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Billiger Cédric

Billiger Jakob, SP-Stil.

Die SP Schweiz hatte es in jahrelanger, unermüdlicher Arbeit geschafft, den einstmals bedeutenden AZ-Ring (für «Arbeiterzeitung») ins Verderben zu führen. 1973 war’s schon vorbei mit der Stimme der Arbeiter, mit dem SP-Parteiblatt-Konzern.

Seither ist es der SP nicht gelungen, in irgend einer Form etwas Publizistisches auf die Beine zu stellen, das funktioniert, Leser interessiert oder gar Einnahmen generiert. Stattdessen wird ständig gegen reiche Kapitalisten gewäffelt, die sich Zeitungen kaufen könnten und damit die öffentliche Meinung manipulierten.

Wären genügend Leser an der Meinung der SP interessiert, wäre das doch auch eine tragfähige Basis. Die «Mitgliederzeitung Links» (sechsmal jährlich …) und «Abstimmungszeitungen», garniert unablässig mit Medienmitteilungen, das ist als kläglicher Rest übrig geblieben. Zudem drängen vor allem Partei-Co-Präsident Cédric Wermuth und der SP-Nationalrat Fabian Molina unablässig in die Medien, indem sie zu eigentlich allem sofort eine Meinung haben.

Parteichef Wermuth hat nun allerdings auch noch eine krampfhaft-originelle Idee. Er hechtet harmlose Opfer mit einem Bettelbrief an.

Zunächst eine kurvige Einleitung: «Gerade in einem Wahljahr sind kritische Medien von grosser Bedeutung. … Wir müssen wissen, welche Verbindungen die SVP zur AfD in Deutschland hat, wer die FDP finanziert ..

Gut gewählte Beispiele, man vermisst etwas die Berichterstattung über die Verbindungen von Molina zu Schwarzen Block oder zum Kosovo, oder über das Geeier der SP Bern, was die Offenlegung ihrer Spendeneinnahmen betrifft.

Aber gut, dann müsste Wermuth wohl die NZZ oder gar die «Weltwoche» empfehlen, und das brächte er natürlich nicht übers Herz. Allerdings muss er nun fremdgehen, mangels SP-Presse. Zunächst noch Staatstragendes: «Für mich steht fest: Kritische Medien sind das Rückgrat unserer Demokratie.» Also doch ein Lob auf die «Weltwoche»? Nein, kleiner Scherz: «Die linke Wochenzeitung WOZ ist ein Beispiel dafür.»

Wunderbar, aber na und? Jetzt kommt’s: «Deshalb haben wir auch sofort zugesagt als uns die Leute von der WOZ fragten, ob wir unseren Unterstützer:innen und Mitgliedern (sic!) ein Sonderangebot unterbreiten möchten.»

Abgesehen von der Frage, wer sich eigentlich hinter dem Pluralis Majetstatis verbirgt: Genosse Cédric als billiger Jakob? Der lockt nämlich damit, dass es beim Abschluss eines Jahresabos der WoZ noch ein Riesenguetzli obendrauf gebe: «Wer jetzt über den Link unten eins löst, bekommt ein Vierteljahr geschenkt oben drauf

Das ist nun spendabel von der WoZ, aber was steuert die SP eigentlich dazu bei? Kein T-Shirt, kein Käppi, kein Kleber (gut, etwas heikel), kein Flyer? Aber wer einen Medienkonzern in den Sand setzt, ist auch heute nicht sonderlich gut aufgestellt, Auf der Webseite der SP findet man unter den Begriffen Poster oder Wahlkampfmaterial nix, bei Flyer diesen Brüller: «Wir planen den Druck von Info-Flyern für Stimmberechtigte, die mit Politik nicht allzu viel am Hut haben, aber unsere Werte teilen. Unterstützt du diese Massnahme mit einer Spende?»

Man könnte auch für einen «Klimaschutz-Flyer» spenden, aber damit ist das aktuelle Angebot bereits erschöpft. Denn wer will noch das «Bestellformular für Flyer der SP MigantInnen» vom Juni 2020 ausfüllen. Oder den «Flyer «Ja zur Asylgesetzrevision»» von 2016 bestellen?

Dumm auch: das «Sektionshandbuch 5 «Wahlkampf»» wird gerade «überarbeitet». Ist ja auch noch eine ganze Weile hin bis zu den Wahlen im Oktober …

SP und die Medien. Wenn das Helmut Hubacher noch hätte erleben müssen. Ein Trauerspiel sondergleichen.

Staats-Journalisten

Unabhängigkeit ist vermietbar.

Die Journalisten der Mainstream-Medien werden nicht müde zu betonen, dass sie völlig unabhängig ihrer Tätigkeit nachgehen. Dabei kennten sie weder Kaiser noch Gott. Die Meinung ihrer Besitzer oder Verleger sei ihnen völlig egal, auch die Geldtöpfe der Bürokratie der Berner Bundesstellen liessen sie völlig kalt. Und keinesfalls dürfe man SRF als Staatsfunk bezeichnen.

So geht die Mär. Nun hat der «Nebelspalter» mit einer verdienstvollen Anfrage herausgefunden, dass sich Aushängeschilde wie Urs Gredig, Arthur Honegger oder Florian Inhauser gerne von Bundesdepartementen bezahlen lassen, um Anlässe zu moderieren. SRF-Redaktor Rafael von Matt führte sogar eigentliche Medientrainings durch. Allerdings ohne seine Vorgesetzten darüber zu informieren, weil er wusste, dass die das abgelehnt hätten.

Über 200’000 Franken bezahlte die Bundesverwaltung in den zwei letzten Jahren an willige Journalisten. Nicht nur vom Staatsfernsehen. Die Liste ist ellenlang. Darin figurieren Marguerita Meyer oder Marie-José Kolly von der «Republik», Florian Keller von der «WoZ». Die Hand aufhielten auch Rico Bandle von der SoZ oder Christof Münger vom «Tages-Anzeiger». Sabine von Fischer, Andreas Ernst und Barnaby Skinner von der NZZ taten es ihnen gleich.

Meistens handelt es sich um Beträge zwischen 500 und 2000 Franken für die Moderation eines Staatsanlasses. Richtig fett sahnte Christian Zeier von «Reflekt» als Redaktionsmitglied von «Eine Welt» ab, ein Jubel-Organ des EDA. Alleine in den zwei Jahren 2020 und 2021 bekam er satte 75’755 Franken reingeschoben. «Reflekt» verkauft sich übrigens als «unabhängiger, investigativer Qualitätsjournalismus», beklagt die Staatsnähe anderer Organe und will selbst völlig transparent sein. Allerdings gibt der redaktionelle Leiter und Co-Geschäftsleiter Zeier seinen kleinen Nebenerwerb nicht an.

