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Zensur-Skandal

Der Fall des Schweizers Jacques Baud zeigt allgemeines Versagen.

Am 15. Dezember 2025 wurde der Schweizer Oberst a.D. Baud vom Ministerrat der EU als Nummer 57 auf eine Sanktionsliste gesetzt. Der Rat begründete dies damit, Baud sei ein regelmässiger Gast in russischen Medien und verbreite nach Auffassung der EU pro-russische Propaganda sowie Desinformation über den Ukrainekrieg. Zu den Massnahmen gehören das Einfrieren von Vermögenswerten in der EU und das Verbot, ihm wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen; ausserdem gelten Einreise-, bzw. Ausreisebeschränkungen.

Das bedeutet für den in Brüssel lebenden Publizisten, dass er nur dank Nachbarschaftshilfe in seiner Wohnung bleiben kann und etwas zu essen hat. Skandal Nummer eins.

Er kann nicht in sein Heimatland Schweiz ausreisen, auch seine hiesigen Konten sind gesperrt, obwohl die Schweiz diese Sanktion nicht mitträgt. Skandal Nummer zwei.

Dieser Ministerrat ist eine demokratisch wackelig legitimierte Dunkelkammer der EU, in den je nach Thema die Mitgliedstaaten dafür zuständige Minister entsenden. Dennoch hat er zentrale Funktionen in der dysfunktionalen EU, beispielsweise die Verabschiedung von Gesetzen. Und das Erlassen von Sanktionen gegen Einzelpersonen. Skandal Nummer drei.

In einer Pressekonferenz machte Baud einmal mehr klar, dass er sämtliche Vorwürfe kategorisch zurückweise. Er habe in seinen Publikationen lediglich versucht, darzulegen, welche Motive die Kriegsparteien im Ukrainekonflikt hätten. Er habe sich niemals für russische Propaganda einspannen lassen. Skandal Nummer vier.

Die EU-Kommission widerspricht. «Man habe Beweise dafür, dass die gelisteten Personen «für Handlungen oder politische Massnahmen verantwortlich sind, die die Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit, die Stabilität oder die Sicherheit untergraben», sagt die Sprecherin Anitta Hipper auf Anfrage. Dies schliesse die «Planung, die Anordnung oder Unterstützung von Informationsmanipulation und Einmischung» ein», zitiert sie die NZZ, die als einziges Schweizer Medium über diese PK berichtete. Skandal Nummer fünf.

Weiter in der NZZ: «Die Frage, ob man diese Beweise vorlegen könne, verneint Hipper jedoch. Aus Gründen des Datenschutzes könne man diese ausschliesslich an die betroffenen Personen oder deren Rechtsvertreter übermitteln. Baud und sein Team bestreiten jedoch, je eine Begründung erhalten zu haben, die über die kurze, öffentlich zugängliche Zusammenfassung der Vorwürfe hinausgegangen sei.» Skandal Nummer sechs.

Wirr-Organe wie die WoZ hingegen applaudierten diesem Zensurentscheid der EU: «Die Wochenschrift der linken Denkungsart macht sich mit rechten Schwätzern gemein», kritisierte ZACKBUM diese Denunziation nach dem Prinzip Kontaktschuld. Unsere damalige Schlussfolgerung: «Neuerdings reimt sich WoZ offenbar auf kotz.» Dass eine solche allen Grundprinzipien der Meinungsfreiheit widersprechende Massnahme auch von linken Kreisen applaudiert wird: Skandal Nummer sieben.

Wenn vom publizistischen Schaffen Bauds tatsächlich eine solch dramatische Gefahr ausgehen sollte, könnte man versuchen, weitere öffentliche Stellungnahmen von ihm zu verbieten. Besser wäre es allerdings, ihnen im freien Diskurs zu widersprechen. Aber seine Existenzgrundlage zu gefährden, ihn schlichtweg von einem Tag auf den anderen ohne Vorwarnung von allen finanziellen Mitteln abzuschneiden, das ist ungeheuerlich. Skandal Nummer acht.

Seine Möglichkeiten zur Gegenwehr sind beschränkt. Er kann einen Antrag auf Überprüfung bei eben diesem Rat stellen. Er kann Klage beim Gericht der Europäischen Union einreichen. Was ihm nur möglich ist, weil ihn Anwälte pro bono, also kostenfrei, vertreten. Trotzdem sind seine Erfolgsaussichten beschränkt; bis zu einem rechtsgültigen Urteil kann es Jahre dauern. Vielleicht endet das mit einer biologischen Lösung, Baud ist gerade 71 Jahre alt geworden. Skandal Nummer neun.

Meinungsfreiheit darf nur durch klare gesetzliche Bestimmungen begrenzt werden. Grundlose Willkürzensur durch demokratisch höchstens wackelig legitimierte EU-Dunkelkammern müssten mindestens zu einem Aufschrei in den Medien wie in den Fällen Assange oder Snowden führen. Stattdessen bewegt sich kaum ein Blatt im Blätterwald. Mit der verdienstvollen Ausnahme der «Weltwoche». Skandal Nummer zehn.

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Dieser Artikel erschien zuerst in der «Weltwoche online» hinter der Aboschranke.

Der Grenzgänger

Daniel Ryser hat mal wieder den Arbeitgeber gewechselt.

Der Mann ist flexibler als ein Gummibärchen. Von der WoZ wechselte er zur «Republik», beschimpfte dort in einer selten schlampig recherchierten Serie («Die Infokrieger») alle Kräfte des Bösen wie «Weltwoche» und Co. und insbesondere deren Chefredaktor Roger Köppel.

Dann gab’s bei der «Republik» einen kantigen Abgang. Die «Republik» setzte ihn in bewährter Manier in den Sand und musste ihm ein hübsches Sümmchen zahlen. Aber man hat’s ja.

Dann tauchte Ryser zur allgemeinen Überraschung an der Seite von Darth Vader auf und schrieb fleissig für die WeWo. Rings und lechts, was soll’s, man muss ja von was leben.

Und nun die nächste Häutung, Ryser hat beim «Infosperber» angeheuert. Redaktionsleiter Hannes Britschgis Alterswerk. Ob der Abschied von der WeWo friedlich oder nicht erfolgte, ist nicht bekannt.

