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Auf den Hund gekommen

Das Qualitätsblatt Tagi kennt keine Schamgrenze mehr und verbeisst sich.

Nein, hier handelt es sich nicht um einen weiteren Beitrag zum Thema Klitoris. Vielleicht ist es aber ein Beitrag zum Thema: gibt es noch Schlimmeres als das Gekritzel des sogenannten Karikaturisten Arrigoni?

Die Antwort ist ein klares Ja:

Knapp 10’000 A, sensibel und tierlieb verfasst von der Recherchierkoryphäe Fabienne Sennhauser, «diensthabende Redaktorin im Ressort Zürich». Als Mitglied muss ZACKBUM zudem erschreckt zur Kenntnis nehmen: «Sennhauser amtet seit 2024 als Co-Präsidentin von Impressum.»

Hier ist sie aber in erster Linie Hundeliebhaberin und verbreitert sich auf knapp 10’000 A über den Tod eines Cane Corso Italiano. Das ist ein bis zu 50 kg schwerer Wachhund, der nicht zuletzt wegen gewaltiger Beisskraft und hohem Aggressionspotenzial nur für erfahrene Halter geeignet ist.

Hier aber wird der plötzliche Hundstod von Freya vermeldet. Sie «starb am 28. Juni unter ungeklärten Umständen in einer Hundepension im St. Galler Linthgebiet». Das sei «der Alptraum jedes Hundehalters», barmt Sennhauser. Den hier hat es besonders schlimm erwischt: «Den Moment, als ihn die Erkenntnis überfällt, beschreibt der 21-Jährige aus Lachen so: «Mein Herz raste, ich hatte Atemnot. Es war wie eine Panikattacke.»»

Aber glücklicherweise hat wenigstens Herrchen überlebt. Auch den schrecklichen Anblick des Kadavers:

«Direkt hinter dem Eingangstor der Pension, im Garten, habe seine Freya auf einer Decke gelegen. Es sei kein schöner Anblick gewesen, erzählt er. Es seien Flüssigkeiten aus dem Körper ausgetreten, die Totenstarre sei bereits ausgeprägt gewesen.»

Furchtbar, dagegen sind die Schicksale von Kindern im Sudan ein Dreck.

Auf jeden Fall will der Halter nun wissen, wie es denn zu diesem schrecklichen Todesfall kommen konnte. Da gibt es Aufklärungsbedarf: «Die Hundepension teilt Hollenstein zwar mit, Freya sei draussen unvermittelt zusammengebrochen. Eine wirkliche Erklärung und genauere Angaben liefern die Verantwortlichen aber nicht.»

Nun geht Sennhauser in die Vollen: «Wie französische Bulldoggen oder Möpse kann auch der Cane Corso zu einem verkürzten Nasenbereich neigen – fachsprachlich Brachyzephalie. Das kann verengte Nasenlöcher oder einen verengten Kehlkopf zur Folge haben und zeigt sich etwa durch rasselnde Atemgeräusche, verminderte Ausdauer und schnelle Überhitzung an heissen Tagen.»

Brachyzephalie, man lernt nie aus. Auf jeden Fall sei die Hündin topfit gewesen, laut tierärztlicher Untersuchung. Zudem wurde das Tier am Tierspital Zürich kastriert; «der Austrittsbericht liegt dieser Redaktion ebenfalls vor. Auch er bescheinigt Freyas guten Allgemeinzustand».

Sennhauser sammelt weitere Verdachtsmomente: «Tatsächlich setzt die Totenstarre bei Hunden in der Regel ein bis drei Stunden nach dem Tod ein: Die Gliedmassen versteifen nach und nach, der Körper lässt sich nur noch schwer bewegen. Zwischen dem Anruf und Hollensteins Eintreffen in der Pension lag nach seinen Angaben jedoch keine Stunde. Und doch sei Freyas Körper da bereits vollständig steif gewesen.»

Handelt es sich hier um ein vertuschtes Verbrechen? Starb der Köter etwa nicht an einer natürlichen Ursache? Da nimmt Sennhauser Witterung auf und sammelt Verdachtsmomente: «Auch diese Redaktion hat im Umfeld der Hundepension, die seit Ende 2022 im Handelsregister eingetragen ist, recherchiert und mit mehreren Ex-Mitarbeitenden gesprochen. Demnach kam es immer wieder zu Personalwechseln.»

