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KOF bleibt doof

Nach den externen Experten nun die eigenen am Gerät. Au weia.

Die SDA fasst zusammen, was die Gazetten übernehmen: «KOF senkt BIP-Prognose leicht und warnt vor Rezession». Das Prinzip der «Konjunkturforschungsstelle der ETH» (KOF) ist streng wissenschaftlich und glasklar. Eine Prognose gilt nur bis zur nächsten. Ist doch logo. Bei der Inflation meinen 18 befragte «Konjunkturexperten», sie steige auf 2,6 Prozent. Da bietet schon die ZKB mit 4 Prozent entschieden mehr.

Im März schwärmte das mit 60 Sesselfurzern ausgestattete Institut noch von 3 Prozent Wachstum des BIP der Schweiz. Schnee von gestern, nun sind es nur noch 2,8 Prozent. Das ist allerdings eine minime Veränderung im Gegensatz zu einem Abschreiber von 5 Prozent, den das KOF treudoof auch mal vornehmen musste.

Eine weitere eiserne Prognoseregel lautet: umso weiter in die Zukunft, desto unklarer. Daher wurden im März noch 2 Prozent Wachstum im Jahr 2023 erwartet. War aber nix, nun sind es lediglich 1,3 Prozent.

Allerdings sind ganz kurzfristige Prognosen auch nicht so das Ding  von den Mannen (und Frauen natürlich) um Jan-Egbert Sturm. Der begab sich während der Pandemie in artfremde Gebiete, damit die Scheinwerfer der Medien auch mal wieder über ihm leuchteten. Denn obwohl Mitglied der Task Force, interessierte seine Meinung über die Konjunktur nicht wirklich.

Daher verwandelte er sich kurzfristig in einen Virologen, Immunologen und Spezialisten für Spitäler. In dieser Eigenschaft sah er im November 2020 dunkle Sturmwolken aufziehen, da die Intensivstationen der Spitäler noch diese Woche «an ihre Grenzen kommen werden». Taten sie nicht, aber er war kurzfristig wieder medial da.

Vielleicht hat er ein wenig aus solchen Flops gelernt. Denn nun erzählt das KOF die zwar gesenkte, aber immer noch optimistische Variante der Konjunkturentwicklung in der Schweiz. Ein wenig Bammel vor neuerlichen krachenden Fehlprognosen hat man schon. Also schiebt man ein dickes «Aber» hinterher: «Sollte die Inflation in den USA und Europa in diesem Jahr in «unakzeptable Höhen» steigen und «schnelle und starke» Zinsschritte der Notenbanken im Winter erfordern, sehe es deutlich düsterer aus, so die KOF», vermeldet die SDA.

Dann, ja dann sei mit einer Rezession der Weltwirtschaft zu rechnen. Und dann, ja dann «würde auch die Schweiz in eine Rezession und eine längere Stagnationsphase schlittern».

Das alles erinnert an die gute, alte Börsenregel: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert die Börse oder bleibt, wie sie ist. Auf die Konjunktur angewendet: Sagt das KOF, wie es ist, ändert die Konjunktur oder bleibt, wie sie ist.

 

 

Blick in die Zukunft

«Die Ukraine muss siegen.» Und wie wird’s wirklich?

Beim Blick in die Zukunft herrscht weitgehend Einfallslosigkeit. Geboren aus Schwarzweissdenken kann man sich Prognosen nur in Schwarzweiss vorstellen. Dadurch wird das Zerrbild der Gegenwart in die Zukunft extrapoliert.

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Da aber ein militärischer Sieg der Ukraine doch allgemein als unwahrscheinlich gilt, wird halt gerudert. Der Heldenpräsident Selenskij wird unbedingt mit allen nötigen Waffen versorgt, um den russischen Invasoren möglichst schmerzlich Widerstand leisten zu können – und sie zu guter Letzt aus dem Land zu werfen.

Das führt zwar zu bedauerlichen Kollateralschäden in der ukrainischen Bevölkerung und Infrastruktur, zu unermesslichem Leid und Zerstörung, aber die Alternative wäre nur, wie das ein Historiker in unnachahmlicher Dummheit behauptet, dem Präsidenten zu raten, er solle aufgeben.

