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Kann Trump Fernhypnose?

Das würde Urs Gehrigers Geschreibsel erklären.

Zunächst die camouflierende Packungsbeilage in der «Weltwoche»: «Rechtlich betrachtet, ist Trumps Grönland-Kiste ein No-Go.»

Aber he, wieso muss man denn die Dinge rechtlich betrachten. Man sollte sie vielmehr «nüchtern» sehen, obwohl sich das dann im Fall Gehrigers als vollbesoffen herausstellt.

Also «nüchtern betrachtet – und Nüchternheit ist der beste Ratgeber in emotional echauffierten Zeiten – kann es durchaus in Europas Interesse liegen, wenn die Amerikaner für die Sicherheit auf Grönland sorgen».

Ach was. Wieso denn das? «Wenn sich um Grönland neue Transitrouten öffnen, ist das für Europäer ebenso relevant wie für die USA. Sollte sich bei diesem Rennen um Handelswege Russland durchsetzen, hat das Auswirkungen auf dessen Macht in Europa.»

Und wie würde dann diese «Sicherheit» hergestellt? «Sicherheit kann nicht durch episodisches Engagement erreicht werden. Sie erfordert ein entschlossenes langfristiges Engagement. «Wissen Sie, wie ihre Verteidigung aussieht? Zwei Hundeschlitten», spottete Trump jüngst über den dänischen Wehraktivismus. Russland und China hingegen verfügten über «Zerstörer und U-Boote überall».»

Wo soll man bloss anfangen? Vielleicht damit: wenn Präsident Trump selbst gegenüber verbündeten Nato-Mitgliedern offen mit dem Einsatz von militärischer Gewalt droht, um sich die grösste Insel der Welt anzueignen, ist das kein Beitrag zur Sicherheit.

Es ist Wildwest, Raub durch die Macht des Stärkeren, es ist der Ersatz einer regelbasierten und rechtsstaatlichen Ordnung durch Faustrecht, Willkür, durch Barbarei und hemmungslose Gier. Es ist ein weiterer Raubzug im vollen Tageslicht.

Begleitet von atemberaubender Verlogenheit. Trump behauptet, die Sicherheitsinteressen der USA würden es verlangen, Grönland zu annektieren. Denn die Verteidigung der Insel bestünde aus zwei Hundeschlitten, während sie von russischen und chinesischen Zerstörern und U-Booten umkreist werde.

Dabei vergisst der grösste Lügner aller Zeiten zu erwähnen, dass die einzige Nation, die einen Militärstützpunkt auf der Insel unterhält – die USA sind.

Dabei vergisst er zu erwähnen, dass selbstverständlich auch die USA mit Zerstörern und U-Booten präsent sind.

Dabei vergisst er zu erwähnen, dass die USA seit 1945 sukzessive ihre Militärpräsenz auf der Insel abgebaut haben und Stützpunkte aufgaben – die seither die Umwelt verseuchen.

Er vergisst zu erwähnen, dass die USA mal bis zu 10’000 Soldaten auf Grönland stationiert hatten, heute noch rund 200. Wenn es den USA also rein um die Sicherheit ginge, könnten sie problemlos und vertraglich abgesichert eine beliebige Anzahl weiterer Truppen auf Grönland stationieren und ihre alten Basen säubern und wieder in Betrieb nehmen.

Also ist das Argument «Sicherheit» schlichtweg vorgeschoben, eine glatte, offene und leicht erkennbare Lüge.

Auf die niemand hereinfällt – ausser Gehriger und ein paar weitere Dünnbrettbohrer.

Natürlich geht es – wie im Fall Venezuela – weder um Sicherheit, noch um den Schutz der Demokratie. Sondern um den Besitz von Rohstoffen und deren Ausbeutung.

Das ist so offensichtlich wie das Polarlicht.

Stattdessen irrlichtert Gehriger: «Mit dem Kauf von Grönland könnte Trump einen «Jahrhundert-Deal» landen, schreibt der Economist. Damit würde er nicht nur die Sicherheit Amerikas erhöhen, so das Wirtschaftsblatt, sondern auch die der Nato-Verbündeten.»

Abgesehen davon, dass sich auch der «Economist» irren kann: also die Sicherheit der Nato-Verbündeten würde dadurch erhöht, dass ein Nato-Mitglied einem anderen völlig illegal und notfalls mit Gewalt ein Riesenstück Land klaut? Abenteuerlich.

Mit der Begründung, dadurch würde die Sicherheit erhöht – dabei könnte sie problemlos und einfach durch die Stationierung von mehr Truppen erhöht werden. Ungeheuerlich.

Genauso bescheuert wie Gehriger reagieren allerdings bislang die Nato und die EU. Es wurden 13 (!) deutsche und ein paar französische und spanische Soldaten in die Kälte geschickt. Mit denen würden selbst die wenigen auf der Insel stationierten US-Soldaten fertig.

