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Der BBC-Skandal

Wie Gesinnungsjournalismus eine Institution beschädigt.

Gegründet 1922, ist die BBC die älteste nationale Rundfunkanstalt der Welt. Mit Diensten wie dem BBC World Service erreicht sie Hunderte Millionen Menschen in über 40 Sprachen. Sie gilt international als Vorbild für seriösen Journalismus, Qualitätsstandards und Unparteilichkeit.

Im Zweiten Weltkrieg war BBC nicht zuletzt für Deutsche eine unbestechliche Informationsquelle und kein Propagandasender der Alliierten.

Wie man dieses grossartige und einmalige Image kaputtmachen kann, das zeigen die aktuellen Chefs dieser ehemaligen Kathedrale des seriösen, unbestechlichen, so objektiv wie möglich berichtenden Journalismus.

Nicht zum ersten Mal in den letzten Jahren ist die BBC im Kreuzfeuer der Kritik. Diesmal hat sie sich aber einen wirklich bedrückenden Schnitzer geleistet. Zu befürchten ist: nicht aus handwerklicher Unfähigkeit, sondern mit Absicht.

Der Skandal betrifft eine Ausgabe der Sendung «Panorama», in der ein Ausschnitt einer Rede des US-Präsidenten Donald Trump zusammengeschnitten wurde, sodass sie den Eindruck erweckte, er habe direkt zum Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 aufgerufen. Nachdem er die damaligen Präsidentschaftswahlen gegen Joe Biden verloren hatte.

Eine Niederlage, die Trump bis heute nicht wahrhaben will, man habe ihm damals den Wahlsieg gestohlen, behauptet er wahrheitswidrig.

In dieser Sendung der BBC wurden nicht nur zwei Teile seiner damaligen Rede zusammengespleisst, die in Wirklichkeit 54 Minuten auseinanderliegen. Der erste Teil des Satzes lautet in der Fassung der BBC «wir gehen zum Kapitol», gefolgt von «und kämpfen dort wie die Hölle». In Wirklichkeit rief Trump nach der Einleitung dazu auf, friedlich und «patriotisch» zu demonstrieren.

Ausserdem wurde in diese Rede Material hineingespielt, das zeigt, wie Demonstranten sich Richtung Kapitol aufmachen. Damit wird insinuiert, sie folgten dieser Aufforderung Trumps. In Wirklichkeit entstand das Video vor Trumps Rede.

Das hat der englische «Telegraph» sauber aufgearbeitet, nachdem ihm ein internes Memo zugespielt worden war, das diese Vorgänge kritisiert.

In Folge des Skandals traten wichtige Führungskräfte der BBC zurück, darunter der Generaldirektor Tim Davie und die Chefin der Nachrichtenabteilung Deborah Turness.

Damit haben sie immerhin die Verantwortung für diese Entgleisung übernommen. Allerdings geht das Problem doch tiefer. Denn die BBC beschäftigt rund 22’000 Mitarbeiter. Und bei besonders sensiblen Themen gibt es ganze Hierarchien von Richtlinien, die beachtet werden müssen:

Die «Editorial Guidelines» decken unter anderem ab:

  • Themen wie Genauigkeit, Fairness, Unparteilichkeit, Quellenprüfung, Schnitt und Kontext.

  • Jede Sendung muss nachweisen können, dass sie den Vorgaben entspricht.

  • Bei sensiblen oder politisch brisanten Inhalten ist die Pflicht zur Gegenprüfung («Right of Reply») und Quellenbelegung besonders streng.

Bei der Sendung «Panorama» gibt es eine mehrstufige Kontrolle:

  • Reporter / Produzententeam – recherchiert, schreibt und schneidet die erste Fassung.

  • Senior Editor – überprüft journalistische Integrität, Quellen, Fakten und rechtliche Risiken.

  • Executive Producer / Head of Current Affairs – gibt finale redaktionelle Freigabe.

  • BBC Legal & Editorial Policy Unit – prüft rechtlich heikle Fälle, etwa Verleumdungs- oder Datenschutzrisiken.

  • Commissioning Editor oder Controller BBC News – kann bei politisch sensiblen Themen zusätzliche Prüfungen verlangen.

Schliesslich gibt es noch das Editorial Policy & Compliance Team.

  • Diese unabhängige interne Abteilung kontrolliert, ob Beiträge die BBC-Standards für Unparteilichkeit und Genauigkeit erfüllen.

  • Sie kann Änderungen verlangen oder die Ausstrahlung stoppen, falls Verstösse drohen.

  • Alle freigegebenen Programme erhalten ein «Editorial Policy Approval Record» als Dokumentation.