Und das wiederum würde den Appetit des wahnsinnigen Verbrechers im Kreml stimulieren, der sich anschliessend noch Transnistrien, vielleicht Moldau, warum nicht Polen unter den Nagel reissen will. Deshalb muss der zur lokalen Militärmacht abgerüstet werden, was dadurch gelingt, dass möglichst viel von seinem Kriegsgerät vernichtet wird.

Das zukünftige Ziel muss unbedingt sein, dass die territoriale Integrität der Ukraine erhalten bleibt und sich Russland völlig zurückzieht, auch von der Krim. Anschliessend wird die Ukraine in die EU und die NATO eintreten, womit weitere Überfälle durch Russland ausgeschlossen sind.

Weiter im rosaroten Bild

Als Zeichen der europäischen Solidarität werden nicht nur Waffenlieferungen getätigt und geschenkt, es werden auch bedingungslos ukrainische Flüchtlinge aufgenommen. Die Schweiz sollte angesichts besonderer Umstände nicht so zickig auf ihrer Neutralität bestehen. Immerhin hat sie sich allen Sanktionen angeschlossen und nimmt auch freiwillig wohl bis zu 200’000 Flüchtlinge mit dem Sonderstatus S auf.

Die werden von der Schweizer Bevölkerung begeistert empfangen, wie nie zuvor zu Hause aufgenommen und fast als Familienmitglieder akzeptiert. Schliesslich handelt es sich um Miteuropäer, hochqualifiziert und überwiegend weiblich, meistens von einer kleineren oder grösseren Kinderschar begleitet. Dem entsprechenden Ansturm muss natürlich das Schul- sowie das Sozialsystem der Schweiz gewachsen sein. Ein Unmensch, der da von Kosten und Sekundärfolgen in der reichen Schweiz spricht.

Sobald der Endsieg über Russland errungen ist, werden grössere Teile der Flüchtlinge wieder in die Ukraine zurückströmen, so wie das ja auch bei den Ungarn und den Tschechen der Fall war. Der Wiederaufbau des Landes wird zu grossen Stücken durch beschlagnahmte Vermögenswerte reicher Russen im Ausland finanziert, zudem muss sich natürlich Russland daran beteiligen.

Als Gegenleistung hat die Ukraine schon versprochen, dass sie dann die letzten Reste von Korruption, Oligarchenherrschaft, pseudodemokratischen Veranstaltungen, willkürlicher Machtausübung beseitigen wird. Selbst Präsident Selinksij wird mit gutem Beispiel vorangehen und seine Millionenbesitztümer im Ausland offenlegen, vielleicht sogar verkaufen, um das Geld dann zu spenden.

Das ist der märchenhafte Ausblick des Mainstreams. Die Wunschvorstellung aller kalten Krieger und Kriegsgurgeln, die dafür grosse Teile der aktuellen Wirklichkeit einfach ausblenden.

Zurück in die realistische Zukunft

Denn das alles wird natürlich nicht passieren. Ein realistisches Zukunftsbild sieht so aus: als ersten Schritt wird es einen Waffenstillstand geben. Umso schneller, desto besser für die Zivilbevölkerung der Ukraine. Danach werden Verhandlungen beginnen, ohne Vorbedingungen. Wie vom Altmeister der amoralischen Realpolitik Henry Kissinger – und nicht nur von ihm – bereits skizziert, werden diese Verhandlungen damit enden, dass die Krim und die beiden Donbass-Provinzen russisch bleiben, sowie ein Landzugang zur Krim. Die Ukraine wird zumindest auf absehbare Zeit nicht in die NATO eintreten und höchstens den normalen, zeitraubenden Weg in die EU einschlagen.

Da Russland mehrfach wortbrüchig geworden ist, was seine Versprechen betrifft, die Grenzen der Ukraine anzuerkennen und zu respektieren, wird die territoriale Integrität der Ukraine von der NATO garantiert werden. Diese Kröte muss Putin schlucken, der sich ohne Not in eine Position manövriert hat, in der er nur verlieren kann. Die Frage ist nur, wo die Schwelle zum für ihn erträglichen Verlieren liegt.