Und die EU wackelt aufgeregt mit vielen Zeigefingern und wiederholt mit ernster Miene, dass das ja wohl nicht anginge. Lachhaft.

Statt dem Grölaz (grössten Lümmel aller Zeiten) in seinem goldüberkrusteten Büro in Washington klar zu machen: das geht nicht, du Lümmel. Und wir haben dann zwar nicht so viele wie du, aber durchaus genügend Atomwaffen, im Fall. Also such dir ein anderes Spielfeld aus. Gibt doch genügend Gegenden der Welt, wo du US-Sicherheitsinteressen durchsetzen könntest.

Ukraine, Gazastreifen, Kolumbien, Panama, Mexiko …

 

 

Solchen Journalismus braucht es nicht

Freitag war Trauertag. Die Medien waren zum Heulen.

Alleine am Freitag ergibt das Wortpaar Schweiz und Trauer 129 Treffer. Trauer alleine bringt’s auf 177 Einschläge, Crans-Montana auf sagenhafte 846 Resultate.

Venezuela kommt immerhin auf 290 Treffer, Ukraine auf 210, Gazastreifen – auf einen einzigen. Das ist immerhin einer mehr als die Menschheitskatastrophe im Sudan, in Somalia, in Äthiopien.

Kann man alles nicht vergleichen? Wieso eigentlich nicht.

Aber das sind ja nur Zahlen. Aschgrau wird es, wenn sprachlich minderbegabte Journalisten nach einer Woche Trauerarbeit nochmals in die Tasten greifen müssen, obwohl sie alle Adjektive, alle Betroffenheitslyrik und vor allem das Wort «unfassbar» sowie «es gibt keine Worte» bis zur Brechreizschwelle wiederholt haben.

«… in der ganzen Schweiz waren schwarze Schleifen … gedenken auch Zürich, Bern, der Thurgau, Solothurn (und eigentlich alle Kantone und Menschenansammlungen) der Opfer … drei Jugendliche werden zum Symbol … tiefe Trauer … die Bilder zur Trauerfeier … wenn ein Ort verstummt … emotionale Trauerfeier … das waren die berührendsten Momente … Blumen und Gebete zum Gedenken … so trauert die Schweiz … Kerzen und Schweigen … Bern steht ein paar Atemzüge lang still … Saal der Trauerfeier füllt sich zusehends … jetzt live die Trauerfeier … bewegende Worte … wünscht Angehörigen viel Kraft … Parmelin wendet sich ans Volk … moralisch auf der Anklagebank …»

Ganz hin und her gerissen ist ZACKBUM von einer Idee des «Blick». Radikale Ausnützung des interaktiven Internets: «Spende dein Licht im Moment der Trauer». Wie das? «3 Sek. tippen und eine Kerze erscheint».

Endlich, müheloses Instant-Trauern, virtuell ein Zeichen setzen mit der Tastatur, gibt es eine Steigerung von geschmacklos?

Muss trauern so schmerzlich traurig beschrieben werden? Unfähig bis zur Pietätlosigkeit, trauern als Veranstaltung des Fremdschämens.

Man meint, einzelne Textbausteine der ChatGPT-Übung von ZACKBUM in den Texten wiederzufinden. Da hat sich so manch trauernder Journalist in seiner Qual gerne bedient.

Dabei hat doch hier die Bibel einmal das Richtige in kurze Worte gefasst, was auch Atheisten einleuchtet:

zerreißen hat seine Zeit,
zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit,
reden hat seine Zeit;

Übrigens ist Kohelet (Prediger) 3,1–8 insgesamt nicht schlecht:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.

Man möchte leise Amen sagen und laut: haltet doch einfach mal die Schnauze.

Der Pate, Teil IV

Präsident Donald Trump machte Maduro ein Angebot, das der hätte annehmen sollen: hau ab.

Jetzt sitzt Venezuelas Staatschef in einem Ami-Knast, und die Schweiz friert Vermögen ein.

Das Foto aus dem Kommandoraum in seinem Golf-Ressort Mar-a-Lago sagt alles. Da sitzt Donald Trump, sorgfältig gefönt und mit grimmigem Blick neben seinem CIA-Direktor und seinem Kriegsminister und betrachtet live die «gute TV-Show», wie US-Truppen Dutzende von Kubanern und Venezolanern umbringen und den Präsidenten samt Frau kidnappen.

Schade, dass Marlon Brando nicht mehr lebt. Er hätte diesem Auftritt eines Paten wenigstens Grösse verliehen.

Es sind die Regeln der Mafia, nach denen hier gespielt wird. Jeder, der Capo de tutti i capi werden will, muss ein Exempel statuieren. An einem anderen Capo, damit dessen Gefolgsleute zu ihm überlaufen und er das Territorium beherrscht.

Natürlich darf die Hierarchie weiterexistieren, damit nichts in Unordnung gerät. Der neuen venezolanischen Präsidentin Delcy Rodríguez wurde öffentlich klargemacht, dass sie am Gerät bleiben darf – wenn sie genau das tut, was man ihr sagt.