Auf jeden Fall eine Gelegenheit für ZACKBUM, sich das Organ, von Urs P. Gasche gegründet, mal genauer anzuschauen. Redaktor René Zeyer war ein Weilchen beim gleichzeitig entstandenen «Journal21» unterwegs, bis er dort die tiefer gelegte Toleranzschwelle übertrat. Unvergesslich, als er sich das letzte Mal in eine Redaktions-Telco einwählte, sich höflich vorstellte, eisiges Schweigen, dann rappelte sich Heiner Hug auf: «Wir wollen hier aber über Dich sprechen, ohne Dich.» So hört sich gelebte Pluralität an.

Das war aufs falsche Pferd gesetzt. «Journal21» riecht immer mehr nach Altherrenschweiss plus leichte Inkontinenz. «Infosperber» hingegen mausert sich trotz bescheuertem Namen immer mehr zu einer lesenswerte Alternativquelle.

«Iran-Krieg: Die Uno und die EU sind die grossen Verlierer», eine Analyse, in der mehr Gehirnschmalz steckt als im ganzen Geseire von Tamedia und NZZ. Ryser richtet in einem grossen Artikel den Amok und Berufs-Provokateur Nicolas A. Rimoldi hin, der mal wieder vor Gericht stand und wegen eines alle Grenzen des guten Geschmacks überschreitenden Blöd-Spruchs verurteilt wurde.

Helmut Scheben geht kenntnisreich der Geschichte der Zensur nach, «Man muss die Verletzung des Völkerrechts klar benennen», sagt Professor Oliver Diggelmann von der Uni Zürich zum Angriffskrieg gegen den Iran. Christoph Schütz macht den Presserat darauf aufmerksam, dass er einmal mehr viel zu spät urteilt und dabei erst noch seine eigenen Richtlinien über Bord wirft.

Gut, es kommentiert auch Werner Vontobel, und eine Kampffeministin macht sich mit einer Brandrede gegen die Bezeichnung «minderjährige Frau» lächerlich. Aber das sind Kollateralschäden.

Dafür haben wir Rudolf Strahm, auch Gasche publiziert weiterhin fleissig und kampfeslustig. Dazu werden auch immer wieder Artikel von Lukas Hässig auf seinem «Inside Paradeplatz» übernommen.

Und neben seinem Stück über Rimoldi hat Ryser bereits wie meist fleissig in die Tasten gegriffen, «Störsender ohne Störung», ein interessanter Kommentar zur SRG-Initiative, bei dem man nicht weiss, ob der Mann nun dafür oder dagegen ist oder nur seine eigene journalistische Zickzacklinie aufarbeiten möchte. Plus natürlich Trump-Bashing, was in der WeWo nicht so genehm war.

Also alles in allem Buntes und Munteres. Stiftungs- und spendenfinanziert, mit dem Slogan: «Infosperber sieht, was andere übersehen».

Manchmal entstehen auch hier Artikel am Schreibtisch, die vor Ideologie triefen und die Wirklichkeit als störendes Element betrachten. So behauptet eine Martina Frei über Kuba: «Kranke und Verunfallte können nicht mehr versorgt werden, weil es an allem fehlt. Schuld ist die Sanktionspolitik der USA.» Erstens waren und sind die USA der drittgrösste Aussenhandelspartner Kubas, was sich schlecht als Sanktionspolitik verkaufen lässt. Zweitens: Schon seit Langem sind Lebensmittel und medizinische Artikel von allen Restriktionen ausgenommen. Nur hat Kuba nicht das Geld, um alles Nötige zu kaufen. Drittens gibt es nun tatsächlich zum ersten Mal ein vollständiges Ölembargo, was natürlich völkerrechtswidrig ist. Und viertens ist die Autoblockade durch ein völlig verfehltes Wirtschaftssystem die Hauptursache für die Malaise. Eine karibisch-fruchtbare Insel, die über 90 Prozent der Lebensmittel importieren muss, das ist ein hausgemachtes Desaster.

Aber man kann halt nicht alles über alles wissen, auch nicht beim «Infosperber». Der dennoch eine interessante Nahrungsergänzung ist.

Ach, die WoZ

Das Blatt hat seine Stärken. Und Schwächen.

Wenn der Fluss der medialen Berieselung verelendet, versiegt, vertrocknet, kommen Kieselsteine im Flussbett zum Vorschein, die man gemeinhin übersieht. Zum Beispiel die WoZ.

Sie hat ihre bedauerlichen Schwächen. Wenn ausgerechnet im Organ, wo Mitarbeiter sich noch durchaus daran erinnern können, dass man ihnen «Moskau einfach» zurief, die existenzbedrohenden Sanktionen gegen Jacques Baudrussische Desinformation») applaudiert werden, dann spinnt nicht die Welt, sondern die WoZ.

Wenn nostalgisch «Internationalismus ist ein Überlebensmechanismus» vorgebetet wird, wider alle Realität und Wahrscheinlichkeit, dann löst das nur Bedauern aus. Wenn «Superschurken in Davos» getitelt wird, kann man sich die Lektüre sparen.

Wenn WoZ-Redaktorin Sarah Schmalz über den «Mord in Minneapolis» auf der Frontseite vom Leder zieht, gerät sie dermassen ins Hyperventilieren, dass sie sich gleich zweimal korrigieren (lassen) muss. Ein lässlicher Fehler im Eifer des Gefechts: sie unterschiebt ein Zitat dem «Tages-Anzeiger». In Wirklichkeit stand in der «SonntagsZeitung»:

«Wenn Horden maskierter Beamter in Kampfmontur aufmarschieren und zum Widerstand ausgebildete Bürgerrechtler sie konfrontieren, wird Gewalt unausweichlich.»

An dieser Feststellung ist eigentlich nichts zu meckern. Vielleicht etwas empathielos, vor allem im Licht der zweiten Tötung durch ICE-Beamte, aber das konnte der SoZ-Korrespondent Martin Suter damals nicht wissen.

Dann gibt Schmalz aber Vollgas: «Während in den USA am Wochenende Zehntausende Menschen gegen die Tötung der Frau protestierten, versagen die hiesigen Leitmedien bei der Einordnung der Ereignisse komplett.» Tschakata.

In der Online-Ausgabe des gleichen Kommentars heisst es dann: «... versagt ein Teil der hiesigen Leitmedien bei der Einordnung der Ereignisse komplett». Hoppla.

Nun könnte man meinen, in einem transparenten Blatt wie der WoZ wird eine solche Meinungsänderung transparent ausgewiesen. Nun ja: «** Korrigenda vom 15. Januar 2026: Wir haben in diesem Satz eine Präzisierung vorgenommen.» Präzisierung? Nun, welche hiesigen Leitmedien haben denn zum Beispiel nicht versagt?

