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Schlagwortarchiv für: Welle

René Zeyer

Mal wieder die SoZ

17. April 2026/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Ein Artikel ragt aus allem heraus.

Spontan war unsere Aufmerksamkeit auf hundert:

Denn natürlich hatte ZACKBUM den spontanen Geistesblitz, ganz ohne Stromschlag: Wäre das nicht eine sinnvolle Behandlung für Journalisten? Ewige Bauchnabelbetrachtung, den Leser unter der eigenen, völlig unerheblichen Meinung leiden lassen, ungefragt und ungehört Ratschläge erteilen, schamlos die eigene Familiengeschichte ausbreiten.

Sieht man das richtig, also als potenziell pathologisches, auffälliges Verhalten, wäre es doch einen Versuch wert, das mit Elektrokonvulsionstherapie zu behandeln. Schliesslich zucken die Leser immer häufiger konvulsivisch, wenn sie durch die Seichtgebiete modernen journalistischen Gehampels waten müssen.

Beispiele aus der aktuellen «SonntagsZeitung»? Bitte sehr. Für einmal lehnt sich Arthur Rutishauser zu weit aus dem Fenster. Er fordert die Eidgenossen mal wieder auf, sich von fremden Händeln fern zu halten. So weit, so gut. Aber leider war die Deadline halt Samstagabend, so dass der Leser am Sonntag erstaunt liest, dass es Friedensgespräche in Islamabad geben soll. Dabei weiss er, dass die stattgefunden haben und gescheitert sind.

Das könnte man mit etwas Trump-Kenntnis vorausahnen. Eine nette Seitenlinie zieht dann allerdings Fabian Fellmann: «Islamabad statt Genf: Welche Stellung hat die Schweiz noch auf internationaler Bühne?» Die Antwort wäre einfach: je mehr sie die Position strikter Neutralität verlässt, desto kleiner ist sie.

Dafür braucht es dann allerdings kein Riesenfoto und eine ganze Seite Text.

Dann darf Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard mit der üblichen Rabulistik auf Rudolf Strahm eindreschen, kaum gebremst durch kritische Fragen, um dem Abwesenden wenigstens etwas Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. In den Fragen werden zwar einzelne Aussagen Strahms kurz erwähnt, wenn Maillard dann aber in seinen Antworten herumschwurbelt, gibt es keine einzige kritische Nachfrage.

Dann, lang lebe die Frauensolidarität, interviewt Nadja Pastega Chantal Galladé. Chantal who? Nun, der Anlass ist, dass sie anscheinend nach 30 Jahren aufhört zu politisieren. Während dieser Zeit führte sie ihr Weg von der SP zur GLP. Und wirklich Bedeutendes hat man von ihr in den letzten Jahren auch nicht gehört. Wirklich ein Anlass, eine Doppelseite mit einem Riesenbild und einem Wohlfühl-Interview zu füllen?

In der Wirtschaft, das muss ja eine Saure-Gurken-Woche gewesen sein, gibt Hans-Jürgen Maurus Geografieunterricht und belehrt den Leser, dass es im weltweiten Güterverkehr vier Nadelöhre gebe. Mindestens drei davon (wohl nicht alle kämen auf die Strasse von Malakka) kennen eigentlich alle Leser, die dafür nicht auf einer Seite aufgerüstet werden müssten.

Und eigentlich sind es acht, aber wenn man halt keine Zeit zum richtig Googeln hat …

Dann ein Beitrag zu: es geht nichts über eine knackige Ansage. Ob die eintrifft oder nicht, das interessiert in einer Woche keinen mehr. Diesmal: Der «Netzaktivist» Cory Doctorow «ist überzeugt, dass die Techgiganten das Internet ruinieren. Und dass die Milliardenblase um KI bald platzen wird». Na dann, benützen wir das Internet, solange es nicht ruiniert ist.

