Schlagwortarchiv für: Video

Protestchen

Kläglich, ist das alles kläglich.

Die Redaktion von Tamedia greift zum Äussersten. Sie streikt? Ach was. Sie demonstriert? I wo. Sie besprayt das Glashaus mit Parolen gegen Supino? Niemals. Sie lässt leere Seiten erscheinen? Chasch dänke. Sie verklebt die Türen der Chefs? Hu, hu.

Nein, der «Protest der Tamedia-Redaktionen» ist mindestens so kläglich wie die Performance der Chefetage. Pietro Supino: Tauchstation. VR? Tauchstation. CEO Jessica Peppel-Schulz? Tauchstation. Publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi? Tauchstation. Chefredaktorin Raphaela Birrer? Tauchstation.

Die Leser toben und schimpfen über das verunglückte Redesign des Internet-Auftritts? Tauchstation, keiner antwortet, keiner erklärt, es wird nur kommentarlos vieles gar nicht publiziert.

Kläglich.

Und die Redaktion? Ballt die Faust im Sack und hat sich einen grossartigen Protest einfallen lassen. Da alle ihre tapferen Reaktoren zu feige sind, selber zu protestieren, wollen sie Prominente das erledigen lassen. Ein kleines Video mit Protestnoten wird zusammengeschnipselt.

Protesthämmerchen bei Tamedia.

Nur: ganze 20 Nasen konnten dazu motiviert werden, mehr oder minder gelinde Kritisches zu sagen. Mit wenigen Ausnahmen alles B-, C- und Überhaupt-nicht-Promis. Neben den usual suspects, die überall die Birne reinhalten, wenn eine Kamera läuft. Also Gerhard Pfister, Vinzenz Wyss, Daniel Leupi oder Mario Fehr oder Mattea Meyer. Badran? Aber sicher.

Auch eine «ZSC-Legende». Oder Lara Stoll. Lara who? Oder Michael Hermann. Seitdem der keine Kolumne bei Tamedia mehr hat, traut er sich was.

Aber sonst? Irgend ein Opinion Leader? Ein Schwergewicht? Jemand, bei dem man sagen müsste: aber hallo, wenn der auch protestiert, ist aber Feuer im Dach.

Nichts, nix, nada.

Kläglich.

Das – und ein pflaumenweiches Protestschreiben – ist alles, was die tapfere, meinungsstarke, nie um Ratschläge für andere verlegene Redaktion zustande kriegt. Muss sich da die Chefetage fürchten? Ja, aber höchstens davor, sich bei einem Lachanfall zu verschlucken. Oder davor, bei einer staatstragenden Antwort («verstehen gut, nachvollziehbar, aber eben, was muss, das muss») nicht laut herauszuprusten.

Neuer Rekordversuch auf der Bärtschi-Peinlichkeitsskala. Soll eine Gesamtnote für alle Redaktoren vergeben werden, ist das eine glatte 100. Milde gemessen.

 

Wumms: Paul Jandl

Doppelwumms heute, weil Jandl mit untauglichen Kronzeugen austeilt.

Normalerweise ist Jandl ein feinnerviger österreichischer Literaturkritiker und eine Bereicherung der NZZ. Geht es allerdings um Israel, wird er wild.

Vor seine verbale Schrotflinte ist der deutsche Kabarettist, Schauspieler und Zeitkritiker Dieter Hallervorden geraten. Der 88-Jährige hat ein Video über den Gazakrieg veröffentlicht, in dem er gereimt seine Erschütterung über die Ereignisse ausdrückt. Vielleicht sollte man es sich einfach zuerst mal anschauen. Es endet mit der Frage: «Und das soll kein Völkermord sein

Damit zieht er sich den heiligen Zorn von Jandl zu: «Zu hören bekommt man eine Ansammlung von Narrativen, wie sie in antisemitischen und verschwörungstheoretischen Kreisen die Runde machen. Gleich zu Beginn ist eine Marke gesetzt: «Grausamkeiten haben zumeist Vorgeschichten. Und kein Mensch wird als Terrorist geboren.»»