In diesem Fall haben offensichtlich all diese Kontrollmechanismen versagt. Auch das kann nicht mit Inkompetenz erklärt werden. Sondern ist Beleg dafür, dass die Ablehnung Trumps in der gesamten Redaktion stärker war und ist als das Bedürfnis, all diese journalistischen Goldstandards einzuhalten.

Der Schaden, der durch diese manipulierte Sendung für Trump entstanden ist, ist überschaubar.

Der Schaden für die BBC ist zurzeit noch nicht abzuschätzen.

Die Verallgemeinerung drängt sich auf: wenn selbst diese Institution des fairen angelsächsischen Journalismus dermassen schwächelt, wie steht es dann wohl um die deutschsprachigen Medien?

Von ZDF und ARD weiss man zum Beispiel, dass eine externe NGO damit beauftragt wurde, den Journalisten das richtige Wording bei Migrationsthemen näherzubringen. Der Fall Relotius beim «Spiegel» ist in unguter Erinnerung.

Auch in der Schweiz gibt es nicht nur bei der SRG ellenlange Vorgaben, wie richtig berichtet werden soll. Auch die grossen Printmedienverlage verwandeln sich immer mehr in Echokammern, wo vorgefasste Meinungen vorgegebenen Weltbildern entsprechen. Und Abweichungen nicht toleriert werden.

So beerdigen nicht die Umstände, das Internet, die abwandernde Werbung und die flüchtenden Leser diese Art von Journalismus. Sondern er erledigt sich selbst, macht sich überflüssig, versinkt im Gesinnungssumpf der angeblich einzig korrekten Meinung und Weltsicht.

Das pure Elend

Korrektur am «correctiv»? Nur unter Zwang.

Die Story war gut. In einer Potsdamer Villa treffen sich finstere Gestalten. Von der AfD, sogar der CDU, dazu Identitäre, dazu Martin Sellner. Sicherlich wurde der Ort absichtlich so gewählt, dass die Wannseekonferenz ganz in der Nähe stattfand.

Und in diesem Geheimtreffen wurden finstere Pläne geschmiedet, was nach einer Machtergreifung alles zu geschehen habe. Das alles wäre niemals ans Licht der Öffentlichkeit gelangt, wenn nicht mutige und ingeniöse Mitarbeiter von «correctiv» das Treffen unterwandert hätten. Einer schlich sich als Teilnehmer ein, andere machten einen Lauschangriff, Dritte fotografierten wie wild so viele Teilnehmer, wie sie erwischen konnten.

Dann die grosse Enthüllung, der Aufschrei in den Medien, das Entsetzen. Ist ja alles noch schlimmer, als befürchtet. Bei diesem konspirativen Austausch wurde darüber fantasiert, dass nach der Übernahme der Regierungsgewalt Massendeportationen stattfinden müssten. Eine Reinigung des Volkskörpers, auch unbeschadet, ob jemand Besitzer des deutschen Passes ist. Die Herkunft, das Erbgut entscheidet, ob er weiterhin in Deutschland bleiben darf.

Das wurde dann lang und breit und rauf und runter in den Medien gespielt, natürlich auch in der Schweiz. Es kam zu Massendemonstrationen «gegen rechts», die versammelte Empörungslinke setzte Zeichen und machte ein betroffen-mutiges Gesicht im Kampf gegen den Neofaschismus.

Über 2000 Artikel verzeichnet das Medienarchiv zum Thema. Da traf es sich auch gut, dass «correctiv» mit viel Steuergeld unterstützt wird, der Mitgründer von «correctiv» Daniel Drepper Ende letzten Jahres Leiter des Rechercheverbundes von WDR, NDR und SZ geworden war. Die Organisation behauptet, überparteilich zu sein. Allerdings gibt nun die Co-Geschäftsführerin ihren Posten auf, um die Grünen im kommenden Wahlkampf zu unterstützen.

So fabulierte dann zum Beispiel das Qualitätsblatt «Tages-Anzeiger»: «Geheimtreffen mit Neonazis: AfD-Politiker sollen Vertreibungspläne gegen Einwanderer geschmiedet haben». Oder: «Die grausamen Ziele der AfD werden salonfähig». Oder: «Scholz vergleicht «Remigrations»-Pläne mit Rassenideologie der Nazis». Und überall wurden Zeichen gegen rechts gesetzt.

Die Story war gut. Die Story war zu gut, um wahr zu sein. Denn erstens war das überhaupt kein Geheimtreffen; nachdem solche Anlässe häufig von Linksradikalen gestört oder sogar sabotiert wurden, wurde mit Einladungen gearbeitet. Kommen konnte jeder, der wollte. Zweitens waren die Behauptungen von «correctiv» über geplante Massendeportationen und erzwungener «Remigration» schlichtweg erstunken und erlogen.

