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Bundeshaus im Sturm

Ist Trump überall? Was geschah in der Nacht zu Bern? Ein Sturm im Wasserwerferglas?

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Berset, Amtsmissbrauch, Staatsaffäre? I wo, es gibt Schlimmeres. Nämlich demonstrierende Corona-Skeptiker. Leugner, Aluhutträger. Verschwörungstheoretiker. Gewaltbereite Staatsfeinde. Erst noch Tausende davon versammelten sich am Donnerstagabend zu einer unbewilligten Demonstration in Bern.

Normalerweise sieht man dann solche Fotos:

Hoppla, das obere stammt von einem der Krawalle vor der Berner Reitschule.

Wie man aber auf dem unteren Foto sieht, gab es ernsthafte Versuche, das Bundeshaus zu stürmen. So sieht das zumindest der «Blick».

Im Thurgau gelungen, zu Bern verhindert.

Brechen in der Schweiz nun auch amerikanische Verhältnisse aus? «Sturm aufs Bundeshaus», das liegt brandgefährlich nahe beim «Sturm aufs Kapitol». Wir erinnern uns: nach seiner Wahlniederlage stimulierte der Loser Donald Trump seine Anhänger dazu, zum Kapitol zu marschieren. Was dann dort geschah, das wollte er natürlich nicht verantworten.

Ist es nun in der Schweiz auch so weit? War das der erste, untaugliche Versuch, Hand an das Symbol der Schweizer Demokratie zu legen? Gehen geistig verwirrte Coronaleugner den gleichen Weg wie enthemmte Trump-Anhänger? All diese Fragen stellen sich die Mainstream-Medien schreckensbleich.

Auch Tamedia befürchtete das Schlimmste.

Für ein Mal fasst «watson» die der Massendemonstration folgende verbale Aufrüstung gut zusammen:

Dem «Blick» ist es zudem gelungen, einen Hintergrund zu den Ausschreitungen auszuleuchten:

Wir fragen uns: haben denn wieder die «Freiheitstrychler» des Grauens die Massen aufgepeitscht, möglicherweise angeführt von Bundesrat Maurer? Musste die Sondereinheit Tigris der Bundespolizei eingreifen? Man weiss nichts Genaues, aber das hier ist dokumentiert:

War das der Anfang der Ausschreitungen?

Können wir wieder eine Linie ziehen:

Lärm von Kuhglocken – Ueli, der Treichler – Gewalt und Chaos vor dem Bundeshaus – Sturm auf die Bundeskuppel?

Aber immerhin, diesmal setzt CH Media die richtigen Prioritäten, muss lobend erwähnt werden:

Das «Tagblatt» verknüpft die Ostschweiz mit dem Triumphbogen in Paris.

Aber zurück zur Nacht des Grauens; wie war es denn wirklich in Bern? Schliesslich haben doch die grossen Medienkonzerne allesamt Bundeshausredaktionen. Das gehört schliesslich zur Grundversorgung mit Informationen, dafür müssen die Verlegerclans dringend eine weitere Subventionsmilliarde erhalten. Die sind doch sicherlich alle ausgeschwärmt, um die Schweizer Bevölkerung mit Informationen aus erster Hand zu versorgen.

Im Prinzip ja. In der Praxis zitiert der «Blick» einen «SDA-Reporter», der offenbar mutterseelenallein vor Ort war. Alles andere wurde in den Verrichtungsboxen im Newsroom aus dem Internet gesaugt. Das ist der Qualitätsjournalismus von heute.

Wie endete dann die Krawallnacht? Nun, ungefähr so:

Pardon, das ist schon wieder ein Foto einer Krawallnacht der friedliebenden Anhänger der Berner Reitschule.

Knutschkugel Berset

Die WeWo zündet eine Bombe. Die Mainstream-Medien in Schockstarre.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Das Wochenmagazin wirft dem Bundesrat Alain Berset Unerhörtes vor. Zwecks Bodigung der Folgen einer ausserehelichen Affäre habe der seine Machposition brutal ausgenützt.

Genauer: Der SP-Politiker habe «die Unwahrheit gesagt, Bundesbeamte missbraucht und Steuergelder verschleudert». Happige Vorwürfe; sollten sie sich bewahrheiten, haben wir eine veritable Staatsaffäre.

Was wir jetzt schon haben, ist eine Medienaffäre. Ab Donnerstagmorgen spätestens um 7 Uhr war die «Weltwoche» mit ihrem Cover am Kiosk erhältlich. Mit einer Bombenstory, mitten hinein ins langweilige Grau der Bundespolitik. Ein gefundenes Fressen für alle Medien.

Nur: kein Schwein schaut. Einzig «Inside Paradeplatz» berichtet sofort, was dort die Klickzahlen durch die Decke jagt, über 100’000 Leser hat der Artikel inzwischen. Rekord. Es berichtete noch «Die Ostschweiz» und natürlich ZACKBUM über die Medienresonanz.

Über 100’000 and counting: Klick-Rekord für den Finanzblog.

Was ist aber mit Tamedia, CH Media, Ringier, NZZ und SDA? In ihren Verrichtungsboxen in den Newsrooms sind die Kindersoldaten doch darauf getrimmt, jede Meldung sofort aufzunehmen, die Klicks generieren könnte. Denn das ist die Währung im Tagesgeschäft der Newsverbreitung.

Blick in einen Schweizer Newsroom.

Aber Wunder über Wunder: nichts ist. Schweigen herrscht. Man kann nun annehmen, dass es erst Chefentscheide brauchte, ob man der ungeliebten Konkurrenz, dem «SVP-nahen Organ», der Köppel-Postille den Gefallen tun soll, sie zu zitieren. Und Chefs stehen üblicherweise nicht so früh auf wie Roger Köppel, der in aller Herrgottsfrühe bereits die Schweiz mit seinem «Weltwoche Daily» beschallt.

Schweigen im Blätterwald, dröhnendes Schweigen

Aber der Donnerstag geht ins Land, nichts. Nichts am Morgen, nichts am Mittag, nichts am Nachmittag. Die vielen rasenden Reporter von SRF haben es selbst einen Tag später noch nicht für nötig gehalten, den wohl grössten Polit-Skandal seit Elisabeth Kopp zur Kenntnis zu nehmen. Bei der ersten Bundesrätin reichte übrigens das Herumdrucksen wegen eines Telefonats an ihren Gatten, damit sie so unter Druck geriet, dass sie zurücktrat.

SRF-Top News am Tag danach: gut investierte Gebührenmilliarden.

Aber doch nicht bei unserem Gesundheitsminister. Der trägt doch immer so scharf geschnittene Anzüge mit schmalen Krawatten, endlich etwas Clooney-Effekt in Bundesbern. Der hat doch so einen süssen welschen Akzent, und dann diese Augenbrauen unter der Glatze. Eine Knutschkugel halt.

Erst gegen Abend – und wie von seiner Kommunikationsabteilung bestellt – wagen sich CH Media, NZZ, Tamedia und «Blick» an das Thema heran. Allerdings alle mit dem Tenor: ach, alles halb so wild. Die WeWo, typisch Parteiblatt, übertreibt masslos.

Die Pille danach: die alte Tante rafft sich endlich auf.