Wer sich das Video angeschaut hat, kann klar sagen: was für ein polemischer Quatsch. Man kann Hallervorden sicherlich eine gewisse Naivität vorwerfen, aber ist ehrliche Betroffenheit denn etwas Schlimmes, Verurteilungswertes? Dann wird Jandl ziemlich bösartig, indem er den zweiten Autor des Textes ins Spiel bringt, Diether Dehm: «Der war schon bei der SPD, bei der PDS und bei den Linken. Gemeinsam hat man sich offensichtlich darauf geeinigt, Israel und indirekt auch dem Waffen liefernden Deutschland Völkermord zu unterstellen.» Was die wechselnden Parteizugehörigkeiten wohl mit dem Inhalt des Gedichts zu tun haben könnten? Und «indirekt Völkermord zu unterstellen», das ist eine maliziös-polemische Überspitzung der fassungslosen Schlussfrage im Gedicht, nach der Hallervorden eine stilisierte Friedenstaube fliegen lässt.

Kann man als leicht kindisch bezeichnen, es erinnert an «Ein bisschen Frieden» von Nicole mit der weissen Gitarre. So etwas kann schnell unerträglich kitschig-marmeladenklebrig werden. Aber jemanden deswegen so einzutopfen, ist das angebracht? Fordert das langjährige politischer und humanitäre Engagement Hallervordens nicht wenigstens ein Fünkchen Respekt ab?

Dann verliert Jandl jedes Mass und jede Mitte, indem er sich einen Bundesgenossen, einen Meinungsfreund aussucht, der dubioser nicht sein könnte:

«Wer ein Beispiel für Schuldabwehr-Antisemitismus im Zusammenhang mit Täter-Opfer-Umkehr im Nahostkonflikt sucht, Hallervordens Machwerk ist ein Bilderbuchbeispiel», hat Volker Beck, der grüne Politiker und Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, der «Bild»-Zeitung gesagt. Der Schauspieler lasse «kein antiisraelisches Klischee aus»», lässt Jandl den ehemaligen grünen Bundestagsabgeordneten sagen.

Während der aber Dehm seine verschiedenen Parteizugehörigkeit vorwirft, woran ja nichts Ehrenrühriges ist, verschweigt Jandl vornehm die dunklen Flecken auf der gar nicht so weissen Weste von Beck. Den verfolgt im Rahmen der Pädophilen-Affäre der Grünen ein Text aus dem Jahr 1988, in dem er sich für die Entkriminalisierung der Pädosexualität einsetzte. Von diesem «Irrtum» distanzierte er sich später. Die politische Karriere des heutigen Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft endete allerdings, als er im Besitz von Crystal Meth erwischt wurde und 2016 von allen seinen politischen Ämtern zurücktrat. Offensichtlich hatte er seine Forderungen nach Entkriminalisierung von Drogen zu ernst genommen.

Vielleicht hätte sich Jandl an den guten Spruch erinnern sollen: lieber alleine als in schlechter Gesellschaft. Wer einen anderen gegen Hallervorden auskeilen lässt, den über die politische Karriere seines Mitautoren anpinkeln will, der sollte vielleicht etwas wählerischer bei seinen eigenen Bundesgenossen sein.

Während Jandl den «angeblichen Friedensaktivisten» Hallervorden niedermacht, lässt er selbst es an jeder kritischen Distanz zum israelischen Gemetzel im Gazastreifen missen. Eine Kritik daran wird nicht besser oder schlechter, wenn man ihr eine Verurteilung des Hamas-Massakers in Israel voranstellt oder nicht. Schon dieses obligatorische Einfordern von Jandl & Co. ist unerträglich, seine Schmähkritik an einem ehrenhaften, seiner Betroffenheit Ausdruck gebenden Künstler, der sich vom Grimassenmörder zum ernsthaften Schauspieler und Kabarettisten und empfindsamen Humanisten weiterentwickelt hat, ist unter jeder Kritik.

«Republik» grün vor Neid

Kein Journalist verträgt den Erfolg des anderen. Aber gleich so ranzig werden?

Es ist lange her, dass die «Republik» durch irgend einen «Primeur» auffiel. Es war immer so, dass diese Enthüllungen – wie beispielsweise über angeblich schreckliche Zustände bei «Globe Garden» – wie ein Soufflee in sich zusammenfielen, wenn sie einem Faktencheck ausgesetzt wurden.

