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Wats-off

«watson» ist die Kriegserklärung an den Journalismus. Der Nocebo-Effekt.

Schädliche Auswirkungen von Journalismus, obwohl gar kein Journalismus drin ist: das ist «watson» in einem Wort.

Vor einigen Jahren war die Idee neu, zur Leserbespassung sogenannte Listicals zu machen. Nach der einfachen Devise: einmal ist langweilig. Zehnmal ist lustig. Oder so. Problem: bei aller Fantasie gehen irgendwann mal die Ideen aus. Das sieht dann so aus:

Vielen Dank, zwei genügen, um Brechreiz auszulösen.

Der grosse Vorteil des Internets gegenüber dem Print besteht darin, dass jederzeit aktualisiert werden kann. Also wäre es zum Beispiel möglich, am Mittwochmorgen mit dieser Story auf einen bevorstehenden Gerichtstermin aufmerksam zu machen:

Dazu ist «watson» tatsächlich in der Lage. Nun endete der Prozess so gegen 11.30 Uhr am Vormittag. Das muss allerdings der «watson»-Crew entgangen sein, denn auch noch am Abend des Tages hing diese Meldung unverändert auf der Webseite.

Aber nun mal ernsthaft, «watson» ist natürlich zu «Analysen» fähig. Wo Analyse draufsteht, ist Philipp Löpfe drin. Das tut allerdings weder der Analyse, noch dem Leser gut. Denn für Löpfe besteht eine Analyse darin, der Realität mal wieder zu zeigen, wie sie zu sein hat. Nämlich so, wie sie ihm passt. Nun hat Löpfe seit Jahren etwas gegen den Ex-US-Präsidenten Donald Trump.

Das ist nicht unverständlich, allerdings sollte es einen nicht dazu verführen, sozusagen in Traumanalyse überzugehen.

Oder auch nicht, erklärt Löpfe dann im Kleingedruckten.

Wir kämpfen uns durch eine Portion Geeiertes. So verkündet Löpfe, dass auch Trump-Anwalt «Rudy Giuliani eine Vorladung erhalten» habe, «als Zeuge auszusagen». Das wird dann doch eng. Oder doch nicht: «Es ist wenig wahrscheinlich, dass Giuliani je aussagen wird. Doch symbolisch ist seine Vorladung von grosser Bedeutung.» Sagt Symboldeuter Löpfe.

Überhaupt wird seine analytische Kraft bei «watson» sehr geschätzt:

Nichts zu klein, um nicht analysiert zu sein.

Aber natürlich kann «watson» nicht ununterbrochen seriös und analytisch sein. Schliesslich muss ja auch Geld reinkommen:

«Rente verbringen würden»? Links Gestammeltes, rechts Beworbenes.

Es gibt aber noch mehr Einnahmequellen, wobei dieser Versuch eher humoristisch gemeint ist:

«Unseren Journalismus»? Was soll denn das sein?

Schliesslich haben wir noch Einnahmequelle Nummer drei. Also den Versuch, ins Portemonnaie des Steuerzahlers zu greifen. Vorteil: der könnte sich nicht dagegen wehren, «watson» zu unterstützen. Dafür dient ein sogenanntes «Erklärvideo», wo mal ganz objektiv und ausgewogen erklärt wird, was es denn mit dem Mediengesetz auf sich hat.

Das diene nämlich dazu, das Zeitungssterben zu unterbinden:

70 verstorbene Zeitungen, verkündet «watson» mit Trauermiene.

Komisch, der Medienexperte Kurt. W. Zimmermann kommt in seiner Zählung auf eine leicht abweichende Zahl: zwei.

Aber wie auch immer, nennen wir das den Streubereich der Wahrheit. Woran liegt das denn bloss?

Diese bösen, bösen US-Konzerne greifen sich doch alle Inserate im Netz ab.

Das ist sogar nicht falsch. Nur: woran liegt das? Könnte es sein, dass die Schweizer Medienclans schlichtweg die digitale Zukunft verschnarcht haben? Könnte es daran liegen, dass der Wanner-Clan bereits Multimillionen in «watson» verröstet hat? Nein, niemals.

Und woran liegt wiederum das? Wir haben so einen Verdacht:

35 plus 16 Prozent ergeben laut «watson» 76 Prozent.

Vielleicht rechnet das Management ähnlich. 35 plus 16 Prozent Verlust ergeben 76 Prozent Gewinn. Oder so. Das nennt man dann wohl den Placebo-Effekt.

Gibt’s denn gar nichts Positives zu vermelden? Doch:

Echt jetzt? Hört wirklich auf? Wahnsinn.

Dass auch die «Kulturjournalistin des Jahres» Simone MeierJuden canceln») den Griffel weglegt, darauf wagen wir aber doch nicht zu hoffen.

 

Es darf gelacht werden

Aufgabenstellung: Artikel, sinnlos oder unnütz. Es folgt die Qual der Wahl.

Vielleicht hätte ZACKBUM das Gegenteil als Kriterium verwenden sollen. Das wäre dann aber ziemlich schwierig geworden. So mussten wir uns in der Qual der Wahl für jeweils ein Beispiel aus dem überlebenden Mediensumpf entscheiden. Dafür kamen «watson», «20 Minuten», «Blick», Tamedia, CH Media, nau.ch, die NZZ und das glaubwürdigste Organ der Schweiz in die Kränze.

Ach, Rätselfrage? Also wirklich, bei dem Organ handelt es sich natürlich um die «Republik».

Der erste kaum schlagbare Knaller aus dem Hause «watson»:

Gleich zum ersten Beispiel im familientauglichen Quiz:

Die richtige Antwort ist natürlich C (Ich will ihn heiraten! Lebt er noch?). Haben wir gelacht, dass Stalin als «gut aussehender Hipster, äh Diktator» angepriesen wird. Zu solchen Geschmacklosigkeiten ist nur «watson» in der Lage, in der Tradition seiner Kulturjournalistin des Jahres Simone MeierJuden canceln»).

Hier kommt die Konkurrenz «20 Minuten»:

Ja, gut, es handelt sich um einen «Paid Post», was immer das sein mag, denn mehr als die Hälfte der Leser erkennt das nicht mal als Reklame. Dennoch hat dieser als Artikel verkleidete Werbetext irgendwie die Aura von strahlender Dummheit.

