allerdings dem Fantasten.

Dafür lässt Keupp neue Ratschläge auf den wehrlosen Leser herabregnen. Gefragt, was das denn kosten würde, meint der «Militärökonom» knapp: «Das weiss ich nicht.» Muss ihn als wohlbezahlten ETH-Professor auch nicht weiter kümmern, würde ja der Steuerzahler der EU berappen.

Allerdings ist er nach einigen bitteren Erfahrungen mit Prognosen der Niederlage Russlands vorsichtiger geworden: «Der Krieg wird auch 2026 weitergehen.» Obwohl er doch schon mehrfach verloren wurde.

Auch der Kollaps steht nicht mehr unmittelbar bevor: «Aber die Fantasie, Russland sei ein Märchenland mit unbegrenzten Ressourcen, fängt langsam an zu bröckeln.»

Vom Zusammenbruch zum Bröckeln und zurück. Das Einzige, was hier bröckelt, ist die Sinnhaftigkeit dieser wilden Behauptungen.

Das hier nennt man militärisch eine Ausweichstrategie, eine Frontbegradigung, ein Ablenkungsmanöver, das Zünden von Nebelgranaten: «Russlands Krieg gegen uns ist bereits im vollen Gang. Man muss schon sehr tief schlafen, um das nicht zu merken.» Natürlich sei das ein «hybrider Krieg», denn: «Das Einzige, was derzeit noch fehlt, sind mechanisierte Mittel: Panzer und dergleichen.»

Aber Vorsicht, wenn wir alle innehalten beim Singen von Weihnachtsliedern und aus dem Tiefschlaf erwachen, hören wir da nicht leise und fern, nein, nicht das Rieseln von Schnee, aber das Rasseln von Panzerketten?

Keupp entlässt uns ganz unfriedlich ins Fest: «Für Russland ist Krieg besser als Frieden

Was er nicht erwähnt: für ihn ist ein Interview besser als kein Interview. Denn: «Dieses Jahr ist Marcus Keupps neues Buch «Spurwechsel – die Welt nach Russlands Krieg» erschienen.» Und wer will ihn denn noch interviewen.

Übrigens: Amazon-Bestsellerrang 3870 …

Tamedia recherchiert im Schnee

Das ist mal knallharter Newsjournalismus.

Es hat geschneit. In der Schweiz. Auch in Zürich. Wahnsinn. Die Qualitätsmedien überschlagen sich mit Meldungen: «Es hat geschneit». Fast 300 Treffer in der Mediendatenbank SMD am Freitagmorgen.

Der Tagi beschränkt sich auf vier Storys. Für funktionale Analphabeten: «Die besten Bilder zum Wintereinbruch». Die übliche Meldung: «Flughafen Zürich: Zahlreiche annullierte Flüge in Kloten» (für Leser, die nicht wissen, wo der Flughafen ist).

Dann die Portion Geeiertes: «rekordverdächtig», bollert der Titel, «neuer Rekord aber fraglich», relativiert der Text. Dann staatstragend: «Erster Schnee in weiten Teilen des Mittellandes sorgt für Verzögerungen». Echt jetzt? In Bern, Basel und Zürich brach der ÖV zusammen, die SBB kämpften mit Verspätungen und Ausfällen, Anschlüsse wurden verpasst, im Flughafenbahnhof Zürich (dort in Kloten) sassen Passagiere eine halbe Stunde im stehenden Zug, ohne Informationen, wie «Inside Paradeplatz» schreibt.

Der Finanzblog trocknet mal wieder mit seiner Berichterstattung zu einem ihm nicht gerade naheliegenden Thema die Qualitätsmedien ab. Der «Blick» ist immerhin einigermassen auf der Höhe und greift erzieherisch ein:

Sogar die NZZ übt staatstragend leise Kritik:

Nur der Tagi säuselt etwas von einem rekordverdächtigen, aber doch nicht rekordträchtigen «Wintereinbruch». Dabei müsste man doch klar sagen: es war angekündigt, dass es am Donnerstag ganz hübsch zu schneien beginnen wird. Natürlich sind die Strassenverkehrsämter nicht in der Lage, jede einzelne Schneeflocke einzufangen, bevor sie den Boden erreicht.