Anhand des jetzigen Wissensstands werde die Affäre für den Gesundheitsminister kaum politischen Konsequenzen haben, meint die NZZ staatstragend. Sie will immerhin wissen, dass die Geliebte fälschlicherweise Geld für eine Abtreibung einer vom Bundesrat hergestellten Leibesfrucht gefordert habe, es handle sich in Wirklichkeit um die Einnahme einer Pille danach.

Das Recherchierblatt will sogar wissen: «Polizeiliche Ermittlungen legen offenbar den Schluss nahe, dass es sich bei der angeblichen Abtreibung um die Einnahme einer sogenannten Pille danach gehandelt haben dürfte – allerdings mehrere Monate nach Beendigung der Beziehung mit Berset, also im Zusammenhang mit einem anderen Partner. Die Konfrontation mit diesen Fakten soll die Künstlerin dazu bewogen haben, die schriftliche Vereinbarung mit Berset zu unterzeichnen.»

CH Media vermeldet, dass SVP-Nationalrat Alfred Heer in der Aufsichtskommission den Antrag stellen wird, diese Affäre genauer zu untersuchen. Was bedeutet: das wird dauern und das Resultat wird keinen Menschen mehr interessieren, wenn es publiziert wird.

CH Media, aufgewacht nach Tiefschlaf.

Tamedia hat immerhin vier seiner wenigen verbleibenden Journalisten in die Schlacht geworfen, um zu titeln: «Weltwoche» erhebt schwere Vorwürfe gegen Bundesrat.» Eingeschnappt vermeldet der Konzern, dass sich die WeWo auf eine Strafakte beziehe, «die dieser Zeitung nicht vorliegt.

Ob alle Informationen korrekt und vollständig wiedergegeben sind, lässt sich daher nicht verifizieren».

Bei CH Media wird Parteigenossen von Berset natürlich die Gelegenheit zum Zünden der üblichen Blendgranate gegeben: «Parteikollegen von Berset versuchen, die Aufregung als parteipolitisch motiviert darzustellen. Schliesslich stammt die Artikelserie von Ex-SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, und das Magazin wird von SVP-Nationalrat Roger Köppel herausgegeben. Und nun beantragt SVP-Nationalrat Heer eine Untersuchung der GPK.»

Alles easy, alles gut: der «Blick» knutscht den Bundesrat von oben und unten ab.

Den Vogel schiesst aber der «Blick» ab. Der nähert sich dem Halszäpfchen des Bundesrats von unten und knutscht gleichzeitig den Magistraten von oben ab. Muss man mal hinkriegen.

  • Sondereinheit Tigris im Einsatz? Ach, da gab es eben Drohungen aus Deutschland, und wusste man, ob die Erpresserin damit nichts zu tun hatte? «Involvierte sprechen von einer «Gefährdungssituation». Es war unklar, ob das Erpresser-Mail damit in Verbindung stand oder nicht.»
  • Amtsmissbrauch? Ach was, «da die Erpresserin aus Bersets persönlichem Umfeld stammte, schaltete der Innenminister gleichentags privat den Berner Anwalt Patrik Eisenhut ein
  • Missbrauch von Bundesbeamten? I wo, «die Vorwürfe lassen sich kaum stützen. So hat Bruhin (Bersets Stabschef, Red.) wohl etwa zwei Arbeitsstunden fürs Bearbeiten der Erpressung aufgewendet – auch weil man die Verbindung zur Gefährdungslage eruieren musste, sagen zwei Involvierte».
  • Verfahren gegen Berset? Ausgeschlossen, hingegen müsse die WeWo mit einer Anzeige wegen Verstosses gegen das Amtsgeheimnis rechnen, unkt «Blick».

Peinlich ist gar kein Ausdruck, wie die grossen Medienhäuser mit dieser Affäre bislang umgehen. Nur dem Schweizer Farbfernsehen kann man keinen handwerklichen Fehler vorwerfen. Wer die Hände im Schoss hat, macht keinen.

Skandalträger links, Hutträger rechts.

Berset-Bombe: Betretenes Schweigen

Schweizer Politik ist langweilig. Ist sie’s mal nicht, wird drüber geschwiegen.

 

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Es war die Ente des Nachrichtenmagazins «Facts». Es berichtete 1999 in Andeutungen darüber, dass sich angeblich ein aus einer Stumpendynastie stammender Bundesrat im Berner Rotlichtmilieu herumtreiben würde.

Selbst wenn man das hätte belegen können: das tut man in der Schweiz nicht. «Facts» krebste zurück, der Chefredaktor entschuldigte sich, die übrigen Medien schäumten über diese Grenzüberschreitung, diesen Tabubruch.

Seither ist das Liebesleben führender Politiker wieder Privatsache. Bis Alain Berset kam. Über ein aussereheliches Techtelmechtel des lebensfrohen Bundesrats wurde mit mehr oder minder langen Fingern berichtet. Und es flugs als seine Privatangelegenheit erklärt, in der nur Schmutzfinken und/oder politische Gegner herumwühlen wollten.

Sogar der Name der Angebeteten machte mehr oder minder verhüllt die Runde, es solle sich um eine Musikerin handeln. Pikant: sie werde von einem der vielen Subventionstöpfe des Schweizer Staates unterstützt. Aber damit entschlief die Story auch selig.

Bis nun die «Weltwoche» eine Bombe platzen liess. Laut Untersuchungsakten habe es tatsächlich eine mit Dokumenten belegte, heisse aussereheliche Liebesaffäre des Magistraten gegeben. Das sei im Jahr 2012 geschehen, im November 2019 habe dann die abgelegte Geliebte von Berset die Übergabe von 100’000 Franken gefordert; zur Begleichung von angeblichen «Schulden» und für die Kosten, die eine Abtreibung verursacht habe.

Ein Skandal? Was für ein Skandal, meinen die Mainstream-Medien.

Damit wurde die pikante Beziehung öffentlich; Berset reichte Strafanzeige ein, die Dame wurde wegen versuchter Erpressung verurteilt. Im Vorfeld hatte der Bundesrat seinen Stabschef damit beauftragt, mit der Erpresserin Kontakt aufzunehmen und sie von ihrem Vorhaben abzubringen, an die Öffentlichkeit zu gehen oder Kontakt mit Bersets Frau aufzunehmen.

Zitate aus brisanten Untersuchungsakten, fröhlich enthüllt

Laut Untersuchungsakten soll die Dame per E-Mail gedroht haben:

«Wenn herauskommt, dass Herr Bundesrat seine Frauengeschichten durch einen vom Staat finanzierten Sekretär abhandeln lässt, könnte sich die Täterrolle wegen Amtsmissbrauchs auf Ihren Chef wenden.»

Da war dann natürlich Feuer im Dach, die Affäre wollte «alles auf den Tisch legen» an die Öffentlichkeit gehen und Strafanzeige wegen Nötigung und Amtsmissbrauch stellen.

