Schlagwortarchiv für: Urs Rohner

Wiederholung, Wiederholung

Es ist gespenstisch. Wir sind in einer Zeitschlaufe gefangen.

Sowohl Politiker wie Medien müssen ins Archiv gestiegen sein und alte Reden und Artikel abgestaubt haben.

«Mitte-Präsident Pfister fordert Umdenken der Bürgerlichen und will Eigenkapitalvorschriften verstärken.»

Wir steigen kurz ins Wurmloch. Am 16. Oktober 2008 wurde verkündet, wie die UBS gerettet wird. «Wir sind jedoch von der Schnelligkeit, mit der sich die Krise verschlechterte, überrascht worden.» Kommt uns dieser Satz bekannt vor? Ja, er wurde ziemlich genau so bei der CS-Rettung gesprochen. Er wurde genau so bei der UBS-Rettung gesprochen.

Danach wurden viele weitere Sätze gesprochen. Die Vorschriften müssen verschärft werden. Banken dürfen nicht mehr voll ins Risiko gehen. Die Boni müssen gedeckelt werden. Überhaupt sollen falsche Anreize ausgeschaltet werden. Die Löhne sind zu begrenzen. Gierbankern muss ein Riegel geschoben werden. Obszöne Gewinne müssen abgeschöpft werden, Dinge wie das High Frequency Trading müssen durch Transaktionssteuern begrenzt werden.

Und vor allem wurde gesagt: so etwas wie die UBS-Rettung darf sich nie mehr wiederholen. Darüber lachten schon damals die Hühner, denn nach dieser Rettung war der Staat, der Steuerzahler in Geiselhaft der Bank geraten. Als die UBS zum zweiten Mal zu Kreuze kriechen musste und Staatshilfe beim Steuerstreit erbettelte, kostete das zwar nicht noch mal Milliarden, aber das Bankgeheimnis. Und ihrem Wunsch musste entsprochen werden, sonst wäre die Bank wieder blank gewesen und das Steuergeld futsch.

Übrigens wurden all diese Massnahmen damals mit Notrecht beschlossen. Auch das sollte nie mehr angewendet werden, daher wurde ein Gesetzeswerk verabschiedet, das die ordentliche Abwicklung einer systemrelevanten Bank ermöglichen sollte. Kranke Teile absprengen, lebensnotwendige Teile wie Zahlungsverkehr, Hypotheken und Kreditvergabe sollten bewahrt bleiben.

Nun sind 14 Jahre vergangen, und geschehen ist genau – nichts. Es ist allerdings noch viel schlimmer. Weil nichts geschehen ist, werden nun wieder die gleichen Forderungen wie damals erhoben. Die Boni sollen gedeckelt, das Eigenkapital hinaufgesetzt … Blabla, Blüblü.

Natürlich gibt es auch wieder Stimmen, die vor zu scharfen Massnahmen warnen, so sollen die Boni für hart arbeitende Mitarbeiter keinesfalls angetastet werden. Und natürlich fordern die Politiker wieder, dass systemrelevante Banken eine Eigenkapitaldecke haben sollten, die sie unsinkbar macht. Meistens wird da die Zahl von 20 Prozent in die Runde geworfen.

Die UBS hat neuerdings eine Bilanzsumme von rund 1600 Milliarden US-Dollar. Das ist in etwa das Doppelte des Schweizer BIP, also der Wert aller in einem Jahr erbrachten Dienstleistungen, Wertschöpfungen und hergestellten Produkten.

Wir brauchen nun kein Wurmloch, um in die Zukunft zu reisen und zu erfahren, welche dieser Forderungen umgesetzt werden. Das kann man locker im Lehnstuhl prognostizieren: keine.

Ach, und damals wie heute wurde und wird gefordert, dass Verantwortliche benannt und sanktioniert werden sollten. Auch her braucht’s keine Reise in die Zukunft, um mit Sicherheit sagen zu können: kein einziger dieser Versager wird auch nur um einen Rappen geschädigt werden. Der Oberversager Urs Rohner nicht, all die Kleinversager um ihn herum genauso wenig.

Im Gegenteil, es herrscht weiterhin völlige Schamlosigkeit. So liess doch der vorvorletzte CEO verlauten, dass unter seiner Ägide dann noch alles super gelaufen sei. Tidjane Thiam kann nun schlecht rot werden, wenn er solchen  Müll verzapft. Aber seine Äusserung wirft ein Schlaglicht auf die Mentalität, die in der Chefetage herrscht. Persönliche Verantwortung, Eingeständnis von Fehlern, Kenntnisnahme des Fakts, dass die Bank mit den vereinten Kräften all dieser Nulpen gegen die Wand gefahren wurde? I wo.

Es waren auch mal wieder nicht die Umstände, auch nicht der Zusammenbruch zweier Bänkli in den USA, schon gar nicht irgend ein Tweet vom anderen Ende der Welt. Es war auch nicht eine etwas ungeschickte Aussage des Präsidenten einer saudischen Bank.

Es war reine und brüllende Unfähigkeit der Chefetage der Credit Suisse. Der ewige Konkurrent UBS lag nämlich 2008 ziemlich am Boden, während die CS stolz verkündete, keine Staatshilfe zu brauchen. Und in den folgenden Jahren setzten die CS-Führer ein Ding nach dem anderen in den Sand. Es wurden horrende Bussen bezahlt, es sah zeitweise so aus, als ob die CS aus Prinzip an jedem Skandal beteiligt sein wollte, der aufpoppte.

Zusammenarbeit mit Bruchpiloten, mit windigen Geschäftsleuten, die Beteiligung an einem Milliardenkredit an ein bankrottes afrikanisches Land, überall, wo’s übel roch, steckte die CS ihre Nase rein. Überall, wo man sinnlos Geld verrösten konnte, tat das die CS.

Nun gab es auch damals und in den Jahren seither viele Leute, darunter auch Medienschaffende, die immer wieder betonten, dass man das alles ja nicht habe kommen sehen. Damals nicht, heute nicht. Dass das so nicht stimmt, kann ZACKBUM beweisen.

Daher beginnen wir heute mit einer kleinen Serie. Eigene Werke des Redaktors René Zeyer, die vor Jahren erschienen, aber keineswegs an Aktualität eingebüsst haben.

Aus heutiger Perspektive waren das geradezu prophetische Ansagen, die ganz alleine auf weiter Flur dastanden. Und die auch heute gar nicht mehr erscheinen könnten, weil das Organ, in denen sie publiziert wurden, inzwischen zum Tages-Anzeiger-Konzern gehört und die gleiche Langeweile wie die Zürcher Ausgabe verbreitet.

CS: Keiner dran schuld …

Jetzt geht’s dann ganz schnell …

Vorgestern noch solide wie das Matterhorn. Gestern noch solider als manch andere Bank. Heute bröselt und bröckelt es. Und morgen? Morgen ist’s mit der Credit Suisse, wie wir sie kannten, vorbei.

Die Lage der zweitgrössten Bank der Schweiz ist so dramatisch, da muss man zum Dichterwort greifen und Franz Kafka zitieren:

«Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoss sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.»

Das perfekte Bild für den aktuellen Zustand der CS. Sie bestätigt wieder einmal eine alte Regel im Wirtschaftsleben: wenn etwas ins Rutschen kommt, geht’s holterdipolter und sehr, sehr schnell.

Das vorher schon überforderte Management (sonst wäre die einstmals stolze Escher-Bank ja nicht in diese Schieflage geraten) ist völlig von der Rolle. Seine Aussagen sind nur noch mitleiderregend: «Wir haben noch einen weiten Weg vor uns», sagte der CEO Ulrich Körner im Februar dieses Jahres. Im März sieht es ganz danach, aus, als ob er schon am Ende des Weges angekommen sei.

Wenn’s schnell geht, ist «zu wenig, zu spät» der Todeskuss für einen komatösen Patienten. Selbst die Notinfusion durch die Schweizerische Nationalbank vermochte es nicht, dem moribunden Opfer rosa Bäckchen zu verpassen.

Die meist wohlinformierte, zumindest besser als alle Schweizer Wirtschaftsmedien informierte «Financial Times» berichtet bereits, dass Bern und die SNB die Spitzen von UBS und CS dazu gedrängt hätten, übers Wochenende eine Lösung zu finden, bevor am Montag die Börsen öffnen.

Denn die Nachricht, dass die CS über 50 Milliarden Liquidität verfügen könne, also auf die unbeschränkte Feuerkraft der SNB zählen dürfe, hat an der Börse nur das ausgelöst, was der zynische Börsianer einen «dead cat bounce» nennt. Wenn eine Katze aus dem Hochhaus fällt, prallt sie auf den Boden und ist tot. Aber durch die Wucht des Aufschlags wird sie nochmal in die Luft geschleudert, was man aber nicht mit einer Wiederbelebung verwechseln darf.