Nun kam aber Teil zwei der Story, die viel zu gut war, um wahr zu sein. Da unter den Teilnehmern auch angesehene und versierte Juristen waren, forderte einer die Medien auf, diese Falschbehauptungen zurückzunehmen, zu korrigieren. Wie es sich gehört. Nur: Weigerung auf breiter Front. Also musste zu juristischen Massnahmen gegriffen werden. «Spiegel», ZDF, NDR und SWR waren nur nach schmerzlichen Niederlagen vor Gericht knirschend bereit, diese Falschbehauptungen zu korrigieren.

Und in der Schweiz? Der «Tages-Anzeiger» verbriet fast 30 Artikel zum Themenbereich «Geheimtreffen». In keinem einzigen macht er darauf aufmerksam, dass die «correctiv»-Behauptungen unwahr sind. Auch sonst herrscht Schweigen im Blätterwelt. Nur die üblichen verdächtigen, die «Weltwoche» und ZACKBUM haben auf diesen Skandal hingewiesen. Und, das muss man ihr lassen, die NZZ. Sie schrieb schon im August völlig richtig:

«Die Plattform «Correctiv» musste den Text «Geheimplan gegen Deutschland» korrigieren. Dennoch halten viele deutsche Medien an der ursprünglichen Version fest. Das zeugt von mangelnder Selbstkritik

Dummschwätzer von «tsüri» behaupten noch heute wider Vernunft und Verstand, dass «correctiv» ein «Geheimtreffen» von «Rechten und Rechtsextremen aufgedeckt» habe, «an diesem Treffen wurde eine Strategie zur Abschiebung von Migranten:innen entwickelt», schmiert das Lückenmedium noch am 25. Oktober in seinen Gaga-Artikel «8 Beispiele, die den Rechtsrutsch der NZZ beweisen». Dabei ist das ein Beispiel, das die schludrige Recherche von «tsüri» beweist.

Auch der «Spiegel» hält an der Mär fest, dass das «Medium «Correctiv» im Januar enthüllt» habe, dass heimlich «über massenhafte «Remigration» aus Deutschland» gesprochen worden sei, wie er noch am 19. Oktober schrieb.

Es ist nachvollziehbar, dass Gesinnungsorgane wie Tamedia und andere begeistert die Lügenstory von «correctiv» kolportierten. Denn sie passt perfekt in die Welt voller Vorurteile der Redaktionen.

Aber nachdem einzelne Teilnehmer sich mühsam eine Richtigstellung vor Gericht erstritten und schon alleine aus finanziellen Gründen nicht jedes Organ einzeln einklagen können, ist es Ausdruck des Elendsjournalismus von heute, dass all die damaligen Schreihälse «Geheimtreffen! Massendeportation! Auch von Deutschen! Neonazis!» nicht den Anstand haben, die Korrektur von «correctiv» wenigstens zu vermelden.

«tsüri» ist entschuldigt, bei solchen Wadenbeissern lohnt sich wirklich nicht der Aufwand, sie zu zwingen, ihre Falschmeldungen zu korrigieren.

Aber ein Qualitätsorgan wie der Tagi? Füttert seine Leser mit Fake News und korrigiert sie nicht? Wie sich seine Redaktoren noch täglich im Spiegel anschauen können – ein Rätsel. Sie keifen gegen den notorischen Lügner Trump, fuchteln mit dem Zeigefinger und sind voll moralischer Empörung, selbst der Wahrheit und Wahrhaftigkeit verpflichtet.

Meinen sie wirklich, dass so viel Heuchelei auf die Dauer gutgehen kann?

Wumms: Elmar Thevessen

Beim Namen Trump drehen die meisten Journis durch.

6,3 Milliarden Euro kassiert in Deutschland die ARD; damit ist sie der grösste nicht-kommerzielle Programmanbieter weltweit. Das ZDF nimmt immerhin noch 2,5 Milliarden Euro ein. Eine Etage tiefer, aber nicht viel, fliegt die SRG mit 1,54 Milliarden Franken. Für um den Faktor zehn weniger Zuschauer und Zuhörer, notabene.

Eine ganze Stange Geld; da muss die Oma eine Weile für stricken, wie man im Norden sagt. Aber auch diese wohldotierten Anstalten verfallen in Schnappatmung, wenn ein Name im Raum steht. Der gehört zu einer Figur, die sicherlich einige sehr unsympathische Eigenschaften hat. Aber offensichtlich genug Anziehungskraft, damit diesmal sogar eine Mehrheit aller US-Stimmbürger ihn gewählt hat.

Da es sich nicht schickt, diese Amerikaner direkt zu beschimpfen – denn das wäre ja undemokratisch – wird halt der Mann beschimpft, den sie gewählt haben. Einen notorischen Lügner, einen Geschäftsmann mit mehreren Pleiten hinter sich, einen verurteilten Kriminellen – und jemanden, der verklausuliert zum Sturm auf das Capitol aufrief und bis heute behauptet, dass ihm der Wahlsieg 2020 gestohlen worden sei.