Aber ein wenig Vorbereitung? Damit Zehntausende von ÖV-Benützern wenigstens wissen, dass sie nach der Arbeit nach Hause laufen dürfen? Durchsagen und Informationen, die etwas mit der Realität zu tun haben? Das Räumen von Strecken und Strassen, wo der ÖV jedes Mal Mühe hat, wenn es schneit? Zu verhindern versuchen, dass ab Donnerstagnachmittag auf der A1 zwischen Zürich und Bern durchgehend Stau herrschte?

Wenn Büne Huber auf der Bühne einen Spruch auspackt, dann geht ein gnadenloser Recherchierjournalist einem Problem nach, das keines ist. Wenn die Schweiz beim Phänomen Schneefall halb zusammenbricht, dann ist das Tamedia keine Zeile wert. Oder einfach ein paar trockene Informationen.

Dabei interessiert den Leser das Lalü Lala einer wild gewordenen Sprachpolizei genau null. Die Beeinträchtigung des ÖV und seine Fortbewegung hingegen sehr. Eine prima Gelegenheit (die aber nicht mal der zahnlose «Blick» benützt), um sich über Sesselfurzer aufzuregen, kritische Fragen zu stellen, auszuschwärmen und Passanten zu fragen, wer den weitesten Heimweg zu Fuss hatte. Einen Schneeräumer bei der Arbeit begleiten. Tipps für Velofahrer geben. Meinetwegen auch sein Erstaunen äussern, dass die Klimaerwärmung mal wieder versagt hat.

Dazu äussert sich der Tagi dann ausführlich: «Ebenso gibt es derzeit in den Modellen der Klimaforscher keine Anzeichen einer plötzlichen stratosphärischen Erwärmung. Das ist ein atmosphärisches Phänomen vor allem im Winter, das den Polarwirbel aus der Bahn wirft und schwächt – mit möglichen Folgen für das Wetter in unseren Breiten. Es kann dann zu extremen Kälteeinbrüchen kommen.» Und weiter: «Ein Grund ist der Polarwirbel, der sich jedes Jahr im Herbst von neuem aufbaut, wenn im Winterhalbjahr immer weniger Sonnenlicht die Polarregion erreicht. Er dreht in einer Höhe von rund 20 bis 50 Kilometern in der Stratosphäre im Gegenuhrzeigersinn, angetrieben durch die Temperatur- und Druckdifferenz zwischen dem hohen Norden und den mittleren Breiten, die im Winter am grössten ist.»

Solches Meteorologen-Gewäsch interessiert den Leser natürlich ungemein, der vielleicht gerne wissen möchte, worauf er sich am Freitag einzustellen hatte. Aber immerhin, gegen Mittag, nachdem die Redaktion soweit wach ist, interviewt einer tatsächlich einen Lokführer. Wahnsinn. Aber nein, das wäre zu viel der Arbeit. Er schreibt einfach ab, was ein Lokführer auf Reddit gepostet hat. das ist Qualitätsjournalismus at its best.

Beim Schreiben an den Leser denken, das ist eine Fähigkeit, die bei Tamedia weitgehend verloren ging. Nicht erst im Schneetreiben.

So sieht ein Versager aus

Kubas Präsident wirft sich in eine Fantasie-Uniform und fantasiert.

Kaum Essen, kaum Wasser, kein Strom, kein Transport, kaum Treibstoff. Schulen geschlossen, eigentlich alles geschlossen. Müllberge auf den Strassen. Schockierte Touristen, die in Hotels ohne Strom oder Lift ihre Koffer vom Zimmer runterschleppen und am stromlosen Flughafen José Martí stranden.