So ist es nach 167 Jahren leider Zeit, Bilanz zu ziehen. Rund 160 Jahre lang war die Schweizerische Kreditanstalt SKA der Stolz Zürichs. Der Stolz des Freisinns. Der Stolz der Schweiz. Wie die Schweizerische Bankgesellschaft (SBG) trug sie als Trustmark das Wort Schweiz im Titel. Schweiz stand für stockseriös, bieder, korrekt, zuverlässig, solide. Kein Glamour, keine Angeberei, der Topbanker nahm das Tram zur Arbeitsstelle, hatte eine abgewetzte, alte Ledertasche bei sich.

Er trug Anzüge von ABM, eine grau gemusterte Krawatte war das Äusserste an Modestatement, die Gürtelschnalle war mächtig, aber billig, der Schuh ausgetreten und dunkelbraun oder schwarz. Eigentlich sah jeder Banker wie Walter Roderer aus und benahm sich auch so wie der Schauspieler in seinen Paraderollen als Buchhalter Nötzli. Der leicht verklemmte, biedere, schüchterne Bünzli, aber mit Charakter und Anstand.

Aber schon um die Jahrtausendwende hatte auch bei der SKA, die sich unnötigerweise in Credit Suisse umbenannt hatte, der Wahnsinn Einzug gehalten. Der Wahnsinn in Gestalt von grössenwahnsinnigen US-Investmentbankern, die sich für die «Masters of the Universe» hielten, sich selbst «big swinging dicks» nannten, was wir lieber nicht übersetzen wollen. Das Gleiche passierte auch bei der SBG, neu UBS.

Nicht das Geld war verrückt geworden, aber seine Götzendiener. Sie erfanden Ableitungen, Derivate, Wettscheine, die so kompliziert wurden, dass es Nerds und Quantenphysiker brauchte, um sie zusammenzulöten, mit ellenlangen Algorithmen zu jonglieren. Weder die Hersteller, noch die Anwender verstanden diese finanziellen Massenvernichtungswaffen, die Anwender wussten nur eins: aus ihnen tropfen Bonuszahlungen in unvorstellbarer Höhe. Und das Beste war: unabhängig von Verlust oder Gewinn, der einzige Massstab war der Umsatz.

Da schauten die Buchhalter Nötzli aus der Schweiz mit offenem Mund zu und begannen, auch zu sabbern und zu verdienen. Mit Oswald «Ossi» Grübel trat dann 2007 das letzte Schlachtross bei der CS ab, der noch einigermassen einschätzen konnte, welche Risiken man nehmen durfte – und welche nicht.

Sein Nachfolger wurde der eiskalte US-Investmentbanker Brady Dougan, der sich wie ein Rodeo-Reiter benahm und den Eindruck zu vermitteln versuchte, er lasse sich niemals aus dem Sattel werfen. Für ihn stimmte das, als er abstieg, war er um ein paar hundert Millionen reicher, die CS alleine an Bussen- und Bonuszahlungen um ein paar Dutzend Milliarden ärmer.

Begleitet und vermeintlich überwacht wurde das vom Juristen Urs Rohner, der zehn unselige Jahre als VR-Präsident amtierte und von Anfang bis Ende nur darauf bedacht war, selbst eine «weisse Weste» zu behalten. Dass die von Verlusten rotgesprenkelt war, das kümmerte ihn überhaupt nicht. Als er nach dem Doppelschlag Archegos und Greensill abtrat, fand er lediglich leise Worte des Bedauerns, auf die schon niemand mehr hörte.

Nach Dougan hatte er im Alleingang den Vollversager Tidjane Thiam auf den Posten des CEO gehievt. Der kassierte in seiner nur fünfjährigen Amtszeit satte 100 Millionen und stolperte über einen idiotischen Überwachungsskandal, nachdem er vergeblich versucht hatte, Rohner aus dem Sattel zu werfen. Aber ein VR-Präsident kann einen CEO entlassen, umgekehrt geht nicht.

Dann gab es ein kurzes Zwischenspiel von zwei weiteren Nulpen, bis dann die zweite Garnitur Lehmann/Körner ans Gerät ging, weil schon letztes Jahr kein erstklassiger Banker sich mehr die Finger an diesen Jobs verbrennen wollte. Und seither ging’s nur noch bergab. Dabei: was 160 Jahre lang gestanden ist, kriegt man nicht einfach mit der üblichen Menge von Fehlentscheidungen in die Knie.

Ein solches Gebilde steht wie ein altes Haus schon mal aus Gewohnheit, selbst wenn man tragende Wände rausspitzt. Trotz Umbenennung, trotz idiotischem Logo mit zwei Segeln (wohl eine Anspielung auf die grosse Seefahrernation Schweiz), trotz Geldverpulvern mit einer leichten Anpassung des Logos, trotz oder gerade wegen der Beschäftigung mit solchem Pipifax schlingerte der Tanker nicht nur, sondern bekam immer mehr Schlagseite.

Von der Kommandobrücke kamen lediglich beruhigende Geräusche, man arbeite an einer Rettungsstrategie, das ginge dann im Fall nicht von einem Tag auf den anderen, das sei dann schon ein ganz dickes Ei, das gelegt werde. Als dann mit viel Gegacker und Flügelschlagen das Ei präsentiert wurde, war es nur mit der Lupe erkennbar, dafür in den schönsten Farben der Kommunikationslehre angemalt. Aber kein Börsenhändler liess sich von einem solchen Kuckucksei überzeugen. Der Kurs kannte unaufhaltsam nur eine Richtung: nach unten.

Dann kam noch das übliche Gezeter, natürlich sei der Kurs nicht befriedigend, aber einstellig werde er niemals, ausserdem sei der Aktienkurs nicht alles im Leben einer Bank, stabil, gut aufgestellt, liquide, starke Marke, optimistisch in die Zukunft, Kurswechsel greift, alles kommt gut und besser, wir liefern, Blabla.

Das Publikum, die Investoren, die Kunden, die grossen und kleinen Besitzer der Bank fragten sich zunehmend, in welchem Paralleluniversum eigentlich die Führungscrew der Bank lebte. Und manch einer fragte sich schon, ob die wohl verbotene Substanzen oder verschreibungspflichtige rosa Pillen einwürfen.

Aber wenn der Baumstamm, der so stabil und mit dem Boden verwachsen erscheint, was er nicht ist, wenn der Baumstamm, der nicht leicht wegzuschieben ist, dennoch ins Gleiten, ins Rutschen gerät, dann ist das kein unseliges Schicksal, kein Pech, keine Verkettung unglücklicher Umstände, nichts Unvorhersehbares. Dann ist das das Resultat eines mutwilligen, fast absichtlichen Versagens der Kommandobrücke. Als hätte die sich den Befehl gegeben, den altehrwürdigen Tanker CS mit Volldampf gegen den Eisberg zu lenken. Auf Grund zu steuern, auf die Sandbank zu setzen, in die Klippen zu manövrieren.

Was bleiben wird, leider: niemand war dran schuld. Keiner hat Verantwortung. Alle werden haftungsfrei ihre Millionen geniessen.

Die oben. Die im Maschinenraum werden absaufen, wie immer. Der 50-jährige Anlageberater, die 55-jährige Sachbearbeiterin, der Kundenbetreuer, der sich schon seit Jahren die Beschimpfungen anhören musste, die die da oben verdient hätten: all die werden auf der Strasse stehen, nach dem RAV in die Sozialhilfe absinken.

Dafür fehlen die Worte. Nein, sie gäbe es, aber leider funktioniert das Legal Department, die juristische Abteilung einer Grossbank, immer bis zum Schluss …

Die SKAndalbank

30 Milliarden Boni später …

Als sie noch SKA hiess, war es klar, dass sie den damaligen Skandal überleben würde. Und heute? Man ist fassungslos ob so viel geballter Unfähigkeit für so viel teures Geld bei der Credit Suisse.

«Abgeflacht, teilweise umgedreht, im Grund gestoppt».

Zu diesen Aussagen über die Abflüsse von Kundengeldern verstieg sich der aktuelle Präsident der Credit Suisse Axel Lehmann noch vor Kurzem.

Nach diesen Aussagen kratzte der Kurs der CS-Aktie kurzzeitig an der 3-Franken-Schwelle. Wer 3 Franken für eine Aktie der einstmals stolzen Bank (mit einem Aktienkurs von fast 100 Franken) für einen Skandal hält: in den letzten Tagen sackte er bis auf Franken 1.50 ab …

Und nun die Hiobsbotschaft: Die CS bettelt um eine Finanzspritze von 50 Milliarden Franken von der Schweizerischen Nationalbank. Genauer gesagt: sie will diese Kreditlimite beanspruchen, die ihr als «to big to fail»-Bank zusteht. Der GAU, ein Fall UBS Reloaded. Damals ging’s am Schluss gut aus, diesmal auch? Oder wird die CS zu einem zweiten Fall Swissair, nur in teuer?

