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Rechtsexperten von Tamedia
/7 Kommentare/in Allgemein/von René ZeyerDer Dilettantenstadl, wie er leibt und lebt.
Gleich drei Koryphäen vom sogenannten «Investigativdesk» haben gemeinsam zum Griffel gegriffen. Bei solch geballter Fachkompetenz muss ja Gewaltiges rauskommen.
In der Tat. Gewaltiges Geschwurbel. Denn Christian Brönnimann, Lukas Lippert und Catherine Boss (wo bleibt da Ladies first?) beantworten eine brandneue, brandheisse, noch nie gestellte Frage: «Sind vor Gericht wirklich alle gleich?»
Allerdings merkt man deutlich: können nicht gestohlene Datenberge durchgeackert und willkürliche Auszüge triumphierend der gelangweilten Öffentlichkeit präsentiert werden, ist das Ergebnis der Bemühungen recht dürftig.
Das Trio nimmt die Fälle Vincenz und Zölch zum Anlass, eine ergebnisoffene Frage zu stellen: «Behandelt unsere Justiz mutmassliche Wirtschaftskriminelle aus gehobenen Kreisen gleich konsequent wie Kleinkriminelle mit weniger Ressourcen?»
ZACKBUM will ja nicht die Pointe eines immerhin fast 9000 A langen Werks vorwegnehmen. Oder doch: die Antwort ist, blöde Frage, natürlich nein.
Das ist doch sonnenklar, liegt auf der Hand, ist mitsamt den Gründen längst bekannt, als Thema uralt, als Klage seit den alten Römern bekannt. So what, könnte man einfach sagen. Endlich mal ein Artikel, der aus einer kurzen Frage, einer noch kürzeren Antwort und dann tschüss besteht. Den restliche Platz könnte man doch mit launigen Meldungen aus München füllen. Bier, Katzen, Bürgermeister, Themen gäbe es doch genug.
Aber nein, wozu sind hier Recherchiergenies am Gerät? Die machen tapfer einen Ausflug ins Archiv, wo höchste Staubgefahr herrscht, der sie aber mutig trotzen. Also zerren sie drei Fälle ans Tageslicht, nicht ohne die Staubschicht abzupusten. Vielleicht hat Marc Brupbacher zuvor Masken verteilt.
Dann schneiden sie diesen Fundstücken von White-Collar-Kriminalität einen «Nordafrikaner» (hat das nicht ein Geschmäckle nach postkolonialistischem Rassismus, wir fragen ja nur) gegen, der in einem Restaurant aus einer Handtasche 100 Franken mopste. Und dafür ins Gefängnis kam.
Dann Aufschwung ins Allgemeine und Experte Martin Killias, der auch als emeritierter Strafrechtsprofessor leicht amokig bleibt und von einer «Art Klassen-Strafrecht» erzählt. Jaw drop factor 100, würde da eine krampfhafte Imitiatorin von Jugendsprache sagen.
Schlussgag: Die Anklageschrift im Fall Vincenz scheiterte nicht zuletzt, weil sie nicht übersetzt worden war. Aber, oh Graus: «Als sich ein Asylbewerber gegen einen auf Deutsch verfassten Strafbefehl wehrte, weil er ihn nicht lesen konnte, entschied das Bundesgericht 2019, die fehlende Übersetzung sei kein Grund, den Strafbefehl aufzuheben.»
Sein Recherchedesk polieren, unschuldige Leute fertigmachen, grosses Gedöns wegen «Leaks», «Papers» und «Secrets» machen, das ist halt nicht das Gleiche wie eine sorgfältige Darstellung rechtlicher Fragen. Dafür müsste man vielleicht mal etwas Einmaleins studieren, dann wüsste man, dass eine Anklageschrift und ein Strafbefehl nicht ganz das Gleiche sind, und sich mit der Behauptung gegen einen Strafbefehl zu wehren, man habe ihn nicht verstanden, ist zwar ein netter Versuch, hat aber nichts damit zu tun, wenn ein Angeklagter die Anklageschrift nicht versteht.
Dass es eine Klassenjustiz gibt, das wurde schon vor und nach Kurt Tucholsky (nur googeln, Recherchiercracks) umfangreich beschrieben. Dass man mit mehr Geld mehr recht bekommt, was soll daran neu sein? OJ Simpson konnte sich als Mörder sogar aus einem Mordprozess herauswinden (wurde dann aber im Zivilprozess verurteilt). Einem Bernie Madoff nützte aber sein ganzes Geld nicht, als sein Schneeballsystem aufflog. Er sitzt bis zum Lebensende im Knast.
Dass der Fall Vincenz & Co. wieder auf Feld eins gelandet ist, ist nicht unbedingt dem Geld der Angeklagten zu verdanken. Das ist zudem ohnehin sichergestellt, für sie nicht zugänglich. Die Anklageschrift ist in erster Linie an der Unfähigkeit des Staatsanwalts gescheitert, nicht am Geld der Angeklagten. Alles absurde Vergleiche.
Reiche Angeschuldigte können sich bessere Anwälte leisten. Eine erschütternde Erkenntnis. Wenn es um grössere Summen geht, sind Bankräuber schwer im Nachteil gegenüber geschickten Finanzbetrügern. Eine erschütternde Erkenntnis. Nachdem das Urteil gegen Vincenz aufgehoben wurde, ist noch kein einziger Schweizer Bankenlenker (und verdient hätten es ach so viele) im Knast gelandet. Dafür viele Kleinkriminelle. Das ist eine erschütternde, aber nicht neue Erkenntnis.