Die Profite aus dem grössten Ölsee der Welt werden neu aufgeteilt. Die USA holen sich zurück, was ihnen angeblich vor Jahren gestohlen wurde. Und die Clique um Maduro darf sich weiterhin eine Scheibe abschneiden – einfach eine viel kleinere als vorher.

Bei Maduro war der Vorwurf, eine wichtige Rolle im Drogenhandel Richtung USA zu spielen, lediglich ein Vorwand. Belegfrei, unsinnig wie die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. Im Fall Kolumbiens ist durchaus was dran.

Als Pate Trump gefragt wurde, ob es ähnliche Pläne bezüglich Kolumbiens Präsident Gustavo Petro gebe, antwortete er «sounds good to me», hört sich für mich gut an.

Auch Mexiko, wo an der Grenze zu den USA rechtlose Zustände herrschen, das Gebiet von Drogenkartellen beherrscht wird, die hier aus China importiertes Fentanyl auf dem Landweg in die USA befördern, muss ein Eingreifen fürchten.

Das alles wird den Drogenmarkt USA zwar nicht austrocknen. Aber es zeigt, wer der Herr im Haus ist und wessen Hausrecht gilt.

Ein Schlag gegen die grössten Drogengeldwaschmaschinen der Welt, die in den USA stehen, wäre zwar viel effektiver. Aber mit der US-Finanzwelt und -unterwelt will sich selbst ein Pate nicht anlegen.

Ach, da wäre ja auch noch Panama, das Trump in seinen Aufzählungen vergessen hat. Aber als 79-Jähriger kann man sich nicht an alles erinnern.

Und dann gibt es «die offizielle Position» der US-Regierung zu Grönland. Die Rieseninsel sollte unbedingt Teil der USA sein.

Oder Original-Trump:

«Wir brauchen Grönland für unsere nationale Sicherheit

Warum? Die Insel liege strategisch günstig und sei von «russischen und chinesischen Schiffen» umgeben.

Und von US-U-Booten. Vor allem aber von Walen, Robben, Walrossen, Fischen und Meeresgetier.

Dass Grönland Teil von Dänemark ist und hier ein NATO-Mitglied einem anderen offen mit militärischer Gewalt droht – in einem zivilisierten Zusammenleben eigentlich undenkbar.

Was macht die offizielle Schweiz? Protestiert sie als neutraler Staat gegen diesen Raubüberfall auf Venezuela, droht sie den USA Sanktionen an (diejenigen gegen Russland könnten problemlos als Vorlage dienen)? Verurteilt sie in klaren Worten die wiederholten Drohungen Trumps, sich Grönland anzueignen?

Ach was. Der Schweizer Bundesrat hat Vermögenswerte von Maduro und 37 Personen aus seinem Umfeld vorsorglich eingefroren, um «sicherzustellen, dass solche Gelder im aktuellen, volatilen politischen Umfeld nicht aus der Schweiz abfliessen können».

Grundlage der Massnahme ist das Bundesgesetz über die Sperrung und die Rückerstattung unrechtmässig erworbener Vermögenswerte ausländischer politisch exponierter Personen (FIAA bzw. SRVG).

Während bislang Schweizer (und Liechtensteiner und europäische) Banken und Vermögensverwalter null Skrupel hatten, sich der Verwaltung von geraubten venezolanischen Ölexporteinnahmen dumm und krumm zu verdienen, kommt nun plötzlich Panik auf.

Von dieser Beschlagnahmung seien aber amtierende Regierungsmitglieder ausgenommen. Stupende Logik; sind die denn weniger korrupt als Maduro?

Das Ganze erinnert an die rund 800 Zombie-Trusts reicher Russen in Liechtenstein, deren Treuhänder ab Anfang letztes Jahr blitzartig das Weite suchten, nachdem einige ihrer Kollegen auf die US-Sanktionsliste der OFAC gerieten. Seither sind die Trusts handlungsunfähig. Es geht um rund 20 Milliarden Dollar, insgesamt.

Im Fall von Venezuela sprechen wir von ganz anderen Dimensionen. Es wird geschätzt, dass unter dem Regime von Chávez und dann Maduro bis zu 300 Milliarden Dollar veruntreut wurden.

Und die hätten nicht nur Venezuela, sondern auch die USA gerne zurück. Schliesslich kostet der Wiederaufbau der verlotterten Ölindustrie schätzungsweise 120 Milliarden Dollar.

Der arme Maduro hat also nicht nur seine Freiheit, sondern auch sein Vermögen verloren.

Das nächste Mal kann Pate Trump sicher sein, dass sein Angebot nicht abgelehnt werden wird.

Und zwischenzeitlich betätigt er sich als Pirat in internationalen Gewässern.

Dieser Artikel erschien zuerst in leicht abgeschwächter Form auf «Inside Paradeplatz».

Zahlenzauber in der WeWo

Aus 32 Toten werden Tausende Kubaner. Rechnen mit Alex Baur.

