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Reine Panik

Den Gegnern der 10-Millionen-Initiative geht inzwischen der Arsch auf Grundeis.

Das ist ein schöner teutonischer Ausdruck, mindestens so sympathisch für den Schweizer wie «ich krieg‘ dann noch ein Bier».

Die Geschichte wiederholt sich als Farce. Es gab mal eine Kampagne, die an Bescheuertheit schlecht zu überbieten war:

Ein Willy Tell mit dysfunktionaler Armbrust, der nicht etwa die benützt, sondern mit einer Zeitung (!) auf eine Mauer (!) eindrischt, auf die «Fake News» gesprüht wurde. Das und die Geldgier der Medienclans Coninx und Ringier sorgte dafür, dass die schon sicher geglaubte Subventionsmilliarde flöten ging.

Nach anfänglicher, überheblicher Sicherheit breitete sich immer mehr Panik aus, als das Abstimmungsdatum näher rückte.

Genau das gleiche Phänomen lässt sich wenige Tage vor der Abstimmung über die SVP-Initiative zur Begrenzung der Wohnbevölkerung beobachten.

Einmal mehr klafft ein ziemlicher Spalt zwischen der Position der meisten Parteien und Medien und der Meinung der Bevölkerung. Ausser der SVP natürlich sind die anderen Parteien deutlich oder weniger deutlich dagegen. Natürlich ist Tamedia ausgesprochen dagegen, «Blick», CH Media oder NZZ eiern herum, sind aber zumindest chefredaktionell auch dagegen. Vom Schweizer Farbfernsehen ganz zu schweigen.

Auch hier war die Werbekampagne eine ganze Zeitlang eher staatsmännisch:

Plakate müssen plakativ sein und eine Botschaft möglichst einfach transportieren. Dieses Sujet war etwas leblos, also wurde Tell durch Helvetia ersetzt:

Aber mit zunehmender Panik wurde mehrere Gänge hochgeschaltet und ein neuer Kampfbegriff geboren und in den Vordergrund geschoben:

Das folgt dem guten, alten Propagandaprinzip: hau einen möglichst negativen Begriff raus und untermaure ihn mit unbewiesenen, aber Ängste schürenden Behauptungen. Sollte die Initiative angenommen werden, bräche Chaos aus. Keine Behandlung oder Betreuung mehr in Spitälern.

Schlimmer noch:

Dass sich ein Ständerat für den Schwachsinns-Slogan «Unsere Polizei würde blind» hergibt, bedenklich.

Hier versucht man’s mit einem schlechten KI-Bild und dem gleichen Topos. Allerdings, ein Polizist mit Haarproblemen von hinten, der auf einen leeren Bildschirm starrt, statt Verbrecher zu fangen, na ja. Wieso das dysfunktionale Schengen-Regime, das nicht einmal mehr von unserem grossen Nachbarn im Norden befolgt wird, für weniger Kriminalität sorgen sollte, ist allerdings schleierhaft.

Natürlich darf diese Angstmacherei nie fehlen:

Und wer verantwortet diesen Quatsch?

Die ««Allianz «NEIN zur Chaos-Initiative», c/o FDP. Die Liberalen Schweiz». Der ehemals liberalen Kraft scheint es nichts auszumachen, mit der SP und allen linken Kräften im gleichen Boot zu sitzen. Und kräftig gegen die eigene Wählerschaft anzurudern.

Es ist nun möglich, dass diese jämmerliche Kampagne von ausländischen Kommunikationskräften konzipiert wurde. Es ist aber auch möglich, dass Schweizer Nichtskönner am Gerät sind.

ZACKBUM wartet und hofft darauf, dass im Schlussspurt ein Wilhelm Tell hereinströmende Ausländer begrüsst, mit einem Juchzer willkommen heisst und ihnen einen Apfel offeriert. Oder so.

 

Panik macht sich breit

Keiner zu klein, Meinungsträger zu sein.