Dieses Problem begleitet die «Republik» seit ihren Anfängen, als zwei Jungjournalistinnen durch die USA reisten und dort reihenweise Leute in die Pfanne hauten und sich andere Unsauberkeiten zuschulden kommen liessen.

Inzwischen macht die «Republik» mehr mit einem schlecht begründeten Rausschmiss ihres Starreporters, mit kreativer Buchhaltung und damit Schlagzeilen, dass sie ständig am Rande der Pleite entlangtorkelt.

Da passt ins Bild, dass sie dem Kollegen Cedric Schild seinen Erfolg nicht gönnen mag. Der Ausnahmekönner hat sich mit «Izzy» aus dem Nichts eine Fangemeinde aufgebaut, als Comedian etabliert. Aber den grössten Scoop landete er damit, dass er in einer sorgfältig geplanten Langzeitreportage Enkeltrick-Betrüger reihenweise überführte – und das Ganze auch noch auf Video festhielt.

Ein Burner, das katapultierte den Supercedi in die Oberliga. Kein Wunder, dass Ringier sich kaum einkriegt vor Stolz, dass der «Blick» ihn auf Händen trägt, weil er mit seinem Video versucht, sein flaues Bezahlmodell «Blick+» an die Leute zu bringen.

Natürlich wurde ein wenig an den Methoden der Filmemacher rumgemäkelt, päpstliche Päpste rümpften da und dort die Nase, aber wohlweislich hielt man sich allgemein mit Kritik zurück – zu schnell hätte das übel nach Neid gerochen, nach Meckern von Möchtegerns, die eigentlich auch mal gerne, aber halt nicht dazu in der Lage sind.

Solche Hemmungen kennt aber die «Republik» nicht. Timo Kollbrunner haut hier den Supercedi mit Anlauf in die Pfanne. Selbst ist er weder durch seine Tätigkeit für «Public Eye», noch in seiner Karriere bei der «Republik» durch besondere Leistungen aufgefallen.

Ihm ist aber mit Adleraugenblick aufgefallen, dass es im Erfolgs-Video «Die Enkeltrick-Betrüger» einen fürchterlichen Skandal zu enthüllen gibt. Die Geschichte des Films muss umgeschrieben werden. Nicht nur die entlarvten Betrüger tun hier Schreckliches, auch der Entlarver verbricht Fürchterliches. Das fängt schon bei der Szene an, wie eine Betrügerin entlarvt wird.

Kollbrunner entlarvt nun aber den Supercedi: ««Soll ich etwas trinken?», fragt Schild mit altherren­verstellter Stimme ins Telefon. Dann geht er zum Büro­kühlschrank und holt eine Flasche Hard Selzer heraus: ein alkohol­haltiges, mit Fruchtsaft versetztes Mineral­wasser. Er nimmt einen Schluck aus der Flasche und stellt sie dann vor sich aufs Pult, genau so, dass sie fortan perfekt ausgerichtet im Vorder­grund steht, wenn er aus der Totalen gefilmt wird.»

Product Placement, Schleichwerbung! Dagegen kann jeder James Bond einpacken. Denn Schild treibt es einfach zu bunt: «Bereits in der allerersten Minute des Films sieht man Schild mit einem Schlüssel­band um den Hals, auf dem der Schriftzug der Getränke­marke prangt, die er später verkosten wird. Und dann sieht man dieses Logo wieder und wieder: auf der Tischlampe im Büro, auf dem Laptop, auf der weissen Mütze, die Schild auch auf dem offiziellen Pressebild zum Film trägt, in neon­farbener Leuchtschrift an der Wand hinter Schilds Arbeitsplatz – überall prangt der Schriftzug der Firma.»

Kollbrunner spannte seinen investigativen Muskel an und schaute nach, wem denn die Firma gehört, «die einem da mit nicht eben subtiler Penetranz aufs Auge gedrückt wird». Und siehe da, ein Blick ins Handelsregister zeigt: sie vertreibt alkoholische Getränke. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre: «Die Firma gehört vier Männern. Einer von ihnen ist: Cedric Schild. Ein anderer ist Florian Scholl, «Head of Marketing» bei «Izzy» und ebenfalls Protagonist im Film.»

Da hat Kollmann ganz genau hingeschaut:

«Es gibt im Film Einstellungen, auf denen das Logo gleichzeitig an elf Stellen zu sehen ist: auf dem Laptop, auf dem Schlüssel­band, an der Lampe, auf einem Flyer und in Leucht­schrift an der Wand.»

