Postfaschistoide Juso
Die Junggenossen spinnen. Aber richtig gefährlich.
«Wer solche Worte heute noch benutzt, trägt bewusst oder unbewusst dazu bei, dass diese Geschichte und die damit verbundene Diskriminierung reproduziert wird. Worte haben Macht. Wenn wir diskriminierende Begriffe unkritisch übernehmen, verfestigen wir Vorurteile», sagt Severin Gada, Co-Präsident der JUSO Zürcher Oberland.
Wer politisch nichts ausrichten kann oder will, wer zu faul ist, sich mit echten Problemen zu befassen, der kühlt sein Mütchen als Sprachreiniger.
Der Mohrenkopf ist inzwischen reichlich ausgelutscht (oder abgedeckt). Also versuchen es die Jungsozialisten, unterstützt von der SP Uster, mit einem anderen Sprachschlager: Zigeuner.
Das Wort ist immer wieder aufs Neue Gekeife und Geblödel wert.
So versuchten die beiden Hüter der gesunden Lebensart und des korrekten Sprachgebrauchs – der SZ-Mensch Patrick Wehner und Aleksandra Hiltmann, die Balkan-Enthusiastin bei Tamedia – schon im Februar 2021, endlich den Gebrauch des Z***-Schnitzels abzustellen. Kein Scherz, schon damals wurde die Unsitte gepflegt, angeblich schmutzige Wörter nicht mal auszuschreiben.
Denn mit dem Zigeunerschnitzel würde eine ganze Volksgruppe diskriminiert, beleidigt, misshandelt und Blabla.
Ganz blöd war nur, dass die gleiche Hiltmann kurz zuvor den Grossneffen des Gitarristen Django Reinhard interviewte. Und machte dessen Aussage – Achtung, empfindsame Gemüter müssen nun ganz tapfer sein – sogar zum Titel des Interviews:
«Zigeuner ist die richtige Bezeichnung für mich.»
Es kommt dann noch richtig knüppeldick:
Denn Fahrende, Jenische, Sinti und Roma laden ein. Zu den, nochmal ist Tapferkeit gefordert, «Zigeunerkulturtagen». Schlimmer noch, die Veranstalter behaupten: «Es ist sehr schwierig, eine einfache, nicht-rassistische und nicht-aussschliessende Bezeichnung für diese verschiedenen Völkergruppen zu benützen. Die mitorganisierenden Jenischen und auch manche Roma und Sinti verwenden den Begriff «Zigeuner» durchaus mit Stolz und positivem Selbstverständnis.»
Und die machen das doch schon seit 40 Jahren, auch dieses Jahr wieder, diese Zigeuner, die:

JUSOS, tut endlich was!
ZACKBUM empfiehlt hingegen: wenn’s die Zigeuner selbst sagen, darf man zu Zigeunern auch Zigeuner sagen.
Das sehen die verpeilten Jusos, die gerne mal mit einem Aufreger in den Medien landen wollen (nau.ch, «Blick», «20Minuten» etc.), ganz anders.
Sie regen sich plötzlich darüber auf, dass der Zürcher Beck Steiner doch tatsächlich seit Jahren einen «Zigeuner-Salat» anbietet: «Der Begriff ist seit Jahrhunderten eine Beleidigung für Sinti, Roma und Jenische und hat in keiner Theke etwas verloren», schreibt die JUSO in ihrer Mitteilung.
Welch gerüttelter Schwachsinn, die haben wohl den Verstand an der Theke oder sonst wo verloren.
Wenn’s nur ein künstlicher Aufreger wäre, je nun. Schlimm ist schon mal, dass die Bäckerei pflichtschuldig Gesprächsbereitschaft signalisiert und zerknirscht behauptet, die Bezeichnung sei keinesfalls abwertend gemeint.
Statt zu sagen: habt ihr eigentlich noch alle Latten am Zaun und keine anderen Probleme?
Statt darauf hinzuweisen: wisst ihr geschichtsvergessenen Tiefflieger eigentlich, wer zuletzt mit dem Wort Zigeuner schlimme Dinge verband? Wer zuletzt dafür sorgen wollte, dass nicht nur der Begriff, sondern auch seine Träger aus der Gesellschaft verschwinden sollten?
Statt zu sagen: wer Sprache von Unwörtern reinigen will, steht in schlechtester postfaschistischer und rassistischer Tradition und sollte dazu gezwungen werden, wahlweise ein Zigeuner-Schnitzel, einen Zigeuner-Salat oder einen Mohrenkopf zu essen. Oder alles gleichzeitig.