Haue eine These raus und renne ihr hinterher. Nicht die beste Spielart von Journalismus, die «Weltwoche»-Mitarbeiter Alex Baur betreibt. Seine These: «Maduros Repressions- und Sicherheitsapparat wurde schon vor der US-Intervention vom Ausland aus kontrolliert».

Zunächst zur Richtigstellung des Vokabulars: diese «Intervention» war der Beginn eines Raubüberfalls, ein klarer Bruch des Völkerrechts und soll den Zugriff auf die grössten Ölreserven der Welt sichern.

Welche Beweise führt Baur für seine steile These an? Venezuela beliefere Kuba «praktisch gratis» mit Öl, was die Kubaner (also doch nicht gratis) mit der Entsendung von «zehntausenden von Ärzten, Sanitätern und «Beratern» nach Venezuela» bezahlten. «In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei oft um Agenten und Milizionäre, die zahlreiche Schlüsselstellen in der Verwaltung besetzen und die nach den Methoden und der Doktrin des sowjetischen KGB ausgebildet wurden

Blöd nur: das fast bankrotte Venezuela schickte immer weniger Öl nach Kuba; inzwischen ist Mexiko eingesprungen. Blöd nur: im Rahmen der venezolanisch-kubanischen Sozialprogramme wie Misión Barrio Adentro und andere Kooperationen waren zeitweise tatsächlich Zehntausende kubanische Ärzte und Gesundheitspersonal in Venezuela tätig.

Was durchaus segensreich war, aber was nicht in Baurs Gesinnungsblase passt, wird ausgeblendet.

Und die «Agenten, Milizionäre, ausgebildet nach der Doktrin des KGB»? Abgesehen davon, dass der KGB schon längst verblichen ist und nur noch in alten Bond-Filmen sein Unwesen treibt: Beweise, Belege, dass Kuba CIA-Methoden verwendet?

Via zeitlich begrenzte Missionen fantasiert Baur von insgesamt «Zehntausenden» Kubanern, unter ihnen Agenten und Milizionäre, die natürlich «Schlüsselstellen» besetzen. Quellen? US-Geheimdienste. Es darf gelacht werden.

Wahrscheinlich ging es deswegen mit Venezuela wirtschaftlich den Bach runter. Aber im Ernst: auch seine Behauptung, dass kubanische Sicherheitsleute um Maduro genauso wenig wie US-Truppen etwas in Venezuela zu suchen hätten, bringt wenigstens Spass und Belustigung in diese trüben Zeiten.

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Leider weigerte sich die WeWo («unabhängig, kritisch, gut gelaunt»), diese Kritik am Alles-besser-Wisser Baur zu publizieren. Zeugt nicht von guter Laune oder grosser Souveränität.

Scheiss auf das Recht

Darf ein Krimineller einen Kriminellen entmachten?

Werner J. Marti von der NZZ kriegt sich vor Begeisterung kaum ein: «Mit einem mächtigen militärischen Schlag in der Nacht auf den Samstag ist es den Amerikanern gelungen, den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seine Frau festzunehmen und aus dem Land auszufliegen

Nun gebe es einige, sogar in Präsident Trumps Partei, die an diesem mächtigen Schlag rummeckern. Aber:

«Aus formaljuristischer Sicht sind diese Vorwürfe wohl korrekt. Aber aus moralischer Sicht – und beim jetzigen Stand der laufenden Ereignisse – muss man nach der erfolgreichen Operation der letzten Nacht festhalten, das(s) der Nutzen die Kosten der Operation voraussichtlich weit übersteigt.»

Die «formaljuristische Sicht» gegen Martis höchsteigene «moralische Sicht»?

Das Recht des Stärkeren, Kriegsverbrechen sind auch nur Kavaliersdelikte, der Zweck heiligt die Mittel, Willkür und Faustrecht statt regelbasierte Ordnung, in welche moralische Verluderung sind wir geraten?

Maduro wurde die Beteiligung an und die Unterstützung von Drogenhandel vorgeworfen. Dabei ist sonnenklar, dass der Kampf gegen den narcotrafico in Kolumbien und in den USA selbst geführt werden müsste. Zum Beispiel, indem die grossen Geldwaschmaschinen, in denen die Drogenmafia ihre Milliardengewinne legal macht, in Miami, in Texas und in Connecticut abgestellt würden.

Man erinnert sich: Als Saddam Hussein störte, weil er seinen Ölhandel von Dollar auf Euro umstellen wollte, besass er plötzlich Massenvernichtungswaffen. Eine Lüge als Vorwand, ihn wegzuhauen.

Als Gaddafi störte, wurden plötzlich Warlords unterstützt, bis es ihn weghaute.

Die Schläge gegen die iranischen Mullahs, mit denen das Regime ins Wanken gebracht wird – alles Unternehmungen, um Freiheit und Demokratie zu befördern?

