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Kann Trump Fernhypnose?

Das würde Urs Gehrigers Geschreibsel erklären.

Zunächst die camouflierende Packungsbeilage in der «Weltwoche»: «Rechtlich betrachtet, ist Trumps Grönland-Kiste ein No-Go.»

Aber he, wieso muss man denn die Dinge rechtlich betrachten. Man sollte sie vielmehr «nüchtern» sehen, obwohl sich das dann im Fall Gehrigers als vollbesoffen herausstellt.

Also «nüchtern betrachtet – und Nüchternheit ist der beste Ratgeber in emotional echauffierten Zeiten – kann es durchaus in Europas Interesse liegen, wenn die Amerikaner für die Sicherheit auf Grönland sorgen».

Ach was. Wieso denn das? «Wenn sich um Grönland neue Transitrouten öffnen, ist das für Europäer ebenso relevant wie für die USA. Sollte sich bei diesem Rennen um Handelswege Russland durchsetzen, hat das Auswirkungen auf dessen Macht in Europa.»

Und wie würde dann diese «Sicherheit» hergestellt? «Sicherheit kann nicht durch episodisches Engagement erreicht werden. Sie erfordert ein entschlossenes langfristiges Engagement. «Wissen Sie, wie ihre Verteidigung aussieht? Zwei Hundeschlitten», spottete Trump jüngst über den dänischen Wehraktivismus. Russland und China hingegen verfügten über «Zerstörer und U-Boote überall».»

Wo soll man bloss anfangen? Vielleicht damit: wenn Präsident Trump selbst gegenüber verbündeten Nato-Mitgliedern offen mit dem Einsatz von militärischer Gewalt droht, um sich die grösste Insel der Welt anzueignen, ist das kein Beitrag zur Sicherheit.

Es ist Wildwest, Raub durch die Macht des Stärkeren, es ist der Ersatz einer regelbasierten und rechtsstaatlichen Ordnung durch Faustrecht, Willkür, durch Barbarei und hemmungslose Gier. Es ist ein weiterer Raubzug im vollen Tageslicht.

Begleitet von atemberaubender Verlogenheit. Trump behauptet, die Sicherheitsinteressen der USA würden es verlangen, Grönland zu annektieren. Denn die Verteidigung der Insel bestünde aus zwei Hundeschlitten, während sie von russischen und chinesischen Zerstörern und U-Booten umkreist werde.

Dabei vergisst der grösste Lügner aller Zeiten zu erwähnen, dass die einzige Nation, die einen Militärstützpunkt auf der Insel unterhält – die USA sind.

Dabei vergisst er zu erwähnen, dass selbstverständlich auch die USA mit Zerstörern und U-Booten präsent sind.

Dabei vergisst er zu erwähnen, dass die USA seit 1945 sukzessive ihre Militärpräsenz auf der Insel abgebaut haben und Stützpunkte aufgaben – die seither die Umwelt verseuchen.

Er vergisst zu erwähnen, dass die USA mal bis zu 10’000 Soldaten auf Grönland stationiert hatten, heute noch rund 200. Wenn es den USA also rein um die Sicherheit ginge, könnten sie problemlos und vertraglich abgesichert eine beliebige Anzahl weiterer Truppen auf Grönland stationieren und ihre alten Basen säubern und wieder in Betrieb nehmen.

Also ist das Argument «Sicherheit» schlichtweg vorgeschoben, eine glatte, offene und leicht erkennbare Lüge.

Auf die niemand hereinfällt – ausser Gehriger und ein paar weitere Dünnbrettbohrer.

Natürlich geht es – wie im Fall Venezuela – weder um Sicherheit, noch um den Schutz der Demokratie. Sondern um den Besitz von Rohstoffen und deren Ausbeutung.

Das ist so offensichtlich wie das Polarlicht.

Stattdessen irrlichtert Gehriger: «Mit dem Kauf von Grönland könnte Trump einen «Jahrhundert-Deal» landen, schreibt der Economist. Damit würde er nicht nur die Sicherheit Amerikas erhöhen, so das Wirtschaftsblatt, sondern auch die der Nato-Verbündeten.»

Abgesehen davon, dass sich auch der «Economist» irren kann: also die Sicherheit der Nato-Verbündeten würde dadurch erhöht, dass ein Nato-Mitglied einem anderen völlig illegal und notfalls mit Gewalt ein Riesenstück Land klaut? Abenteuerlich.

Mit der Begründung, dadurch würde die Sicherheit erhöht – dabei könnte sie problemlos und einfach durch die Stationierung von mehr Truppen erhöht werden. Ungeheuerlich.

Genauso bescheuert wie Gehriger reagieren allerdings bislang die Nato und die EU. Es wurden 13 (!) deutsche und ein paar französische und spanische Soldaten in die Kälte geschickt. Mit denen würden selbst die wenigen auf der Insel stationierten US-Soldaten fertig.

Und die EU wackelt aufgeregt mit vielen Zeigefingern und wiederholt mit ernster Miene, dass das ja wohl nicht anginge. Lachhaft.

Statt dem Grölaz (grössten Lümmel aller Zeiten) in seinem goldüberkrusteten Büro in Washington klar zu machen: das geht nicht, du Lümmel. Und wir haben dann zwar nicht so viele wie du, aber durchaus genügend Atomwaffen, im Fall. Also such dir ein anderes Spielfeld aus. Gibt doch genügend Gegenden der Welt, wo du US-Sicherheitsinteressen durchsetzen könntest.