Wahnsinn, damit ist Schild als Flaschentrickbetrüger entlarvt. Als besonders übler zudem: «Beim Shop der Firma von Ringier-Star Cedric Schild dagegen bekommt man während des ganzen Bestell­vorgangs nie die Möglichkeit, sein Geburts­datum anzugeben.»

Daraus schliesst Kollmann, der auch diesen Bestellvorgang nachrecherchiert hat, messerscharf: hier können auch Minderjährige Alk bestellen! Ist zwar nur 4,5-prozentiger, aber auch so hat schon manche Alkoholikerkarriere angefangen. Warnend zitiert der «Republik»-Schlaumeier noch den Presserat, die Stiftung «Sucht Schweiz» und den «Beobachter», um auf die Schwere dieses Vorgangs hinzuweisen. Dann muss er sich aber seine schöne aufgepumpte Story selbst kaputt machen: «Schilds Getränkefirma schreibt: «Wir prüfen jede Kunden­beziehung manuell vor Versand der Ware. Bei Zweifeln an der Volljährigkeit einer Person wird ein Alters­nachweis angefordert.»»

Blöd gelaufen, eigentlich. Am Schluss setzt Kollmann der Lächerlichkeit noch die Krone auf: «Hinweis: Ursprünglich hatten wir geschrieben, in manchen Einstellungen des Films tauche das Logo insgesamt achtmal auf. Mittlerweile haben wir das Logo an gleich drei weiteren Stellen entdeckt – und auch diese abgedeckt.»

Kann man grün vor Neid noch tiefer sinken? Schwierig, aber einer kann’s natürlich: auch diese Story schreibt Andreas Tobler für Tamedia einfach ab. Denn auch er möchte sicherlich einmal durch etwas anderes auffallen als durch Peinlichkeiten, auch er neidet Schild seinen Erfolg bis zur Hemmungslosigkeit.

Tobler hat sich schon längst, die «Republik» spätestens damit vom ernstzunehmenden Journalismus verabschiedet.

Der Treppenwitz dabei ist natürlich: damit macht sie (und Tobler sekundiert fleissig) Schilds Gesöff noch viel bekannter. «Izzy» hat 700’000 Follower; die «Republik» hat abbröckelnde 26’547 Abonnenten. Eigentlich müsste Schild von den Demokratierettern Geld für die Gratiswerbung verlangen, die sie auf seine Kosten bekommt. Andererseits: wer will schon dafür bezahlen, sich in aller Öffentlichkeit zu blamieren.

 

Seit die Bilder lügen lernten

Wieso machen die Medien nichts dagegen?

Dass Gedrucktes gelogen sein kann, wissen wir schon seit vor der Parteizeitung «Prawda» (Wahrheit). Es kann eine leichte Akzentverschiebung sein oder auch nur der Kontext. «Schweres Erdbeben mit vielen Toten» ist nicht das gleiche wie «Schweres Erdbeben, Rettungsnmassnahmen angelaufen». Das ist ein sehr weites Feld bis hin zu schlichten Fälschungen wie die Konstantinische Schenkung oder die Protokolle der Weisen von Zion.

Schon hier spielen die Massenmedien eine entscheidende Rolle. Denn sie entscheiden über die öffentliche Wahrnehmung von Ereignissen. Vor allem solche, die vom Konsumenten nicht aus eigener Erfahrung überprüft werden können. Ist Nordkorea ein gruseliger Unrechtsstaat mit Hungersnöten, Arbeitslagern und einem irren Diktator? Oder ein kleines Land, das versucht, sein Schicksal autonom zu bestimmen und fürchterlich verleumdet wird?

Da es die absolute Wahrheit nicht gibt und sie auch nicht in der Mitte liegt, ist also die Vorarbeit eines Newsmediums entscheidend. Wenn es schreibt, dass Präsident Putin schwer krank sei oder Nawalny gestorben, dann wäre es gut, wenn das auch zutreffen würde. Wenn es also Bestätigungen dafür gäbe.

Mit jeder Fake News verspielen die Medien ein weiteres Stück ihrer ohnehin schon angeschlagenen Glaubwürdigkeit, ihr angeblich wichtigstes Gut. Ihr teuerstes Gut, ihr wertvollstes.