Aber Schwamm drüber, nun hat er ja gewonnen.

Allerdings, das vertragen nicht alle US-Kenner und Koryphäen. Die deutsche «Bild» hat sich mal den Leiter des ZDF-Studios in Washington vorgeknöpft. Das bestreicht übrigens nicht nur die USA, sondern auch «u.a. El Salvador, Guatemala, Haiti, Honduras, Jamaika, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Panama».

Vielleicht liegt es daran, dass der Leiter Elmar Thevessen nicht ganz sattelfest ist. Obwohl er Mitglied der Atlantik-Brücke ist, aber das wäre ein anderes Thema. Gewohnt direkt prügelt «Bild» auf ihn ein:

In den sozialen Medien regnet es Spott und Häme: «Man darf Hafermilch nicht Milch nennen, aber Elmar Thevessen darf man US-Experte nennen.»

Eingehandelt hat der sich das durch tatsächlich krachende Fehleinschätzungen. So sagte er im ZDF, dass Joe Biden «ein Stückchen fester im Sattel sitzt». Drei Tage vor dessen Rücktritt als Präsidentschaftskandidat.

Noch Anfang Jahr hatte der Experte verkündet: «Joe Biden ist zwar gebrechlich, aber geistig topfit und hält die Fäden seiner Partei in der Hand.» Ist ja schon erstaunlich, wie schnell so ein Zerfall gehen kann. From hero to zero, wie der Ami sagt.

Ob das auch sein Problem ist? Noch in der Wahlnacht, als selbst die «New York Times» die Wahlchancen von Trump bei «über 90 Prozent» sah und Fox-News ihn bereits als nächsten Präsidenten verkündete, sagte Thevessen stoisch im ZDF: «Wir sehen zwar ein paar Warnzeichen», so führte er aus, aber «es kann immer noch gut sein, dass sie (Harris, Anm. d. Red.) gewinnt.»

Auch am Mittwoch wird das satirisch kommentiert in den Sozialen Medien: «Elmar Theveßen rechnet wahrscheinlich immer noch nach, ob Kamala nicht doch noch eine Chance hat.»

Würde man sich die Mühe machen, fände man ähnliche oder deckungsgleiche Fehleinschätzungen in den meisten Schweizer Massenmedien, inklusive SRG.

Es kann nun viele Gründe geben, aus denen man Trump für einen unerträglichen Kotzbrocken hält, der weder einmal und schon gar nicht zweimal US-Präsident werden sollte. Diese persönliche Meinung sollten aber Newsredaktoren, vor allem, wenn sie von Gebührengeldern von allen bezahlt werden, für sich behalten. Oder höchstens einmal in Form eines persönlichen Kommentars Dampf ablassen.

Aber ansonsten wäre es ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dem Gebührenzahler, dem Abonnenten die Fakten darzubieten, Erklärungen zu liefern, Analysen und Einordnungen. Denn dafür werden sie bezahlt.

Wer aber – wie zuvorderst der Amok-Auslandchef von Tamedia – den nächsten Präsidenten der USA stattdessen wüst und hemmungslos beschimpft und damit die Mehrheit der US-Wähler zu Volltrotteln erklärt, ist seiner Aufgabe nicht gewachsen. Er versagt dabei, zu erklären statt zu meinen.

Es interessiert die Mehrheit der Tamedia-Leser so wenig wie die Mehrheit der ZDF-Gucker, in welchem Gemütszustand sich die wohlbezahlten sogenannten Experten befinden. Es interessiert auch nicht, dass sie sich in Wunschgebiete flüchten, statt die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Zuerst Biden, dann Harris als die grosse Chance heraufjubeln, diesen Gottseibeiuns noch zu stoppen. Und als das nicht gelingt, den Mann hemmungs- und masslos niederzumachen.

Ihm wieder und wieder sein Strafregister vorzuhalten. Als ob das auch nur im Ansatz erklären könnte, wieso er einen dramatischen Sieg eingefahren hat. Er hat seine Konkurrentin deklassiert, das war kein Kopf-an-Kopf-Rennen, sondern ein Kantersieg.

Und da wird behauptet, nur übelwollende Rechtspopulisten möchten die Medien zurechtstutzen, weil sie deren aufklärerische Macht fürchten. Auch da muss man Englisch sprechen: what a bullshit.

Talker müsste man sein

Aber besser in Deutschland.