Aber Präsident Miguel Díaz-Canel weiss wenigstens, was daran schuld ist: die Handelsblockade der USA. Das wird auch von Kuba-Nostalgikern überall auf der Welt nachgeplappert. Sie existiert tatsächlich noch, ist aber löchriger als ein Schweizer Käse. Im Hafen von Havanna werden fleissig Reissäcke umgeschüttet. Denn wenn die Originalverpackung in die Läden käme, stünde darauf «Made in USA». Lebensmittel, wie so vieles andere, ist längst vom Handelsembargo ausgenommen.

Zudem steht es Kuba frei, überall auf der Welt jedes beliebige Produkt zu kaufen. Länder wie China, Russland oder Venezuela kümmern sich einen feuchten Dreck um amerikanische Embargos oder Drohungen. Bloss: wer Kuba kennt, verlangt Vorauskasse. Und da ist Ebbe.

Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung ist ein ideales Beispiel, um das hausgemachte Versagen zu illustrieren. Bis 1959 war Kuba Nettoexporteur von so ziemlich allem, nicht nur Zucker. 65 Jahre Revolution haben dafür gesorgt, dass Kuba seit Jahren über 80 Prozent aller Lebensmittel importieren muss, ein Grossteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche vom Dornengestrüpp Marabú überwachsen ist.

Dass der Strom in uralten sowjetischen Ölkraftwerken erzeugt wird, alle vor 1989 hergestellt und seither verlottert, ist auch kein Ergebnis der Handelsblockade, sondern eigener Unfähigkeit. Kuba wäre wie kein anderer Ort prädestiniert für Solar-, Wind- und Gezeitenenergie. Aber seit der gefährliche Versuch, einen Tschernobyl-Reaktor in der Nähe von Cienfuegos in Betrieb zu nehmen, glücklichweise durch den Zusammenbruch des sozialistischen Lagers gestoppt wurde, hat das unfähige Regime nichts unternommen, die prekäre Energieversorgung zu verbessern.

Schlimmer noch: 2015 posaunte das Regime heraus, dass Russland einen Kredit von 1,2 Milliarden Euro gewähre, um ein neues thermoelektrisches Kraftwerk zu bauen und dringend nötige Reparaturen an der verlotterten Infrastruktur der Stromerzeugung und -verteilung vorzunehmen. Im September 2022 räumte Kuba ein, dass der Kredit nicht gesprochen werden konnte, weil das Regime nicht in der Lage war, wie vereinbart seinen Teil von 120 Millionen Euro aufzubringen.

Zwischen 2006 und 2019 lieh Russland insgesamt 2,3 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung von Projekten in den Bereichen Energie, Metallurgie und Transport. Rausgeschmissenes Geld; seit 2020 kann Kuba vereinbarte Rückzahlungen nicht mehr leisten; das russische Parlament stundete die Kredite bis 2027. Statt sie auf null abzuschreiben, was bei diesen Versagern das einzig Vernünftige wäre.

Selbstverständlich verfügen die Mitglieder der Cupola, der Kuppel aus höchsten Würdenträgern in Partei und Militär, über eigene Stromgeneratoren und tagen in wohlklimatisierten Sitzungsräumen. Sie leiden auch offenkundig nicht unter Nahrungsmittelknappheit, so fett wie die meisten sind. Was im heutigen Kuba obszön ist.

Die leidgeprüften Kubaner können mit stundenlangen Stromabschaltungen einigermassen umgehen. Aber nach drei Tagen ist Ende Gelände für Lebensmittel im Kühlschrank. Wie im Mittelalter werden auf den Strassen Havannas grosse Bottiche auf Steinblöcke gestellt und ein Holzfeuer drunter entzündet. Reingeschmissen wird alles noch vorhandene Essbare, damit es wenigstens nicht verdirbt.

