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Es darf gelacht werden: Sohohonntag in den Medien

Die beliebte Quizfrage: würden Sie hierfür Fr. 17.40 ausgeben?

Das müsste nämlich der Leser hinlegen, der unsere drei Sonntagsblätter am Kiosk käuflich erwirbt.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Die «SonntagsZeitung» macht das, was man halt so tut, wenn ein Thema so ausgelutscht ist, dass inhaltlich eigentlich nichts mehr geht. Impfen? Schnarch. Triage? Gähn. Bundesrat? Dös. Himmel hilf, da braucht es den uralten Trick, die Ebene zu wecheln. Statt die x-te Corona-Koryphäe nun ein anderer Fachmann:

Der Psychiater über die Covid-Wut. So wie bei Jugendfragen unausweichlich die Allzweckwaffe Allan Guggenbühl zum Einsatz kommt, warnt hier Frank Urbaniok «vor den Folgen».  Fehlt noch etwas zum Leserglück? Natürlich, der unvermeidliche Cédric Wermuth. Der SP-Co-Chef weiss, dass man im Kampf um Aufmerksamkeit zuerst ziehen muss, schnell etwas äussern, und «provokativ» muss das auch sein.

Daher, gähn, zieht der Kämpfer gegen den Kontrollstaat ein Impfobligatorium in Betracht. Oder in der Originalformulierung: er fordert «rasch eine offene Debatte über Massnahmen wie G2 oder eine Impfpflicht». Das heisst nun genau nichts, aber Foto und Quote sind ihm sicher, was will er mehr.

Dann folgt ein Beitrag zum Thema «Paid Post». Laut der aktuellen Untersuchung der ZHAW sind bis zu 60 Prozent der Leser nicht in der Lage zu erkennen, dass die nächste Doppelseite ein bezahltes Inserat ist.

Zum Thema Ausland hat die SoZ einen besonderen Leckerbissen parat:

«Neukaledonien stimmt über seine Unabhängigkeit ab».

Himmel hilf, was interessiert das wohl den Schweizer Leser? Er ahnt aber: Autor Maximilian von Klenze ist ein Jungredaktor der «Süddeutschen Zeitung», von wo der Artikel stammt. Und die Teutonen sind immer noch etwas nachtragend, dass Frankreich bis heute so etwas wie ein Kolonialreich hat, während das Volk ohne Raum, das auch zur Sonne strebte, seine Kolonien im Versailler Vertrag weggenommen kriegte*.

Dass auch Symbolbilder Glücksache sind, zeigt die SoZ hier:

Was der grossartige Film «Falling down» mit Michael Douglas über einen durchrastenden kleinen Angestellten mit Corona zu tun hat, erschliesst sich wohl niemandem.

So viel kriegt man für 6 Franken.

Neuerdings probiert’s die NZZaS mit Sauglattismus:

Hat aber das Hörrohr nahe am Leser und führt mit Trara den Bund «2050» zum Thema Klimawandel weiter. Auch die NZZaS ist langsam verzweifelt, was man zum Thema Corona denn noch machen könnte. Aber dem Ingeniör ist nichts zu schwör:

Da sagt der Fuchs schon mal gute Nacht.

Einen besonderen Tiefpunkt setzt mal wieder Aline Wanner in der langsam peinlichen Medienkolumne. Als hätte es einen Rainer Stadler nie gegeben. Sie kritisiert die Medienmarotte, es immer wieder mit Spekulationen über mögliche Corona-Massnahmen zu probieren. Das käme bei «Tages-Anzeiger», «Blick» und «20 Minuten» vor, dort würde «mit einer merkwürdigen Mischung aus Katastrophenlust und  Regelsehnsucht» gemutmasst. Harsches Urteil: «Spekulationen sind Zeitverschwendung, sie bringen nichts ausser Angst und Aufregung».

Diesem Urteil mag man zustimmen. Nur sei die Prognose gewagt, dass Scharfrichterin Wanner mindestens doppelt so glaubwürdig daherkäme, wenn sie auch Beispiele aus dem eigenen Hause erwähnen würde.

Weiter 6.50 sind ausgegeben.

Schliesslich noch der «SonntagsBlick», um die 17.40 komplett zu machen. Dröhnen auf dem Cover, so ist’s recht für den Boulevard.

Im Editorial dann geht Gieri Cavelty der Frage nach:

«Sind die Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht Nazis?» Echt jetzt?

Gerade im Boulevard wäre das ein Klassiker für die Antwort: «Nein.» Aber dann könnte Cavelty nicht zeigen, dass er sich Kenntnisse über das Verhältnis der Nazis zum Impfen angeeignet hat. Dabei half ihm – wir rufen bravo! – die Lektüre eines Buchs. Wir wollen die Spannung auf die Spitze treiben, zu welcher Antwort Cavelty nach mehr als 4000 Buchstaben kam – das sei hier nicht verraten.

Und sonst? Wer auf den folgenden Seiten des SoBli irgend etwas findet, das mit grösstem Wohlwollen nach Aktualität, Neuigkeit, Analyse oder Horizonterweiterung riecht, soll sich hier melden. Wir werden dann die nötigen Schritte einleiten.