Es ist wie beim Referendum gegen die schon auf sicher geglaubte Subventionsmilliarde für reiche Medien-Clans. Zuerst überhebliches Grinsen, dann ernste Gesichter und schliesslich reine Panik beim Schlussspurt. Eine bescheuerte Werbekampagne mit einem Wilhelm Tell, der mit einer Zeitung eine Mauer kaputthaut. Haben wir gelacht.

Bei der 10-Millionen-Initiative spielt sich sehr Ähnliches ab. Zuerst meinten die Gegner, das Massieren der Anti-SVP-Reflexe, plus ein Sprutz «alles Rassisten und Fremdenfeinde», plus Panikmache (wenn ihr das annehmt, gibt es in den Spitälern kein Personal mehr; dann ist eure Rente futsch), das würde doch locker reichen.

Aber dann, ja dann, ergaben die Meinungsumfragen, dass sich doch tatsächlich eine Mehrheit abzeichnet. Nun geht’s wieder los. Die Medien tun ihr Möglichstes, die Menge der Befürworter der Initiative zu steigern.

Zunächst, das ist gefürchtet bei Freund und Feind, griff Tamedia-Chefredaktorin Raphaela Birrer in die Tasten und warnte: «Achtung: Die SVP will Sie täuschen». Die Täuschung bestand allerdings darin,  dass es sich hier um einen Leitartikel mit Sinn und Verstand handeln sollte.

Auch das Hausgespenst bei Ringiers gibt Laut und Frank A Meyer empfiehlt den Lesern seiner Besserwisserkolumne im SoBli, dass sie gefälligst ein Nein in die Urne zu legen hätten.

Nun kommt noch Stefan Schmid von CH Media. Stefan who? Bitte schön, der Mann am Fenster beim St. Galler Tagblatt, dessen Einzugsbereich ebenfalls die Weltblätter Werdenberger & Obertoggenburger umfasst. Der darf in der immerhin auflagenstärksten Zeitung «Schweiz am Wochenende» seine Erkenntnisse auf den Leser regnen lassen.

Allerdings braucht der keinen Regenschirm und dürfte sich schon beim Titel leicht indigniert abgewandt haben: «Die Schweiz sitzt auf einem hohen Ross». Ach was, wie macht das denn die Schweiz?

Nun, so: «Nur wir Schweizer debattieren über volle Züge, Wohnungsknappheit und Expats, die das Bier auf Englisch bestellen. Luxusprobleme in einem der reichsten Länder Europas». Hm, interessant, in keinem anderen Land Europas wird über Dichtestress, Wohnungsknappheit und Masseneinwanderung debattiert?

Ist es ein Wunder, dass in der Schweiz lebhaft debattiert wird? Nein, aber dazu müsste der IQ leicht angehoben sein, weil erstens im Gegensatz zu allen anderen Ländern im Haus Europa in der Schweiz Volksabstimmungen ständig stattfinden. Und zweitens, weil sich die Wohnbevölkerung Deutschlands in den letzten 5 Jahren um 1 Prozent gesteigert hat, in der Schweiz um 17 Prozent.

Aber wieso soll man sich durch Fakten Geschwurbel kaputt machen lassen.

Dann will sich Schmid didaktisch in die Kurve legen: «Man muss Wachstumsschmerzen ernst nehmen. Die Schweiz wächst schnell und die Politik ist langsam. Der Wohnungsbau etwa ist ungenügend». Aber das wäre dann doch zu verständnisvoll, also fährt er fort: «ein freilich selbst gemachtes Problem, das wir nicht den Asylbewerbern in die Schuhe schieben können». Was eigentlich auch keiner tut, aber was soll’s.

Dann spricht Schmid eine Binse gelassen aus: «Ein Ja zur 10-Millionen-Initiative würde man in unseren Nachbarstaaten nicht als freundeidgenössischen Wink über den Gartenhag interpretieren.» Nein, würde man nicht. Nur: na und?