Ha, ein Indiz, weder sie noch der Hundehalter lassen locker: «Um die Todesumstände aufzuklären, hat Hollenstein inzwischen Anzeige bei der Kantonspolizei St. Gallen erstattet und das zuständige Veterinäramt informiert. Die Kantonspolizei teilt auf Anfrage mit, dass Ermittlungen aufgenommen worden sind; weitere Details nennt sie aus Gründen des Amtsgeheimnisses nicht. Das Veterinäramt wiederum gibt mit Verweis auf den Datenschutz keine Auskunft zum konkreten Fall.»

Kennt man ja, die Behörden mauern, denn auch Hunde unterliegen dem Amtsgeheimnis und dem Datenschutz. Was sagt denn das Hundeheim? Auch da hat Sennhauser zugebissen: «Auf Anfragen dieser Redaktion nimmt die Geschäftsleitung schriftlich Stellung. Konkrete Fragen zu den Abläufen am 28. Juni – etwa wann und wo Freya starb, welche Mitarbeitenden mit welchen Ausbildungen vor Ort waren oder ob ein Tierarzt aufgeboten wurde – bleiben unbeantwortet

Allerdings bleibt am Schluss die traurige Botschaft: «Woran Freya letztlich gestorben ist, das wird sich indes nicht mehr klären lassen. Hollenstein hat ihren Kadaver noch am 28. Juni ins Tierkrematorium gebracht. Dies – wie er sagt – auf Anraten der Pensionsleitung. Eine pathologische Untersuchung des Tieres ist damit nicht mehr möglich. Etwas, das Hollenstein bedauert – wohlwissend, dass auch dies ihm Freya nicht zurückgebracht hätte.»

Hundstage beim Tagi. Wuff, jaul.

Immerhin: Sudan

Es ist ein Elend, vor dem (fast) alles andere verblasst.

Die Ukraine? Der Nahe Osten? Der Gaza-Streifen? Die Bombardierung Libanons? Das Gemetzel der fundamentalistischen Wahnsinnigen? Die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung, deren Ministerpräsident mit internationalem Haftbefehl gesucht wird?

Schlimme Sachen, täglich, stündlich in allen Massenmedien der Welt dargestellt, beinahe bis zum Überdruss.

Im Sudan findet zurzeit die grösste humanitäre Katastrophe der Welt statt, noch schlimmer als in den das afrikanische Land umgebenden Elendslöchern, noch schlimmer als das Wüten der Militärdiktatur in Myanmar.

Aber alle diese Gegenden der Welt haben etwas gemein: das Leiden der Menschen dort ist uns schlichtweg scheissegal. Der Reporter der «Süddeutschen Zeitung» Arne Perras gehört zu den Wenigen, die immer wieder versuchen, auf diese unsägliche Elend hinzuweisen. Er formuliert zurückhaltender:

«Der Krieg zweier Generäle hat eine Hungersnot ausgelöst, wie sie die Welt lange nicht mehr erlebt hat. Doch der Westen schaut weg

Immerhin, Tamedia, die ja bekanntlich nur noch über eine Rumpf-Auslandredaktion verfügt, deren Chef Christof Münger durch wirre Kommentare zu den US-Präsidentschaftswahlen auffiel, übernimmt für einmal sinnvollerweise eine Leistung der SZ und versteckt sie nicht einmal hinter der Bezahlschranke.

Das sei hier ausdrücklich gelobt.

Natürlich ist die Gebärfreudigkeit der Sudanesinnen ein Problem. Natürlich sind die Ursache, die zu dieser humanitären Katastrophe führen, ebenfalls hausgemacht. Und natürlich hat die ganze grossartige «Entwicklungshilfe» des Westens seit der Unabhängigkeit der schwarzafrikanischen Länder nicht nur nicht gefruchtet, sondern im Gegenteil Schaden angerichtet, brutale Diktaturen unterstützt, denen das Wohlergehen ihrer Untertanen völlig egal ist und die erfreut zur Kenntnis nehmen, dass dumme Westler sich um ihre darbende Bevölkerung kümmern. Es ist keine Lebenshilfe, es ist Todeshilfe, wie die afrikanische Wissenschaftlerin Dambisa Moyo völlig zu recht sagt.

Ein paar Zahlen? 25 Millionen Menschen in dieser Region sind unterernährt, eine Dreiviertelmillion ist akut vom Hungertod bedroht. Mehr als 11 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nach Schätzungen (den wer zählt schon die Toten) sind bislang über 150’000 Todesopfer zu verzeichnen. Und das ist erst der Anfang einer Katastrophe, die Hunderttausende von Menschenleben fordern kann.

