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Das Prinzip unlustig

Arrigoni gibt nicht auf. ZACKBUM auch nicht.

Manchmal wirkt gutes Zureden. So wurde das Sprachrohr einer verstummten, hasserfüllten Kämpferin gegen Hass im Internet entsorgt. Zuvor hatte diese publizistische Leiter nach unten die Leser von CH-Media-Produkten beleidigt und kübelweise Häme über eine Kritikerin seines Idols ausgegossen.

Sein Pendant, die journalistische Leiter nach unten bei Tamedia, ist allerdings noch am Gerät.

Möglicherweise haben die Leser ihm zu verdanken, dass ein neuer Karikaturist die Karikatur eines Karikaturisten gibt, der es schafft, so unkomisch zu sein, dass nicht einmal darüber gelacht werden kann.

ZACKBUM dachte, dass es sich vielleicht um die Nervosität des Anfängers handeln könnte, der halt ein Weilchen braucht, um warmzulaufen. Inzwischen ist aber klar: der Mann kann drei Dinge nicht.

Er kann nicht zeichnen. Er kann keine Pointe herstellen. Er kann nicht witzig sein. Das ist nun aber hinderlich, wenn man Karikaturist des grössten Kopfblattsalats der Schweiz sein will.

Inzwischen hat Tamedia, in seinem ewigen Bemühen, die verbleibenden Leser zu quälen, sogar eine eigene Rubrik eröffnet:

Hier handelt es sich allerdings um eine Mogelpackung. Zunächst müsste es heissen: Arrigoni gibt nicht auf. Die Spitzmarke «Arrogoni zeichnet»: eindeutig Fake News. Und die Lockfrage: «Lust zum Schmunzeln», das ist grobe Leserverarsche. Knapp gefolgt von «Rein in die Welt unseres Karikaturisten». Was für eine Welt? Die Vorhölle?

Wir wollen unsere Leser weiterhin schonen, aber ein, zwei, drei Beispiele müssen schon wieder sein, begleitet von der verzweifelten Frage: Was, um Nicos willen, soll daran lustig oder zum Schmunzeln sein?

Bildzitat eins. Gehämmertes oder Belämmertes?

Bildzitat zwei. Das soll Matthias Hüppi sein. Aber wo ist der Witz?

Bildzitat drei. Eine «Karikatur» zur Beeinflussbarkeit beim Einkaufsverhalten. Rechts, nicht im Bild, ist der schreiend davongerannte Witz.

Bildzitat vier. E-Bike-Unfälle mit Ü 65 nähmen stark zu. Nicht witzig, dafür aber geschmacklos.

Bildzitat fünf. «Habe uns dafür einen neuen great plan»? Die Strichzeichnung links soll wohl Trump sein; die rechts schaut so, als hätte sie diese unverständliche und missglückte Anfängerzeichnung gesehen. Dazu typisch Trump: kann nicht mal einen ganzen Satz bilden.

In Rücksicht auf unsere Leser halten wir ein. Und ja, die Artikelkarikatur ist so viel besser als all dieser Schrott, dass wir sie gerne wiederholen.

Ebenso wie die Stossseufzer: Gnade! Aufhören! Das ist Folter!

Der Trump-Flüsterer

Wenn der US-Präsident Peter Burghardt nicht hätte. Nur weiss er das nicht.

Grundstimmung ist Weltuntergang. «So stirbt die Demokratie», «Die «Washington Post» stirbt». Vergeblich schrieb der US-Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» in Washington gegen drohende Wahlsiege von Donald Trump an.

Burghardt empfand es als persönliche Beleidigung, dass die US-Wähler seinen dringenden Appellen nicht Folge leisteten und aus reiner Blödheit Trump zweimal zum Präsidenten wählten.

Blöd auch: weder die Demokratie, noch die WaPo sind gestorben bis jetzt.

Nun ist’s leider so, also muss nun Trump mit den ungebetenen Ratschlägen und Forderungen von Burghardt leben:

«Pete Hegseth ist als Minister nicht länger tragbar»,

böllert Tamedia. Etwas zurückhaltender hatte die SZ im Original noch getitelt: «Die grösste Fehlbesetzung». Aber die Fehlbesetzung Auslandredaktion bei Tamedia will ja auch etwas für ihr Geld tun und spitzt an und zu.

Schon mit dem ersten Satz macht Burghardt klar, wie er die Lage sieht: «Pete Hegseth hätte nie amerikanischer Verteidigungsminister werden dürfen, er war von Anfang an eine der auffälligsten Fehlbesetzungen im Kabinett von Donald Trump.»

Das Leiden ist deutlich spürbar, dass weder der US-Wähler, noch der US-Präsident auf die Ratschläge eines Deutschen in Washington hören.

Dabei sagt ihm Burghardt doch haargenau, was er zu tun hätte: «Der US-Präsident hat es doch sonst oft eilig, Mitarbeiter zu feuern – dies wäre eine erstklassige Gelegenheit.»

Aber eben, Trump, dieser Versager, ergreift nicht mal eine erstklassige Gelegenheit, wenn sie ihm auf dem Silbertablett geliefert wird.

