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Linke Lüstler?

Sind eigentlich linke Journalisten triebgesteuerter als rechte?

Eine gescheiterte Redaktorin vom «Magazin» bezichtigt ihren ehemaligen Chef, sie verbal ganz übel belästigt zu haben. Ein linker Starjournalist wird fristlos gefeuert, weil er sich gegenüber Mitarbeiterinnen der «Republik» zu anzüglich geäussert haben soll.

Nun hat auch die WoZ das Verhalten dieses Journalisten aufarbeiten lassen. Zunächst: «Was das mutmassliche Fehlverhalten des früheren Mitarbeiters betrifft, decken sich die eingegangenen Meldungen gemäss dem nun vorliegenden Untersuchungsbericht von Claudia Kaufmann im Wesentlichen mit den bereits publik gewordenen Vorwürfen.»

Aber: die WoZ forderte alle aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter auf, sich ebenfalls bei dieser Kaufmann zu melden. Resultat: «Insgesamt gingen achtzehn Meldungen bei Claudia Kaufmann ein, wobei nicht alle dieser Personen selbst eine Verletzung ihrer persönlichen Integrität erfahren haben.»

Aber: Es «wurden für den untersuchten Zeitraum ab 2005 weitere sexuelle Belästigungen gemeldet, die durch andere Mitarbeiter der WOZ erfolgt seien».

Der Bericht halte zudem fest, «dass unsere internen Massnahmen und Reglemente auch heute nicht genügen, um Mitarbeiter:innen ausreichend vor Verletzungen der persönlichen Integrität zu schützen». Bedauerlich, dass nicht einmal die krampfhafte Gendersprache («Mitarbeiter:innen») das Schlimmste verhindern konnte.

Dann kriecht die WoZ zu Kreuze: «Es tut uns leid, dass es in der Vergangenheit bei der WOZ zu Fehlverhalten gekommen ist. Die Betroffenen bitten wir dafür in aller Form um Entschuldigung – vor allem auch für die erlebte psychische Belastung und dafür, dass unser Betrieb keine vertrauensvolle Unterstützung gewährleisten konnte.»

Sind also linke Journalisten häufiger im Triebwagen unterwegs als rechte? Gibt es denn bei der «Weltwoche» oder im «Nebelspalter» keine Glüschtler? Nicht mal bei der NZZ? Was kann man darauf ableiten?

Schlichtweg, dass all die Sprachverunstaltung, die Gendersensibilisierung, die ständige Klage über sexistische Verhaltensweisen in der Gesellschaft offenbar intern wenig nützen.

Wichtiger ist aber die Feststellung, dass sich nicht nur beim Roshani-Skandal bei näherer Betrachtung herausstellte, dass an fast allen Vorwürfen nichts dran ist und der Betroffene zu Unrecht öffentlich hingerichtet wurde. Auch im Fall des Starjournalisten und in den meisten anderen Fällen (man erinnere sich an den denunziatorischen Brandbrief von 78 erregten Tamedia-Frauen, der eine lange Latte von Vorwürfen enthielt) stellte sich dann heraus, dass sich kein einziger dieser Vorfälle erhärten liess. Zu sehr anonymisiert, oftmals viele Jahre zurückliegend, keine Belege, Indizien, Beweise.

Sexuelle Belästigung ist ein Straftatbestand; wird sie angezeigt, muss die Polizei ermitteln. In (fast) jeder Firma gibt es inzwischen eine Anlaufstelle für solche Beschwerden. Die wurde übrigens bei Tamedia damals kein einziges Mal bemüht, bevor es die Frauen für angebracht hielten, via die einschlägig bekannte Jolanda Spiess-Hegglin mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit zu gehen, obwohl den Unterzeichnerinnen vorgespiegelt wurde, das Schreiben sei nur für den internen Gebrauch bestimmt.

Mit dem Kampfbegriff «sexuelle Belästigung», physisch oder verbal, ist eine aussergesetzliche Waffe im Geschlechterkampf gefunden worden. Wer (meist anonym) solche Vorwürfe erhebt, ohne Anzeige zu erstatten, läuft immer Gefahr, der Falschbeschuldigung bezichtigt zu werden. Das ist eine Schweinerei gegenüber tatsächlichen Opfern, die es unbestreitbar gibt.