Eine der Ursachen dieser Katastrophe ist der Machtkampf zwischen zwei Generälen, der mit äusserster Brutalität geführt wird. Die Skrupellosigkeit geht soweit, dass diese Verbrecher sogar Abgaben oder Schmiergeldzahlungen dafür verlangen, dass Hilfsorganisationen helfen dürfen.

Die kämpfenden Bandenchefs machen sich aller vorstellbarer und nicht vorstellbarer Kriegsverbrechen schuldig. Folter, Versklavung, Massenvergewaltigungen, Völkermord, Bombardierungen und Angriffe ohne die geringste Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.

Wie es auch im Nahen Osten vorkommt, nur wird dort mehr oder minder Buch geführt über solche Verbrechen.

Im Sudan interessiert sich der Westen einen Dreck dafür. Dabei wäre es, wenn man sich schon nicht an die Gepflogenheiten des Völkerrechts hält, für eine westliche Militärintervention ein Leichtes, diesem Gemetzel ein Ende zu bereiten.

Aber alle vor Betroffenheit bebenden Gutmenschen, die sich nicht einkriegen, wenn sie wieder einmal einen Fall von Sexismus, Ausgrenzung oder gar Rassismus in der Schweiz erlebt haben wollen, die sich furchtbar unwohl fühlen, wenn sie dem Wort Mohr begegnen, die tapfer für den Genderstern streiten, als hinge das Wohl der Menschheit von dieser Sprachvergewaltigung ab, die verlieren  kein Wort über diese Menschheitskatastrophe.

Warum?

Ganz einfach: falscher Ort, falsche Hautfarbe, falsche Himmelsrichtung. Hier kann kein ideologischer Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen richtig und falsch, zwischen dem Wertewesten und dem Unwerteosten geführt werden. Also sollen die Schwarzen dort doch am besten laut- und klaglos verrecken.

Menschenrechte sind unteilbar, jedes Lebewesen ist gleich viel wert. Was für eine unerträgliche Heuchelei von all denen, die das in ihren Gesinnungsgottesdiensten sabbern.

Im Leiborgan der Gesinnungslinken «Republik» findet man im ganzen vergangenen Jahr unter dem Stichwort Sudan ganze 21 Treffer. Ein einziger eingekaufter Artikel beschäftigt sich mit diesem schreienden Elend.

Alleine schon deswegen ist zu hoffen, dass dieses Magazin auch bald verhungert.

 

Wer die Geschichte nicht kennt …

Ein ZACKBUM-Leser hat sich die Mühe gemacht, Geschichtsunterricht zu erteilen. Zwecks Erkenntnisgewinn …