Ukraine, Gazastreifen, Kolumbien, Panama, Mexiko …

 

 

Die WoZ als Büttel der Zensursanktionen

Die Wochenschrift der linken Denkungsart macht sich mit rechten Schwätzern gemein.

Hätte man sich vorstellen können, dass die linke WoZ einmal die «Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift» (ASMZ) wohlwollend und zustimmend zitiert? Diesen Hort der kalten Krieger, ewiges Feindbild aller linken Militärabschaffer.

Aber in der aktuellen Orientierungslosigkeit eiert auch die «WochenZeitung» herum und torkelt wie betrunken durch die Wirklichkeit.

Denn auch sie musste sich natürlich zum Skandal äussern, dass eine Dunkelkammer der EU den ehemaligen Schweizer Geheimdienstler Jacques Baud als zweiten Schweizer sanktioniert hat – wegen angeblicher «Desinformation».

Als man in der WoZ noch das Hirn vor dem Schreiben einschaltete, wären solche Sätze von Tobias Müller und Kaspar Surber undenkbar gewesen:

«Baud verpasse analytische Positionen, die sich mit jenen des Kremls deckten, «das Siegel des westlichen Insiders»», zitieren sie zustimmend die völlig unbelegte Denunziation von Pascal Kohler in der ASMZ.

Auch HSG-Professor Ulrich Schmid kommt lobend erwähnt in diesem Artikel vor. Das ist der NZZ-Kommentator, der den Faschisten, Kriegsverbrecher und Helfer der Nazis beim Holocaust Stefan Bandera als «Nationalisten, ukrainischen Freiheitskämpfer und Exilpolitiker» bezeichnet. In Wirklichkeit war Bandera ein Mörder, ein übler Kollaborateur mit den Nazibesatzern während des Zweiten Weltkriegs. Seine politische Bewegung war massgeblich an Pogromen gegen Juden beteiligt, unter ihm als überzeugter Faschist.

Eines seiner Ziele war die «Säuberung» der Ukraine von Juden, Polen und Russen. Dafür wurde er in Abwesenheit in der Sowjetunion zum Tode verurteilt und floh 1946 nach München.

Kein Wunder, wird der angebliche Russland-Spezialist in Fachkreisen nicht wirklich ernst genommen. Aber in der WoZ darf auch er sich an Baud abarbeiten:

«Die Rolle von Baud für die russische Propaganda beschreibt Schmid anhand von dessen Auftritt in der RT-Sendung. Der Interviewer fragt Baud, wie er denn 2014 die Situation in der Ukraine «nach dem von den USA instrumentierten Coup» erlebt habe. Schmid: «Baud widerspricht dieser Bezeichnung des Volksaufstands auf dem Maidan nicht. Das heisst, er akzeptiert das russische Narrativ eines westlichen Putsches.»»

Das ist nicht nur ein «russisches Narrativ», sondern eine Ansicht, die auch von vielen ernstzunehmenden westlichen Analysten geteilt wird. Ob sie richtig oder falsch ist, sei dahingestellt. Aber wer sie wie Baud nicht bezweifelt, ist deswegen ein Verbreiter von Desinformationen?

Jemand, der gelegentlich in russischen Medien auftritt, ist durch Kontaktschuld ein Büttel Putins? Schmid kann noch fieser werden und vergleicht Baud mit dem «Verschwörungstheoretiker Ganser»: «Er schreibt nicht in Aussagesätzen, sondern stellt viele Fragen, die prorussische Narrative in den Vordergrund schieben

Der sogenannte «Kulturwissenschafter Schmid» kommt zum Fazit: «Mit Sicherheit kann man sagen, dass Jacques Baud Muster der Russlandpropaganda verbreitet und in diesem Sinne der russischen Destabilisierung in Europa in die Hände spielt.»

Nachdem die beiden Autoren diese beiden Denunzianten sozusagen die Drecksarbeit machen liessen, kommen sie zur vermeintlich offenen Frage, ob das alles, wenn es denn stimmen täte, eine Sanktion rechtfertigt, die Baud sämtliche finanzielle Mitteln vorenthält, ihm ein absurdes Ein- und Durchreiseverbot in die EU auferlegt, obwohl er in Brüssel lebt.

Da darf nochmal Schmid auf die rhetorische Frage, «ob die Sanktionierung durch die EU nicht einen eklatanten Eingriff in die Meinungsfreiheit darstelle», angeblich «trocken» antworten: «Es wurde ihm ja kein Maulkorb verpasst.»

Stimmt, allerdings ginge es nach der EU, könnte Baud ohne Maulkorb nicht mal einen Schluck Wasser trinken oder ein Stück Brot essen. Und das soll kein Skandal sein – ist das nicht schlimmer als ein Maulkorb?

Natürlich muss sich die WoZ auch noch an ihrem Lieblingsfeind Roger Köppel gehörig abarbeiten:

«Für Roger Köppel, der seit der russischen Vollinvasion in der Ukraine einen Putin-nahen Kurs verfolgt, scheint der Fall Baud denn auch mindestens so sehr Geschenk wie Skandal: «Jacques Baud ist die Schweiz», titelte er voller Pathos in der «Weltwoche».»

