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Der Mann spinnt

Leider dokumentiert nur die WeWo Trumps Rede vor der UNO.

Unverständlich, aber gleichzeitig interessant ist das Phänomen, dass es ansonsten zurechnungsfähige Menschen gibt, die Präsident Trump schätzen.

Wenn es noch eines Beweises gebraucht hätte, dass der Mann nicht nur raffgierig, verlogen und gefährlich ist, sondern schlichtweg irr, dann genügt seine Rede vor der UNO, um das zu belegen.

Verdienstvollerweise hat das Trump schätzende Organ «Weltwoche» diese Rede vollumfänglich dokumentiert. Das ist viel subversiver und entlarvender als all das Gemecker, das in den Mainstreammedien erschallte.

Die sind im Übrigen des Triumphgeheuls voll, dass der mittelmässige Comedian Jimmy Kimmel wieder auf Sendung ist. Und feiern das als grossen Triumph der Meinungsfreiheit in den USA. Was genauso bescheuert ist wie die Rede Trumps.

Ein paar Highlights:

Seit Trumps letzten Rede vor sechs Jahren «haben die Waffen des Krieges den Frieden zerstört, den ich auf zwei Kontinenten geschaffen hatte. – Heute, nur acht Monate nach meinem Amtsantritt, sind wir das angesagteste Land der Welt, und kein anderes Land kommt auch nur annähernd an uns heran. Amerika ist mit der stärksten Wirtschaft, den stärksten Grenzen, dem stärksten Militär, den stärksten Freundschaften und dem stärksten Geist aller Nationen auf der Erde gesegnet. – Damit haben wir die USA erneut zum besten Land der Welt für Geschäfte gemacht. – Ebenso habe ich in nur sieben Monaten sieben endlose Kriege beendet. – Kein Präsident oder Premierminister hat jemals etwas Ähnliches getan, und ich habe es in nur sieben Monaten geschafft. Das gab es noch nie zuvor. So etwas hat es noch nie gegeben. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich das geschafft habe. – Ich war zu sehr damit beschäftigt, Millionen von Menschenleben zu retten, also diese Kriege zu beenden. – Vor vielen Jahren habe ich als sehr erfolgreicher Immobilienentwickler in New York, bekannt als Donald J. Trump, ein Angebot für die Renovierung und den Wiederaufbau dieses Komplexes der Vereinten Nationen abgegeben. – Ich sagte damals, dass ich es für 500 Millionen Dollar machen würde, alles neu bauen würde. Es würde wunderschön werden. Ich sagte immer: «Ich werde Ihnen Marmorböden geben.» Das Beste von allem. – Kein anderes Land der Welt hätte das tun können, was wir getan haben. – Wie Sie wissen, habe ich zusammen mit Steve Witkoff und anderen wie Marco Rubio, die meisten von ihnen (israelische Geiseln der Hamas, Red.) zurückgebracht. – Dieser Krieg hätte niemals begonnen, wenn ich Präsident gewesen wäre. – Ich schaue mir London an, wo Sie einen schrecklichen Bürgermeister haben, einen schrecklichen, schrecklichen Bürgermeister. – Ich bin wirklich gut in solchen Dingen. Ihre Länder gehen vor die Hunde. – Ich habe die höchsten Umfragewerte, die ich je hatte. – Der Wind weht nicht. Diese grossen Windräder sind so erbärmlich und so schlecht, so teuer im Betrieb, und sie müssen ständig neu gebaut werden. Sie beginnen zu rosten und zu verrotten. – Washington D.C. ist jetzt wieder eine absolut sichere Stadt, und ich heisse Sie herzlich willkommen. Wir werden sogar zusammen in einem Restaurant in der Nähe zu Abend essen und können zu Fuss gehen. – Ich bin wirklich gut darin, Dinge vorherzusagen. Während des Wahlkampfs hiess es richtigerweise, Trump hatte in allem Recht. Und ich sage das nicht, um anzugeben, aber es ist wahr. Ich hatte in allem Recht. – Und ich mache nur Geschäfte mit Menschen, die ich mag. – Lasst uns die Rede- und Meinungsfreiheit verteidigen.»

Muss man das noch kommentieren? Ausser mit dem Satz, der nur möglich ist, weil der Autor nicht die Absicht hat, in absehbarer Zukunft die USA zu besuchen:

Der Mann spinnt. Hochgradig.Und brandgefährlich.

Watch your words

Trumps Sprache verrät eigentlich alles über den Mann.