Ich denke, wenn man die Gegenwart verstehen will, muss man die Vergangenheit kennen.
Für Israel bedeutet dies Rückblick bis Anfang des 20. Jahrhunderts.
Das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 ist ein Kriegsverbrechen und muss verurteilen werden. Aber so einfach darf man es sich nicht machen.
Michael Lüders schreibt in seinem neuen Buch: Krieg ohne Ende, Folgendes:
Hier einige Auszüge:
Die geostrategische Bedeutung Palästinas führte 1917 zur Erklärung des britischen Aussenministers Lord Arthur Balfour, sein Land werde die Gründung einer jüdischen “Heimstätte“ in Palästina befürworten. Diese Balfour-Erklärung, leitete die Staatsgründung von Israel ein.
Am 2. November 1917 schreibt Balfour seinem adeligen Kollegen, dem britischen Zionisten und Banker Lord Walter Rothschild, die Regierung seiner Majestät betrachte „mit Wohlwollen“ die Errichtung einer „Heimstätte“ für das jüdische Volk in Palästina. Er hob auch hervor: „Dürften die Rechte der einheimischen, nichtjüdischen Gemeinschaft nicht beeinträchtigt werden“.
Obwohl 90% der Bevölkerung Araber waren, wurde das Wort „Araber“ im Brieftext nicht erwähnt. Und die Araber wurden auch nicht gefragt.
Ungeachtet der britischen Besetzung 1914/18 gehörte Palästina formal noch zum Osmanischen Reich. London versprach also Land, das ihm nicht gehörte, einer politischen Bewegung, der zionistischen, die nach damaligen Massstäben keinerlei legale Ansprüche auf die angestrebte „Heimstätte“erheben konnte.
Am 11. August 1919 hielt Balfour in einem Memorandum für die Regierung seiner Majestät fest:“Was Palästina betrifft, so denken wir nicht daran, die Wünsche der gegenwärtigen Bewohner des Landes zu berücksichtigen… Die Vier Grossmächte (Grossbritannien, Frankreich, Italien und die USA) sind dem Zionismus verpflichtet. Und der Zionismus ist – zu Recht oder zu Unrecht, im Guten wie im Schlechten – in jahrhundertealten Traditionen verwurzelt, in gegenwärtigen Notwendigkeiten, in zukünftigen Hoffnungen. All das ist von ungleich grösserer Bedeutung als die Wünsche und Vorurteile von 700’000 Araber, welche jetzt dieses Land bewohnen“.
Im Februar 1939 gab es in London eine Round-Table-Konferenz, an der palästinensische, arabische und zionistische Vertreter teilnahmen. Unter dem Eindruck dieser Konferenz kam im Mai 1939 ein neues Weissbuch (McDonald White Paper) den Araber entgegen, versprach den Palästinensern innerhalb der nächsten zehn Jahre sogar die Unabhängigkeit. Doch die facts on the ground waren längst unumkehrbar, und die Zeit arbeitete für die jüdische Seite, nicht für die palästinensische.
David Ben-Gurion, weitsichtiger Stratege und Realist (und Propagandist), hat die Hintergründe des Aufstands in einer internen Diskussion unter Führungskadern 1938 sehr offen benannt: „Wenn wir im Ausland argumentieren und unseren Standpunkt vermitteln, reden wir den arabischen Widerstand uns gegenüber klein….. Doch in vertrauten Runden sollten wir uns der Wahrheit nicht verschliessen. Die Wahrheit ist, dass wir, politisch gesehen die Aggressoren sind, während sie sich verteidigen…. Es ist ihr Land, weil sie es bewohnen, während wir hierherkommen und uns hier niederlassen...“.
Die Revolte sei ein „ aktiver Widerstand der Palästinenser gegen das, was sie als widerrechtliche Aneignung ihrer Heimat durch die Juden verstehen …. Hinter dem Terrorismus steht eine Bewegung, der es, obgleich primitiv, nicht an Idealismus und Opferbereitschaft fehlt.“
Gewaltverbrechen, ähnlich demjenigen der Hamas im letzten Oktober, gab es schon früher, z.B. Das Massaker von Deir Yassin einem Vorort Jerusalems am 9. April 1948.
Das kleine Dorf mit seinen 600 Einwohnern wurde von 120 zionistischen Paramilitärs grundlos attackiert. 150 Frauen, Männer und Kinder wurden massakriert, bei einigen Leichen Köpfe oder Gliedmassen abgetrennt. Der Ort wurde geplündert, mehrere Frauen wurden vergewaltigt, einige Überlebende durch die Strassen Westjerusalems getrieben, wo ein jüdischer Mob sie anspuckte, ihnen die Kleider vom Leibe riss, sie mit Steinen bewarf und schliesslich umbrachte.
Das Massaker von Deir Yassin löste eine Massenflucht der Palästinenser aus – was auch beabsichtigt war. Die Verantwortlichen, offenkundig stolz auf ihre Tat, luden alle ausländischen Korrespondenten im Land ein, die geschändeten Leichen und die Zerstörungen im Dorf in Augenschein zu nehmen. Die treibende Kraft dieser Brutalität war die Organisation „ Irgun Zvai Leumi“ (Nationale Militärorganistion) kurz Irgun, eine revisionistische, rechtsradikale Gruppierung unter Führung von Menachem Begin, von 1977 bis 1983 Israels Premierminister.