Hätten diese Sanktionen einen der WoZ ideologisch Nahestehenden getroffen – das Blatt hätte das Halszäpfchen beim protestierenden Gebrüll sehen lassen. Hätte alle Versuche, das zu rechtfertigen, mit entschiedenen Worten niedergemacht. Hätte so laut wie vergeblich die sofortige Aufhebung solch unmenschlicher Sanktionen gefordert.

Stattdessen legt sie sich nun mit der ASMZ und einem verpeilten Professor ins Meinungslotterbett. Eigentlich unvorstellbar, aber wenn in einer allgemeinen Orientierungslosigkeit alle Massstäbe verrutschen, keine Koordinatensysteme mehr zur Verfügung stehen, der Kompass abhanden gekommen ist, der Kampf gegen Diskriminierung und Ausgrenzung, dem gerade die Linke so oft zum Opfer fiel, nicht mehr geführt wird, wenn es einen vermeintlich Richtigen trifft: dann wird es aschgrau und geradezu widerlich.

Aber immerhin; einen Lachschlager hat die WoZ am Schluss noch auf Lager: «Für HSG-Professor Ulrich Schmid bleibt das wichtigste Mittel gegen Propaganda ein qualitativ hochstehender Journalismus».

Eine solche Schmiere und der Verrat aller Prinzipien der Linken, das kann er damit allerdings nicht gemeint haben. Oder anders formuliert: ein Artikel, in dem Schmid zustimmend zitiert wird, kann gar kein hochstehender Journalismus sein.

Neuerdings reimt sich WoZ offenbar auf kotz.

Zahlenzauber in der WeWo

Aus 32 Toten werden Tausende Kubaner. Rechnen mit Alex Baur.

Haue eine These raus und renne ihr hinterher. Nicht die beste Spielart von Journalismus, die «Weltwoche»-Mitarbeiter Alex Baur betreibt. Seine These: «Maduros Repressions- und Sicherheitsapparat wurde schon vor der US-Intervention vom Ausland aus kontrolliert».

Zunächst zur Richtigstellung des Vokabulars: diese «Intervention» war der Beginn eines Raubüberfalls, ein klarer Bruch des Völkerrechts und soll den Zugriff auf die grössten Ölreserven der Welt sichern.

Welche Beweise führt Baur für seine steile These an? Venezuela beliefere Kuba «praktisch gratis» mit Öl, was die Kubaner (also doch nicht gratis) mit der Entsendung von «zehntausenden von Ärzten, Sanitätern und «Beratern» nach Venezuela» bezahlten. «In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei oft um Agenten und Milizionäre, die zahlreiche Schlüsselstellen in der Verwaltung besetzen und die nach den Methoden und der Doktrin des sowjetischen KGB ausgebildet wurden

Blöd nur: das fast bankrotte Venezuela schickte immer weniger Öl nach Kuba; inzwischen ist Mexiko eingesprungen. Blöd nur: im Rahmen der venezolanisch-kubanischen Sozialprogramme wie Misión Barrio Adentro und andere Kooperationen waren zeitweise tatsächlich Zehntausende kubanische Ärzte und Gesundheitspersonal in Venezuela tätig.

Was durchaus segensreich war, aber was nicht in Baurs Gesinnungsblase passt, wird ausgeblendet.

Und die «Agenten, Milizionäre, ausgebildet nach der Doktrin des KGB»? Abgesehen davon, dass der KGB schon längst verblichen ist und nur noch in alten Bond-Filmen sein Unwesen treibt: Beweise, Belege, dass Kuba CIA-Methoden verwendet?

Via zeitlich begrenzte Missionen fantasiert Baur von insgesamt «Zehntausenden» Kubanern, unter ihnen Agenten und Milizionäre, die natürlich «Schlüsselstellen» besetzen. Quellen? US-Geheimdienste. Es darf gelacht werden.

Wahrscheinlich ging es deswegen mit Venezuela wirtschaftlich den Bach runter. Aber im Ernst: auch seine Behauptung, dass kubanische Sicherheitsleute um Maduro genauso wenig wie US-Truppen etwas in Venezuela zu suchen hätten, bringt wenigstens Spass und Belustigung in diese trüben Zeiten.

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Leider weigerte sich die WeWo («unabhängig, kritisch, gut gelaunt»), diese Kritik am Alles-besser-Wisser Baur zu publizieren. Zeugt nicht von guter Laune oder grosser Souveränität.

Krachende Niederlage für den Mohrenkopf-Professor

Bernhard Carlos Schär verträgt Kritik nur schlecht.

Schnell droht er mit Presserat oder reicht gar Klage ein. Allerdings vergeblich.

Gegen die NZZ wollte der Assistenzprofessor der Uni Lausanne den Presserat anrufen. Sie hatte es gewagt, seine Studie über M*** als fehlerhaft und unwissenschaftlich zu kritisieren.

Denn wer sich Gedanken über den angeblich rassistischen Gehalt des Wortes Mohrenkopf oder Mohrentanz macht und das Pfui-Wort nicht mal ausschreibt, disqualifiziert sich selbst.

Das mit dem Presserat liess Schär dann bleiben, dafür reichte er Klage wegen Persönlichkeitsverletzung gegen einen Artikel dieses Autors in der «Weltwoche» und wegen drei Artikeln auf ZACKBUM ein.

Unter anderem forderte Schär, dass per superprovisorischer Anordnung diesem Autor verboten werden sollte, über die Klage gegen ihn zu berichten.