Daraufhin wurde die Frau von der Elite-Einsatztruppe «Tigris» der Bundesanwaltschaft verhaftet, ihre Wohnung durchsucht und ihre Computer beschlagnahmt. Am 14. September 2020 wurde sie wegen «versuchter Erpressung» verurteilt. Dann die plötzliche Wende, laut «Weltwoche»:

«Plötzlich nahm sie per vierseitigem zivilrechtlichem Dokument unter Entschuldigung an die Adresse des Ehepaars Berset sämtliche Vorwürfe zurück. Weder habe ihr Alain Berset ein späteres gemeinsames Leben versprochen noch sei sie von ihm schwanger gewesen noch habe er sie zum Abbruch der Schwangerschaft genötigt und dafür 100 000 Franken versprochen.»

Eine Stillschweigensvereinbarung legt den Mantel des Schweigens über die Vorfälle, im Gegenzug soll BR Berset auf alle Forderungen wie Parteienentschädigung verzichtet haben.

Sollten diese Exzerpte von offiziellen Untersuchungsakten zutreffend sein, handelt es sich um einen veritablen Politskandal, käme endlich Farbe in den beamtengrauen Berner Bundesratsalltag. Wäre das Überstülpen eines Treichler-T-Shirts Pipifax dagegen.

So sieht ein Skandal aus – laut Tamedia.

Darüber schüttete Tamedia auf einen Schlag drei Artikel, geschrieben von vier der wenigen überlebenden Redaktoren. Hier wird nun einem Magistraten Amtsmissbrauch und der Einsatz von Herrschaftsmitteln sowie Personal vorgeworfen, um aus einer Liebesaffäre so unbeschädigt wie möglich herauszukommen.

Sollte sich das bewahrheiten, wäre das ein Knaller, der möglicherweise mit einem Rücktritt enden müsste. Also eigentlich DAS Thema des Tages, wenn nicht der Woche.

Vom Treicheln betäubt oder neidisch?

Status im Mediensumpf: dröhnendes Schweigen. Null, nix, nada. Gar nicht erst ignorieren, kein Wort drüber. Was macht eigentlich Bundesrat Maurer, was gibt’s zum Abendessen und wird es am Wochenende wohl regnen?

Erst nach längerem Grübeln erschienen am Donnerstagabend die ersten Meldungen in der NZZ, Tamedia oder auf CH Media. Tenor: alles kein Ding, Privatsache, kein Fehlverhalten des Bundesrats erkennbar.

Geradezu abenteuerlich legt sich der «Blick» für den Bundesrat ins Zeug. Der Einsatz der Sondereinheit «Tigris» habe damit zu tun, dass BR Berset damals mit Drohanrufen belästigt worden und es nicht klar gewesen sei, ob die Erpresserin damit etwas zu tun habe.

Der «Blick» wäscht weisser.

Damit wird der Berset-Skandal noch zu einem Medien-Skandal. Bei allem Neid, bei allem Hass, bei aller Aversion gegen die «Weltwoche»: das ist nun ein Primeur erster Güte, der sofort vermeldet werden müsste. Wenn der Journalismus der Mainstream-Konzerne noch Minimalanforderungen an Qualität und Berichterstatterpflicht genügen würde.

Es sei im Übrigen kein Fehlverhalten Bersets erkennbar, weiss das Boulevardblatt: «Die Vorwürfe lassen sich kaum stützen.» Das Verfahren wegen Erpressung sei abgeschlossen, fügt es mit drohendem Unterton hinzu, aber es «könnte wegen des Artikels ein Verfahren geben».

Nur IP vermeldet sofort – und bricht damit alle Visitors-Rekorde mit über 100’000 Lesern.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass es wirklich keinen Grund gibt, die veranstaltenden Verlegerclans für solche Leistungen mit einer weiteren Milliarde Steuergelder zu unterstützen. Das haben sie wirklich nicht verdient.

Psst! Nicht an die grosse Glocke hängen.

Neues aus dem Brutkasten der Demagogie

Wir hätten die «Medienwoche» schon fast abgeschrieben: Kinderkrams-Postille. Wir denken um.

Denn gerade blubberte Marko Kovic, aber gewaltig. Auf 18’500 Anschlägen rechnet er mit dem sich gerade formierenden «intellectual dark web» (IDW) auf Deutsch ab. Also mit der dunklen, rechten Seite des Denkens, also des Falschdenkens.

Dunkler jüdischer Geist: Henryk Broder.

Hier träten Exponenten auf, die zwei Dinge einen. Sie  wollten «über den Dingen stehen und all die Probleme ansprechen, die im «Mainstream»-Diskurs vermeintlich zu kurz kommen». Als ob das nicht schon schlimm genug wäre; die Mitglieder dieser «Gegenöffentlichkeit» sind voll bescheuert:

«Die wissenschaftliche Sicht auf die Gefahren von Covid-19 und auf die Wirksamkeit von Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie lehnen sie ab. Stattdessen proklamieren sie, die wahre Wahrheit zu kennen

Da irren sie aber gewaltig, denn natürlich kennt die nur Kovic himself, logo. Aber wer oder was gehört denn zu diesem deutschen IDW? Hier wird’s enttarnt: «Personen wie Milosz Matuschek, Gunnar Kaiser, Roger Köppel, Milena Preradovic, Tamara Wernli, Daniel Stricker, Henryk Broder und Plattformen wie «Die Achse des Guten», der «Nebelspalter», «Die Weltwoche», der «Schweizer Monat» bilden prominente Knotenpunkte im deutschsprachigen IDW.»

Furchtlos steigt Kovic ins Grauen hinab.

«Quasi-journalistische Meinungspublikationen bis hin zur NZZ»

Da werde eine «Echokammer der Gleichdenkenden» bespasst, echot Kovic den gleichen Vorwurf, der zwischen allen Gesinnungsgruppen hin und her geworfen wird. Zudem beklagten sich diese Exponenten des deutschsprachigen IDW darüber, dass im Rahmen einer Cancel Culture sie nicht oder nur ungenügend zu Worte kämen. Völliger Quatsch, meint Kovic, die bespielen doch die gleichen Plattformen wie er, beziehungsweise haben ihre eigenen Spielplätze: «Von «alternativen» Kanälen wie YouTube und Podcasts über quasi-journalistische Meinungspublikationen wie die «Weltwoche» oder den «Schweizer Monat» bis hin zur Neuen Zürcher Zeitung.»

Senden aus der eigenen Echokammer.

Quasi journalistische Meinungspublikation NZZ? Spätestens hier muss man sich um die Diskrepanz zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung durch Kovic ernsthaft Sorgen machen. Denn er geht den Weg nach Absurdistan unbeirrt weiter. Vor allem im Zusammenhang mit der Corona-Debatte sei bei diesen Irrläufern (meint der Irrläufer) ein weiteres Problem zu beobachten: «Eine nüchterne, ergebnisoffene und breite Auseinandersetzung mit der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz» fehle «immer». Denn «einzelne «Expertenmeinungen» wie jene der prominenten wissenschaftlichen Corona-Querdenker Beda Stadler, Wolfgang Wodarg oder Suchard Bhakdi» zählten mehr «als umfassende, systematische wissenschaftliche Übersichtsarbeiten». Die diesen «Querdenkern» natürlich allesamt unbekannt sind, sonst würden sie ja nicht quer denken, die Armen.

Kovic hingegen hat den unbestechlichen Röntgenblick:

«Unter der gekünstelten Rationalitäts-Patina verbirgt sich nämlich nicht nur eine eigentliche, oft mit Sarkasmus und Häme zelebrierte Irrationalität, sondern auch eine konservativ-reaktionäre Weltsicht.»