Begin selbst hat am Massaker nicht teilgenommen, er hielt sich nach zahlreichen Terroranschläge auf die Briten versteckt. Am bekanntesten wurde die von ihm veranlasste Sprengung des King David Hotels in Jerusalem, damals der britische Verwaltungssitz in Palästina, am 22. Juli 1946 mit 91 Toten.
(Jassir Arafat hatte in Menachem Begin einen guten Lehrmeister, der ihm gezeigt, hat was man mit Terror und Bombenanschlägen alles erreichen kann.)
Die Kämpfer der Irgun wurden nach der Staatsgründung Teil der israelischen Armee, ohne jemals juristisch belangt zu werden. Aus dem politischen Flügel ging 1948 die „Cherut“ („Freiheits“-)Partei hervor, deren Logo ein siegreich erhobenes Gewehr über der Landkarte von Israel/Palästina und Jordanien zeigt, versehen mit dem Spruch: „Beide Ufer des Jordan – dieses gehört uns, das andere auch“.
Ein weiteres Massaker fand am 22. Mai 1948 in der Hafenstadt Tantura statt. Ich verzichte auf eine Beschreibung der Taten. Ein Vergleich mit dem Massaker der Hamas am 7.Oktober 2023 ist aber nicht abwegig.
Am 28. Februar 1955 griff eine israelische Kommandoeinheit das ägyptische Militärhauptquartier in Gaza an. Dabei trat ein damals noch unbekannter junger Offizier durch besondere Brutalität hervor: Ariel Scharon, später Ministerpräsident (2001 – 2006) und Ikone der Siedlerbewegung.
Während der Nakba wurden 531 Dörfer dem Erdboden gleich gemacht. Dabei wurden mehr als siebzig Massaker mit über 15’000 Toten an der palästinensischen Bevölkerung verübt.
Man könnte annehmen, dass sich die israelische Führung, die eine Rückkehr der Vertriebenen kategorisch ablehnt, wenigstens bereit erklärt, die Palästinenser für ihren Besitz zu entschädigen, gemäss der zweiten wesentliche Forderung der UN-Resolution 194. Doch weit gefehlt, es geschah genau das Gegenteil.
Alles Geld, das die 1.3 Millionen Araber des Mandatsgebietes Palästina in Banken oder Institutionen angelegt hatten, wurde unmittelbar nach der israelischen Staatsgründung noch im Mai 1948 eingezogen und konfisziert. Auch das Vermögen jener Palästinenser, die nicht vertrieben wurden.
Der Gesamtbetrag belief sich auf 100 Millionen britische Pfund, entsprechend etwa 4 Milliarden Euro. Gleichzeitig gingen alle Immobilien sowie der Grund und Boden der Vertriebenen in den Besitz des jüdischen Nationalfonds über, insgesamt 3.5 Millionen Dunam (ein Dunam entspricht 1000 Quadratmeter). Alles entschädigungslos enteignet, was mit Rechtsstaatlichkeit wenig, mit Landraub und Diebstahl dagegen sehr viel zu tun hat.
Hier ist darauf hinzuweisen, dass Israel keine Verfassung hat und somit über keine klaren Landesgrenzen verfügt.
Die israelisch – palästinensische NGO Adalah führt, Stand 2017, mehr als 65 israelische Gesetze an, die unmittelbar oder indirekt palästinensische Bürger Israels und/oder jene der besetzten Gebiete allein deswegen diskriminieren, weil sie keine Juden sind.
Im Juli 2018 verabschiedete das israelische Parlament das „Nationalitätengesetz“ ein jahrelanges Herzensanliegen der Ultrarechten. Es definiert Israel ausdrücklich als jüdischen Nationalstaat. Was zunächst als weisser Schimmel anmutet, bedeutet konkret, dass ausschliesslich die jüdischen Bürger Israels das Recht auf Selbstbestimmung haben, einschliesslich des ungehinderten Erwerbs von Grund und Boden, nicht aber die palästinischen – von der Bevölkerung in den besetzten Gebieten ganz zu schweigen. Damit ist der weiteren Entrechtung von Palästinensern mit israelischem Pass, die ein Fünftel der Staatsbürger stellen, Tür und Tor geöffnet.
Darüber hinaus erklärt das „Nationalitätengesetz“ Gesamtjerusalem unwiderruflich zur Hauptstadt Israels, schafft die Arabische Sprache als zweite Landessprache ab, bekennt sich zum verstärkten Siedlungsbau und dessen zusätzlichen Finanzierung. Mit dem Ziel, das Westjordanland grossflächig zu annektieren und der Gesetzgebung Israels zu unterwerfen, ohne jedoch den Palästinensern Wahlrecht oder die Staatsbürgerschaft zu gewähren.
Seit den 1990er Jahren sind israelische Regierungen damit befasst, Dokumente aus Staatsarchiven als geheim einzustufen, sie zu zensieren und folglich der Öffentlichkeit, namentlich kritischen Historikern, zu entziehen. So unterzeichnete Premier Netanjahu am 21. Januar 2019 eine Ergänzung zum „Archiv-Gesetz“, wodurch historisch relevante Quellen für weitere siebzig bis neunzig Jahre unter Verschluss gehalten werden. Das betrifft die Archive der Armee, des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, des Auslandsgeheimdienstes Mossad, der Kommission für Atomenergie, des Instituts für biologische Forschung und eine Vielzahl militärischer Einrichtungen. Dort geht es insbesondere um „Rohmaterial von geheimdienstlicher Bedeutung“.