Unglaublich: das Regionalgericht Bern-Mittelland gab diesem Antrag statt. Ein einmaliger Maulkorb-Erlass, ein Anschlag auf die Medienfreiheit. Gegen den sofort Einsprache erhoben wurde.

Anschliessend liess sich das Berner Gericht fast zwei Monate (!) Zeit, um über diese Superprovisorische zu befinden. Um schliesslich am 25. November zur Einsicht zu gelangen: «Soweit weitergehend wird das Gesuch (von Schär, Red.) vom 29. September abgewiesen.»

Tschakata. Die WeWo und Zeyer wurden lediglich angewiesen, drei von vielen eingeklagten Bezeichnungen zu löschen.

Alle weiteren Behauptungen Schärs, dass hier eine Rufmordkampagne gegen ihn geführt werde, die auch sein berufliches Weiterkommen gefährde, weswegen auch nicht über seine Klage berichtet werden dürfe, sowie alle diese Artikel samt Kommentaren integral zu löschen seien, wurden aus dem Recht gewiesen.

Ein dritter ArtikelSchär, der Schweiger» ), der ebenfalls hätte gelöscht werden sollen, wird im Berner Entscheid nicht mal erwähnt.

Absurd war die Forderung seiner Anwältin, dass nicht nur all diese Artikel gelöscht werden müssten, sondern WeWo und Zeyer verpflichtet werden sollten, «keine neuen Artikel über den Gesuchsteller (Schär, Red.) zu publizieren».

Der empfindsame Forscher hat nun drei Monate Zeit, ob er es dennoch auf einen Prozess ankommen lassen will oder nicht.

Sein Mütchen kühlen dürfte allerdings die Entscheidung der Gerichtspräsidentin, dass er die Gerichtskosten und eine Parteienentschädigung übernehmen muss. Plus natürlich die Kosten seiner eigenen Anwältin.

Geschichtswissenschaft ist keine exakte Wissenschaft. Im Gegensatz zu Mathematik oder Physik gelten hier andere Regeln als Falsifikation oder Wiederholbarkeit eines Experiments als Methoden zur Überprüfung.

In seiner Gegendarstellung, die von der NZZ unverständlicherweise abgedruckt wurde, behauptete Schär: «Zutreffend ist, dass Prof. Dr. Bernhard C. Schär [. . .] kein wissenschaftlicher Fehler nachgewiesen wird. Unter schweren wissenschaftlichen Fehlern sind erwiesene Datenmanipulationen, Plagiate oder vorsätzliche Verfälschung von Forschungsergebnissen zu verstehen. Nichts Vergleichbares liegt hier vor.»

Zu bestreiten, was gar nicht vorgeworfen wurde, nämlich beispielsweise vorsätzliche Verfälschung, ist ein übler Trick aus der untersten Schublade der Demagogie.

Tatsächlich wird Schär vorgeworfen, dass er allein schon durch die Verwendung von Sternchen, weil er den Begriff «Mohr» – sein Untersuchungsgegenstand – nicht aussprechen will, Voreingenommenheit signalisiert.

Zudem wird ihm bislang unwidersprochen vorgeworfen, dass er sich in der Genealogie der Eigentümerschaft des Mohrenkopf-Hauses in Zürich wie auch in der Wappenkunde schwer verhauen hat.

Das sind zwar nach seiner Definition keine «wissenschaftlichen Fehler». Aber oberpeinlich ist es trotzdem.

Noch peinlicher ist, dass normalerweise in Geisteswissenschaften Erkenntnisgewinn durch Rede und Gegenrede entsteht, durch Behaupten und Widerlegen von Behauptungen.

Wer sich dem entzieht (inhaltlich wollte und will Schär zu keinem Vorwurf Stellung nehmen), erlaubt zumindest Zweifel daran, als historischer Forscher ernst genommen zu werden.

Damit findet ein ganz trübes Kapitel der Mohrenforschung hoffentlich sein Ende.

Wie bei ihm üblich hat Schär auch hier die Gelegenheit zur Stellungnahme nicht benützt.

Dass zum ersten Mal in der jüngeren Mediengeschichte einem Journalisten ein Maulkorb verpasst wurde, dass er über eine Klage gegen ihn selbst nicht berichten darf, bleibt als Skandal.

Dass die Mainstream-Medien das nicht einmal vermeldet haben, obwohl es alle Journalisten betrifft, ist bedenklich. Hier herrscht offenbar die Meinung vor: Maulkorb für Zeyer – recht geschieht’s ihm.

Dieser Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».

Echt jetzt?

Wenn eine Manie zur Obsession wird.

Die Methode ist so bekannt wie langweilig. Wenn alle dagegen sind, sind wir dafür. Und umgekehrt. Warum? Darum. Das ist das wohl wichtigste journalistische Credo der «Weltwoche».

Sie versammelt in besseren Zeiten in einer Ausgabe mehr anregende Artikel als manche Tageszeitung in einer ganzen Woche. Oder in einem Monat.

Andererseits gibt es Manien, die langsam obsessiv werden und kaum neue Leser begeistern können, einfach die Crowd in der Gesinnungsblase nochmal und nochmal in ihrer vorgefassten Meinung bestärken.

Während sich Präsident Putin vom «Unverstandenen» langsam zum bösen Buben wandelt, bleibt die WeWo ein Fanmagazin des US-Präsidenten Trump.