Kubanischer Kochherd, Modell 2024.

Alle Aktivitäten sind bis Mittwoch suspendiert. In den Fabriken  macht das nichts, sie sind sowieso weitgehend paralysiert. Aber selbst die US-Botschaft hat ihre Dienste eingestellt, vielleicht geht auch dort den Stromgeneratoren langsam der Saft aus.

Immer wieder scheitern Versuche, eine der maroden Stromerzeuger wieder anzuwerfen. Kurz flackert das Licht, dann ist wieder duster. Ein Symbol für den Zustand der Revolution. Und dann auch noch Hurrikan Oscar, der den Süden der Insel getroffen hat.

Die Parteizeitung «Granma» existiert nur noch im Internet und verbreitet düsteren Optimismus:

Wer noch Saft hat, um sie anzuschauen, sieht Nachrichten aus einem Paralleluniversum. «Kuba durchlebt eine aussergewöhnliche Situation», beschönigt die Schlagzeile. Daneben: «Maximaler Alarm vor dem Ansturm von Oscar», «Hurrikan Oscar: Vorausschau, Solidarität und Einigkeit vor jeglicher Eventualität», «Der Mangel an Treibstoff ist die Hauptursache für die Beeinträchtigung des nationalen Stromnetzes.»

Ist das so, handelt es sich um ein weiteres schockierendes Versagen des Regimes, denn den Pegel der Kraftstoffreserve zu messen, das schafft selbst ein kommunistischer Parteifunktionär. Aber bis zum Zusammenbruch des gesamten Stromnetzes wurden kaum Massnahmen ergriffen.

Und drunter auf der Front von «Granma» sitzt der Hauptverantwortliche in seiner Fantasieuniform, mit der er sich ein wenig Castro-Look verschaffen will, schaut streng und behauptet: «Unser Land wird alle Eventualitäten überwinden». Und was auch nie fehlen darf: «Von der internationalen Gemeinschaft gibt es Rückendeckung für Kuba». Der Aussenminister verdankt «die Unterstützung von Venezuela, Mexiko, Kolumbien, Russland und Barbados». Worin die allerdings besteht, ausser aus netten Worten, sagt er nicht. Und natürlich verurteile laut «Granma» die ganze Welt die grausame US-Handelsblockade.

Wirklich grausam ist aber die schreiende Unfähigkeit des Regimes, die fundamentalsten Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Strom, Wasser, Nahrung, medizinische Versorgung, Ausbildung, Transport, Müllabfuhr. Alles ist beeinträchtigt oder funktioniert nicht. Menschen, die auf Operationen oder gekühlte Medikamente angewiesen sind, sterben.

Die zweite Haupteinnahmequelle Kubas, neben den Überweisungen von Exilkubanern in Milliardenhöhe, ist der Tourismus. Bis heute hat er sich nicht von der Pandemie ganz erholt. Und da auch die meisten Touristenhotels nicht darauf eingerichtet sind, einen tagelangen Stromausfall zu überbrücken, wird das der Tourismusindustrie einen weiteren, tödlichen Schlag versetzen. Denn der Pauschaltourist ist schreckhaft und verwöhnt. Schwitzt er in seinem dunklen Hotelzimmer und sieht die Nahrungsmittelvorräte schwinden, gerät er in Panik. Die noch verstärkt wird, wenn er am zappendusteren Flughafen ankommt.

Aber der Tourist kommt wenigstens früher oder später wieder weg von der Insel. Das möchten immer mehr Kubaner auch, denn hier gibt es keine Hoffnung, keine Zukunft, keine Aussicht auf Besserung. Schon eine Million Kubaner sind in den letzten drei Jahren abgehauen. Im Überfluss gibt es nur ausgeleierte revolutionäre Durchhalteparolen, die ewige Entschuldigung «Handelsblockade» und völlige Hirnfinsternis, wie das Regime aus dieser Katastrophe herausfinden will.