Das glauben wohl nur verblendete Trump-Fans, die diesem Kriegsverbrecher alles verzeihen und ihn weiterhin unterstützen.

Der israelische Regierungschef Netanyahu wird inzwischen per internationalen Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht.

Was befreundete Staaten nicht davon abhält, ihn zu empfangen – statt einzusperren und nach Den Haag auszuliefern.

Auch Präsident Trump würde inzwischen, wie Russlands Präsident Putin, genügend Anlass für einen solchen Haftbefehl bieten.

Da die USA wohlweislich die Gerichtsbarkeit des IStGH nicht anerkennen (was Kriegsverbrecher Kissinger bis ans Lebensende freies Reisen ermöglichte), müsste Trump wohl auch per Kommandoaktion festgesetzt und überstellt werden.

Was für eine absurde Idee.

So absurd wie die Weltlage, so absurd wie die Kommentierung des Überfalls auf Venezuela.

Zurück zum Verächter des Rechtsstaats Marti: «Noch ist das Ende der Ereignisse in Venezuela nicht absehbar. Für das venezolanische Volk ist zu hoffen, dass diese das Land auf den demokratischen Weg zurückführen. Eine gut organisierte Opposition würde bereitstehen, um die Zügel im Land zu übernehmen

Ist es die Absicht der USA, das zu befördern? Da muss Marti ganz fest die Augen und Ohren schliessen, um die von Vizepräsident Vance seinem Chef nachgeplapperten eigentlichen Absichten zu ignorieren:

«Gegen Maduro liegen in den Vereinigten Staaten mehrere Anklagen wegen Drogenschmuggels und Terrorismus vor. Man kann der Justiz in den USA nicht entgehen, nur weil man in einem Palast in Caracas lebt», macht Vance klar.

Mit anderen Worten: US-Recht gilt überall auf der Welt.

«Der Drogenhandel muss aufhören, und das gestohlene Öl muss an die Vereinigten Staaten zurückgegeben werden.»

Deutlicher kann man es wohl nicht sagen. Mit der absurden Behauptung, Venezuela habe vor über 50 Jahren US-Firmen nationalisiert und somit den USA Öl «gestohlen», wird der eigentliche Grund für diesen Überfall überdeutlich formuliert.

Ist es nun gut oder schlecht, dass die USA mit den üblichen Kollateralschäden (eine unbekannte Anzahl Venezolaner wurde getötet, aber shit happens) den korrupten und unfähigen Maduro von der Macht entfernt haben?

War es der venezolanischen Bevölkerung nicht zu wünschen, dass sie diesen Verbrecher los wird? Aber auf diese Weise?

Gäbe es da nicht eine lange Liste von afrikanischen Blutsäufern und Massenmördern, die noch dringlicher von der Macht entfernt werden müssten, wollte man dieser Logik folgen? Aber wo nur Hunderttausende verrecken, Millionen auf der Flucht sind und Verbrechen ohne Gnade verübt werden, es aber keine Rohstoffe zu behändigen oder geostrategische Positionen zu erobern gibt – da erlahmt der Wille, Kriegsverbrecher von der Macht zu entfernen.

Was ist Plan B in Venezuela, wie soll’s weitergehen, gibt’s Bürgerkrieg, Flüchtlingswelle, Militärdiktatur – oder macht sich Venezuela auf den Weg ins Paradies?

Wird die kindische Hoffnung von Marti eintreten? Kindisch, weil nur Kleinkinder meinen, dass man bloss fest genug wünschen muss, dann wird’s wahr.

Klar ist bislang nur eins: die USA werden direkten und billigen Zugriff auf den grössten Ölsee der Welt bekommen.

In dem gerade mal wieder der Rechtsstaat ersoffen ist.

Selten hat der Führer der freien Welt seine mafiösen Absichten klarer angekündigt:

«Wir werden das Land regieren», trompetet Trump. Und: «Ich werde den nächsten Präsidenten ernennen.» Könnte das die Friedensnobelpreisträgerin und Anführerin der Opposition María Corina Machado sein?

Aber nein, die stand dem Egomanen Trump in der Sonne, als nicht er den ersehnten Preis bekam. Also mault er: «Sie ist eine sehr nette Frau, aber ihr fehlt der Respekt der Bevölkerung.» Woher er das wieder weiss?

Dann fantasiert Trump noch über die angebliche Bereitschaft von Venezuelas Vizepräsidentin Rodríguez, mit den USA zusammenzuarbeiten. Dabei fordert die scharfe Kritikerin der USA die sofortige Freilassung von Maduro. Und man sei bereit, Venezuela und seine natürlichen Ressourcen zu verteidigen.

Versager Trump hätte ja wenigstens den üblichen Spruch ablassen können, nachdem die USA mal wieder einen Regierungschef weggehauen haben: man werde nun alles dafür tun, dass demokratische Wahlen stattfinden könnten. Bei denen dann überraschend der von der CIA und mit Multimillionen aus den USA unterstützte Kandidat ganz demokratisch gewinnt.