Aber jeder Fan braucht immer wieder neue Nahrung, und da wird es manchmal dünn. So entsteht dann eine Titelgeschichte wie «Trump ist sensationell, Mamdani killt New York».

Welche Koryphäe, welcher Kenner der Sachlage hat sich hier geäussert? Es handelt sich um Joe Germanotta. Joe who? Also bitte, der weltberühmte «Gastro-Unternehmer» Germanotta. Hä? Na, der betreibt das Restaurant Joanne Trattoria in New York, also ist er doch Gastro-Unternehmer.

Vielleicht kein besonders erfolgreicher, während der Pandemie rief er zu Spenden auf, um seine Kneipe über Wasser zu halten.

Qualifiziert ihn das wirklich, seine Meinung über Trump und den neuen New Yorker Bürgermeister in der WeWo zum Besten geben zu dürfen? Mit den beiden Gaga-Aussagen «Trump ist sensationell» und «Mamdani killt New York»?

Gaga gibt dabei den entscheidenden Hinweis. Denn ausser Wirt ist der Mann auch noch Vater von Lady Gaga. Die hat zwar politisch ganz andere Ansichten als der Papa, aber das möchte Urs Gehriger nicht so gerne in der WeWo lesen. Also interviewt er den Vater, der sich über so viel Aufmerksamkeit from Switzerland sicher freut.

So darf er seine Erkenntnisse auf Stammtischniveau auf den Teller klatschen. Zunächst zu Mamdani: «Wissen Sie, am Abend der Wahl konnte ich mir die Ergebnisse gar nicht ansehen. Ich war so nervös.» Aber offensichtlich hat er sich dann doch wieder eingekriegt. Und ledert im Stil seines grossen Vorbilds Trump ab: «Er will die Prostitution nach New York City zurückbringen, was Kriminalität und Drogen mit sich ziehen wird.»

Während 40 Millionen Amis auf Essensmarken angewiesen sind, poltert Germanotta:

«Und staatlich unterstützte Lebensmittelläden? Ich möchte nicht auf zwei Brote beschränkt sein. Ich möchte in einen Lebensmittelladen gehen und kaufen können, was ich will. Und dafür bezahlen

Tja, wenn er kann …

Ähnlich profund ist seine Meinung zum US-Präsidenten: «Ich wusste schon, als er gewählt wurde, dass die Wirtschaft boomen würde. Und sie tut es auch. Wenn man sich den Aktienmarkt ansieht, steigt er jeden Tag weiter und weiter. Seine Politik ist stark.»

Dann noch zum Ausschleichen ein paar Fragen zu seiner Tochter, und fertig ist das Desaster.

Ob es wohl eine gute Idee ist, dem WeWo-Leser als Titelgeschichte ein Gaga-Interview mit einem Wirt in New York zu servieren, dessen Ansichten so flach wie das Papier sind, auf das sie gedruckt werden? In dieser servilen pseudo-kritischen Frage-Art serviert, die man auch durch die einfache Feststellung hätte ersetzen können: was wollten Sie schon immer mal sagen, aber normalerweise werden Sie schnell unterbrochen, wenn Sie solchen Stuss reden?

Newswert: der Papa von Lady Gaga ist leicht gaga. Dafür hätte man allerdings eine einzige Zeile gebraucht.

Zahl-Zahl-Schere

Es gibt die Bild-Text-Schere. Die «Weltwoche» betritt Neuland.

Natürlich ist das der WeWo sauer aufgestossen:

«In einem riesigen Interview in sämtlichen Blättern von Tamedia verteidigt Carl Illi die EU-Anbindungsverträge. «Er vertritt die weltweit zweitgrösste Industrie», wird Illi gross eingeführt – um den Eindruck zu erzeugen, hinter ihm stünden gewaltige wirtschaftliche Interessen», schimpft Christoph Mörgeli.

Unter dem Titel:

25 eigene Angestellte, das ist natürlich läppisch. Allerdings, wenn man weiterliest:

«In Wahrheit ist Carl Illi Chef der CWC-Gruppe, einer Firma, die schweizweit gerade mal 100 Angestellte beschäftigt. Und die Textilindustrie mag weltweit die zweitgrösste sein, in der Schweiz spielt sie so gut wie keine Rolle mehr.»

Öhm.

Also gut, ob 25 oder 100, Hauptsache wenig.

Hält natürlich den Kommentator online nicht davon ab, wie gewünscht aufzuschäumen. Wobei es, trotz über 50 Kommentaren am Dienstagabend, nur einem auffällt, dass da mit den Zahlen etwas nicht stimmen kann.

Aber immerhin, nach der Bild-Text-Schere jetzt endlich die Zahlenschere, die «was im Titel steht, ist im Lauftext Pipifax»-Schere. Da fühlt sich dann das Qualitätsorgan Tagi nicht mehr so einsam …

Welchen Kontakt hat Koydl zur Realität?

Es muss sich um einen Wackelkontakt handeln. Oder wie er selbst sagt: «shit happens».

Wolfgang Koydls Kurzartikel in der «Weltwoche» online fängt schon mal gut, also falsch an: «Seit die Römer den „gerechten Krieg“ erfanden, werden Kriege für hohe, hehre, heilige Ziele geführt.»