Zunächst die Beruhigungspille für alle CS-Kunden unter den Lesern: ihr dort angelegtes Geld ist sicher. Jedenfalls bis zur Höchstgrenze der Einlagesicherung von Fr. 100’000. Nun gibt es allerdings neben dem Aktienkurs einen weniger bekannten Messfühler für den Zustand einer Bank, bzw. für die Beurteilung deren Zukunftsfähigkeit. Das sind sogenannte CDS, Englisch für Kreditausfallversicherungen. Wie jeder Laie weiss, sagt die Höhe der Prämie etwas darüber aus, für wie wahrscheinlich der Eintritt des Schadenfalls gehalten wird.

Mit einem CDS versichern sich Geldgeber dagegen, dass der Schuldner nicht mehr in der Lage ist, den Kredit zurückzubezahlen. Bei der CS wird inzwischen ein Ausfallrisiko von gegen 50 Prozent eingepreist, wie es so schön heisst. Weitere Alarmzeichen: CS-Obligationen verzeichnen schmerzliche Tagesverluste, die Bank muss für Refinanzierungen immer höhere Zinsen zahlen.

Das tat sie schon bei der Finanzkrise von 2008, als die CS im Gegensatz zur UBS auf Staatshilfe verzichtete und sich stattdessen in die Arme von arabischen Investoren warf. Die gaben der Bank aber ihr Geld nicht aus Nächstenliebe oder unter Befolgung des islamischen Zinsverbots. Sondern sie kassierten 9 oder sogar 9,5 Prozent über Jahre, auch während den Nullzins- oder gar Negativzinszeiten.

Bei einer solchen Verzinsung ist das investierte Kapital schon weit vor der Rückzahlung wieder im Trockenen, so nach rund 7 Jahren. Das ist auch der Grund, wieso die gleichen Investoren als Aktienbesitzer bislang die unaufhaltsame Talfahrt des Kurses ohne grösseres Murren weggesteckt haben. Wobei natürlich rund 70 Prozent Verlust seit ihrem Einstieg schon bitter sind.

Wo soll denn nun die Talfahrt des Aktienkurses enden? Mathematisch gesehen bei Null natürlich. Denn es gibt zwar Negativzinsen, aber es gibt keine Aktie, wo man beim Ankauf Geld bekommt. Null heisst, dass der Handel eingestellt wird, die Bank bankrott ist, ein Liquidator amtet und Aktienbesitzer in der letzten Konkursklasse sind, also meistens in die Röhre schauen.

Wie schaut es denn bei Anlagevermögen von über 100’000 Franken bei der CS aus? Das würde im Fall der Fälle aus der Konkursmasse bedient werden, und da niemand weiss, welche Leichen noch im Keller der Bank liegen, welche Skandale noch nicht explodiert sind, welche Bussenforderungen, Schadenersatzprozesse noch auf die Bank zukommen, hat niemand eine Ahnung, ob es am Schluss überhaupt noch eine Masse gäbe, die verteilt werden könnte.

Aus diesem Grund war die Aussage von Lehmann nicht nur falsch, sondern brandgefährlich. Denn der Abfluss von Kundengeldern, inzwischen auch in der Schweiz, ist in den letzten Wochen und Monaten nicht etwa gestoppt worden. Im Gegenteil, er nimmt selbst im für sicher gehaltenen Heimatmarkt Schweiz beunruhigende Züge an.

Hier ist das Problem: selbst eine gesunde Bank verträgt es nicht, wenn immer mehr Anleger gleichzeitig ihr Geld zurückwollen. Wenn das zu einem sogenannten Bankrun wird, dann müssen die Schalter geschlossen werden, während davor Schlangen von hysterischen Menschen stehen und verzweifelt die Auszahlung ihrer Guthaben verlangen.

Dem entgegen stehen die üblichen Beteuerungen, dass die Bank solide sei, über ein ausreichendes Kernkapital verfüge, es keinen Grund zur Panik gebe. Da niemand – nicht einmal die Führungsspitze – bei diesem Riesentanker bis in die hinterste Ladefläche weiss, ob da nicht mal wieder eine Bombe tickt, die nur darauf wartet zu explodieren; eine neue Busse droht, Schadenersatzforderungen, Rückzahlungen, ist es sehr schwer zu beurteilen, ob die Bank überleben wird oder nicht.

Mit absoluter Sicherheit lässt sich aber ein Skandal beurteilen, der sich hier seit Jahren abspielt. Genauer gesagt seit der Amtsübernahme von Urs Rohner als Präsident des Verwaltungsrats. In der jüngeren – und wohl auch älteren – Geschichte des Finanzplatzes Schweiz hat es wohl keinen grösseren Versager gegeben.

Wenn man sein unseliges Wirken realitätsnah beschreiben wollte, wäre man sofort im Bereich einer rechtlichen Todeszone, denn mit nicht justiziablen Ausdrücken lässt sich nicht darstellen, was dieser Mann angerichtet hat.

Natürlich, nicht nur er, aber er ist als oberster Boss eben auch für alle personellen Fehlentscheide verantwortlich; für den Reigen von CEOs, für die Mitglieder der Geschäftsleitung, für die übrigen VR. Allesamt Nieten in Nadelstreifen, Vollversager, nicht einen Rappen ihrer horrenden Vergütungen wert. Es gibt keinen adäquaten Ausdruck, um zu beschreiben, welche Schamlosigkeit es braucht, für dieses Ergebnis ohne rot zu werden Multimillionen, insgesamt Milliarden verdient zu haben.

Selbst die aktuelle Führungscrew macht nur auf bescheiden und Bonusverzicht, dabei verdient sie immer noch exorbitant zu viel. Auch dem Duo Lehmann/Körner gelingt es offensichtlich nicht, den Tanker abzudichten und in ruhige Gewässer zu lenken. Ihre Pläne greifen nicht, sind zu klein, entsprechen nicht der Dramatik der Situation.

Schönwetterkapitän wie auf dem Traumschiff zu sein, dafür braucht es nicht viel. Ein weisses Hemd, die obligate unifarbene Krawatte, den Anzug in Dunkelblau oder Dunkelgrau, die massgeschneiderten Treter, Manschettenknöpfe, eine edle Gürtelschnalle, et voilà. Dazu noch der vor dem Spiegel eingeübte Blick «ich bin besorgt, aber zuversichtlich», und schon kann man vor die Kameras und Mikrophone treten und den Bankenlenker mimen.

Aber Banker vom Format eines Oswald Grübel wachsen halt nicht auf den Bäumen, und die Zeiten eines Holzach oder Senn sind längst vorbei. Und die waren beide bei der SBG, der heutigen UBS. Nun ja, da gab es auch einen grössenwahnsinnigen Marcel Ospel, aber dessen Ende erfolgte wenigstens relativ schnell.

Was mit der einstmals strahlend-stolzen Credit Suisse seit dem Amtsantritt von Rohner geschehen ist, kann wohl höchstens mit dem Niedergang der Swissair verglichen werden. Unglaubliche Stümper, untaugliche Manager, bonusgetriebene Pfeifen gaben sich die Klinke in die Hand, verpissten sich mit wohlgefüllten Taschen, hinterliessen ein Desaster nach dem anderen.

Und die Nachfolger sangen alle das gleiche Lied: muss zuerst das Schlamassel meines Vorgängers aufräumen, dann geht’s aber steil nach oben. Ging es nie. Aber während es vorher eine Krise war, ist’s jetzt eine Katastrophe. Aber die Kommandobrücke füllt sich weiterhin die Taschen, dreht das Steuerrad mal ein Mü nach links, dann nach rechts, entlässt massenhaft Mitarbeiter, gibt den Überlebenden keinerlei Anlass zu Hoffnung und strahlt keinerlei Charisma aus.

Hier gilt mal wieder der alte Spruch: würden Sie einem Lehmann, einem Körner einen Gebrauchtwagen abkaufen? Schlimmer noch: würden Sie den beiden zutrauen, mehr als das zu können? «Shame on you» rief der Autor dieser Zeilen bei der CS-GV Brady Dougan zu, als der sich den grössten Bonus aller Zeiten in einer Schweizer Bank gönnte. Der steckte das regungslos weg. Würde man Lehmann oder Körner ein «schämt Euch» zuwerfen, würden sie auch keine Miene verziehen. Denn völlige Indolenz ist die wichtigste Eigenschaft eines Bankers in führender Stellung.

Der doppelte Rohner

Was macht man, wenn eine Story wehtut? Man bestellt den Weichspüler.