Die anfängliche Begeisterung über und die Solidarität mit ukrainischen Flüchtlingen wird – wie bei früheren Flüchtlingswellen mit Willkommenskultur und allem – schnell nachlassen. Beispiele von Missbrauch, von Ausnützen, von Betrug, von Unwilligkeit, sich zu integrieren und auch bescheidene Angebote zu akzeptieren, werden zunächst als fremdenfeindliche SVP-Propaganda denunziert, sickern aber zunehmend in die öffentliche Meinungsbildung ein. Wie meist hat hier «Inside Paradeplatz» ein feines Näschen für die Vorboten zukünftiger Entwicklungen.

Die Belastungen der Schweizer Solzialsysteme werden diskutiert, die Bevorteilung von Flüchtlingen gegenüber notleidenden Schweizern kritisiert. Absurde Forderungen wie die, dass in der Schweiz Sondersteuern für sogenannte Kriegsgewinner erhoben werden sollen, deren Ertrag dann der Ukraine zugute kommen muss, fachen die kritische Debatte zusätzlich an.

Eine Wende wird sich immer deutlicher abzeichnen

Viele Familien, die gutgläubig Plätze angeboten haben, werden sich immer lautstärker darüber beschweren, dass sie versprochene Unterstützung nicht erhalten und stattdessen im Stacheldraht von Behörden und Bürokratie verröcheln, bzw. selbst in gröbere finanzielle Probleme geraten.

Die Meinungsträger, die von jeglichem Nachgeben abraten und die ewigen schiefen Vergleiche mit dem Appeasement gegenüber Hitler ziehen, werden zunehmend verstummen. Insbesondere, da Russland, in die Ecke gedrängt, immer unverhohlener mit dem Einsatz von zumindest taktischen Atomwaffen droht. Und immer deutlicher macht, dass es die Ausrüstung der ukrainischen Streitkräfte mit westlichem Militärgerät als Annäherung an eine direkte Intervention der NATO in der Ukraine empfindet.

Immerhin sind die Dummschwätzer verstummt, die noch vor Kurzem die Errichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine, garantiert durch die NATO, oder gar ein direktes militärisches Eingriffen des Bündnisses forderten.

Es gibt die Zukunftsprognose, die auf der fantasievollen Weltsicht beruht: wenn Wünsche wahr werden. Es gibt die Zukunftsprognose, die sich nach einer heilen, gerechten, moralisch intakten Weltvorstellung ausrichtet. Es gibt die Zukunftsprognose, die in typisch eurozentristischer Selbstfixierung davon ausgeht, dass die ganze Welt nicht nur den Einmarsch verurteilt, sondern auch bei wirtschaftlichen oder politischen Sanktionen gegen Russland dabei sei. Dabei stehen hier den europäischen Staaten plus USA, Japan, Australien und Neuseeland die überwältigende Mehrheit von über 150 Nationen gegenüber, die sich in keiner Form an Sanktionen beteiligen. Darunter Schwergewichte wie China und Indien.

Medien machen immer wieder die gleichen Fehler

Auch das Denunzieren von realistischen Zukunftsprognosen als zu nachgiebig, feige, gar als Ausdruck der Übernahme russischer Positionen, als Einladung für den Kreml, weitere Eroberungszüge zu riskieren, ist unnütz. Damit werden zwar weiterhin die Mainstreammedien bespielt, aber die machen den gleichen Fehler wie in ihrer Berichterstattung über die Pandemie.

Eine zu einseitige, zu meinungsstarke, zu wenig faktenbasierte, ausgewogene und umfassende Berichterstattung stösst den Konsumenten ab. Muss er dafür noch bezahlen, fragt er sich zunehmend, welchen Gegenwert er in Form von Einheitsbrei, ewig gleichen Kommentaren, markigen Kriegsrufen und unablässigen Verurteilungen Russlands bekommt.