Nun aber zu den Sonnenseiten. Präsident Trump eskaliert auch den Konflikt mit Mexiko. Grossraumanalysen allenthalben. Die WoZ schreibt: «Das Ungleichgewicht zwischen den USA und Mexiko hat sich seit Donald Trumps aggressiver Politik verschärft. Die Folgen für die Menschen zeigen sich in der Grenzstadt Ciudad Juárez.» Reporter Anne Haas hat schlichtweg die Grenzstadt Ciudad Juárez besucht. Hingehen, hinschauen, aufschreiben. So ging mal Journalismus.

Mali? Mali? Ist das eines der Shitholes in Afrika, von denen Trump gelegentlich spricht und die es nur ganz, ganz selten in die Spalten der Leitmedien schaffen? Denn in Mali gibt es nicht mal einen Völkermord wie im Sudan oder wie in Äthiopien, also was soll’s. Die WoZ schreibt: «Islamistische Terroristen bedrohen Mali und versuchen, die Hauptstadt Bamako durch eine Benzinblockade lahmzulegen. Viele prophezeiten schon den Zusammenbruch des Landes. Doch sie unterschätzten den Mut der Tankwagenfahrer

Reporter Isso Ehrich ist hingegangen und berichtet aus der belagerten Hauptstadt. Hingehen, hinschauen, aufschreiben. So ging mal Journalismus.

Die WoZ schreibt: «Eigentlich sollte das Zusammenleben in Aleppo Vertrauen zwischen der Regierung und den Kurd:innen schaffen. Stattdessen kam es zu schweren Kämpfen, Vertreibungen und gezielten Angriffen auf Wohnviertel. Nun wächst die Sorge, dass der fragile Frieden ganz kippt.» Reporter Anna-Theresa Bachmann berichtet vor Ort. Hingehen, hinschauen, oder sagten wir das schon.

Selbst der Cartoon in der aktuellen Ausgabe ist ziemlich lustig, was man nicht immer von ihm behaupten kann:

WoZ, 22. Januar 2026

ZACKBUM stimmt daher in den Chor der Rechthaber und Verteiler von wohlmeinenden Ratschlägen ein: mehr Reportagen, weniger Meinung. Zuerst Hirn einschalten, dann losschreiben. Und eine Spur mehr Selbstkritik: so ein Artikel wie über Baud geht gar nicht. Aber Mexiko, Mali, Syrien: das ist die richtige Richtung.

Ach, und an der aktuellen Werbekampagne könnte man auch noch etwas arbeiten, die hat viel Luft nach oben …

Immerhin

Ein kleiner Lichtschimmer: die NZZ über den Skandal Baud.

Gut, die alte Tante nennt es vornehmer «Affäre Jacques Baud». In trockenen Worten: «Vor einem Monat hat die EU den in Brüssel wohnhaften Schweizer Jacques Baud auf ihre Russland-Sanktionsliste gesetzt

Nach langer Bedenkzeit habe nun das EDA «von der EU «das Recht auf ein faires Verfahren verlangt und auf die Achtung der Meinungsäusserungsfreiheit hingewiesen»».

Wow.

Anschliessend zählen aber die Autoren Katharina Fontana und Antonio Fumagalli Stück für Stück auf, was hier alles nichts mit einem fairen Verfahren oder der Meinungsäusserungsfreiheit zu hat. Das ist zunächst: «Was genau dem ehemaligen Oberst der Schweizer Armee und Buchautor zur Last gelegt wird, ist nebulös

Denn welche «Erkenntnisse» die EU in einem Dossier zusammengestellt haben will, ist geheim. Datenschutz.

Es wird noch schlimmer: Baud werden keine strafbaren Handlungen vorgeworfen, für ihn gilt die Unschuldsvermutung nicht, er hatte kein Recht auf Anhörung.

Ein Anwalt, der wohl aus Schiss nicht namentlich genannt werden will, geht noch ein paar Schritte weiter:

«Aus rechtsstaatlicher Sicht seien die Sanktionsregime mit ihren sehr weitgehenden Konsequenzen fragwürdig. Die Personen stünden aus politischen Erwägungen auf der Sanktionsliste, nicht weil ihnen strafbare Handlungen vorgeworfen würden. Durch die Sanktionen würden sie aber bestraft, nicht von einem Gericht, sondern von einer Exekutivbehörde.

Der Rechtsschutz, der Sanktionierten gewährt wird, ist sehr rudimentär. Er reicht deutlich weniger weit als in einem Strafverfahren, bei dem es um kriminelle Handlungen geht. Salopp gesagt ist jeder Kriminelle besser geschützt als ein Sanktionierter. Der Anwalt weist darauf hin, dass gemäss der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) keine Verurteilung für Handlungen erfolgen darf, die nicht strafbar sind. Das Verbreiten einer Verschwörungstheorie sei nicht strafbar. Zudem brauche es gemäss der EMRK ein faires Verfahren.»

Die Konsequenzen einer solchen Sanktionierung sind einschneidend. Alle Konten und Kreditkarten gesperrt. Keine Zahlungen oder Überweisungen bspw. aus Bargeldbeständen mehr möglich. Niemand darf in Geschäftsbeziehungen mit dem Sanktionierten treten, ihn gar in irgend einer Form unterstützen.

Seine Möglichkeiten, sich dagegen wehren und ein sogenanntes Delisting zu erreichen, also von er Sanktionsliste gestrichen zu werden, sind rudimentär. Abgesehen davon, dass er dafür einen Anwalt braucht und der auch nicht gratis ist.

Es wird noch absurder. In der Schweiz ist Baud nicht sanktioniert, also könnte er theoretisch hier Finanztransaktionen durchführen. Praktisch nicht, weil alle Schweizer Banken, ohne das zu müssen, aus reiner Feigheit jede Geschäftsbeziehung mit diesen sanktionierten Personen einstellen, für sie keinerlei Bankgeschäfte durchführen.

Bitteres Fazit der beiden Autoren: «Der Fall von Jacques Baud ist besonders für Journalisten und Publizisten relevant, denn er wirft die Frage auf, wo die Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit verlaufen und was auf Personen zukommt, die sich nicht an ein bestimmtes Narrativ halten. Was nach EU-Massstäben unter «Propaganda» fällt, lässt sich nicht eindeutig bestimmen, und das dürfte beabsichtigt sein.»