Der Langzeit-Chefredaktor der «Bilanz» wirkt immer freundlich und konziliant. Das kann aber täuschen, denn er schlägt auch gnadenlos zu. So klatschte er in der Oktober-Ausgabe den Versagerrat Urs Rohner aufs Cover:

Was Schütz von der Performance des ehemaligen CS-Bosses hält, das fasst er knackig zusammen:

Es ist eine Abrechnung und Hinrichtung: «Die Krise ist das schlimmste Führungsdebakel der Schweiz seit dem Swissair-Grounding.» Nicht nur das, von Schuldbewusstsein, Zur-Verantwortung-Ziehen oder gar finanzieller Wiedergutmachung könne bei Rohner keine Rede sein: «Kein Prozess, keine Zurückzahlung

Also kommt Schütz zum wenig schmeichelhaften Fazit schon im Titel der Story:

Das alles hat sich «weisse Weste» Rohner unredlich verdient, durch seine zwölfjährige Tätigkeit als VR-Präsident der einstmals stolzen Credit Suisse. Die Bank wankte in dieser Zeit durch eine Krise nach der anderen; während seiner obersten Verantwortung sank der Aktienkurs von über 60 auf unter 10 Franken, heute dümpelt er um die 4 Franken herum. Besonders peinlich für den Juristen und ehemaligen Chief Legal der CS: In seiner Amtszeit zahlte die CS 7,8 Milliarden Bussen.

Alleine im Steuerstreit mit den USA rekordhohe 2,6 Milliarden Dollar, während die UBS mit 800 Millionen davonkam.

Inzwischen ist Rohner abgetaucht, aus der Öffentlichkeit verschwunden, gibt keine Interviews, will keine Stellungnahmen abgeben, ist nicht mal mehr auf dem grünen Teppich des von seiner Lebensgefährtin begründeten Zürcher Filmfestivals anzutreffen.

Dabei könnte Rohner sich eigentlich sagen: 80 Millionen sind doch genügend Schmerzensgeld, da geht mir eine «Bilanz»-Klatsche doch schwer an einem gewissen Körperteil vorbei. Sagt sich Rohner aber nicht. Was tun, wenn einen ehemals mächtigen Mann eine Titelgeschichte schwer angurkt? Na, er organisiert sich eine andere.

Die muss natürlich auf einem gewissen Niveau stattfinden, also kommen die Organe seines Freundes Marc Walder eher weniger in Frage. Die NZZ würde sich niemals für eine Weisswäsche hergeben, das Verhältnis zu CH Media ist nicht ganz spannungsfrei. Ausserdem, in der «Schweiz am Wochenende» auftauchen? Das hält Rohner auch für unter seinem Niveau. Da bleibt dann nur noch eins:

Und wer kann ein solches liebedienerisches, höchstens mit pseudokritischen Einsprengseln versehenes Porträt schreiben? Denn das ist auch nicht gerade förderlich für die Reputation. Da kann es nur einen geben. Den obersten Qualitätshüter von Tamedia, den längst pensionierten Wendehals Res Strehle.

In seiner Jugend schrieb er emotionale Nachrufe auf Linksterroristen, daraus ist er längst herausgewachsen. Obwohl auch er seine fette Pension plus die Zusatzeinnahmen aus seiner angeblichen Qualitätskontrolle genüsslich verzehren könnte, greift er in die Harfe, wenn’s gewünscht wird.

«Republik»-lange 35’615 Anschläge darf er im «Magazin» schleimen, um den «gestrauchelten Hürdenläufer» Rohner zu rehabilitieren. Natürlich ist Strehle viel zu clever, eine reine Lobhudelei abzuliefern. Zu dramatisch und erinnerlich ist das Versagen Rohners.

Also wählt Strehle als naheliegend-banales Leitmotiv Rohners Sportart: «Hürdenläufer sind ganz besondere Menschen, Abenteurer und Schrittzähler zugleich.»

Dass Rohner den Einzug ins Halbfinale bei Europameisterschaft in Athen um 20 Hundertstelsekunden verpasste, sei «eine der wenigen Niederlagen im Leben des Urs Rohner, vielleicht die einzig wichtige, bis zu seinem Straucheln im März 2021 auf einem der höchsten Posten, die die Schweizer Wirtschaft zu bieten hat».

Der schmähliche Abschied ohne Décharge, Dankesreden oder wenigstens einer dem hinterlassenen Desaster angemessenen Entschuldigung, das war ein «Straucheln»? So geht schönschreiben.

Seither sei Rohner abgetaucht, aber natürlich im ganz grossen Sinne: «er teilt mit Friedrich dem Grossen das Motto «servir et disparaître».» Wow, Friedrich der Grosse, Rohner der Kleine, ein gemeinsames Motto.

Immerhin gibt Strehle dann offenherzig bekannt, was der Anlass für sein Schönschreibwerk ist: «Aber diesen Oktober hat ihn die Titelgeschichte des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» aus der Feder des Chefredaktors verärgert.» Also nix mit dienen und verschwinden, das will Rohner nicht auf sich sitzen lassen, das wäre ja ein Fleck auf der weissen Weste.

Schliesslich sei er noch geschäftlich aktiv: «In Zug hat er mit Vega Cyber Associates eine Sicherheitsfirma für Cybertechnologie eintragen lassen, deren Verwaltungsrat einem James-Bond-Drehbuch entnommen sein könnte. Sir Alex Younger sitzt darin, der ehemalige Chef weltweiter Operationen des britischen Geheimdienstes MI6, Vorlage des Agenten M im Film «No Time to Die»

Leider versteht Strehle von der Geschäftswelt ungefähr so viel wie von James-Bond-Filmen und der Rolle von M darin. Aber wie dort folgt Strehle dem gleichen Drehbuch. Zuerst ein knalliger Anfang, dann die Retrospektive in Form eines – Leitmotiv! – Hürdenlaufs.

Sprung eins bis sechs wird nacherzählt, nicht ohne dass sich «der Autor dieser Zeilen» an die eine oder andere Begegnung erinnert, so viel Eitelkeit muss dann schon sein.

Aber welch eine Karriere darf hier aus der Kammerdienerperspektive beschrieben werden. Was für ein «Man in Full», wie ihn Tom Wolfe vielleicht genannt hätte. Aber das ist nicht Strehles Gehaltsklasse, er himmelt billiger: «Auch die Philosophie, Mutter aller Geisteswissenschaften, nimmt ihn in ihren Kreis auf: Katja Gentinetta, zuvor stellvertretende Direktorin des Thinktanks Avenir Suisse, lädt ihn am ersten Adventstag desselben Jahres zum einstündigen Gespräch in die «Sternstunde Philosophie» des Schweizer Fernsehens ein. … Auch diese Aufgabe meistert er unangefochten.»

Eigentlich ist Rohner auch noch ein unbekannter Held, wie er offenbar in einem zweistündigen Gespräch in seinem Büro im Seefeld verrät, obwohl er vom «Autor dieser Zeilen» nicht direkt zitiert werden will. Aber diese Heldentat muss natürlich erzählt werden, aus den Zeiten des Steuerstreits mit den USA:

«Rohner erwägt, den USA eigenhändig einen Stick mit CS-Kundendaten zu übergeben, sich danach anzuzeigen und die Verletzung des Bankgeheimnisses mit Notstand zu begründen. Er verzichtet dann darauf, der US-Justizminister begründet in der Folge die hohe Busse mit mangelnder Kooperation der Bank. Diese hätte die Schweizer Regierung zur Zustimmung zwingen sollen – ein seltsames Verständnis von Demokratie

Was für ein Mutanfall, welche Grösse, das wäre seit Winkelried die zweite Selbstaufopferung eines Schweizers gewesen. Aber leider, leider, er verzichtete dann bescheiden auf die Heldentat, wahrscheinlich wäre es Rohner unangenehm gewesen, dass man dann auf dem Paradeplatz ein Denkmal für ihn errichtet hätte.

Aber Strehle hat noch weitere gute Eigenschaften am Menschen Rohner entdeckt: «Noch gefährlicher als Finanzrisiken ist die Gefahr des persönlichen Abhebens in diesem Job: Da verdient einer vier Millionen im Jahr, hat jederzeit einen Privatchauffeur zur Verfügung und bei riskanteren Auslandsreisen Bodyguards. Urs Rohner benutzt den Privatchauffeur nur selten, den Firmenjet kaum. Er fliegt in jener Zeit mit eigenem Flugbrevet selber, eine einmotorige Cessna 172, ab dem Flughafen Kloten.»

Geradezu ein früher Berset, dieser Rohner. Chauffeur, Bodyguards, Firmenjet? I wo, bescheiden wie Otto Normalverbraucher eine einmotorige Cessna, höchstselbst pilotiert. Also an seinen Spesen kann der Niedergang der CS nicht erklärt werden.

Nun kommt’s aber knüppeldick, Milliardendesaster nach Milliardendesaster, immer unter der Verantwortung des Cessna-Piloten. Da muss Strehle einräumen: «Rohner kann diese beiden Hürden nur noch strauchelnd überspringen.»

Da wird Strehle zum Abtemperieren ganz nostalgisch: «Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich an die glanzvollen CS-Weihnachtsessen im vornehmen Saal des bankeigenen Hotel Savoy um die Jahrtausendwende.»