Auf Anfrage verteidigt er sich: «Ich sehe keinen Widerspruch zwischen dem unabhängigen, investigativen Qualitätsjournalismus von Reflekt und den fachspezifischen Artikeln zur Entwicklungszusammenarbeit, die ich für «Eine Welt» geschrieben habe. Es gab in diesem Zusammenhang nie einen Interessenskonflikt und meine Arbeit für «Eine Welt» war und ist allgemein bekannt.»

Natürlich handelt es sich bei den meisten Staatszahlungen um ein kleines Zubrot, wobei die völlig staatsunabhängigen Journalisten schon auch mal 4000 oder 12’473 Franken für Moderationen verdienen. Oder für Redaktionsarbeiten 8’250, oder über 11’000 für das Verfassen mehrerer Beiträge.

Kann man diese Journalisten deswegen als gekauft bezeichnen? Nein. Aber als gemietet. Obwohl das «nur» Zusatzeinkünfte zu ihren üppigen Gehältern sind: es ist doch völlig klar, dass der Empfänger Beisshemmungen gegenüber seinem Auftraggeber hat. Der grösstenteils das EDI oder das EDA ist.

Kritisch die Unabhängigkeit bei anderen hinterfragen, so tun, als gehe es dem Medienschaffenden nur und ausschliesslich um die möglichst wirklichkeitsnahe Erforschung und Darstellung von Berichtenswertem.

Welche eine Heuchelei. Wieder einmal, und deshalb überhaupt nicht überraschend. Hier bekommt der alte Begriff Schreibnutte eine ganz neue Bedeutung.

WoZ oder «Republik»?

Der Nahvergleich kennt einen klaren Sieger.

Natürlich kann die «WochenZeitung» auf eine deutlich längere Geschichte zurückblicken. Sie wurde 1981 gegründet. Der Nukleus war die monatliche Beilage «Das Konzept» vom «Zürcher Student». Seither erscheint die Wochenzeitung ununterbrochen.

Die «Republik» begann 2017 mit 16’000 Abonnenten als reine Online-Publikation. Inzwischen gibt sie 29’651 «Verleger» an, von denen 24’430 im letzten Monat «aktiv» gewesen sein sollen. Die WoZ verzeichnet rund 20’000 Abos und hat eine Leserreichweite von 102’000.

Das Jahresabo kostet bei der «Republik» 240 Franken, nur digital, bei der WoZ 295.-, unabhängig, ob nur digital oder digital plus Print. Die WoZ ist als Genossenschaft Infolink organisiert und hat zudem einen Förderverein. Ausserdem kooperiert sie mit der «Le Monde Diplomatique». Die «Republik» ist als «Projekt R Genossenschaft» und «Republik AG» aufgestellt, die beide als Holding funktionieren. Die WoZ beschäftigt laut Impressum ingesamt 56 Mitarbeiter, die «Republik» 65, ohne feste Freie.

Die WoZ zahlt einen Einheitslohn von 6000 Franken im Monat, die «Republik» von 8000, Zusatzeinkünfte durch Mandate oder andere Pöstchen nicht gezählt. Die WoZ weist Erträge von rund 5,5 Millionen Franken, plus Spenden, auf. Die «Republik» hat ihr Budget auf 8,3 Millionen Franken erhöht.

Die WoZ liefert wöchentlich rund 33 Artikel ab, die «Republik» rund 25, Tageszusammenfassungen und Ankündigungen mitgezählt.

Die WoZ hat in ihrer ganzen, langen Geschichte ein einziges Mal einen Bettelaufruf erlassen, um aus einer finanziellen Bredouille herauszukommen. Die «Republik» macht das seit Gründung regelmässig; das letzte Mal Ende 2020, als mit Selbstmord per Ende März 2021 gedroht wurde, sollten nicht Millionenspenden zusammenkommen.

Die WoZ hat eine einheitliche Genossenschaftsstruktur ohne Grossinvestoren, die «Republik» hängt im Wesentlichen von den Investitionen der Meili-Brüder ab. Die WoZ erscheint mit Werbung, die «Republik» ist werbefrei.

Während die WoZ weitgehend rumpelfrei ihrer Arbeit nachgeht, macht die «Republik» immer wieder mit Querelen von sich reden. Der erste Chefredaktor wurde abgesägt, sein Nachfolger a.i. nicht definitiv bestätigt und durch zwei neue a.i. ersetzt, die dann endlich den Status definitiver Chefredaktor erlangten. Nach dem Mitgründer Constantin Seibt zog sich der erst kürzlich an Bord gekommene VR Roger de Weck schon wieder Knall auf Fall zurück; ihren Rücktritt kündigten ebenfalls die beiden letzten verbliebenen VR an.

Das mag im Zusammenhang mit möglichen Haftungsfolgen stehen; die «Republik» ist in ein Steuerproblem in der Höhe von knapp einer Million Franken verwickelt. Um die Aufstockung des Budgets zu finanzieren, will die «Republik» diesen Frühling auf mindestens 33’000 Abonnenten kommen, was illusorisch zu sein scheint.

Die «Republik» machte immer wieder mit angeblichen Skandalen von sich reden, die bei genauerer Betrachtung wie ein Soufflé in sich zusammenfielen. Die letzten Male waren es unbelegte Angriffe auf einen Schweizer Kita-Betreiber und die ETH Zürich. Seither ist es diesbezüglich eher ruhig geworden. Die WoZ hatte noch nie eine Enthüllung zu relativieren. Allerdings ist sie kürzlich mit einem Rufmord an einem TV-Kommentator in die Schlagzeilen gekommen, dem faktenfrei Rassismus vorgeworfen wurde.

Ein Vergleich des Inhalts auf formaler Ebene zeigt, dass die «Republik» auch dank Internet zu Textlängen neigt, die modernen Leseverhalten diametral entgegenstehen. Das geht bis zu absurden Fortsetzungsgeschichten über Tamedia oder Google, die den Umfang von halben Büchern und eine entsprechend niedrige Einschaltquote haben. Wenn auch die WoZ gelegentlich zu Länglichkeiten neigt, hält sie sich doch im Printkorsett normalerweise an verträgliche Längen, zudem pflegt sie einige Gefässe mit Kurzstoffen.

Während in der «Republik» Themen wie Wokeness, Genderprobleme, multiple Diskriminierungen überproportional vertreten sind, bemüht sich die WoZ (auch) um eine Berichterstattung mit Schwerpunkt Politik und Wirtschaft, konsequent aus linker Perspektive.