Gnadenlos wird Burghardt persönlich: «Seine (Hegseths, Red.) Tattoos mit Symbolen, die auf christlichen Nationalismus hinweisen, mögen Privatsache sein. Aber auch das sieht in seinem Job seltsam aus.»

Auch Kontaktschuld wirft er dem Kriegsminister vor. Trump hat gerade den ehemaligen honduranischen Präsidenten und Drogenschmuggler (dessen Bruder sitzt immer noch lebenslänglich im Knast) Orlando Hernández begnadigt. Obwohl der von einem US-Gericht über jeden Zweifel erhaben verurteilt worden war.

Trumps Fehler, den Burghardt genüsslich ausführt, aber: «Dafür kann Hegseth nichts, aber er ist aus mehreren Gründen untragbar.» Nun, wenn er dafür nichts kann, wieso erwähnt es dann der Schreiberling?

Trump häuft hier Fehler auf Fehler. Nach dem Skandal um ungesicherte Chat-Mitteilungen über militärische Geheimnisse: «Trump entliess damals den Sicherheitsberater Mike Waltz, er hätte Hegseth entlassen sollen.»

Tat Trump aber nicht, die Pfeife. Dann setzt Burghardt noch zum Todesstoss als Schlusspointe an: «In dieser irren Lage kann sich die stärkste Streitmacht des Planeten erst recht keinen solchen Verteidigungs- alias Kriegsminister leisten, Wladimir Putin und Xi Jinping amüsieren sich vermutlich prächtig.»

Meine Güte, Burghardt will nicht nur in Washington mitregieren, er verfügt auch über intime Kenntnisse des Gemütszustands von Putin und Xi.

Es ist wirklich eine Schande, dass eine solche Koryphäe nicht zum persönlichen Beraterkreis des US-Präsidenten gehört. Es ist schrecklich, dass weder Trump, noch Putin, noch Xi auf seine Ratschläge hören.

Es ist eigentlich noch schlimmer. Weder in Washington, noch in Moskau, noch in Peking wird die Unke zur Kenntnis genommen. Ausbaden müssen diesen Frust die Leser der SZ. Und Second Hand die Leserschaft von Tamedia. Die für dieses frustrierte Gedöns sogar noch bezahlen muss.

Magnetfeld-Störung

Präsident Trump gibt zu, dass er nicht weiss, was ein Magnet ist.

Aber natürlich weiss er alles über Magnete. Und könnte auf den roten Atomkrieg-Knopf drücken. Beängstigend.

Im genialen Kubrick-Film «Dr. Seltsam oder wie ich die Bombe lieben lernte», beginnt der Dritte (und letzte) Weltkrieg damit, dass General Jack D. Ripper Erektionsschwierigkeiten hat.

Auch zu diesem Thema hat sich Trump bereits geäussert. 2006 sagte er: «Ich fühle mich automatisch zu schönen Frauen hingezogen – ich fange einfach an, sie zu küssen. Wie ein Magnet. Ich warte nicht mal. Und wenn man ein Star ist, lassen sie einen das machen. Man kann alles machen. Pack sie an der Muschi. Man kann alles machen.»

Seither scheint ihn das Thema Magnet nicht mehr loszulassen. In einem Gespräch mit Fox News legte er unlängst nach:

«Präsident Xi war bereit, die Eisenbahnprojekte anzugehen – das ist der Magnet.» Dann machte er ein seltsames Geständnis:

«Heute weiss doch keiner mehr, was ein Magnet ist. Ohne Magnet kein Auto. Man stellt keine Computer her, keine Fernseher, Radios und all die anderen Dinge – gar nichts

Falls das so ist: ein Magnet erzeugt ein Feld durch bewegte elektrische Ladungen. Anziehung, Abstossung. Es gibt Dauer- oder Elektromagnete. Bitte sehr, Mr. President.

Trump fährt fort: «Dreissig Jahre lang wurde versucht, etwas sehr Wichtiges zu monopolisieren.» Durch die Chinesen, steht zu vermuten.

Aber Trump hat wie immer eine Abhilfe parat: «Und jetzt, in zwei Jahren, haben wir Magnete, so viele wir wollen.»

Wie hat er denn das geschafft? «Wegen der Zölle – hören Sie, ich habe angerufen, ich habe gesagt: Ihr spielt den Magneten, wir spielen die Zölle auf euch.»

Das erklärt nun einiges. Die Zölle dienen also nicht nur dazu, Handelsbilanzen auszugleichen. Oder, wie im Fall Brasiliens, unliebsames Verhalten gegenüber Freunden von Trump zu bestrafen.

Oder mit ständig wechselnden Ankündigungen und Drohungen Handlungsunsicherheit und Chaos zu veranstalten.

Nein, ein weiterer Zweck ist die Beschaffung von möglichst vielen Magneten. Obwohl heute keiner mehr weiss, was das ist.

Nun hat Trump auch gesagt:

«Ich habe das Recht, zu tun, was immer ich will, als Präsident.»

Leider hat man nicht rechtzeitig ihn alles tun lassen, denn er ist sich auch sicher: «Ich glaube, ich hätte [9/11] verhindern können, weil ich eine sehr harte Linie gegen illegale Einwanderung habe.»