Könnte auch aus dem «Nebelspalter» stammen:
Kovic auf seiner Webseite (Screenshot).

Das wäre ja nun soweit eine lässliche Sünde, über die sich Kovic in seiner Echokammer zwar gewaltig aufregen darf, aber noch nicht richtig gesellschaftsgefährdend. Oder eben doch:

«Die selbsterklärten Retter:innen des rationalen Diskurses sind in Tat und Wahrheit dessen Totengräber:innen.»

Zunächst ist Kovic ein Totengräber des korrekten Gebrauchs der deutschen Sprache. Dann ist er Totengräber logischer Grundprinzipien und Regeln eines sinnvollen Diskurses: These, dann Begründung oder Herleitung. Behauptung, begründungslos oder mit absurder Unterfütterung, das ist reine Demagogie.

Kovic weiss, wer zur dunklen Seite der Macht wechselt.

Sinnlos, zwecklos, hirnlos, intellektuell anspruchslos, aber in «Republik»-Länge. Kovic will diese Stimmen einer Gruppe zuordnen, diese Gruppe in eine gemeinsame Geisteshaltung pressen, die lächerlich machen und denunzieren. In «quasi-journalistischen» Organen äusserten die unwissenschaftlichen Stuss und beschwerten sich öffentlich darüber, dass man sie öffentlich nicht genügend wahrnehme. Ein Trottelhaufen, mit anderen Worten. Lächerlich, aber gefährlich.

Der Mann in seiner Meinungsblase, in Denkerpose.

Gemach, lieber Herr Kovic, das eignete sich vielleicht als Selbstdiagnose. Nur: gefährlich, das sind Sie wirklich nicht.

 

 

 

Die Umwelt wird Gut

Bäumlein, wechsle dich. Philipp Gut ist einer Berufung nachgegangen. Werden das beide – die Umwelt und er – überleben?

Das nennt man eine Wendung, er nennt’s sicher konsequent. Philipp Gut wurde als stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche» bekannt. Unverbrüchlich an der Seite von Roger Köppel war er immer mal der Mann fürs Grobe. Der dann auch wegen übertriebener Härte Niederlagen vor Gericht einstecken musste.

Er war der bissige Pitbull (wenn man das Verdikt der Kämpferin gegen Herabwürdigung und Sexismus zitieren darf, was im Fall Claudia Blumer aber nicht für Roger Schawinski gilt), der Verfolger, der Nachfasser. Aber er war auch immer wieder für eine Überraschung gut; so hat er beispielsweise den letzten noch lebenden Jahrhundertzeugen und Chefankläger am Nürnberger Gerichtshof uns wieder in Erinnerung gerufen. Denn Ben Ferencz ist trotz seines biblischen Alters von 100 Jahren noch voll da, beeindruckend und berührend.

Aus den Begegnungen hat Gut ein Buch gemacht, das Respekt abnötigt. Dann gab es plötzlich einen bis heute nicht erklärten Abgang; Gut machte sich selbständig. Und taucht nun wieder auf als Verleger der «Umwelt Zeitung» auf. Etwas überraschend, denn Gut ist bislang nicht wirklich für seinen grünen Daumen oder als Vorkämpfer für Umweltthemen aufgefallen.

Da wird es in der lange Reihe seiner Artikel in der WeWo, die bekanntlich an den meisten Horrormeldungen von Umweltschützern zweifelt, sicher ein paar Trouvaillen zu heben geben.

Aber man kann ja auch älter und weiser werden. Neu hat sich Gut auf seine ergrünende Fahne geschrieben: «Wir wollen das Megathema ‹Umwelt› in seiner ganzen Bandbreite und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.» Das ist nun noch ein bitzeli wolkig, neblig, vielleicht konturlos. Geht’s nicht eine Birkenstocksandale konkreter? Nun, er will die «Umwelt Zeitung» als «im besten Sinne liberale Plattform für Innovation und Debatte» positionieren.

Mit wem und gegen wen soll sich die «Umwelt Zeitung» positionieren?

Das würde wohl bedeuten, in der Nähe der Grünliberalen, die nach anfänglichen Erfolgen durchaus mal wieder Schub gebrauchen könnten. Aber wie steht es dann mit den Grünen? Mit all den Umweltverbänden? Wie wird er seine Vorliebe für Sportwagen da einbringen? Wie könnte er gar die SVP ins Boot holen, die nun nicht gerade als die Umweltpartei gilt?

Zum Start haben Neu-Verleger Gut sowie Inhaber und Geschäftsführer Guiseppe Nica, unterstützt von Franciska Nica, eigentlich nur den üblichen Managermüll geäussert: «hochkompetenter Medienprofi», schwelgt Nica über Gut, und selbstverständlich: «Ich bin überzeugt, dass die Umwelt Zeitung mit ihrem einzigartigen Qualitätsprodukt sehr erfolgreich am Markt sein wird.»

Nun ist es aber auch nicht in der Wolle gefärbten Grünen bekannt, dass dieses Klientel ein eher schwieriges ist. Es ist, gelinde gesagt, eher breit aufgestellt. Vom esoterischen Kraftkristall-Jünger mit Vollklatsche über konsequente Selbstversorger mit Hass auf die umweltzerstörende Zivilisation, über Bäume-Umarmer, Waldverteidiger, Autofeinde, Gletscherschützer bis hin zu politischen Grünen und Grünliberalen.

Wenn man sich die Themen der aktuellen «Umwelt Zeitung» anschaut, dann spriesst dort wirklich nur das Grüne. «Sichere Investition Wärmepumpe», «Rekordwachstum der Schweizer Solaranlagen», «der Klimawandel ist bereits spürbar», ein Bericht der «Mbyá Guaraní» aus Argentinien, die als indigenes Volk «von und mit der Natur leben», aber von Vertreibung bedroht sind.

Philipp Gut wächst in eine neue Aufgabe rein.

Mehr Platz für Velowege, natürlich, ÖV statt Individualverkehr mit Autos (dazu gehören leider auch Sportwagen), ob diesem Publikum eine Kampagne von Philipp Gut aus dem Jahr 2018 gefällt? «Züge sind lärmiger als Autos», fasste Gut damals seine Erkenntnisse zusammen. Dann zählte er eine ganze Reihe von Orten auf, in denen die Bevölkerung «gegen die aus ihrer Sicht unzumutbare Lärmbelastung durch Züge auf die Barrikaden geht».

Wir wünschen natürlich viel Glück und gutes Gelingen; sind aber auch gespannt darauf, wer gegen die für ihn unzumutbare Gutbelastung auf die Barrikaden geht.

Eine Medienkritik und ihre Geschichte

Dritte Lieferung. Hier werden Fundstücke obduziert, um ihre Todesursache zu finden. Heute die Medienkritik in der «Weltwoche».

Medienkritik hat sich zu einem Gefäss für gelegentliche Ausfälle denaturiert. Gilt es, einen neuen, ungeliebten Konkurrenten fertigzumachen, okay. Aber sonst? Traut sich keiner, will keiner, kann keiner.