Wie bei der Pandemie übergehen die Mainstreammedien gefloppte Prognosen kleinlaut. Die russische Wirtschaft wird demnächst zusammenbrechen. Der Rubel wird ins Bodenlose fallen. Russland wird schwerste Verluste mit seinen Rohstoffexporten erleiden. Die russische Bevölkerung wird in zunehmendem Leidensdruck beginnen, massiv gegen ihre Regierung zu protestieren. Der Veretdigungsminister ist abgetaucht, vielleicht schon abgesetzt, oder im Straflager. Oder liquidiert. Putin ist nicht nur wahnsinnig, sondern auch krank. Geschwächt. Innerhalb des Kremls wird bereits über seine Nachfolge nachgedacht. Nur ein ausgeklügeltes Sicherheitsdispositiv hat bislang verhindert, dass ein erfolgreiches Attentat verübt wurde.

Früher gab es die journalistische Berufsgattung des Kremlastrologen. Das waren die Kenner und Spezialisten, die aus kleinsten Anzeichen (wer steht wo bei Paraden, hustet der Generalsekretär, wieso wurde das Politbüromitglied schon seit zwei Wochen nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen) die ganz grossen Linien zogen. Nur war damals der Ruf der Medien noch viel weniger als heute ramponiert.

Neben Putin steht nun allerdings schon der zweite Verlierer eindeutig fest. Wieder einmal die sogenannten Qualitäts- und Bezahltitel, die für gutes Geld schlechte Ware liefern.

 

 

Wohin mit dem Geld?

Börse, Krise, Zähneklappern? Die NZZ ist gefordert.

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Die alte Tante ist nunmal das Organ des Kapitals. Also muss sie Kapitalisten gute Ratschläge geben, was die mit ihrem Kapital anfangen sollen. Besonders in turbulenten – Finanzspezialisten bevorzugen den Ausdruck volatil – Zeiten, wo die Anlagemärkte Achterbahn fahren.

Leider verfügt aber nicht einmal die NZZ über eine Glaskugel, mit der sie in die Zukunft sehen kann. Das machte sich schon schmerzlich bemerkbar, als sie beim Grounding der Swissair einen grossen Stiefel voll rauszog.

Aber zurück in die Gegenwart und die Zukunft. Auch in volatilen Zeiten, wo ein Atomkrieg alle Anlagechancen unangenehm beeinflussen könnte, ist in erster Linie Optimismus gefragt:

Lobenswert und viel optimistischer als der Titel auf der Front.

«Korrekturen, Einstiegschancen», so muss man das sehen. Korrekturen hört sich doch viel besser an als Massaker, und wer einsteigen kann, sollte das als Chance sehen – und nicht als Aufforderung, seine Kohle zu verrösten.

Die NZZ wirft gleich drei Fachredaktoren in die Schlacht: Michael Ferber, Lorenz Honegger und Werner Grundlehner. Geballte Kompetenz, grosse Vision, sattelfest, wunderbar. Allerdings: besser ist’s, die Ratschläge sogenannten «Experten» zu überlassen. Denn sollten auch die über keine Glaskugel verfügen, hat man nur berichtet, sollte es in die Hose gehen. Und wer hätte denn ahnen können, dass ausgewiesene Experten wie der «Chef des Research-Bereichs Schweiz bei Vontobel» und ein «Finanzprofessor und geschäftsführender Partner bei Zugerberg Finanz» nicht die Zukunft vorhersehen können.

Zunächst einmal tun sie ihr Mögliches, überlegenes Wissen zu versprühen: «Im Unterschied zum amerikanischen Leitbarometer S&P 500 befinden sich im Swiss-Market-Index weniger Wachstumstitel, daher sind die Kursverluste bei den Standardwerten im Durchschnitt bis jetzt eher verhalten ausgefallen.»

Gut, das ist der Blick in die Vergangenheit, das kann eigentlich jeder. Aber wie sieht’s in der Zukunft aus?

«Die Korrektur an der Börse eröffnet phantastische Einstiegschancen für Leute, die ihr Geld anlegen wollten und bisher von den hohen Bewertungen am Aktienmarkt abgeschreckt wurden.»