Ein TV-Talker hat’s gut. Er hat ein Team, das seine Gäste auswählt. Er hat ein Team, das ihn brieft und vorbereitet und seine Fragen formuliert. Dann muss er nur noch telegen in die Kamera schauen und die Sendung rumpelfrei über die Bühne bringen. Hineingrätschen, wenn ein Gast Unbotmässiges sagt. Die Meinung des Mainstreams bedienen. Schauen, dass die Krawatte (Männer) oder das Oberteil (Frauen) richtig sitzt. In der Maske zuvor alle Unebenheiten wegbügeln lassen.

Eigentlich leicht verdientes Geld; dafür auch noch bezahlt werden, was wünscht man sich mehr im Leben. Natürlich gut bezahlt werden. Daher sind die Gehälter der deutschen Talk-Stars streng geheim. Obwohl auch dort die sogenannt öffentlich-rechtliche Sender weitgehend von den Zwangbeiträgen leben, halten sie nichts von Transparenz.

Die «Welt am Sonntag» hingegen schon. Die hatte bereits enthüllt, dass der Krawall-Linke Jan Böhmermann satte 651’000 vom ZDF dafür enthält, mit Hohngedichten ein ausländisches Staatsoberhaupt staubig zu machen. Plus MWSt.

Nun wurde der WamS eine Liste mit den Einnahmen einiger bedeutender deutscher Talker zugespielt. Sind die Zahlen zutreffend, ist Markus Lanz der absolute Spitzenreiter. Der Schwiegermuttertraum kassiert rund 1,9 Millionen Euro. Das Oberlippenbartmonster Horst Lichter soll für seine Simpel-Show «Bares für Rares» satte 1,7 Millionen einsacken. Andrea KiewelFernsehgarten») bekommt lumpige 400’000 Euro. Christian Sievers, der das «Heute Journal» stotterfrei über die Runden bringt, kriegt dafür 350’000 Euro, und Maybritt Illner schliesslich 480’000.

Wohlgemerkt, hinter all diesen TV-Gesichtern stehen jeweils grössere Teams von Helfershelfern, die dafür sorgen, dass auch alles klappt. Dann muss Lichter nur noch das «Händlerkärtchen» überreichen und seinen leicht klebrigen Charme spielen lassen. Paradiesische Zustände.

Man fragt sich natürlich, was eigentlich die TV-Sternchen der SRG so heimschleppen. Man weiss nur, dass sich beispielsweise die Damen und Herren, die jeweils die Nachrichten in der «Tagesschau» möglichst ohne Unfall vom Teleprompter lesen, sich mit Auftritten bei privaten Veranstaltungen während und nach ihrer Tätigkeit ein nettes Zubrot mit dem Ruhm verdienen, den ihnen die SRG gratis verleiht.

Kindersoldaten am Gerät

Das Blatt der kompetenten Berichterstattung: «Blick».

Auf der Welt passiert so viel, da ist es schwer, den Überblick zu behalten, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und bei der Berichterstattung einigermassen in der Spur zu bleiben.

In einer doch eher nebensächlichen Randnotiz zeigt sich das geradezu idealtypisch:

Das nennt man eine unglückliche Umkehrung von Ursache und Wirkung. Dabei wäre vom Zeilenfall her auch «Jan Bömermann geht auf Schwarzer los» möglich gewesen. Aber man hat ja in der Verrichtungsbox nicht alle Zeit der Welt.

Der nächste Ausrutscher folgt gleich im Lead: «Alice Schwarzer, die sich selber als Feministin bezeichnet, schiesst scharf gegen ZDF-Moderator Jan Böhmermann». Die sich selbst als Feministin bezeichnet? Hat der «Blick»-Autor den Hauch einer Ahnung, was diese Frau für die deutsche Frauenbewegung getan hat? Welche unzähligen Kämpfe sie geführt – und gewonnen hat?

Das ist ungefähr so bescheuert, wie wenn man schreiben würde «Angela Merkel, die sich selbst als Demokratin bezeichnet». Unglaublich.

Aber weiter im Geholper: «Die Publizistin und Journalistin Alice Schwarzer (80) erteilt eine Spitze gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann (42) …» Erteilt eine Spitze? Ist das Dummdeutsch? Geht sie nun los, schiesst sie scharf oder «erteilt sie eine Spitze»?

Der Brachial-Comedian Böhmermann hat zuvor in seiner vom Zwangsgebührenzahler finanzierten TV-Show geäzt: «Die ‹Emma› hetzt inzwischen regelmässig gegen Transmenschen».  Weiter im wilden «Blick»-Geholper: «Und nicht nur das, er zitierte in seiner Show auch noch die AFD-Politikerin Beatrix von Storch, welche sich zu Geschlechtsanpassungen äusserte und sich dabei auf Schwarzers Magazin berief. Böhmermanns Kommentar dazu war: «Ach guck mal an, Nazis lesen ‹Emma›»

Die Partei schreibt sich AfD, und dass Böhmermann dies Politikerin indirekt als Nazi bezeichnet, ist eine seiner typischen Geschmacklosigkeiten und Grenzüberschreitungen.