Aber auf jeden Fall steht eines fest: «Die Menschen lieben mich. Und wisst ihr was, ich bin sehr erfolgreich gewesen. Alle lieben mich.»

Unvergessen auch:  «Ich könnte mitten auf der Fifth Avenue stehen und jemanden erschiessen – und ich würde keinen einzigen Wähler verlieren.»

Es gibt allerdings eine Gefahr in den USA, die unbedingt bekämpft und gebannt werden muss: «Die sind sehr gefährlich. Die sind Marxisten und Kommunisten und Faschisten. Die sind eine Gefahr für die Demokratie.»

Dabei schrecken die vor nichts zurück: «Die vergiften unser Wasser. Dadurch bin ich zuerst auf eine kommunistische Verschwörung aufmerksam geworden.»

Hoppla, das letzte Zitat stammt von Jack D. Ripper aus Kubricks Film. Könnte aber auch von Trump sein.

Auch wenn das dem Autor ein Einreiseverbot in das Land der Freien einbrockt: Jack D. Ripper ist eine erfundene Filmfigur. Aber in seiner Irrheit nahe an der Realität.

Donald J. Trump ist sehr real, obwohl es irreal ist, was er von sich gibt. Ripper löst im Film den Weltuntergang aus, indem er Atombomber losschickt. Der Zuschauer verlässt bedrückt den Kinosaal.

Trump könnte in der Wirklichkeit den Weltuntergang auslösen, indem er auf den roten Knopf drückt. Bedrückt schauen wir zu.

Entwertung der Werte

Trump und Vance: zwei rabiate Demagogen und Entkerner.

George Orwell meinte in seiner dystopischen Zukunftsvision «1984», dass ein totalitäres Regime Gedankenkontrolle unter anderem damit erreiche, dass Bedeutungen umgedreht werden. Also «Krieg ist Frieden» oder «Freiheit ist Sklaverei». Begleitet wird das von einer extremen Vereinfachung der Sprache, um differenziertes Denken zu verunmöglichen.

US-Präsident Donald Trump und seine Vize J.D. Vance gehen einen Schritt weiter. Nicht Umwertung von Begriffen, sondern ihre Entwertung, Entkernung ist ihre demagogische Absicht.

Werturteile über den gleichen Menschen können sich ins Gegenteil verkehren und zurück. Völlig egal. Einmal ist der russische Autokrat Putin für Trump ein «Genie», dann ein «Verrückter», der ihn «hängenlässt». Einmal will er den Ukrainekrieg in einem Tag beenden, dann dauert es doch etwas länger, aber dafür habe er sieben andere Kriege beendet.

Sein Vize Vance beschwert sich darüber, dass in Europa die angebliche Zensur der freien Meinungsäusserung eine grosse Gefahr darstelle. Handkehrum sagt der gleiche Vance: «Wenn Sie jemanden sehen, der Charlies (Kirk, Red.) Mord feiert, melden Sie ihn. Und verdammt, rufen Sie seinen Arbeitgeber an

Die Justizministerin seiner Regierung doppelte nach: «Wir werden euch absolut verfolgen, wenn ihr mit Hassrede auf jemanden losgeht.» Präsident Trump fordert ungeniert die Entlassung von Journalisten, die unliebsame Meinungen vertreten und bedroht einen ABC-Reporter direkt: Die Justizministerin wird «wahrscheinlich so Leute wie Sie ins Visier nehmen, weil sie mich so unfair behandeln. Sie haben viel Hass in Ihrem Herzen.»

Trump-kritische Talkshows werden eingestellt, Trump überzieht kritische Medien mit potenziell ruinösen Milliardenklagen. Selbst Milliardäre und Medienbesitzer wie Jeff Bezos kriechen zu Kreuze, um ihre Geschäftsinteressen zu wahren.

Was passiert hier?

Autokratische Regimes oder solche, die es werden wollen, fürchten Meinungsfreiheit. Darin sind sich Putin, Xi und Trump absolut einig.

Nun gibt es in den USA aber den ersten Verfassungszusatz: «Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Freiheit der Rede oder der Presse beschränkt.» Das gilt bis heute beinahe absolut. Grenzen sind nur die unmittelbare Anstiftung zu Gewalt, wahre Bedrohungen, Verleumdung, Betrug, Obszönität oder Kinderpornographie.

Hassrede ist kein Kriterium, das einschränkend existiert. Dass es geschmacklose, gar den Tod von Kirk bejubelnde Reaktionen gab, zeugt von der Orientierung- und Wertelosigkeit vieler Linker. «Spiegel» und «Tagesspiegel» («Tod eines Brandstifters») waren auf diesem Gebiet im deutschen Sprachraum führend. Dass der ZDF-US-Korrespondent Elmar Thevessen wahrheitswidrig behauptet, Kirk habe gefordert, dass «Homosexuelle gesteinigt werden müssen», ist ein Tiefpunkt des Journalismus.

Aber Hassreden, Lügen, Denunziationen, Polemik sind von der US-Verfassung geschützt. Von diesem Schutz profitieren auch Brandstifter wie Vance oder Trump.