Inzwischen herrscht reiner Zynismus. So fordert der Direktor der Unión Eléctrica de Cuba (UNE), der staatlichen Energieunion, die Bevölkerung auf, sich doch mit Solarpanels auszurüsten. Obwohl die kaum erhältlich sind auf der Insel, und wenn, dann zu Preisen, die für normale Kubaner völlig ausserhalb des Möglichen liegen.

Indem die korrupte Oberschicht mit ihrer Jeunesse dorée ihren Reichtum immer ungenierter zur Schau stellt, hat sie jeden Anspruch auf Vertrauen und moralische Führerschaft verloren. Die weitverzweigte Familie von Raúl Castro, dem noch lebenden Bruder von Fidel, ist exemplarisch, welche Abgründe Selbstbereicherung und Korruption erreicht hat. So bot eine Tochter Raúls eine auf Staatskosten renovierte Villa mit Pool, Bediensteten und Koch ungeniert auf Airbnb an – für 1000 Dollar am Tag, die sie selbst einsteckt.

¿Hasta donde?, bis wohin noch, ist ein Lieblingsspruch der Kubaner. Bis zum bitteren Ende, ist die Antwort des Regimes. Wie das allerdings aussehen wird, das steht in den Sternen.

Mulmiger Sonntag

Verdampfen die Hirne in der Hitze?

Niemand mag eine Kassandra. Das war bei der mythischen Figur so, das ist heute so. Der Sommer ist fast da, das Wetter lockt zum Bade, es darf endlich grilliert werden, die Ferienreise ist gebucht, die Maske weg, die nächste Corona-Welle auch. Also wollen wir uns doch nicht die gute Laune verderben lassen.

Gute Laune ist gut und nötig, ein sehr mulmiges Gefühl in der Magengrube aber auch.

Dieses Gefühl hat seine Ursache nicht in schlechter Verdauung, sondern in guter Analyse. Und die ergibt zwangsläufig, dass wir uns mal wieder einem perfekten Sturm nähern. Mal schauen, ob wir auch so seelenvoll wie George Clooney schauen werden, wenn das Boot untergeht.

Wieso sollte denn das geschehen? Worin besteht denn der perfekte Sturm? Und könnte auch die Schweiz absaufen, denn alles andere interessiert uns – Hand aufs Herz – doch nicht so wirklich?

Bitte, die Bestandteile des perfekten Sturms. Über Jahre hinweg wurde Neugeld geschöpft wie verrückt und wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Rekordhalter ist unsere Schweizerische Nationalbank (SNB) mit einem Bilanzvolumen von einer runden Billion (1000 Milliarden). Mehr als unser BIP. Diese Geldmenge muss man sich ungefähr so vorstellen:

Denn bislang, seit der Finanzkrise eins von 2008, segelten wir locker über dieses Geldmeer, ohne dass stattfand, was laut angeblichem Sachverstand hätte passieren müssen: Inflation. Rieseninflation. Keine weitere Krise hat das ausgelöst. Aber die Pandemie und die Ukraine haben es nun geschafft: wir haben Inflation.

So über den Daumen gepeilt 8 Prozent, Tendenz steigend. Tendenz rasch steigend. Teil eins des perfekten Sturms.

Normalerweise bekämpft der Staat eine ins Galoppieren geratende Inflation mit ein, zwei bewährten Mitteln. Er wird knausrig, kauft keine Anleihen mehr auf, gibt weniger Geld aus und schraubt vor allem den Leitzins nach oben. Steil nach oben. Anfang 80er-Jahre überschritt der US-Leitzins sogar mal 20 Prozent. Brutal, aber damit kam eine Inflationsrate von über 15 Prozent wieder runter. Das geht heute aber nicht. Teil zwei des perfekten Sturms.