Was «Blick» unterlässt, ist die Begründung von «Emma» zu zitieren, wieso sie Böhmermann zum «Sexist Man Alive 2023» gewählt hat, also zum grössten lebenden Sexisten in Deutschland. Zum Beispiel, weil der mit dem Begriff «Nazi» um sich wirft, als wäre es Konfetti:

«Sandra Maischberger ist Nazi, sein Ex-Arbeitgeber Harald Schmidt ist Nazi und CDU-Chef Friedrich Merz ist quasi der Ober-Nazi.»

Schmidt konterte das mit der knappen Hinrichtung: «Krawallschachtel».

Wenn’s nur das wäre. Der Mann ist in Wirklichkeit richtig bösartig. Er denunzierte den Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik als «Cyberclown mit Kontakten zum russischen Geheimdienst». Der verlor daraufhin seine Stelle. Die anschliessende Überprüfung ergab: nichts dran.

Unvergessen seine masslose «Schmähkritik» am türkischen Autokraten Erdogan. An dem liesse sich einiges bemeckern, aber Böhmermann kaprizierte sich darauf, ihn einen «Ziegenficker» mit «Schrumpelklöten», dessen «Gelöt nach Döner stinkt» zu beschimpfen. Das war allereunterste Schublade.

Der Ruf «Fick dich, Opa» gegen den damaligen Innenminister Horst Seehofer ging nicht gerade als Glanzlicht der deutschen TV-Satire in die Geschichte ein. Auch zum Thema Geschlechter schwatzt er Unsinn: «Es ist längst wissenschaftlicher Konsens, dass es sehr wohl mehr als zwei biologische Geschlechter gibt.»

Nein, es ist weiterhin allgemeiner Konsens, dass es viele verschiedene Geschlechterrollen gibt, aber nur zwei biologische.

Und eine geschmackvolle Aussage von Böhmermann zu Schwarzer? Bitte sehr: Schwarzer sei «eigentlich eine ganz normale 80-Jährige, die auf ihren letzten Metern gerne hätte, dass alles so bleibt, wie es nie war».

Selbst bezeichnet sich Böhmermann launig als «Arschloch mit Herz». Das nimmt «Emma» gerne in ihr furioses und vernichtendes Verdikt auf, wieso er dieses Jahr den Preis «Sexist Man Alive» bekommt:

«Dieses Arschloch ohne Herz ist kein Aufklärer, sondern ein Demagoge; ein Biedermann und Brandstifter, der von den Gebühren der Öffentlich-Rechtlichen fett gefüttert wird. 651.000 Euro Jahresgehalt sollen es sein, steigend. Für einen Denunzianten und Volksverhetzer. Der Gipfel aufgeblasener Männlichkeit.»

 

 

Wo bleibt der Aufschrei?

Der deutsche Demagoge Jan Böhmermann wird zum Amok.

Zur Erklärung:

Mit diesem Fahndungsplakat machte Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts die deutsche Polizei Jagd auf die Mitglieder der Roten Armee Fraktion (RAF). Die Linksterroristen ermordeten insgesamt 33 Personen, unter ihnen den damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer, bei dessen Entführung seine vier Begleiter, ein Fahrer und drei Polizisten, erschossen wurden.

Jan Böhmermann macht eine Satiresendung im öffentlich-rechtlichen ZDF in Deutschland. Dafür fiel ihm diese bösartige Geschmacklosigkeit ein, das damalige Fahndungsplakat wiederzuverwenden und mit neuen Köpfen zu bestücken.

Zwecks Analogie figurieren zuoberst Franca Lehfeldt, eine Journalistin und Ehefrau des deutschen Ministers Christian Lindner. Unter anderen sind auch Stefan Aust, ehemaliger «Spiegel»-Chefredaktor, Mathias Döpfner, Chef des Springer-Verlags, die FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki und Alexander Graf Lambsdorf sowie ein Pferd «Tosca» aufgeführt.

Weiter in Analogie zum damaligen Fahndungsplakat sollen sie wegen «Beteiligung an staatsfeindlichem Aktivismus, Bildung einer kriminellen Vereinigung, gemeinschaftlicher Vorbereitung schwerer staats- und menschheitsgefährdender Straftaten gesucht» werden. Wie damals wird eine Belohnung von 100’000 DM ausgelobt; der Fahndungsaufruf endet mit dem Hinweis: «Vorsicht! Diese Gewalttäter machen u.U. von ihrem Jagdschein rücksichtslos Gebrauch

Diese billige Hetze dürfte wohl zu einem Aufschrei in den deutschen Medien geführt haben, nachdem Böhmermann vergangenen Freitag diese Dummsatire, die FDP sei die neue RAF, im ZDF auswalzte.