Es ist geradezu absurd, dass hier die NZZ das Organ der linksguten Denkungsart WoZ ganz klar links überholt. Denn dort haben zwei Orientierungslose diese Sanktion doch tatsächlich gerechtfertigt.

Nicht zuletzt mit dem an Zynismus schwer zu überbietenden Argument, dass Baud ja keinen Maulkorb bekommen habe. Essen und trinken darf er nicht, aber frei sprechen.

Früher hatte die WoZ eine Kolumne «Die Welt spinnt». Heute muss es heissen: die WoZ spinnt. Und die NZZ schreibt an ihrer Stelle das Nötige und Richtige. Wahrlich verkehrte Welt.

Kleines Einmaleins des Journalismus

Sittenverluderung und Hirnstarre. Ein Zwischenruf gegen das Elend.

Früher, ja früher gab es mal die Kenntnis von verschiedenen journalistischen Gefäßen. Es gab die Nachricht. Den Kommentar. Das Interview. Die Analyse, Die Reportage. Die Recherche. Das Essay. Und das Porträt.

Heute gibt es Brei.

Das Porträt gehört zu den anspruchsvollsten Formen des Journalismus. Denn die Ausgangslage ist, dass man einen facettenreichen, oftmals in der Öffentlichkeit stehenden Menschen schriftlich abbilden will. Dahin führen zwei Wege.

Der Königsweg ist, dass man so viel Material wie möglich über diesen Menschen sammelt. Wenn es sich einrichten lässt, ihm auch persönlich begegnet. Meinungen aus seinem Umfeld einholt, wobei man wie üblich solche mit Namensnennung höher gewichtet als anonyme. Und anonyme nur mit Begründung zu-, oder besser noch weglässt.

Dann kommt die Phase des Verdauen. Man sitzt auf einem Berg von Informationsstücken und Stückchen, den man verschlingen, verarbeiten, verdichten und aufbereiten muss. Nach der Richtschnur: das Resultat muss sein, kein wirklichkeitsgetreues Abbild schaffen, denn wer weiss denn schon, was das ist. Aber ein rechtschaffenes, eines, das der porträtierten Person gerecht wird. Das man in der Sicherheit niederschreibt, dieser Person anschliessend weiter in die Augen schauen zu können.

Ein Mensch ist immer mehr als die Summe seiner Teile, seiner Aussagen, seiner Handbewegungen, seiner Mimik, seines Charakters, seiner Positionen, seiner Ansichten. Aus all dem signifikante Elemente herausschälen und sie in eine lesbare Form zu bringen, die den Leser bereichert, informierter als zuvor zurücklässt, mit dem Gefühl: ich glaube, ich habe nun eine grössere Ahnung über diesen Menschen als vor der Lektüre – das ist das grosse Ziel.

Aktuell haben wir zwei Porträts, an denen man den Unterschied zwischen gelungen und übler Schmiere deutlich festmachen kann. Margrit Sprecher porträtiert Alice Weidel. Man kann davon ausgehen, dass Sprecher mit kaum einer der politischen Positionen übereinstimmt, die die AfD und Weidel vertreten. Man kann davon ausgehen, dass viele sie davor gewarnt haben, dieser schrecklichen Rechtspopulistin mit Abgrenzungsproblemen zum braunen Sumpf überhaupt eine Plattform zu bieten, indem Sprecher ein Porträt schreibt.

Sie hat es dennoch getan, und siehe, es ist gelungen. Es ist elegant geschrieben, mit Distanz, aber auch Anteilnahme, die beschriebenen Facetten fügen sich zu einem Mosaik zusammen. Das Porträt wird Weidel gerecht, verurteilt nicht, sondern beschreibt, verdichtet, wählt aus. Muss man können, wenn man’s nicht kann, sollte man es erst gar nicht versuchen.

Dann gibt es Lohnschreiber und Wendehälse wie Daniel Ryser, die kein Problem damit haben, eine Person als Bestandteil eines brandgefährlichen rechten Mediennetzwerks darzustellen – um dann anschliessend für genau diese Person zu schreiben. Darüber muss man weiter kein Wort verlieren – ausser den Ausdruck höchsten Befremdens, wieso Köppel diese Type bei sich schreiben lässt. Aber das fragt man sich bei Tom Kummer ja auch vergeblich.

Und dann gibt es das aktuelle Porträt von Roger Köppel in der WoZ. Ein übles Machwerk, von fünf Köchen zusammengerührt, ein unappetitlich riechender Brei. Schon mit dem ersten Satz wird hier klargestellt, dass es keineswegs um ein Porträt gehen soll. Sondern um eine Hinrichtung: «Manchmal wird die «Weltwoche» für die russische Sicht auch handgreiflich.»

Null Intention, den Motiven und Beweggründen Köppels nachzugehen, was ja durchaus interessant sein könnte. Nein, es ist sonnenklar, dass die geballte Recherchierkraft darauf verwendet wurde, möglichst viele Mosaiksteine zu finden, die Köppel möglichst schlecht aussehen lassen.

Nun gibt es bei dem Mann vieles zu kritisieren, und auch ZACKBUM tut das innerhalb sowie ausserhalb der «Weltwoche» nach Kräften. Aber das macht ihn nicht restlos aus. Was ist also von einem Porträttext zu halten, den man auch in einem Satz hätte abhandeln können: Köppel ist ein russlandfreundlicher und von Despoten faszinierter Rechtspopulist und Demagoge mit völlig selektiver Wahrnehmung der Realität.

Das mag man so sehen, und Köppel bietet genügend Anlass für diese Sicht. Aber das ist kein Porträt Köppels, das ist eine Karikatur. Ein Pamphlet. Eine ideologische Kampfschrift. Das ist, Gipfel der Absurdität, das tun, was man Köppel vorwirft. Die Autoren sind offensichtlich zu blöd, diesen schreienden Widerspruch zu bemerken.

Nein, sie sind vielleicht nicht zu blöd. Aber ideologisch zu verbohrt, unfähig, die Realität (und den Menschen) bunt, widersprüchlich, komplex wahrzunehmen. Sie brauchen Schwarzweiss, Holzschnitt, Holzhammer.

Sie merken nicht, dass ausserhalb ihrer kleinen Gesinnungsblase so eine Schmiere ihren Zweck völlig verfehlt. Niemand wird dadurch bereichert, niemand lernt etwas. Nur Gleichdenkende fühlen sich durch diese Rückkoppelung in der Echokammer der eigenen Gesinnung bestätigt.

