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20 Minuten Quatsch

Papierlos, warum nicht. Aber auch hirnlos?

Gut, «Watson» spielt in einer noch tieferen Liga. Aber auch «20 Minuten» bemüht sich klickgetrieben, jeden beliebigen Unfug ins Netz zu stellen. Gerne auch vom sogenannten «Leserreporter»:

Wobei, der heisst moderndeutsch nun «News-Scout». Beides Euphemismen für normale Mitmenschen, die mit einer Handykamera und Zugang zum Internet ausgerüstet und in der Lage sind, ein Video aufzunehmen. Das wird dann von der «Praktikantin» Michelle Brazerol online gestellt. In Befolgung ihres Lebensmottos: «Es ist ihr sehr wichtig, die journalistischen Werte von 20 Minuten zu vertreten, wie sie in den publizistischen Leitlinien festgehalten sind: verlässliche und ideologiefreie Berichterstattung in verständlicher Sprache.»

Die Vorlieben des Publikums des Gratisblatts, Pardon, der Gratis-Plattform, sprechen auch für sich:

Das erinnert irgendwie an den Spruch: Fresst Scheisse. Millionen von Fliegen können nicht irren.

Gerne wird auch hier dem Fachmann, sogar der Fachfrau, Raum für Selbstdarstellung eingeräumt:

Hier darf «Stadtpsychologin» Alice Hollensteinist Gründerin von Urban Psychology. Mit Ihrer Tätigkeit möchte sie Menschen einen würdigen Lebensraum ermöglichen, der eine achtsame Interaktion zwischen ihnen und der Umwelt fördert») Werbung für sich selbst und in eigener Sache machen. Gelegenheit dazu bietet ihr Daniel Graf, seines Zeichens «Leiter des Ressorts News, Wirtschaft & Videoreportagen und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung». Dafür braucht wohl auch er die extrabreite Visitenkarte.

Allerdings, um gratis Dienstleistung anzubieten (wobei die Frage offen ist, ob das tatsächlich etwas wert ist), braucht es natürlich Inserate. Besonders schmuck ist dieses hier:

Manchmal müsste man auch den Werbekunden beraten und vor sich selbst schützen.

Dann weitere Breaking News von «News-Scouts»:

Es ist allerdings vorläufig ungeklärt, ob Frosch oder Schlange etwas mit dem Stromausfall zu tun haben. Aber «20 Minuten» bleibt sicher dran.

Wenn es etwas gibt, was garantiert Klicks generiert, dann dieses Thema:

Allerdings: wie genau sie das geschafft haben soll, verrät der Artikel nicht. Dafür, dass hier gegenseitige Beschuldigungen aufeinander prallen. Das senkt die Erregungskurve des Lesers ungemein.

Dafür sind viele der Artikel mit einem hohen Nutzwertfaktor versehen:

Erschütternde Verbrechen weltweit geben die eine oder andere Schlagzeile her:

Auch hier darf der Leser mitspielen:

Dann gleich zwei Dramen unterschiedlicher Schwere nebeneinander:

Ein Beitrag zu «Jugendliche werden auch immer blöder»:

Das gilt allerdings auch für Erwachsene:

Als Absackerchen noch die News von gestern, brandheiss serviert:

Das alles ist natürlich nicht (nur) die Schuld der Redaktion. Sie versucht ja nur, die Wünsche ihres Publikums zu befriedigen. Während der kleine Bruder Tamedia sich darum bemüht, seine Leser ständig zu erziehen, zu bevormunden und zu schurigeln, verzichtet «20 Minuten» vollständig auf Meinung und Kommentare. Das ist gut.

Der Inhalt hingegen, au weia. Wenn man bedenkt, dass «20 Minuten» mit «blick.ch» darum wetteifert, welches die meistangeklickte News-Plattform der Schweiz ist …

Ach, Löpfe

Was der «watson»-Leser alles aushalten muss.

Weil der Wanner-Clan nicht zugeben kann, dass seine einzige Neuerfindung nicht nur ein Flop ist, sondern auch inhaltlich alle Grenzlinien nach unten durchschlägt, darf sich hier ein Philipp Löpfe ungeniert austoben.

Mal eine Sammlung von all time favorites:

«Die Demokratie stirbt in einem Feuerball.
Die SVP übernimmt das ganze Trump-Programm – auch die Lügen.
Eliten, Konzerne oder Rechte «verkaufen die Menschen für dumm».
Das System fliegt uns um die Ohren.
Ein politisches Monster, das wir selbst geschaffen haben.
Die Untoten der Finanzkrise sind zurück.
Ein fauler Kern, der alles vergiftet.
Hier wird ein Krieg gegen die Wahrheit geführt.»

Wie wahr. Oder ein paar Müsterchen aus dem aktuellen Schaffen. Am 10. Mai «analysierte» Löpfe: «Warum Trump eine Dynastie will».

Zunächst lässt er etwas pseudo-klassische Bildung auf den kopfschüttelnden «Watson»-Leser regnen: «Schon die Römer wussten, dass Ruhm vergänglich ist. «Sic transit gloria mundi», lautet ein bekanntes lateinisches Zitat.» Blöd nur: das wussten die alten Römer nicht, denn der Spruch lässt sich erst bei Papstkrönungen ab dem 15. Jahrhundert belegen. Und da waren die alten Römer nicht mehr alt, sondern schon längst tot.