Aber weit gefehlt, Lediglich die linke «tageszeitung» nimmt kein Blatt vor den Mund: «billig, erwartbar, geschmacklos». «Spiegel» und viele Mainstreammedien hingegen bemühen sich um Erklärungen. Noch einen Schritt weiter geht der «Stern»:

 

«In der neuen Ausgabe von Jan Böhmermanns Sendung «ZDF Magazin Royale» geht der Satiriker zurück zu seinen Wurzeln: der Satire. Schritt für Schritt zeigt er auf, wie eine Verschwörungstheorie entstehen kann.»

Ach so, der Satiriker will ein Fanal gegen die Hetze gegen die neusten Streiche der Klimabewegung setzen, na dann. Auf diese Hirnverrenkung muss man erstmal kommen.

Man will sich nicht vorstellen, was für ein Aufschrei durchs Land gegangen wäre, wenn ein nicht dem Mainstream entsprechender Kabarettist wie Dieter Nuhr eine solche Geschmacklosigkeit mit einer Baerbock/Habeck-Bande gemacht hätte. Da wär dann die Kacke so tief geflogen und die Entrüstung so hoch aufgebrandet, dass es kein TV-Sender mehr wagen würde, Nuhrs Show weiter auszustrahlen.

Jeglicher Versuch, für seine Satire um Verständnis zu werben, wäre als typisches Labern von Unmenschen, Zynikern, gewaltbereiten Rechtsfanatikern, hemmungslos- und sittenlosen Hetzern denunziert worden.

Man stelle sich das Hallo in der Schweiz vor, wäre dem letzten überlebenden Halbkomiker Deville so etwas eingefallen.

Nun ist diese «Satire» von Böhmermann zweifellos geschmacklos, nicht komisch und ein Schlag in die Fresse für alle Opfer der RAF. Sie ist im klaren Wortsinn menschenverachtend und kann in keiner Form begründet werden. Daher haben sich doch sicher in der Schweiz einige Stimmen gefunden, die diese üble Demagogie verurteilen oder zumindest kritisch darstellen.

Da wäre mal eine Kurzmeldung der NZZ, dann wäre da eine Kurzmeldung der NZZ, nun ja, und die Kurzmeldung der NZZ. Sonst nix. Schweigen. Nicht mitgekriegt? So eine Schweinerei hat doch genügend Erregungspotenzial; schon wenn ein SVP-Politiker sich ein wenig in der Wortwahl vergreift und als politische Aufforderung verstanden «Feuer frei» textet, war das Tamedia eine gerüttelte Seite Aufregung wert. Aber hier? Hier kommt der Ausrutscher aus der falschen, nämlich der guten Ecke.

So blöd wie der «Stern» will in der Schweiz niemand sein, also fällt Rechtfertigung weg. Verurteilung, ach nein, das könnte ja Beifall aus der falschen Ecke geben. Einfach neutrale Beschreibung? Das geht bei so einer Schweinerei nicht.

Also bleibt nur eines, «the rest is silence», wie schon Shakespeare dichtete. Der hatte allerdings ein etwas anderes Niveau als die heutigen Schweizer Lohnschreiber. Dass die opportunistische Heuchler sind, das denunzieren wir auf ZACKBUM schon lange. Das sie hier schweigen, das hätten nicht mal wir erwartet.

Der billige Biller im Tagi

Was soll ein Beitrag von Maxim Biller über Lisa Eckhart im Newsnet?

Die Erklärung ist einfach: Das Gebolze eines deutschen Drittklassliteraten gegen eine österreichische Kabarettistin erschien eigentlich in der «Süddeutschen Zeitung». Anlass ist deren Auftritt heute Freitagabend im «Literarischen Quartett» des ZDF (23.30 Uhr).

Was geht den Schweizer Leser dieser Erguss über 10’000 Anschläge an, der ja offensichtlich eine sehr deutsche Angelegenheit behandelt? Eigentlich nichts, aber da der Tagi ja immer mehr Inhalt von der SZ übernimmt, rutschen halt auch solche Ausrutscher ins Blatt.

Zunächst die nötigen Erklärungen

Vielleicht für die Leser, die sich in deutschen Untiefen nicht so auskennen: Maxim Biller ist ein unbedeutender Autor, der zu Zeitgeist-Zeiten mit einer Kolumne namens «100 Zeilen Hass» krampfhaft auf sich aufmerksam machen wollte. 2003 schaffte er es, dass der Vertrieb seines Romans Esra gerichtlich verboten wurde. Er hatte darin intime autobiographische Erlebnisse verwurstet, als Abrechnung mit einer verflossenen Freundin. Deren Mutter stellte er als herrschsüchtige, psychisch kranke Alkoholikerin dar.