Wir holen den Dritten im Bunde des Trio infernal an Bord; den «Blick».

Eigentlich ist gegen die Tätigkeit der finnischen Lehrerin nichts einzuwenden. Nicht mal, dass sie schon längst beendet ist. Dennoch sei die schüchterne Frage gestattet, welchen Sinn es macht, eine ellenlange Story über eine Finnin ins Blatt zu heben, die in Syrien IS-Kinder unterrichtet. Aber vielleicht wollte der «Blick» seinen Lesern näherbringend, dass Finnisch sauschwer zu lernen ist. Als nicht indogermanische Sprache. Ach so, das kann man googeln.

Weiter geradeaus im Flachland, nau.ch:

Gemein, und niemand lacht über das zu knappe Decolleté von Carmen «Roooobert» Geiss. Auch ein Artikel, ohne den man sich nicht gut informiert fühlte.

Nun müsste es eigentlich senkrecht nach oben gehen, wir kommen zu Tamedia. Fürs Gegenteil sorgt allerdings der meinungsstarke Sandro Benini, auch bekannt als Ressorthopper:

Man darf ja die Namen Immanuel Kant oder John Stuart Mill verwenden, um sich einen gelehrten Anstrich zu geben. Man darf sich auch in semantischer Auslegung des Wortes «versehrt» versuchen. Aber wenn man andere Polemiker so in den Senkel stellt, obwohl man selbst mit dem Morgenstern unterwegs ist, wird’s sinnlos: wer Vergleiche zum Totalitarismus ziehe, sei «historischer Ignorant oder ein Brandstifter». Sagt Feuermann Benini.

Drüben bei CH Media schwingt Bruder Francesco Benini die Kommentarkeule:

Leider wird auch diese Meinung, was die Schweiz tun und lassen sollte, weder die Schweizer Regierung, noch Peking wahnsinnig interessieren; also verpufft sie völlig klang- und belanglos im Nichts. Aber schön, hat Don Francesco es allen gegeigt. Schade, dass er nicht NZZaS-Chef werden durfte.

Nun aber auf in die Höhe, wo noch tief über Inhalte und Titel nachgedacht wird, also zur NZZ:

Man könnte nun den Ausdruck Pferdefuss für einen Börsengang noch knapp durchgehen lassen. Aber für einen IPO-Boom? Man stelle sich einen Boom vor, und dann bastle man einen Pferdefuss dran. Dann gibt man auf und befördert den Titel ins Reich des Sinnlosen.

Aber, nun wird die Luft dünn und eisig in der intellektuellen Höhe, last and least die «Republik» in ihrer schönsten Form:

Schwurbler ist eigentlich ein abwertender Begriff für alle, die mit der offiziellen Corona-Politik nicht so einverstanden sind. Aber wir zitieren nur vier Sätze der schreibenden Schmachtlocke, die diesen Begriff auf eine neue Ebene heben:

«Das Haupt­beispiel ist der unsinnige Begriff der «Eigen­verantwortung», der zum Mantra des offiziellen Covid-Diskurses geworden ist. Jedes Vorschul­kind begreift, dass er unbrauchbar ist, um die realen Dilemmata der Epidemie­bekämpfung zu erfassen.» – «Die Selbstapologetik zeigt sich auch in der verblüffenden Einseitigkeit der ethischen Bedenken, die nun allenthalben ins Spiel gebracht werden.» – «Wir reden von Triage, aber wir legitimieren unsere Passivität.»

Wer das versteht, ist offenbar auch in irrealen Lamettata, äh, dilemmatisch in Dilemmata zu Hause. Tata, tatä.

Ex-Press XLIX: ganz unten

Blüten aus dem Mediensumpf.

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ZACKBUM gibt zu: Wir sind nicht stark genug. Oder zu schwach. Nein, Fisherman’s Friend kriegen wir in jeder Geschmacksrichtung runter. Wenn’s sein muss, sogar in der hier:

Aber eigentlich wollten wir diesen Reigen hier, Ehre wem Ehre gebührt, mit «watson» beginnen.

Aber dann begannen wir, uns hier durchzuklicken:

Trotz der Einnahme von Fisherman’s Original wurde uns übel. Dann machten wir den Fehler, bei der Kulturjournalistin des Jahres Erbauung zu suchen:

Aber auch hier kamen wir nicht weiter als bis zu diesem Kotzbrocken:

«Romina war mein Lichtblick. Ich steh auf multipel operierte Gesichter. Erst da kommt nämlich der Mensch hinter dem eigentlichen Gesicht so richtig zum Vorschein

Es mag uns als Schwäche ausgelegt werden, aber wir haben beschlossen: nie mehr ein Text von Simone Meier. Nicht auf leeren Magen und erst recht nicht auf gefüllten.

Tastende Schritte nach oben

Wir wollen uns nun vorsichtig nach oben arbeiten. Als nächster Tritt auf der Leiter soll «20 Minuten» dienen. Da werden wir doch glatt schon ganz am Anfang in Versuchung geführt:

Aber, schluchz, die Winterhilfe hat dann doch keinen Franken gekriegt. Dafür haben wir eine frohe Botschaft für unsere Portugiesisch sprechenden Leser:

ZACKBUM denkt scharf darüber nach, diesen Service auch anzubieten. ZACKBUM durum cogitat de hoc quoque ministerio oblatum. Genau, wenn schon, dann natürlich gleich auf Latein. Wir nähern uns nun aber bereits dem ersten journalistischen Höhepunkt:

Kopf in Brot, Werbung und Werbung.

Da weiss man wenigstens, wieso man für «20 Minuten» nix zahlt. Nun aber endlich mal ein Beitrag mit Tiefgang und Zukunft:

Hoppla, das ist ja ein «Paid Post». Das steht ja scheint’s für Werbung, aber so, dass es mehr als die Hälfte der Leser nicht merkt. Gibt es denn gar keine journalistische Eigenleistung, einen Mehrwert? Doch:

Hoffentlich setzt sich der Trend nicht im Tamedia-Glashaus durch …

Aber manchmal schaffen es selbst im Titel nicht alle Buchstaben ins Netz:

Kan doc i de Hekti ma passiere.