Aber auch die längste Schreibstrecke geht mal zu Ende, wie nähert sich der Hürdenläufer, der Schönschreiber Strehle dem Schlussspurt?

«Jetzt steht der ehemalige Leichtathlet vor der zehnten und letzten Hürde. Für ihn wird es der schwierigste Sprung: Er muss Fehler eingestehen, ein Wort der Entschuldigung würde helfen. Urs Rohner sieht dafür keinen Grund.»

Nun ja, vielleicht hätte er sich entschuldigen sollen. Aber er ist ein guter Mensch, will doch Gutes tun, nur lässt man ihn nicht: «Das versuchte er, als er im Schweizer Komitee der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Einsitz nahm. Aber inzwischen hat man ihn von der Liste entfernt. Ein anderes Mitglied hatte mit Rückzug gedroht, wenn Rohner dabeibleibe.»

Es ist halt schon schlimm, wenn so viele, von Schütz abwärts, Mensch und Werk nicht richtig zu würdigen wissen. Aber dafür gibt es doch Strehle. Den Worte-Zuckerbäcker, den Zuschwiemler. Mit diesem Stück hat er sich dafür qualifiziert, dereinst die Biographie Rohners zu schreiben. Wetten, dass?

Zuvor sind wir aber gespannt, ob und wie er diesen Schleimhaufen eines Artikels in seinem nächsten Qualitätsbericht erwähnen wird. Wir setzen auf «überhaupt nicht». Wettet einer dagegen?

Der Fluch der WeWo

Wie wir prognostizierten. Truss ist weg.

Die «Weltwoche» scheint über magische Kräfte zu verfügen. Wen sie lobt – sei das eine Firma, eine Partei oder ein Mensch – ist anschliessend weg vom Fenster. Als eine der ersten ereilte es die UBS. Titelgeschichte der WeWo, wie diese Bank die Finanzkrise eins bravurös gemeistert habe. Künstlerpech: die Story erschien just an dem Tag, als die UBS beim Bundesrat zu Kreuze kriechen musste und das Schleifen des Schweizer Bankgeheimnisses verlangte.

Auch Urs Rohner, der Versagerrat bei der Credit Suisse, war ein gern bejubelter Interviewpartner der WeWo. Das hat der CS nicht gut getan.

Aber nicht nur Firmen leiden unter dem Fluch der WeWo. Donald Trump, grossartiger Präsident, über den (und seine Gattin) schrieb Urs Gehriger Berichte, mit denen er das Genre des Groupie-Journalismus begründete. Scheiterte krachend bei der Wiederwahl. Will nun möglicherweise ein zweites Mal Anlauf nehmen. Sollte er lassen, denn die WeWo mag ihn immer noch.

Gilt auch für Steve Bannon. Dem bekam das Lob der WeWo so schlecht, dass er von Trump gefeuert wurde und es schaffte, als Chef von Breitbart abgesetzt zu werden. Inzwischen drohen ihm sogar ein paar Monate oder Jahre Knast. Die WeWo sollte endlich aufhören, ihn gut zu finden.

Geradezu beängstigend wird es aber bei der englischen Kurzzeit-Premierministerin Liz Truss. Kaum im Amt, hatte die WeWo sie als «die richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort» bejubelt, als wahre Nachfolgerin von Margaret Thatcher. Das war zu viel für Truss. Nach nur sechs Wochen im Amt und einer Katastrophe nach der anderen erklärte sie ihren Rücktritt. Zwei Tage zuvor hatte sie noch kämpferische Töne im Parlament angeschlagen. Wahrscheinlich fürchtete sie, nochmals von der WeWo gelobt zu werden – und machte sich lieber aus dem Staub.

Fehlt noch jemand? Oh ja, Viktor Orbán ging’s in Ungarn auch schon deutlich besser als heutzutage. Fluch der WeWo? Putin bombt sich in sein eigenes Grab – weil ihn die WeWo zu Friedensverhandlungen auffordert?

Sonst noch jemand? Oh ja. Über die Post-Faschistin Giorgia Meloni schrieb die WeWo, dass sie gute Chancen habe, die gesamte Legislaturperiode durchzustehen. Seither laufen Wetten, ob sie die ersten hundert Tage im Amt überstehen wird. Wer schlau ist, wettet nicht darauf …

Der Rohner-Run

Der Meister des Hürdenlaufs hat eine beeindruckende Strecke zurückgelegt.

Es war das, was man wohl in Bankerkreisen einen bewegenden Abschied nennt. «Lieber Urs, wir hätten dir einen anderen Abschied gewünscht», sülzte der Roche-Boss und CS-Verwaltungsrat Severin Schwan. Denn schliesslich habe Urs Rohner «Tag und Nacht» für die Bank gearbeitet.

Vielleicht hätte Rohner das sein lassen sollen. Denn das Ergebnis seiner Arbeit lässt sich ganz einfach messen. Aktienkurs der CS am Anfang seiner Amtszeit: knapp 40 Franken. Am Ende knapp über 9 Franken. Ein Minus von rund 75 Prozent. Ein Desaster.

Erinnert sich noch jemand daran, dass der Aktienwert in diesem Jahrtausend schon mal an der 100-Franken-Marke kratzte? Ja, weit vor dem Beginn der Amtszeit Rohners.

Zu deren Ende behauptete Rohner an seiner letzten Generalversammlung:

«Ich entschuldige mich für die Enttäuschung.»

Es ist nicht überliefert, ob es zu bitterem Gelächter kam. Dann leistete sich der Versager noch ein wohldosierte Portion «Gefühl»: «Mitarbeiter sind verärgert, und ich bin auch wütend.»

Als Sahnehäubchen zum Ende hatte die CS zwei weitere Skandale und Milliardenabschreiber zu verdauen: «Das sind nicht entschuldbare Verluste. Wir haben unsere Kundinnen und Kunden, aber auch unsere Aktionärinnen und Aktionäre, enttäuscht. Und das leider nicht zum ersten Mal.»

Ein Hürdenlauf des Schreckens

«Milliarden-Strafe im US-Steuerstreit, Mosambik-Krimi, Thiam-Flop, Wirecard-Pfusch, Luckin-Coffee-Abenteuer, York-Capital-Abschreiber, Rechts-Niederlagen. Kaum hatte die CS ein Problem gelöst, tauchte das nächste auf – oft ein grösseres.» So fasste Lukas Hässig auf «Inside Paradeplatz» die Strecke von Rohner zusammen, auf der er so ziemlich jede Hürde gerissen hatte. Es fehlt noch die Beschattungsaffäre, die Installation des Vollversagers Brady Dougan, nach zu langem Festhalten der von Rohner im Sololauf durchgestierte Ersatz mit Tidjane Thiam.

Er war der Meister der Methode: Problem taucht auf, Rohner taucht ab. Nachdem der Jurist alle Optionen abgecheckt hatte, tauchte er wieder auf und murmelte etwas juristisch Unverfängliches. Nur einmal rutschte ihm heraus, was ihn von da an verfolgte. Dass er persönlich «eine weisse Weste» habe.

Juristisch gesehen stimmt das. Rohner ist nicht vorbestraft, nicht verurteilt, es wurde kein ernsthafter Versuch unternommen, ihn für das CS-Desaster verantwortlich zu machen. Das wäre auch zum Scheitern verurteilt. Obwohl es seit einiger Zeit Haftbarkeiten für Verwaltungsräte gibt, wurde bislang noch kein einziger zur Verantwortung gezogen.

Selbst wenn man das bei Rohner probiert und sogar erfolgreich durchgezogen hätte; selbst wenn man sein Gesamtsalär von ein paar Dutzend Millionen eingezogen hätte: das hätte nicht mal den Tageszins auf einen einzigen Milliardenverlust beglichen. Das wäre unmerklich in den Milliardenverlusten der Aktionäre verdampft.

Genauso wie sein Teilverzicht im letzten Amtsjahr nicht mal bitteres Gelächter auslösen kann, so unbedeutend ist das.

Mosambik ist wohl die grösste aller Schweinereien

Bei all den verdammten Schweinereien, in die die CS unter der Oberaufsicht des ehemaligen Legal Councel und Juristen Rohner verwickelt war, ist der Fall Mosambik wohl die schlimmste.

Wie in der hyperventilierenden Presse üblich, war Mosambik noch vor 15 Jahren «Afrikas aufstrebender Star» (NYT). Das stimmt leider bei keinem schwarzafrikanischen Staat, oder wenn, ist es immer eine Sternschnuppe.

Wie aber unter Überfahren aller Rotlichter, bei Nichtbeachtung aller selbst geforderter Prozeduren, unter Nichtbeachtung eines vom IMF ausgesprochenen Kreditverbots, über eine lusche Yachtfirma ein Milliardenkredit direkt an den korrupten Präsidentenclan gesprochen werden konnte, der angeblich für eine ganze Milliarde die Fischereiflotte des Landes aufmöbeln sollte, das schlägt nun alles.