Nein, Koydl, Geschichte ungenügend, setzen. Nicht nur die alten Griechen (Platon und so) machten sich schon Gedanken über gerechtfertigte Kriege. Da gäbe es noch den Codex Hammurabi der Babylonier, die ägyptischen Pharaonen oder Perser wie Xerxes.

Aber zu viel Bildung kann ja auch hinderlich für kurze Sätze sein.

Das war aber nur die Vorspeise. Zum mageren Hauptgericht:

«Welche Kontakte haben von der Leyen und Strack-Zimmermann zur Rüstungsindustrie? Eine Antwort gibt es nicht. Was die Frage eigentlich beantwortet».

Offenbar haben die beiden Damen auf entsprechende Anfrage nicht oder nur patzig geantwortet. Antworten darauf gibt es allerdings durchaus.

Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen war bekanntlich vorher deutsche Verteidigungsministerin. Mangelnde Transparenz bei der Beschaffung von Waffen, Lobbyinteressen, Einbindung externer Berater, enge Beziehungen zur Rüstungsindustrie, liegt alles auf der Hand und offen.

Noch klarer ist es bei der Kriegsgurgel und deutschen FDP-Politikern Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Bis Mai 2023 war sie Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT), einem Verband mit Nähe zur Rüstungsindustrie. Bis November 2023 war sie im Präsidium des Förderkreis Deutsches Heer aktiv, ebenfalls ein rüstungsnaher Verein. Begriffe wie «Waffenlobbyistin» oder «Beraterin der Rüstungsindustrie» liegen auf der Hand und werden offen ausgesprochen.

Was die Frage eigentlich beantwortet, ob Koydl ein Qualitätsjournalist oder ein Dampfplauderer ist. Die schon mit anderen Machwerken aus seiner Feder beantwortet wurde.

Der Mann spinnt

Leider dokumentiert nur die WeWo Trumps Rede vor der UNO.

Unverständlich, aber gleichzeitig interessant ist das Phänomen, dass es ansonsten zurechnungsfähige Menschen gibt, die Präsident Trump schätzen.

Wenn es noch eines Beweises gebraucht hätte, dass der Mann nicht nur raffgierig, verlogen und gefährlich ist, sondern schlichtweg irr, dann genügt seine Rede vor der UNO, um das zu belegen.

Verdienstvollerweise hat das Trump schätzende Organ «Weltwoche» diese Rede vollumfänglich dokumentiert. Das ist viel subversiver und entlarvender als all das Gemecker, das in den Mainstreammedien erschallte.

Die sind im Übrigen des Triumphgeheuls voll, dass der mittelmässige Comedian Jimmy Kimmel wieder auf Sendung ist. Und feiern das als grossen Triumph der Meinungsfreiheit in den USA. Was genauso bescheuert ist wie die Rede Trumps.

Ein paar Highlights:

Seit Trumps letzten Rede vor sechs Jahren «haben die Waffen des Krieges den Frieden zerstört, den ich auf zwei Kontinenten geschaffen hatte. – Heute, nur acht Monate nach meinem Amtsantritt, sind wir das angesagteste Land der Welt, und kein anderes Land kommt auch nur annähernd an uns heran. Amerika ist mit der stärksten Wirtschaft, den stärksten Grenzen, dem stärksten Militär, den stärksten Freundschaften und dem stärksten Geist aller Nationen auf der Erde gesegnet. – Damit haben wir die USA erneut zum besten Land der Welt für Geschäfte gemacht. – Ebenso habe ich in nur sieben Monaten sieben endlose Kriege beendet. – Kein Präsident oder Premierminister hat jemals etwas Ähnliches getan, und ich habe es in nur sieben Monaten geschafft. Das gab es noch nie zuvor. So etwas hat es noch nie gegeben. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich das geschafft habe. – Ich war zu sehr damit beschäftigt, Millionen von Menschenleben zu retten, also diese Kriege zu beenden. – Vor vielen Jahren habe ich als sehr erfolgreicher Immobilienentwickler in New York, bekannt als Donald J. Trump, ein Angebot für die Renovierung und den Wiederaufbau dieses Komplexes der Vereinten Nationen abgegeben. – Ich sagte damals, dass ich es für 500 Millionen Dollar machen würde, alles neu bauen würde. Es würde wunderschön werden. Ich sagte immer: «Ich werde Ihnen Marmorböden geben.» Das Beste von allem. – Kein anderes Land der Welt hätte das tun können, was wir getan haben. – Wie Sie wissen, habe ich zusammen mit Steve Witkoff und anderen wie Marco Rubio, die meisten von ihnen (israelische Geiseln der Hamas, Red.) zurückgebracht. – Dieser Krieg hätte niemals begonnen, wenn ich Präsident gewesen wäre. – Ich schaue mir London an, wo Sie einen schrecklichen Bürgermeister haben, einen schrecklichen, schrecklichen Bürgermeister. – Ich bin wirklich gut in solchen Dingen. Ihre Länder gehen vor die Hunde. – Ich habe die höchsten Umfragewerte, die ich je hatte. – Der Wind weht nicht. Diese grossen Windräder sind so erbärmlich und so schlecht, so teuer im Betrieb, und sie müssen ständig neu gebaut werden. Sie beginnen zu rosten und zu verrotten. – Washington D.C. ist jetzt wieder eine absolut sichere Stadt, und ich heisse Sie herzlich willkommen. Wir werden sogar zusammen in einem Restaurant in der Nähe zu Abend essen und können zu Fuss gehen. – Ich bin wirklich gut darin, Dinge vorherzusagen. Während des Wahlkampfs hiess es richtigerweise, Trump hatte in allem Recht. Und ich sage das nicht, um anzugeben, aber es ist wahr. Ich hatte in allem Recht. – Und ich mache nur Geschäfte mit Menschen, die ich mag. – Lasst uns die Rede- und Meinungsfreiheit verteidigen.»