Das ist endlich mal eine optimistische Prognose, wunderbar. Schliesslich würden alleine in der Schweiz «700 Milliarden Franken darauf warten, am Aktienmarkt investiert zu werden».

Die wollen wir ja nun nicht weiter ungeduldig im Geldsäckel klimpern lassen. Obwohl, so viel Warnung muss sein: «Natürlich könne die Börse morgen oder übermorgen nochmals 5 Prozent nachgeben, meint der Finanzprofessor.» Das wäre natürlich blöd für die 700 Milliarden, denn  dann wären 35 futsch. Aber: «Wissenschaftliche Studien haben allerdings gezeigt, dass «Market Timing» – also das Ein- und Aussteigen an der Börse zu bestimmten Zeitpunkten – die Anleger im Allgemeinen Rendite kostet und diese nicht etwa verbessert.»

Wissenschaftliche Studien, das hört sich immer gut an, auch wenn man die Aussage nicht wirklich versteht. Aber man ist ja auch kein Wissenschaftler, nicht wahr.

Wohin denn nun mit all dem Geld?

Nun aber Butter bei die Fische, wie der norddeutsche Finanzwissenschaftler sagen würde, wohin mit dem Geld? «Am besten gehalten haben sich im bisher schwierigen Börsenjahr 2022 im SMI die Aktien des Telekomkonzerns Swisscom (+9,4 Prozent), die Titel des Versicherers Zurich (+8,4 Prozent), diejenigen des Pharmakonzerns Novartis (+6,7 Prozent) sowie die Papiere der Grossbank UBS (+3,8 Prozent) und jene des Zementkonzerns Holcim, die mit 0,8 Prozent im Plus notieren.»

Das ist enttäuschend, denn wir blicken in die Vergangenheit. Nun ist aber genau das das Problem jeder Prognose. Entweder hält der Prognostiker den feuchten Finger in den Wind, oder aber, er leitet aus Vergangenem mögliches Zukünftiges ab. Das macht allerdings nur dann Sinn, wenn etwas nicht passiert: das Unvorhergesehene. Aber leider passiert das ständig. Finanzkrise eins, Eurokrise, Ukraine-Krise, da kann man doch gar keine ordentliche Zukunftsprognose abgeben.

Zudem gibt es immer das «einerseits, andererseits»: «Allerdings haben sich nicht alle dieser defensiven Titel in diesem Jahr gut gehalten. Die Genussscheine von Roche haben beispielsweise seit Jahresanfang 16,4 Prozent an Wert verloren. Auch die ebenfalls schwergewichtigen Nestlé-Aktien haben mit 11 Prozent beinahe so stark nachgegeben wie der SMI.»

Höchste Zeit, wieder etwas Wissenschaft herabregnen zu lassen: «Grundsätzlich gilt: Je weiter das Gewinnwachstum eines Unternehmens in der Zukunft liegt, desto stärker reagieren seine Aktien auf Zinsänderungen

Noch verwirrender ist allerdings: «Einige der grössten Verlierer in diesem Jahr finden sich derweil in der Liste der grössten Gewinner der vergangenen fünf Jahre im SMI.»

Konkret: «Die Aktien des erfolgsverwöhnten Unternehmens Partners Group sind in diesem Jahr bei der Performance das Schlusslicht im SMI und verbuchen ein Minus von rund 34 Prozent. Hart erwischt hat es auch die Titel der Bauchemie-Gruppe Sika (–33 Prozent), des Sanitärtechnik-Unternehmens Geberit (–31,3 Prozent) sowie die Aktien von Lonza und Givaudan mit Verlusten von 29,9 Prozent beziehungsweise 27,4 Prozent seit Anfang des Jahres.»

Was schliesst denn der Experte daraus: «Für die Aktien von Sika, Holcim und Partners Group sieht der Research-Chef eine rosige Zukunft.»

Was lernen wir von den Experten?

Also, lieber anlagewilliger Leser. Wer gewann, verliert. Wer verliert, wird gewinnen. Also einsteigen und sich nicht irritieren lassen, wenn man sofort verliert. Denn anschliessend gewinnt man. Oder umgekehrt. Oder doch nicht. Aber das ist sicher. Wenn nicht, vorausgesetzt, dass. Und ein Atomkrieg würde natürlich alles ändern. Obwohl der, komisch aber auch, nicht ganz unvorhersehbar wäre.