Das geht deswegen nicht, weil vor 40 Jahren die Staatsverschuldung noch eine Kleinigkeit war im Vergleich zu heute. Damals hatten die USA eine läppische Billion Staatsschulden, heute sind es über 20 Billionen, mehr als das BIP der grössten Volkswirtschaft der Welt. Daher profitieren die Staaten von den Nullzinsen und haben sich weiter bis über die Haarspitzen verschuldet. Würde nun der Leitzins entsprechend der Inflation hochgesetzt, also auf mindestens 10 Prozent, würden viele EU-Staaten vor dem Konkursrichter Schlange stehen.

Wenn die Zinsen hochgehen, gehen die Börsen runter – und der Immobilienmarkt knirscht und kracht. Denn viele stolze Hausbesitzer sind das, auch in der Schweiz, nur deswegen, weil die Zinsen nahe null liegen. Natürlich gibt es theoretisch Belastungsregeln und Blabla. Aber im harten Konkurrenzkampf um die Vergabe der Hypotheken wurde das links, rechts, oben und unten umgangen. Teil drei des perfekten Sturms.

Hier türmen sich folgende Wellen aufeinander. Steigt der Zins deutlich, müssen die Hypotheken angepasst werden. Werden sie das, können viele Hausbesitzer das nicht mehr stemmen. Zwangsversteigerung, Welle eins. Dadurch geraten die Immobilienpreise ganz allgemein unter Druck. Nun verlangt die Bank aber Nachschuss, wenn der Hypokredit nicht mehr durch den Verkehrswert der Hütte gedeckt ist. Das können viele Häuslebesitzer nicht, Zwangsversteigerung. Welle zwei. Trotz allem Bemühen bleiben Banken auf faulen Hypotheken sitzen – und geraten selber in Schieflage. Denn eine Bank darf kein negatives Eigenkapital haben. Ist sie in den roten Zahlen, muss sie die Bücher deponieren. Welle drei, Teil vier des perfekten Sturms.

Das hat verheerende Auswirkungen auf alle Schuldner, die Hypotheken bei dieser Bank haben. Sie müssen sich andere Geldinstitute suchen, und die verlangen natürlich ganz andere Eintrittspreise für eine Hypothek. Teil fünf.

Immer noch munter und optimistisch? Na, wir haben noch gar nicht davon geredet, was passieren könnte, wenn die Inflation ausser Kontrolle gerät. Also so galoppiert, dass kein Zaumzeug mehr etwas bewirkt. Wenn der Preis für ein Abendessen am Anfang und am Ende verschieden ist. Wenn Banknoten gleich zum Heizen verwendet werden; das ist billiger, als damit zuerst Kohle zu kaufen. Wenn auf die Banknoten immer längere Reihen von Nullen draufgestempelt werden.

Kann sich der inflationsverschonte Schweizer nur schwer vorstellen? Da sollte er mal einen etwas älteren Deutschen (oder Italiener oder Franzosen oder Spanier) fragen, wie sich das anfühlt.

War’s das? Fast. Gibt es also einen Weltuntergang?

Nein, einen Weltuntergang gibt es ausserhalb der Bibel eigentlich nicht. Ausser, es gibt einen Atomkrieg, aber das ist ein anderes Thema. Was passiert also, wenn die Inflation so richtig in Galoppieren gerät? Da versucht der Staat, so lange wie möglich zuzuschauen und Optimismus zu versprühen. Etwa so:

Aber dann, im psychologisch richtigen Moment, wird der Staat sagen: liebe Gläubiger, liebe Sparer, liebe Rentner, liebe Anwärter von Sozialleistungen wie Pensionen. Es gibt nun leider nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder, Euer Geld ist ganz futsch. Währungsreform, Neustart, Schulden weg, Guthaben weg. Kann heilsam sein, für Griechenland wäre es sicher die beste Lösung gewesen.

Oder aber, fährt der Staat fort, wir machen eine sanftere Währungsreform. Wir tauschen im Verhältnis von zwei zu eins in Neugeld um. Wer also 1000 Franken hatte, hat nun noch 500. Ist doch immer noch besser als nix, oder?