Nun, aber «nau.ch» wird doch sicherlich das Niveau höher legen.

Oh je, zwei Werbeartikel und daneben ein für 99,9 Prozent aller Leser völlig uninteressanter Beitrag über Bitcoin.

Aber gehen wir doch zu ernsthaften Themen über, zum Beispiel die Wirtschaft:

Hm, also das nennt man gemischte Nachrichten. Nur ist der Leser verwirrt: geht’s nun in Asien rauf oder runter? Lassen die Sorgen nach oder steigen die Befürchtungen? Das kann man halt so oder so sehen.

Wir klettern in die Höhe der Qualitätsmedien

Einer geht noch? Also gut, wir klettern in die Höhe der seriösen Berichterstattung, die unbedingt mit einer zusätzliche Milliarde Steuergelder subventioniert werden muss.

Beim Blatt mit dem Abflussrohr im Logo stimmen wenigstens Gewichtung und Mischung:

Nein, Moment, so ist’s noch besser:

Apropos Medienmilliarde, es geht doch nichts über eine objektive, ausgewogene und unabhängige Berichterstattung:

Werfen wir auch hier einen Blick (ha, wir Scherzkekse) in die Wirtschaft:

Kalter Kaffee, zwei dem Leser an einem gewissen Körperteil vorbeigehende Artikel plus Werbung.

Übrigens, kommt die Medienmilliarde, dann kann sich die Bildredaktion beim Bilderblatt «Blick» auch wieder ein aktuelles Foto eines Schweizer Kassenzettels leisten. Statt einer Aufnahme aus dem Euro-Raum und vom Jahr 2015:

 

Wir haben fertig. Und brauchen einen Kaffee fertig. Den wir durch die Maske schlürfen werden.

Niederlagen sind Siege

Ob Sabotage, falsch angepackt oder einfach Versagen: Impfwoche schönschwätzen bei den Medien.

Wir können zuschauen, wie rund 100 Millionen Franken Steuergelder in den Abfluss gurgeln. So viel kostet die «Impfwoche». Gewinner sind eigentlich nicht in Sicht. Ausser der federführenden Werbeagentur, dem Konzertveranstalter und ein paar Künstlern, denen es egal ist, ob sie vor einer Handvoll Zuschauer spielen. Solange die Gage stimmt.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Echt bedenklich ist aber das Schönschreiben in den Medien. ZACKBUM-Redaktor René Zeyer verbrachte einige Jahre als Korrespondent auf Kuba. Inzwischen durch die Segnungen des Internets etwas aufgelockert, gab und gibt es dort legal ausschliesslich Staatsmedien.

Federführend ist die Parteizeitung «Granma». Die Grossmutter, benannt nach der Yacht, mit der Fidel Castro und eine handvolle Guerilleros landeten, um innert kürzester Zeit das Regime des Diktators Batista zu besiegen, kennt nur drei Arten von Nachrichten.

Das waren noch Zeiten.

Schlechte aus dem kapitalistischen Ausland, ganz schlechte aus den USA – und gute aus Kuba. Planübererfüllung, Erfolge, feste Absichten, revolutionärer Elan, Vertrauen in die Führung. Wenn etwas nicht ganz perfekt klappt: die Umstände, die USA, der Imperialismus, die Handelsblockade, Corona.

Man fragte sich Tag für Tag, wie das die vielköpfige Redaktion nur im Kopf aushält. Jeder dieser Schreiber lebte doch auch in der kubanischen Realität, die nun immer weniger mit ihrer schöngefärbten Darstellung auf geduldigem Zeitungspapier zu tun hatte. Man musste eine spezielle ideologische Verblendung oder reinen Opportunismus vermuten.

Kubanische Zustände in der Schweiz

Man hätte es aber nicht im Traum für möglich gehalten, ähnlichen Zuständen in der Schweiz zu begegnen. Konkret in der medialen Darstellung der «Impfwoche». Ohne Übertreibung ist jetzt schon absehbar: ein 100-Millionen-Flop. Keines der Ziele wurde erreicht, alle verfehlt. Die meisten Massnahmen entfalteten die Wirkung eines Knallfroschs, dem die Zündschnur feucht geworden war.

Die Konzerte, die Impfangebote, die Aufrufe, die ganze Kampagne: peinlich gescheitert. In der Realität. Aber nicht in den Medien.

Tapfer fabuliert eine «watson»-Reportage die Sache schön:

«Nein, es ist dieser in Stein gemeisselte Optimismus. Trotz allen Schwierigkeiten und Anfeindungen, trotz der schieren Aussichtslosigkeit des Unterfangens blicken auch hier alle voller Zuversicht nach vorne. Spritze für Spritze Richtung Ende der Pandemie. Und wenn es hilft, dann auch zwischen Billy-Regal und Köttbullar.»

Poetische Durchhalteparolen bei der Beschreibung von «Impf-Teams», die sehr, aber sehr viel Zeit haben, zusammen Kaffee zu trinken.

Aggressive Kampagne der USA gegen Friede und Stabilität auf Kuba …

SRF kümmert sich um die Erledigung von Widersprüchen. Dänemark, der gelobte Impfchampion in Europa, das Vorbild. 75 Prozent, davon könnte sich die Schweiz mehrere Scheiben abschneiden, da müssen wir auch hin. Und nun das: «Corona-Beschränkungen werden wieder eingeführt und es braucht ein Zertifikat für gewisse Aktivitäten.» Blöd aber auch, wie denn das? ««Ein Punkt bei den Corona-Impfungen ist, dass man das Virus unter Umständen trotzdem weitergeben kann», erklärt SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel.»

Ach was, und deshalb sollen sich in der Schweiz dank der Impfwoche möglichst viele impfen lassen? Nun, da helfen nur die ewig gleichen Horrorprognosen:

««Die Zahl der Ungeschützten und ihr Ansteckungsrisiko sind entscheidend.» Laut aktueller Schätzung des BAG seien etwa eine Million Erwachsene ungeschützt. «Das kann, wenn sich alle infizieren, noch einmal Tausende Menschen in die Spitäler bringen.»»