Macht nix, weiter mit mit den wirklich alten Römern: «Und schon die römischen Imperatoren taten alles, um gegen den Zerfall ihres persönlichen Ruhms anzukämpfen. Caligula beispielsweise liess Tempel nach sich benennen, goldene Statuen von sich in Rom aufstellen und machte – um seine Verachtung der politischen Kaste zu demonstrieren – ein Pferd zum Konsul.»

Auch das enthält Spurenelemente von Wahrheit. Wobei das mit dem Pferd üble Nachrede ist; er soll höchstens damit gedroht haben. Aber macht nix.

Aus der Verlorengegangenheit in die Gegenwart: «Donald Trump singt aus dem gleichen Gesangsbuch.» Man kann über den Mann vieles sagen, aber gesungen hat er noch nie.

Dafür: «Nur wenn es ihm daher gelingt, ein Mitglied aus der eigenen Familie ins Oval Office zu hieven, besteht die Chance, dass sein grandioser Kitsch ihn überleben wird. Mit anderen Worten: Trump braucht eine Dynastie. Zu diesem Schluss kommt auch Edward Luce in der «Financial Times».» Na dann, wenn’s nicht auf Löpfes eigenem Mist gewachsen ist, muss es doch stimmen.

Dieser edlen Absicht stünden aber Aussenminister und Vizepräsident entgegen. Daher würden sie «regelmässig gedemütigt». Zum Beispiel, indem nicht DJ Vance als bekehrter Katholik nach Rom reisen durfte, sondern Marco Rubio. Der ist zwar auch Katholik, aber macht ja nix.

Oder in den Worten Löpfes: «obwohl dieser als Aussenminister und Sicherheitsberater in Personalunion angesichts des Irankrieges wohl dringendere Dinge zu tun hätte. Trump will damit aller Welt zeigen, dass Rubio kein Henry Kissinger ist».

Jetzt kommt, Fanfare und Trommelwirbel, der absolute Liebling von ZACKBUM:

«und – um das noch zu unterstreichen – lässt er ihn viel zu grosse, hässliche Schuhe tragen».

Haben wir gelacht. Rubio muss auf Anordnung von Trump zu grosse und hässliche Schuhe tragen, damit niemand denkt, er habe Ähnlichkeiten mit dem Kriegsverbrecher Kissinger. Dem kann man auch vieles vorwerfen, aber zu grosse und hässliche Schuhe hat er tatsächlich nie getragen.

Nun noch eine zusammenfassende Analyse der Zustände in Trumps Regierung:

«Dabei gehören Vance und Rubio zu den Mitgliedern des Kabinetts, denen man zwar mangelnde Moral, nicht jedoch mangelnde Intelligenz nachsagen kann. Für andere Mitglieder der Regierung trifft dies nicht zu, etwa für Verteidigungsminister Pete Hegseth oder FBI-Direktor Kash Patel. Ihr Wirken ist in einem Mass peinlich, dass in Washington derzeit Wetten laufen, nicht, ob, sondern wann sie – wie bereits die Justizministerin Pam Bondi, die Heimatschutzministerin Kristi Noem und die Arbeitsministerin Lori Chavez-Deremer – gefeuert werden

Also, entweder gebricht es den Mitgliedern an Moral – oder an Intelligenz. Oder vielleicht an beidem.

Woran es Löpfe gebricht, nun, da gibt es leider juristische Schranken, die eine Aufzählung verbieten.

Lieblos

Nashörner, Nilpferde und Tagi-Journalisten haben prinzipiell schlechte Laune.

Valentinstag, da bemüht sich jede Redaktion, wenigstens etwas verliebten Kitsch zu produzieren. Oder den Leser zum x-ten Mal zu belehren, dass das angeblich vom heiligen Valentin von Rom komme, der verbotenerweise Liebespaare nach christlichem Ritus traute. Und dafür am 14. Februar 269 u.Z. hingerichtet wurde.

Mehr biologistisch sah man es im Mittelalter: der 14. Februar sei der Beginn der Paarungszeit der Vögel. Also auch für Menschen ein Signal …

Später gaben dann die Produzenten von Glückwunschkarten und vor allem Floristen kräftig Gas. Also sagen wir mal so: besser als Halloween ist’s auf jeden Fall, mitmachen muss ja keiner.

Richtig finster drauf ist aber Sofiya Miroshnyk vonTamedia:

«Keine Eifersucht, keine Kompromisse, keine Körperausdünstungen». Hm. Männer sind offenbar nicht nur Schweine, sondern riechen auch so. Jedenfalls für diese verpeilte Journalistin.

Eine Kommentatorin bringt es eigentlich auf den Punkt: «So viel Klischee und so wenig Witz. Hat KI mitgeholfen?» Wahrscheinlich nicht, denn KI hat ansatzweise schon etwas mit Intelligenz zu tun.

Das Problem von Listicals, abgesehen davon, dass sie ausserhalb von «Watson» so was von gähn sind, besteht darin, dass man den Ball nicht allzu weit ins Feld werfen sollte. Für Anfänger sollte die Aufzählung von zehn Gründen reichen. 20 sind schon gewagt, 33 absolute Todeszone ohne Sauerstoff.

Gleich am Anfang versucht es Miroshnyk mit einer Packungsbeilage, das sei dann «kein allgemeines Männerbashing», im Fall. Worauf dann ein mässig lustiges Männerbashing folgt.

Sie behauptet einleitend: «Am Valentinstag ist Selbstbestimmung manchmal erfüllender als jeder Heiratsantrag.» Das mag so sein, gilt allerdings sowohl für Weiblein wie für Männlein. Schon der erste Grund scheint auf eine erlittene Verletzung hinzuweisen: «Niemand entliebt sich plötzlich von Dir oder verlässt Dich.» Schnief. Richtig, wenn man allein ist, kann das nicht passieren. Der zweite Grund ist schon schwerer verständlich: «Du isst nach Appetit und nicht nach langwieriger Verhandlung.» Hä?