Schlimme Aussichten? Aber nein, das ist die bestmögliche aller Lösungen; ein geordneter Schuldenschnitt. Ohne Aufruhr, ohne Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung, ohne das Auftauchen eines begabten Rattenfängers, der klar Schuldige benennt und einfache Lösungen anbietet. Oder den Ersatz von Rechtsstaat und Ordnung durch Willkür und Faustrecht.

Denn das, daher das mulmige Gefühl, ist durchaus möglich.

Wumms: Marc Brupbacher

ZACKBUM ist besorgt. Gibt’s eine Lebenskrise?

Kaum jemand hat sich in der Schweiz um das Genre «Hilfe, wir werden alle sterben, wenn man nicht auf mich hört» so verdient gemacht wie der «Leiter Interaktiv-Team» von Tamedia.

Twitter ist Marc Brupbachers Gefäss, für kurze, spitze Schreie braucht er nicht mehr Buchstaben. Er arbeitet nicht mit feiner Klinge, sondern mit dem Zweihänder (Bundesrat: «komplett übergeschnappt», «mit Berset bin ich fertig», Maurer ist ein «Flacherdler»).

Bis zur Verzweiflung kreischte er den Zusammenbruch herbei, brauchte sogar vor Weihnachten eine Auszeit, «mag den fortwährenden Kreis der Idiotie nur nicht mehr kommentieren».

Aber er erholte sich wieder, mit fortwährendem Gekreisch. Nur: anscheinend ist nun fertig Corona. Fertig Massnahmen. Öffnung. Rückkehr zur Normalität. Abbau der Restriktionen.

Himmels willen, wer führt Brupbacher vorsichtig in diese neue Realität? Wer nimmt ihn bei der Hand, achtet auf seine Schritte, schützt ihn vor Zusammenbruch und Fall?

Braucht es ein ganzes Care-Team? Psychologische Unterstützung? Oder reicht gutes Zureden? Ein freundlicher Klaps auf den Hinterkopf? ZACKBUM weiss es nicht, ist aber besorgt.

Hilfe, mein Papagei onaniert!

Weihnachten: Lustige Zeiten mit Corona

Gut gefüllte Wiederholungsschleifen erfreuen zum Fest.

Liebe, Stille, Geschenke. Friede, Freude und Wiederholung.

Das Thema «warne vor» ist inzwischen so ausgelutscht, dass sich Virologen in verzweifelter Suche nach Aufmerksamkeit schon fremder Zitate bedienen.

Denn der Schreckensruf «wir werden alle sterben!», gar «the end is near» löst verstärkt den Gähnreflex aus.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, auch süchtig nach Medienauftritten, spricht von einer «Omikron-Wand», die auf uns zukomme. Da müssen die Schweizer Corona-Kreischen nichts Neues mehr erfinden:

«Auch Isabella Eckerle (41), die Genfer Virologin, findet die Metapher passend und warnt vor steigenden Zahlen. «Da kommt keine Welle auf uns zu, sondern eine Omikron-Wand», sagt die Virologin zu Blick.»

Während Marcel Salathé wie gewünscht seine Karriere geboostert hat und daher im Kampf um öffentliche Wahrnehmung zurücklehnen kann, warten wir stündlich auf Christian Althaus oder «Viren-Jägerin» Emma Hodcroft, die Eckerle sicherlich nicht einfach das Feld überlassen können.

Gut geklaut ist besser als schlecht erfunden.

Obwohl der gleiche «Blick» vermeldet: «Die Daten aus Südafrika deuten darauf hin, dass eine Infektion mit Omikron vor allem milde Verläufe hervorruft und es dadurch zu weniger Hospitalisierungen kommen wird.»

Wand, Wändchen oder Lufthauch?