Gelenkiger als ein Parteiorgan im Wendehalsen 

Treffen die nicht ein, ist man inzwischen gelenkiger als ein Parteiorgan, wenn es mal wieder mit der Planerfüllung nicht geklappt hat. Besondere Aufmerksamkeit wurde Afrika zu teil. Einstellige Impfquoten, trümmeliges Gesundheitssystem, Massensterben mit Ansage. Und nun das:

«Das Wunder von Afrika. Alle erwarteten eine Katastrophe und sprachen von einem «zynischen Live-Experiment»: Doch der Kontinent kam bisher glimpflich durch die Pandemie. Eine Nachricht, die guttut.»

Die SoZ wird fromm und glaubt an Wunder. Dabei handelt es sich bloss um eine weitere, krachende Fehlprognose. Aber zurück in die Schweiz.

Auch CH Media bemüht sich, möglichst gute Miene zum peinlichen Schauspiel zu machen. Der Reporter muss zwar launig beschreiben, wie Kälte und gähnende Leere seine Reportage begleiten. Aber, als alter Profi weiss er, dass der Schluss hängen bleibt: «In Zürich ist etwas ausgebucht, zum ersten Mal auf dieser Reise. Im Verlauf des Tages kam es zu Szenen, wie man sie sich im ganzen Land erhofft hatte: lange Schlangen, und zwar vor dem Impfdorf im Zürcher Hauptbahnhof. Allerdings gehören die Wartenden nicht zum primären Zielpublikum. Der Grossteil will nicht die erste Impfung. Sondern den Booster. Am Abend leuchtet über dem Impfdorf eine Anzeige, «Booster-Impfungen ausgebucht».»

Da hilft nur nur noch Poesie …

Sonst hilft wohl nur noch beten: «Katholiken für die Impfung: “Chance, weiterhin Solidarität zu leben”», titelt kath.ch mit frommem Gottvertrauen. «zentralplus» sieht es etwas nüchterner: «Luzerner Impfwoche startet verhalten». Aber auch hier werden Erfolgsmeldungen zusammengekratzt: «Deutlich erfolgreicher verläuft die Kampagne des Impftrucks. Dieser war am Montag in Malters, wo sich 136 Personen haben impfen lassen.»

Richtig genial ist aber die Schlussfolgerung, zu die der Kommentator von Tamedia kommt:

«Wir sollten erst jene impfen, die wollen»

Bevor wir diese impfen, die nicht wollen. So blöd hätte nicht mal «Granma» kommentiert. Aber vielleicht sollte er sich bewerben.

Es darf gelacht werden: «watson»

Wir hatten uns Abstinenz verordnet. Aber das Angebot ist mal wieder überwältigend.

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Daher ein neuer Beitrag in unserer beliebten Serie: Fotoromanza. Bilder sagen mehr als tausend Worte, und «watsons» Worte sagen nix.

Grafiken aber auch nicht:

Nix Neues im Spital, aber wenn’s halt einen Artikel braucht, braucht’s auch eine Illu. Braucht’s das? Nein, aber hallo, das Internet hält’s aus.

«watson» ist bekanntlich der Meister des Listicals. Also der sinnlosen Zusammenstellung von sinnlosen Dingen. Kann man sinnlos eigentlich steigern? Der Versuch:

Zum Beispiel?

Der Leser muss es auf den Knien danken, dass ich ihm die übrigen 24 Dinge erspare.

Quiz ist immer gut, das weiss auch «watson». Also ein Englisch-Sprachquiz. Grausam originell? Stimmt, aber natürlich legt «watson» auch da noch einen drauf:

Geniale Idee: Wieso wird nicht alles auf «watson» rezykliert? Merkt keiner, fällt nicht auf, spart ungemein Stellen ein, «win win» nennt das der moderne Medienmanager.

Empfindsame Gemüter, weggeschaut. Das hier ist noch harmlos:

Wer hier noch «hä?» sagt, kriegt’s knüppeldick bei der Erklärung:

Wohl der passende Moment, darauf hinzuweisen, dass wir hier nichts erfinden. Es ist reine Realsatire. «Oder halt eben darum, die harte Nuss zu knacken.» Wer diesen Satz nicht versteht, hat den «watson»-Intelligenztest bestanden: er ist völlig unverständlich.

Aber nun werden wir ernst, versprochen. Es geht um ein ernstes Thema:

Wenn man erfährt, dass es sich um den Krachbum-Selbsttester Wenke von Wilmersdorff handelt, kommen einem erste Zweifel an der Ernsthaftigkeit. Hier werden sie bestätigt:

Die Resultate sind tatsächlich erschreckend, vor allem die Auswirkungen auf seine Hirntätigkeit. Aber ZACKBUM weiss, seine Leser warten schon ungeduldig auf den Höhepunkt jeder Berichterstattung über diese Schande des Journalismus. Bitte sehr, hier kommt sie, eine «Analyse» von Philipp Löpfe.

Asterix! Der Fischhändler und der Schmied! Geniale Idee. Aber Johnson ist kein Gallier? Macht doch nix. Er ist ja auch kein Schmied. Oder ist er Fischhändler? Aber wer ist dann Macron? Wo hängt der Hammer? Alle Antworten findet man sicher im ellenlangen Artikel Löpfes. Wir aber haben fertig.

 

«Bild»! Chef! Weg!

Nabelschau aller Orten. Ein Boulevardblatt feuert den Chef. Wahnsinn.

«watson» findet mal wieder die falschen Worte im Titel: «Medien-Tornado in Deutschland». Echt jetzt? Erscheinen die Tageszeitungen wegen Papiermangels nur noch als Faltblatt? Wurde das ß abgeschafft? Hat ein Chefredaktor vergessen, wo er seinen Porsche geparkt hat? Hat Tamedia vergessen, daraus parkiert zu machen?

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Nein, der «Tornado» besteht darin, dass der Chefredaktor der «Bild»-Zeitung gefeuert wurde. Per sofort, denn anders geht das bei einem Chef nicht. Oder um es mit dem «Blick» ganz seriös zu formulieren: «Axel Springer entbindet «Bild»-Chefredaktor Reichelt von seinen Aufgaben». Ist halt schon blöd, wenn man mit Springer als Juniorpartner verbandelt ist.