«Ich kenne den Mann seit Jahren und halte ihn für sehr klug und sehr stark.» So lobhudelte US-Präsident Donald Trump im April 2018 John Bolton, als er ihn zu seinem Sicherheitsberater machte.

Bolton sei ein «lowlife», Abschaum, nichtsnutziger Penner, ein «sleazebag» (Dreckskerl). Er sei nicht wirklich klug, aber er könnte «sehr unpatriotisch» sein. Plus die Drohung: «Ich werde es herausfinden.» Das sagt Trump heute über seinen Kritiker Bolton.

Über den Chef der US-Notenbank FED sagt Trump: Jerome Powell sei ein «Schwachkopf», der «Mister zu spät», er sei «crazy» (verrückt) und sein «Feind», der so schnell wie möglich zurücktreten müsse.

Seine ehemalige Konkurrentin sei die «crooked Hillary», die korrupte Hillary Clinton, Nancy Pelosi «crazy Nancy». Die Medien ganz allgemein seien die «Feinde des Volkes», was auch Richter treffen kann. Wer ihm unliebsame Artikel verbreitet oder Urteile fällt, sollte gefeuert werden.

Sein allgemeines Abwertungsvokabular umfasst unter anderem die Begriffe «Loser, Clown, disaster, stupid, very dumb, total disgrace».

Also Reaktion auf seine Amok-Zollpolitik würden ihm nun reihenweise Staatenführer den «Arsch küssen».

Sich selbst sieht er als «stabiles Genie», zu allen Themen, über die er sich äussert, hat er den Satz parat «niemand versteht das wohl besser als ich», was sich sogar auf das Wachstum und die Pflege von Rasen bezieht.

Beliebte Sätze sind ebenfalls: «Ich habe mehr für Amerika getan als fast jeder andere Präsident. Meine Rallyes sind die grössten und enthusiastischsten in der Geschichte. Die Leute lieben mich wie niemanden sonst

Auch historische Vergleiche scheut er nicht: «Viele Leute sagen, ich sei wie Abraham Lincoln – aber mit noch mehr erreicht.»

Hinzu kommt, dass Trump lügt, dass sich die Balken biegen und nicht nur über Personen seine Meinung diametral ändert. Das gilt nicht nur für US-Politiker. So ist Russlands Präsident Putin einmal für Trump «ein Genie», dann aber auch ein «madman», ein Verrückter.

Dazu ist Trump völlig skrupellos bei der Selbstbereicherung, was die «Financial Times» mit einer Unzahl Belegen als den «grössten Raubzug am helllichten Tag» der jüngeren Geschichte bezeichnet.

In letzter Zeit kommt es zunehmend vor, dass der 79-jährige Trump vom Thema abweicht, mäandert, sich in Nebensächlichkeiten wie dem Zustand des Grases in Washington D.C. («niemand versteht mehr von Gras als ich») verliert.

Alles, was ihn ausmacht, ist in einem Satz aus dem Wahlkampf von 2016 enthalten:

«I could stand in the middle of Fifth Avenue and shoot somebody, and I wouldn’t lose any voters, OK?»
«Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und jemanden erschiessen – und ich würde keine Wähler verlieren.»

Mit aller gebotenen Vorsicht lässt sich daraus ein Psychogramm des mächtigsten Mannes der Welt erstellen. Von jemandem, der eine solche Kappe trägt und das nicht ironisch meint:

Er ist ein Narzisst mit starkem Bedürfnis nach Bewunderung und niedriger Frustrationstoleranz. Er benützt einfache Botschaften und hat ein klares Freund-Feind-Schema. Er hat ein hohes Bedürfnis nach autokratischer Macht und den Anspruch, allein die richtigen Lösungen zu haben. Er beansprucht Dominanz durch Herabsetzung des Gegners. Sich selbst sieht er gerne in der Opferrolle («Fake News», gestohlene Wahlen). Seine Bewertungen und Einschätzungen ändern sich je nach Loyalität oder Opportunität, gehorchen keinerlei Prinzipien.

Das ist alles nichts Neues; solche Machtmenschen gab und gibt es in der Menschheitsgeschichte immer wieder. Sie haben allerdings eines gemeinsam: von Stalin über Hitler bis Mao sind sie allesamt gescheitert. Das hatte jeweils Millionen von Toten zur Folge.

Keiner von ihnen war so mächtig wie der US-Präsident heute. Was geschieht, wenn ein Narzisst scheitert? Abwehr, Verleugnung, im besten Fall Depression und Rückzug. Im Normalfall Wut und Aggressionsausbrüche, da das Scheitern als Angriff erlebt wird.

Wehe uns.