Aber Zukunftsdeutungen sind nun wirklich nur was für Experten. Wie man hier sieht.

Corona – weiterhin der stille Star

Das kann doch ein Virus nicht erschüttern. Corona generiert weiterhin die meisten Artikel. Aber wer sieht die Zukunft?

Afghanistan hat visuell die besseren Karten. Die Szenerie ist zwar wiederholungsgefährdet. Rund um den Flughafen von Kabul, martialisch auftretende Taliban, zu Fuss oder im US-Jeep, Flüchtlinge im Flugzeugbauch oder beim Aussteigen. Dazu die üblichen Talking Heads, also Politiker, Fachleute, Besserwisser und Rechthaber im Nachhinein.

Also das gleiche Personal wie bei Corona. Nur: 731 Treffer für Afghanistan in den letzten 24 Stunden im SMD, 1621 für Corona. Allerdings gilt auch hier: lang lebe die Wiederholung.

  • «Forscher warnen vor neuer Corona-Supervariante» (Newsticker SRF),
  • «Neuseeland verlängert Lockdown» («Süddeutsche», somit auch Tamedia),
  • «Diese Länder verschärfen ihre Massnahmen wieder» (bluewin.ch),
  • «Jurist Loris Mainardi kritisiert Bewilligung für Corona-Demo» (nau.ch),
  • «Ins Restaurant nur noch mit Zertifikat?» (NZZ),
  • «Brig-Glis erwartet bis zu 500 Anti-Corona-Demonstranten» («Walliser Bote»),
  • «Von Spucktests bis Virenfilter» («Zürichsee Zeitung»),
  • «Operngenuss trotz Maske – Bayreuther Festspiele im Zeichen von Corona» (SDA),
  • «Vierte Corona-Welle in Deutschland: Neuinfektionen nehmen weiter zu» («Blick»),
  • «Nein zum Covid-Gesetz – Ist SVP-Angriff aufs Impfzertifikat ein Spiel mit dem Feuer?» («20 Minuten»),
  • «Wer kann Corona besser als die Zürcher?» («Der Landbote»),
    «Pandemie macht erfinderisch: Wie aus einem Geistesblitz auf dem WC eine Firma entstand» («Tages-Anzeiger»),
  • «Die vierte Welle rollt über den Kanton Bern» («Thuner Tagblatt»).

Hand aufs Herz und Maske vors Gesicht: Wir sind doch rundum, vollständig, ausgewogen und hilfreich informiert, nicht wahr? Wir sind zudem mit guten Ratschlägen überversorgt. So dekretiert der Rest-Chefredaktor des einstmals stolzen «Tagblatts» aus St. Gallen:

«Wer geimpft, genesen oder getestet ist, kommt rein – der Rest nicht».

Bei allem Verständnis dafür, dass auch CH Media viele Batzeli an Steuergeldern erhält und sich auf noch mehr Subventionen freut: Muss man es mit dem Bundesrats-Verlautbarungsjournalismus so weit treiben? Man könnte doch, aus Ehre und Anstand, wenigstens noch den Halsansatz sichtbar lassen, wenn man schon in ein dafür nicht vorgesehenes Körperteil kriecht.

Schreiben ohne Verstand: Stefan Schmid im «Tagblatt».

«Freiheit ohne Verantwortung gibt es nicht. Darum ist es richtig, Ungeimpften in einer Pandemie den Zugang zu Lokalen mit viel Volk vorübergehend zu untersagen.» Ach ja, wenn die Allzweckwaffe Stefan Schmid vom «Tagblatt» ins Philosophieren gerät, wird schmerzlich bewusst, dass es eigentlich auch Pressefreiheit ohne Verantwortung nicht geben sollte. Denn nein, solange es offiziell keinen Impfzwang gibt, ist es nicht richtig, Menschen zu diskriminieren, die von dieser Freiheit Gebrauch machen. Oder soll das dann auch bei der nächsten Grippewelle gelten?