Eigentlich ist die Story vom Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» schon längst auf den Punkt gebracht worden, wie es ein guter Boulevard-Journalist nicht besser könnte:

«Vögeln, fördern, feuern».

Das scheint eines der Führungsprinzipien von Julian Reichelt gewesen zu sein.

Inzwischen hat der Boulevard-«Spiegel» ganze acht Redaktoren an die Story gesetzt: «Warum Julian Reichelt gehen musste». Die zähe deutsche Regierungsbildung, Corona, Wirtschaft, nichts ist so wichtig wie diese Personalie. Auch in der Schweiz. Das Medienarchiv verzeichnet rund 100 Treffer für Reichelt, alle Schweizer Printmedien haben über den Rausschmiss berichtet.

Eigentlich eine banale Personalie

Dabei ist die Story so banal wie schnell erzählt. Ein erfolgreicher Chefredaktor kann seinen Hosenschlitz bei der Arbeit nicht geschlossen halten, reaktiviert die Casting-Couch und ermöglicht Karrieren per Beischlaf. Eine erste Untersuchung überlebt er noch leicht ramponiert, machte aber offenbar fröhlich weiter.

Bis dem Springer-Boss der Kragen platzt und Mathias Döpfner vornehm zum Zweihänder greift und köpft: «Privates und Berufliches nicht klar getrennt, dem Vorstand die Unwahrheit gesagt, Weg gerne gemeinsam fortgesetzt, das ist nun nicht mehr möglich.»

Um die Absetzung herum entwickelten sich tatsächlich lustige Nebengeräusche. Zunächst ist Reichelt Opfer einer globalisierten Welt. Denn Springer hat sich das Politportal «Politico» in den USA gekrallt. Eigentlich ein kleiner Laden, aber bedeutend als Nahbeobachter der Politik in Washington. Anlass für die NYT, sich den Käufer mal genauer anzuschauen.

So kam Reichelt in die NYT

Auch die grosse «New York Times» kann Boulevard: «At Axel Springer, Politico’s New Owner, Allegations of Sex, Lies and a Secret Payment». Darunter ein Foto von Reichelt, der sich sicherlich nicht gewünscht hätte, einmal so dort aufzutauchen.

Die Recherchen der NYT ergaben offenbar, dass einiges stinkt im Reiche Döpfner, und dass vor allem Reichelt im Zeitalter von «#metoo» schon längst untragbar war. Allerdings durch seinen Erfolg geschützt blieb, denn die «Bild»-Zeitung hat unter seiner Leitung die allgemeine Auflagenerosion zum Stillstand gebracht und durch knalligen Boulevard ihre Rolle als Meinungsbildner aufgefrischt. Denn wie sagte schon Altkanzler Gerhard Schröder so richtig: Man könne in Deutschland nicht gegen die «Bild» regieren.

So geht relevanter Boulevard.

 

Die Frage bleibt allerdings offen, wieso es genau in Zeiten von «#metoo» genügend willige Weiber gab, die sich tatsächlich den Weg nach oben erschliefen. Aber bald werden wir sicherlich erste Opferschilderungen vernehmen müssen, die wir den Lesern von ZACKBUM aber nach Möglichkeit ersparen.

Eine zweite knackige Nebenstory ergab sich aus der Tatsache, dass parallel zur NYT auch ein Investigativteam der Mediengruppe Ippen dem Unhold Reichelt nachrecherchierte. Aber das Verlagshaus heisst so, weil es dem Senior Dirk Ippen gehört («Frankfurter Rundschau», «Münchner Merkur» und das Boulevardblatt «TZ»).

Der hatte sich gerade, schon wieder Globalisierung, ein Team von der deutschen Ausgabe von BuzzFeed eingekauft. Die wollten als Einstiegskracher ebenfalls die schmutzige Unterwäsche von Reichelt an die Leine hängen. Aber da griff Ippen persönlich ein und stoppte die Publikation zwei Tage vor dem vorgesehenen Zeitpunkt.

Begründung:

«Als Mediengruppe, die im direkten Wettbewerb mit ›Bild‹ steht, müssen wir sehr genau darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, wir wollten einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden.»

Das ist nun putzig und rührend, aber sicherlich nicht die Wahrheit.

Mir san mir und ich bin der Chef: Dirk Ippen.

Wir fassen das laue Lüftchen zusammen, das in den Schweizer Nabelschaumedien Themen wie drohende Energiekrise oder Corona locker wegblies. Ein Boulevardchef knüpft an die schlechten, alten Zeiten an. Sein Verlag stützt ihn als Erfolgsbringer. Der Ankauf eines US-Blogs erregt die Aufmerksamkeit der NYT, was in Deutschland untersagt wurde, wird in den USA publiziert. Weg isser.

Wäre doch eine Knaller-Story hier gewesen …

Sonst noch was? Ach ja, Christian Dorer könnte das garantiert nicht passieren. Ausgeschlossen. Für diesen Schwiegergmuttertraum legen wir die Hand ins Feuer. Vorstellbar wäre ein abruptes Ende höchstens, wenn der Hobbybusfahrer auf dem Fussgängerstreifen einen Rentner mit Rollator totfahren täte.

Under new management, wie der Ami sagt.

 

 

Ex-Press XLVI: Gaga und Gugus

Blasen aus dem Mediensumpf. Heute: alles gaga oder was.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Die Versuchsanordnung ist diesmal einfach. Das Organ gibt seine Spitzenwerke gratis ab, und sie zeichnen sich durch einen höheren Newswert aus. Oder anders formuliert: sie sind gaga, gugus oder beides.

Wenn davon die Rede ist, vielleicht gab’s schon Entzugserscheinungen, muss natürlich sofort «watson» kommen, kein Zweifel. Um uns dem Niveau anzunähern, erzählen wir dieses Ex-Press wieder als Fotoromanza, als Bildergeschichte.

Beim Bericht über den Gotthard-Fahrer kommt «watson» schriftlich ins Stammeln.

«watsons» Beitrag zu: das will man sicher nicht wissen.

Philipp Löpfe hat mal wieder die NYT gelesen – und nicht ganz verstanden.

 

So eingestimmt und tiefergelegt schreiten wir zu «20 Minuten».