Ein inhaltlicher Nahvergleich wäre eine schöne Aufgabe für eine Seminar- oder gar Diplomarbeit. Aber auch aufgrund all dieser Eckdaten und Angaben ist es klar, dass die WoZ sowohl inhaltlich wie vor allem auch finanziell viel stabiler dasteht als die «Republik».

Auch ein oberflächlicher Vergleich der Inhalte ergibt eindeutig, dass die WoZ die Nase vorne hat und pro Ausgabe immer ein, zwei oder mehr Artikel publiziert, die die Lektüre lohnen. Bei der «Republik» können oft Wochen vergehen ohne einen einzigen lesenswerten Beitrag.

Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass die WoZ ihre inzwischen 42-jährige Geschichte noch einige Zeit fortsetzen wird. Es ist genauso wahrscheinlich, dass die «Republik» bei einer ihrer nächsten Bettelaktionen nicht mehr genügend Unterstützung erfährt (oder ihre Ankerinvestoren die Nase voll haben) und dann nach lediglich sechs oder sieben Jahren den Betrieb einstellen wird.

 

Schwurbler Surber

Man könnte ja einfach einen Fehler zugeben. Aber doch nicht die WoZ.

Ein Ruefer-Hasser ging des Längeren mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Satz des TV-Kommentators Sascha Ruefer hausieren. CH Media munkelte etwas darüber, die NZZ lehnte vornehm ab. Aber Renato Beck, ehemals gescheiterte «TagesWoche», nun WoZ, griff begeistert zu und beging einen üblen Rufmord an Sascha Ruefer.

«Dabei war der Satz klar rassistisch», behauptet Beck, dafür hätte er auf dem Spielfeld die rote Karte gekriegt. Schon alleine für das sinnlose «dabei». Zudem dafür, dass er einen off-record-Satz aus einem einstündigen Interview mit Sascha Ruefer zitiert.

Dabei wollte Ruefer nur – etwas ungeschickt – klarstellen, dass der Captain der Fussball-Nati kein typischer Schweizer sei, was aus dem Kontext klar hervorgeht. Die NZZ zitiert ihn: «Ruefer fragte den Interviewer, warum Xhaka jeden aufrege. Und er gab die Antwort selber: weil Xhaka alles sei, nur nicht Schweizer. Der Interviewer lachte

Die WoZ landete mit ihrer Denunziation einen medialen Erfolg und wurde fleissig zitiert. Nun könnte sie es dabei bewenden lassen und sich bei Ruefer entschuldigen. Das würde Grösse und Anstand zeigen.

Über beides verfügt Beck nicht. Statt auf höflich-kritische Fragen von ZACKBUM zu antworten, keift er: «Sie auch noch? Sind Sie jetzt im bürgerlichen Mainstream angekommen?» Was für ein Kläffer.

An seiner Statt ergreift nun der Co-Leiter Kaspar Surber das Wort – und lässt es lange nicht los. Er orgelt drauflos: «eine migrations- und medienpolitische Einordnung», als dürfte er den Leitartikel der NZZ schreiben. Surber könnte nun etwas ganz Einfaches tun. Eingestehen, dass Beck Scheisse gebaut hat, einen Aufreger herbeischrieb, unfair, blöd, unprofessionell.

Surber könnte hinzufügen, dass Becks hasserfüllte Art, allen den Mund verbieten zu wollen, die nicht seiner Meinung sind, eigentlich keinen Platz in einer pluralistischen WoZ hat. Er könnte bestätigen, dass das Volkshaus durchaus auch einem Ganser, einem Rima, einem Thiel einen Saal vermieten darf. Vielleicht sogar einem Zeyer.

Stattdessen schwurbelt Surber los, dass es eine Unart hat. «Ein Satz als Chiffre», «ein Satz von ausgrenzendem Charakter», der Satz stehe «für den Umgang der Schweizer Gesellschaft mit Migration in den vergangenen drei Jahrzehnten». Eine Nummer kleiner hat es Surber nicht.

Dann dreht er weiter Locken auf der Glatze, wahrscheinlich ohne zu wissen, von wem diese grossartige Beschreibung seines Tuns stammt. Getarnte «menschenrechtswidrige Diskriminierung», «Othering», «struktureller Rassismus», «Alltagsrassismus», «rechtspopulistische Avantgardepartei SVP hetzt gegen Zuwanderung», «eine Äusserung wird nicht als Teil eines politischen Diskurses begriffen, sondern personalisiert». Immerhin fällt ihm hier auf, dass die WoZ selbst genau das tat.

Dann schäumt er in die Zielgerade: «Gerade das Fernsehen kann neue Vorstellungsräume schaffen und blendet doch häufig postmigratorische Realitäten aus.» Wer diesen Satz versteht, sollte anschliessend unbedingt Quantenphysik und Feldtheorie studieren.

Schliesslich beschwert sich Surber noch darüber, dass niemand den Satz in seinem Kontext direkt zitieren dürfe und dass die WoZ nicht zur Visionierung des Rohmaterials des Interviews eingeladen wurde. Dabei müsste Surber wissen, dass es da ein Copyright-Problem gibt und dass es sowohl SRF wie Ruefer völlig freigestellt ist, mit wem sie reden wollen – und dabei den Verursacher dieser Schmiere aussen vor zu lassen.

Schliesslich habe die WoZ die «Sorgfaltspflicht nicht verletzt», beurteilt sie sich selbst, als wäre sie eine kleine Ausgabe des Presserats. Abschliessend wird haarspalterisch behauptet: «Die WOZ hat Ruefer nie als Rassisten verunglimpft.» Auch der «später bekannt gewordene Kontext ändert unseres Erachtens nichts am ausschliessenden Charakter der fraglichen Äusserung».

Selbst ohne Ockhams Rasiermesser kann man ganz einfach diesen Ballon voller Sprachmüll ritzen. Bloss mit einfacher Logik. Wenn Ruefers Satz «ausgrenzenden Charakter» habe, dann gibt es also so etwas wie «den Schweizer». Gäbe es den nicht, könnte Ruefer nicht ausgrenzen. Gibt es «den Schweizer» aber, dann ist das die Beschreibung einer bestimmten Mentalität, Verhaltensweise, Kultur, Denkungsart. Damit ist nun keinesfalls eine Rasse gemeint, also kann die Behauptung einer Nicht-Zugehörigkeit nicht rassistisch gemeint sein.

