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Dilettantenfreiheit

Der Verlegerverband brummt. Vor Unfähigkeit und zum Fremdschämen.

Wir räumen selbstkritisch ein: ZACKBUM.ch ist vielleicht nicht das absolute Highlight der modernsten Plattformtechnologie. Aber sie erfüllt ihren Zweck. Texte, Bilder, Kommentare, Impressum, obligatorischer Hinweis auf Cookies: alles Nötige ist da.

Der Verlegerverband ist «die Branchenorganisation der privaten schweizerischen Medienunternehmen. Der Verlegerverband vereinigt über 100 Medienunternehmen, die zusammen rund 300 Publikationen herausgeben und zahlreiche digitale Newsplattformen sowie über 20 Radio- und TV-Sender betreiben.»

So richtig friedlich geht’s in dieser Vereinigung allerdings nicht zu; Tamedia und Ringier kriegten sich dermassen in die Wolle, dass Ringier beleidigt austrat – inzwischen seine Rückkehr ankündigte, sie aber noch nicht vollzog.

Das sind lustige Szenen einer Ehe; der eine verlässt unter Protest das gemeinsame Lager, dann hat er ein Einsehen und meint reumütig, dass man es doch nochmal versuchen könne. Aber vor der Eingangstüre bleibt er dann stehen und grübelt und grübelt und grübelt.

Gut, kann passieren, sollte es aber in einem Verband nicht. Inzwischen muss man sagen, dass Ringier völlig zu recht seine Mitgliederbeiträge eingestellt hat. Wäre wirklich nur rausgeschmissenes Geld.

Fehler machen, an Fehlern festhalten

Denn der Verlegerverband hat die Webseite «Die-Meinungsfreiheit.ch» ins Netz gewuchtet. Die ist so schräg-lustig, dass hier schon darüber abgelästert wurde.

So sieht ein professionell fotografiertes Unterstützerkomitee aus.

Aber man könnte ja sagen: okay, dass es dem Referendumskomitee gelungen ist, mehr als 50’000 Unterschriften gegen das Mediengesetz zu sammeln (genau 54’409 am 8. September), kam natürlich völlig überraschend. Für den Verlegerverband.

Die Champagnerflaschen steckten noch gehöhlt und kopfvoran in den Eiskübeln, nachdem die zusätzliche Zahlung von einer runden Milliarde aus Steuergeldern an die notleidenden Medien durchs Parlament geschaukelt worden war. Ein Heimspiel. Politiker brauchen Medien wie die Luft zum Atmen. Nun brauchten die Medien die Politiker. Eine Hand wäscht die andere.

Die reichen Medienclans gingen in Sack und Asche

Gezeter und Gejammer, zerrissene Kleider und Asche auf den Häuptern, Wehklagen und Warnung vor dem Untergang: die Medien führten sich auf, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen – wenn nicht dringend und unbedingt nochmal eine Milliarde auf die eh schon sprudelnden Subventionen draufgelegt würde.

Kein Wort darüber, dass die Grossverlage, dank drakonischer Sparmassnahmen, sich seit Corona über genauso sprudelnde Gewinne freuen können wie zuvor. Gut, der Journalismus ist dabei vor die Hunde gegangen, die Meinungsvielfalt wurde durch zwei Einheitssaucen aus Zentralküchen ersetzt. Aber das ist ja ein Kollateralschaden, macht doch nix.

Nun kann aber die Bevölkerung darüber abstimmen, ob man wirklich Yachten, Privatjets, Villen und einen Luxusfuhrpark der Besitzerclans mit Steuergeldern unterhalten soll. Wie es sich für Dilettanten gehört, dachten die Medienclans zuerst, dass so ein Referendum doch sicherlich nicht zustande kommt. Schliesslich fand es in ihren hochklassigen Medien mit Informationsauftrag, Vierte Gewalt und so, faktisch nicht statt.

Kostet halt schon Unterhalt …

Aber dann, oh Graus, kam das Referendum zustande. Krisensitzung, Geschnatter, Geflatter, Notfall, action, sofort.

Immerhin, ein Übersetzungsprogramm kam zum Einsatz.

