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Was für ein Schwätzer, Teil 2

Cédric Wermuth lässt keine Gelegenheit aus, sich öffentlich zu spreizen.

Er «kämpft» für eine Grundstücksgewinnsteuer. Er behauptet ohne rot zu werden: «Die SRG ist massiv nach rechts gerutscht.» Er gibt bekannt, dass er den zukünftigen Präsidenten von Economiesuisse nicht kennt. Wermuth  verkauft als Erfolg: «Wir hatten eine Zeitlang Mitglieder verloren, jetzt sind wir wieder auf dem Niveau von vor 25 Jahren.» Kicher.

Er verteidigt eher leise die Forderung nach Abschaffung der Armee im SP-Parteiprogramm, an deren Zustandekommen er nicht unbeteiligt war.

Er wäffelte auf allen Kanälen gegen sein Lieblingsfeindbild: «Die Epstein-Files zeigen die ganz alltägliche Haltung von reichen, weissen Männern, die ernsthaft glauben, die Welt – und vor allem Frauen – gehörten ihnen.» Was reiche (und nicht so reiche) Männer mit anderer Hautfarbe oder Bärten niemals glauben würden.

Er ist gegen die Schuldenbremse und für eine gerechte, ökologische und frauenfreundliche Welt ohne Klimasünder. Ausser, er düst mal schnell nach Berlin, um einem Parteigenossen zu gratulieren. Oder düst mit der Familie zwei Monate in Asien rum.

Es gibt nun 200 Nationalräte, die alle gerne etwas mediale Aufmerksamkeit hätten. es gibt aber im Moment nur einen SP-Co-Präsidenten, dessen Kollegin gerade mal eine Auszeit nimmt. Das kann Wermuth offenbar nicht passieren.

Wo es etwas zu krakeelen gibt, gibt er Laut. Sehr laut. Da wird doch in Deutschland der Betreiber eines Online-Shops mit Nazi-Artikeln verhaftet. Dieser üble Typ hat offenbar auch einen Wohnsitz in Muri (AG).

So nebenbei: in der Schweiz ist (im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich) der Handel mit Nazi-Devotionalien nicht generell verboten. Erst, wenn damit Propaganda oder Werbung verbunden ist, wird es untersagt.

Aber solche Feinheiten kümmern einen Flachredner nicht. Denn er kann hier anführen, dass er selbst aus dieser abgelegenen Ecke des Kantons Aargau stammt. Da kann er gleich eine Jugenderinnerung beitragen: «Ich ging in Muri zur Oberstufe. Damals gab es eine sehr aktive Neonazi-Szene in der Region und an den Schulen. Die Behörden haben schon damals weggeschaut.»

Unglaubliche Zustände im Kanton der Träger von weissen Socken und Lederkrawatten (oder sorgfältig gestutzten Vollbärten). Aber von der Vergangenheit findet Wermuth rasch Anschluss an die Gegenwart:

«Es ist leider bekannt, dass die Schweiz ein relativ sicherer Rückzugsort für Neonazis aus ganz Europa ist. Die Behörden lassen viel zu viel laufen. Das Problem ist nicht auf den Kanton Aargau beschränkt. Diese lasche Haltung muss sich wirklich rasch ändern, die Szene fühlt sich zu sicher. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen»,

dröhnt er im «Blick».

Als begabter Zitate-Klauer hat er immer so einen Kracher auf Lager. Unsinn ist hingegen seine Behauptung, die Schweiz sei ein Anziehungspunkt und Rückzugsort für Neonazis. Lediglich die Verwendung von Symbolen des Hitler-Faschismus wird in der Schweiz aus bekannten Gründen weniger restriktiv gehandhabt. Medienberichte über einzelne Vorfälle werden ohne Kontext verbreitet und erwecken bei oberflächlichen Betrachtern den Eindruck, Extremisten könnten ungestört und ungestraft agieren.

Das gilt allerdings auch für Linksextremisten, der Parteikollege Fabian Molina lässt sich stolz im Schwarzen Block mit dem Victory-Zeichen ablichten und trompetet gerne «Zürich stabil nazifrei». Auch der fliegt gerne mal als Mitglied der Freundschaftsgruppe Schweiz-Taiwan nach Taipeh, 9500 km, one way. Oder nach Kolumbien als Stiftungsratspräsident von Swissaid.

Aber zurück zu seinem Partei-Co-Präsidenten. Als solcher steht er eigentlich in einer Tradition von Hermann Greulich, Robert Grimm, Ernst Nobs oder Helmut Hubacher. Mit anderen Worten: eigentlich gäbe es ein verpflichtendes Niveau, das der amtierende Präsident nicht verlassen sollte.

Der Ex-Juso-Chef kann dabei nicht mal mehr den Bonus des unerfahrenen Jungspunds einfordern, mit bald einmal 40 Jahren. Auf seiner Webseite fordert er ungeniert zu Spenden für sich selbst auf. ZACKBUM möchte gerne wissen, wie gross die Gabe sein muss, damit er einfach mal Ruhe gibt. Denn merke: ständig wäffeln und trompeten ist auch keine Meinung.

Tagi: minus ein Abonnent

Hier werden Fundstücke obduziert, um ihre Todesursache zu finden. Heute eine Abokündigung und ihre Geschichte

Es ist immer wieder der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. K.L.* war 50 Jahre lang Abonnent und Leser des «Tages-Anzeiger». Das ist dann mehr als Gewohnheit, das ist schon Symbiose.

Wenn man sich aufrecht Mühe gibt, immer wieder Anlauf nimmt, auch treue Leser mit unglaublichem Schrott zu bedienen, dann reicht es dem geduldigen und treuen Schweizer:

«Aber irgendwann erträgt man gewisse Dinge einfach nicht mehr»,

schreibt K.L. an ZACKBUM.ch.