Also könnten wir doch eher von einem Paravent sprechen. Ausser natürlich der Master of Desaster Marc Brupbacher. Der hat’s auf Twitter wieder keine Nummer kleiner: «Da viele Spitäler … schon jetzt vor dem Kollaps stehen, muss man in den kommenden Wochen mit dem vollständigen Zusammenbruch unseres Gesundheitssystems rechnen. Jede Intervention wird bei Omikron jetzt zu spät kommen.»

Der Omikron-Paravent des Zusammenbruchs?

Das twitterte er allerdings am 15. Dezember. Somit ist amtlich, dass es in der kommenden Woche noch nicht zum Äussersten kam. Man wagt ja nicht, sich das Weihnachtsfest bei Brupbachers vorzustellen. Vor dem Weihnachtsbaum, in Erwartung des Zusammenbruchs und des Endes.

Aber immerhin, eine einzige positive Auswirkung hat Corona: Das WEF, das Stelldichein der Schönen, Reichen und ganz schön Reichen, der Wichtigen und Aufgeblasenen, findet nicht im Januar in Davos statt. Wobei das die dortige Hotellerie, die gewohnt ist, dann selbst Abstellkammern für ein Heidengeld zu vermieten, in Kreischlaune versetzt.

Bu-Bu-Booster

Dann eine Nachricht für alle, die noch keinen Booster gesetzt bekamen. Abgesehen vom irrwitzigen Ausdruck – es ist die gleicher Sauce wie beim ersten und zweiten Mal –, vor dem Booster ist vor dem Booster und bleibt vor dem Booster gell?

Denn während in der Schweiz die Präzisionsuhren etwas langsamer gehen, ist man im Ausland schon weiter. Deutschlands Gesundheitsminister spricht von der fünften Welle und der vierten Impfung. Oder umgekehrt. Man verliert auch da den Überblick. Auf jeden Fall sei genug Impfstoff vorhanden.

Vielleicht sollte man gleich zur Monatsspritze übergehen, bis der Oberarm so aussieht wie der Unterarm eines Drogenabhängigen. Ganz bitter wird es hingegen für Ungeimpfte. Pardon, für verantwortungslose, fahrlässige, die Gesellschaft in Geiselhaft nehmende Impfverweigerer. Damit die nicht völlig vereinsamen, traurige Weihnachten alleine vor dem ungeimpften Bäumchen verbringen müssen, ist es höchste Zeit für eine Impfpflicht.

Es gibt noch viel zu impfen, spritzen wir es an

Falls all den Warnern, Unken und Publizitätsgeilen mal doch der Stehsatz ausgeht, die Wiederholung, der Warnruf ihnen selbst in der Schleife zu ausgeleiert vorkommt: wie steht’s eigentlich mit den Haustieren?

Braucht auch der Dackel seinen Schuss? Das herzige Kaninchen, damit es nicht zur Virusschleuder wird? Der Wellensittich? Wie steht es eigentlich mit unerwünschten Haustieren? Haben nicht Ratten die Pest übertragen? Können Insekten von Viren befallen werden? Da gibt es noch so viel zu tun.

Was bei der Effizienzklasse von Elektrogeräten möglich ist, muss doch auch bei Covid-19 funktionieren. 3 G, 2 G, 2 G+, das ist doch nicht sexy, versteht eigentlich keiner. Da muss eine klare Ampel her. A+ bedeutet: so oft geimpft, wie’s der Oberarm aushält. A steht für: doppelt geimpft, geboostert und willig, nachzuboostern. B+ signalisiert: doppelt geimpft, aber noch nicht geboostert. B: doppelt geimpft, ohne Booster-Termin.

Dann geht’s noch ins Aschgraue hinunter. C: erst einmal geimpft, aber getestet. D: einmal geimpft, nicht getestet. Schliesslich E und F: nicht geimpft, nicht getestet. Eine Schande für die Gesellschaft.

In diesem Sinn: frohe Weihnachten zusammen!