Muss man das noch kommentieren? Ausser mit dem Satz, der nur möglich ist, weil der Autor nicht die Absicht hat, in absehbarer Zukunft die USA zu besuchen:

Der Mann spinnt. Hochgradig.Und brandgefährlich.

Mohr und kein Ende

Peinliche Professoren gibt es zu Hauf.

Professor Bernhard C. Schär, die (…)* für die Historikerzunft, hat ein «Gutachten» verbrochen. Darin ist er nicht mal in der Lage, den zu begutachtenden Begriff M*** auszuschreiben. Eine (…)*. Zudem sind ihm (und seiner Mitautorin) offenbar gravierende Fehler unterlaufen, wie ein Gegengutachten eines renommierten Historikers festhält.

Das ist peinlich. Auf Anfragen – auch von ZACKBUM – reagiert der Professor nicht oder verweigert jede Auskunft. Obwohl das Machwerk den Steuerzahler 33’000 Franken kostete.

Als die NZZ eine fundierte Kritik an dieser Mohrerei vorbrachte, benützte er das Angebot zur Stellungnahme nicht. Oberpeinlich. Aber das lässt sich noch steigern.

Peinliche Professoren werfen sich für Schär in die Schlacht. Eine Professorin Monika Dommann behauptet, dass kritische Artikel wie der in der NZZ und der von René Zeyer in der «Weltwoche» gegen eine angebliche «Offenheit» gerichtet seien und Vertrauen und Transparenz «erschweren». Was immer das bedeuten mag.

Schär selber behauptet nun, er sei von der NZZ vor Erscheinen des Artikels nicht mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Im Artikel steht hingegen, dass er nicht Stellung nehmen wollte. Also nur eine der beiden Darstellungen kann stimmen. ZACKBUM kann dazu beitragen, dass Schär selbst auf die relativ harmlose Frage, was das Gutachten denn gekostet habe, nicht mal zu antworten geruhte.

Nun haben 29 Historiker an der Uni und der ETH Zürich einen «offenen Brief» an die NZZ gerichtet.

Sein erbärmliches Niveau lässt das Schlimmste für die Qualität der historischen Lehre und Forschung an diesen beiden Institutionen befürchten. Sie behaupten in ihrem Schreiben, der NZZ-Artikel konzentriere sich «auf die gezielte persönliche Diffamierung eines Wissenschaftlers». Ein happiger Vorwurf, jemanden in seinem Ansehen herabsetzen, verleumden. Noch massiver: «Im Zentrum steht die Diskreditierung einer Person, nicht die Debatte oder die Entkräftung einzelner Argumente.»

Während aber der NZZ-Artikel argumentativ diverse Werke von Schär kritisch unter die Lupe nimmt und ihm belegt handwerkliche Fehler vorhält, verabsäumen es diese 29 Historiker, ihre Behauptungen auch nur mit einem einigen Sachargument zu untermauern. Stattdessen fabulieren sie:

«Bernhard C. Schär ist ein international renommierter Wissenschaftler … Die Darstellung in der NZZ steht in eklatantem Widerspruch zu … der hohen Anerkennung, die Bernhard Schär in Fachkreisen geniesst.»

Es ist ein jämmerliches intellektuelles Niveau, die Kritik der NZZ an Schär mit solchen Behauptungen entkräften zu wollen. Selbst wenn Schär diese Anerkennung geniessen sollte: das würde null und nichts von der Kritik entkräften, die die NZZ vorgebracht und untermauert hat.

Eine wissenschaftlich anerkannte Methode wäre, die Kritikpunkte des Artikels aufzuzählen – und zu widerlegen. Aber dazu sind diese Professoren nicht in der Lage.

Am Schluss behaupten sie: «Wir stehen ein für den offenen und respektvollen Dialog.» Aber «unser Kollege» dürfe seine «wissenschaftlichen Einschätzungen einbringen, ohne dafür auf persönlicher Ebene diskreditiert zu werden».

Das ist nun höherer Gaga. Für diese Professoren besteht ein «respektvoller Dialog» wohl nur in einer kritiklosen «hohen Anerkennung». In der Kritik an Schär geht es keineswegs um seine «Einschätzungen», sondern um seine handwerklichen Fehler, seine ideologische Voreingenommenheit und konkrete Vorwürfe gegenüber der Wissenschaftlichkeit seines Vorgehens.

Was daran eine «Diskreditierung auf persönlicher Ebene» sein soll, das wissen – wenn überhaupt – nur diese Professoren.

Wer sich dermassen öffentlich blamiert – ohne diskreditieren zu wollen –, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er wirklich für das Tragen eines Professorentitels (und das Verbraten von hübsch Steuergeldern) qualifiziert ist.

Schliesslich verdient ein Professor bis zu 300’000 Franken im Jahr. Nehmen wir hier einen Durchschnitt von lediglich 200’000 Franken, haben also 5,8 Millionen Franken diesen offenen Brief unterzeichnet. Rausgeschmissenes Geld?