Aber wenn Schmid schon bei Banalitäten und Plattheiten verweilt, wieso nicht noch eine: «Europa wird der vom Wohlstand verwöhnten Eidgenossenschaft nicht entgegenkommen.» ZACKBUM wiederholt sich: na und? Erwartet das jemand?

Dann erhebt er die Banalität des Gedankens zur Weltordnung:

«Wir riskieren stattdessen ausgerechnet in einer Zeit, in welcher man sich mit den Nachbarn lieber gut stellt, weil auf andere kein Verlass mehr ist, politische und wirtschaftliche Verwerfungen. In der Konsequenz gar das Ende der bilateralen Verträge. Das wäre unklug.»

Die Schweiz soll sich also mit den verlässlichen Nachbarn Frankreich, Deutschland oder Italien gutstellen? Mit Liechtenstein vielleicht, warum nicht.

Aber was sind Banalitäten ohne einen guten Schuss reinen Schwachsinns? «Aber Deutschland, dessen Bürger bitte nicht in die Schweiz emigrieren sollen, darf uns dann wenigstens vor Russland schützen. Widersprüche noch und nöcher.» Deutschland schützt die Schweiz vor Russland? Weil sonst der Alptraum aller kalten Krieger von anno dazumal wahr würde und der Iwan käme? Und nicht mehr länger der Deutsche droht, das kleine Stachelschwein im Rückzug einzunehmen?

Aber auch hier gilt: Zum Glück oder zum Pech ist mal der Platz alle, also hurtig noch eins draufgesetzt aus den wilden Gefilden von Absurdistan: «Ein Kleinstaat, selbst ein reicher wie die Schweiz, sollte demütig bleiben, solidarisch auch, freundlich zu den anderen. Erfolg ist nicht gottgegeben. Man kann herunterfallen, wenn man nicht aufpasst, vom hohen Ross.»

Lustigerweise nennt man diese Sprachmarotte Rechtsversetzung. So kann ZACKBUM nur demütig bitten: ist denn niemand so freundlich, Schmid vor sich selbst zu schützen?

Jetzt schlägt’s 13

Eine wichtige Korrelation übersehen die Medien.

Mit klammheimlicher oder offener Freude berichten die Mainstream-Medien über die Annahme der verantwortungslosen Fehlentscheidung, eine 13. AHV auszuzahlen. Woher man die jährlich bis zu 5 Milliarden nehmen soll, ach, die reiche Schweiz kann sich das doch wohl leisten.

Dabei gibt es bei aller Unvorhersehbarkeit der Zukunft eine Entwicklung, die mit versicherungsmathematischer Eindeutigkeit prognostiziert werden kann. Wann angesichts der demographischen Entwicklung (zunehmende Überalterung der Gesellschaft) und einer nicht fantastisch steigenden Produktivität der Zeitpunkt erreicht ist, an dem ein Beitragszahler im Umlageprinzip AHV einen Rentenbezüger alimentieren wird.

Hier habe Arm gegen Reich abgestimmt, niedrige Lohnbezüger gegen wohlhabende, eher Ungebildete gegen Akademiker. Das ist alles richtig. Verantwortungslose gegen Vernünftige, könnte man hinzufügen.

Ähnlich wie bei der Subventionsmilliarde für notleidende Medienclans mit einem Wilhelm Tell, der mit einer Zeitung eine Mauer niederschlägt, hat auch in dieser Abstimmung eine völlig misslungene und bescheuerte Werbekampagne ihre unselige Wirkung entfaltet.

Wer auf die Idee kam, wohlsituierte Alt-Bundesräte, die eine lebenslange Pension von rund 250’000 Franken im Jahr verzehren, in einem Schreiben an alle Rentenbezüge vor dieser «brandgefährlichen Initiative» warnen zu lassen, sollte fristlos gefeuert werden. Mitsamt all den Clowns, die diesen Rohrkrepierer toll fanden und umsetzten.