Bekannt? Na und, die Medienmitteilung der Urne Polizei kann halt jeder abschreiben ..

Erklärungen würden hier zu weit führen. Es hat aber nichts mit Hellsehen zu tun. 

Das ist für ZACKBUM die News des Tages, ohne Zweifel.

Für alle, die noch nicht auf dem Zahnfleisch gehen, wir schreiten zu «blue News».

Die Message der Werbung versteht man noch, aber den Rest?

Nochmal der Tunnel? Aber sicher, das Fitessen kommt dann auch nochmal …

Sowohl gaga links wie gugus rechts haben wir nicht erfunden.

Einer geht noch, das stehen wir gemeinsam durch; eine solche Reihe wäre unvollständig ohne «Blick».

Wir hatten gewarnt, das Eingeklemmte wird uns verfolgen.

Wir widersprechen einem Hirnforscher nur ungern. Aber das Hirn in der Hand scheint schlauer zu sein als der Kopf dahinter.

Wen das nicht mit der Newslage, der Queen und dem Leben versöhnt, ist ein Unmensch.

Wie tief runter geht’s eigentlich?

Ein Verlegerclan, der «Mein peinlichster Sexunfall» für sendefähig hält, hat auch mit «watson» keine Probleme. Aber man ist im Hause Wanner doch sehr schmerzfrei.

Vielleicht hilft der Rebensaft von den eigenen Weinbergen unterhalb des eigenen Schlosses, dass Wanners die unablässigen Versuche von «watson», die Latte noch tiefer zu legen, kommentarlos ertragen.

«watson»-Niveau wäre hier: ha, ha, Latte, tieferlegen, da kriegt einer keinen hoch, gröl. Ist jetzt etwas bösartig?

Ach was:

Die «watson»-Leserin mit dem fantasielos erfundenen Namen «Anouk» hat nämlich folgendes Problem: sie habe besoffen im Ausgang zugestimmt, dass ihr Freund auch mal Sex mit einer anderen haben dürfe. Oder wie «Anouk» das formuliert: «Weil ich besoffen JA gesagt habe, soll er mich jetzt also betrügen dürfen – ich hätte es schliesslich erlaubt – so seine Argumentation. Ich meine, hallo? Hackts?!»

Es hackt, stimmt da die genauso blödsinnig erfundene «Emma Amour» zu:

«Man kann es drehen, wie man will: Alkohol kann schon ein ausserordentlich grosser Wi***er sein. So wie in deinem Fall. Ich kann dir so gut nachfühlen. Mir hätte dieses «Suff-Gate» auch sehr gut passieren können.»

Wieso Konjunktiv, Pardon, Möglichkeitsform? Passiert in dieser Kolumne doch ständig und in aller Öffentlichkeit. Alle Sex-Ratgeberinnen von «Liebe Marta» abwärts rotieren jetzt in ihren Gräbern, wenn hier geraten wird: «Findet raus, ob es sich nur um eine Fantasie handelt oder ob er sich das so ganz ernsthaft wünscht.»

Wenn’s vorbei sein sollte, geht’s noch weiter

Ist damit die Peinlichkeit vorüber? Nein, nicht ganz: «Und was würdest du Anouk antworten? Und nun: Lustige Bilder von betrunkenen Menschen.»

Also liebe Familie Wanner, bei allem Verständnis dafür, dass Schloss, Weinberg und Lebensstil halt auch kosten: dafür wollt Ihr wirklich eine Subventionsmilliarde dem Steuerzahler aus der Tasche ziehen? Ach so, für «watson» würdet ihr nix kriegen, weil das eine Gratisgazette ist? Dafür denkt ihr doch daran, so eine Art Club einzuführen, damit es doch Batzeli gibt.

Schliesslich ginge auch die «Republik» eigentlich leer aus, da sie ja nicht abonniert werden kann, sondern jeden Trottel, der dafür Geld rausschmeissen will, gleich zum Verleger macht. Aber das konnte noch geflickt werden, also dürfte auch «watson» schon noch Steuerknete für solchen Schwachsinn kriegen.

Vorausgesetzt allerdings, das Referendum gegen die Unterstützung armer Multimillionäre kommt nicht durch.

Ach, diese Kolumne ist halt ein Ausrutscher? Nun ja, da hätten wir auch die Meldung «Britney Spears hat sich verlobt – und kann es nicht fassen». Wie äussert sich denn ihre Fassungslosigkeit? «I can’t fucking believe it.»

Gut, auch kein Stabhochsprung des Journalismus. Dafür hätten wir an diesem Zertifikats-Montag aber noch die Unterschiede zwischen vor Corona und heute «in 9 Grafiken». Gut, das ist sicherlich etwas anspruchsvoller:

Nein, das haben wir nicht selbst gezeichnet.

Drunter steht doch tatsächlich: «grafik: watson». Wenn’s nicht ironisch gemeint ist, ist’s völlig schmerzfrei.

Aber gibt’s denn kein Zipfelchen Qualitätsjournalismus, wenigstens eine Eigenleistung? Doch, allerdings:

Das war immerhin ein Rundblick ohne Beiträge von Philipp Löpfe oder Simone Meier. Aber wir wissen, wann wir aufgeben müssen.

Ihr solltet Euch was schämen.

Hilfe, mein Papagei onaniert XIV

Unsere Sammlung; diesmal: gute Ansätze, die leider im Absurden enden.

Guter Ansatz und «watson»? Bei einer «Analyse» von Philipp Löpfe? Doch, Wunder gibt es immer wieder. Denn Löpfe zieht wie das Jüngste Gericht über das neue Abtreibungsgesetz im US-Bundesstaat Texas her.

Guter Ansatz, denn die USA sind neben vielem anderen das Heim für absurde und bescheuerte Gesetze. Die führen dazu, dass Alkoholika nur in braunen Tüten im Auto mitgeführt werden dürfen, küssen in der Öffentlichkeit verboten ist oder das Rauchen in den eigenen vier Wänden.

Oder aber, in Texas eine Abtreibung nach der sechsten Schwangerschaftswoche vorzunehmen. Schlimmer noch, alle daran Beteiligten bis hin zum Taxifahrer können mit drakonischen Bussen überzogen werden; jeder darf einen solchen Vorgang denunzieren und bekommt allenfalls sogar noch eine Belohnung dafür.