Aber selbst dafür ist Trump zu blöd.

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Dieser Artikel erschien in einer ersten Fassung auf «Inside Paradeplatz».

 

 

Amerika ist beleidigt

Häuptling Gelblocke hat den Friedensnobelpreis nicht gekriegt. Ui.

Offensichtlich hat das Nobelpreiskomitee in Oslo das Stossgebet der «Freiburger Nachrichten» erhört: «Gebt Trump jetzt bloss nicht den Friedensnobelpreis». Allerdings, unkt das Qualitätsmedium «watson»: falls Trump ihn nicht gewinne, «fürchtet sich Norwegen vor Reaktion».  Die SDA behauptet, das sei «Trumps Lieblingstrophäe». «Blick» träumt mit Trump seinen «grossen Traum».

Geplatzt. Obwohl Trump noch vor der UNO darauf hingewiesen hatte, dass ganz Amerika beleidigt sei, sollte er ihn nicht bekommen. Obwohl Israels Ministerpräsident Netanyahu psychologisch geschickt ihn öffentlich für Trump eingefordert hatte. Obwohl Trump sogar den norwegischen Finanzminister Jens Stoltenberg in dieser Sache angerufen hatte. Schliesslich habe Trump, allerdings nur in seiner Parallelwelt, bereits sieben Kriege beendet.

Alle sagten, dass er den Preis verdient habe, behauptete Trump gerne. Eigentlich könne es gar keinen anderen geben, der den Friedensnobelpreis verdient hätte, meint er in der ihm typischen Bescheidenheit. Bekommt Norwegen seine Rache in Form von Strafzöllen zu spüren?

Denn nun schmollt er, lässt mal den Sprecher des Weissen Hauses von der Leine, der über seinen Chef doch tatsächlich sagt:

«Er hat das Herz eines Menschenfreundes, und es wird niemals jemanden wie ihn geben, der allein durch die Kraft seines Willens Berge versetzen kann.»

Dieser Steven Cheung ist auch nicht zu beneiden – als erwachsener Mensch einen solchen Schwachsinn abzusondern.

Nun hat ihn allerdings – verdient – María Corina Machado gewonnen. Aus Angst vor ihrem möglichen Sieg wurde sie vom korrupten Maduro-Regime in Venezuela wegen angeblicher Korruption und «Verrat» für unwählbar erklärt. Statt ihrer wurde von der Opposition 2024 Edmundo González Urrutia nominiert, der höchstwahrscheinlich auch die meisten Stimmen erhielt.

Seit der zunehmenden Repression gegen sie lebt Machado im Verborgenen – in Venezuela. Ganz selten lässt sie sich bei öffentlichen Veranstaltungen kurz blicken.

Und beweist gleich nach dem Empfang der guten Nachricht politische Genialität. Sie widmet den Preis dem venezolanischen Volk – und Donald Trump. Weil nur der in der Lage wäre, Diktator Maduro wegzuhauen.

Human Rights Watch dokumentiert seit den Präsidentschaftswahlen 2025 eine Zunahme von Morden, erzwungenem Verschwinden und aussergerichtlichen Tötungen gegen oppositionelle Aktivisten, Demonstranten und Zivilpersonen.

Machado beweist mit ihrem Verbleiben in Venezuela nicht nur hohen persönlichen Mut. Denn in ganz Lateinamerika ist es bis heute üblich, sich unerwünschter oder störender Kritiker durch Liquidierung zu entledigen. Zudem unterscheidet sie sich damit von Oppositionspolitikern wie Juan Guaidó, der sich 2019 zum «interimistischen Präsidenten» Venezuelas ernannt hatte. Zunächst als neuer Superstar gehandelt, verglühte er schnell und ging 2024 ins Exil und ist marginalisiert.

Genauso wie Freddy Guevara übrigens.

Venezuela sitzt auf den grössten Ölreserven der Welt. Durch die Regimes von Hugo Chávez und noch schlimmer von seinem Nachfolger Nicolás Maduro wurde das Land aber durch Korruption und Misswirtschaft an den Rand des Bankrotts – und darüber hinaus – geführt. Nur ein ausgebauter Repressionsapparat mit den paramilitärischen «Colectivos», der «Guardia Nacional Bolivariana», der Polizei, dem SEBIN («Servicio Boliviariano de Inteligencia Nacional») und der DGCIM («Dirección General de Contrainteligencia Militar») ermöglicht dem Regime das Überleben.

Ob der Friedensnobelpreis das Leben von Machado verlängert oder verkürzt, wird sich weisen.

Wie der Narzisst und Amok Trump auf diese Kränkung noch reagieren wird, auch. Vielleicht hat er einen Lauf und greift in Venezuela ein.

Venezuela: Einer hat gewonnen

Sieg Maduro oder grosser Beschiss?