Oder aber, der «Schweizer» ist eine Rasse. Erst dann ist man im Bereich des Rassismus. Ob Surber das meint? Darf man ihn dann selbst als Rassisten bezeichnen? Dass sich jemand wie Xhaka selbst nicht als rassenreiner Schweizer fühlt, was interessiert das den Surber. Wer «rassistisch» sagt, muss selbst einen klaren Begriff von Rasse haben, wie sieht der bei Surber aus? Er hat keinen, der Schwurbler, aber wie kann er dann die Denunziation «rassistisch» verteidigen, wenn er nicht mal sagen kann, was eine Rasse denn eigentlich sei?

In seinem Verteidigungswahn geht Surber noch einen Schritt weiter: ««Du bist vieles, aber halt doch kein Schweizer»: Wie oft haben Migrant:innen diese Wertung bei ihren täglichen Bemühungen um Anerkennung schon gehört oder gespürt

Nun wirft er sich noch paternalistisch zum Verteidiger von angeblich unter Ausgrenzung leidenden Migranten auf. Was er bei diesem Geschwurbel übersieht: Hat irgend ein Anwohner der Schweiz mit Migrationshintergrund gegen diesen Satz von Ruefer protestiert? Nein, das haben nur stellvertretend Leidende gemacht, Dumpfbacken wie Beck oder Surber. Blöder war eigentlich – eine Leistung – nur Tamedia. Der Konzern titelte tatsächlich: «Ohne Gegenbeweis ist SRF-Reporter Sascha Ruefer kaum zu retten».

Es lässt sich kein Gegenbeweis erbringen, dass Tamedia nicht völlig am Verblöden ist.

Was bleibt: ein Woke-Wahnsinniger hat einen rausgehauen. Aufgrund eines off-record-Satzes, aus dem Zusammenhang eines einstündigen Interviews und aus dem Mikrozusammenhang gerissen. Der Beckmesser wirft sich zur moralischen Instanz und zum Inquisitor auf; dieser Satz sei «klar rassistisch». Die Medienmeute japst hinterher, bis sie sich eines Besseren belehren lässt und von den Vorwürfen gegen Ruefer Abstand nimmt.

Die WoZ hätte die Gelegenheit gehabt, eine Woche danach den Fehler einzuräumen und sich für ihren Mitarbeiter zu entschuldigen. Damit hätte sie wenigstens gezeigt, dass ihr das Einhalten journalistischer Anstandsregeln wichtiger ist als die Verteidigung eines misslungenen Artikels.

Stattdessen schwurbelt Surber intellektuell dermassen bescheiden los, dass er den Schaden an der Reputation der WoZ noch deutlich vergrössert, wie auch Leserreaktionen zeigen. Dabei kann sein Sprachmüllballon mittels einfacher Logik ohne grossen Aufwand zum Platzen gebracht werden.

Beck ist peinlich, aber Surber konnte das noch steigern. Was bedenklich ist: er schreibt diesen Stuss, liest ihn durch, gibt ihn in die Produktion – und keiner in der WoZ hat die Eier (oder Eierstöcke), um zu sagen: wollen wir uns wirklich noch mehr lächerlich machen?

 

 

Rufmord an Ruefer

Auch die WoZ im Woke-Wahnsinn. Liegt am Personal …

Renato Beck hat schon eine Karriere hinter sich – bei der krachend gescheiterten «TagesWoche». Inzwischen lässt er sich nicht mehr von einer Pharma-Erbin aushalten, sondern wütet bei der WoZ. Und senkt deren Niveau ungemein.

Beck ist ein Mundverbieter. «Wo die Scharlatane ein und aus gehen», so schimpft er über das Zürcher Volkshaus. Duftmarke: «Dort treten die Stars der Coronaleugner:innen auf, die Komiker Marco Rima und Andreas Thiel. Und Ende Mai sogar der Overlord der deutschsprachigen Verschwörungsszene: Daniele Ganser.»

Zum grossen Unverständnis von Beck wird denen nicht einfach der Saal verweigert, dürfen die tatsächlich vom Recht auf Rede und Meinungsfreiheit Gebrauch machen. Verschärfend kommt noch hinzu, dass sie nicht der gleichen Meinung wie Beck sind. Das geht natürlich gar nicht.

In seinem Denunziationsartikel zitiert Beck sogar einen völlig richtigen Satz : ««Die Geschichte lehrt uns: Die Ersten, die darunter leiden, wenn man andere Meinungen ausgrenzt, sind die Linken», sagt Kaspar Bütikofer, Präsident des Stiftungsrats des Volkshauses.» Nur hat Beck ihn nicht kapiert.

So nebenbei bekennt sich Beck auch zu einer gewissen Bildungsferne: «Wer mit lateinischen Phrasen hantiert, outet sich im Netz wie im übrigen Leben als Wichtigtuer:in.» Wer so die deutsche Sprache vergewaltigt, outet sich im Text als Dilettant.

Für viele Schlagzeilen sorgte Beck mit seinem neusten Streich: «SRF-Kommentator Sascha Ruefer liess eine Aussage aus einer Doku über das Schweizer Fussballnationalteam entfernen. Angeblich fehlte der Kontext. Dabei war der Satz klar rassistisch.»

Zunächst einmal verwendet Beck hier eine falsche consecutio. Zwar nicht temporum, aber das wäre sowieso zu lateinisch für ihn. Sondern das «dabei» ist völlig fehl am Platz. Die inhaltliche Behauptung natürlich auch. Aber um Beck zu zitieren: «Alles der Reihe nach

In einer umfangreichen Dokumentation des Schweizer Farbfernsehens wurde die Teilnahme der Schweizer Fussball-Nati an der WM in Katar nachgezeichnet. Dafür wurde auch der langjährige Kommentator Sascha Ruefer ausführlich interviewt. Gegen Schluss des Interviews wurden noch sogenannte Gegenschnitte aufgenommen, wobei die Kamera immer noch lief, nachdem auch das vorbei war. In seinem vorangehenden und umfangreichen Bemühen, die Persönlichkeit des Captains Granit Xhaka zu beschreiben – mit vielen lobenden, aber auch kritischen Worten  –, sagte Ruefer dann nicht nur off, sondern sozusagen offoff record: «Granit Xhaka ist alles, aber er ist kein Schweizer.»

So aus dem Zusammenhang gerissen hat dieser Satz sicherlich einen gewissen Haut-Gout. Was Ruefer damit wirklich sagen wollte, und was aus dem Kontext auch einwandfrei hervorgeht: für ihn ist Xhaka kein typischer Schweizer. Was als Bemerkung erlaubt sein muss, will man nicht im Woke-Wahnsinn alle solche Äusserungen denunzieren oder verbieten.