Aber anonyme Denunziationen, die meist zum Karriereende des Opfers führen, sind widerwärtig. Das Statement der WoZ ist dafür typisch, Es seien also weitere Fälle von Belästigungen gemeldet worden. Aber: «Zu diesen Vorfällen macht der Bericht aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes sowie der zugesicherten Vertraulichkeit keine konkreten Angaben. Die WOZ verfügt über keine weiteren Informationen dazu.»

Auch bei der «Republik» lief das nicht anders. Dem Gefeuerten wurde sogar zuerst noch das Recht zur Konfrontation seiner Beschuldiger eingeräumt, anschliessend aber entzogen. Er konnte sich also nicht einmal verteidigen. Die primitivsten Regeln des Rechtsstaats sind in solchen Fällen ausser Kraft gesetzt.

Das ist ein Übelstand, der der Sache der Frau keinen Dienst erweist, sondern im Gegenteil sie schädigt.

Frauen an die Macht?

In den Medienhäusern sind sie auf dem Durchmarsch. Bad News.

Es gibt einen Aspekt im ganzen CS-Schlamassel, der nur mit spitzen Fingern angefasst wird. Verständlich, denn eine Thematisierung führt einen schnell in Teufels Küche. In Begrifflichkeiten wie Sexismus, Diskriminierung, Männerbastionen, Herabwürdigung und Schlimmeres.

Denn auch im Wirtschaftsleben wird bekanntlich gefordert, dass Frauen ihr gerechter Anteil an Führungspositionen zustünde. Das wird nicht zuletzt damit begründet, dass Frauen ganz andere Perspektiven einbringen könnten, nicht so auf Krawall und Konkurrenzkampf wie Männer gebürstet seien, überhaupt der feminine Führungsstil viel angenehmer, effizienter, erfolgreicher sei. Sozusagen: wenn es mehr Patrizia Laeris in Führungspositionen wie der Chefredaktion von CNN Money Switzerland gäbe, wären wir viel besser dran.

Erteilen wir doch mangels CNN Money Switzerland der «Redaktion» von ElleXX das Wort:

Schweinerei. Was kann man da tun? «Auffällig: das Thema kommentieren fast nur Männer – Ökonomen, Rechtsprofessoren, Journalisten. Wir geben explizit Expertinnen eine Stimme.» Mehr Kompetenz dank Klitoris?

Da wollen wir doch einmal die Mitglieder (darüber machen wir jetzt keine Scherze) des Verwaltungsrats der Credit Suisse aufzählen. Der VR ist bekanntlich das entscheidende Lenkungsgremium einer Aktiengesellschaft. Hier werden die grossen Linien, die Strategie, das Geschäftsmodell, die Zukunftsperspektiven beschlossen, die dann von der Geschäftsleitung unter Führung eines CEO lediglich umgesetzt werden sollten.

Bei der CS sieht das so aus: Mirko Bianchi, Jahrgang 1962, seit 2022 im VR. Christian Gellerstad, 1968, seit 2019. Shan Li, 1963, seit 2019. Richard Meddings, 1958, seit 2020. Axel Lehmann, 1959, seit 2021 und letzter VR-Präsident der Bank. Das wäre die männliche Gruppe.

Iris Bohnet, 1966, seit 2012 im VR. Blythe Masters, seit 2021. Clare Brady, seit 2021. Amanda Norton, 1966, seit 2020. Ana Paula Pessoa, 1967, seit 2018. Seraina Macia, 1968, seit 2015. Key Jin, 1982, seit 2022. Das wäre die weibliche Truppe.

Wem fällt da etwas auf? Richtig, es sind 5 Mitglieder und 7 weibliche, nun ja, Mitglieder. Frauen an die Macht. Mehrheit. Super. Triumph. Öhm.

Nun könnte der (oder die oder wie auch immer) Feminist:in* einwenden, dass die Frauen vielleicht nur mindere Aufgaben wahrgenommen hätten. Kinderkrippen, vegane Menüs, Beckenbodentraining, Gratis-Tampons und so. Stimmt nicht. So ist zum Beispiel Blythe Masters von 2021 bis 2022 im wichtigen Vergütungsausschuss gesessen, sitzt im «Governance and Nomination Committee» und ist vor allem Mitglied des Risk Committee sowie Vorsitzende der Credit Suisse Holdings Inc. in den USA.

Alles zentrale Positionen, um während der sich zuspitzenden Krise zu versagen. Iris Bohnet ist seit 2012 Mitglied im Vergütungsausschuss, Clare Brady ist «Vorsitzende des Conduct and Financial Crime Control Committee». Und so weiter.