Neben wilden Prognosen sind neue Wellen der zweite Notnagel für händeringend nach Storyideen suchende Journalisten. Diesmal neu: die «digitale Ausgrenzung». Das ist eine Riesenwelle: «Über 20 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz stossen dabei an ihre Grenzen.» Quelle? Der «Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben». Wahnsinn. Dann muss man der abstrakten Zahl nur noch ein Gesicht geben: «Drei Betroffene erzählen». Grosse Leistung: drei Menschen zu finden, die sich in der Abwägung, sich öffentlich zum Deppen zu machen und andererseits in die Zeitung zu kommen, für den kurzen Ruhm entschieden haben.

Zum Thema Kulinarik ist auch niemandem nichts eingefallen: «Diese Küchenhelfer sind unentbehrlich». Schnarch, gähn.

Dann hat «Tennessee Tourism» seines Amtes gewaltet: «Warum es immer noch gute Gründe gibt, in die Vereinigten Staaten zu fahren». Nun, einer ist den Lesern leider nicht zugänglich: man kriegt die Reise bezahlt.

Tja, und dann eben das Lob der Stromschläge als Therapie. ZACKBUM ist völlig vom Nutzen überzeugt.

PS: Und bevor einer vorwurfsvoll auf den Kalender schaut: ja, ist ein Weilchen her seit der letzten SoZ. Aber wenn so viel passiert …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-12-um-17.40.46.png 767 1293 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-17 07:00:162026-04-17 11:32:52Mal wieder die SoZ
René Zeyer

Wie SRF News eine Welle bastelt

9. März 2023/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Manchmal hilft es, journalistische Leistungen mit etwas Distanz zu betrachten.

Am 8. Februar 2023 waltete «SRF News» seines Amtes und berichtete in mediengemässen 3.55 Minuten über die Erzählungen von Anushka Roshani im «Spiegel». Deren Inhalt war soweit durch, also musste natürlich weitergedreht werden. Ein wenig Drama am Anfang kann nicht schaden, sagte sich die seriöse Nachrichtenredaktion und unterlegte den Opener «Sexismus in der Medienbranche – ein systematisches Problem» mit Bildern einer Männerhand, die auf einem behosten Oberschenkel liegt. Statt sich diese Mühe zu machen, hätte SRF vielleicht eher den Unterschied zwischen systematisch und systemisch gelernt …

Dann wird es abstrus. Eine «Redaktionssitzung» von «ElleXX» wird gefilmt. Hier berichten völlig unbekannte Pseudo-Journalistinnen wie Miriam Suter oder Samantha Olivia Taylor von «krassen Beispielen» wie dass ein Chef gesagt haben soll, als junge Anfängerin solle man demütig sein oder dass es ein Mail gegeben habe solle, das eine anzügliche Bemerkung enthielt. Kleiner Formfehler: natürlich sind das zeitlich nicht genauer bestimmte angebliche Ereignisse mit unbekannten Teilnehmern und völlig ohne Beleg.

Patrizia Laeri behauptet dann, auf ihr Outing, dass vor mehr als 20 Jahren ein SRF-Mitarbeiter sie zu küssen versucht habe, hätten sich mehr als hundert Frauen bei ihr gemeldet, die auch «mit ihrem Namen hinstehen» würden. Kleiner Formfehler: das haben sie bislang nur bei Laeri gemacht. Angeblich.

Fehlt noch etwas? Natürlich, die «Fachexpertin». Auftritt Agota Lavoyer, die selbsternannte «Expertin für sexualisierte Gewalt» mit eher kleinem Fachausweis. Wenn die Postfinance ein etwas schräges Stelleninserat macht, wenn ein Gerichtsurteil in einem Vergewaltigungsprozess zu kritisieren ist – Lavoyer ist zur Stelle. Und lässt sich mit schräge Sachen wie dieser zitieren: «Es sei nicht zuletzt der fehlenden Gleichberechtigung geschuldet, dass sexualisierte und häusliche Gewalt an Frauen in der Schweiz noch immer so verbreitet seien». Sie ist sozusagen die weibliche Ausgabe eines Marko Kovic.

Und kommt auch bei dieser journalistischen Spitzenleistung von «SRF News» zum Handkuss (wenn man das noch sagen darf). Überrraschungsfrei meint sie: «Wir haben in der Schweiz ein Sexismusproblem.» Dazu «Machtasymmetrien, sexistische Kulturen, Blabla». Schlussfolgerung von «SRF News»: «Und Sexismus in der Medienbranche ist offenbar verbreitet.» Beweis? Die Behauptung von Laeri, bei ihr hätten sich über 100 Frauen gemeldet.