Schon ab dem sechsten Grund geht der Autorin deutlich spürbar die Luft aus: «Du musst keine Körperausdünstungen ertragen, die nicht von dir stammen.» Bitte? Wonach dünsten denn die Männer, die die Dame kennt oder mal kannte? Alles Anhänger des Prinzips «einmal duschen pro Woche reicht, und dann wird auch die Unterwäsche gewechselt»?

Es scheint sich auch um senile Bettflüchter gehandelt zu haben: «Du wirst morgens um sechs nicht geweckt durch ein «Schläfst du noch?».» Also ihre Partner (oder Partnerinnen) hatten offensichtlich ein gravierendes Hygieneproblem: «Deine Wohnung riecht nach Lavendel und nicht nach 3-in-1 Duschgel.»

Auch hier scheinen offensichtlich Therapiestunden nichts genutzt zu haben: «Du musst keinen Mann daten, der öffentlich Bikinibilder fremder Frauen auf Instagram liked – und sich wundert, warum Du das bemerkst.» Echt jetzt? Da gäbe es offenbar einiges aufzuarbeiten: «Du musst Dich nicht schämen, wenn Dein Mann «harmlos» mit Deinen Freundinnen flirtet – es ist nicht mehr Deiner.» Wieso muss sich Frau dafür schämen?

Der Verdacht verdichtet sich, dass die Autorin eine unselige Vorliebe für viel ältere Partner hatte: «Niemand vergisst Deinen Geburtstag – vor allem nicht nach mehrmaligem Erinnern.» Indiz zwei: «Du musst keine Männer mit Bindungsangst daten, bei denen längst schon die Geheimratsecken eingesetzt haben.»

Und die letzten beiden «Gründe» sind so meschugge, dass man sich wünschte, die Autorin hätte es bei 31 bewenden lassen: «Du kannst tun und lassen, was du willst und wann du willst. Und vor allem: Du musst Dich nicht ständig dafür rechtfertigen, dass Du einfach nur du selbst bist

Nein, so zu sein, das braucht keine Rechtfertigung. Das ist selbsterklärend.

Nun könnte man als mildernden Umstand anführen, dass das vielleicht ironisch oder gar satirisch gemeint sei. Dafür ist es aber schlichtweg zu blöd, denn ein gewisser Witz muss da schon dabeisein. Wenn diese Aufzählung repräsentativ dafür sein soll, was Miroshnyk für Konversation zwecks möglicher Anbahnung einer Beziehung hält, ist es wohl tatsächlich besser, wenn sie Single bleibt.

Ob sie das allerdings als «luxuriösen Zustand voller Freude und Freiheit» empfindet? So viel miesepetrige Bitterkeit, übellaunige Männerphobie, das ist bedauerlich. Für die Autorin und den Leser.

 

Slogans lesen macht dumm

Eigentlich sollten solche Werbekampagnen strafbar sein.

«20 Minuten» gibt seine Printausgabe auf. Verständlich. Die Gratispostille gibt für jedes Exemplar alles in allem einen Franken aus. Das ist heutzutage durch Printwerbung nicht mehr reinzuholen.

Natürlich ist die kommende Umstellung Anlass, mal richtig Gas zu geben. Da läuft ein «Head of Product» zu grosser Form auf. Die Chefredaktorin Desirée Pomper leitet, ein CTO ist auch an Bord, dazu das Entwicklerteam, versteht sich. Plus noch die üblichen Werber, diesmal von der Grossagentur «Prophet», von deren erfolgreichen Wirken man allerdings noch nicht viel gehört hat.

Item, mit erster Priorität muss am Logo rumgefummelt werden. Denn so geht das ja nicht mehr:

Wurde zwar 25 Jahre etabliert, kennt inzwischen jeder, aber das ist ja kein Grund, es nicht wegzuschmeissen (Argument sicherlich: Das ist ja eine Schreibmaschinenschrift, igitt) und durch das hier zu ersetzen:

Damit fällt das Logo auseinander und geht in die Breite. Eine Allerweltsschrift, die Digitalzahlen 20 sind leicht schräg gestellt und angeblich von einem «frischeren Blau» umgeben. Ach ja, und natürlich wurden die Kanten leicht abgerundet. Der Zusammenhang zwischen Zahl und Zeitangabe geht verloren. Grossartig. An Beliebigkeit nicht zu überbieten.

Ein Beitrag zu: nach dem Redesign ist vor dem Redesign. Denn da fallen selbst der ChatGPT aus dem Handgelenk zwei, drei Verbesserungsvorschläge ein. Und erst noch kostengünstig:

Die ganze Übung erinnert an das verunglückte Redesign der «Blick»-Familie.

Auch die gibt wieder Gas:

Begleitet vom üblichen Gequatsche: «Nach unserem visuellen Relaunch machen wir das Versprechen unserer Marke nun auch mit der neuen Kampagne sichtbar» (Maximilian Börke, Head of Marketing Ringier Medien Schweiz), und natürlich unvermeidlich: «Wir wollen nicht nur berichten, sondern alle Facetten einer Geschichte beleuchten», behauptet Ladina Heimgartner, die sich dazu den Hut «CEO Ringier Medien Schweiz» aufsetzt.