Das sogenannte bürgerliche Lager konnte anfänglich vor Siegesgewissheit kaum geradeaus laufen, geriet dann zunehmend in Panik, und angesichts einer sich abzeichnenden Niederlage duckten sich alle weg, die dann im Fall nicht namentlich dran schuld sein wollten. Daran, dass sie krachend versagten. Aber das war in der Schweiz noch nie ein Grund, als Parteipräsident zurückzutreten. Oder als Bundesrat.

In all den Korrelationen, die nun in der Analyse des Abstimmungsverhaltens erstellt werden, wird eine wichtige, bezeichnende, typische vergessen. Dabei sagt sie eigentlich alles über die Motivation der Stimmbürger, die ein Ja in die Urne legten.

Es ist die Korrelation zwischen Schulden und Höhe der Zustimmung, nach Kantonen gemessen. Nehmen wir zunächst die Schuldnerquote, also den Anteil Schuldner an allen Privatpersonen. Nehmen wir jeweils nur die Extremwerte, aber die ganze Statistik stützt diesen Befund. Spitzenreiter ist Neuenburg mit 10,8 Prozent, gefolgt von Genf (10,2) und Basel-Stadt (8,5).

Am unteren Ende liegen Obwalden (3,1 Prozent), Uri (3,1), Zug (3) und Appenzell Innerrhoden (1,6). Nun korrelieren wir das mit der Zustimmung zur 13. AHV in Prozent.  Nur vom Jura übertroffen liegt Neuenburg mit 78,45 Ja-Stimmen an der Spitze. Genf (75,48), Basel-Stadt (64,45). Dagegen Obwalden 64,5 Prozent Nein-Stimmen, Uri (62,57 Nein), Zug (65,54 Nein) und Appenzell Innerrhoden als Spitzenreiter mit 68,55 Prozent Nein-Stimmen.

Wenn wundert’s, dass die kantonale Verschuldung eine ähnliche Korrelation aufweist? Was bedeutet das? Es ist offensichtlich: in den Kantonen, in denen am meisten Privathaushalte nicht mit Geld umgehen können, sammelte die Initiative am meisten Ja-Stimmen ein. Umgekehrt in den Kantonen mit den wenigsten Schuldnern gab es am meisten Nein-Stimmen.

Es ist eindeutig: wer in seinem Privathaushalt mit Geld umgehen kann, stimmt eher nein zu einer Initiative, die Milliarden Mehrkosten verursacht und mit der Giesskanne eine Extra-Rente an Arm und Reich verteilt, an den armen Schlucker und an Christoph Blocher. Der Aberwitz eines solchen Vorhabens müsste eigentlich jedem einleuchten.

Alle Schlaumeiereien, Umverteilung, Reiche werden mehr zur Kasse gebeten, Arme profitieren überproportional, nützen nix. Wer bedürftigen Rentenbezügen wirklich helfen wollte, würde die Ergänzungsleistungen ausbauen wollen. Aber das wäre nicht mehrheitsfähig, weil der Anteil bedürftiger Rentner verschwindend gering ist. Nur 12,5 Prozent der AHV-Rentner benötigen eine Ergänzungsleistung (EL).

Lustig ist das häufig gehörte Argument, dass doch für genügend Blödsinn von der Ukraine abwärts Geld rausgeschmissen werde, wieso dann nicht für Rentner. Nach der Devise: minus mal minus gibt plus. Bescheuert.

Aber das geschickte Massieren von wir hier unten, ihr da oben, der arme Rentner in der reichen Schweiz, das Allerweltswort der sozialen Gerechtigkeit, mit solchen Rattenfänger-Tönen fängt man den Stimmbürger. Keine Glanzstunde der direkten Demokratie.

 

Wir sind nicht dabei

Der «Blick» versucht’s mal wieder mit einer Werbekampagne. Tut weh.

Soll man eine Agentur verwenden, die mit «a bigger bang for the buck» für sich selbst wirbt? Soll man eine Agentur beauftragen, die für die mehr als umstrittene Covid-Kampagne des BAG verantwortlich zeichnete? Soll man schliesslich eine Agentur nehmen, die zusammen mit Farner dafür sorgte, dass sich die Befürworter des Medienpakets lächerlich machten? Indem zur Schande der ganzen Werbebranche ein Wilhelm Tell mit einer Zeitung (!) eine Mauer kleinhackte, auf der «Fake News» steht?