Als der Skandal dann platzte, versteckte sich die CS wie immer hinter einigen Mitarbeitern, die mal wieder mit krimineller Energie interne Kontrollen überfahren hätten. Und überhauptbehauptete die CS René Zeyer gegenüber: «Innerhalb der Credit Suisse sind die Genehmigungsprozesse für verschiedene Arten von Transaktionen klar geregelt. In Übereinstimmung mit diesen Richtlinien wurden diese Transaktionen von den britischen Banktöchtern Credit Suisse International (CSi) und Credit Suisse Securities Europe Limited (CSSEL) durchgeführt und von den zuständigen Mitarbeitern in Grossbritannien genehmigt.»

Wie klar und sinnvoll und kompetent diese Regeln gestaltet waren, belegt die Zahlung von einer halben Milliarde Franken, mit der sich die Bank aus verschiedenen Rechtshändeln in den USA und in England freikauft.

Gutgläubige Kunden, denen die CS diese faulen Kredite in ihre Portefeuilles drückte und Mosambik selbst wollen das Geld zurück, bzw. einen Schuldenerlass. Das könnte nochmals eine halbe bis sogar eine Milliarde kosten.

Ganz abgesehen davon, welchen Beitrag die Bank dazu geleistet hat, die Bevölkerung von Mosambik noch mehr ins Elend zu stossen. Sicher, sie selbst müsste sich ihrer korrupten Clique an der Macht entledigen. Aber während früher Kolonialmächte mit Kanonenbooten und Waffen herrschten, tun sie es heute mit der Macht des Geldes.

Blutrote weisse Weste

Die weisse Weste Rohners ist in Wirklichkeit blutrot. Hinter den roten Zahlen seiner Bank steht auch echtes Blut. Natürlich ist Jurist Rohner dafür in keiner Form verantwortlich zu machen. Er ist ein ehrenwerter Mann, der sich beim Rasieren jeden Morgen freundlich ins Gesicht schauen kann und einen neuen Tag als Rentner geniesst. Nach gutem und erquickendem Schlaf.

Deshalb erscheint hier nochmals ein Artikel zu diesem Thema, das nicht direkt mit dem Medienelend in der Schweiz zu tun hat. Indirekt aber schon, denn über lange Jahre hinweg skandalisierte nur ein einsamer Rufer auf dem Newsblog «Infosperber» den Mosambik-Skandal. Die Plattform war dabei gewaltigen Pressionen von Beteiligten ausgesetzt, denen sie aber widerstand. Während die übrigen Medien eher gelangweilt bis gequält bis gar nicht ein Thema aufnahmen, das halt komplex ist und sich weit, weit weg im dunklen Afrika abspielte.

Man ist doch lieb zueinander …

Wer den Nerv hat, sollte sich die akkurate Aufarbeitung durch ein norwegisches und mosambikanisches Forschungsinstitut antun.

Der Medienskandal besteht nämlich darin, dass all diese Fakten mehrfach aufgearbeitet und nicht zuletzt im Kroll-Report von 2017 (!) detailliert aufgelistet worden waren.

Reaktion der Schweizer Medien – oder der CS: nicht erkennbar.

Ahnengalerie des Grauens

Einmal ist Zufall. Zweimal ist Pech. Ab dreimal ist’s ein Trend.

Es hatte so gut angefangen, wie vieles. 1856 gründete Alfred Escher, der grosse Schweizer Wirtschaftspionier, die Schweizerische Kreditanstalt. Er war dann fast ein Vierteljahrhundert lang ihr erster Verwaltungsratspräsident. Skandalfrei.

Soll weg, fordern manche Verpeilte: Denkmal für Alfred Escher.

1977 machte die SKA mit dem «Fiasko von Chiasso» («Der Spiegel») von sich reden. Die SKAndalbank (Roger Schawinski hat’s erfunden) hatte nicht nur wie damals üblich italienische Schwarzgelder beherbergt, sondern auch noch über eine Viertelmilliarde davon verjuxt. Peinlich, was der damalige Generaldirektor Heinz Wuffli eingestehen musste. Ein paar seiner damals noch 9000 Angestellten hätten sich einer «massiven Verletzung» von «Sorgfaltspflichten und Kompetenzen» schuldig gemacht.

Das konnte die CS dann in den Stehsatz nehmen, nachdem Wuffli zurückgetreten war. Anschliessend kamen so Leuchten wie Robert A. Jeker und Rainer* E. Gut an den Steuerknüppel. Natürlich darf auch Josef «Joe» Ackermann nicht fehlen, von 1993 bis 1996 Präsident der Generaldirektion, bis er die Deutsche Bank ins Elend wirtschaftete.

Dann kam auch noch Mühlemann

Von 1997 bis 2001 versuchte das bei der Credit Suisse Lukas Mühlemann mit seiner Allfinanz-Strategie. Banking, Versicherungen, alles aus einer Hand. Als dann auch noch die Swissair in den Boden flog, wovon er als deren VR nichts mitgekriegt hatte, reichte es: Rücktritt.

Hans-Ulrich Doerig hingegen (2009 bis 2011) kann man nicht viel vorwerfen; er war auch nur als Sesselwärmer für die nächste grosse Pfeife vorgesehen: Urs Rohner. Unter ihm als VR-Präsident ging die CS in einen kontinuierlichen Sinkflug über. Nach dem Muster: geht’s noch schlimmer? Natürlich, die CS zeigt’s immer allen. Die grösste Busse im Steuerstreit, die meisten Bussen überhaupt, kein Skandal in den vergangenen zehn Jahren, in den die CS nicht mehr oder minder verwickelt war.

Im Jahr von Rohners Abgang ein neuer Rekord: der Viererschlag. Zuerst zweimal Milliardenverluste mit luschen Investitionen, dann eins über die Rübe von der FINMA wegen des Beschattungsskandals, und als Sahnehäubchen noch eine halbe Milliarde Bussen für die Verwicklung in einen luschen Milliardenkredit an Mosambik. Von den finanziellen Folgen, Mosambik musste Staatsbankrott erklären, Multimillionenklagen gegen die CS sind noch hängig, ganz zu schweigen.

War das der Tiefpunkt oder geht’s noch schlimmer?

Ach ja, dann gab’s noch Brady Dougan am Steuer, berühmt für den grössten Bonus aller Zeiten in der Schweiz, während der Aktienkurs nur eine Richtung kannte: nach unten. Gefolgt von Tidjane Thiam, der diese Politik erfolgreich, aber viel kürzer fortsetzte.

Wenn der wüsste …

Als einzige Ausnahme ist Oswald «Ossi» Grübel zu erwähnen. Der hatte zwar das Glück des rechtzeitigen Abgangs; das Hyposchrott-Schlamassel und den Steuerkrieg mit den USA musste er nicht mehr verantworten. Aber er zeigte als einziger Banker, der sowohl Boss der CS wie dann der UBS war, was Haltung ist. Als unter seiner Verantwortung ein UBS-Mitarbeiter in London einen Milliardenverlust verursachte, versteckte sich Ossi nicht hinter einem «hab’ nix gewusst, ist nicht meine Verantwortung, habe eine weisse Weste».

Einer wusste noch, was Verantwortung heisst

Wie erzählte er selbst so schön: er sei aus dem Flieger gestiegen, habe sein Handy eingeschaltet und drei Nachrichten seines CFO vorgefunden. «Das ist nie gut», meinte Grübel trocken. Also habe er angerufen und gefragt: «Ist es schlimm?» Als das bejaht wurde, nachgefragt: «Mehr als eine Milliarde?» Als das auch bejaht wurde habe er gewusst: das war’s.

So macht man das, immerhin. Inzwischen sind mal wieder zwei neue Nasen am Gerät, wie heissen die schon wieder?

Das staunte sogar das «Wall Street Journal».

Ach ja, und wieso wäffeln die Medien in der Schweiz (mit ganz wenigen Ausnahmen) erst im Nachhinein über die CS? Weil sie auf das Sponsoring der Bank angewiesen sind? Auf die Inserate? Weil sie ihren Finanzhaushalt bei der Bank regulieren? Weil es Männerfreundschaften gibt? Weil nicht nur die «Weltwoche» immer mal wieder Jubelarien auf den grossartigen Urs Rohner und seine nicht minder grossartige CEOs angestimmt hat?

Oder ganz einfach: weil die drei grossen Medienclans in der Schweiz entweder die UBS oder die CS als Hausbank haben. So einfach ist das dann.

*Die Redaktion bedauert, Arthur Zeyer nicht genauer auf die Finger geschaut zu haben. Dafür kriegt er nun mit dem Lineal eins übergezogen.

Noch ein Rohner …

Der eine geht (endlich), der andere kommt wieder: Marcel Rohner is back. Leider.