Venezuela ist ein typisches Beispiel für das Versagen der Leitmedien. Das Land verfügt über eines der modernsten digitalen Abstimmungssysteme der Welt. Der seit 2013 herrschende Autokrat Nicolás Maduro behauptet, er habe die jüngsten Präsidentschaftswahlen knapp, aber mit absolutem Mehr gewonnen.

Die Opposition behauptet, laut ihren Auswertungen habe ihr Kandidat Edmundo González Urrutia 67 Prozent und Maduro nur 30 Prozent der Stimmen erhalten. Die USA haben González Urrutia bereits als Wahlsieger anerkannt.

Demgegenüber sagt der mexikanische Präsident Manuel López Obrador, es gebe keine Beweise für Betrug bei den offiziellen Zahlen. Die OEA (Organisation amerikanischer Staaten) hat einen Antrag der USA, Argentiniens, Uruguays und Paraguays zurückgewiesen, dass die venezolanische Wahlbehörde alle Unterlagen veröffentlichen solle. Das, obwohl 17 Mitgliedsstaaten dafür waren, sich 11 enthielten und 5 nicht anwesend waren. Es hätte aber das qualifizierte Mehr von 18 Stimmen gebraucht …

Diese Abstimmungsergebnis kam auf Betreiben der beiden linken Präsidenten von Mexiko und Brasilien zustande.

So weit, so alles unklar. Bereits 2018 war Maduros Wiederwahl von der EU, den USA und anderen Ländern nicht anerkannt worden; sie unterstützten den damaligen Parlamentspräsidenten Juan Guaidó, der sich selbst zum Präsidenten ernannt hatte. Vergeblich, Maduro konnte sich, unterstützt vom Militär, an der Macht halten.

Unbestreitbar ist, dass Venezuela durch Misswirtschaft und unerträgliche Korruption faktisch ruiniert ist, obwohl es über die grössten Erdölvorräte der Welt verfügt. 7,7 Millionen Venezolaner haben die Flucht ergriffen, im Land leben nur noch 28,3 Millionen, nach offiziellen Angaben. Das ist die prozentual grösste Flüchtlingswelle der Welt.

Dass der widerlich korrupte Maduroclan in der Bevölkerung keinen grossen Rückhalt mehr besitzt, ist – ausser in linken Kreisen – unbestritten. Auch sein Propagandagedöns, dass hier ein aufrecht linker Staat auf dem Weg zum Sozialismus von den imperialistischen USA bedrängt werde, verfängt immer weniger.

Das alles ändert aber nichts daran, dass bislang keine behaftbaren Zahlen vorliegen, die Sieg oder Niederlage Maduros bewiesen. Es gibt seine Behauptungen, es gibt die Behauptungen der Opposition, die sich auf eigene Auswertungen der Abstimmungsresultate in rund 80 Prozent aller Wahllokale stützen wollen.

Hier wäre es nun die Aufgabe von Recherchiermedien, den Wahlprozess, die Stimmenzählung, die möglichen Manipulationen etc. zu erklären und aufzuzeigen. Das findet in der spanischsprachigen Presse auch durchaus statt.

Da aber selbst die wenigen verbliebenen Korrespondent deutschsprachiger Medien nur über beschränkte Spanischkenntnisse verfügen – oder aber Ferndiagnosen aus Mexiko City, Sao Paulo oder wo auch immer abgeben –, wird der Leser mal wieder für dumm verkauft, bzw. mit all dem alleine gelassen, was ihm angeblich geliefert werden soll: Analyse, Einordnung, Hintergründe, Erklärungen.

Selbst die NZZ beschränkt sich darauf, eine DPA-Meldung ins Netz zu stellen, dass die USA den Oppositionskandidaten als Wahlsieger anerkannt haben.

Ist das eine erlaubte Einmischung in innere Angelegenheiten angesichts horrender Wahlfälschungen? Oder ein imperialistischer Übergriff, um ein unliebsames Regime zu destabilisieren?

Da wäre Recherche, Erklärung, Hintergrund gefragt. Stattdessen das übliche, repetitive copy/paste, viele Worte für: Genaueres weiss man halt nicht.

 

Abrazo, Maduro

Die USA haben einiges versucht, den venezolanischen Diktator von der Macht zu vertreiben. Neu mit Umarmung?

Man muss die Meldung des «Wall Street Journal» noch in einer zweiten seriösen Newsquelle absichern, um’s zu glauben: eine Gruppe höherer US-Regierungsbeamter flog vergangenen Samstag nach Venezuela, um mit Diktator Nicolás Maduro die Möglichkeit einer Aufhebung des Ölembargos zu diskutieren.

Nebenbei auch noch die Freilassung einiger Gefangener, aber eigentlich geht’s natürlich ums Öl. Die USA gehörten lange Jahre, auch noch zu Zeiten von Hugo Chávez, zu den Importeuren von venezolanischem Öl. Denn das Land sitzt auf den wohl grössten Ölreserven der Welt.