Was sie tun, geht allerdings noch einen Schritt weiter als das, was Orwell 1948 voraussah. Sie drehen Bedeutungen nicht einfach um, sie entstofflichen Begriffe. Meinungsfreiheit müsse absolut gelten. Sie sei in Europa in Gefahr. Gleichzeitig wird sie von ihnen selbst eingeschränkt und bedroht. Völlige Beliebigkeit. Na und?

«Ich kenne den Mann seit Jahren und halte ihn für sehr klug und sehr stark.» So lobhudelte US-Präsident Donald Trump im April 2018 John Bolton, als er ihn zu seinem Sicherheitsberater machte.

Bolton sei ein «lowlife», Abschaum, nichtsnutziger Penner, ein «sleazebag» (Dreckskerl). Er sei nicht wirklich klug, aber er könnte «sehr unpatriotisch» sein. Plus die Drohung: «Ich werde es herausfinden.» Das sagt Trump heute über seinen Kritiker Bolton. Mal so, mal so.

Die USA haben eine riesige Militärbasis bei ihrem Verbündeten Katar. Und schützen ihn nicht vor dem völkerrechtswidrigen Angriff Israels. Na und?

Auch von der Meinungsfreiheit gedeckt sind solche Aussagen Trumps: Der Chef der US-Notenbank FED Jerome Powell sei ein «Schwachkopf», der «Mister zu spät», er sei «crazy» (verrückt) und sein «Feind», der so schnell wie möglich zurücktreten müsse.

Seine ehemalige Konkurrentin sei die «crooked Hillary», die korrupte Hillary Clinton, Nancy Pelosi «crazy Nancy». Die Medien ganz allgemein seien die «Feinde des Volkes», was auch Richter treffen kann. Wer ihm unliebsame Artikel verbreitet oder Urteile fällt, sollte gefeuert werden.

Sein allgemeines Abwertungsvokabular umfasst unter anderem die Begriffe «Loser, Clown, disaster, stupid, very dumb, total disgrace».

Als Reaktion auf seine Amok-Zollpolitik würden ihm nun reihenweise Staatenführer den «Arsch küssen».

Das Vokabular eines US-Präsidenten. Statt Würde des Amtes Gossensprache. Na und?

Gleichzeitig wollen die beiden alles unterdrücken und verfolgen und ruinieren und zensieren und abstellen, was ihnen nicht in den Kram passt.

Dass man nicht die Gefährdung der Meinungsfreiheit beklagen und sie gleichzeitig gefährden kann – na und? Dass man nicht gleichzeitig den zunehmenden Hass im politischen Diskurs beklagen kann – und hasserfüllt Andersdenkende beschimpfen: na und?

Besser als «Freiheit ist Sklaverei» ist «Freiheit ist Blabla». Ein inhaltsentleerter Begriff, eine Worthülse, die man als verbale Waffe verwenden kann.

Entwertung der Werte, eine teuflische Methode, um die Lufthoheit über der öffentlichen Meinung zu erobern.

Wumms: Beat Balzli

ZACKBUM macht sich echt Sorgen um den Mann.

Wenn das Editorial des Chefredaktors der «NZZamSonntag» so beginnt, dann sind Befürchtungen angebracht:

«WARNHINWEIS des Bundesamtes für Gesundheit: Das Lesen dieses Textes kann Ihre psychische Gesundheit gefährden. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Sie finden diesen Einstieg absurd? Sie halten mich für ein bisschen gaga? Warten Sie es ab, Sie werden es bald verstehen.»

Warnhinweis von ZACKBUM: nein, wir haben das nicht erfunden. Nach diesem Einstieg kann es nur noch schlimmer werden. Es wird schlimmer. Denn Beat Balzli kann nicht nur absurden Einstieg, er kann auch schiefes Sprachbild:

«Alles beginnt mit Ohnmacht. Diesem Gefühl, zusammen mit dem Rest der Menschheit in einem Zug zu sitzen, der ungebremst auf die Katastrophe zurast, sozusagen autonom fahrend nach dem Herzinfarkt des Lokomotivführers

Herzinfarkt des Lokführers? Das wäre dann sozusagen das Schicksal? Oder Gott?

Auf jeden Fall gibt es einen neuen Gottseibeiuns, eigentlich gleich vier: «ein haariger Autokrat demontiert die mächtigste Demokratie der Welt. Sein chinesischer Gegenspieler bastelt zusammen mit halbstarken Freunden aus Russland und Nordkorea an der neuen Weltordnung, an der Abwicklung des Westens.»

Haariger Autokrat, halbstarke Freunde?

Was hat denn der chinesische Präsident Schreckliches gesagt? ««Wieder einmal muss sich die Menschheit zwischen Krieg und Frieden sowie zwischen Zusammenarbeit und einem Nullsummenspiel entscheiden», schleudert Xi Jinping der Welt entgegen.»

Was an diesen durchaus vernünftigen Worten geschleudert sein soll, weiss nur der Chefredaktor himself.