Dann folgt noch die lahme erste Stellungnahme von Tamedia «nehmen die Vorwürfe sehr ernst», etwas Selbstgeisselung (Skandal beim Westschweizer Staats-TV!) und tschüss.

Betrachtet man diese knapp vier Minuten journalistisches Versagen mit etwas Distanz, muss man konstatieren: Aufhänger nicht hinterfragt, aus dem Einzelfall Roshani mit untauglichen Mitteln eine Welle gemacht, eine untaugliche «Expertin» befragt, unfundierte Schlussfolgerungen gezogen. Dazu Gratiswerbung für «ElleXX».In jedem Anfängerkurs «wie mache ich einen Vierminüter nicht» könnte das als Paradebeispiel für Ausbildungszwecke verwendet werden. Stattdessen wurde es ausgestrahlt.

Man muss hier den Machern eine gewisse Schamlosigkeit in der Inkompetenz zubilligen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/06/Welle.jpeg 258 412 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-03-09 05:30:042023-03-08 19:37:30Wie SRF News eine Welle bastelt
René Zeyer

Spekulationsartikel

21. Juni 2022/2 Kommentare/in Allgemein, Blattkritik/von René Zeyer

Es wird wärmer, Vorboten des Sommerlochs.

Immer, wenn Benjamin Güdel für die Illustration zuständig ist, weiss der Tamedia-Leser: ui, es kommt etwas ganz Schlimmes:

Die ganze Seite 3, früher einmal ein angesehenes Gefäss in der «Süddeutschen», dann schlecht kopiert von Tamedia im Rahmen der Übernahme von massenhaft Content aus München, wird mit dem Thema «Trading-Sucht» gefüllt. Wobei gefüllt in mehrerer Hinsicht der falsche Ausdruck ist. Denn die Illustration nimmt schon mal ein Drittel Platz ein. Nichts gegen die Zeichenkünste Güdels, aber eine Briefmarkengrösse hätte es auch getan.

Dann wäre aber die dünne Suppe, die hier eingeschenkt wird, noch dünner geworden. Denn der Aufbau des Artikels ist klassisch, folgt dem Prinzip: ein Beispiel, zwei Beispiele, Aufschwung ins Allgemeine, der Fachmann sagt: die Welle ist da.

Das erste Beispiel für Trading- Sucht ist ein «Zürcher Gymischüler». Der hat doch sagenhafte 6000 Franken verzockt. Das ist zwar sicher schmerzlich, aber nun kein Weltuntergang. Reicht aber für die Autoren Tim Wirth und Konrad Staehelin, das gleich zur Riesenwelle hochzuzwirbeln:

«Tausende, möglicherweise Zehntausende Menschen in der Schweiz haben ähnliche Erfahrungen gemacht: Die Sucht nach Trading, wenn man Finanzprodukte innert Minuten oder weniger Stunden kauft und wieder verkauft, ist weit verbreitet. Das sagen Fachleute und Betroffene.»

Der Fachmann weiss dann, dass «0,2 Prozent der erwachsenen Bevölkerung» krankhaft spielsüchtig seien. Damit die Zahl schön rund und gross wird, pumpt man noch ein wenig nach: «Bei weiteren 2,8 Prozent sei das Verhalten zumindest als problematisch einzustufen. Total sind das rund 250’000 Personen.»

Netter Versuch; eher unbeleckt von börsentechnischen Kenntnissen. Was Wunder, Tim Wirth, seit 2019 «Redaktor im Ressort Zürich Leben», widmet sich ansonsten im «Züritipp» der Sparte Musik. Konrad Staehelin ist seit 2020 Wirtschaftsredaktor bei Tamedia «und schreibt vornehmlich über die Themen Arbeitsmarkt, Luftfahrt und Schienenverkehr».