Dabei ist auch dieser Spruch an Einfalt schwer zu überbieten. Gemeinsames Bewegen? Wenn «uns» bewegt, was «euch» bewegt, wieso soll man dann den «Blick» lesen dafür? Und kann mal einer (oder eine) ein Beispiel geben, wo der «Blick» «alle Facetten einer Geschichte beleuchtet» hätte?

Irgendwie haben die Verantwortlichen bei Medien kein glückliches Händchen bei der Auswahl der Typen, die am Logo rumfummeln. Wo dann ein Regenrohr beim «Blick» rauskommt und leicht abgerundete Kanten bei «20minuten». Pardon, «20 Minuten».

Ach, und dann gab es ja noch das «plussen» bei der völlig verunglückten Einführung von «Blick+». Auch da kann «20minuten» mithalten:

Echt jetzt? Fühlen sich auch die Leser von ZACKBUM sexy? Alle?

Ein Slogan sollte eigentlich den Zweck erfüllen, beim Betrachter ein «muss haben» auszulösen. Oder zumindest ein «finde ich gut». Die Voraussetzung dafür ist, dass der Betrachter den Slogan überhaupt mal kapiert.

Da liegen eigentlich alle Medienhäuser Kopf an Kopf, was den Wettkampf um den schwachsinnigsten Slogan betrifft. «Haltung zeigen – watson lesen». Hä? Haltung für Listicals, Fails, dumme Sprüche und pseudolustige Videos? «Plussen» mit «Blick+». Hä? Nix verstan. «Finden wirs raus.» Hä? Wobei soll ich als Betrachter dem Tagi helfen?

Und nun «Lesen macht sexy». Wer liest, vornehmlich «20Minuten» (oder ausschliesslich?), wird also sexuell anziehend, erotisch attraktiv oder reizvoll, verführerisch. Womit wir schon mitten im starken Geruch nach Sexismus wären.

Soll die Lektüre dafür sorgen, dass die Leser übereinander herfallen und wie die Karnickel …? Dabei kann man dann aber schlecht lesen, nicht wahr.

Natürlich ist es nicht einfach, einen neuen Werbeslogan für eine Gratispostille zu erfinden. Toll wäre es aber, wenn der auch nur weit entfernt etwas mit dem Angebot, dem Inhalt, der USP zu tun hätte. Die Frage beantworten würde: und wieso soll ich das Blatt lesen?

Immerhin, die NZZ, ein Lichtblick, hat einen einigermassen akzeptablen Slogan: «Gemacht für Zeiten des Umbruchs». Unschlagbar ist nach wie vor die uralte Werbekampagne der FAZ. Man sieht einen durch das Blatt verborgenen Leser, plus: «Dahinter steckt immer ein kluger Kopf

Aber «Lesen macht sexy», what a bullshit, würde sogar Trump sagen. Und ZACKBUM sagt: sexy sind wir selber, dafür müssen wir nicht eine Gratispostille lesen.

watson wow

Was nützt ein Relaunch, wenn der Inhalt gleichbleibt?

Oder wie das Maurice Thiriet in persoenlich.com formuliert, der den schönen Titel «Leiter Reichweitenprotale von CH Media» trägt: «User Interface, User Experience, released, iterativ und zukunftsorientiert weiterentwickelt, Front- und Back-End, Design-Principle, Content-Grid-Elementen, Anzeigen-Slots, Responsiveness». Wow. Und das bewirkt was?

«Das knallt ganz anders rein

Hoppla. Und was knallt da?

«Wir setzen auf ein Design, das nicht nur optisch auffällt, sondern auch Spass macht und die Art, wie wir Medien konsumieren, spürbar verbessert. Das ist unserer Ansicht nach die zentrale Herausforderung in der Distribution von nach journalistischen Grundsätzen produzierten Inhalten: Dass die User:innen das gern konsumieren, dass das ein bisschen nice daher kommt.»

Na, dann schauen wir doch mal, was da knallt und nice daherkommt:

Wem das noch nicht genug knallt, wie wäre es dann mit diesem hier?

Das ist zwar schon «best of watson», aber da geht doch noch was:

Da wünscht ZACKBUM Lara doch viel Erfolg bei der Suche nach einem Dreier. Eigentlich merkt man von diesem Relaunch nicht viel. Und was nützt der tollste und von so vielen Fremdwörtern begleitete Relaunch, wenn man die Sache auch mit einem uralten Sprichwort auf den Punkt bringen kann: alter Wein in neuen Schläuchen.

Musk meets Weidel

Da hyperventilierten die Medien von links bis rechts.

Mehr Gratiswerbung hätte sich die AfD und ihre Kanzlerkandidatin Alice Weidel nicht wünschen können. Da plaudern die Politikerin und der Multimilliardär und Trump-Flüsterer Elon Musk miteinander – und alle hören zu und weg. Was haben sie eigentlich geredet? Interessiert kaum jemanden so wirklich, wer wollte es sich denn anhören?

Denn es geht doch nichts über die Bestätigung von Vorurteilen in den sogenannten Qualitätsmedien. So ist sich «watson» sicher: «Elon Musk ist ausser Rand und Band: Wie ein Berserker arbeitet sich der reichste Mann der Welt momentan am politischen Establishment in Europa ab.»

Okay, «watson» und Qualitätsmedium, das passt zusammen wie ein Palmenstrand mit Grönland. «Zwei hochumstrittene Köpfe, aber ein Herz und eine Seele», weiss der «Blick». Okay, «Blick» und Qualitätsmedium, das passt zusammen wie Schnee an der Copacabana.