Ein führender Spitzenbeamter des Verteidigungsministeriums bekannte freimütig, es gehe bei diesen Massnahmen darum, Historiker zu diskreditieren. Denn der Staat erhalte dadurch die Möglichkeit, bei umstrittenen Themen zu behaupten, der Historiker hätte Dokumente gefälscht.“
Nicht ohne Grund untersteht das israelische Nationalarchiv dem Büro des Ministerpräsidenten. Dessen Chefarchivar Yaacov Lozowick erklärte im Januar 2018, dass die Frage, welche Dokumente zur Einsicht freigegeben werden, auch eine politische sei.
Es gehe darum,“Teile der historischen Wahrheit zu verbergen, um eine gefälligeres Narrativ zu erhalten“. Vor allem dann, wenn die entsprechenden „Materialien… als israelische Kriegsverbrechen gedeutet werden können“.
Aus demselben Literaturhinweis durch Deepl übersetzt (HS):
Klar ist jedoch, dass diese Historiker offizielle Dokumente ausgegraben haben, die die israelische Schuld an der Vertreibung der Palästinenser, der Blockade der Rückkehr der Geflüchteten und der Begehung einer Reihe von Kriegsverbrechen bestätigen. In einem bahnbrechenden Dokument vom Juni 1948 – das von Benny Morris ausfindig gemacht und danach aus der Öffentlichkeit entfernt wurde – listete ein Geheimdienstoffizier viele der entvölkerten palästinensischen Dörfer aus der ersten Phase des Krieges von 1948 auf und erklärte für jedes Dorf praktisch, mit welchen Mitteln es entwurzelt wurde. Zu den Faktoren, die für den palästinensischen Exodus genannt wurden, gehörten «direkte feindliche jüdische Operationen», «jüdische Flüsteroperationen» (d.h. psychologische Kriegsführung), «ultimative Vertreibungsbefehle», «Angst vor jüdischer [Vergeltungs-] Reaktion» und andere. Obwohl palästinensische und arabische Gelehrte jahrzehntelang so argumentiert hatten (meist auf mündliche Überlieferungen), waren ihre Behauptungen in der westlichen Forschung oft an den Rand gedrängt worden. Diese Leugnung war nach der Veröffentlichung der Arbeit der Neuen Historiker nicht mehr möglich.
Man könnte nun weiterhin gegenseitig durchgeführte Massaker aufzählen, was wie ich finde keine Lösung des Problems ist, zeigt aber das der Terror ebenso von israelischer Seite ausgeht (vielleicht sogar begann?), sowohl physisch wie auch psychisch.
Die weit höheren Opferzahlen der palästinensischen Bevölkerung sprechen eine Sprache für sich.
Über den Libanon berichtet Karin Leukefeld aus den Nachdenkseiten wie folgt:
Seit dem 7. Oktober 2023 wird entlang der „Blauen Linie“ geschossen. Die libanesische Hisbollah bombardiert militärische Ziele und Überwachungsanlagen der israelischen Streitkräfte (IDF), die mit Drohnen, Kampfjets, Artillerie bis weit in den Libanon hinein bombardieren. Der Krieg begann mit dem Krieg gegen Gaza. Nach Angaben der Hisbollah werden die Angriffe gestoppt, sobald es in Gaza einen Waffenstillstand gibt.
In der Zeit vom 7. Oktober 2023 bis 21. Juni 2024 haben sich entlang der „Blauen Linie“ mindestens 7.400 Angriffe ereignet. Das ergibt eine Dokumentation des Armed Conflict Location and Event Data Project (ACLED), das entsprechendes Kartenmaterial veröffentlichte. 83 Prozent dieser Angriffe wurden demnach von Israel verübt, insgesamt 6.142. Dabei wurden mindestens 543 Personen im Libanon getötet. Hisbollah und andere bewaffnete Gruppen seien demnach für 1.258 Angriffe verantwortlich, heißt es in dem Bericht. Dabei seien mindestens 21 Israelis getötet worden.
Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wurden auf libanesischer Seite mindestens 340.000 Tiere getötet, 47.000 Olivenbäume und 790 Hektar Agrarland zerstört, und zwar „während der Erntezeit“. Die Folge sei, dass die libanesischen Bauern mehr als 70 Prozent ihrer Ernte (2023/24) verloren und das Angebot von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung sich verringert habe, heißt es in dem FAO-Bericht. In großem Umfang feuern die israelischen Streitkräfte weißen Phosphor auf libanesische Wälder und Agrarland. Ernten, Boden und Grundwasser werden verseucht, das Gift bedroht Menschen und Vieh gleichermaßen. Israel zerstöre absichtlich die Lebensgrundlagen der Bevölkerung, sind Gesprächspartner im Libanon sich sicher. Niemand soll jemals wieder in das fruchtbare, wasserreiche Gebiet zurückkehren, das Israel seit seiner Gründung 1948 besitzen will. Tausende Familien haben ihre Lebensgrundlagen verloren.
Wenn man verstehen will, was irgendwo auf der Welt geschieht, muss man wissen, was in der Vergangenheit geschehen ist, daraus könnte oder noch besser sollte man etwas lernen.
Vermutlich hat António Guterres an diese geschichtsträchtigen Vorkommnisse gedacht, als er darauf hinwies: das Massaker kam nicht aus dem Nichts (oder so ähnlich).