Dafür tun sie aber erschreckend wenig, um hier Überprüfbarkeit und Authentizität zu gewährleisten. Ist der Film über «Putins Palast» eine reale Dokumentation oder ein Fake? Behaupten kann man beides, aber belegen sollte man es schon können.

Die Sprache wird zum Lügen verwendet. Mit der Fotografie meinte man, einen objektiven Zeitzeugen gefunden zu haben. Bis Fotografien verändert, gefakt wurden. Zunächst noch eher amateurhaft, wenn der Revolutionär Trotzki, der als zweitwichtigster Mann sehr häufig neben Lenin stand und fotografiert wurde, aus all diesen Bildern herausretouchiert wurde, weil er Stalin in der Sonne stand. Gelegentlich blieb da aber ein Fuss, ein Arm oder eine Mütze übrig.

Seit der Digitalisierung ist es selbst für den Fachmann ausgesprochen schwierig, ein echtes Bild von einem Fake zu unterschieden. Blieb noch das bewegte Bild, das sei dann nur sehr, sehr schwer zu manipulieren. Bis AI und Deep Fakes das Gegenteil bewiesen.

Daraus kann man entweder schliessen, dass wir sowieso bald alle eine virtuelle Bildweltbrille tragen werden und die Wirklichkeit an Bedeutung schwer verlieren wird. Oder aber, wir können lamentieren, dass man ja niemandem und nichts mehr glauben kann. Und all die verhöhnen, die noch davon ausgehen, dass ein Bericht in der «Tagesschau» vielleicht manipulativ getextet oder eingeordnet oder ausgewählt sei, das Video selbst aber der Wirklichkeit entspräche.

Kann sein, muss nicht sein. Denn auch diese News-Flaggschiffe kochen nur mit Wasser. Sie vertrauen der Quelle, normalerweise eine Agentur wie AFP oder Reuters, sie machen vielleicht eine Google-Suche, ob diese Bilder nicht schon mal gezeigt wurden, sie versuchen, zusätzliche Bestätigungen aus anderen Quellen einzuholen. Kann funktionieren, muss nicht.

Es gibt auch für den Laien erste Programme, mit denen er Videos auf ihre Echtheit überprüfen kann. Aber das Problem liegt ganz woanders.

Es hat seine Wurzeln in einem weiteren geizigen Versagen der Medienhäuser. Es kann doch keine Quantenphysik sein, mit Blockchain oder anderen Technologien zu garantieren, dass ein Video von der Aufnahme bis zur Ausstrahlung nicht manipuliert wurde. Natürlich, was gefilmt wurde und was nicht, das ist weiterhin potenziell eine Manipulationsmöglichkeit.

Aber zumindest die Authentizität solcher Newsvideos wäre garantiert. Warum passiert das nicht? Ganz einfach, weil es nicht ganz billig, aufwendig in der Herstellung und somit nicht sofort profitabel wäre. Und den kurzatmigen Medienmanagern fällt in der Krise sowieso nur eins ein: sparen, sparen, nochmal sparen. Und was vorher gratis war, verkaufen wollen.

Abgesehen von der Errichtung von mehr oder minder raffinierten Paywalls, hat man technologisch jemals etwas von ihnen gehört, so von Müller von Blumencron aufwärts und abwärts? Ausser Gedöns, natürlich?

Die überprüfbare Authentizität von Dokumentarvideos, wär‘ doch was. Aber ZACKBUM kann  diese Perle ohne zu zögern vor die Säue werfen. Sie werden nicht einmal grunzen und sie ignorieren.

 

 

 

 

Fotoromanza mit Frank A.

Worüber er spricht? Egal.

Frank A. Meyer ist genial. Ideal. Einmalig. Unnachahmlich. Am besten ohne Ton zu ertragen. Dafür im Bild.

Weniger Beliebigkeit!

Mehr Relevanz!

Und Engagement!

Ich habe gesprochen.

Man beachte ausserdem: die Bücher (alle gelesen). Den Lehnsessel (selber ersessen). Die hochtoupierten Haare (neu). Das Pochettli (zusammen mit dem Hemd in einer Farbe, die die Natur nicht vorgesehen hat). Und schliesslich die sorgfältig über dem Embonpoint drapierte Krawatte.