Balzli kann auch gaga: «Aber deutlicher kann ein Säbel nicht rasseln, mehr Bestätigung für geopolitische Glaskugelleser kann es kaum geben

Ein deutlich rasselnder Säbel, Glaskugelleser?

Die Lage ist schlimm, die Zukunft noch schlimmer. Ein neuer Weltkrieg droht, die Staatsschuldenkrise ist bedrohlich, was rät Balzli?

«Wen angesichts dieser vermeintlich ausweglosen Situation der Optimismus verlässt, dem bleiben drei Auswege: Drogen nehmen, hysterisch lachen – oder sich ins Absurde flüchten.»

Möglicherweise hat Balzli alle drei Ratschläge befolgt. Auf jeden Fall kommentiert er so die Mitarbeit des südafrikanischen Künstlers William Kentridge an der letzten NZZaS. Der habe «den Geist von Dada wieder zum Leben erweckt». In Form eines Zugführers mit Herzinfarkt oder eines rasselnden Säbels in den Händen von Halbstarken oder eines haarigen Autokraten?

Balzli schliesst mit der Frage: «Was sagt Ihr Arzt oder Apotheker dazu

Nun, der würde sagen: der Mann sollte wieder regelmässig seine Medikamente nehmen …

Meinungs-Karikatur

Silvan Wegmann zeichnet und schreibt. Vielleicht sollte er eins von beidem lassen.

Eine spitze Feder ist eine gute Sache, wenn man Cartoons verfertigt. Aber mancher ist schon an Multitasking gescheitert. Wegmann darf im Kopfblattsalat von CH Media eine «Medienkolumne» füllen. Immerhin, ein Lebenszeichen der komatösen Medienkritik in der Schweiz.

Da fühlt sich ZACKBUM angesprochen, liest – und ist nicht amüsiert.

Es gäbe viel zu schreiben zu diesem Thema. Der klägliche Niedergang des Kopfblattsalats bei Tamedia. Die Herrschaft des Coninx-Clans, des Ringier-Clans und des Wanner-Clans. Über die Leserverarsche, für weniger Angebot mehr Geld zu verlangen und das als angebliche Qualitätssteigerung zu verkaufen. Und dafür noch um staatliche Subventionen betteln.

Aber wieso in die Nähe schweifen, das Ferne liegt so nah. Ein wenig Trump-Bashing ist wohlfeil. Interessiert in den USA keinen, Schweizer Leser nur mässig.

Da hat CBS die «Late Night Show» mit Stephen Colbert nach über dreissig Jahren abgesetzt. Colbert who? Das ist einer der Nacht-Talker, die mit spitzer Zunge und unterstützt von einer ganzen Crew jeden Abend ihr Publikum mit bissigen Kommentaren bespassen.

Und dabei nicht schlecht verdienen. So kassierte Colbert rund 90’000 Dollar pro Show, mal 168 macht runde 15 Millionen pro Jahr.

Das ist bedauerlich. Wäre aber vielleicht Anlass, sich zu fragen, wieso es in der Schweiz nichts Vergleichbares gab und gibt. Roger Schawinski: abgesägt. Viktor Giacobbo und Mike Müller: versendet. Deville? Abgesetzt, wohl nicht zuletzt wegen krampfhaft müden Scherzen.

Und würde es jemand wagen, so wie Colbert, Maher, Oliver oder früher Letterman über alles herzufallen, ohne Rücksicht auf Bedenklichkeiten oder Verluste, es würde nicht mal ein Pilot ausgestrahlt.

Wieso ergreift der Besitzer der meisten Privatradio- und TV-Stationen da nicht die Initiative? Oh, der heisst Wanner, ganz falscher Ansatz.

Mindestens so falsch wie die Gaga-Titelzeile: «Lachen über Donald Trump ist verboten». Aber immerhin: darüber darf herzlich gelacht werden.

So fällt Wegmann über den sich dafür anbietenden Mann mit der interessanten Frisur her. Als Waffe setzt er seinen gesunden Menschenverstand ein:

«CBS begründete die Absetzung finanziell. Sie habe nichts mit dem Inhalt der Sendung zu tun. Präziser gesagt: Was wir meinen, mit unserem gesunden Menschenverstand her­leiten zu können, entspricht nicht der Wahrheit. Kann sein, aber der fade Beigeschmack bleibt.»

Deutsche Sprache ist schwieriger als Zeichnen. Seine hergeleitete Meinung entspricht also nicht der Wahrheit?

Fade und mit Geschmäckle breitet Wegmann seine Verschwörungstheorie aus:

«Was seine «Brothers» Xi, Putin oder Erdogan können, das will der Donald auch. Kuschende Medien und keine Witze über ihn.»

Trumps «Brothers», und Trump wird zum kollegialen Donald? Auch Vergleiche sollten gekonnt sein.

Aber eine so dünne These trägt nicht weit, das sieht selbst Wegmann am Schluss ein. Im Unterschied zu diesen drei autokratischen Herrschern gibt es nämlich in den USA Ausweichmöglichkeiten, die der ebenfalls abgesägte Tucker Carlson zum Beispiel mit grossem Erfolg benützt.