Michael Lüders; Krieg ohne Ende, warum wir für Frieden im Nahen Osten unsere Haltung zu Israel ändern müssen.
Goldmann Verlag ISBN 978-3-442-31776-9

Mit dem Kompressor aufgepumpt

Auch die «Weltwoche» pustet manchmal heisse Luft.

Da gab es die tragische Geiselnahme in Yverdon-les-Bains, die mit dem Tod des iranischen Geiselnehmers endete. Eher ungewöhnlich in der Schweiz. Aber Anlass für Hubert Mooser, mal richtig auszuholen.

Dafür verweist er zunächst auf einen Hollywood-Kracher: «Solche Szenen kannten wir bisher in unserem Land höchstens aus Spielfilmen, zum Beispiel aus dem Streifen «Die Entführung der U-Bahn Pelham 123» mit den Akteuren John Travolta und Denzel Washington. Inzwischen sind sie aber neue Schweizer Realität.»

Dass es dort um einen kriminellen Erpressungsversuch ging, einfach ein gut gemachter Thriller mit ausgezeichneten Schauspielern, was soll’s. Abgesehen davon, dass es, wahrscheinlich sind die Ausländer dran schuld, in der Schweiz keine U-Bahn gibt.

Aber das ist nur die Einleitung: Man müsse nur die Kriminalchronik in der Zeitung aufschlagen, «dann sträuben sich einem regelrecht die Nackenhaare ob dem, was da abgeht».

Mit gesträubten Nackenhaaren und schreckgeweiteten Augen und leicht benebeltem Hirn fährt Mooser dann mit seiner Chronik fort: «Ehrenmorde, Überfälle, Einbrüche, Messerstechereien und so weiter: Fast immer sind die Täter Asylbewerber oder ausländische Banden.»

Es können allerdings auch Schweizer sein, räumt er ein, aber dann «haben sie einen Migrationshintergrund und verwandtschaftliche Beziehungen zu den involvierten Tätern».

Die SVP singt dieses Klagelied schon lange, Mooser klappert nach: «Die Schweiz verroht, daran besteht kein Zweifel mehr. Aber wir lassen trotzdem weiter jeden ins Land, der das Wort «Asyl» aussprechen kann, obwohl es auf Kosten unserer Sicherheit geht.»

Kleines Problem: auch das ist so grobschlächtig, pauschal, undifferenziert, dass der eigentlich richtige Ansatz, den Zusammenhang zwischen schweren Straftaten und der Nationalität der Täter zu untersuchen, in billige Politpolemik untergeht, verweht wird.

Gerade bei solchem Gewäffel könnte es helfen, leicht zugängliche Statistiken über Gewaltverbrechen zu konsultieren und zu zitieren. Aber das stört in der Polemik nur.

Entsprechend dann die Kommentare erregter Bürger, mutig hinter Pseudonymen versteckt:

«Das Motiv der Täter ist irrelevant. Einzig unsere Sicht zählt: er ist Asylant. Er ist Moslem. Er hat hier nichts verloren. Er muss weg und raus … Wir, als Volk und Bevölkerung müssen handeln, wenn die Politik ihren Grundauftrag nicht erfüllt. Die Verantwortlichen müssen abgesetzt, abgewählt werden … Vermehren tun sie sich auch fleissig, haben ja auch den ganzen Tag Zeit und alles Gratis … Wir schicken bei den Wahlen, alle vier Jahre eine korrupte Berufspolitkertruppe nach Bern … Einer weniger der die innere Sicherheit bedroht … Es wird noch schlimmer werden, bevor etwas dagegen unternommen wird!»

Möchte man mit solchen verbalen Krawallanten im gleichen Raum sein und debattieren? Eher nicht. Manchmal wirkt ein Schalldämpfer wunder, muss der Wortfön nicht auf höchster Stufe blasen. Sonst fliegt Unrat durch die Gegend.

Rafi rhabarbert

Wenn ein Mikrophonständer Pfeifgeräusche macht.

Wer vielleicht meint, der Titel seines Machwerks sei unverständlich, der hat noch nicht versucht, sich durch dieses Gestrüpp von wirren Gedankensplittern zu kämpfen.