Tata, es entstand: «die-meinungsfreiheit.ch». Von A bis Z misslungen. Fängt beim Namen an, «meinungsfreiheit.ch» ist natürlich schon besetzt. Aber man hätte ja, da es keine Webseite gibt, mal schauen können, ob sich was machen lässt. Oder man hätte «meinungsfreiheit.swiss» nehmen können. Aber das wäre ja professionell gewesen, also lieber nicht. Verleger kommt offenbar von verlegen.

Fehler am Anfang passieren – aber hier bleiben sie

Sicherlich kann es passieren, dass beim Notstart einer Webseite nicht gleich alles klappt. Aber normalerweise werden die ganz grossen Kopfschüsse in den ersten Tagen ausgebügelt. Nicht bei «die-meinungsfreiheit», das wäre doch zu professionell:

Tote Hose auf Facebook …

… tote Hose auf Twitter.

Normalerweise verfügt eine Webseite über ein Impressum, einen Ansprechpartner, moderne Kommunikationsmittel wie eine Telefonnummer – und Datenschutzhinweise. Aber doch nicht hier, das wäre, okay, wir wissen es inzwischen.

Noch ein kleiner Tipp: Wer als Key-Visual schwarze Flecken nimmt, auf denen einsame Menschen rumstehen, sollte einpacken – oder einen guten Grafiker einstellen.

Oder sagen wir so: wer diese beiden Nasen als Unterstützer auf seiner Seite weiss, kann eigentlich schon heimgehen. Aber der Verlegerverband doch nicht, der muss zuerst noch viele weitere Batzeli dafür verrösten, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Traurig. Oder wie Donald Trump sagen würde: «so sad

«Charme eines Wühltischs»

Zwei Web-Cracks haben sich den «Nebelspalter» angeschaut. Urteil: verheerend.

Da wir ja – wie wohl 99,99 Prozent der Schweizer Bevölkerung – vor der Bezahlschranke stehen und uns sagen: nö, zuerst zahlen, dann konsumieren, das mag an einer US-Tankstelle okay sein, wo das Zahlhäuschen eine Panzerglasscheibe hat.

Aber beim Relaunch eines Mediums? Bei dem man einen Markus Somm, einen Dominik Feusi, eine Tamara Wernli zuerst bezahlen muss, bevor man lesen könnte, was man sowieso schon von ihnen gelesen hat?

Gut, bei Wernli stimmt das nicht, da könnte man Video schauen oder das Gleiche in der WeWo nachlesen; nicht jeder kann zwei Kolumnen pro Woche. Dann gibt’s ja auch noch «Feusi Fédéral» im Bewegtbild, oder neu den Amok David Klein schriftlich, der über alles herfällt, was seiner Meinung nach antisemitisch sei. Und seiner Meinung nach ist schon das Wort «aber» im Umkreis von einem Kilometer um eine Synagoge antisemitisch.

Zu den Inhalten kann man wirklich nicht viel sagen, ausser, dass meistens die Bezahlschranke ein «glücklicherweise kann ich hier aufhören» auslöst. Aber man kann ja mal einen genaueren Blick auf die Performance der Webseite werfen. Denn Auskünfte wie Anzahl User, zahlende Leser, Zugriffsdaten, das alles übergehen Somm und sein Geschäftsführer mit Schweigen.

Inhalt ist nicht so, wie sieht’s bei der Technik aus?

Leider geruhte der Hersteller der Webseite nicht, der gleichzeitig auch auch Geschäftsführer und bislang erfolgloser Werbeverkäufer ist, auf unsere höflich gestellten Fragen zu antworten. Ein bei IT-Menschen nicht unbekanntes Phänomen. Wie bei Christian Fehrlin steht häufig die Arroganz in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Kompetenz.

Da ich meine Grenzen kenne, bat ich zwei Fachleute, der eine mehr für den Maschinenraum einer Webseite, der andere mehr für Digital Marketing und so zuständig, sich das Werk «nebelspalter.ch» mal genauer anzuschauen, so weit das von aussen möglich ist.

Man könnte natürlich auch tiefer einsteigen, aber das wäre nicht ganz legal. Obwohl bei dieser Webseite recht problemlos möglich, denn sie wurde von Stümpern gebastelt.