Als Erklärung dafür, wieso er sein Abo gekündigt hat. Die «gewissen Dinge» waren in diesem Fall ein Artikel auf Seite 10 des Tagi vom 7. Juni 2021. Unter dem irreführenden Rubrum «Hintergrund» wird hier eine Seite (also zwei Drittel, das andere Drittel ist ein aussageloses Riesenfoto) auf diese Behauptung verschwendet:

«Weisse Männer haben ausgedient».

Autor des Schmarrn, wie man in Bayern sagt, ist Christian Zaschke. Nach zehn Jahren Sportredaktor stieg er zum «politischen Korrespondenten» der «Süddeutschen Zeitung» in London auf, seit 2017 ist er «Korrespondent in New York». Das kann New York wegstecken, der Leser des Tagi verträgt’s weniger. Der Originaltitel über diesen Beitrag lautet übrigens «Geht doch». Aber da die sich immer noch in ihren Verrichtungsboxen stapelnden Tagi-Redaktoren auch Signale senden wollen, dass man sie dann im Fall ja nicht einsparen sollte, entstand dann der Schwachsinnstitel in Zürich.

Schon wieder ein neuer Trend entdeckt

Vielleicht haben da die Protestfrauen des Tagi auch ihre unselige Rolle gespielt. Auf jeden Fall behandelt das Stück die Behauptung, dass es in den USA einen «neuen Trend» gebe: «Immer mehr Frauen führen grosse Medienhäuser an». Für den Tieferleger Tobler reichen anderthalb Beispiele, um einen Trend auszurufen. Da legt Zaschke schon mehr drauf.

Aufhänger für sein Gesülze ist die Wahl von Sally Buzbee zur neuen Chefredaktorin der «Washington Post». Buzbee war zuvor Chefin von AP; und die Associated Press ist mit rund 4000 Mitarbeitern die wohl grösste Nachrichtenagentur der Welt. Da könnte man ihren Wechsel zur WaPo eigentlich fast als Abstieg bezeichnen. Und wieso soll das so bemerkenswert sein, dass via SZ eine ganze Seite beim nichtsahnenden, aber ständig gequälten Tagi-Leser landet?

Zaschke sieht das Problem und versucht, es aus dem Weg zu räumen: Das sei berichtenswert, «weil die Zeitung – zumindest in den höheren Etagen – als ziemliches Männerblatt galt». Das ist mal wieder eine Recherchier-Höchstleistung, für die der Leser gerne 581 Fränkli im Jahr (mit SoZ dann 751.-) zahlt.

Zaschke ist im Schreibrausch und gibt weitere Perlen seiner Recherche preis: ein ehemaliger Post-Mitarbeiter (diese «Republik»-Unart setzt sich immer mehr durch) habe mit Mitarbeitern der WaPo gesprochen, die ihm das bestätigten – anonym, versteht sich. Unter den immer noch existierenden Hunderten von Medienprodukten in den USA gibt es tatsächlich ein paar weitere, bei denen Frauen als Chefredaktor amtieren.

Na und? Bevor hier ZACKBUM.ch wieder dem Ruf nachlebt, ein Hort von frauenverachtenden Turbomachos zu sein, zitieren wir schnell die Wissenschaftlerin, die Zeschke nun dafür missbraucht, seinen Artikel mit Bedeutung aufzupumpen. Im US-Journalismus habe es schon immer das Streben nach Objektivität gegeben. Aber die «Medienkritikerin und Feministin Jennifer Pozner» weiss: «Nur: Welche Objektivität ist das? Es ist die Objektivität des weissen Mannes mit gutem Einkommen.»

So sieht der typische männliche Chefredaktor in den USA aus.

So von weissem Mann zu weissem Mann …

Ach dann, und was ändern Frauen daran? «Je mehr Frauen auf den entscheidenden Posten sitzen», sagt Pozner, «desto weiter wird die Perspektive.» Nun, Buzbee ist eine weisse Frau mit gutem Einkommen …

Dazu zählt Zaschke noch ein paar farbige Frauen mit gutem Einkommen auf. Aber immerhin, solche Unsitten können dann wohl abgestellt werden, beziehungsweise wurden schon abgestellt, bzw. solche Machotypen wurden bereits entlassen: Matt Lauer von NBC News, der an seinem Schreibtisch einen Schalter gehabt haben soll, mit dem er die Bürotür verriegeln konnte. «Unfassbar», sagt Pozner, «wie der Bösewicht in einem James-Bond-Film.»»

Kleines Problem: Jeder weiss, dass der Bösewicht bei James Bond eine fiktive Figur ist. Unfassbar ist hier allerdings, dass mit «gehabt haben soll» schlichtweg Kolportage-, Gerüchte-Journalismus betrieben wird. Also keinerlei Bemühen nach Objektivität erkennbar ist, obwohl Zaschke ein weisser Mann ohne gutes Einkommen ist.

Eine Tagi-Seite, beruhend auf einem Stellenwechsel einer Frau, garniert mit Konjunktiven, Unterstellungen, Behauptungen, anonymen Aussagen und der Meinung einer feministischen «Medienkritikerin», die sich brav mit einem starken Quote vernehmen lässt, wenn sie von Zaschke mit einem Ondit konfrontiert wird.

Immerhin, im Vergleich zu einer Seite 3 von Tobler ist das hier schon etwas gehobener. Aber von Journalismus, der ohne rot zu werden dafür Geld verlangen kann, ist das noch weit, aber sehr weit entfernt. Ungefähr so weit wie eine Leser-Blatt-Bindung durch einen solchen Schmarrn.

*Name der real existierenden Person der Redaktion bekannt.