Oder wie es der Medienmeinende formuliert: Im Keller könne man sich  diese Satiriker auf dem Bildschirm weiter gönnen, «auf dem wir uns die Colberts, Jon Stewarts, John Olivers und wie sie alle heissen über«Schwarze-Humor-Streaming-Kanäle» genüsslich reinziehen können».

Also ist es doch, zumindest in den USA, ganz einfach. Gibt es genügend Publikum, das Colbert sehen will – und via Werbung oder Abo das Angebot finanziert –, dann kann der Satiriker noch dreissig Jahre weitermachen, wenn er lustig drauf ist.

Mindestens so lange müssen wir darauf warten, dass sich Wegmann mal sein eigenes Medienhaus zur Brust nimmt. Oder es mit einer Schweizer Medienkritik versucht. Statt mutig über den Atlantik Richtung USA zu wäffeln und sich dafür Schulterklopfen von Gesinnungsgenossen abholen. Die es niemals wagen würden, beispielsweise die Schweizer Regierung so gnadenlos ranzunehmen, wie es in den USA – mit oder ohne Colbert – Gang und Gebe ist.

Meinen darf man immer. Aber seiner Meinung hätte geholfen, wenn er das eine oder andere Beispiel von Colberts amüsanten Aperçus zitiert hätte. Dafür müsste er seine Sendung halt mal geschaut haben. Und Englisch können.

Die Orbán-Festspiele

Wenn es keine Checks and Balances gibt …

Die «Weltwoche» bietet normalerweise einmal wöchentlich mehr Brainfood als Tamedia oder CH Media die ganze Woche hindurch.

Umso bedauerlicher, wenn mal wieder keiner den Besitzer, Verleger, Herausgeber, Chefredaktor und Tausendsassa Roger Köppel einfangen kann.

Der durfte bekanntlich als Journi-Groupie den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán begleiten. Von Budapest nach Kiew und zurück, dann nach Moskau und zurück. Nach Peking und nun in die USA fliegt Orbán dann alleine; Köppel muss erst mal öffentlich verdauen, was er alles erlebte.

Also quillt die WeWo online und im Print über vor Orbán. «Friedensmission 4.0», sülzt Urs Gehriger. «Kriegsgezeter gegen Orbán», zetert Köppel. «Russland, der Westen und das Völkerrecht: im Ukraine-Krieg haben alle Konfliktparteien die Uno-Charta gebrochen», sekundiert Michael von der Schulenburg.

«Orbán führt Cassis und die EU vor», schulmeistert wieder Köppel. Oder schlicht und einfach: «Orbán ist ein Held». Natürlich lässt sich nicht nur Orbán seins massieren, auch Köppel selbst steht seinem Mitarbeiter Roman Zeller und dessen überkritischen Fragen Red und Antwort.

Während sich Köppel nicht einkriegt: «… wirbelt für den Frieden durch die Welt … unbeirrt stürmte Orbán weiter … die Berichterstattung über Orbáns Friedensreisen ist peinlich für den Journalismus … zum Glück rettet wenigstens einer noch die Ehre Europas. Gott sei Dank gibt es einen wie Orbán».

Der Friedensnobelpreis wäre wohl fällig, wenn auch eigentlich zu klein als Wertschätzung.

Neun Seiten plus eine Seite Editorial, satte 47’000 A füllen die Print-Ausgabe der WeWo, wo mal wieder niemand dem Schnell- und Vielschreiber Köppel erklären konnte, dass in der Kürze die Würze liege. Und niemand traute sich, ihm das Zitat von Joachim Friedrich vorzuhalten: «Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache

Natürlich ist die übrigen Journaille grün und blau vor Neid, dass es Köppel gelungen ist, sich auf den Schoss von Orbán zu setzen. Natürlich ist es speziell, dass ein mit allen Wassern gewaschener Politiker einen Journalisten so nahe an sich ranlässt. Das tut er allerdings nur, weil Orbán ein guter Menschenkenner ist und schnell gemerkt hat, dass Köppel in seiner ewigen Suche nach einer Vaterfigur ein neues Objekt seiner Begierde gefunden hat.

Hymnische Verklärung, stolzgeschwelltes «es wurde Geschichte geschrieben, und ich war dabei», der Provokateur Köppel erkennt sich im Provokateur Orbán wieder. Orbán weht im In- und Ausland eine steife Brise entgegen, auch das ist Köppel nicht unbekannt. Orbán ist von sich, seiner Mission und der Richtigkeit seiner Ansichten und Handlungen überzeugt – wie sein eineiiger Zwilling Köppel.

Wird von diesem «Wirbel für den Frieden» etwas Nennenswertes übrigbleiben? Mehr als Orbán mit ernstem Gesicht mit Selenskyj, mit Putin, mit Xi, demnächst noch mit Trump? Natürlich nicht. Mit Belustigung werden die wirklich Mächtigen der Welt huldvoll Orbán empfangen haben. Nachdem sie sich zuvor schlau machten: wer ist das schon wieder? Ach so, Ungarn, 177 Milliarden US-$ BIP, weit hinter Tschechien, mit 27’000 Euro pro Kopf weit unter dem EU-Durchschnitt von 35’500 Euro, Staatsdefizit 4,5 Prozent, rund 9,6 Millionen Einwohner. Nur damit der Schweiz vergleichbar (BIP 818 Milliarden US-$, pro Kopf 93’200 US-$).