Ach, worüber hat er gesprochen? Völlig egal.

Als die Bilder laufen lernten

Die Mainstream-Medien entdecken das Bewegtbild. Sogar in Farbe.

Tamedia setzt auf skelettierte Redaktionen und Videos zwecks Bespassung der immer kleineren Leserschar. Allerdings ist das Anschauen meistens reine Zeitverschwendung. So führt Tamedia stolz ein Video vor, das angeblich die angebliche Jacht von Präsident Putin zeigen soll, die in einem italienischen Hafen beschlagnahmt wurde.

Das informative und unterhaltsame Video zeigt – die Jacht. Aus verschiedenen Perspektiven. Von der Seite. Von vorne. Nochmals von der Seite. Von nahe, so weit halt ein Tele heranzoomen kann. Man sollte diese Minute verschwendeter Lebenszeit dem Konzern in Rechnung stellen.

Das Gleiche gilt auch für den Videobericht über die Explosion in Havanna, bei der das Hotel Saratoga schwer beschädigt wurde. Es muss mit Dutzenden von Todesopfern und Verletzten gerechnet werden. In dieser Minute sieht man – die rauchenden Trümmer der Hotels. Aus verschiedenen Perspektiven. Nochmals eine Minute Lebenszeit geklaut.

Ringier setzt bekanntlich auf «Blick TV», eine Art Nachrichtenshow. Zwar zuletzt runtergespart bis zum Gehtnichtmehr, aber immerhin mit eigenen Reportern vor Ort. So zum Beispiel auf dem Friedhof bei Riehen, wo traditionell eine Gedenkfeier anlässlich des sowjetischen Sieges über Hitlerdeutschland stattfindet. Da schaltet «Blick» live zum Reporter vor Ort. Leider nur zu spät, denn der kann nur berichten, dass gerade eigentlich nichts los sei, was eine einsame Person im Hintergrund stumm bestätigt.

Aber wozu gibt es den Rückblick; zuvor sei etwas los gewesen, berichtet er. Da hätten sich doch zwei Frauen in ukrainischen Farben vor den Gedenkstein gestellt, worauf Russen (und Russinnen, wir sind bei Korrekt-TV) «das Gespräch» gesucht hätten, anschliessend seien die beiden Frauen davongelaufen. Einblick in Einfalt-TV.

Wie es sich gehört, setzt das Blatt für die besseren Stände natürlich nicht auf Videoschnipsel, sondern produziert unter dem passenden Namen «NZZ Format» eigene Dokumentationen, über interessante und manchmal auch weniger interessante Themen.

CH Media, der Konzern mit den meisten eigenen Privat-TV-Stationen und jeder Menge Dudelfunk, hat allerdings noch nie etwas von Synergien gehört. Der Web-Auftritt seiner Unzahl von Kopfblättern ist völlig frei von Bewegtbild und -ton. Vielleicht muss da technologisch noch aufgerüstet werden.

Dafür setzt einer der drei Auslandredaktoren, die sich der Konzern leistet, seine Serie der Blödel-Alliterationen fort. Putin, Potemkin, Parade, wer kann da schon widerstehen. Auch wenn auf dem Roten Platz keine Holzfassaden vorbeigetragen wurden.

«20Minuten» zeigt auch in diesem Bereich, wieso es weiterhin alle Bezahlzeitungen in seiner Reichweite abtrocknet. Gleich eine ganze Videogalerie nimmt auf die Sehgewohnheiten auch der jüngeren Leserschaft Rücksicht.

«watson» hingegen, Überraschung, bemüht sich auch in der Abteilung Video, das Niveau unermüdlich tieferzulegen. Mit Erfolg:

Und wie steht es denn mit der «Republik»? 50 Nasen, Millionenbudget, sollten da zur Rettung der Demokratie nicht auch Videos eingesetzt werden? Beschallt wird der Leser ja mit Podcasts, aber zum Bewegtbild hat’s noch nicht gereicht. Wahrscheinlich braucht es dafür zunächst eine neue Bettelrunde unter der Leserschaft.

Die Null-Meldung

Vorhersehbar, dass «watson» schnell an die Reihe kommt.