«Elon Musks Anarcho-Diplomatie ist ein Problem für Europa – aber wer sich provozieren lässt, hat schon verloren», trompetet die NZZ. NZZ und Qualitätsmedium, aber wieso weitere Vergleiche machen.

CH Media weiss: «Musk hat X zur Macht-Maschine gemacht – jetzt gibt er Alice Weidel den Schlüssel». Hübsches Bild dieses Qualitätsmedienhauses, nur: triumphierte man nicht unlängst, dass sich Musk mit dem Kauf von Twitter halb ruiniert habe und die Plattform in Grund und Boden wirtschafte?

«Blind-Date auf X: Musk trifft AfD-Chefin Weidel», flötet die SDA, erstaunlich lyrisch für die sonst so trockene Nachrichtenagentur. Und was weiss sie von dem Gespräch zu berichten? ««Hitler war ein Kommunist», sagte Weidel». Das ist natürlich Schwachsinn, aber sowohl sie wie Musk haben durchaus auch bedenkenswerte Dinge gesagt. Nur sind die nicht berichtenswert.

Überhaupt nicht komisch finden das die anderen deutschen Parteien und natürlich die SZ: «Milliardär Elon Musk schaltet sich von den USA aus in den deutschen Wahlkampf ein und macht umstrittene Werbung für die AfD.» Und fügt triumphierend hinzu: «Gewerkschaften und Bundesgerichtshof verlassen Musks Plattform X. Konkreter Anlass ihres Abschieds von X ist Musks Wahlkampfgespräch mit AfD-Chefin Weidel.» Daran wird der grüne Kanzlerkandidat und Wendehals (bitte nicht klagen) Habeck zu knabbern haben; er ist gerade zu X zurückgekehrt.

Und die «Weltwoche» vermeldet die Schmonzette: «Bundestagsverwaltung prüft, ob Musks Gespräch mit AfD-Chefin Weidel eine «illegale Parteispende» darstellt».

Es ist mal wieder wie im Irrenhaus. Alle deutschsprachigen Politiker (und Journalisten) mischen sich unablässig in die inneren Angelegenheiten anderer Länder ein und überborden vor Ratschlägen, Anweisungen und Rechthabereien, wie andernorts die dummen Fehler der Regierenden korrigiert werden sollten.

Aber wenn ein irrer Milliardär Sympathien für die deutsche AfD hat und sich mal öffentlich mit der Parteichefin unterhält, dann erhebt sich grosses Geschrei. Dabei haben weder Musk noch Trump bislang die Einverleibung Deutschlands in die USA gefordert. Das müssen sie ja auch nicht, weil sich Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg als übereifriger und immer hilfsbereiter Adlatus der Amis gebärdet.

Und was sagt das Qualitätsmedienhaus Tamedia zum Gespräch? Ihm hat’s, fast bis Redaktionsschluss von ZACKBUM am späten Donnerstagabend, schlichtweg die Sprache verschlagen. Dann erst fand Dominique Eigenmann wieder eigene Worte. Erstes Drittel: Wiederholung von altbekannten Beschimpfungen Musks. Zweites Drittel: launiges Niedermachen des Gesprächs («Duett und Plauderei … sprangen wild von Thema zu Thema … lachten über die angebliche Dummheit aller anderen Parteien … Hitler, wärmte Weidel eine beliebte rechte Verkehrung auf, sei im Grunde nie ein Rechter, sondern immer ein nationaler Sozialist gewesen, ein Kommunist gar», etc.) Letztes Drittel: Beckmesserei und Niedermache: «Interessanter als das, was besprochen wurde, war vielleicht das, was nicht zur Sprache kam.» Interessanter als diese Gesinnungsschmiere wäre vielleicht der Versuch gewesen, den Inhalt der 75 Minuten einigermassen korrekt wiederzugeben.

Dafür gibt’s eine neue Gaga-Rubrik beim Tagi, obwohl Kerstin Hasse doch das Haus verlassen hat: «Dry January und Veganuary». Das wird der Einschaltquotenknüller, schon alleine mit diesem leichtverständlichen Titel  …

Allerdings, so viel Objektivität muss sein, gibt der «Blick» dem Bestsellerautor Claude Cueni eine Plattform, um einen ganz anderen Ton in die Debatte zu bringen. Der fragt besonnen, ob es denn ein Skandal sei, wenn Musk Alice Weidel interviewt: «Für Elmar Thevessen (57), Leiter des ZDF-Studios in Washington, sogar ein ganz grosser. Er sagt im ZDF, dass nur Journalisten und Journalistinnen Interviews führen dürfen.»

Dagegen hält Cueni:

«Slow down. Jeder darf jeden interviewen. Ausser in totalitären Staaten. Die Leute haben die einseitige Berichterstattung satt, sie haben die pürierten Fakten satt, sie haben die Bestrafung von harmlosen Rentnern, die lediglich etwas gelikt haben, satt. Sie wollen informiert und nicht belehrt und umerzogen werden. Sie brauchen keine «Experten», die für sie «einordnen», weil man sie für Deppen hält.»

Das haben allerdings die meisten Medien und auch die meisten Politiker noch nicht geschnallt. Deshalb werden sie mit Leser- und Wählerschwund bestraft. Was ihnen allerdings nicht zu denken gibt, sondern in der Überzeugung bestärkt, dass es eben zu viele Deppen gibt, die streng belehrt werden müssen.

Zwergenaufstand

Was fällt den Kälbern von Tamedia als Protest gegen ihre Metzger ein?