Ohne diesen Zusammenhang zu kennen, denn der isolierte Satz wurde Beck offensichtlich von einem Mitarbeiter der Dokumentation zugesteckt, zieht der WoZ-Schreiber vom Leder. Er erwähnt die Verurteilung Ruefers der Doppeladler-Geste des Fussballers in einem Spiel gegen Serbien; eine unappetitliche Provokation. Er erwähnt Ruefers Verurteilung des obszönen Griffs von Xhaka an sein Gemächt. Und will damit untermauern, dass Ruefer sich «obsessiv» an dem Fussballer mit Migrationshintergrund abarbeite.

Und dann eben noch dieser Satz. Zunächst reagierten sowohl Ruefer wie SRF suboptimal. Der Moderator sagte nichts, SRF sagte, dass der Satz aus dem Zusammenhang gerissen sei, man aber nicht die Rechte aufs ganze Filmmaterial habe und daher diesen Kontext nicht herstellen könne.

Nachdem die WoZ mit dieser Denunziation einen medialen Erfolg gelandet hatte, erlaubte SRF dann ausgewählten Journalisten, das gesamte über 60 Minuten lange Interview zu visionieren. Einhelliges Verdikt: so im Zusammenhang war der Satz vielleicht ungeschickt, aber keinesfalls rassistisch zu verstehen. Zudem wurde völlig klar, wieso Ruefer in einer ersten Fassung der Doku auf seiner Streichung bestand, weil er als einzige Aussage von über einer Stunde Interview übrig geblieben war.

Selbst im Mikrokontext kann der Satz nicht als rassistisch denunziert werden. Den beschreibt die NZZ so: «Ruefer fragte den Interviewer, warum Xhaka jeden aufrege. Und er gab die Antwort selber: weil Xhaka alles sei, nur nicht Schweizer. Der Interviewer lachte.»

Damit war der Adler der WoZ bruchgelandet. Kommt halt davon, wenn man sich abfüttern lässt, etwas völlig aus dem Zusammenhang Gerissenes aufpumpt und «Rassismus» kräht.

Hätte Beck etwas Anstand im Leib, hätte er sich schon längst bei Ruefer entschuldigt – so wie der korrekt das  Gespräch mit Xhaka sucht, um sich zu erklären. Aber Ruefer ist halt ein aufrechter Journalist, Beck ein Schmierenschreiber.

Peinlich und bedauerlich ist, dass nun auch die WoZ in den Kanon der Woke-Wahnsinnigen einstimmt, der Schneeflocken, die bei jeder zweiten Äusserung eine Verletzung von sich selbst oder von anderen Schneeflocken zu verspüren meinen. Peinlich ist, dass sich auch die WoZ nicht bemüssigt fühlt, diesen Fehlgriff richtigzustellen. Was unterhalb einer Entschuldigung das Allermindeste wäre …

PS: Wie jeder Angstbeisser und Kläffer war Beck zu feige, auf einen Fragenkatalog mit genügend Antwortfrist zu reagieren. Denn Dialog und Antworten, dass ist die Sache von Denunzianten nicht. Stattdessen erfüllte er alle Vorurteile, die man gegen Moralapostel wie ihn so hat: «Sie auch noch? Sind Sie jetzt im bürgerlichen Mainstream angekommen?» Mehr hatte er als Reaktion auf höflich-kritische Fragen nicht zu bieten …

Die WoZ spinnt

Das Gefäss «Die Welt spinnt» ist gestrichen. Das erledigt die WoZ selbst.

Eigentlich sollte man die Lektüre einstellen, wenn ein Artikel so beginnt: «Der Mann ist ein intimer Kenner der SVP, einer aus der parteinahen Presse. «Berset ist die grösste Trophäe!», meint er im Lärm des Zürcher Schützenhauses Albisgüetli.»

Eigentlich sollte man die Lektüre einstellen, wenn dieser Satz auftaucht: «Die WOZ sprach mit Dutzenden Beteiligten und Expert:innen aus Politik, Justiz und Medien.» Die aber leider alle anonym bleiben wollten.

Eigentlich sollte man gar nicht mit der Lektüre beginnen, wenn der Artikel so ausgestattet ist:

Treibjagd? Zu Fall bringen? Niederungen der Zürcher SVP? Schön, dass von Anfang an klargestellt wird, dass hier ergebnisoffen recherchiert wurde.

Selbstverständlich wird auch nicht mit maliziösen Unterstellungen in Frageform gearbeitet: «Der Druck auf Marti ist immens. Endet seine Karriere mit einem komplett verpfuschten Verfahren? Und ist das schon ein Motiv für die Weitergabe von Untersuchungsakten

Auch absurde Forderungen wie die, dass ein Journalist seine Quellen offenlegt, haben im Text der WoZ nichts zu suchen: Patrik «Müller (Oberchefredaktor bei CH Media, Red.), der in allen seinen Texten gegen Berset zielt, will nicht offenlegen, ob er weiss, auf welchem Weg die Dokumente zu ihm gekommen sind, wer dahintersteckt und was das Motiv ist.»

Neu ist auch, dass Müller in «all seinen Texten» gegen Berset ziele, aber wenn’s die WoZ sagt, die in all ihren Texten gegen die SVP zielt …

So nebenbei werden auch noch Hiebe gegen unliebsame Konkurrenz ausgeteilt: «Warum führt er (Untersuchungsrichter Marti, Red.) sein Verfahren so treffsicher in Richtung Lauener, Ringier und Corona? Ein Motiv, das sagen verschiedene Auskunftspersonen, könnte darin bestanden haben, dass Marti eine Art Coronaverschwörung witterte. Er habe bei den Verhören auch aus dem Schwurblerportal «Die Ostschweiz» zitiert».

Schwurblerportal? Abgesehen davon, dass ZACKBUM-Redaktor René Zeyer dort schwurbelt: eine so bösartige Unterstellung aus Corona-Zeiten sollte dann vielleicht schon ein wenig belegt sein, oder nicht, Kollegen von der Wäffel-WoZ.

Wunderbar sind auch immer geschwurbelte Unterstellungen, die sich auf Hörensagen und angebliche persönliche Verbindungen abstützen: «Offen ist auch, ob Marti Getriebener war oder Geschobener, ob er also für seine Ermittlungen Anstösse von aussen erhalten hat. Schliesslich ist er Teil eines Zürcher SVP-Bekanntenkreises, zu dem Alexia Heine gehört, die Präsidentin der Aufsichtsbehörde der Bundesanwaltschaft, ebenso wie Nationalrat Alfred Heer, Mitglied der Geschäftsprüfungskommission.»