Nun, die einzige Zeitung mit einem Regenrohr im Titel findet: ja, ich will – und engagierte Rod Kommunikation. Das hat sie davon:

Die Auflösung des Bilderrätsels:

Also die Gesellschaft versammelt sich massenhaft und trägt dabei eine riesige Pace-Fahne. Während hier hineingeblickt wird, schaut das Blöd-Blatt hier drauf:

Geht’s noch unverständlicher? Claro, null problemo:

Wer errät’s? Genau, das scheinen Schlittschuhfahrer auf der Suche nach Eis zu sein. Will man da wirklich dabeisein? Oder hier:

Neben diesem Blick in den leeren Nationalratssaal ist der hier aber der absolute Liebling von ZACKBUM:

Wenn der «Blick» auf den Rasen blickt, sieht er ein paar unscharfe Beine und rechts kollert ein Ball aus dem k heraus. Grossartig.

Das findet auch die Resilienz-Queen Ladina Heimgartner, diesmal in ihrer Funktion als «CEO der Blick-Gruppe»: «Der Blick hat Kraft und Grösse und berichtet über alles, was die Menschen bewegt. Die Sujets unterstreichen dieses breite Spektrum an Themen, die wir von allen Seiten beleuchten und informativ wie unterhaltend auf den Punkt bringen.»

Daraus muss man schliessen, dass Heimgartner, die schon die verunglückte Neugestaltung des Logos toll fand, auch für diese Geldverschwendung verantwortlich zeichnet. Berichten wir doch offen, was uns bewegt. Wenn’s ein Schuss in den Ofen wird, dann sagt diese Fachfrau: Ich bin dabei.

Mattscheibe

Auf den Mann spielen? Muss man sich trauen.

Die einen machen sich mit einem SVP-stilisierten Wilhelm Tell lächerlich.

Die anderen lassen es richtig krachen:

Vielleicht wäre es besser gewesen, aus den Milliarden Millionen zu machen, aber item. Klare Botschaft, klare Personalisierung, voll auf die Zwölf.

Offenbar fand das aber einer der Porträtierten gar nicht komisch. Alle drei fanden’s nicht komisch, aber Peter Wanner schickte seinen Anwalt los, der dies und das und jenes androhte.

Zunächst wurde noch tapfer Widerstand geleistet, nun sieht aber die mit dem Plakat verknüpfte Webseite so aus:

Das nennt man Mattscheibe.

Tell tot?

Das Befürworterkomitee «Die Meinungsfreiheit» weibelt. Ohne Tell?

Leser von ZACKBUM wissen: Es gibt ein Abstimmungsplakat, das so bescheuert ist, dass es eigentlich verboten gehört:

Das wurde von geschäftsführenden Cracks der beiden Werbeagenturen Farner und Rod nichtsahnenden Medienhäusern aufs Auge gedrückt. Leider ist es so: wer sich das aufschwatzen lässt, ohne sofort Schadenersatz und Schmerzensgeld zu fordern, ist so unterbelichtet, dass jegliche Staatssubvention rausgeschmissenes Geld wäre.

Das Werbeverbrechen wird daher auch sehr zurückhaltend, um es höflich auszudrücken, sehr zurückhaltend plakatiert.

Nun gibt der «Verband Schweizer Medien» auch mit einem «Sondernewsletter» nochmals Gas. Denn nicht nur dank diesem abverheiten Werbegag sind die grossen Medienclans mit ihrer Medienmacht schwer in die Bredouille geraten. Eine als sicher im Sack geglaubte Abstimmung wird immer mehr zum nervenzerfetzenden Thriller und es ist durchaus möglich, dass ein paar Komiteemitglieder mit Pfupf das Unmögliche schaffen könnten: das Medienpaket versenken.