Logisch, ausser ZA … nein, kein Eigenlob. Sondern: sozusagen der letzte Mohikaner der regelmässigen Medienkritik ist Kurt. W. Zimmermann. Inzwischen viel länger bei der «Weltwoche» unterwegs als beim «Schweizer Journalist» (SJ).

Sympathisch macht ihn, dass er ohne Rücksichten auf Verluste oder eigene Flops gegen alle und alles austeilt. Dabei liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Frank A. Meyer, wer von beiden mehr Millionen verröstet hat. Der eine bei Tamedia, der andere bei Ringier.

Eine weitere Ähnlichkeit ist: beide neigen dazu, aus eigenem Antrieb oder auch aus fremdem Fertigmacherjournalismus zu betreiben. Frank A. Meyer musste nach der Borer-Affäre wegen übertriebener Härte kurzzeitig auf die Strafbank.

Die Hintergründe zum Wechsel Projers, brühwarm serviert

Das ist Zimmermann noch nie passiert. Aktuell – logisch – nimmt er sich natürlich auch DER News im Medienkuchen an. Wie kann es nur sein, dass Jonas Projer von Blick-TV direkt in den Olymp der Chefredaktion der NZZaS einzieht?

Wofür sogar der dort amtierende und nichtsahnende Chefredaktor weggeräumt werden musste? Ideal für Zimmi, seine Muskeln spielen zu lassen und den bösartigen Insider zu geben. Allerdings mit Hygienemaske vor dem Mund, damit ihm keiner was kann. Weil’s durchaus raffiniert gemacht ist, eine kurze Obduktion.

Steht Zimi mehr auf Michael Mann und Al Pacino?

Der Einstieg muss schon alles klar machen. Projer habe sich mit seinem ersten Auftritt in einer Videobotschaft lächerlich gemacht. Er müsse noch viel lernen, habe er gesagt, seither werde er auf der NZZaS-Redaktion als Dilettant verspottet. Weiss Zimmermann. Weiss dort aber keiner. Ist halt immer so eine Sache mit anonymen Quellen.

Aber schliesslich stimme das auch, wetzt Zimmi das Messer. Projer habe in seinen 15 Jahren Journalismus keine Sekunde auf einer Zeitungsredaktion gearbeitet. Stimmt zwar nicht ganz, hört sich aber gut an.

Erste Zwischenbilanz: das sei so, wie wenn man einen Mann ins Cockpit setze, der vorher als Buschauffeur gearbeitet habe. Abgesehen davon, dass Christian Dorer immer noch als Buschauffeur arbeitet: diese Welten trennen die NZZaS von allen anderen Medien? Wow.

Nun noch die Frage: wieso denn eigentlich dieser Wechsel?

Also, Pfeife am Gerät. Nun zur Frage: warum bloss? Da war Zimmi offenbar das Mäuschen bei Gipfeltreffen in den Häusern NZZ und Ringier. Denn er weiss: die NZZ war angepisst, weil sich unter Luzi Bernet das Blatt immer mehr in ein «bunt-rot-grünes-Jekami» verwandelt habe. Weiss Zimmi, aber auch nur er.

Oder auf Gene Hackman und Francis Ford Coppola?

Auf diesem einsamen Weg geht er weiter durchs «soll doch einer das Gegenteil beweisen»-Gebüsch. Zunächst habe die NZZ Patrik Müller von CH Media und Christian Dorer vom «Blick» die Chefredaktion der NZZaS angeboten. Komisch, dass die beiden davon nichts wissen, und Dorer nun wirklich nicht in Frage gekommen wäre.

Jetzt kommt ein raffinierter Doppelschlag. Wieso hätten die beiden abgelehnt? Aus Loyalität zu ihren Verlagshäusern. Projer, als «zweite Wahl», habe hingegen «kein Problem mit Illoyalität».

Eine interessante, neue Definition dieses Begriffs. Wer bleibt, ist loyal. Wer selber kündigt, ist illoyal. Aha, und wie kann man dann das Verhalten des Ringier-Konzerns bezeichnen, der alleine in den letzten 20 Jahren eine beeindruckende Latte von «Blick»-Chefredaktoren verschlissen hat? Die haben loyal alle nicht gekündigt, die wurden – offenbar bei einem Konzern keinesfalls Ausdruck von Illoyalität – allesamt gefeuert.

Illoyal war das, aber was ist der tiefere Grund für die Kündigung?

Projer ist schlichtweg die erste Führungsfigur beim «Blick», die es gewagt hat, selber zu gehen. Obwohl doch Marc Walder Blick-TV als sein Herzensprojekt, als seinen Liebling bezeichnet. Da kann man dann nicht nur von Illoyalität, sondern geradezu von Liebesentzug reden. Aus der Sicht von Ringier.

Aber wieso ist nun Projer gegangen, er war ja (noch) nicht loyal gefeuert worden beim «Blick». Auch dazu hat Zimmermann eine steile These: er musste gehen, weil er sich «in einer charakterlichen Sackgasse» befunden habe.

Was ist denn das? Nun, Zimmi habe bei Ringier mit Krethi und Plethi geredet; das Urteil sei «so einhellig negativ, dass einiges daran sein muss». Woran? «Egozentrische Drama-Queen», beratungsresistenter «permanenter Besserwisser». Kein Wunder, kam es «regelmässig zum Knall». Bis zum bitteren Ende: «Am Schluss war der nicht teamfähige Projer im Newsroom des «Blick» völlig isoliert.»

Meiner Treu, was man aus Gesprächen mit einem einzigen Informanten, der auch mir ganz heissen Scheiss gegen Projer anbot, herausmelken kann. Ich lehnte ab, weil ich keine ausschliesslich auf anonymen Beschimpfungen basierende Artikel schreibe. Zimmi ist da offenbar schmerzfrei.

Und in welcher Sackgasse befindet sich Zimmermann?

Bleibt nur die Frage, in welche charakterliche Sackgasse sich Zimmermann selbst manövriert hat. Als ehemaliger Angestellter findet er es tatsächlich illoyal, wenn jemand kündigt, weil er etwas Besseres in Aussicht hat? Loyal hingegen sei, solange auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, bis die Führungsetage der Besitzer beschliesst, dass da mal wieder eine Rübe runtermuss? Also wurde auch Zimmi loyal beim SJ gefeuert?

Was würde Zimmermann davon halten, wenn man über ihn eine solche Kloake aus nur anonymen Quellen geschöpft giessen würde? Wenn ich Zeit für so einen Quatsch hätte, könnte ich das locker zusammenfantasieren. Ich halte aber nichts von solchem Hinrichtungsstil. Weder bei Zimmermann, noch bei den erregten Tagi-Frauen, die schärfste Anschuldigungen öffentlich herumbieten – mit ausschliesslich unbelegten, anonymen, nicht verifizierten Beispielen.

Briefe und anonyme Zitate, zwei neue Hobbys der Journalisten

Leider stösst auch Michèle Binswanger ins gleiche Horn. Sie hat sich zwar tapfer vom Protestschreiben der 78 Tamedia-Mitarbeiterinnen distanziert, nimmt aber ein anonymes Schreiben, das in der NZZ herumgeistern soll, zum Anlass, auf den designierten Chefredaktor der NZZaS einzuprügeln. Unter Verwendung genauso anonymer, genauso abwertender Meinungszitate von einem angeblichen Headhunter, der Projer für das Allerletzte hält.