Aber aufgepasst, auf Seite 38/39 lernen wir, dass Sarah und Jan «nachhaltig wohnen». Warum? «Wir wollen eine intakte Welt übergeben.» Das ist nett von ihnen, noch netter ist, dass das von «BKW präsentiert» wird. Genau, die vormalige Bernische Kraftwerke AG hat sich ein doppelseitiges Inserat gegönnt. Hinweis für die bis zu 60 Prozent SoBli-Leser, die das für den interessantesten redaktionellen Beitrag halten.

Ach, und das Gefälligkeitsinterview mit ZuccheroVielleicht war ich in einem früheren Leben Schweizer») ist kein Inserat. Also zumindest ist es nicht so gekennzeichnet. Hier mussten wir dann doch zu Seite 2 zurückblättern, weil wir schon vergessen hatten, ob die Befürworter der allgemeinen Impfpflicht nun Nazis sind oder nicht.

Während wir das herauszufinden versuchten, wir gestehen es errötend, sind wir dann allerdings weggeschnarcht.

 

*Red. Das geschah nicht scheibchenweise, wie hier ursprünglich stand. Nach einem Leserhinweis korrigiert.

ZHAW top, MAZ Flop

Corona-Lockdown und Ausbildung?

Während die ZHAW und zum Beispiel auch die Höhere Baugewerbliche Berufsschule Zürich praktisch von heute auf morgen auf den Online-Unterricht umstellten, tat sich das MAZ in Luzern bedeutend schwerer.

Der Modul-Kurs vom 13. bis 27. März der MAZ-Diplom-Ausbildung wurde einfach gestrichen. Grund: Corona-Lockdown. Das führte zu einiger Kritik. Denn das Schulgeld für die gut 90 Tage Schule beträgt happige 28400 Franken. Die 10 Kurstage sollen nun zumindest teilweise im Herbst nachgeholt werden. Schneller reagierte die ZHAW, die Fachhochschule Winterthur in der Fachrichtung Kommunikation. Schon nach einer Woche Lockdown wurde den Studentinnen und Studenten wieder Unterricht erteilt, per Email und Videochat. Zudem konnte man aufgezeichnete Vorlesungen herunterladen. Ähnlich lief es bei der Höheren Fachschule der Baugewerblichen Berufsschule Zürich. Dort setzte man auf das Improvisationsgeschick der Dozenten. Meist innert Tagen stellten diese auf digitalen Fernunterricht um. Kein Wunder, denn die Studenten wollen etwas geboten bekommen für die 17000 Franken. Diesen Betrag müssen die Studies umgerechnet auf gut 60 Tage Unterricht bezahlen.

Yanez ging, Fehr kam

Warum tat sich ausgerechnet das MAZ so schwer? Das Maz, das sich rühmt, das „führende Schweizer Kompetenzzentrum für Journalismus und Kommunikation“ zu sein. Ein möglicher Grund: Der Corona-Lockdown fiel ausgerechnet in die Zeit der Stabsübergabe von Diego Yanez an Martina Fehr. Die neue Direktorin übernahm die Leitung des MAZ am 1. Mai 2020. Fehr, die von der Somedia-Gruppe kam, will die Kritik nicht gelten lassen. Man habe die Kurse in der Diplomausbildung sowie im Radio- und VJ-Lehrgang virtuell fortgesetzt. „Einzelne Inhalte, die sich für den Fernunterricht nicht eigenen, werden im Herbst nachgeholt; dies gilt auch für Prüfungen“, so die 45-Jährige. Und auch Fachkurse wie Medienrecht, Online-Recherche, Verifikation von Fakten, Umgang mit PR oder auch Kurse in der Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Luzern habe man im Fernunterricht durchgeführt. Mussten Angebote gestrichen und/ oder zeitlich verschoben werden? Nochmals Fehr: „Umbuchungen haben wir insbesondere in der Abteilung Kommunikation vorgenommen. Die meisten Kurse und massgeschneiderten Angebote werden nun im Herbst durchgeführt. Einzelne Kurse mussten wir aber auch streichen“.

10 Prozent weniger Kurgeldeinnahmen – vor Corona

Den finanziellen Schaden kann Martina Fehr derzeit nicht beziffern. Schon von 2018 auf 2019 gingen die Kursgeldeinnahmen um eine halbe Millionen oder gut zehn Prozent zurück. Die Schulgelder der Kantone gar um 25 Prozent. Total betrug der Einnahmenverlust 547415 Franken – vor Corona. „Das zweite Semester ist für uns traditionell das umsatzstärkere. Was aber trotzdem klar ist: Wir werden den erlittenen Umsatzverlust im zweiten Halbjahr nicht aufholen können“. Das wiegt darum schwer, weil das MAZ sowieso immer stärker unter der Konkurrenz leidet. Das MAZ mit einem Trägerverein im Hintergrund gilt zwar als praxisnaher als die staatliche ZHAW, dafür aber auch als viel teurer.  Entsprechend sinken die Anmeldungen in Luzern, während in Winterthur der Laden brummt.