*Diese Wörter wurden auf Anweisung des Regionalgerichts Bern-Mittelland zensiert.

Maschinengewehr Köppel

Der Mann, der schneller schreibt als er denkt.

Lucky Luke schiesst schneller als sein Schatten. Der Besitzer, Herausgeber, Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche» hat das Problem, dass wie bei von ihm verehrten US-Präsidenten Checks and Balances fehlen, die ihn von Schnellschüssen abhalten.

Schreibt Roger Köppel los, kann ihn niemand auf halten. Natürlich erregt er sich über die Ermordung des US-Polemikers Charlie Kirk. Zunächst verklärt er ihn als Lichtgestalt, als «Kulturkämpfer». Dann kritisiert er völlig zu recht die teilweise widerlichen Reaktionen aus dem linken Lager.

Daraufhin sondert er eine nötige Packungsbeilage ab: «Es gibt auch rechte Ideologen, Spinner und Gutmenschen, die zur Waffe greifen.» Das ist natürlich nur die Einleitung zu: «Doch verharmlost und tabuisiert wird nach wie vor die viel häufigere Gewalt von links.»

Wie immer wackelig ist sein Ausflug in die Ideengeschichte: «Im Marxismus ist die christliche Vorstellung, es gebe ein Paradies im Jenseits, zum politischen Gebot verweltlicht worden, dieses Paradies im Diesseits zu verwirklichen. So sehen sich linke und grüne Politiker, selbst wenn sie sich nicht offen auf marxistische Ideen beziehen, als Vollstrecker heilsgeschichtlicher Erwartungen im konkreten Leben.»

Vielleicht könnte es bei einer Kritik am Marxismus helfen, ihn verstanden zu haben. Aber das scheint für Köppel, den bekennenden Christen, völlig überflüssig zu sein.

Auch von Kirk weiss Köppel nicht viel, gesteht sogar, ihn vor seiner Ermordung nicht gekannt zu haben: «Er soll Millionen junger Amerikaner für traditionelle und christliche Werte begeistert haben.» So kann man das auch formulieren, wenn man die Positionen von Kirk nicht kennt.

Ein paar Beispiele:

  • Nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 verbreitete Kirk mehrfach die unbelegte These von massenhaftem Wahlbetrug zugunsten Joe Bidens.

  • Er forderte u. a. dazu auf, Wahlmänner aus «umstrittenen» Bundesstaaten nicht anzuerkennen. Das wurde von Gerichten und Wahlaufsichtsbehörden widerlegt.

  • Er verbreitete Zweifel an Impfstoffen und sprach von «Zwangsimpfungen», obwohl es keine generelle Impfpflicht gab.
  • Er benutzte den Begriff «Great Replacement» bzw. argumentiert in dessen Nähe (die Behauptung, weisse US-Amerikaner würden absichtlich «ersetzt»).
  • Er bezeichnete den Klimawandel wiederholt als «Schwindel» oder «übertrieben» und lehnte Klimaschutzvorgaben ab.

In diesem Sinne holt auch Köppel den Zweihänder heraus:

«Der Mordfall Kirk ist ein besonders abscheuliches Beispiel linker Cancel-Culture in den Vereinigten Staaten

Diese Ermordung sei  Bestandteil der Cancel-Kultur? Bevor über den Attentäter und seine Motive auch nur das Geringste bekannt ist?

Aber Köppel galoppiert weiter ins Gestrüpp: «Diese Gewalt ist der verbrecherische Ausfluss eines Denkens, das Konservative automatisch als „Nazis“ abstempelt, damit zu Massenmördern entmenschlicht. Auf der rechten Seite findet sich kein Kampfbegriff, der auch nur annähernd diese verleumderische Kraft entfaltet.»

Natürlich ist der inflationäre Gebrauch des Begriffs Nazi ungefähr gleich bescheuert wie das Schwingen der Antisemitismus-Keule.

Aber es gebe rechts keine verleumderischen Kampfbegriffe gegen Linke? Wie wäre es mit diesen hier:

  • Gutmensch

  • linksgrün versifft

  • Ökospinner, Klimahysteriker

  • Woke-Sekten

  • Staatsfunker (für Medienschaffende)

  • Volksverräter

  • Vaterlandsverräter

  • Linksextremist

  • 68er-Verseuchter

Insbesondere der Volks- oder Vaterlandsverräter hat eine lange Tradition bei der Rechten, der sich wohl auch Köppel zurechnen würde. Der argumentenfreie, keifige Ton, die Warnungen vor Untergang und Niedergang, würde man Forderungen von «linken Spinnern» folgen, das ist genauso Bestandteil des groben Rüpelns im politischen Raum wie linke Denunziationen von angeblichen oder echten Nazis.

Das politische Attentat hat in den USA eine lange und unselige Tradition. Rechte wie Linke wurden schon Opfer. Und reflexartig verurteilt die andere Seite ein solches Attentat als Ausfluss einer hasserfüllten Debattenunkultur, an der natürlich nur die anderen, hier also die «Cancel-Culture», schuld sei.

Solche Behauptungen tragen nichts zu einer Versachlichung der Debatte bei. An seiner Imitation eines elder Statesmen mit gepflegt-bürgerlichem Ton muss Köppel noch viel üben und arbeiten. Aber wer hilft ihm dabei?