Dann wäre immerhin eine Steuermilliarde futsch, und wie Clanchef Peter Wanner kürzlich jammerte: dann würde CH Media in vier, fünf Jahren rote Zahlen schreiben.

Echt jetzt? Der Besitzer einer grossen Bude kündigt weinerlich an, dass man dann mal in die roten Zahlen rutschen werde? Das sei nur zu verhindern, wenn man Staatsknete reingeschoben kriegt, noch mehr als jetzt schon.

Völlig falsche Einstellung

Was ist denn das für eine Einstellung? Unternehmerisch tätig werden, um das abzuwenden? Das unfähige Management feuern und viel Geld sparen? Das Millionengrab «watson» zuschaufeln? Endlich mal den Ansatz einer Idee haben, wie man im Internet Geld verdienen könnte?

Ach was, wieso denn, Kohle kommt. Oder auch nicht. Aber das sollte Wilhelm Tell höchstpersönlich verhindern. Wir wollen nicht wissen, was dieses Schwachsinns-Plakat gekostet hat.

Aber, Wunder über Wunder, der VSM verschickt seinen «Sondernewsletter» zur Abstimmung. Sauber aufgebaut; Intro, Grafiken, Testimonials. Kein visuelles oder inhaltliches Glanzstück, aber solide.

Am Schluss kommt dann noch dieser hier:

So weit, so gut. Der Hinweis aufs «Komitee Die Meinungsfreiheit» geht in Ordnung. Obwohl der Name ebenfalls bescheuert ist. Die grossen Medienclans, die in den letzten Jahren ständig Kopfblätter aufgekauft haben und aus zwei Küchen insgesamt 36 Tageszeitungen mit der gleichen Sauce abfüllen, die sind die Totengräber der Meinungsfreiheit. Wenn schon.

Zum Fremdschämen. Und dann noch Hansi Voigt

Aber item, blöder Name, unglücklich kämpfendes Komitee, desaströse Kommunikation. Zum Fremdschämen. Seit sich auch noch Hansi Voigt auf die Seite der Befürworter geschlagen hat, kann man getrost Wetten über den Ausgang der Abstimmung abschliessen. Denn wer den im Lager seiner Gegner erspäht, weiss: ich gewinne.

Aber es gibt eine gute Nachricht: dieser NL wäre eine prima Gelegenheit gewesen, das Tell-Plakat weiter unter die Leute zu bringen. Nur: ist nicht. Kein Tell. Keine Mauer, die mit der Ausgabe der NZZ vom 1. August 1291 niedergehauen wird. Nichts. Tell ist tot.

Auch in der extra gebastelten und 8 Seiten umfassenden «Abstimmungszeitung» ist eigentlich alles enthalten, was auch im Newsletter verbraten wurde. Was auch etwas schlapp ist. Aber auch hier kein Tell. Absurd, aber wahr: Da gibt es ein Komitee. Da gibt es ein breites Bündnis vieler Medienhäuser. Und Organisationen. Allesamt Medienprofis.

Die eigentlich wüssten, wie man eine Kampagne führt, die Volksseele richtig massiert, wie wichtig es ist, mit klarer Symbolik und Aussage in die Abstimmung zu ziehen. Also liess man ein Plakat entwerfen, drucken und gab auch dafür einen Haufen Geld aus. Um es stolz zu präsentieren – und anschliessend in der Versenkung verschwinden zu lassen.

Es braucht schon die geballte Fachkompetenz von grossen Medienhäusern, denen es immerhin um einen hübschen Anteil an einer Milliarde geht, um dermassen kläglich zu versagen.

Was muss denn noch alles passieren, damit die Clanchefs – Coninx-Supino, Ringier-Walder, Wanner-Wanner und Lebrument-Lebrument – einsehen, dass sie einen Haufen Geld sparen können, wenn sie den Overhead, die Teppichetage, das Verlagsmanagement mehr oder minder ersatzlos einsparen.