Nur ist es Chávez und vor allem seinem Nachfolger Maduro gelungen, Venezuela in verzweifelte Armut zu stürzen, während sich die herrschende Clique selbst für lateinamerikanische Verhältnisse ungeniert, ungehemmt und unanständig bereichert. Dafür dienen vor allem weiterhin Ölexporte, deren Gewinne nicht etwa in dringend nötige Nahrungsmittelkäufe fliessen, sondern in die tiefen Taschen korrupter Funktionäre.

Korrupter und unfähiger Funktionäre, muss man hinzufügen, denn mit unermüdlicher Arbeit ist es nur aus Parteitreue zu ihren Posten gekommenen Managern gelungen, die Erdölproduktion Venezuelas auf einen Bruchteil früherer Zeiten zurückzufahren.

Alle Putschversuche gescheitert

Alle Versuche, vor allem der Trump-Regierung, Maduro zu stürzen oder seinen Gegenpräsidenten Juan Gaidó bei einer Machtübernahme zu unterstützen, sind kläglich gescheitert. Fast vergleichbar mit der Ukraine befinden sich Millionen von Venezolanern auf der Flucht, um den unerträglichen Lebensumständen in ihrem Land zu entkommen.

Maduro, das müssen selbst linke Solidaritätsbesoffene anerkennen, ist die Karikatur eines sozialistischen Führers. Unfähig, korrupt bis in die Knochen, ohne jedes Anzeichen, dass er einen Plan hätte, um das Land aus dieser Misere herauszuführen. Venezuela stellt praktisch nichts selbst her, muss alles importieren, auch Nahrungsmittel, und durch das Absacken der Ölproduktion, plus das Abzweigen bedeutender Teile der Einnahmen, fehlen die Devisen.

Auch alle Sanktionen, die die USA gegen Venezuela verhängten, hatten keine Wirkung – ausser, dass es der Bevölkerung noch dreckiger ging. Aber spätestens seit Corona ist auch dieses Höllenloch von der Landkarte des Interesses verschwunden.

Sollte es der Biden-Administration aber tatsächlich ernst sein, wäre das für Maduro ein verspätetes Weihnachtsgeschenk ungeahnten Ausmasses. Es wäre Ostern, Geburtstag und Wünsche wahrwerden auf einmal.

Es geht halt ums Öl, worum denn sonst

2005 betrug die Ölproduktion noch 3 Millionen Fass pro Tag, 2018 hatte sich das halbiert, heutzutage sind es noch 800’000, wenn die Angaben stimmen. Um den Output zu steigern, müssten die USA zunächst einiges Geld in die Hand nehmen, um die marode Infrastruktur wieder einigermassen in Betrieb zu setzen. Das ist aber nicht so einfach und so schnell möglich. Ein Spezialist schätzt, dass es fünf Jahre mit jährlichen Investitionen von 12 Milliarden Dollar bräuchte, um das Produktionsniveau wieder auf frühere Höchststände zu heben.

Es gibt noch eine zweite, gewaltige Hürde. Venezuela braucht eigentlich jeden Tropfen Öl, um seine Schulden gegenüber Russland und vor allem China zu begleichen; hier steht der faktisch bankrotte Staat mit über 60 Milliarden Dollar in der Kreide.

Die USA wiederum importierten täglich 540’000 Fass Öl aus Russland. Nachdem das von der Biden-Administration abgeklemmt wurde, muss schnell Ersatz her. In den «besten» Zeiten importierten die USA aus Venezuela mehr Öl. Dort ist also die entsprechende Infrastruktur vorhanden.

Allerdings ist es selbst mit dem Einsatz modernster Technologie und Milliarden nicht möglich, eine zu Schanden gewirtschaftete, marode, verlotterte Produktionsinfrastruktur in nützlicher Frist hochzufahren. Selbst eine Steigerung der Tagesproduktion auf eine Million Fass wäre schon ein Gewaltsakt. Das wäre zwar mehr als genug, um Russland zu ersetzen. Aber weder China noch Russland würden es komisch finden, wenn der Schuldendienst, sowieso schon verzögert, weiter verdünnt würde.

Auch Kuba könnte wieder einmal profitieren

Also zeugt dieser Versuch der Biden-Administration von einer unfassbaren Dummheit. Sozusagen als Kollateralschaden würde sich auch das völlig in den Seilen hängende Kuba freuen. Das profitierte über Jahre von sozialistischen Brudergaben in Form von Gratis-Öl. Was auch seit einigen Jahren versiegte und zusammen mit dem Zusammenbruch des Tourismus und der Erschwerung von Überweisungen der Exilkubaner für eine Wirtschaftskrise sorgte, die schlimmer ist als während des sogenannten «periódo especial», der speziellen Periode in Friedenszeiten nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers Anfang der 90er-Jahre.

Das hatte auf Kuba zehn dunkelschwarze Jahre zur Folge, bis Anfang 2000 Chávez sozusagen von Fidel Castro adoptiert wurde. Eine teure Freundschaft für Venezuela. Vielleicht mit Fortsetzung.