Ach, Gujer
Wenn ein Leuchtturm irrlichtert, ist Konsternation angesagt.
Der abtretende Chef und Grossdenker Eric Gujer von der NZZ seziert normalerweise messerscharf mit seinen Wochenkommentaren. Stilistisch, intellektuell auf einem eigenen Niveau, eingebettet in bildungsbürgerliche Weltläufigkeit.
Nun kann jeder mal einen schwachen Tag haben. Und einen Titel setzen, der Programm ist: «Wie man sich täuschen kann». Allerdings schreibt Gujer dann: «Iran wird gewinnen, Trump muss kapitulieren. Das war die Einheitsmeinung bald nach Ausbruch des Krieges. Der aber dauert immer noch an. Ein Lehrstück, wie blinder Hass auf Trump den nüchternen Blick trübt.»
Wie man sich täuschen kann und mit Schwimmen gegen den Strom à la «Weltwoche» unter Wasser gerät.
Zunächst einmal im Bereich des Faktischen. So behauptet Gujer über den Verkehr in der Strasse von Hormuz: «Diese ist für iranische Schiffe unpassierbar, während Frachter unter amerikanischem Schutz das Öl zu den vor Hormuz ankernden Tankern bringen. Inzwischen erreichen die Exporte das Vorkriegsniveau.» Das liegt höchstens im Streubereich der Wahrheit, ist also falsch.
Die Formulierung «inzwischen erreichen die Exporte das Vorkriegsniveau» als Beschreibung der gegenwärtigen Lage ist irreführend. Sie beschreibt eine zwischenzeitliche Erholung Ende September, nicht zuverlässig die Situation vom 10. Oktober.
Aber auch im Analytischen wird’s für einmal dünn und fragwürdig: «Immer wieder wurde der amerikanischen Regierung vorgehalten, sie habe keine Strategie. Teheran lasse die USA ins Leere laufen. Das war nie so recht überzeugend, denn auch das Pentagon kennt die Militärgeschichte.»
Da bleibt aber die Frage, warum das selbsternannte stabile Genie im Weissen Haus denn nicht von allem Anfang an diese tolle Strategie mit der Gegenblockade gefahren ist. Bevor er Tausende von Menschen, darunter viele Zivilisten, Frauen und Kinder, getötet hat, bevor er praktisch seine gesamten strategischen Reserven an Munition verpulvert hat, bevor ihm die Iraner einen Grossteil seiner Stützpunkte im arabischen Raum zusammengeschossen haben und last not least – bevor der Ölpreis auf deutlich über 100 $ das Fass angestiegen ist.
Und Irrwisch Trump sich sogar von Russlands Präsidenten Putin Diesel liefern lässt, in einem verzweifelten Versuch, damit die Midterm-Wahlen doch noch rumzureissen. Ob da auch Gujers Diktum gilt: «Amerika kann den Krieg, den es angeblich schon verloren hat, zu tragbaren Kosten fortführen.» Bislang kostet das erfolglose Abenteuer rund 47 Milliarden Dollar, die gesamten Kriegskosten schlagen pro US-Haushalt mit bis zu 1200 Dollar zu Buche. Für die meisten Amis kein Klacks.
Dann hebt Gujer in ein Paralleluniversum ab, als hätte er sich die Beschreibungen Russlands und Putins in der «Weltwoche» zum Vorbild genommen:
«Der Präsident straft seine zahllosen Kritiker Lügen. Diese sollten sich endlich zu der Einsicht durchringen, dass Emotionen keine nüchterne Analyse ersetzen. Abscheu und Hass allein genügen nicht, um das Phänomen Trump zu erklären. Trotz Sprunghaftigkeit und bizarren Reden beweist er ein erkleckliches Mass an Rationalität.»
Das beweist Trump höchstens in der ungeheuerlichen Selbstbereicherung seines gesamten Clans, ein nie dagewesener Raubzug am helllichten Tag eines US-Präsidenten.
Dagegen: «Europäische Staatsmänner – vor allem die sozialdemokratischen – betrachten den Persischen Golf aus der Froschperspektive des frustrierten Tankstellenkunden. Strategische und geopolitische Überlegungen scheinen ihnen fremd zu sein. Keiner von ihnen spricht die einfache Wahrheit aus, dass Iran zusammen mit dem Islamismus die grösste Bedrohung der westlichen Sicherheit im Nahen Osten ist.»
Vielleicht könnte man da auch noch das despotische Saudi-Arabien erwähnen, oder Israel.
Nach einer Philippika gegen Brüssel, die sogar im Ventilieren der Möglichkeit einer Ablehnung des neusten Vertragspakets durch die Schweiz gipfelt, schliesst Gujer: «Gegen so viel Aktionismus und Opportunismus wirkt der amerikanische Präsident geradezu berechenbar.»
Trump ist schon vieles vorgeworfen worden. Aber dass er berechenbar sei, darauf muss man erst mal kommen.
ZACKBUM wünscht gute Besserung, denn ohne einen Gujer in Normalform ist die Schweizer Medienlandschaft noch elender.













Acht Seiten, schonungslos bebildert, schonungslos entblösst, wie dem Journalisten die Finger seiner linken Hand abhanden kamen. Und was das für ihn bedeutet. Früher hätte man den Mann vor sich selbst geschützt und ihm nahegelegt, das seinem intimen Tagebuch anzuvertrauen. Heutzutage hilft man ihm bei der Selbstentblössung. Unsäglich, schändlich.