Mit einer lachhaften Begründung wurde bei Tamedia zuerst die Einsparung von 90, dann von rund 55 Stellen verkündet. Warum gerade so viele, was Arthur Rutishauser als Chefredaktor ohne Redaktion so tut, wie damit die Qualität gesteigert werden soll – von Pietro Supino, Jessica Peppel-(Plapper)-Schulz (oder ihrem Avatar), von Simon Bärtschi oder von Raphaela Birrer gab es dazu keine Auskünfte. Birrer schweigt überhaupt seither verkniffen; so sieht die Führungsqualität einer Chefredaktorin aus.

Nun haben diese Versager in der Chefetage sich immerhin ein ziemliches fieses Stück ausgedacht. Sie verkünden zwar das grosse Rausschmeissen, lassen aber die Indianer im Maschinenraum im Unklaren, wie viele genau und vor allem wen es trifft.

Das sorgt ungemein für Stimmung in der Reaktion; wenn ZACKBUM die Frage stellen würde, ob sich Schwulstschwätzer Bärtschi noch ohne Bodyguards im Glashaus bewegen kann, kriegten wir sicher wieder ein Schreiben des Hausanwalts, dass das als Aufforderung zur Gewalt verstanden werden könnte. Also schreiben wir es nicht.

Nun könnte man meinen, dass die meinungsstarken und tapferen und unbeugsamen Mannen und Frauen (und auch Flinta) bei Tamedia nach erster Schockstarre massive Proteste auf den Weg gebracht haben.

Nun ja, in der Romandie gab es einen Bonsai-Streik von geschätzten 4 Minuten. An der Türe des Glashauses in Zürich wurden handgekritzelte Protestkartons aufgestellt (sowohl inhaltlich wie von Layout her erbärmlich). Und sonst? Alle Rotationsmaschinen stehen still, wenn Dein starker Arm es will?

Ach was. Bei Tamedia wird das Rückgrat an der Garderobe abgegeben; keiner will den Unmut der Leitung auf sich lenken, niemand wagt zu fragen, was die Chefredaktion, was Birrer, was Kerstin Hasse (ausser Gaga-Podcasts) eigentlich so treiben.

Aber nun hat einer «watson» eine grossartig-subversive Form des Protests durchgestochen. Offenbar fanden das alle anderen Medien zu gaga, um darüber zu berichten.

Es handle sich um einen «Hosentelefon-Aufstand». Besser gesagt um einen Höseler-Aufstand. «Die Redaktionen in der Deutschschweiz nehmen den massiven Stellenabbau nicht kampflos hin», weiss Klaus Zaugg von  «watson». Wahnsinn, welche Kampfmassnahmen sind denn in Vorbereitung? Werden Barrikaden gebaut, Sandsäcke aufeinander gestapelt? Wird die Türe zur Chefetage zugeklebt? Wenigstens gesprayt? Flattern anonyme Flugblätter durch die Gänge? Werden Puppen verbrannt?

Ach was. Das hier wird gemacht: «Die modernen Telefone, die wir in der Hand- oder eben der Hosentasche versorgen können, eignen sich auch vorzüglich für qualitativ gute Videoaufnahmen. Also sind nun die Chronistinnen und Chronisten in diesen Tagen unterwegs, um bei Prominenten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport Video-Protestbotschaften aufzunehmen. In Videos von 15 bis 20 Sekunden sagen Prominente, wie sehr sie den Abbau des Print-Qualitätsjournalismus bedauern.»

Die mutigen Betroffenen wollen Promis für sich sprechen lassen, so nach der Devise: sorry, ich selbst bin zu feig dafür, also sag‘ mal was Kritisches, aber nur ganz kurz. Und sprich mich ja nicht mit meinem Namen an.

Und was soll dann mit dieser rabiaten, wilden, die Chefetage ins Zittern bringenden, flammenden Protestaktion geschehen? «Die gesammelten Statements – geplant sind zwischen 30 und 50 «Hosentelefon-Protestbotschaften» – sollen zusammengeschnitten in einem Dokument der Chefetage übergeben werden.»

Wie sagt doch einer aus dem «Kreis der betroffenen Tagi-Medienschaffenden» so mutig wie anonym wie bescheuert: «Es geht darum, dass wir ein Zeichen setzen

Ein Zeichen setzen? Slapstick, reiner Slapstick.

Ausserdem könnte es noch bei der Übergabe des «Hosentelefon»-Zwergenaufstands ein Problem geben. Daran könnte es noch scheitern: wer übergibt dieses Dokument des Widerstands? Wer traut sich? Trägt der Überbringer vielleicht eine Tüte über dem Kopf? Einen Ganzkörperpräservativ, damit er nicht erkannt werden kann? Spricht er in einen Sprachverzerrer? Oder nein, ZACKBUM hat  – wie immer – die Lösung. Da kann es nur einen geben. Ignaz Staub. Unbedingt. Der kann das. Der traut sich. Der hat nix mehr zu verlieren.

ZACKBUM gibt dieser Aktion auf der Bärtschiskala der Peinlichkeit flotte 9 Punkte.

Ist das alles erbärmlich, Oder sagten wir das schon?

Willst du lachen, nimm «watson»

Eigentlich ist diese Karikatur eines Online-Magazins Kult.

Das Merkwürdig-Organ weiss, wie Heftmischung online geht:

Oder vielleicht ist das Foto rechts eine subversive Kritik am Wahlausgang links; nur Gehirnamputierte wählten Höcke.

Aber auch Rätseltitel amüsieren den Leser:

Wann ist ein Geldautomat denn überbeschäftigt? Wie grast man unverhohlen? Was ist die «Six-Weide»? Ein Titel für unsere Rätselfreunde.