Gesprächspartner, die sich sehr positiv über Projer äusserten, lässt Binswanger unter den Tisch fallen, auch sie kennt den guten Satz: Lass dir nie von der Wahrheit eine gute Geschichte kaputtmachen. Auch die Tatsache, dass sie gegenüber Projer nun wirklich befangen ist, hindert sie nicht daran, über ihn herzufallen. Nun, dass Tamedia kein Frauenproblem hat, aber ein Qualitäts- und Qualitätskontrollproblem, das war schon vor diesem Artikel bekannt.

Einfalt im Einheitsbrei

Kritik wird in der Pandemie nur sehr ungern gesehen. Vor allem, wenn sie fundiert ist.

Die Sparmassnahmen im heutigen Elendsjournalismus berücksichtigend, habe ich lange die Hoffnung nicht aufgegeben. Dass die fundierte Recherche auf einer angesehen Plattform von namhaften Autoren wenigstens missmutig zur Kenntnis genommen wird.

«Wissenschaft im Pandemiemodus» erschien am 19. Februar 2021 auf «Re-Check». Geschrieben von zwei Expertinnen auf dem Gebiet. Es ist eine finale Abrechnung mit dem «seltsamen Fall der Swiss National Covid-19 Science Task Force».  Fast 33’000 Anschläge lang. Aber im Gegensatz zu «Republik»-Riemen prallvoll mit Belegen, korrekten Schlussfolgerungen und sehr sparsamer Polemik.

Vernichtendes Ergebnis: Diese Vereinigung von Wissenschaftlern fällt bei jedem Kriterium durch, das man auf sie anwenden kann – und denen sie sich selbst verschrieben haben. Es ist eine wirklich erschöpfende und fundierte Recherche. Wohl genau aus diesem Grund hielt sich das mediale Echo in sehr überschaubaren Grenzen. Während von den Mainstream-Medien jeder Rülpser aus Bern kolportiert (und meistens auch applaudiert) wird, herrschte und herrscht hier Schweigen.

Was nicht passt, wird nicht passend gemacht

Nur die üblichen (wenigen) Verdächtigen äusserten sich öffentlich. Also Markus Somm in seiner Kolumne, die WeWo, medinside.ch und heidi.news. Dann noch eine beckmesserische Abrechnung in der «Medienwoche», und das war’s. Eigentlich unvorstellbar. Normalerweise füllen die Kindersoldaten in den Newsräumen mit zwei Telefonaten und einer Google-Recherche locker eine Zeitungsseite; neben den mageren Ergebnissen aufgepolstert mit Meinung.

Aber wenn hier die fehlende Legitimation, die Nichteinhaltung von Regeln, die Weltuntergangsszenarien in Wiederholungsschlaufe, die öffentliche Kakophonie, die völlige Vernachlässigung von Grundlagen der evidenzbasierten Medizin dieser Task Force geradezu chirurgisch zerteilt wird, dann herrscht Schweigen.

Interne Mails, externe Stellungnahmen, eine solche Recherche sollte eigentlich exemplarisch an die Wände in den Newsrooms genagelt werden. Das geschieht aber deswegen nicht, weil sich die Frage erhöbe: Schon, aber die hatten doch mehr als eine Stunde Recherchierzeit, nicht?

Was einem nicht in den Kram passt zu ignorieren, das ist menschlich. Eine solch fundierte Kritik zu ignorieren, ist nicht nur unprofessionell. Es ist dumm.

Wernli hat man nicht gernli

Seien wir ehrlich: die «Weltwoche» hat ein Frauenproblem. Katharina Fontana geht. Bedauerlich. Wernli bleibt. Bedauerlicher.

Die Kolumne von Claudia Schumacher hat einen grossen Vorteil. Man kann sie so schnell überblättern, dass es nicht mal einen Phantomschmerz gibt. Bei Tamara Wernli kann man höchstens sagen, dass durch ihre Kolumne der Begriff «letzte Seite» eine tiefere Bedeutung bekommt.

Wir haben sie schon mal streng zurechtgewiesen, dem Hinweis eines sprachlos gequälten Lesers folgend. Aber so ist’s mit der heutigen Jugend und auch mit nicht mehr so jugendlichen Kolumnistinnen: schwerhörig, beratungsresistent. Ausserdem ist das auch unnötig: wenn man nix anderes kann und immer wieder eine geschützte Werkstatt findet, wo man mit der staubigen Bröseligkeit des gleichnamigen Guetzlis immer wieder die einzigen Trümpfe ausspielt: Frau, konservativ, provokativ.

Leider bedient sie auch alle Vorurteile, die es gegen echte und unechte Blondinen gibt. In ihrer neusten Kolumne in der «Weltwoche» begibt sich die Video-Bloggerin leider in Themengebiete, von denen sie keine Ahnung hat. Das zeichnet auch ganz allgemein ihre Schriftstücke aus, aber diesmal ist’s besonders schmerzlich.

Was unterscheidet Wernli von Marie-Antoinette?

Das fängt beim Titel an und zieht sich bis zum letzten Satz durch. «Die Marie-Antoinette des ZDF», was will uns die Blondine damit sagen? Kommt da was mit Brot und Kuchen, mit Guillotine? Indirekt, sehr indirekt, denn Wernli köpft tatsächlich Logik, Zusammenhänge und verständliche Schlussfolgerungen.

Soweit ich den Flachgebieten der eher zusammenhangslosen Sätze folgen konnte, geht es Wernli darum: Jan Böhmermann, «einer der bekanntesten Entertainer im deutschsprachigen Raum», verführt viele junge Menschen zum Sozialismus. Ohä, und das erst noch unter weiss gepuderte Perücke mit einer Kratzhand aus Elfenbein, das Mieder züchtig geschnürt? Moment, das müssen wir so stehenlassen, Erklärung folgt.

Erregungsbewirtschaftung à la Geissens.

Wie tut er das denn? Mit Aufforderungen, Marx, Engels oder Lenin zu lesen? Indem er sich lobend darüber äussert, dass Marie-Antoinette wie auch ihr Gatte geköpft wurden? Nicht ganz. Er fordere nämlich «Google verstaatlichen, Facebook enteignen und Twitter regulieren».

Tiefenpsychologie Wernli starrt auf Schreckliches

Wernli gibt sich schockiert, etwa so wie Marie-Antoinette, wenn ihr Gatte den Wunsch nach schon wieder einem neuen Juwelengehänge wegen Ebbe in der Kasse ablehnen musste. Man stelle sich vor, entrüstet sich das Wernli, da hätten Unternehmer was Grossartiges aufgebaut, und nun wolle Böhmermann das denen einfach wegnehmen. Schlimmer noch: «Enteignungsfantasien lassen ja immer tief in die Seele eines Menschen blicken», weiss Tiefenpsychologin Wernli. Und sie erblickt Schreckliches.

Da Böhmermann auf Twitter User blocke, mit deren Meinung er nicht übereinstimme (wer errät, welcher User das sein könnte?), soll mit dieser Verstaatlichung «Leuten, die Dinge sagen, die er für falsch hält, die entsprechenden (privaten) Plattformen entzogen werden – also sollte ein bisschen die demokratische Mehrheitsgesellschaft enteignet werden.»