Marcel Ospel ist tot. Und blieb nach dem UBS-Desaster schön in der Versenkung. Basler Fasnacht, gelegentliche Besuche in der Zürcher «Kronenhalle» (wo er nicht ausgebuht, sondern applaudiert wurde), das war’s.

Peter Wuffli, die Pfeife, die 2007 nicht ganz freiwillig als CEO der UBS zurücktreten musste. Vor der Finanzkrise hatte er es bereits geschafft, mit der Pleite des US Hedgefonds Dillon Read ein erstes Zeichen für kommendes Unheil zu setzen. Das natürlich auch nicht Schicksal, sondern zu grossen Teilen bei den beiden Schweizer Grossbanken hausgemacht war.

Dann war etwas Ruhe, schliesslich tauchte er lächelnd als Präsident des VR der Partners Group wieder aus der Versenkung auf. Ach, und 2010 veröffentlichte er das Buch: Liberale Ethik. Orientierungsversuch im Zeitalter der Globalisierung. Unlesbar, ungeniessbar, aber Ethik ist immer gut im Titel.

Auf und nieder mit ewig gleichen Figuren

Peter Kurer, eine weitere Pfeife, hinterliess einen bleibenden Eindruck, weil er immer wieder von «das Schlimmste hinter uns, gut aufgestellt» zu «stehen vor dem Abgrund» wechseln musste. Bis er dann auch ausgewechselt wurde. Längere Ruhephase, dann tauchte er als VR-Präsident des Telecom-Unternehmens Sunrise wieder auf.

Da blamierte er sich ein weiteres Mal, als er ums Verrecken den Ankauf von UPC Schweiz durchstieren wollte. Gegen den Ratschlag aller Fachleute, gegen den Widerstand seiner Grossaktionäre. Das Hallenstadion war schon für die ausserordentliche GV angemietet, alles vorbereitet, als Kurer im letzten Moment auf die Notbremse trat. Es war ihm klargeworden, dass er wohl keine Stimmenmehrheit für dieses geplante Millionengrab bekommen hätte.

Diese Peinlichkeit wollte er sich ersparen, also nix GV. Der ganze Spass dürfte Sunrise rund 120 Millionen Franken gekostet haben. Dann trat Kurer nach verrichteter Tat auch dort zurück, und schliesslich kaufte UPC Sunrise.

Würden Sie diesem Mann eine Bank abkaufen?

Marcel Rohner, der Ziehsohn von seinem Vornamensvetters Ospel, wurde 2007 UBS-Chef. Gut zwei Jahre später war’s das dann, die historischen 60-Milliardenrettung der Bank durch den Bund überlebte er nicht. Es war ihm offenbar nicht gelungen, sich einen Überblick über den wahren Zustand der UBS zu verschaffen.

Wuffli, Rohner, und dann kam Oswald Grübel und räumte auf. Auch Rohner machte auf low profile, wurde VR bei SVP-Giezendanner und bei der UBP, einer der letzten (noch) überlebenden Privatbanken. Über seine Immobilienbude ist er zudem mit 5 Prozent an der «Helvetischen Bank» des SVP-Nationalrats Thomas Matter beteiligt – und sitzt auch dort im VR.

Nun ist Rohner als nächster Präsident der Bankiervereinigung gewählt worden. Das sorgt für leises Rauschen im Blätterwald. Die Zeitung mit dem Regenrohr im Titel macht sich gleich Sorgen: «Trimmt Rohner die Banken auf Anti-EU-Kurs?» Schliesslich sitze er mit SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi in SVP-Matters Bank. Die sind vehement gegen das Rahmenabkommen, die Schweizerische Bankiervereinigung ist dafür. Bislang.

Dann ist noch eine ganz bedeutende Machtfigur fürs Rahmenabkommen. Ringiers Hausgespenst Frank A Meyer. Da weiss der «Blick» natürlich, welche Farbe das Wasser haben muss, das er durch das Rohr auf Rohner giesst.

Laue Lüftchen aus den Medien

Eher unentschieden ist der «Tages-Anzeiger»: «Einst bei der UBS abgesägt, bald an der Spitze des wichtigsten Bankenverbands», titelt er. Der Tagi zeigt einmal mehr: tiefe Kenntnisse und intelligente Analyse, das ist seine Sache nicht. Und die NZZ? Die hat sich schnell festgelegt: «Der finanziell unabhängige, meinungsstarke und liberale Schweizer bringt somit nicht nur viel Sachverstand und eigene Erfahrung aus allen Zweigen der Branche mit.»

Somit hat die NZZ dieser Wahl ihren Segen erteilt; damit dabei nix stört, wird die SVP-Connection von Rohner erst gar nicht erwähnt. Das tut zwar CH Media, aber auch dort wird ein Lobeslied auf den gefallenen, sich dann aber wieder hocharbeitenden Ex-Banker und Immobilienlöwe Rohner gesungen.

Das waren noch Zeiten …

Nur – wie meist – «Inside Paradeplatz»  stört den Jubelchor mit ein paar handfesten und fundierten Hinweisen; so eben darauf, dass Rohner nicht nur im VR von Matters Bank sitzt, sondern auch an ihr beteiligt ist. Was den übrigen Recherchiergenies offenbar entging.

Hinzuzufügen wäre noch, dass die einstmals so mächtige Bankiervereinigung – darin all den gefallenen Starbankern nicht unähnlich – längst an Bedeutung und Grösse verloren hat. Raiffeisen ist bereits ausgetreten, der Spalt zwischen den beiden Grossbanken, den Kantonalbanken und Kleinbanken wird immer grösser, da UBS und CS natürlich ganz andere Interessen haben als beispielsweise eine Regionalbank.

Das Bankgeheimnis muss auch nicht mehr verteidigt werden, weil Rohner, Rohner & Co. dafür gesorgt haben, dass es aufgegeben werden musste. Also ist bei Rohners Wahl überhaupt nicht wichtig, ob er nun die Haltung zum Rahmenvertrag beibehalten wird – oder nicht. Einzig interessant wäre die Frage: Ist er als Totengräber der Vereinigung gewählt worden? Weiss er das? Ist er einfach als Schuldiger ausgeguckt, wenn weitere Bankenverbände austreten werden?

Aber eben, da müsste man ja etwas nachdenken und recherchieren. Also ist das kein Thema in den Medien.

Das waren noch Zeiten …

Swiss Miniature: Die CS

Früher eine Bank, heute ein Bänkchen. Verzwergt, vergeigt, verröstet, verdummt.

Gestern war der grosse Tag einer kleinen Bank. Wäre Generalversammlung. Immer ein Happening in grossen Sälen, wo sich der Verwaltungsrat und Teile der Geschäftsleitung mit unbewegter Miene oft stundenlange Beschimpfungen anhören müssen.

Aber he, es ist einmal im Jahr, und bei dem Schmerzensgeld … Aber man muss auch Glück haben. Wie alles bei dieser Führungsetage unverdient. Corona, die GV konnte nur virtuell stattfinden. Die oberste Führung versammelte sich hinter verschlossenen Türen in Horgen. Der Ort ist leicht zu finden; es dürften auffällig viele durchgemuskelte Gestalten mit Knopf im Ohr dort rumgestanden sein.

Damit ihr unerträgliches Gelaber nicht unterbrochen werden kann, waren Fragen einfach nicht zugelassen. Da’s am Nachmittag aufklarte, war’s perfektes Wetter für den Golfplatz, und wenn man da jeden Aktionär reinquatschen lassen würde, dann wäre man mal wieder erst am frühen Abend fertig. Geht gar nicht. So brauchte man knapp 60 Minuten. Viel besser.

Braucht man bald einmal ein Mikroskop, um die CS zu finden?

Denn der Aktionär hat nicht zu quatschen, sondern stumm zu leiden. Wieso hat der Blödkopf auch eine (oder viele) CS-Aktie gekauft? Selber schuld, hätte doch Banker werden können, da fliegen die Scheine rum.

Die CS hat sich dermassen krankgeschrumpft, dass selbst das Medienecho überschaubar ist. Ganze 94 Treffer verzeichnet die smd heute Morgen. Das auch nur deswegen, weil das für Risk Management zuständige GL-Mitglied Andreas Gottschling im letzten Moment beschlossen hat, seine Kandidatur für eine Wiederwahl zurückzuziehen.

Alle Stimmzettel liegen schon seit drei Tagen beim Stimmrechtsvertreter. Sind aber natürlich streng geheim. Dennoch hat Risikochef Gottschling das Risiko für zu gross gehalten, dass er als erster VR seit Menschengedenken abgewatscht und abgewählt werden könnte. Schliesslich hat seine Abteilung krachend versagt.

Denn Risk Management, das war offenbar ein Synonym für Verlustmanagement bei der CS. Aber immerhin: Es flogen keine faulen Eier oder überreife Tomaten. Es mussten keine Regenschirme unter dem Pult verstaut werden. Es brauchte innerhalb des Seminarhotels keine zusätzlichen Bodyguards.