Also ist sozusagen ein Fünftel Schweiz durch die Welt gedüst. Niemand braucht Ungarn wirklich, niemand würde es vermissen, niemand zuckt zusammen, wenn Orbán richtig böse würde, niemand nimmt ihn wirklich ernst, auch wenn er EU-Ratspräsident ist. Denn die EU nimmt auch niemand wirklich ernst, zerstritten und handlungsunfähig und dysfunktional wie sie ist.

Abgesehen davon unternimmt Orbán seine Welttournee ohne Abstimmung mit oder Unterstützung durch die EU. «I come in peace» heisst ein wunderbares Lied von Joe Cocker selig, das er in seinen späten Jahren grossartig mit einer Wunderband einspielte. Statt all das WeWo-Geschwurbel zu lesen, sollte man sich zurücklehnen, die Lautsprecher auf volle Dröhnung stellen – und geniessen.

Meine Güte, NZZ

Das Intelligenzlerblatt tanzt neuerdings den Limbo.

Eigentlich wurde auf Trinidad eine Woche nach einem Begräbnis diese gelenkige Übung aufgeführt, nach dem Motto: how low can you go?

Inzwischen versucht sich die NZZ in dieser Übung. Allerdings tanzt sie nicht, sondern holzt. Unter dem geschmackvollen Titel «Xi macht den Putin» irrlichtern zwei Gastautoren: «Ein ukrainischer Sieg auf dem Schlachtfeld und die Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine sind beste Mittel, um beider Revisionismus einzudämmen.»

Die tapferen Autoren «Andreas Umland und Hugo von Essen sind Analysten am Stockholmer Zentrum für Osteuropastudien (SCEEUS) im Schwedischen Institut für Internationale Angelegenheiten (UI)».

Armes Schweden, armes Institut. Schon wieder zwei, die gerne bis zum letzten Ukrainer westliche Werte wie hohe Korruption und Ersatz von Wahlen durch Kriegsrecht verteidigen wollen.

Die Stange liegt allerdings rekordverdächtig niedrig, wenn die beiden ungeniert solche Flachheiten herauspusten dürfen: «Der Krieg in Europa bindet westliche Ressourcen und lenkt die Aufmerksamkeit Washingtons von den Aktivitäten Pekings in anderen Teilen der Welt ab.» Hu, hu, nicht hinschauen, sagt Peking, die Action ist in der Ukraine. Und die dummen USA übersehen die Sache mit Taiwan und so. Man weiss nicht, ob das nur eine Beleidigung der US-Nachrichtendienste und des Aussenministeriums ist oder gleich auch noch des Lesers.

Wer sich bei solchen Sachen nicht auskennt, hat auch keine Ahnung von Wirtschaft: «Auch die chinesische Wirtschaft wird derzeit von Schwierigkeiten geschüttelt. Sie wächst jedoch weiter und importiert verbilligte russische Rohstoffe und überschwemmt Russland mit ihren KonsumgüternDas ist mal eine neue Definition von geschüttelten Schwierigkeiten. Die erkennt man daran, dass die Wirtschaft wächst.

Und noch ein analytisches Schmankerl: «So könnten beispielsweise Russlands wachsende Beziehungen zu einem ermutigten Nordkorea zu einer schwierigen Ménage-à-trois-Dynamik mit China führen.» Konjunktiv-Journalismus, bar jeder Logik und Vernunft. Nordkorea ist nur deswegen noch nicht zusammengebrochen, weil es von China gestützt wird, da gibt es überhaupt keine Probleme bei einem Dreier.

Und zum Schluss dann nochmal der geballte Wahnsinn:

«Ein mit westlicher Unterstützung errungener ukrainischer Sieg auf dem Schlachtfeld und die Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine sind heute das beste Mittel, um russischen und chinesischen Revisionismus in Zukunft einzudämmen.»

Dass die Ukraine die Krim zurückerobern könnte, das wagt nicht einmal der realitätsfernste Selenskyj-Fan zu hoffen. Einen ukrainischen Sieg auf dem Schlachtfeld zu fordern, das ist schlichtweg zynisch, menschenverachtend – und brandgefährlich.

Natürlich darf jeder seine Meinung haben und sich öffentlich zum Deppen machen. Wieso aber die NZZ dafür eine Plattform bietet, ist unerfindlich. Es gibt nach wie vor Sträusse von intelligenten, unterhaltsamen und erkenntniserweiternden Artikeln. Da funkelt die Welt wie in einem Kaleidoskop und wird ordentlich immer wieder geschüttelt und angenehm zusammengesetzt.

Aber solche Versuche, den geistigen Limbo zu tanzen, das wird doch langsam rufschädigend. Zwei Vertreter eines vor wenigen Jahren gegründeten Thinktanks dürfen vorführen, wie überflüssig diese Versammlung von sogenannten Analysten ist. Und wie gut beraten die schwedische Regierung, ja nicht auf solche Irrlichter zu vertrauen.