Dagegen tobt Löpfe, natürlich zu Recht. Schon wackeliger wird seine «Analyse» wenn er behauptet:

«Wer es sich leisten kann, kann jederzeit in ein Flugzeug steigen und die Abtreibung in einem liberalen Bundesstaat vornehmen lassen. Frauen, die drei Jobs ausführen müssen, um vier Kinder zu ernähren, haben diese Option nicht.»

Nun, es muss ja nicht ein Flugzeug sein; allerdings kostet ein Roundtrip mit Greyhound nach San Diego zum Beispiel doch 400 Dollar. Ein One-way-Ticket kostet hingegen mit einer Cheap Airline schlappe 49 $. Geht.

Guter Ansatz, dann aber verdribbelt

Abgesehen davon, dass dieses Gesetz höchstwahrscheinlich nicht Bestand haben wird, denn es verbietet faktisch auch Abtreibungen nach Vergewaltigung oder Inzest: in den USA gibt es noch genug Bundesstaaten, die sehr liberale Abtreibungsgesetze haben – wie Kalifornien. Trotz dieses Gesetzes sind die USA immer noch eine Demokratie.

«Warum Texas schlimmer als China ist»

blödelt Löpfe jedoch im Titel, und das versucht er auch im Text aufzufangen. Schade aber auch, guter Ansatz. Aber verstolpert, vergeigt, verkackt.

Apropos, dieser Bericht über eine Schweizer Skulptur in Moskau ist hingegen lustig:

Sieht für Kunstbanausen wie ein Haufen Kacke aus.

Das Zentralorgan der unaufgeregten Nachrichten vermeldet angebliche Verkaufsschwierigkeiten an der Goldküste. Es geht um die Villa des Ex-CS-CEO Tidjane Thiam. Nach seinem unfreiwilligen Abgang schrieb er seine Villa in Herrliberg zum Verkauf aus, kä Luscht mehr auf die Schweiz.

Bis hierher bewegen wir uns noch auf gesichertem Boden. Ein Luxus-Immobilienhändler führte die Villa auf seiner Webseite und pries sie dort im handelsüblichen Jargon an. Nun aber, wie den knallharten Rechercheuren von «Blick» nicht entging, ist es weg, das Inserat:

Ohä. Dabei ist Thiam «laut Notariat» immer noch Besitzer der Liegenschaft. Was ist da los? Guter Ansatz, aber dann geht’s mitten ins Gebüsch. Denn weiter sind die Rechercheure nicht gekommen. Überraschenderweise will der Immobilienmakler nichts sagen, Thiam stand auch nicht zur Verfügung, als wäre hier eigentlich Ende Gelände.

Schon zwei Telefonate gemacht, das muss eine Story werden.

Ausser, man beginnt zu spekulieren. Will Thiam doch wieder in die Schweiz zurück? Hat er keinen Käufer gefunden? Ist der verlangte Preis zu hoch? Oder könnte es gar Rassismus sein, will keiner einen Schwarzen als Vorbesitzer?

Man weiss nichts Genaues und verläuft sich in Absurdistan. Dabei wäre die naheliegendste Spekulation leider die unspektakulärste: Es wurde ein Käufer gefunden, aber die Handänderung dauert halt noch ein Weilchen. Da gilt aber die alte Boulevard-Regel:

Recherchier oder spekulier deine Story niemals zu Tode.

Apropos, auch das hier ist so eine Nullmeldung:

Gesundheitszustand, Grund für die lange Abwesenheit, wird er wieder zurückkehren? Genaues weiss man nicht, aber daraus kann man doch einen Artikel basteln.

Gut, direkt kann CH Media nichts dafür. Aber das Wanner-Imperium hat geradezu grobfahrlässig eine Gastkommentatorin publiziert. Es handelt sich um Susanne Wille. Wie sagte SRF-Direktorin Nathalie Wappler bei derem Antritt als neue Kulturchefin:

«Susanne Wille verbindet journalistische Kompetenz und Kulturaffinität.»

Das war nun nicht wirklich ein guter Ansatz, da beides bezweifelt werden muss. Mit ihrem Gastkommentar gibt Wille diesen Zweifeln neue Nahrung.

Wille fordert mehr Satirikerinnen. Also mehr Bildschirmpräsenz für weibliche Satiriker. Öhm. Dafür könnte sie doch eigentlich als Kulturchefin sorgen? Also bezüglich Logik müssen wir Wille schon mal ein «ungenügend» geben. Kommen wir zum Einstieg in den Kommentar, wie jeder Journalist weiss, ist das die halbe Miete, will man gelesen werden. Will Wille?

«Eigentlich müsste ich diesen Text mit einem bissigen Spruch oder einem knackigen Witz beginnen. Nur überlass ich das jenen, die das besser können. Insbesondere den Frauen, denn in diesem Text geht es um Satire von Frauen.»

Nennt mich Macho, aber auch hier muss man sagen: «setzen, ungenügend.» Dann mäandert sich Wille durchs Thema. Es gebe schon Satirikerinnen in der Schweiz. Auch gute. Aber dann doch nicht. Oder schon, oder so. Ach, überhaupt:

«Es braucht beides. Gute Satiriker und gute Satirikerinnen. Aber es braucht für beide gleich viel Platz auf der Bühne, in TV- und Radiosendungen und im Netz.»

Ja um Willes willen, wenn Wille schon die Quoten-Satirikerin einführen will, was ja Anlass zu Satire wäre, dann soll sie das doch einfach tun. Damit wäre allen gedient, vor allem den Lesern von CH Media.

 

Es darf gelacht werden: Afghanistan brunzblöd

Journalisten bei ihrer Lieblingsbeschäftigung beobachtet: Feldherren am Schreibtisch spielen.

Wenn von brunzblöd die Rede ist, kommt einem natürlich zunächst «watson» in den Sinn. Dort wird man auch sofort fündig. Der Geostratege und Historiker Peter Blunschi holt zuerst weit aus, knöpft sich dann die Kommentatoren beim «Tages-Anzeiger» und der NZZ vor, um zu urteilen:

«Kritiker von Joe Bidens Truppenabzug behaupten, der Verbleib von wenigen US-Soldaten in Afghanistan hätte die Taliban abschrecken können. Diese Illusion ist nicht nur dumm, sondern gefährlich.»