Swiss Miniature: der neue Standort der CS?

Auch Urs Rohner, die Weisse Weste, der Teflon-Banker, hat seinen Abschiedsvortrag gehalten. Also abgelesen, was schwitzende Wortveredeler sich abgebrochen hatten. «Herzensangelegenheit, entschuldige mich.» Und tschüss.

Money for nothing

Eigentlich hatte er sich seinen Abgang sicher anders vorgestellt. Aber so ist’s auch recht, wenn keiner mehr von seinem Gequatsche Kenntnis nimmt. Dann wird er sich nach 10 Jahren trollen. Mit fast 44 Millionen Gesamtsalär. Wofür? Nun, der Börsenwert der Bank ist in seiner Amtszeit um 26,6 Milliarden Franken geschrumpft (danke, WeWo, für eine kleine Fleissarbeit).

Da kann Rohner aber zu Recht sagen: na und? Da haben andere ganz anderes geschafft. Stimmt. Absoluter Rekordhalter ist Brady Dougan. In acht Jahren 161 Millionen kassiert. Dafür den Börsenwert der CS um sagenhafte 62 Milliarden Franken geschrumpft.

Einen drauflegen kann nur noch die gesamte Geschäftsleitung, aber das auch nur, wenn man ihr unseliges Wirken von 2007 bis heute betrachtet. In dieser Zeit haben die hier versammelten Pfeifen, Nichtskönner, Versager 1,3 Milliarden Franken Saläre eingesackt; von verdienen kann keine Rede sein. Dafür haben sie am Börsenwert insgesamt 65,3 Milliarden Franken vernichtet.

Hat irgend einer der letzten drei CEO oder VR-Präsidenten etwas anderes getan, als ein Heidengeld dafür zu kriegen, dass er die Aktionäre das Fluchen und Fürchten lehrt? Nein, keiner. Von Kielholz bis Rohner, von Dougan bis Gottstein: gross kassiert, klein geliefert.

Dabei haben wir noch gar nicht von den milliardenschweren Rekordbussen gesprochen; nicht mal als Jurist war Rohner zu etwas zu gebrauchen. Statt zu versuchen, diese Verluste wenigstens zu minimieren, war wohl seine Devise: geht da auch noch etwas mehr, kriegen wir noch einen Nachschlag? Gerne, sagten die Amis, 2,8 Milliarden im Steuerstreit. Schweizer Rekord, unerreicht. Vorläufig über 5,5 Milliarden im immer noch nicht beendeten Hyposchrott-Desaster.

Gibt’s denn keine positive Nachricht? Aber sicher doch: wie stabil muss eine Bank sein, dass sie das alles aushält. Aber es gibt eine alte Bankerweisheit, die nicht häufig zitiert wird.

Der Banker geht zum Geldbrunnen, bis er bricht. Also der Banker oder der Brunnen.

Wer ab Blatt singen will …

Lob der NZZaS

Wieder mal eine –seltene – Gelegenheit. Wir loben die NZZaS. Warum? Sie hat über die Credit Suisse berichtet.

Nur der völlig unschuldig-naive Zeitungsleser kann sagen: na und? Alle anderen haben doch auch geschimpft. Das stimmt, aber hinter Mundschutz. Mit Schalldämpfer. In einem Tonfall, den man auch bei einem widerspenstigen Kind anschlägt. Leichte Gereiztheit, aber von pädagogischem Geist beflügelt.

Die NZZ selbst schaffte ein Interview mit dem CEO Thomas Gottstein. So viel Subersivität kann man ihr nicht zutrauen, dass sie ihn absichtlich so viele Bankerblasen blubbern liess, dass er sich damit innerhalb und ausserhalb der CS zum Deppen machte.

Aber nun kommt die NZZaS. Da geht’s schon mit dem Titel los: «Wie die Credit Suisse Milliarden verbrennt». Wie tut sie das? Nun, über das katastrophale Risk Management und die immer wieder erwiesene Unfähigkeit der Gierbanker wurde schon kräftig geschimpft.

Die NZZaS weiss eben, wie man das wirkliche Problem adressiert, nicht mit dem Finger in der Luft fuchtelt, sondern ihn schmerzhaft in die Wunde bohrt. Oder die Geldvernichtungsmaschine CS gnadenlos auseinandernimmt.

Mit wenigen Schnitten zum Kern des Problems durchgedrungen

Mit drei vermeintlich einfachen, aber punktgenau gesetzten Sonden.

  1. Schon 2011 wurde der CS von der Anlagestiftung Ethos vorgerechnet, dass ihre grossartige Investmentbank bislang 7 Milliarden Fr. Verlust produziert hatte. Der in zwei Wochen abtretende VR-Präsident Urs Rohner meinte damals noch arrogant: «Ich halte nichts von der Idee, aus der CS eine Art übergrosse Schweizer Privatbank zu machen
  2. Seit dem Amtsantritt dieses Versagers hat die CS zwar kumuliert einen Gewinn von 8,1 Milliarden erzielt. Allerdings: mit zehnmal weniger Angestellten hat das die ZKB in ähnlicher Höhe auch geschafft.
  3. In der Schweiz hat die CS auch kumuliert 15 Mrd. Fr. seit 2011 verdient. Also hat das weitergführte Abenteuer bei den Big Boys im Investmentbanking weitere 7 Milliarden Verlust beschert.

Sonst noch Fragen? Eigentlich nicht, aber noch ein paar weitere Antworten. Geradezu symbolisch für den Drang, ganz gross rauszukommen, war der Kauf von DLJ im Sommer 2000 für einen absurd hohen Preis. Dann platzte die Dotcom-Blase, und DLJ  wurde zur unglaublich schrumpfenden Investmentbank.

Sehr interessant ist auch der Gewinn-Vergleich zwischen CS und ZKB. Aber noch interessanter ist die Grafik daneben.

Links rot Gewinne und Verluste der CS, rechts blau die Anzahl der Geldvernichter.

Denn hier lodert das Fegefeuer, in dem Milliarden verröstet werden. Es handelt sich um die sogenannten «Key Risk Taker». Das ist das Fettauge auf den «Managing Directors». Von diesen «Risikonehmern» gibt es inzwischen rund 1400 in der CS (rechts blaue Linie). Die vermehrten sich wie die Schmeissfliegen. Von etwas über 400 auf über 1400 in zehn Jahren.

Die meisten arbeiten – where else – in London oder New York. Und haben als Söldnerseelen keinerlei innere Bindung an die CS. Eine sehr enge aber an den eigenen Geldbeutel. Diese Pfeifenbande hat ebenfalls seit 2011 bis heute sagenhafte 14 Milliarden Franken kassiert. Von verdient kann da keine Rede sein.

Das entspricht wiederum dem Doppelten des Gewinns, den der ganze Konzern mit seinen immer noch 40’000 Mitarbeitern in dieser Zeit erwirtschaftet hat. Das wurde diesen Multimillionären nachgeschmissen. Für welche «Risiken» denn? Nein, natürlich nicht für deren eigene, die Risiken musste immer die CS übernehmen. Und dafür Milliarden um Milliarden Verluste kassieren.

Milliardenverluste mit Milliardengehältern erkaufen? Macht Sinn

Wir fassen zusammen. Für einen Verlust von 7 Milliarden Franken (die aktuellen Klatschen noch gar nicht eingerechnet), hat die CS 14 Milliarden bezahlt. Das konnte sie (bislang) nur wegstecken, weil der Teil, auf den Rohner die CS auf keinen Fall reduzieren wollte, nämlich der Schweizer Ableger, Jahr für Jahr stabile Gewinne abwarf.

Noch Fragen? Ach, wieso die CS einen solchen Wahnsinn zehn und mehr Jahre durchzieht? Ein Geschäftsmodell, zu dem jeder Knirps sagte, der eine einfache Addition und Subtraktion an den Fingern abzählend beherrscht: «völlig gaga»?

Alles im grünen Bereich. Allerdings auf bescheidenem Niveau …

Das ist eine gute Frage. Dazu fällt mir auch keine Antwort ein. Ausser einer Anregung, die ich schon in St. Gallen deponierte. Dort ist die Polizei doch sehr erfahren in Wegweisungen. Zürich müsste auf den Knien um die Entsendung eines Detachements bitten. Es dann um die CS herum aufstellen und jeden, den eine Krawatte, Anzug und Bürolistenschuhe, sowie ein leicht arroganter Gesichtsausdruck als Banker enttarnt, sofort wegweisen.

Angesichts des Schadens, den er anrichten könnte, ist auch der Einsatz des Schlagstocks, von Reizgas und eine Verhaftung mit Kabelbinder und einem kräftigen Stoss in den Transporter absolut verhältnismässig.

Banker im Tränengas. Allerdings in Hongkong.