Nur: wo und wann hörte man diese weiblichen Stimmen in den letzten Jahren? Wo meldeten sie sich zu Wort, um eine andere Unternehmenskultur anzumahnen, ein weniger risikohaftes Geschäftsgebaren? Wo haben sie Spuren hinterlassen, ausser auf der Payroll der CS? Welche Bäume reissen sie denn sonst noch so (nicht) aus?

Oder gilt auch hier: Klitoris ersetzt Kenntnis? Männer müssen was können, bei Frauen reicht Frausein? Gerade beim Thema Verwaltungsrat spricht man gerne von Seilschaften, von Männerbünden, die sich gegenseitig die Pfründe zuhalten. Das scheint ja bei der CS nicht wirklich geklappt zu haben.

Wie sieht es denn eigentlich bei der UBS aus? Die Bank hat in den letzten Jahren viel erfolgreicher gewirtschaftet als die CS. Nun, hier ist das Verhältnis 8 zu 4. Acht Männer, vier Frauen. Kreisch.

Kann man nun daraus schliessen, dass männerdominierte VR erfolgreicher seien als frauendominierte? Natürlich nicht. Oder doch? Auf jeden Fall kann man aus diesen beiden Beispielen schliessen, dass eine Überrepräsentanz von Frauen im VR keinesfalls segensreich für ein Unternehmen ist. Ob die erfolgreichere Geschäftspolitik der UBS an der Männerdominanz festzumachen ist? Keine Ahnung.

Aber auf jeden Fall scheint die Anzahl Frauen im obersten Leitungsgremium einer AG von völlig nebensächlicher Bedeutung zu sein. Wenn man sich nicht zur These versteigen will: umso mehr Frauen in Führungspositionen, desto durchwachsener das Ergebnis. Wenn man sich nicht zur Absurdität versteigen will: nun sollen auch mal Frauen etwas zum CS-Debakel sagen. Da wären die 7 Verwaltungsrätinnen doch erste Wahl, oder nicht?

Vielleicht wäre es sinnvoll, zum bewährten Prinzip zurückzukommen, dass keineswegs eine proportional «richtige» Verteilung der Geschlechter, gar der Gender in Führungspositionen eine sinnvolle Forderung sei. Sondern das Kriterium Kompetenz alleinentscheidend sein sollte. Ob ein Kompetenzträger auch noch Pimmelträger ist oder nicht, sollte doch völlig nebensächlich sein.

Im Wesentlichen sind ja nur Frauen für eine Quotenregelung, die sich nur auf diese Weise eine Chance ausrechnen, ganz nach oben zu kommen. Die Forderung nach angeblich «gerechter» Verteilung ist einfach eine weitere Waffe im Konkurrenzkampf. Nicht anders als der vielmissbrauchte Vorwurf der verbalen sexuellen Belästigung, des männlichen Mobbings. Was nicht nur in der Affäre Roshani sein hässliches Gesicht zeigt.

Denn wie ist es möglich, dass zwei angesehene deutsche Medien, der «Spiegel» und die «Zeit», faktisch zeitgleich in einer konzertierten Aktion zwei Texte veröffentlichen, in denen sich eine Frau über angeblich unerträgliche Zustände an ihrem letzten Arbeitsplatz beschwert?

Wie wäre es anders möglich, dass alle Mainstream-Medien diese Vorwürfe ungeprüft aufnehmen, kolportieren und mit anonymen weiteren Erzählungen ausschmücken? Ohne sich einen Moment zu fragen, ob es sich hier nicht um eine Racheaktion einer Frau handeln könnte, die sich vergeblich um einen Chefposten bewarb, dann den Inhaber wegwobben wollte, was ihr sogar gelang. Aber anstatt dann endlich selbst doch noch auf den Chefsessel zu klettern, wurde sie deswegen gefeuert.  Sind das nicht genug Gründe, um die Stichhaltigkeit ihrer Vorwürfe zu bezweifeln?

Unabhängig von ihrem Geschlecht. Aber auf Nonsens-Plattformen wie ElleXX wird tatsächlich zum Thema gemacht, dass es noch nie einen weiblichen CEO einer Schweizer Grossbank gab. Und dass auch Frauen dieses Desaster kommentieren sollten. Weil eine Mehrheit von Frauen im CS-VR nichts sagt, aber am Schlamassel mitschuldig ist?