Wozu hatte man Geschichte in der Schule, sagt sich Blunschi, und zieht einen kühnen Bogen zum Ende des Ersten Weltkriegs und der «Dolchstosslegende» damaliger Militärköpfe. Hat zwar nix mit Afghanistan im Jahr 2021 zu tun, hört sich aber gelehrt an. Gelehrt? Blunschi studierte «zeitweise Germanistik und Publizistik, kam dann aber schon früh zum Journalismus». Auf Deutsch: Studium abgebrochen, seither schreibt er über alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Gibt’s denn nur Kritik an der Kritik bei «watson»? Aber nein, Vanessa Hann weiss: «So hätte der Westen die Misere in Afghanistan verhindern können: 3 Punkte». Die Praktikantin hat an der ZHAW «vor ihrem Einstieg in den Journalismus Kommuniklation studiert» und schreibt ebenfalls alles weg, was nicht schnell genug die Flucht ergreift.

ZACKBUM hätte nie gedacht, dass wir den Obergeostrategen und Rechthaber aller Klassen mal vermissen würden. Doch leider scheint Philipp Löpfe in den Ferien zu weilen. Schade aber auch.

Nächstes Gratis-Angebot an Einblicken

Ans Portemonnaie fasst bei «20 Minuten» die neue leitende Redaktorin Claudia Blumer: Rund 30 Schweizer seien noch in Afghanistan, ohne in offizieller Mission unterwegs zu sein, und deren Evakuierung müssen die dann zu «marktüblichen Preisen» bezahlen. Das ist zwar schon seit Jahrzehnten überall auf der Welt so, aber vielleicht wusste das Blumer nicht. Das EDA weiss auch nicht viel:

«Wie viel die 30 Schweizer für ihre Rettung werden bezahlen müssen, gibt das EDA nicht bekannt. «Das ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht definiert», sagt Sprecher Valentin Clivaz.»

Nicht viel wissen, beste Ausgangslage für eine Newsstory. Immerhin, «20 Minuten» verzichtet weiterhin eisern auf Kommentare, das ist wohltuend. So bleibt auch Platz für die Hammermeldung der Woche:

Was die Taliban dazu sagen würden?

Die zwei weiteren Gratisportale und ihr Angebot

Das dritte Gratismedium im Bunde, nau.ch,  lässt es bei einem Newsticker bewenden, in der wohl richtigen Annahme, dass ohne grosses Gemetzel Afghanistan langsam aus den Schlagzeilen verschwindet.

Ach, da gäbe es noch den heimlichen Star unter den Gratis-Newsportalen: «blue news». Das hat sich sogar zu einer Eigenleistung aufgerafft, ein Interview. Kostet nix, braucht keine Spesen, der Journalist kann in seiner Verrichtungsbox sitzenbleiben.

Hinauf zum Hochamt der Analyse

Welche Erkenntnisse haben denn die Qualitätsmedien zur Hand? Wir schauen ganz nach oben, zur NZZ. Da ist Weltanalyse natürlich Chefsache, also dekretiert Eric Gujer:  «Der Westen kann die Welt nicht retten». Eine schockierende Nachricht nicht nur für Afghanistan. Brauchen wir nun geistliche Unterstützung, um uns auf das Ende der unrettbaren Welt vorzubereiten?

Wer solche Grossanalysen schwingt, sollte sich im Kleinen nicht irren. Doch Gujer schreibt einleitend über den Rückzug aus Vietnam:

«Das Bild des Helikopters auf dem Dach der US-Botschaft in Saigon hat sich in das Gedächtnis eingebrannt.»

Leider liest Gujer die reine Quelle der Wahrheit nicht aufmerksam genug. Wir bei ZACKBUM können zwar die Welt auch nicht retten, aber immerhin das Gedächtnis von eingebrannten Fehlmeinungen reinigen: Es war nicht das Dach der Botschaft, lieber Chefredaktor. Vielleicht mal wieder etwas das Hirn auslüften, am besten in einem Wellness-Hotel in Österreich?

Was weiss denn das Qualitätsimperium Tamedia? «Taliban in Afghanistan: Den Gotteskriegern droht das Geld auszugehen». Nun ist aber Tamedia selbst leider das Geld schon länger ausgegangen. Also das Geld, um eine eigenständige Berichterstattung als Gegenleistung für schweineteure Abonnements zu liefern. Denn dieser Artikel ist natürlich, wie das meiste in diesem Blatt, von der «Süddeutschen Zeitung» übernommen. Was es auch nicht besser macht, denn deren Analysefähigkeiten waren auch schon mal grandioser.

Das ist doch sicherlich beim anderen Mitspieler im Duopol der Tageszeitungen anders. Nicht wirklich. CH Media greift auf die Erkenntnisse von Michael Wrase zurück. Der kennt sich im Mittleren Osten aus, Iran, Beirut, Damaskus und so. Das qualifiziert ihn selbstverständlich zum Afghanistan-Spezialisten. Daher macht er sich hurtig an die Beantwortung von zehn Fragen. Als erfahrener «Spezialist» hält er sich bei seinen Antworten aber mehr zurück als ein Banker, der über die Kurse von morgen befragt wird; sind die Taliban nun gemässigter als früher?

«Wie ihre versprochenen Korrekturen aussehen werden, ist gegenwärtig schwer zu beurteilen.»

Das hätte ein afghanischer Windhund, könnte er sprechen, auch nicht besser formuliert.

Ganz deutlich positioniert sich hingegen das Blatt mit dem Regenrohr im Logo, der «Blick»:

Ob das tatsächlich flächendeckend gemacht wird, weiss allerdings niemand. Doch besser eine steile Ansage, als überhaupt keine Aussage.

Afganistan brunzblöd; wer bislang nicht verstanden hat, wieso die westliche Intervention dort scheiterte, nach diesem Scheitern der westlichen Medien, genauer der Schweizer, dürfte es klar sein. Ein fremdes Land mit fremden Gebräuchen und Traditionen braucht etwas Grips statt Geplapper. Kenntnis statt Geschwurbel. Sonst wird das nie was.