So viele Informationen bis es flimmert

Nochmal Hand aufs Herz und Maske vor die Augen: Wer unserer geschätzten Leser kann folgende drei Fragen aus dem Stand und richtig beantworten?

1.Unter welchen Voraussetzungen können wir nach Deutschland reisen?
2. Sind die Spitäler wieder am Rand ihrer Kapazitäten?
3. Braucht es eine dritte Impfung?

Oh, Sie nehmen den Telefonjoker und sagen nichts ohne Anwalt? Vielleicht gibt es doch mehr Ähnlichkeiten zwischen Afghanistan und Corona, als man gemeinhin annimmt. Ein kühner Vergleich?

Eigentlich nicht. Afghanistan war und ist das Land des Kannitverstan. Wieso ist eine Billion US-Dollar spurlos vergurgelt? Corona war und ist die Pandemie der Widersprüchlichkeit. Wieso steht einer Schadensbilanz alleine in der Schweiz vom schätzungsweise 150 Milliarden Franken, bewirkt durch staatliche Massnahmen, kein Durchbruch in der Bekämpfung der Pandemie gegenüber?

Ja, über diese beiden Fragen lohnt es sich, vertieft nachzudenken. Leider hilft einem dabei kein deutschsprachiges Qualitätsmedium. Selbst die «Republik», die doch eigentlich unverzichtbar ist beim Retten der Demokratie, der Schweiz und der Welt, schweigt.

Da bleiben als letzte Hoffnung eigentlich nur noch die Muotathaler Wätterschmöcker, echt jetzt.

Die sehen wenigstens die Zukunft.

Der Quengelton von der «Republik» zum Advent

So sicher wie Weihnachten: Ein langes Goodbye nach hinten und vorne.

Es fängt wie immer harmlos an: «Ladies, Gentlemen and everyone beyond». Und hört gefühlt eine ganze Weihnachtszeit lang nicht auf. Dabei sind es nur 8300 Buchstaben, eigentlich nix.

Erst noch pädagogisch geschickt aufgebaut. Zuerst ein Rückblick: Vor genau einem Jahr sei «der wichtigste Newsletter seit dem Start der «Republik»» rausgepustet worden. Leider habe der gar nicht zur besinnlichen Adventszeit gepasst.

Das stimmt, man erinnert sich mit Schrecken. Zum zweiten Mal zeigte die Riesencrew des Online-Magazins, dass sie zwar lang schreiben, aber nur eher kurz in die finanzielle Zukunft blicken kann. Da der sozusagen normale Quengelton schon für die letzte, überraschende Bettelrunde verbraucht worden war, ging’s nun richtig zur Sache: 19’000 Verleger, vulgo Zahler bis März 2020 müssen her.

Sonst, so sorry, müssen wir uns entleiben

Sonst, sorry, Ladys and Gentlemen, müssen wir uns entleiben; werden alle per Ende März gekündigt, die Räumlichkeiten besenrein zurückgegeben. Dumme Fragen, wieso denn bereits 19’000 reichen sollten, bei dem Riesenbudget, wieso denn die furchtlose und mutige Crew keine Sekunde daran denkt, vielleicht ihre üppigen Löhne etwas runterzufahren, wurden wortreich oder wortlos beantwortet.

Dumme Fragen nach dem undurchschaubaren Dschungel der Buchhaltungs- und Steuerersparniskünste der Holding mit AG und Genossenschaft, wurden mit strafendem Schweigen ignoriert.

Aber tempi passati, wie der Lateiner sagt; es geschah das weihnachtliche Wunder im und um das Rothaus. Die Zahl wurde erreicht; eine weitere Grossspende erledigte den Rest, Demokratie und Welt konnten aufatmen: Die «Republik» lebt weiter.

Ein historischer Moment in der Geschichte der «Republik»

Aber nicht nur das, triumphiert der aktuelle NL, die Anzahl der Abonnenten stieg und stieg und stieg. Auf 25’000; tatä, selbsttragend. Gar auf 27’000, «eine neue Etappe in der Geschichte der «Republik»», trötet der NL. Es gehe nicht mehr ums Überleben, sondern um Langfristigkeit.