Ist das ungerecht? Aber ja. Ist das neu? Aber nein. Das ist so simpel wie die Feststellung, dass sich Reiche mehr leisten können als Arme. Das ist von einer brunzblöden Banalität. Wieso wird es dann veröffentlicht? Offensichtlich als Beschäftigungstherapie für das Recherchedesk, das gerade keine gestohlenen Datenberge auf den Schreibtisch geschüttet bekommt. Und selber was richtig recherchieren, zum Beispiel die Hintergründe des Falles Roshani im eigenen Haus, dafür ist das Trio entweder zu feige oder zu unbegabt.
Betroffenheit
/4 Kommentare/in Allgemein/von René ZeyerGeben die Medien manchmal zu viel Gas?
Zunächst die gute Nachricht: Alexandra Föderl-Schmid ist lebend und ansprechbar aufgefunden worden. Nachdem man ihr Auto samt angeblichem Abschiedsbrief drin fand, wurde das Schlimmste befürchtet. Allerdings wird dadurch die Sache für die «Süddeutsche Zeitung» eher noch peinlicher.
Eigentlich meint man, dass vor allem Medienschaffende gepanzert sind gegen Kampagnen und Vorwürfe. Manchmal kommt wegen ihnen ein unerfahrener, unbeholfener Laie unter die Räder, der keine Ahnung hat, wie der Medienzirkus funktioniert. Besonders unappetitlich sind dabei sogenannte Investigativjournalisten wie Christian Brönnimann. Der richtete aufgrund gestohlener Geschäftsunterlagen einen schweizerisch-angolanischen Geschäftsmann öffentlich hin. Wegen seiner Artikel wurden diverse Strafuntersuchungen angestossen. Als sich überall und immer herausstellte, dass an den Vorwürfen nix dran war, das Opfer aber als gebrochener Mann zurückblieb, meinte Brönnimann nur arschkalt, dass er ja nichts dafür könne, was Untersuchungsbehörden so anrichteten.
Es ist bekannt, dass Medienschaffende im Austeilen gross sind, im Einstecken ganz, ganz klein. Mimosen halt. Das ändert nichts daran, dass sie selbst manchmal Opfer ihrer selbst werden. Das schlechteste Beispiel dafür ist der ewige Fälscher Tom Kummer, der unverständlicherweise bei der «Weltwoche» sein Gnadenbrot frisst.
Das abschreckendste Beispiel ist Claas Relotius, der der Reputation des «Spiegel» einen nicht reparablen Schaden zufügte.
Aber jetzt gibt es offenbar den Fall Alexandra Föderl-Schmid. Zur Rekapitulation: sie ist stellvertretende Chefredaktorin der «Süddeutschen Zeitung» und als besserwisserische Vielschreiberin bekannt. Als die deutsche Plattform «Medieninsider» mit Beispielen belegte, dass sie ungehörig Quellen ohne Zitate in ihren Artikeln verwendete, wurde das von der Chefredaktion zunächst als «Kampagne» rechter Kreise gegen die «Süddeutsche Zeitung» abgetan.
Daraus entwickelte sich erst recht ein Skandal, als herauskam, dass diese Chefredaktion mittels Bespitzelung vergeblich herausfinden wollte, wer diese Informationen durchgestochen hatte. Obwohl die SZ ansonsten immer gerne bereits ist, gestohlene Geschäftsunterlagen zu verwenden und das als investigativen Journalismus auszugeben.
Föderl-Schmid hatte dabei schon selbst eingeräumt, dass ihr Fehler unterlaufen seien. Dann wurden auch noch Plagiatsvorwürfe bezüglich ihrer Dissertation bekannt, sie wurde daraufhin eiskalt fallengelassen und von der gleichen Chefredaktion, die sie zuvor noch verteidigt hatte, aus dem «Tagesgeschäft» abgezogen.
So hat auch ZACKBUM das Thema aufgenommen und der Unschuldsvermutung nicht wirklich Platz eingeräumt. Vor allem hat ZACKBUM angenommen, dass jemand, der wie Föderl-Schmid seit vielen Jahren in den oberen Etagen des Journalismus verkehrt, eine dicke Hornhaut hat, an der all diese Vorwürfe abtropfen.
Dann wurde aber laut Pressemeldungen das Auto der Journalisten gefunden. Von ihr selbst fehlte mehr als ein Tag lang jede Spur. Inzwischen ist sie lebend gefunden worden, und die Chefredaktion der SZ, die sie zuvor abservierte, heult vor Freude. Also der Chefredaktor tut das; wie eigentlich immer und überall bleibt die aus der Schweiz importierte Quotenfrau Judith Wittwer stumm wie ein Fisch.
Also war an all den Vorwürfen sogar noch mehr dran, als bislang eingeräumt wurde. Anscheinend steht auch ihre Dissertation unter verschärfter Beobachtung, sowie ihre vielen, vielen Artikel, die sie in den letzten Jahren herstellte.
Plagiate gehen gar nicht, besonders nicht, wenn man so einen scharfen und rechthaberischen Reifen fährt wie Föderl-Schmid, wie ZACKBUM schon kritisieren musste. Aber es gilt nicht nur, die Qualität ihrer Artikel aufzuarbeiten. Sondern auch das Verhalten der Chefredaktion in dieser Affäre. Das ist mehr als dubios.