Das ist dermassen lähmend langweilig, aschgrau, unerträglich flach und dumm. Wäre diese Fünferbande nicht völlig beratungsresistent, müsste man ihnen sagen: Porträt schreiben wollen. Thema verfehlt. Inhalt ungenügend. Formal mangelhaft. Eins, setzen, nochmal versuchen. Oder noch besser: sein lassen, einen anständigen Beruf suchen.

Oder sich bei der «Weltwoche» bewerben. Aber bitte für Buchhaltung, Archiv und Sekretariat, ja nicht als Journalist.

WoZ potz

Die linke Wochenzeitung knöpft sich Roger Köppel vor.

Gleich fünf WoZler haben ihre Kräfte zusammengelegt, um der «weissen Krähe» die Federn auszurupfen. Kaspar Surber, Renato Beck, Daria Wild, Anna Jikhareva und Jan Jirát – allesamt selbst nicht unbeschriebene Blätter – machen genau das, was sie ihrem Hassobjekt vorwerfen. Sie berichten einseitig, verdrängen alles von der Realität, was ihnen nicht passt.

Denn genauso wenig, wie man in der «Weltwoche» kaum ein schlechtes Wort über Donald Trump oder Wladimir Putin hört, darf man in der WoZ ein ausgewogenes oder zumindest nicht ideologisch durchtränktes Porträt von Roger Köppel erwarten.

Passgenau zu dessen ersten Auftritt an der Albisgüetli-Tagung der SVP regnen hier 34’500 Anschläge auf ihn nieder. Schon die Einleitung kann man zumindest als launig bezeichnen: «Manchmal wird die «Weltwoche» für die russische Sicht auch handgreiflich.» Dann muss das Autorenteam dieser starken Ansage hinterherrennen. Angeblich soll ein WeWo-Redaktor auf dem Bürgenstock sich bei der Schluss-Pressekonferenz durch einen «veritablen Bodycheck» in Besitz des Mikrophons für die letzte Frage gesetzt haben.

Leidtragender soll Oberst Georg Häsler gewesen sein, was die Verteidigungsbereitschaft der NZZ-Kriegsgurgel in einem ganz schlechten Licht erscheinen lässt. Aber das soll nur das Schmiermittel sein, um mit Anlauf einen Bodycheck nach dem anderen bei Köppel zu landen.

Auch hier wird zuerst eine These rausgehauen, der man dann hinterherrennt; «der Chefredaktor, Verleger und Inhaber Roger Köppel» habe sich «in den letzten Jahren überhaupt auf die Seite des russischen Aggressors geschlagen und» huldige «unverhohlen Machthaber Wladimir Putin».

Nun geben die tapferen Fünf Kunde, mit welchem Todesmut sie ihre Recherche betrieben hätten: «Die Entwicklung des Blattes ist ein Tabu der Schweizer Mediengegenwart. Alle wissen um die Radikalisierung, viele finden sie gefährlich, trotzdem gab es nur vereinzelte Berichte zu den Hintergründen

Die letzten Berichte, nebenbei, stammten von Daniel Ryser, dem ehemaligen Mitarbeiter der WoZ und dann der «Republik». Der arbeitet inzwischen fröhlich für sein ehemaliges Hassobjekt Köppel. Kann also die WeWo nach diesem Artikel mit dem Zuzug von fünf neuen Schreibkräften rechnen?

Denn schliesslich sind das Mutbolzen; im Gegensatz zu einem feigen SVP-Nationalrat, der ängstlich behaupte, er habe die WeWo gar nicht abonniert. «Um dann später im Bundeshausbistro angeschlichen zu kommen und sich über die Furcht in der Fraktion vor der Disziplinierung durch die Zeitschrift zu beklagen.»

Das eint Schmierenjournalisten wie Ryser und dieses Fünferkollektiv: es wird ausschliesslich mit anonymen Quellen gearbeitet: «Beispielhaft auch ein medialer Weggefährte, der sich entsetzt zeigt über Köppels Entwicklung, aber nicht einmal diese Aussage namentlich autorisieren will.» Was die Frage offenlässt, ob es diesen Weggefährten überhaupt gibt und ob er das gesagt hat.

Soll man die Herleitung von Köppels angeblicher Huldigung Putins und seiner Vorliebe für düstere Gestalten wie Orbán, Vucic oder Schröder nacherzählen? Eigentlich nicht, dafür ist es zu blöd, zu wolkig, findet im Freiraum des Erfundenen und nicht Belegten statt.

Natürlich werden Äusserungen von Köppel selbst zitiert, die fragwürdig, teilweise bescheuert und seinem Drang geschuldet sind, prinzipiell gegen den Strom zu schwimmen und das Gegenteil davon zu vertreten, ohne dass Sachkenntnis hinderlich im Weg stünde.

Das geht hin bis zu Absurditäten wie der Beschreibung, wie blitzsauber doch Moskau sei, «funkelnd», was für ein Kontrast zu den versiften westlichen Großstädten wie Berlin. Dass ihn Putins rustikal zur Schau getragene Männlichkeit fasziniert, auch daran lässt Köppel keinen Zweifel. Aber immerhin, was die WoZ natürlich nicht erwähnt, indem die WeWo das Interview von Tucker Carlson mit Putin vollständig vorlegt, kann sich jeder überzeugen, dass der Kremlherrscher sich in unendlichen Monologen durch ein krudes Geschichtsbild mäandert und überhaupt den Eindruck eines Herrschers macht, dem niemand zu widersprechen wagt, obwohl er für die grösste aussenpolitische und militärische Katastrophe Russlands seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verantwortlich ist.

Die Darstellung der WoZ, wieso Köppel hingegen dem russischen Unternehmer Melnichenko breiten Raum für ein Interview einräumte, ist reiner Schwachsinn. Die Fünferbande schafft es tatsächlich, den Inhalt des Gesprächs vollkommen auszublenden. Obwohl der durchaus interessant ist.

Gegen Schluss ihrer Suada müssen sie sich noch etwas steigern, also werden sie ungehemmt demagogisch: «Diesen Freitag soll Köppels Geraune vom «Kolonialvertrag» der Schweiz im Zürcher Albisgüetli zu hören sein». Ohne ein Wort davon gehört zu haben, ist es Geraune. Was für ein armseliger Journalismus.