Denn eines ist sicher: schlimmer kann’s nicht mehr werden; diese Kampagne für das Medienpaket wird noch in Jahren Lachtränen verursachen. Schenkelklopfer und unkontrollierbare Kicheranfälle.

Ist’s die NZZ vom 1. August 1291?

Tell, teller am tellsten

Der Abstimmungskampf in der heissen Phase. Die Befürworter am Ende.

Man muss an Sabotage denken. Denn so viel Dilettantismus in der Medienbranche kann nicht nur durch Unfähigkeit erklärt werden. Die Webseite der Befürworter der Steuermilliarde für notleidende Medienclans kommt daher wie ihr eigenes Begräbnis:

Der Name «Die Meinungsfreiheit» lässt 90 Prozent der Stimmbürger etwas ratlos zurück. Der Slogan «Demokratie braucht starke Medien» erklärt auch nicht wirklich, wieso sie mit zusätzlich Hunderten von Millionen unterstützt werden müssten.

Auf Deutsch gibt es den Begriff veräppeln. Das bedeutete ursprünglich, jemanden mit Äpfeln bewerfen, im übertragenen Sinn hochnehmen, auf den Arm nehmen, eine Lüge glaubhaft erzählen.

Das kommt einem beim Plakat der Befürworter automatisch im Sinn. Obwohl hier Tells Armbrust gar nicht zum Apfelschuss fähig wäre:

Zu dieser Werberschande haben wir schon alles Nötige gesagt. Sie wird auch nur sehr schamhaft plakatiert. Denn wer soll das verstehen? Tell, Zeitung, Mauer, Fake News. Das seien «Fakten»?

Es gibt aber offensichtlich noch Varianten, zum Beispiel diese hier:

ZACKBUM ist noch verwirrter. Ist das Tell, nachdem er die Mauer mit der Zeitung niedergemacht hat? Und dann in ein Wurmloch geriet, um weiter in der Zukunft zu landen? Denn hier hat er zwar immer noch die defekte Armbrust im Rücken, ist aber von einem Tablet, einem Radio (DAB+?) und einem Laptop umgeben.

In der Hand hält er offensichtlich ein Smartphone. Ob er da ein Apfelschussspiel geniesst? Und wieso hat er es sich auf jeder Menge Zeitungspapier bequem gemacht? Wozu braucht er das eigentlich, bei all seiner elektronischen Ausrüstung?

Tell, teller am hellsten? Oder am tollsten? Bekommt Tell bei Annahme des Medienpakets eine funktionierende Armbrust? Oder ein neues Smartphone mit 5 GB gratis plus Roaming in Europa inklusive? Wieso braucht er all das, um Nachrichten aus seiner Region zu empfangen?

Ach, es muss Sabotage sein. Dummheit reicht als Erklärung nicht aus. Oder doch?

Voll gegen die Wand

Wie man ein Werbeplakat völlig verpeilt.

Es ist zu befürchten, dass Farner und Rod auch an diesem Unfall viel Geld verdienen:

Die Täter dieses Werbeverbrechens heissen Michael Gründer von Farner und David Schäfer von Rod. Beide sind Partner und Mitglieder der Geschäftsleitung. Man muss sich diese beiden Namen unbedingt merken. Sollte man mal in die Verlegenheit kommen, einen Kampagnenleiter zu empfehlen: unbedingt diese beiden Nasen nennen. Aber nur, wenn man garantieren will, dass die Kampagne abschifft.

Vielleicht ist Rod etwas entschuldigt, weil man dort ja mit Geldzählen gar nicht nachkommt, als Verantwortlicher für die Covid-19-Kommunikation. Herausragender Flop: eine «Impfwoche» für schlappe 100 Millionen Franken mit dem besonderen Highlight von Konzerten, die fast ohne Publikum stattfanden.

Aber hier geht es um die Kampagne für ein «Ja» zum neuen Mediengesetz. Denn Ende Februar wird über das Referendum abgestimmt, das verhindern will, dass den reichen Medienclans eine weitere Milliarde Steuergelder reingestopft wird. Weil die lieber abkassierten als sich für die digitale Zukunft fit zu machen.