Also ein richtiger Charmebolzen. Lisa Eckhart ist eine Kabarettistin, die mit ihrem Auftreten als langbeinige, superblonde Provokateurin und teilweise grenzwertigen Scherzen über Faschismus und Nazis für Aufregung sorgt. Natürlich sauste schon öfter die Antisemitismuskeule auf sie hernieder; ein Auftritt von ihr am Hamburger Literaturfestival wurde gestrichen, weil der Veranstalter angeblich nicht die Sicherheit von Künstlerin und Publikum garantieren konnte.

Henrik M. Broder, sonst auch immer schnell mit der Nazikeule zur Hand, verteidigte Eckhart öffentlich gegen den Antisemitismus-Vorwurf. Soweit, so deutsch. Nun erregt sich Maxim Biller darüber, dass Eckhart ins «Literarische Quartett» eingeladen ist. Dazu muss man wissen, dass diese TV-Sendung vom legendären deutschen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki erfunden und lange Jahre geleitet worden war.

Auch Biller hatte einen Kurzauftritt in der TV-Sendung

Der Jude hatte die Terrorherrschaft der Nazis im Warschauer Ghetto überlebt und verlor durch diese Greueltaten nicht seine Liebe zur deutschen Literatur. Der er in dieser Sendung scharfzüngig, witzig, mit klaren Ansichten und Lob, sowie auch schneidenden Hinrichtungen Ausdruck verlieh.

Dann muss man noch wissen, dass auch Biller einen Kurzauftritt im «Literarischen Quartett» hatte. Dann hat man die Hintergründe, wieso er unflätig, unanständig, schamlos gegen die Kunstfigur Eckhart vom Leder zieht. Durch ihren Auftritt habe «der deutsche Jude und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki endgültig den Kampf gegen die Nazis verloren».

Wie denn das? Weil da eine «28-jährige Frau aus einem Dorf in der Steiermark» mit «ihrer sehr, sehr blonden HJ-Frisur, mit ihrem Nazi-Domina-Look und ihrem herablassenden, nasalen Offiziersmessen-Ton» den Hitler-Faschismus wiederbelebe. Diese «Truppenbetreuerin des zu zwei Dritteln wiedervereinigten Deutschlands», bei der leider Teile des Feuilletons «ihre als unwitzige Witze getarnten volksverhetzenden Politlosungen als angebliche Ironie verklärt», von dieser «aus der Zeit gefallenen Ostmark-Kabarettistin».

HJ-Frisur und Nazi-Domina-Look?

Satire muss weh tun, gebrochen sein, Grenzen überschreiten. Der Scherz in Anlehnung an «ein Reich, ein Volk, ein Führer», dass sie zuhause Hitler-Dokus so schaue: «Eine Familie, ein Sofa, ein Sender» ist gar nicht so schlecht. Dass sie sich nebenbei mehrfach und sogar gerichtlich gegen eine Einvernahme durch die AfD zur Wehr gesetzt hat, was soll’s. Weder AfD noch Biller können Satire und Kunstfigur von der Realität unterscheiden.

Hinterlistige Abrechnungen, gelbgrüner Hass und Neid

Während Reich-Ranicki noch die deutsch-jüdische Kritik in der Tradition eines Heine, eines Börne, eines Kerr, ja eines Lessings verkörperte, lobhudelt Biller, geschieht durch diese Einladung der Bühnenfigur Lisa Eckhart nichts weniger als:

«Jetzt gewinnen die Hitlerboys im Zweiten Deutschen Fernsehen ihre antizivilisatorische Schlacht gleich noch ein zweites Mal!»

Unverschämtes Gewäffel eines von Neid zerfressenen, übellaunigen Schriftstellers, der seine mageren Fähigkeiten für Abrechnungen mit Lebensgefährten einsetzt, für gelbgrünen Hass, weil Eckhart heute so provoziert wie er früher, und erst noch mit Erfolg. Das neidet er ihr, und Reich-Ranicki bewundert er, neidet ihm aber gleichzeitig seine Biografie. Denn wie gerne würde der 1960 in Prag geborene Biller seinen Hass auf alles, was für ihn nach Antisemitismus riecht, mit seiner eigenen Biografie begründen. Mit Pogromen, Todesgefahr, persönlichem Leiden.

Kann er aber nicht, das gibt sein Lebensweg nicht her. Aber in Deutschland kann er natürlich bis heute die Karte spielen: «Ich bin Jude, ich darf das.» Wieso damit allerdings die zahlenden Leser von Tamedia belästigt werden, ist völlig unverständlich.