Es gab vor vielen Jahren vor allem in Italien die Tradition des Politthrillers, der immer so anfing, dass in Neapel einer tot vom Fahrrad fällt, in Mailand ein Untersuchungsrichter knapp einem Attentat entgeht, und in einem Hinterzimmer üble Gestalten ein Komplott ausbrüten.

Offenbar haben die WoZ-Redaktoren zu viel solcher Filme gesehen: Der Generalsekretär des EDA Markus «Seiler stand wiederholt im Verdacht, Urheber der Leaks gegen Berset zu sein. Tatsächlich gibt es zeitliche Parallelen: Wann immer Seiler unter Druck geriet, gab es ein Leak zu Berset. «Die Luft wird dünn für Seiler», hiess es wegen des Crypto-Untersuchungsberichts am 11. November 2020 im «Tages-Anzeiger». Nur zehn Tage später sprachen alle Medien nur noch von der Erpressungsaffäre gegen Berset».

Zufälle aber auch. Wobei, wenn’s nicht Seiler war, könnte es auch so gewesen sein: «Durchaus denkbar, dass ein SVP-Maulwurf sie weitergab.»

Und wenn sich die WoZ schon im Konjunktiv der Verschwörungstheorien verliert, kann sie auch gleich völlig ins Gebüsch fahren: «Falls die Kampagne gegen Berset in den hohen Berner Regierungssphären oder in den Zürcher SVP-Niederungen ihren Ursprung hätte, käme das einem politischen Skandal gleich.»

«Falls hätte, käme gleich», welch ein Geschwurbel.

Am Schluss setzt die WoZ dann noch ein letztes Glanzlicht. Den Autoren ist nämlich doch noch aufgefallen, dass sie eigentlich die Einzigen sind, die solchen Verschwörungstheorien nachhängen. Das könnte nun, um eine Konjunktiv-Vermutung zu äussern, damit zu tun haben, dass man bei abstrusen Konstrukten immer ziemlich alleine auf weiter Flur steht.

Aber das kann natürlich nicht sein, also gibt es laut WoZ einen schlimmen Verdacht, wieso sich nur die aufrechten und furchtlosen Zwei, das Dream-Team Renato Beck und Kaspar Surber, unter Lebensgefahr an eine solche Recherche wagen: «Die Frage, ob es nicht mindestens so zwingend wäre, die jetzige Kampagne gegen Berset politisch zu untersuchen, hat bisher niemand in Bern offen gestellt. Den Grund, den man im Off hört, ist durchaus beunruhigend: Wir wollen nicht selbst plattgewalzt werden.»

Da sind wir aber beunruhigt und platt. Und hoffen, dass den beiden nichts zustösst, bevor ihnen die Tapferkeitsmedaille für angst- schwindel- und realitätsfreien Journalismus verliehen wird.

Geld wert? WoZ

Nach den Tages- die Wochenzeitschriften. Zuerst die WoZ.

Eines muss man der wohl ältesten linken Publikation der Schweiz lassen: gewinselt und gebettelt hat die WoZ noch nie. Manchmal wurde es eng, aber das linke Beiboot schaffte es immer wieder, genügend Wasser unter dem Kiel zu haben.

Als Objekt der Beurteilung nehmen wir die WoZ vom 15. Dezember 2022:

Für 6 Franken bekommt man hier 28 Seiten, macht 21 Rappen pro Seite. Kostenrekord bislang. Aber natürlich sollte man von einer Wochenzeitung auch etwas mehr Tiefgang und Qualität und Hintergrund als von einer Tageszeitung erwarten dürfen.

Zunächst fällt auf, dass die WoZ das gepflegteste Cover aller bisher analysierten Zeitungen hat. Gefällige Illu, knackig-bösartiger Titel «Junge Täter» über die «Junge Tat», die mit «gepflegtem Auftreten» versuche, «Sympathien für ihr rechtsradikales Gedankengut zu wecken». Wir sind gespannt, ob die «WochenZeitung» das auch einlöst.

Das zweite grosse Thema auf dem Cover ist die «Biodiversität», mit einem langen, langatmigen Intro wird das Thema angeteasert. Hier zeigt sich zum ersten Mal eine gewisse Ähnlichkeit mit einem anderen Organ; wobei ansonsten die Schnittmenge zwischen WoZ und «Republik» kaum sichtbar ist.

Die Seite zwei ist ein kleines Kunterbunt an Mitteilungen. Besonders erfrischend ein Gestänker unter dem Pseudonym Mona Molotow. Hier wird noch ein Slang gepflegt, den man fast ausgestorben wähnte. Eine Razzia gegen «Aktivist:innen der Letzten Generation» in Deutschland – es wird mit einem «beschwingten ACAB gratuliert». Für Nicht-Szeneangehörige: ACAB steht für «all Cops are bastards».

In diesem Ton geht es munter weiter: «… die Schmierfinken von den Springer-Medien … Ebenso jubiliert der politische Arm des Kapitals: Der frühere Blackrock-Lakai und heutige CDU-Chef Friedrich Merz … Unfreistaat Bayern …solch unverhältnismässige Repression ..

Erfrischend, dass mit diesem Vokabular heute noch hantiert wird.

Anschliessend wird, Überraschung, der Zustand der Welt im Allgemeinen und der Schweiz im Besonderen beklagt. «Konzernverantwortung»: «Strategie des Bundesrats ist altbekannt: hinauszögern und zuwarten.» Bundesrat Rösti? «Angst vor dem grossen Abbau». «Die Lebensraumvielfalt in der Schweiz nimmt ab».

Dann die Titelstory: «Die Schwiegersohn-Neonazis». Dass hier Kevin Brühlmann mitgeschrieben hat, der einen eher unglücklichen Auftritt beim «Tages-Anzeiger» hatte, lässt Übles ahnen. Aber dann ist’s ein lediglich viel zu langes Stück über die «Junge Tat». Im Gegensatz zu den Kollegen von der «Republik», die lieber am Schreibtisch recherchieren und Betroffene nicht zu Wort kommen lassen, hat sich die WoZ die Mühe gemacht, mehrere Exponenten der JT aufzusuchen. Allerdings ohne verwertbare Ergebnisse, aber heutzutage beschreibt man in Reportagen auch Ausflüge ohne Ertrag. Trotz Tremolo und Andeutungen und Verbindungen will sich bei der JT nicht so wirklich der Neonazi-Groove einstellen. Auch die Schlusspointe über ein Video, in dem eine Gruppe Jugendlicher Boxkämpfe imitiert – «als probten sie den Ernstkampf», wirkt wie das merkwürdige Wort etwas hingekrampft.