Also Schampus für alle, dazu Weihnachts-Grati, 13. und 14. Monatslohn, plus allgemeine Lohnerhöhung? Jein. Denn nach all den guten Nachrichten kommt dann doch wieder die kalte Dusche. Immerhin, es wird (diesmal) nicht mit Selbstmord gedroht. Sondern der finstere Entschluss verkündet, 2021 nicht mehr unter 25’000 Verleger zu fallen.

Selbsttragend, you know. Und wie stehen dafür die Aussichten? Wunderprächtig, oder? Leider nein, «bei etwa: fünfzig-fünfzig. Es könnte hauchdünn werden – jede Verlängerung zählt.» Denn die «Republik» hat immerhin zur Kenntnis genommen, dass Abos mindestens einmal im Jahr verlängert werden müssen. Und dass das nicht alle Verleger tun.

Sondern nur «im Schnitt 75 Prozent». Das bedeutet, wir lassen die dazwischenliegende Quantenphysikrechnung aus, dass Ende März der «Puffer» nur mehr aus 300 Mitgliedschaften bestünde. Und schwups, schon wäre die «Republik» nicht mehr selbsttragend. Ausser, die Riesencrew würde bei den Löhnen oder bei den Stellen, aber das kommt ja nicht in Frage.

Transparenz, wie wir sie an der «Republik» lieben

«Unser Schicksal liegt weiter in Ihrer Hand», barmt die «Republik». Wobei allerdings nicht klar ist, wer «Ihr» genau sein soll. Denn die gute Nachricht ist schliesslich: Es ist völlig wurst, ob es diesen Puffer gibt oder nicht, 25’000 Abonnenten oder 27’000: selbstfinanziert ist die «Republik» niemals. Oder nur, wenn die armen Reichen, die schon Millionen hineingebuttert haben, ihre Darlehen auf null abschreiben. Was sowieso ein Zeichen von Intelligenz wäre.

Vor allem, wenn man sich – nur so als Beispiel – diese illustrative Grafik aus dem «Cockpit» anschaut, die eigentlich die Anzahl der anstehenden Verlängerungen in den nächsten drei Monaten transparent machen soll:

Alles klar, lieber Leser? Oder brauchen wir’s noch transparenter?

Ich gestehe; mit nur wenig Hilfe schaffe ich es, einen Geschäftsbericht der UBS oder der CS durchzuackern und zu verstehen. Aber hier scheitere ich. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich nicht auf dem intellektuellen Niveau eines «Republik»-Verlegers fliege.

Und wie steht es eigentlich ums Kerngeschäft?

Ach, und so nebenbei, gibt es auch publizistische Grosstaten zu berichten, aus diesem Jahr? Eigentlich nicht; der Versuch, vor einem Jahr Stimmung mit einer haltlosen Verleumdung des grössten Kita-Anbieters der Schweiz zu machen, ging wie üblich bei Skandalstorys der «Republik» in die Hose. Der Kita-Betreiber liess zudem alle Vorwürfe extern untersuchen: nichts, nada, nullo dran. An den anonymen Denunziationen ehemaliger Mitarbeiter. Das war der «Republik» dann aber keine Zeile wert.

Sie wolle auch in der Pandemie «möglichst nützlichen Journalismus liefern» behauptet sie. Nun ja, möglichst mageren würde es wohl besser treffen. Viel Meinung, viel Gesinnung, viel Gejodel in der Echokammer, viel Bestätigung eigener Vorurteile und derer des kleinen Zielpublikums.

Völlig den eigenen Verlegern ausgeliefert

Das kommt halt davon, wenn man tapfer auf jegliche Werbung als Einnahmequelle verzichtet. Dann ist man tatsächlich völlig seinen zahlenden Lesern ausgeliefert. Und wehe, man macht die mit störenden Widerworten muff. Dann entziehen sie sofort Liebe und Geld. Und wer braucht beides nicht; gerade in diesen Zeiten.

Dann freuen wir uns schon auf den NL im Frühling. Beide Varianten sind sicher bereits getextet.