Dann eine Dreierpack auf die Zwölf:

Aber seien wir ehrlich, ein Listical über «13 Tiere, die Körpersäfte als Waffe benützen», das ist entweder völlig verzweifelt oder genialisch.

Das hier ist allerdings grossartige Realsatire:

Es darf gelacht werden. «Der Rohstoff der demokratischen Debatte ist gute Information». Das bereitet die Knallerpointe vor: «Die wollen wir liefern.» Der Leser braucht zwei Taschentücher für die Lachtränen, dann geht’s auch gleich weiter: «Und zwar zu jeder Zeit auf alle digitalen Kanäle und Geräte.» Nicht etwa nur auf ausgewählte. «Ohne Preis, ohne Hürden, ohne jemanden auszuschliessen. Hilf mit

Der Beweis: was keinen Preis hat, ist nichts wert. Ohne Hürden? Also auch für Rollstuhlfahrer geeignet? Niemanden ausschliessen? Also auch für fundamentalistische Irre, Pädophile oder Rechtsradikale? Schliesslich, wenn’s gratis ist, wieso soll man dann «watson» unterstützen?

Geht da noch einer? Doch, aber dann haben wir ein Einsehen mit den ZACKBUM-Lesern, mehr verträgt man wirklich nicht:

 

Dichtung und Wahrheit

Tamara Funiciello ist eine Schande für die Frauenbewegung.

Die SP-Nationalrätin traumatisierte nicht nur sensible Männer mit dem Foto einer BH-Verbrennung. Wo es die Möglichkeit für einen kreischen Auftritt gibt, ist sie zur Stelle. Unlängst in Schaffhausen, wo Funiciello ungeniert und faktenfrei Vorverurteilung betrieb.

Mitmachen in der Hassgruppe um Jolanda Spiess-Hegglin? Warum nicht. Burka-Verbot? Das mittelalterliche Einsperren von Frauen in diesen Ganzkörperpräservativ? Ist Funiciello dafür: «Wir müssen Frauen das Recht lassen, anzuziehen, was sie wollen.»

Nun äussert sie sich im Organ der gehobenen intellektuellen Debatte zur Einführung des revidierten Sexualstrafrechts. Unwidersprochen behauptet sie in «watson»:

Rechnen mit Funiciello. Bei rund 10 Millionen Einwohnern der Schweiz sind etwas mehr als 5 Millionen Frauen (nehmen wir mal Unentschiedene mit). Das wären dann also 2 Millionen Frauen, die «in ihrem eigenen Haus Gewalt erleben». Wahrscheinlich. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass Funiciello korrekte Zahlen verwendet, nur im Promillbereich zu messen.

Stellen wir dagegen die offiziellen (sicherlich männlichen) Zahlen des Bundesamts für Statistik:

«Im Jahr 2023 registrierte die Polizei 19 918 Straftaten im häuslichen Bereich (2022: 19 978). Diese Zahl ist auf einem ähnlichen Niveau wie in den vergangenen vier Jahren (–0,3% im Vergleich zu 2022).
Tätlichkeiten (32%), Drohung (21%), Beschimpfung (19%) sowie einfache Körperverletzung (10%) machen insgesamt 82% aller polizeilich registrierten Straftaten im häuslichen Bereich aus (2022: 83%). Seit 2009 sind diese Werte relativ stabil. Schwere Körperverletzung (Total: 147 Straftaten) und Vergewaltigung (Total: 368 Straftaten) haben im Vergleich zum Vorjahr zugenommen (+19,5% bzw. +19,9%).
Für das Jahr 2023 wurden 11 479 geschädigte Personen polizeilich registriert, davon 70,1% weibliche Personen. Diese Werte sind ähnlich zum Vorjahr (2022: 11 388 geschädigte Personen, davon 70,2% Frauen).»

Nachhilfeunterricht für zahlenschwache Frauen. Insgesamt wurden rund 11’500 geschädigte Personen registriert, davon 70,1 Prozent weiblich. Das wären dann 8’062, aufgerundet. Das sind 0,16 Prozent von allen Frauen in der Schweiz.

Nun machen aber Tätlichkeiten und einfache Körperverletzung 42 Prozent der Straftaten im häuslichen Bereich aus. Davon sind dann also 3’386 Frauen betroffen, was wiederum 0,07 Prozent aller Frauen in der Schweiz sind.

Nehmen wir noch grosszügig eine Dunkelziffer im Faktor 10 dazu, dann wären wir bei 0,7 Prozent. Zwischen dieser realen Zahl und der erfundenen Zahl von Funciello klafft doch ein gewaltiges Gender Gap.

Wer öffentlich solchen Unfug behauptet, schadet der Sache des Feminismus und der Frauenbewegung mehr, als es jeder verbohrte, sexistische Macho könnte. Wem es mit den (berechtigten) Anliegen der Frauenbewegung –zum Beispiel gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder genügend Angebote für Kinderbetreuung – ernst meint, der sollte nicht so ein grosses, stellvertretendes Tamtam um das neue Sexualstrafrecht machen.

Aber seit sich auch in der Schweiz 76 erregte Tamedia-Frauen über unerträglichen Sexismus und Diskrimination am Arbeitsplatz mit erfundenen Beispielen beschwerten, spielen solche Anliegen überhaupt keine Rolle. Eine Schande für die SP, die eigentlich solche Frauenanliegen vertreten sollte.