Natürlich kann auch der Gottseibeiuns von Herrliberg nicht ungeschoren davonkommen, denn der wagt es doch tatsächlich, Köppel zu verteidigen. Also auf ihn: «Es sei immer Köppers Anliegen gewesen, auch den Angegriffenen einen Verteidiger zu geben, säuselt er. Und meint damit nicht die Ukrainer:innen, die im Schlaf von russischen Raketen getötet werden.»

Der eine raunt, der andere säuselt, und Christoph Blocher werden dann noch Ukrainer, die im Schlaf von Russen getötet werden, in die Fresse gehauen.

Das ist nun übelster Fertigmacherjournalismus, der für Schenkelklopfer bei der Gesinnungsmittäterschaft sorgen will, die sich nicht einkriegt vor begeisterter Zustimmung. Geht noch einer? Aber ja, denn es braucht doch noch die Schlusspointe. Also komm heraus, du bist umzingelt:

«Blocher versichert: «Roger Köppel steht auf dem Boden der Partei.» Fragt sich nur, auf welchem Grund eine Partei mit einem solchen Festredner steht.»

Im braunen Sumpf? In Putins Welt? Im Lager der Befürworter, dass Ukrainer im Schlaf getötet werden? Man weiss es nicht. Man weiss aber, auf welchem Grund eine Zeitung steht mit solchen Journalisten. Mitten im Treibsand der Gesinnungsschreiberei, wo das Urteil über den Porträtierten schon feststeht, bevor der erste Buchstabe getöckelt wird. Wo es nicht um Wahrheit- oder Wirklichkeitssuche geht, sondern um das Zusammenstellen von Wirklichkeitsfetzen, die die anfängliche These belegen sollen. Alles, was der widersprechen würde, kommt weg. In den Abfall.

Wahrer Abfalljournalismus.

Wie blöd darf eine Karikatur sein?

Grenzenlos blöd natürlich. Sonst hätten wir keine Meinungsfreiheit.

Das ist ein nötiges Bildzitat:

Damit erfreut die WoZ ihre Leserschaft. Allerdings hat sich im Titel ein kleiner Wortdreher eingeschlichen. Es müsste natürlich «links unten», besser «ganz unten» heissen.

Schauen wir doch genauer hin. Links sieht man, wohl als Vorwegnahme der Zukunft, einen schwarzen Block, der aus den USA, Kanada und Grönland besteht, dazu auch Mexiko und Zentralamerika umfasst. Gebrandmarkt ist er mit dem Buchstaben X, der wohl für die Plattform stehen soll. Rechts sieht man einen schwarzen Block, der Russland, Weissrussland und eine übergrosse Krim samt einem Teil der Ukraine umfasst. Offenbar auch ein Blick in die Zukunft.

Hier prangt ein grosses Z, was offenbar auch auf russischem Kriegsmaterial steht, wovon aber bis heute niemand so genau weiss, was das eigentlich bedeuten soll.

So weit, so unklar.

Mit den Füssen auf der Schweiz und Österreich steht in der Mitte ein weisses (!) Männchen (!), das entweder ein Flugzeug einwinkt oder die Arme hilflos in die Luft streckt. Seine Sprechblase sagt «Yell!». Für des Englischen nicht Mächtige: das heisst Schrei.

Europa ist hier so grün gemalt wie Lateinamerika, Afrika und der Nahe sowie der Ferne Osten. Soll das andeuten, dass hier zusammenwachsen sollte, was nicht zusammengehört?

Auf jeden Fall ist der Leser offensichtlich noch nicht genügend verunsichert, daher gibt es auch noch eine Schlagzeile: «Am Ende des Lateins». Nun würde schreien auf Latein tatsächlich clamore heissen, womit erwiesen wäre, dass der Schreier kein Latein kann. Dafür aber auch kein Deutsch.

Und wieso er denn am Ende seines Lateins sein soll: um das zu verstehen, braucht es offensichtlich den grossen Kopf eines Karikaturisten wie Ruedi Widmer. Der durchschnittlich-dumme Leser versteht hier überhaupt nichts.

New year, good night

Was soll bei den Medien 2025 besser werden? Nichts. Schlechter? Alles.

Zunächst verweist ZACKBUM Leser, die unserer Ankündigung vertrauten, auf die gestrigen Artikel. Wir konnten uns eben doch nicht ganz beherrschen, wie ein weiser Kommentator schon am 20. Dezember vorhersah.

Also unbedingt nachlesen, es lohnt sich.

Es ist nicht persönlich gemeint, aber das neue Jahr begann mit einer Beförderung, in der sich alles Elend kristallisiert, das den modernen Mainstream-Journalismus immer ungeniessbarer macht. Dass der Gesinnungsschreiber, Schmierenjournalist und Diffamierer Andreas Tobler bei Tamedia Karriere macht – statt mehrfach abgemahnt und schliesslich entlassen zu werden –, das kann nur als Ansage der leitenden Nasen (und Näsinnen) verstanden werden:

Ihr verbleibenden Redaktoren, wollt Ihr nicht endlich aufgeben und Euch verpissen? Und Ihr verbleibenden zahlenden Leser, wollt Ihr nicht endlich das Portemonnaie geschlossen halten und Euch trollen?

Dann nämlich hätte Pietro Supino sein grosses Ziel erreicht: weg mit Ballast. Weg mit der Publizistik, die niemals mehr die Profitrate erreichen kann, die der gierige Coninx-Clan sich wünscht. Zuerst Exitus mit Sterbehilfe des Tamedia-Kopfsalats. Dann noch «20 Minuten» hinterher.

Typen wie Tobler können versuchen, bei der «Republik» unterzukommen; die WoZ, so ist zu hoffen, würde ihn nicht nehmen. Andere müssten versuchen, sich irgendwo im linken, staatssubventionierten NGO-Sumpf ein warmes Plätzchen zu suchen. Die Leitungsetage ohne Leistung müsste allerdings dem Vorbild von Kerstin Hasse nacheifern: offen für Neues. Sehr offen.

Einige verdiente Kämpfer könnten sich in die Frühfrühpensionierung flüchten, um endlich ihr Magengeschwür und Alkoholproblem auszukurieren, das sie sich beim Ertragen solch geballter Inkompetenz ganz oben zugelegt haben.