Hier muss ich dem Leser helfen; ich brauchte auch eine ganze Weile, um diese Logik ansatzweise nachvollziehen zu können. Mein Resultat stundenlanger Bemühungen, einen tiefen Blick in das gedankliche Chaos von Wernli zu werfen: Böhmermann will diese Internet-Giganten verstaatlichen, zumindest regulieren. Soweit noch einigermassen verständlich.

Wir schreiten unbeirrt in einem gedanklichen Labyrinth voran

Warum? Weil damit Leuten, mit deren Meinung er nicht übereinstimme, das Maul gestopft werden könne, was dann die «demokratische Mehrheitsgesellschaft» enteigne. Ich gebe zu: hier bin ich dann erschöpft zurückgesunken. Nix verstan. Wenn ich nicht ganz falsch informiert bin, treffen ja zurzeit die grossartigen privaten Unternehmer die Entscheidung, wer auf Twitter und Facebook gesperrt wird (zum Beispiel Trump).

Gleichzeitig erlegt ihnen der Staat, zum Beispiel der deutsche, die Pflicht auf, selbst dafür zu sorgen, dass strafrechtlich relevante, hetzerische, rassistische oder menschenverachtende Posts schnell gelöscht werden. Falls nicht, drohen happige Bussen. Also ist doch das eigentliche Problem, dass hier staatliche Kontrollmacht, nämlich das Bestimmen und die Durchsetzung aller Regeln und Normen innerhalb eines Rechtsstaats, an private Akteure weitergereicht wird.

Ungeheuerlich bedenklich. Und während jedes Medienorgan, auch die «Weltwoche», nicht nur für die Inhalte der Schreiber verantwortlich ist, sondern auch für Kommentare, denen eine Plattform gegeben wird, konnten sich die Internetgiganten bislang auf eine Ausnahmeregelung in der US-Gesetzgebung stützen. Sie seien keine Medienorgane, bei ihnen würden nur Privatpersonen einen Meinungsaustausch betreiben, und ausserdem sei es gar nicht möglich, Milliarden von Posts jeden Tag zu kontrollieren.

Was verstand schon Marie-Antoinette vom Internet?

Also Rückzug des Rechtsstaats, Wildwest im Internet, wie das Armdrücken von Facebook mit Australien zeigt, zudem die arrogante Machtfrage, ob Facebook stärker ist als der australische Staat oder nicht. Ob Facebook weiterhin mit Kundendaten, mit Werbung, mit völliger Verantwortungslosigkeit und haftungsfrei unkontrolliert Milliarden verdienen kann – oder nicht.

Aber von Wirtschaft, Machtfragen, Rechtsstaat, Verantwortlichkeiten hat Wernli ungefähr gleich viel Ahnung wie Marie-Antoinette. Ach ja, und wieso sei die in Böhmermann wiederauferstanden? Nun, ich hab’s auch nicht verstanden, aber ich kann’s referieren: Sollte Böhmermann sich nicht im Klaren sein, dass seine Enteignungsideen «absurd» seien, dann würde das bedeuten, dass sich «die Marie-Antoinette des ZDF überhaupt nicht mehr spürt, sich für unantastbar hält.»

Um das zu verstehen, braucht man entweder einen viel grösseren oder einen viel kleineren Kopf, als ich ihn habe. Ich als Sprachrohr der demokratischen Mehrheitsgesellschaft gebe zu Protokoll: Ein Verzicht auf Wernli in der «Weltwoche», damit sie sich voll auf den «Nebelspalter» konzentrieren kann, würde ich weder als Enteignung, noch als Zensur empfinden. Im Gegenteil. Als Erleichterung und Bereicherung.

Als der Tagi angebräunt war

In letzter Zeit verwandelt sich der «Tages-Anzeiger» in ein Frühwarnsystem vor dem Faschismus.

Im Sport, in der Politik sowieso, fast überall und jederzeit, der Tagi kann nicht häufig genug vor braunen Zeiten warnen. Kein Anlass zu nichtig; wenn der Möchtegern-Schriftsteller Lukas Bärfuss zu einer seiner wirren und holprigen Reden zur Zeit ansetzt, dann titelt der Tagi: «Die Nazis sind nie weggewesen».

Offensichtlich hat er solche Andeutungen auch zu häufig Richtung SVP, Donald Trump oder gar Roger Köppels «Weltwoche» gemacht. Also schlug das Magazin zurück. Titelgeschichte «Hitlers Schatten über dem Tages-Anzeiger». Hier blättert Christoph Mörgeli genussvoll durch die Berichterstattung der 30er-Jahre und findet Absonderliches bis Widerliches. Artikel von Adolf Hitler und anderen Nazi-Grössen, mehr als bedenkliche eigene Positionen, eher übel.

Aber kein Anlass für den antifaschistischen Tagi von heute, die eigene Vergangenheit nochmals aufzuarbeiten. Denn das sei schon längst geschehen. Im Wälzer «Medien zwischen Geld und Geist», 1993 zur Feier 100 Jahre Tages-Anzeiger erschienen. «Der Artikel der «Weltwoche» enthält keine Informationen darüber hinaus», teilt die Tagi-Kommunikationschefin persoenlich.com auf Nachfrage mit.

18 Seiten über den Tagi in braunen Zeiten

Das hätte sie vielleicht besser gelassen. Obwohl die damalige Festschrift weder beim Tagi selbst, noch digital vorhanden ist, ist dem Rechercheur natürlich nichts zu schwör. Der 530 Seiten dicke Wälzer ist antiquarisch für zwei Franken erhältlich. Offensichtlich hielt und hält sich das Interesse in überschaubaren Grenzen.

Darin findet sich tatsächlich ein Kapitel «Die Bewährungsprobe des Nationalsozialismus». Garantiert völlig unparteiisch schlängelt sich hier der langjährige Tagi-Redaktor Hugo Wild durch diese Thematik. Sicherlich kann man in einer Jubelbroschüre keine brutalstmögliche Abrechnung mit dem Verhalten des Tages-Anzeigers in den braunen Jahren erwarten.

Aber die grosse Milde, die Wild hier walten lässt, vermisst man doch heutzutage, wenn der Tagi bei allem, das rechts von der SP steht, tendenziell immer mit dem Faschismusverdacht zur Hand ist. Ein Seite-1-Artikel von Hitler aus dem Jahr 1931? Nun ja, auch Mussolini durfte mehrfach seine Positionen erläutern. Aber natürlich auch Winston Churchill, US-Präsident Herbert Hoover, usw.

Milde und Verständnis im Nachhinein

Genauso verständnisvoll begegnet Wild der lange gepflegten Abstinenz des Tagi, Taten oder Untaten Hitlers zu verurteilen. Oder er hoffte schon damals, dass viele Leser sich gar nicht mehr an diese Zeiten erinnerten. So zitiert Wild kommentarlos die Schlagzeile vom 2. Juli 1934: «Hitler unterdrückt eine Meuterei gegen das Dritte Reich». So logen die Nazis die brutale Ausschaltung der Führung der SA um, als «Röhm-Putsch», obwohl der SA-Chef gar keinen geplant hatte. Sondern mit rund 100 weiteren SA-Chargen liquidiert wurde, weil er Hitler zu mächtig war.