Russische Staatsmedien haben einen Schnipsel aus diesem Treffen zwischen Präsident Putin und dem russischen Verteidigungsminister veröffentlicht. Über den wurde schon fleissig spekuliert, dass er verschwunden sei. Abgesetzt. In Ungnade gefallen. War nix. Aber auf ein Neues:

Nun ist es ein «bizarres», ja «skurriles» Treffen. Indizien? Putin klammere sich an den Beistelltisch. er lasse hier Nähe zu, wo er doch sonst an überlangen Konferenztischen für Distanz sorgt. Aber noch wichtiger: ist Putin krank? Also nicht nur im Kopf? Wieso klammert er sich an den Tisch? Leider gibt eine «Expertin für Körpersprache» Entwarnung: «Er sitzt da, wie wir ihn seit Jahren kennen. Zurückgelehnt, nicht wahnsinnig, sich selber präsentierend.»

Also alles in allem eine Null-Meldung. Überflüssig. Inhaltsleer. Dem Prinzip jeder Null-Meldung folgend: Man stellt eine bange Frage, beantwortet sie negativ – und spült nicht etwa den ganzen Artikel.

«Muskelspannung lösen»

Berichterstatterpflicht zu Polizeibrutalität? In Bruchstücken. Gequält. Ohne eigenen Einsatz. Ohne Inhalt.

Eine der wenigen Möglichkeiten, den Verrichtungsboxen in den Newsrooms zu entkommen, ist eine Stelle als Bundeshauskorrespondent. Das ist zwar keine Korrespondentenstelle, man ist einfach nicht in Zürich oder Aarau am Gerät.

Arbeitet man für die «Berner Zeitung» oder den «Bund», was ja sowieso das Gleiche ist, kann man zu Fuss zur Arbeit gehen. Oder per Velo.

Also an journalistisch Schaffenden fehlt’s eigentlich in der Bundeshauptstadt nicht. Nur sind die alle bereits im Feierabend, wenn jeweils am Donnerstag eine Demonstration stattfindet. Während die illegalen Besetzer des Bundeshausplatzes sich einer hautnahen Berichterstattung erfreuen konnten, kümmern die Coronaleugner, äh, «Gegner der Corona-Massnahmen», also diese Deppen nicht wirklich.

Glücklicherweise ist SDA so tapfer, eine «Korrespondentin» in diese Kampf- und Konflikzone zu entsenden. Die zitiert dann immerhin das Qualitätsmedium Tamedia in seinem «Newsticker» ) , dass viele Demonstranten eine Rose in der Hand getragen hätten.

«Die Rose stehe für Frieden, «wir sind alle friedlich hier», sagte ein Demonstrierender. «Wir sind aus der Mitte der Gesellschaft und keine Extremisten»», hat der offenbar einzig anwesende Journalist aufgeschnappt.

200, 500 oder mehr Demonstranten?

Was natürlich gelogen ist, denn die Polizei musste «mehrmals Gummischrot und Wasserwerfer» einsetzen, gegen die «mindestens 500 Gegner und Gegnerinnen» wovon eigentlich. Schon dazu ist einiges zu sagen.

Es wurden auch schon mal 1000 Teilnehmer geschätzt, als es zweifelsfrei eher 10’000 waren. Aber eine Null mehr oder minder, was interessiert das die Journi-Nullen. Dann müsste bei Tamedia ein neuer Proteststurm durch die Redaktionen brausen; wieso sind männliche Gegner vor den weiblichen erwähnt? Und die diversen, non binären, trans Menschen?

Schliesslich war es einmal Brauch, wenigstens in ein, zwei Worten zu erwähnen, was eigentlich die Anliegen der Manifestanten sind. Tragen sie vielleicht Transparente mit sich, skandieren sie etwas, und sei es nur «Ueli, Ueli»? Aber wozu soll sich die eine Hälfte des Zeitungsduopols mit sogar zwei Blättern (noch) vor Ort um solchen Pipifax kümmern.

Wozu hat man den Agenturticker der SDA abonniert, mit dem man den Teil der Berichterstattung bewältigt, den man nicht von der «Süddeutschen» übernimmt. Dazu noch Bauchnabelschau, fertig ist das Qualitätsprodukt.