Schon das Ja-Komitee tut eigentlich alles, um sich lächerlich zu machen. Vom Visual angefangen, über die holprige Webseite bis hin zu fehlenden Angaben, wer denn genau dahintersteht:

Wer sich ein solches Key Visual für die Webseite verpassen lässt, ohne den Grafiker hochkant aus dem Raum zu befördern, zeigt damit, dass man ihm jeden Nonsens andrehen kann.

Obwohl eigentlich so ziemlich alles versammelt ist, was in den Schweizer Medien als Verband aufscheint:

Aber wer sich so eine Webseite verpassen lässt, könnte sich auch gleich einen Post-it-Zettel auf die Stirne kleben, auf dem in Grossbuchstaben steht Depp:

Was um Himmels willen soll denn Tell hier?

Im Interview auf persoenlich.com sagt Gründer ohne rot zu werden oder loszuprusten:

«Wilhelm Tell ist eine sehr bekannte und in der Schweiz verankerte Figur mit viel Symbolkraft. Er steht wie kein anderer Charakter für die Unabhängigkeit der Schweiz. Und um Unabhängigkeit geht es bei der Abstimmung über das Medienpaket.»

Offensichtlich ist es ihm mit solchem Flachsinn gelungen, erwachsenen und angeblich zurechnungsfähigen Medienmanagern dieses Sujet zu verkaufen. Schauen wir es uns einmal genauer an.

Zunächst wäre da unser Wilhelm Tell. Mit Rabauken-Hoody und einer unbrauchbaren Armbrust, die ihm irgendwie unangenehm im Füdli steckt. Weil er das Teil nicht benützen kann, schlägt er mit einer Zeitung (wahrscheinlich die NZZ vom 1. August 1291) eine Mauer ein. Tell kann das, weil er ja wie Superman eine erfundene Figur ist. Also hat er sicherlich auch Superkräfte.

Lacher, Heuler, Brüller

Man sollte das auf jeden Fall nicht nachahmen. Entweder geht die Zeitung kaputt, oder die Zeitung geht dabei kaputt. Was soll denn nun die Mauer symbolisieren? Da hilft ein draufgespraytes «Fake News». Bekanntlich machte das schon Donald Trump so: er sprühte überall am Weissen Haus «Fake News» an die Wände. Hier muss man sich allerdings fragen, wieso erzählt uns das Visual die «Fake News», dass ein Fake-Tell mit einer in seine Hand gefakten Zeitung den Fake vollbringt, damit eine Mauser zu Klump zu hauen. Sicherlich aus grafischen Gründen tut er das zudem nicht dort, wo «Fake News» steht, sondern links oben hinten.

Nehmen wir mal spasseshalber an, sein Werk sei verrichtet. Dann marschiert er offenbar geradeaus weiter und verschwindet hinter der Mauer. Dass hinter ihm ein zweckloses JA steht, ignoriert er dabei sicherlich, genauso wie die Tatsache, dass auch «Fake News» weiterhin auf der Mauer steht.

Damit kämen wir, obwohl das Zwerchfell bereits sticht und um Gnade winselt, zum Slogan:

«Wer Fakten statt Fake News will, sagt: Ja zum Medienpaket!»

Schauen wir grosszügig über die wackelige Interpunktion hinweg. Und hoffen, dass die Angesprochenen das Mediengesetz mit dem Medienpaket zusammenbringen.

Aber: das heisst also, wer nein dazu sagt, will Fake News statt Fakten. Ist also zum Beispiel dafür, dass ein nicht existierender Tell mit einer damals nicht existierenden Zeitung eine sinnlos rumstehende Mauer verprügelt. Wobei er zwar eine Armbrust umgehängt hat, die ist aber auch nur ein unbrauchbarer Fake.

Umso öfter dieses Plakat aufgehängt wird, desto mehr steigen die Chancen, dass das Referendum angenommen und das Gesetz bachab geschickt wird.