Die Deutschen haben’s nicht leicht

Wir haben Keller-Sutter und Cassis. Aber dort?

Manchmal tröstet ein Blick gen Norden. Zumindest lenkt er von der Schweizer Landesregierung ab. Wir haben eine gelernte Dolmetscherin als Finanzministerin, die sicherlich bis heute nicht weiss, was AT1 ist oder wie ein CoCo funktioniert oder wieso man nicht «this is not a bail-out» sagen sollte, und gleichzeitig CoCos im Buchwert von 16 Milliarden Franken auf null abgeschreiben lassen.

Da der Aussenminister laut eigenem Bekunden keine Zeitungen mehr liest, macht es ja keinen Sinn, hier mit ihm in einen Dialog treten zu wollen.

Das ist alles nicht so toll. Aber nichts im Vergleich zur deutschen Regierung. Da gibt es einen Bundeskanzler Scholz, der schwerste Erinnerungslücken hat, wenn es um seine Beteiligung am Cum-Ex-Skandal geht. Da gibt es den Schriftsteller, Grünen und deutschen Wirtschaftsminister Robert Habeck. Der hat zwar von Wirtschaft ungefähr so viel Ahnung wie Keller-Sutter von Finanzen («ich habe auch eine Hypothek bei der CS»). Dafür räumt er noch die letzten Resten grüner Identität ab. Kohlekraftwerke, Gasimporte aus Russland, Energiewende. Ein Wendehals der, wie Ausseniministerin Annalena Baerbock sagen würde, zu einer Wende um 360 Grad in der Lage ist.

Aussenminister, das soll doch eigentlich etwas mit Diplomatie zu tun haben. Da sollte man vielleicht nicht sagen, dass die EU mit Russland im Krieg sei. Hat sie aber gesagt. Aber sie kann noch mehr:

«Wenn (Russlands Präsident Wladimir) Putin diesen Krieg gewinnen würde, was wäre das für ein Zeichen für andere Diktatoren auf der Welt, wie Xi, wie den chinesischen Präsidenten? Deshalb muss die Ukraine diesen Krieg gewinnen.»

Nun gut, es war ein Interview auf dem US-Sender Fox-News, und Baerbock ist vielleicht der englischen Sprache nicht so mächtig wie Dolmetscherin Keller-Sutter. Wobei die wiederum «bail-out» sagt, wenn sie das nicht sagen sollte.

Auf jeden Fall nannte also die deutsche Aussenministerin den Präsidenten des wichtigsten Handelspartners Deutschland einen Diktator. Das findet der überraschenderweise gar nicht komisch. Da sind die Chinesen dann doch schwer angefasst: «Die Äusserungen der deutsche Seite sind extrem absurd und eine offene politische Provokation», keilte eine Sprecherin des chinesischen Aussenministeriums zurück.

Deutsche Botschafterin in Peking einbestellt, hörbares Naserümpfen: das hat der chinesische Diktator gar nicht gerne, dass man ihn so nennt. Wir von ZACKBUM dürfen das, es ist kaum anzunehmen, dass deswegen eine diplomatische Krise zwischen der Schweiz und China ausbricht.

Aber ob es schlau von der deutschen Aussenministerin ist? Wobei schlau und Baerbock – nun, das grenzt jetzt natürlich bereits an Sexismus, also wollen wir das nicht vertiefen. Allerdings gibt es inzwischen sogar einen offiziellen Parody-Twitter-Account, was nun wiederum die Aussenministerin überhaupt nicht komisch findet.

Niemand macht allerdings grosses Gewese darum, dass Baerbock nebenbei behauptet, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnen müsse. Mutig von ihr, noch möglichst vielen Ukrainern (und Russen) den Tod zu wünschen.

Deshalb wollen wir auch gar nicht viel zur deutschen Innenministerin Nancy Faeser sagen, die vielleicht diesen Posten nicht mehr lange behält, aber vielleicht auch nicht Ministerpräsidentin von Hessen wird. Oder wollen wir Franziska Giffey erwähnen. Die war Bundesministerin für Familien und so, bis ihr der Doktortitel wegen Plagiaten aberkannt wurde. Dann landete sie relativ weich als Regierende Bürgermeisterin von Berlin, kriegte dann aber auch dort eine Niederlage übergebraten, als die Wahlen zum Abgeordnetenhaus, eine selten peinliche Panne, wegen groben Unregelmässigkeiten wiederholt werden mussten.

So könnte man im deutschen Regierungspersonal noch fröhlich weiter wühlen. Aber das heisst natürlich nicht, dass die Schweiz einen Super-Aussenminister oder gar eine kompetente Finanzministerin hätte. Denn – Stichwort Staatshaftung – möglicherweise kann sich der eidgenössische Steuerzahler darauf freuen, ein 16-Milliarden-Malheur zahlen zu müssen. Denn Staatshaftung heisst natürlich nicht, dass der Verursacher haftet. Es heisst auch nur indirekt, dass der Staat haftet. Wirklich haften tut der, der das Geld verdient und nicht der, der’s ausgibt.