Die Co-Präsidentin der SP Frauen Schweiz macht nicht nur sich selbst lächerlich, wenn sie mit solchem Unsinn an die Öffentlichkeit geht. Denn wer kann das, was sie sagt oder schreit, noch ernst nehmen?

D-Day als Gaga-Day

Die alliierte Landung in der Normandie vor genau 80 Jahren ist Anlass für viel Dada und Gaga.

Die «Schweizer Illustrierte» will hier auch mal erwähnt werden und schafft es mit diesem Beitrag zum D-Day: «Peinlicher Moment zwischen Königin Camilla und Brigitte Macron». Himmels willen, haben sich die beiden älteren Damen in die Haare gekriegt? Nein, fast noch schlimmer: als die beiden je eine Blume niederlegten, «griff die Präsidentengattin nach der Hand der Königin, was dieser ganz offenbar überhaupt nicht zu gefallen schien». Und dann sei Präsident Macron noch 20 Minuten zu spät zur Gedenkfeier erschienen.

Furchtbar, eine Königin anfassen, quel scandale. Dass Macron zu spät kam, ist hingegen unerheblich; die Franzosen spielten am D-Day sowieso keine grosse Rolle, obwohl natürlich alle nach dem Zweiten Weltkrieg in der Résistance waren.

Ansonsten wurde mit Worthülsen nur so um sich geschmissen, am beliebtesten: «Sie haben uns ein Beispiel gegeben, das wir nicht vergessen werden

Leichte Unsicherheiten im Kalender zeigt allerdings «watson». So schreibt das Magazin für die gebildeten Stände am Donnerstag: «Olaf Scholz wird am Dienstag am Omaha Beach erwartet», um dann gleich darauf zu behaupten: «Scholz wurde am Donnerstag zu der zentralen Gedenkfeier am Landungsstrand Omaha Beach in der Normandie erwartet.» Ja was denn nun?

Eine feine rote Linie zieht hingegen die «Süddeutsche Zeitung» vom D-Day zu heute: «Ein Strand in der Normandie wird am 6. Juni 1944 zum ewigen Sinnbild für Mut und Freiheit. Nun nimmt sich der Klimawandel die Küsten.» Und niemand kämpft so tapfer wie damals dagegen an …

Auf eine weniger schöne Aktion weist nau.ch hin. Englischen Fallschirmspringern widerfuhr, dass «nach der Landung auf einer Wiese in Sannerville bei Caen der französische Zoll die Soldaten für eine Passkontrolle erwartete». Da hatten ihre Kollegen am 6. Juni 1944 aber Schwein.

Der «Blick» drückt gewaltig auf die Tränendrüse: «König Charles und Königin Camilla weinen beim Jubliäum zu 80 Jahren D-Day». Auch das Blatt mit dem Regenrohr im Logo ist so gerührt, dass ihm die Buchstaben verrutschen.

Und dann haben wir noch Hobbyhistoriker Christof Münger, der Auslandchef ohne Ausland von Tamedia. Der weiss: «Die Befreiung Europas begann mit einem Martyrium». Dann widmet er sich ausführlich dem Wunsch des englischen Kriegspremiers Winston Churchill, persönlich bei der Landung anwesend zu sein. Das konnte, weil zu gefährlich, nur dadurch verhindert werden, dass ihm der englische König George VI. sagte, wenn Churchill gehe, sei er auch dabei.

Dann erzählt auch Münger nochmals die wieder und wieder erzählte Geschichte der Landung nach. Aber immerhin, was die meisten anderen Kommentatoren vergessen, am Schluss zitiert Münger einen deutschen Historiker, der darauf hinweist:

«Insgesamt kamen 344’000 Briten und 292’000 Amerikaner ums Leben, 50’000 davon im Pazifik. Gemäss Christian Hartmann, Historiker am Institut für Zeitgeschichte in Berlin und München, fielen derweil 6 Millionen Angehörige der deutschen Streitkräfte sowie 14 Millionen Rotarmisten. «Die Sowjetunion hat viel länger Krieg geführt als die Briten und Amerikaner», sagt Hartmann, «und dabei einen sehr viel höheren Blutzoll gezahlt.» Deshalb sei der Zweite Weltkrieg wohl an der Ostfront entschieden worden.»

Da aber der D-Day inzwischen unter Anwesenheit des ukrainischen Präsidenten Selenskyj (was hat der dort eigentlich verloren?) auch zu einem Anti-Russland-Tag geworden ist, wird auf diese historische Tatsache viel zu selten hingewiesen.

Im Februar 1943 hatte die 6. Naziarmee vor Stalingrad kapituliert, das war der Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs. In den USA und vor allem in England wuchs die Befürchtung, dass die Rote Armee bei ihrem Vormarsch nicht in Deutschland Halt machen würde, sondern ganz Europa bis hin zu Portugal erobern könnte. Nicht zuletzt, um das zu verhindern, wurde die Operation Overlord geplant und mehr als ein Jahr nach Stalingrad durchgeführt.

Aber nicht nur die Soldaten der Roten Armee kämpften mit Heldenmut und Tapferkeit; wer die Eingangssequenz von «Saving Private Ryan» gesehen hat, bekommt eine ungefähre Ahnung, welch unglaubliches Gemetzel der Anfang der Landung gewesen ist.

Aus «Saving Private Ryan» von Steven Spielberg.

Hier gab’s den gleichen Heldenmut, den sowjetische Soldaten bei Stalingrad bewiesen. Aber viel zu wenige kennen das Buch von Wassili Grossman «Leben und Schicksal», eine moderne Fassung von «Krieg und Frieden», das diesem Gewaltsmonument der Literatur ins nichts nachsteht.