Noch gefährlicher als die «Junge Tat» ist für die WoZ der «geplatzte Reichsbürgerputsch» in Deutschland, auch als Rollator-Rebellion bekannt.

Fehlen darf natürlich nie «gegen multinationale Agrochemiekonzerne» und «für die kleinbäuerliche Revolution». Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch, eine Doppelseite «Putins Propaganda ist für westliche Demokratien gefährlich», «Rebellische Reispflückerinnen». Ist alles nicht taufrisch, Lesedauer und Leseertrag stehen nicht gerade in einem günstigen Verhältnis, zudem alles so erwartbar.

Dann noch Impressum und Leserbriefe, bei denen eine Rettungsaktion für den Konjunktiv I höchstes Lob verdient. Schliesslich «WoZ News», immer noch eigen in der Titelgebung «Mündliche, Verschobene, Sparsame, Zwiefache», usw. Allerdings ist es beinahe unverzeihlich, dass der Rubrikentitel «Die Welt spinnt» irgendwann einmal dem Zeitgeist zum Opfer fiel.

Was soll man sagen; lohnt sich die Ausgabe? Die Geldausgabe und die WoZ-Ausgabe? Sagen wir so: ohne einen Schuss Nostalgie, einen Sprutz Solidarität und ohne die Fähigkeit, bei langen Strecken nicht einzuschlafen: eher nein. Auf der anderen Seite kommt die WoZ visuell inzwischen um einiges besser daher als viele Konzern-Tageszeitungen. Wer zudem Abseitiges und Linksradikales lustig findet, kommt hier auf seine Kosten.

Apropos lustig: auch die WoZ krankt etwas an einer tiefen Humorlosigkeit, bedingt durch den blamablen Zustand der Welt und der Schweiz, der so aufs Gemüt drückt, dass Scherze vermessen wären. Das muss nicht sein, und wenn man schon einen einzigen Cartoon ins Blatt hebt, sollte der wenigstens ansatzweise witzig sein, und ein Lächeln darüber sollte entstehen, ohne dass man mit den Zeigefindern die Mundwinkel nach oben hieven müsste.

Noch ein Lichtblick

Natascha Wodin schreibt ein Essay in der WoZ, das Massstäbe setzt.

«Was nutzt den Toten ihr Heldenmut?» Einen solchen Titel muss man sich mal trauen, in den heutigen Zeiten, wo jeder Ex-Pazifist am Schreibtisch im gut geheizten Büro Kriegslüsternes von sich gibt.

Natscha Wodin hat die Biografie für das richtige Mass an Betroffenheit. Ihre Mutter wurde von den deutschen Besatzern im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterin verschleppt, Mariupol wurde schon damals in Schutt und Asche gelegt. Wodin hat die intellektuelle Kraft, die Klarheit der Sprache und die Unbestechlichkeit einer empathischen Beobachterin, die es für ein gelungenes Essay in all dem Geschrei und Gekreische der heutigen Zeiten braucht.

Sie beginnt mit einer klugen Beobachtung des deutschen Überintellektuellen Alexander Kluge und setzt damit das Niveau für das Folgende. Und ihr eigener Diskurs, ihr Nachdenken über sich, den Krieg, die Zukunft ist dermassen klug und beeindruckend, dass man sich gar nicht recht eine Zusammenfassung traut.

Man muss tief in sich und in die Ereignisse hinabsteigen können, um zu solchen Sätzen zu gelangen: «Das grösste Verbrechen des Kriegs an denen, die ihn überleben, besteht darin, dass er ihnen das Vertrauen ins Leben nimmt.» Das ist von einer elementaren Wucht, wie sie sonst nur die besten russischen Schriftsteller hinkriegten. Die man ja im Westen boykottieren sollte, wenn es nach den hyperventilierenden Intellektuellen ginge. Auch hier ist Wodin gnadenlos und seziert dieses Verhalten mit ihrem klaren Blick:

«Noch nie haben wir uns mit so viel Enthusiasmus selbst gefeiert, noch nie gab es ein solches Feuerwerk an Selbstgerechtigkeit, noch nie waren wir so überzeugt davon, dass wir die Guten sind.»

Wir verneigen uns vor dieser Autorin, die uns, peinliches Eingeständnis, völlig unbekannt war, und auf deren Essay wir erst aufmerksam gemacht werden mussten. Wir schliessen in dieses Lob auch die WoZ ein, die sich im Gegensatz zu den unsäglichen Kriegsgurgeln im Mainstream traut, einen solchen Brocken auf ihre Leser fallen zu lassen. Ein Essay, das in seiner gnadenlosen Wahrhaftigkeit, in seiner subjektiven Objektivität immerhin Hoffnung leuchten lässt, dass es doch da und dort noch intellektuelle Widerstandsnester gibt, die nicht ins Schablonendenken und die ewigen Wiederholungsschlaufen des Immergleichen geraten sind.

Zur Lektüre strengstens empfohlen. Ach, und da die WoZ ja ihre Artikel gratis zur Verfügung stellt: eine kleine Spende nicht vergessen.

Wumms: Magdalena Martullo-Blocher

Krieg der Worte: da werden keine Gefangenen gemacht.

Die WoZ hat aufgedeckt, zwei Recherchierspürnasen von Tamedia höselen hinterher: Die Chefin der Ems-Chemie habe im «Kasernenhofton» die Anordnung erteilt, in der Kommunikation das Wort «Krieg» zu vermeiden und stattdessen vom «Ukraine-Konflikt» zu sprechen. Ein entsprechendes Mail habe sie Mitte März verschickt, «nur wenige Tage nach der Bombardierung einer Geburtsklinik in Mariupol durch russische Truppen, die Bilder von dieser Gräueltat gingen um die Welt».

Die WoZ richtet: «In der Ukraine tobt also kein brutaler Krieg, begonnen durch den russischen Präsidenten Putin – es hat sich ein Konflikt entsponnen.» Worum geht es Martullo-Blocher? Na, logo: «ums Geschäft.» Dabei zähle «jeder einzelne Franken», da Martullo-Blocher auch gesagt habe, «wir überlassen unsere Firmen nicht dem russischen Staat». Obwohl zurzeit die Nachfrage völlig zusammengebrochen sei, wäre sie bereit, die Produktion in russischen EMS-Fabriken sofort wieder hochzufahren, sollte sich das ändern. Zudem habe Russland gedroht, widrigenfalls solche Firmen zu verstaatlichen.