Als Höhepunkt seiner «Kritik» räumt Wild ein, dass ein Artikel vom 1. August 1933 im Tages-Anzeiger, der das «Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses» «nahezu kritiklos referiert» hatte, das sei «heute, wo man von der späteren (!) Dämonisierung der ganzen Rassenlehre weiss, tatsächlich nicht leicht zu verstehen». Ausser diesem kleinen Verständnisproblem und der Lüge, dass die Nazi-Rassenideologie damals gar noch nicht bekannt gewesen sei, sieht Wild eigentlich keinen Anlass zur «Aufarbeitung».

Alles kalter, brauner Kaffee?

Also alles alter Kaffee, längst eingestanden, erledigt, bewältigt? Im Gegenteil; Mörgeli hat tatsächlich einige Argumente, die diese Reaktion als Schutzbehauptung, als Ausdruck völligen Desinteresses an der eigenen Vergangenheit, erscheinen lassen.

Alleine schon ein paar weitere Zitate, die Wild wohlweisslich unter den Tisch fallen lässt, zeigen einen recht angebräunten Tagi: Das leider misslungene Attentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller sieht das Blatt als «Fügung des Schicksals». Zum Blitzkrieg gegen Frankreich 1940 fällt dem Tagi ein: «Die militärische Leistung der Deutschen zwingt uns Achtung ab.» Und den Überfall auf die Sowjetunion sieht der Tagi applaudierend als «Kreuzzug gegen den Bolschewismus».

Zudem verliert das Tagi-Werk kein Wort über weitere familiäre Verstrickungen in das Deutsche Reich. Die Erbengemeinschaft, der auch Berta Coninx-Girardet angehörte, mit derem Geld Otto Coninx den Tagi erworben hatte, bot dem deutschen Regime an, ihm ihr sogenanntes Feuerschlösschen bei Bonn als Gauführerschule der NSDAP zu überlassen. Für zehn Jahre kostenlos, versteht sich, unterzeichnet mit «Heil Hitler».

Keine wohlfeile Kritik an Früherem, aber an Gegenwärtigem schon

Es wäre wohlfeil, mit dem heutigen Kenntnisstand über solche Missgriffe, Fehler, Verirrungen oder schlichtweg Opportunismus herzufallen. Wem aber das F-Wort so leicht in die Tastatur gerät, wer so häufig und gerne mit dem Zeigefinger wackelt und da und dort und aller Orten Gebräuntes denunzieren will, der kann sich sicherlich nicht mit der faulen Ausrede, das sei doch alles schon bekannt und aufgearbeitet, der eigenen Vergangenheit entziehen. Ausser eben als Wendehals, personifiziert im ehemaligen Chefredaktor Res Strehle.

Aber auch heute, oder gerade heute, gibt es genügend Journalisten bei Tamedia, gegen die Tartuffe als blutiger Anfänger erscheint. Aber vielleicht kennt den nicht einmal die neue Literaturchefin Nora Zukker.

Rollenspiele

Tamara Wernli hat man einfach gernli. Einmal, zweimal, keinmal.

Frau, konservativ, provokativ. Mit dieser Nummer macht Tamara Wernli seit einiger Zeit den Abschied von der «Weltwoche» leichter. Letzte Seite, «Tamaras Welt», aber nicht meine, Heft wird zugeklappt.

Neben Claudia Schumacher ist Wernli wohl die bröseligste Platzverschwendung seit Erfindung des «Petit Beurre»-Krümelmonsters. Es ist ja auch nicht leicht, jede Woche keinen Einfall zu haben und damit eine Seite zu füllen. Über den Zusammenhang zwischen Corona und Sex im Stresstest. Über die angekündigte, aber wohl ausbleibende Apokalypse. Über die Abgabe von Gratis-Tampons.

Und was einem halt sonst noch einfällt, während man die High Heels auf den Schreibtisch legt. Die meisten dieser Stücke zeichnen sich durch humorlose Staubtrockenheit aus. Aber eigentlich kommt Wernli ja vom Bewegtbild, daher weiss sie, wie man eine Kamera aufstellt und etwas für Studio-Atmosphäre sorgt. Denn sie ist eine «Video-Bloggerin».

Tamaras Welt ist überall. Leider

So bespasst sie immerhin über 50’000 Abonnenten ihres Channels auf YouTube mit bislang 113 Videos. Bei diesem Oeuvre fällt es natürlich schwer, Frau und Werk richtig zu würdigen. Also greifen wir doch einfach das jüngste Spitzenerzeugnis heraus.

Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können, das zeichnet nach Karl Kraus den Journalisten aus. Da legt Wernli noch locker ein, zwei Scheite drauf. Sie kann ihn nämlich nicht ausdrücken, wendet ihre Kernkompetenz Humorlosigkeit auf Satireversuche an und erschreckt uns damit gleich doppelt.

So in der «Parodie» «Corona: Wie sie uns heimlich ERZIEHEN wollen». Zunächst die Packungsbeilage: Für Schäden oder Nebenwirkungen lehne ich jede Verantwortung ab. In diesem Brüller sitzt eine locker gekleidete Wernli einer streng mit Brille, Deux-Piece und natürlich Goldkettchen mit kleinem Glitzersteinchen verkleideten gegenüber.

Zusammenarbeit: Roger Köppel (links) und Tamara Wernli (rechts).

Wernli streng gegen Wernli locker

Wernli streng spielt eine «Moralexpertin», die Wernli locker zu einem «Moraltest» aufgeboten hat, um «zu sehen, ob sie ein guter Mensch sind». Der Leser wird es mir danken, dass ich ihm das 60-minütige Feuerwerk an Pointen, knackig-witzigen Dialogen und krachenden Niederlagen der «Moralexpertin» erspare. Es steht am Schluss ungefähr 40 zu 0 für die lockere Wernli. Oh, ich sehe gerade, es sind nur 6 Minuten.

Auf jeden Fall endet die Horror-Parodie einer Satire damit, dass die lockere Tamara durch den Test gefallen, daher ein «schlechter Mensch» sei und ihr empfohlen wird, sich in ein Boot-Camp zu begeben.

Selbst der Blumenstrauss seufzt auf

Für die bis hierher Überlebenden fällt dann die strenge Tamara aus der Rolle, schiebt sich die Intellektuellen-Brille ins Haar und wünscht den Zuschauern ein gutes neues Jahr. Als sie androht, auch 2021 ihre Fans zu bespassen, lässt sogar der Blumenstrauss neben ihr hörbar eine Blüte fallen. Was soll er sonst auch machen, der Arme.

Vielleicht sollte Wernli mal ein paar Ausgaben von «Die Anstalt» im ZDF anschauen. Da wird der Fake-Dialog zwischen einem böswilligen Zyniker und einem um Fassung ringenden aufgeklärten Menschen in Perfektion dargeboten. Erst noch faktenbasiert mit Schautafeln. Sicher, das Beste, was dem deutschen Farbfernsehen seit Harald Schmidt eingefallen ist. Aber leider ist die Hoffnung wohl vergeblich, dass Wernli zur Einsicht fähig ist, dass die Welt schon trübe und traurig genug ist. Auch ohne Tamaras Welt.