Die wenigen verbliebenen Journalisten, die noch einen graden Satz schreiben, ein Interview führen oder einen Sachverhalt recherchieren können, nun, für die wird es auch schwierig. Die «Weltwoche» ist nicht jedermanns Sache, die NZZ heuert auch nicht unbedingt ganze Crews an, alle leitenden Positionen – mit Ausnahme der NZZaS – sind kompetent besetzt. Die Zwangsgebührensender müssen sparen (und machen es vielleicht diesmal auch wirklich).

Also wohin? CH Media pflegt den Brauch, nach dem Rausschmeissen ist vor dem Rausschmeissen, und die Herrscher des Wanner-Clans bieten nicht gerade Gewähr, dass es dem Medienhaus in Zukunft nicht schlechter, sondern besser ginge. Und sonst? Bei Lebruments geht es ähnlich wie bei Wanners zu, Radio Lora ist auch nicht die Alternative. Sagt da einer Ringier? Sie Scherzkeks, Sie.

Abserbelnde oder vor sich hin keuchende Organe wie «bajour», «Hauptstadt», «Saiten»? Wer sinnlose Selbstausbeutung ohne Zukunft liebt, wohlan.

Was bleibt? Als nächster Journalist herausfinden, dass Corporate Communication oder Werbung etwas ganz anderes ist als Newstexte verfassen? Oder vielleicht, Beziehungen vorausgesetzt, in die sich weiter aufblähende Bundesverwaltung flüchten? Also den Pascal Hollenstein machen? Kann man versuchen.

Dazu ist auch nicht jeder geboren, aber eine Chance besteht noch: selber. Selbständig. Vertrauen auf das gute, alte kapitalistische Prinzip: ein gutes Angebot findet immer Nachfrage. Eine geldwerte Leistung wird immer bezahlt. Schon mal an substack gedacht? Oder ein eigenes Radio? Muss ja nicht UKW sein, funktioniert im Internet tadellos.

Ach, ZACKBUM? Gerne, wir nehmen immer Gastbeiträge. Unter zwei Voraussetzungen: gut und gratis.

Allerdings: dafür muss man den Finger aus einer dafür nicht vorgesehenen Körperöffnung nehmen. Und: dä Gschwinder isch dä Geschnäller. Wer Toblers Beförderung nicht als Menetekel sieht und sofort handelt, wird dann irgendwann abgewickelt. Und das ist nicht schön.

Oder wie der Ex-Tagi-Kulturjournalist Hans Jürg Zinsli mit feiner Anspielung auf einen tollen Film sagt: «good night and … good night». Besser kann man das nach einem Blick aufs neue Tagi-Impressum nicht formulieren.

Wer hat Angst vor Milei?

Die NZZ zeigt mal wieder, was Journalismus ist.

Der argentinische Präsident Javier Milei? «Bricht mit allen Regeln der Diplomatie, um eine rechtsextreme Internationale aufzubauen» (WoZ), «demonstriert wurde gegen ein umstrittenes Reformpaket der ultraliberalen Regierung» (SRF), «Diese Woche brannten mal wieder die Straßen von Buenos Aires. Dabei trat Argentiniens Präsident Javier Milei vor einem halben Jahr mit dem Versprechen an, das Land zu goldenen Zeiten zurückzuführen» («Süddeutsche Zeitung»).

Lateinamerikas Trump, Kettensägen-Präsident, Ultra-Liberaler, Anarcho-Kapitalist, selbst seine Frisur war Anlass zu launigen Bemerkungen in der Mainstreampresse. Thomas Fuster resümiert in der NZZ: «Noch vor einem Jahr schwankte der europäische Blick auf Javier Milei zwischen Belustigung und Entsetzen.» Wobei doch das Entsetzen überwog.

Denn das Problem war und ist: sollte Milei mit seiner Radikalkur gegen alles, was dem woken Gutmenschen lieb und teuer ist, Erfolg haben, dann sind mal wieder alle Illusionen eines solidarischen, sich verschuldenden Sozialstaats in Lateinamerika geplatzt. Die waren in Argentinien selbst für den härtesten Linken schon vorher am Ende. Zu offenkundig korrupt und unfähig richtete der Kirchner-Clan das Land zugrunde. Präsidentin Kirchner versuchte noch vergeblich, mit Kampftiraden gegen Geierfonds zu verhindern, dass Argentinien endlich einmal seinen Versprechungen nachkommen musste, seine Schulden auch wirklich zu bezahlen. Vergeblich, der nächste Staatsbankrott war fällig.

Und nun das, wie Futer Zwischenbilanz nach einem Jahr Milei zieht: «Er hat die Staatsausgaben real um fast einen Drittel gesenkt, die Zahl der Ministerien halbiert, Bürokratie abgebaut und dringend benötigte Devisen zurück ins Land geholt. Mit disziplinierter Finanzpolitik ist es ihm gelungen, dass der Staat wieder Primärüberschüsse ausweist; ohne den Schuldendienst übersteigen die Einnahmen somit die Ausgaben

Es ist eine nötige Rosskur eines Landes, das jahrzehntelang über seine Verhältnisse gelebt hat und dabei gigantische Schuldenberge auftürmte: «Die Reformen beginnen zu greifen, wobei der Bevölkerung grosse Opfer abverlangt werden. Argentinien durchleidet eine schwere Rezession. Die Armutsquote steigt. Und im öffentlichen Sektor, der von den Peronisten zuvor stark aufgebläht worden war, sind schon Zehntausende von Stellen gestrichen worden

Dennoch – oder vielleicht deswegen – ist die Popularität Mileis in der Bevölkerung ungebrochen hoch, zum Leidwesen aller, die in ihm ein politisches Feindbild par excellence sehen. Dazu schreibt Futer richtig:

«Diese Popularität wird oft mit Populismus verwechselt. Doch wenn ein Populist ein Politiker ist, der den Leuten nach dem Mund redet, ihnen das Blaue vom Himmel verspricht und Probleme verharmlost, dann ist Milei der Anti-Populist. Er hat dem Wahlvolk nichts versprochen ausser Blut, Schweiss und Tränen. Er sagt: «No hay plata» – da ist kein Geld. Nach Jahrzehnten der Misswirtschaft gibt es nichts mehr zu verteilen.»

Nicht einmal zu dieser einfachen und logischen Einsicht sind die meisten übrigen Analysten, Lateinamerikaspezialisten und Rechthaber in der Lage, die die Welt so hinschreiben wollen, wie sie ihnen in den Kram passt.