Langsam macht ein brutaler Polizeieinsatz die Runde

Siehts bei CH Media besser aus?  Leicht, denn immerhin greift hier tatsächlich ein Redaktor zum Griffel. Auch hier macht die Polizei den Titel, sie «geht gewaltsam gegen Demo vor». Allerdings: CH Media hat ein verstörendes Video der lokalen TV-Station «Live1» in ihren Artikel eingebettet.

Man sieht die Vorgeschichte nicht, aber was man sieht, ist beunruhigend. Eine Gruppe Polizisten in Vollmontur, die auf einen am Boden liegenden Mann einprügeln, auf seinem Kopf knien und ihn offensichtlich malträtieren.

Das wäre, mit Verlaub, ein Riesenskandal über Polizeigewalt, Verhältnismässigkeit und mit Gebrüll von allen Zinnen – wenn der Malträtierte für eine richtige und gute Sache demonstriert hätte. Aber ein Coronaleugner? Recht geschieht’s ihm.

Die Erklärungen der Polizei mache die Sache nicht besser. Der Mann sei drohend auf die Polizisten zugelaufen. Auch Gummischrot habe ihn nicht aufgehalten. Schliesslich seien ihm

«Schmerzreize gesetzt» worden,

zudem mit Schlägen eine «Muskelspannung» abgebaut worden. In Wirklichkeit spielte es sich so ab, wie hier ins Einzelaufnahmen dokumentiert:

Stills 1 bis 5: Der Mann läuft auf die Polizeikette zu. Als er sie erreicht, wird er sofort zu Boden geworfen. Still 6: Mehrere Polizisten halten ihn, der rechts kniet auf seinem Hals und schlägt mehrfach auf ihn ein. Dann wird er (Still 7) über den Boden geschleift, schliesslich nochmal auf seinen Hals gekniet (Still 8). QUELLE der Prügelbilder 6 – 8: Twitter/LIVE1TV 

Schmerzreize und Abbau von Muskelspannung; auf Deutsch: mehrere Schläge in die Fresse eines am Boden fixierten Mannes, auf dem mindestens ein Polizist kniet, auf seinem Hals.

Auch der Dritte und Letzte im Bunde greift auf eine ganze Reihe von Kürzeln zurück (zis/ita/frk/SDA), um seine Berichterstattung zu zeichnen. Auch der «Blick» stellt die Polizeigewalt ins Zentrum seiner Berichterstattung; allerdings natürlich die von den Manifestanten provozierte.

Aber immerhin, nach dem Warnhinweis «das nachfolgende Video enthält verstörende Bilder» zeigt «Blick» unter der Oberzeile «Heftige Gewalt» die tatsächlich verstörende Prügelszene der Berner Polizei.

Eine auf Video festgehaltene Prügelszene? Nichts für SRF

Wie steht es denn beim Schweizer Farbfernsehen? Das bekommt ja schon über eine Milliarde an Gebührengeldern pro Jahr, um die Grundversorgung mit Informationen sicherzustellen. News-Webseite, «Tagesschau», «10 vor 10»? Die Hauptausgabe berichtet am Donnerstag über das Schicksal des gescheiterten CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet als Aufmacher, die vertiefende Sendung später über «Hoffnung für Afrika».

Bern, Demo, Polizeigewalt, war da was? Ach was, lediglich in «Schweiz aktuell» gab es einen präventiven Betrag, dass am Donnerstagabend wieder mit einer unbewilligten Demonstration gerechnet werden müsse, und was das immer koste.

Man kann hier also von einem veritablen Skandal sprechen. Und man bekommt einen Vorgeschmack darauf, wie es mit der Berichterstattung weitergeht, sollten die grossen Verlegerclans noch kräftiger am Subventionstropf des Staates hängen.

Wirklich schlimm ist aber die SRG. Da sie zwangsweise Gebühren erheben darf, hat sie nun eindeutig eine Berichterstatterpflicht. Natürlich muss dabei ausgewählt werden, was von den Tagesereignissen in die Nachrichtengefässe passt, was Platz hat. Nichts gegen Berichte über deutsche Innenpolitik oder die Malariabekämpfung in Afrika.

Aber eine Demonstration in Bern mit Ausschreitungen und hässlichen Szenen von Polizeigewalt? Das ist keine News? Nix, nada, nullo? Das hätte «Russia Today» auch nicht besser hingekriegt, kann man nur sagen.