Offensichtlich verwendet sie ein proprietäres CMS. Also eine Eigenkonstruktion des Hauses «deep-impact», das rein zufällig auch Fehrlin gehört. Davon hat in der Branche eigentlich bislang kaum einer was gehört. Aber ein Content Management System – sozusagen der Kern jeder Webseite – von Marke Eigenbau zu verwenden, hat heutzutage eigentlich nur noch Nachteile und keine Vorteile.

Multiple Abhängigkeiten bei unsicherer Zukunft

Die Klarsicht AG, also der Herausgeber des «Nebelspalter», ist von Fehrlin und seiner Bude abhängig. Sowohl, was dessen Honorar betrifft, wie auch durch die Hoffnung, dass es ihm und seiner Webagentur noch lange gutgehen solle. Denn macht sie das, was bei Webagenturen nicht wirklich die absolute Ausnahme ist, nämlich die Schraube oder fusioniert, dann könnte das CMS schnell mal am Ende sein.

Das haben schon grössere Firmen mit viel grösseren Kunden versucht, mussten aber einsehen, dass das ständig nötige Upgrading angesichts ständig neuer Entwicklungen im Internet schlichtweg finanziell nicht zu stemmen ist. Ausser vielleicht, man hat finanzkräftige, von einem abhängige Mandanten …

Nebenbei wird der das Schweizerische betonende «Nebelspalter» bei Amazon gehostet, also in Irland. Muss nicht falsch sein, ist vor allem billiger als nationale Lösungen. Dann kommen wir noch zu handwerklichen Fehlern auf Anfängerniveau.

Fehler, Fehler, Fehler

Die Webseite hat kein Cookie-Banner, was nach den Datenschutzgesetzen eigentlich obligatorisch sein müsste. Beim Abonnieren des Newsletters gibt es kein «Double-Opt-In»-Verfahren. Das heisst auf Deutsch, dass hier jeder, wie beim Registrieren übrigens auch, jedem den NL auf seine E-Mail-Adresse schicken kann. An einen, an 100, an 1000.

Dann wird’s ziemlich technisch: die Google Mobile Speed, also die Zeit, die zwischen Zugriff und Antwort der Webseite vergeht, ist viel zu lahmarschig. Was bedeutet, dass vor allem jüngere User mit sehr kurzer Aufmerksamkeitsspanne schnell mal weg sind.

Schliesslich, was ja für eine Webseite, die Geld verdienen will, nicht ganz unwichtig ist; als Zahlungsmittel sind lediglich Kreditkarten zugelassen. So wie das in den Anfängen des Internets Brauch war. Seither hat sich da aber ein kleines Bitzeli was geändert.

Zu schlechter Letzt, wie steht es eigentlich mit der Sicherheit der Webseite? Geht so, kann man sagen, geht so.

Performance, Barrierefreiheit, Indexierung, Tags? Konstruiert wie in der Steinzeit

Auch dem die Webseite mehr nach Performance für den User anschauenden Fachmann fiel nicht viel Lobenswertes auf. Zunächst die lahmarschige Performance, die vor allem mobil auffällig ist. Barrierefreiheit ist ebenfalls ein Fremdwort für den «Nebelspalter», also grössere Schrift, vorlesen, etc. Auch der Kontrast der Seitendarstellung lässt zu wünschen übrig.

Schlechte Klassifikation, schlechte Indexierung, schlechte Übertragung des Inhalts auf Facebook, Tags für die Bildsteuerung fehlen, keine saubere Einhaltung der Hierarchien von H1 bis H5. Gesamtergebnis: «Charme eines Wühltischs».

Es sieht also ganz danach aus, als ob die Herren Verwaltungsräte, allesamt nicht wirklich per du mit dem Internet, hier schwer daneben gegriffen haben. Aber wenn man Geld hat, lässt sich das korrigieren. Weg mit diesem CMS, hin zum markbeherrschenden Open-Source-CMS, dann noch einen IT-Crack, der weiss, wovon er redet, und schon flutscht das besser. Und Fehrlin? Vielleicht hat er tatsächlich Fähigkeiten in der Buchhaltung, könnte ja sein.