Auch die Gleichsetzung von Trump und Milei ist gugus, hält Futer fest: «Der Argentinier wehrt sich gegen fast alles, was der Amerikaner will: Zölle, Protektionismus, Subventionen für die Industrie. Milei fordert vielmehr Freihandel, Wettbewerb, Austerität. Dass dies kurzfristig unbequemer ist als staatliche Rundumversorgung, verheimlicht er nicht.»

Also Operation in vollem Gange, der Patient leidet, stirbt aber nicht. Will man das auf Europa übertragen, dann wäre zum Beispiel im zweitgrössten EU-Staat Frankreich mit seiner gigantischen Staatsverschuldung von über 3,3 Billionen Euro eine ähnliche Rosskur dringend nötig. Oder in Italien. Oder in Griechenland. Oder langsam sogar auch in Deutschland.

Aber das wird nicht geschehen. Vielleicht schon deswegen, weil es an einer charismatischen Figur wie Milei fehlt, der seine Exzentrik durchaus als Propagandawaffe einsetzt.

Aber wer dem Stimmbürger Rentenerhöhungen, mehr Sozialleistungen, Ausbau staatlicher Dienstleistungen und Ähnliches verspricht, das Ganze – wenn er überhaupt davon spricht – über ungehemmtes Schuldenmacher finanzieren will, der sammelt in Europa immer noch mehr Wählerstimmen als einer, der bittere Wahrheiten verkündet.

In der Schweiz hält ein SP-Co-Präsident eine 12-Millionen-Schweiz für «machbar», ist stolz über das Bodigen des Ausbaus der Infratstruktur, schimpft über Singapur, ohne von dem Stadtstaat die geringste Ahnung zu haben, und fantasiert, dass die Schweiz doch die Schuldenbremse über Bord werfen könnte und sich doppelt so hoch wie aktuell verschulden, damit seien dann fast alle Probleme gelöst.

Höchstwahrscheinlich sind also Traumtänzer wie Cédric Wermuth eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, weil sie ungedeckte Checks auf Kosten der nächsten Generationen einlösen wollen. Und Liberale wie Milei ein Hoffnungsschimmer.

Auch das muss nicht so sein; ein Jahr ist eine zu kurze Zeit, um zu beurteilen, ob er mit seiner Radikalkur Erfolg haben wird – oder ob er mit Schimpf und Schande von einer gequälten Bevölkerung aus dem Amt gejagt wird. Das eigentliche Trauerspiel ist aber mal wieder die Berichterstattung über ihn, die dem Leser null Nahrung gibt, um sich selbst ein Bild über die Politik und die Erfolge Mileis zu machen. Daher ein dickes Lob an Futer und die NZZ.

 

 

Darüber müsste selbst Seibt lachen

Er steht auf unserer Shitlist. Aber es gibt so wenig zum Grinsen heutzutage.

Es ist stärker als ZACKBUM. Wir versuchen krampfhaft, den Blick abzuwenden. Aber wie ein Magnet zieht ihn eine Schlagzeile an, die einfach brüllend komisch ist. Selbst Buster Keaton würde es nicht gelingen, mit unbewegter Miene darauf zu blicken.

Man liest, die Mundwinkel wandern unbeherrschbar nach oben und aussen. Zuerst verschafft sich ein leises Kichern Bahn, und dann wird’s unkontrollierbar. «Die alte Macht der Männer ist zurück». Boah, ey. War sie denn jemals weg? Und wenn sie zurück ist, ist sie dann weiterhin die alte Macht – oder eine neue alte? Prust. Auch daran ist Trump schuld. Gröl. «Auch Europa und die Schweiz kennen den Trend». Kicher, hier beginnt sogar die Sprache zu holpern, als Verstärkung des Lacheffekts. Und hier gerät sie völlig ausser sich: «Seine Folgen: potenziell schwer». Potenziell, schenkelklopf. Schwer, tränenabwisch. Spätestens hier winselt der Leser um Gnade und wälzt sich am Boden, mit Seitenstechen und Schnappatmung.

Das ist von dermassen strahlender, unverstellter Dummheit, wie man es nicht bei der «Republik», nicht bei der WoZ, nirgendwo sonst antrifft.

So platzt das Lachen heraus. Unkontrollierbar. Man liest die wenigen Wörter im Titel und im Lead. Und man weiss: mehr hält das Zwerchfell nicht aus.

Man wundert sich, wie so etwas entstehen kann. Da weiss KI Rat:

Der erste Schritt beim Lachen ist das Verarbeiten eines Reizes, z. B. eines Witzes, einer lustigen Situation oder einer absurden Begebenheit. Der präfrontale Kortex und das limbische System (insbesondere die Amygdala und der Hypothalamus) sind entscheidend, um humorvolle Inhalte zu bewerten.

Dann erfolgt Muskelaktivierung, der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung verändert sich und: Lachen führt zur Freisetzung von Endorphinen, Dopamin und Serotonin, die die Stimmung heben und ein Gefühl des Wohlbefindens erzeugen.

Und schliesslich: Lachen hilft, Stress abzubauen und Spannungen zu lösen.

Danke, Philipp Loser, danke. Mike Arschloch») Müller, der einzige Mensch, der Dick und Doof als Solist spielen kann, war gestern. Hier und heute kommt der neue Comedystar. Damit ist auch das Humorproblem von SRF gelöst. Late Night mit Loser. Der Aufwand ist absolut überschaubar. Er liest einfach aus eigenen Werken. Und wenn man nachts das Fenster aufmacht, hört man in der ganzen Schweiz Gekicher, Gelächter, Gegröle.

Das ist genau das, was die Seele in diesen schlimmen Zeiten braucht. Erholung und Labsal. ZACKBUM nimmt alles zurück, was wir jemals gegen diesen Giftzwerg gesagt haben. Völlig falsche Einschätzung. In Wirklichkeit ist er die grosse weisse Hoffnung der Schweiz, endlich einmal wieder eine befreiende Humorsendung hinzukriegen.

Was für ein Spassvogel. Harlekin. Pausenclown. Schalk. Schelm. Witzling. Scherzkeks. Spasskanone. Witzbold. Auch eine Witzfigur, ein dummer August, ein Hanswurst, eine Lachplatte, Witzblattfigur, ein Tünnes.

Hui. ZACKBUM wischt sich die Lachtränen ab, versucht an sich zu halten und bricht wieder in konvulsivisches Gelächter aus. Meiner Treu, was für ein Labsal.