Diese Anordnung sei «zum Schutz unserer Mitarbeiter erfolgt», wird die Verteidigung der Chefin der EMS-Chemie zitiert. Es würden bei einer Verstaalichung nicht nur Angestellte ihren Arbeitsplatz verlieren, sondern es stehen bekanntlich bis zu 15 Jahre Gefängnis auf Aussagen, dass es sich in der Ukraine um einen Krieg handle. Aber was kümmert das alles die Vertreter der reinen und heiligen Moral in der Schweiz.

Die WoZ legt noch einen drauf:

«Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagt sie, die Ukraine gelte als eines der korruptesten Länder, deshalb würde sie dort nicht investieren. Eine Behauptung, die aus Moskau seit Jahren zu hören ist. Tatsächlich ist die Ukraine in allen Korruptionsranglisten besser platziert als Russland. Dann mahnt sie, auch Putin müsse einen Erfolg vorweisen können, damit es zum Frieden komme. Ist das noch neutral oder schon Komplizenschaft?»

Fein in eine Frage verkleidet die Beschuldigung, Martullo-Blocher sei Putins Komplizin, nur weil sie etwas völlig Richtiges sagt. Zudem ist es tatsächlich richtig, dass die Ukraine beispielsweise in der Korruptionsrangliste von Transparency International besser abschneidet als Russland. Allerdings steht die korrupte Oligarchen-Republik auf Platz 117; Russland folgt auf Platz 129. Also weit, weit hinten im Feld von insgesamt 179 untersuchten Ländern. Da ist es eigentlich egal, auf welchen hinteren Plätzen man sich genau befindet.

Aber Martullo-Blocher. Erfolgreich. Steuert die EMS-Chemie bislang sicher durch alle Stürme. Dazu noch SVP-Nationalrätin und vor allem Tochter des Gottseibeiuns aus Herrliberg.

Will ihre Mitarbeiter und ihre Investitionen in Russland schützen. Das findet auch Tamedia nicht gut: «Warum auch Ems-Beschäftigte, die keinen Kontakt mit Russland haben, nicht von «Krieg» sprechen dürfen, diese Frage liess das Unternehmen unbeantwortet.» Vielleicht, weil auch solche Beschäftigte mal in Kontakt kommen könnten? Aber solche Überlegungen stehen natürlich den Scharfrichtern im Wege.

In den USA gibt es aus Weltkriegszeiten den «Tradig with the Enemy Act». 1917 erlassen, wird er heute noch angewendet. Auf Kuba. Das könnte sich doch die Schweiz als Vorbild nehmen. Zumindest die Schweiz, von der Tamedia- und WoZ-Redaktoren träumen, die nicht Gefahr laufen, in Russland zu 15 Jahren Knast verknackt zu werden. Und denen es weder ums Geschäft, noch ums Geld geht. Vorausgesetzt, der Lohn kommt pünktlich aufs Konto.

 

Wumms: Marko Kovic

Der Mann weiss, wie man mit minderen Gaben wuchern kann.

Marko Kovic kommt eigentlich aus dem Nichts und seine wissenschaftliche Qualifikation ist mehr als mager. Aber er bedient die linken Narrative im Schlaf, und so hat er sich heraufgearbeitet zum Spezialisten für Verschwörungstheorien. Rechte Verschwörungstheorien, wohlgemerkt.

ZACKBUM musste sich schon mehrfach mit seinen haltlosen Behauptungen befassen. Kovic ist bekanntlich der Entdecker des «Intellectual Dark Web» auf Deutsch, das sich bis zur NZZ erstrecke. Dieser kleine Verschwörungstheorie-Schlingel.

Er musste schon mal eingestehen, dass er bei einer von ihm gross heraustrompeteten angeblich soziologischen Untersuchung nicht mal das Standardwerk zum Thema gelesen hatte, geschweige denn kannte.

Aber das alles macht ja nichts, wenn man immer zur Stelle ist, wenn es darum geht, aus angeblich wissenschaftlicher Warte den Fachmann zu spielen. Seine neuste Luftblase: ehemalige Corona-Verschwörungstheoretiker haben umgesattelt und sind nun Putin-Verschwörungstheoretiker. Also sie bezweifeln grundsätzlich, was in westlichen Medien über Putin und Russland veröffentlicht wird.

«Stammt aus der Propagandafeder des Kreml», wer das wiedergibt, mache sich zu «nützlichen Idiot:innen»,

schreibt er nicht ganz sattelfest im Deutschen in der WoZ. Von Markus Somm über Roger Köppel glaube man moskaugesteuerten Einflüsterungen, furchtbar.

Das bringt ihm flugs ein Interview mit SRF4 News ein, wo der «Sozialwissenschaftler und Journalist» den gleichen Stuss einem Stichwortgeber erzählen darf. Denn er habe ja «in der linken WoZ die Zusammenhänge aufgedeckt». Welche denn?

«Wir wissen aus der Forschung zur russischen Desinformation der letzten 10, 15 Jahre, dass die Regierung Putins über diverse Desinformationskanäle, über Sender wie Russia Today oder Sputnik, aber auch über ihre Social-Media-Präsenz gezielt die Erzählung streut, im Westen seien die Medien korrupt, sie seien unterwandert.»

Unglaublich, diese Russen. Dabei sind die westlichen Medien doch frei, geben allen Standpunkten Raum, entlassen niemals Mitarbeiter wegen deren Meinung, und korrupt, also bitte, für die grossen Medienclans in der Schweiz spielt Geld keine Rolle, das weiss man doch. Gut, sie wollten einen Extrazustupf von einer Milliarde Steuergeld, aber das hätte sie überhaupt nicht korrumpiert.

Das Elend mit so Figuren wie Kovic ist, dass er dem Renommee der Soziologie genauso schadet wie die Journalisten dem Ruf der Medien, die ihn interviewen und nicht einmal eine einzige kritische Frage wagen.

Die naheliegende wäre: Macht man es sich nicht zu einfach, wenn man – wie bei Corona – jeden Kritiker unter den Generalverdacht stellt, er sei ein Verschwörungstheoretiker und/oder ein nützlicher Idiot? Wichtig wäre doch: wie unterscheidet man Leute mit Scheuklappen wie Kovic von ernstzunehmenden Kritikern?

Das ist zwar kein Beleg für angebliche Verschwörungstheorien von angeblich von Corona zu Putin abgewanderten Aluhutträgern. Es ist aber ein Beleg für den jämmerlichen, lausigen, unprofessionellen Zustand der Medien im Westen.