Nun bewegen wir uns aber bei den 250’000 wohlgemerkt im Bereich Spielsucht, wo Casinos gesetzlich verpflichtet sind, grosse Anstrengungen zu unternehmen, um Spielsüchtigen den Zutritt zu verwehren. Hier ist das Thema aber Trading, und da gibt es eine schlechte Nachricht: «Offizielle Zahlen zur problematischen Börsenspekulation gibt es für die Schweiz keine.»

Damit wäre die Story eigentlich gestorben. Ausser, sie wird künstlich beatmet und mit viel Aufwand zumindest im Wachkoma gehalten: «Der Dammbruch sei mit dem Aufkommen von Kryptowährungen und den Handy-Apps gekommen, erklären Fachleute.»

Aber leider, leider ist das ein anonymer und unbekannter Dammbruch; mangels Zahlen …

Höchste Zeit, einen zweiten Trading-Süchtigen einzuführen. Diesmal ist es Kevin Reinhard, der natürlich in Wirklichkeit auch anders heisst. Der baut passenderweise die nötige Brücke: «Insgesamt habe er in seinem Leben etwa eine halbe Million Franken verzockt. Seine Sucht begann in einem Casino, das er als Jugendlicher besuchte. «Meine Sucht hat sich dann zum Trading verschoben», sagt der 34-Jährige.»

Damit wären aber die Grundvoraussetzungen für Welle und Dammbruch knapp erfüllt. Zwei Beispiele, Fachleute, et voilà. Was fehlt noch? Natürlich, der Ruf nach dem Regulator: «Politisch bewegt sich nichts.» Für jedes Problem gibt es eine Organisation, also auch hier: «Die Zürcher Suchtfachstelle Radix fordert, dass App-Betreiber die Risiken des Tradings wie bei Zigaretten spezifisch deklarieren müssen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma solle zudem die Onlinebroker und Banken überwachen und bei problematischen Verhaltensweisen die Trader warnen, so steht es in einem Papier.»

Leider verfügen die Autoren nicht über ein gut entwickeltes Gedächtnis. Sonst hätten sie als drittes Beispiel, das es eigentlich für eine klassische «Welle» braucht, den deutschen Fussballmanager Uli Hoeness erwähnen können, der sich selbst als «Zocker» bezeichnete, über die Jahre hinweg über seine Schweizer Bankkonten 50’000 Trades in Auftrag gab, am Tag bis zu 300. Da er das vor dem deutschen Fiskus verheimlichte, musste er dafür in den Knast.

Noch mehr Erinnerungsvermögen würde das Beispiel der Dotcom-Blase erfordern.

Der NASDAQ-Index für Technologieunternehmen.

Hier spekulierten Krethi und Plethi darauf, dass im Internet Gelddruckmaschinen stehen und man doch blöd wäre, diesen Geldregen nicht ins eigene Portemonnaie zu lenken.

Also solche Entwicklungen gibt es immer wieder. Ob Day-Trading, Kryptowährungen, das nächste «big thing», die Ingredienzien sind immer die gleichen. Uninformierte Mitspieler, angeblich stetig steigende Kurse, einseitige Fixierung auf mögliche Gewinne. Natürlich mit long oder short, also man wettet auf steigende oder aber auf fallende Kurse.

Was dabei übersehen wird und was auch nicht im Artikel steht: es ist ein Nullsummenspiel. Da mit Spekulation zwar Entwicklungen geglättet werden können, aber keinerlei Wertschöpfung entsteht, ist das Prinzip ganz einfach: was einer gewinnt, verliert ein anderer. Aus dem Topf kann nur herausgenommen werden, was eingefüllt wurde. Und da die Zukunft trotz allen gegenteiligen Behauptungen von Bankern als wichtigsten Bestandteil das «Unvorhersehbare» enthält …

In letzter Zeit wunderbar exemplifiziert an der Pandemie, die vor Ausbruch niemand auf dem Schirm hatte, womit alle furchtbar wissenschaftlich daherkommenden Zukunftsanalysen auf einen Schlag entsorgt werden konnten. Genau gleich wie nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/06/Spekulation2.jpeg 283 770 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-06-21 06:00:202022-06-21 08:10:54Spekulationsartikel

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