Dem nachgerutschten Chefredaktor des «SonntagsBlick» sei eine Mailadresse ans Herz gelegt: gazawestbank@eda.admin. Dort könnte er sich erkundigen, wieso die staatliche Organisation Deza dort ein Büro unterhält – und Schweizer Steuerfranken ausgibt. Auch das HEKS will dort eine «starke Zivilgesellschaft für Frieden und Gerechtigkeit» unterstützen. Allesamt und insgesamt mit Millionen.

Mit grosser Kelle richtet auch Deutschland an: 350 Millionen Euro Zahlungen an Palästinensergebiete sind für 2024 vorgesehen. Bis in die SP, die Grünen oder die Grünliberalen hinein – politische Bewegungen, denen der SoBli nicht ablehnend gegenübersteht – gibt es Solidaritätsbesoffene mit der palästinensischen Sache.

Denn selbstverständlich beinhaltet das israelische Vorgehen innerhalb Israels und in den völkerrechtswidrig besetzten und besiedelten Gebieten Verbrechen. Oder wie das Reza Rafi formuliert: «Man soll die Sünden der israelischen Regierung, deren Siedlungspolitik, das Sägen am Rechtsstaat und anderes nicht verschweigen.»

Das ist aber auch schon der einzig zurechnungsfähige Satz in seinem Elaborat. Nach dem verabscheuungswürdigen Angriff der islamistischen Hamas auf Israel wäre vielleicht von einem Chefredaktor Einordnung, Analyse, Erklärung verlangt. Aber doch nicht der Mikrophonständer. Der übersieht den Balken im linken Auge und missbraucht die Gelegenheit, ein Narrativ zu schärfen, an dem auch Amoks in der NZZ basteln:

«Die palästinensischen Fundamentalisten unterhalten nicht nur beste Beziehungen zu Teheran, sondern auch zu Moskau.» So wie Israel nicht nur beste Beziehungen zu den USA, sondern zum gesamten Westen unterhält, der es bei reinen Lippenbekenntnissen belässt, wenn Israel beispielsweise mit seiner illegalen Siedlungspolitik fortfährt.

Aber Rafi sieht einäugig die ganz grossen Zusammenhänge: «Russlands Kriegstreiber Putin versteht es bestens, auf dieser Welle zu reiten und die Staaten von Brasilien bis Indien, von China bis Iran zu einer vermeintlich stabilen Achse zu formen, zu einem Parvenu der Weltpolitik, einer antiamerikanischen Internationale.»

Nun ist es bekannt, dass es im Westen natürlich immer jede Menge nützliche Idioten gibt: «Unterstützt wird diese Bewegung im Westen von einer Phalanx aus Pazifismus-Parlierern und Klappentextphilosophen, zusammengesetzt aus rechtsnationalen und linksideologischen Publizisten im moralischen Niemandsland

Dazu gehören sicherlich auch diese Manifestanten in Zürich, über die vor zwei Jahren das Investigativteam Fabian Eberhard recht neutral berichtete: «Zürich, Bern, Basel: Mehrere Schweizer Städte erlebten am Samstag Solidaritätskundgebungen für Palästina. In Zürich zogen gegen tausend Menschen durch die Innenstadt, darunter viele Jugendliche.»

Wer den ganz grossen Hammer schwingt und gegen «Pazifismus-Parlierer» poltert und behauptet, dieser «Parvenu der Weltpolitik» werde von Publizisten im «moralischen Niemandsland» unterstützt, wäre gut beraten, dafür vielleicht ein, zwei Beispiele anzuführen. Gehört da schon jemand dazu, der jegliche Gewaltanwendung im Nahen Osten verurteilt? Ist jemand ein Unterstützer Putins, wenn er auf der Einhaltung von UN-Resolutionen beharrt? Oder ein Befürworter dieser «Achse», wer das Existenzrecht eines palästinensischen Staats einfordert?

Aber für Rafi, wie für jeden undifferenzierten Haudrauf, der nicht Gedanken ausdrücken will, sondern Gefühle massieren, geht es schnell und bei jeder Gelegenheit immer um alles. Um das Ganze, wie das Constantin Seibt so unübertroffen einfältig formuliert. Dem stimmt Rafi als Mikrophonständer, als Meinungsbüttel vollkommen zu: «Es gibt nur eine Wahl: jene zwischen der freien Welt und der unfreien

Das ist ungefähr so beknackt wie die Behauptung: Es gibt nur eine Wahl: jene zwischen Tag und Nacht. Zwischen Griessbrei oder Birchermüesli. Zwischen Pest und Cholera. Zwischen Mann und Frau.