• Home
  • QA
  • Links
  • Podcast
  • Video
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü

Schlagwortarchiv für: unbelegt

René Zeyer

Professorales Geschwurbel

2. Oktober 2026/16 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

NZZ, quo vadis? Darf nun jeder mal?

Manuel Oechslin sei «Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Luzern». Das prädestiniert ihn dafür, in der NZZ zu schwabbeln: «Strategische Geduld zahlt sich aus – mit jedem weiteren Kriegsjahr verliert Russland an internationalem Gewicht». Das wird natürlich besonders die ukrainischen und russischen Soldaten freuen, die geduldig abkratzen.

Schon der erste Satz ist sowohl sprachlich wie analytisch unsauber: «2025 brach das reale BIP-Wachstum von fünf auf ein Prozent ein». Nein, Herr Volkswirtschaftler, die Wachstumsrate ist gesunken, die Wirtschaft ist real weiter gewachsen. Ein erheblicher Unterschied; würde ein Student das so formulieren, bekäme er hoffentlich einen Rüffel dafür.

«Was absehbar war, ist nun eingetreten: Das wirtschaftliche Strohfeuer – entfacht durch das Anschwellen der Kriegsausgaben – erlischt; die Sanktionen und der anhaltende Einsatz enormer Mittel für unproduktive Kriegszwecke ziehen die Wirtschaft nach unten.»

Die schwächere Entwicklung 2025/26 ist keineswegs ausschliesslich eine Folge von Sanktionen und Kriegskosten. Die russische Zentralbank betrieb bewusst eine sehr restriktive Geldpolitik, um eine überhitzte Wirtschaft und Inflation abzukühlen. Selbst SIPRI beschreibt die Straffung ausdrücklich als Versuch, die zuvor überhitzte Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. So viel zum «Strohfeuer»; damit wäre ein Student bereits in ernsthaften Schwierigkeiten.

Mit dem nächsten Schnitzer wäre er dann disqualifiziert: «Dabei wird häufig auch betont, dass die offiziellen Statistiken die Einkommenssituation der breiten Bevölkerung beschönigten, weil die Inflation zu niedrig ausgewiesen sei.» Von wem? Aufgrund welcher alternativen Messung? Um wie viele Prozentpunkte?

Kann man die Behauptung ernst nehmen: die offiziellen Zahlen sind falsch, weil sie offiziell sind? Sicherlich kann man seit Kriegsbeginn Staatsstatistiken mit Misstrauen begegnen. Aber das ersetzt keine alternative Messung.

Mit der anschliessenden Argumentationskette würde sich ein Student der Frage nähern, ob er nicht vielleicht an einen Berufswechsel denken möchte. Zum Beispiel Taxifahrer oder Kellner. Denn es folgt reine Spekulation: Wirtschaftliche Schwäche → sinkende Realeinkommen → Unzufriedenheit → Proteste → Putin bekommt Angst → Putin macht Zugeständnisse.

Nachweise, empirische Belege? Ach was, wozu auch. Aber wir haben den Höhepunkt der Behauptungen noch nicht erreicht. Der folgt am Schluss: «Mit jedem weiteren Kriegsjahr verliert Russland an internationalem Gewicht.» Selbst wenn man die schwächelnden vorherigen Behauptungen zum Nennwert nähme: diese Aussage folgt keineswegs zwingend aus ihnen.

Noch viel weniger: «Die Zeit arbeitet gegen den Kreml.» Das ist keine ökonomische Feststellung, sondern eine Prognose; da sie ohne Fundament dasteht, ist es ein Blick in die Glaskugel. Aber es wird noch schlimmer:

«Strategische Geduld zahlt sich für die Unterstützer der Ukraine aus.»

Dafür hätte der Artikel eine Vergleichsrechnung vornehmen müssen. Dass Russland Kosten erleidet, keine Frage. Aber die Frage, die zu beantworten wäre: erodiert Russlands Fähigkeit und Bereitschaft, diese Kosten zu tragen, schneller als diejenige der Ukraine und ihrer Unterstützer?

Um das zu behaupten, hätte der Artikel genau diese Frage untersuchen müssen. Tut er aber nicht.

Nun sollten Professoren eigentlich Vorbilder für ihre Studenten sein. Oder wollte Oechslin pädagogisch wertvoll ein Beispiel geben, wie man eine Analyse in den Sand setzt? So als Seminaraufgabe: wer findet alle Fehler?

Das wäre denkbar, aber auch diese These kann leider nicht belegt oder bewiesen werden. Also bleibt die Vermutung: unwissenschaftliches Geschwurbel, mit dem jeder Student scheitern würde.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-29-um-13.55.27.png 472 1153 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-02 05:00:272026-09-29 14:33:44Professorales Geschwurbel
René Zeyer

Wird die Waffe stumpf?

14. Juli 2024/0 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Fall Lena Schilling ist mehr als eine Wiener Hofintrige.

Die 23-Jährige gilt als die grosse grüne Hoffnung in Österreich. Jung, attraktiv, nicht auf den Mund gefallen. Sie hat allerdings auch ein loses Mundwerk.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

  • Twint
  • Mastercard
  • Visa
  • Amex
  • PayPal

Über ein ehemals befreundetes Ehepaar schnödete sie, der Gatte sei gegenüber seiner Frau gewalttätig geworden, die habe dann eine Fehlgeburt erlitten. Nur: reine bösartige Fantasie. Unterlassungserklärung.

Noch schlimmer erwischte es sie bezüglich des ORF-Moderators Martin Thür. Während des Europa-Wahlkampfes wand sich Schilling noch schlangenartig um die Wahrheit herum. Unter dem Damoklesschwert einer Klage kroch sie dann zum Notar und gab eine Erklärung ab: sie habe zwar «gegenüber Dritten den falschen Eindruck erweckt, ich hätte mit Martin Thür ein Verhältnis gehabt». In Wirklichkeit sei sie aber weder persönlich noch digital mit ihm bekannt.

Ist das peinlich. Auch ihre Behauptung, ein anderer Moderator habe sie belästigt, musste sie bereits per Unterlassungserklärung zurücknehmen. Auch ihre Verleumdung des Ehepaars darf sie nicht wiederholen.

Nun kann das – unabhängig von Parteizugehörigkeit und Alter – einfach eine Person sein, die ein notorisch gestörtes Verhältnis zur Wahrheit hat. Auf der anderen Seite sind solche Vorwürfe durchaus geeignet, Karrieren zu vernichten oder Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, in ernste Bedrängnis zu bringen.

Selten ist es so eindeutig wie hier, dass die Verbreiterin von Lügen öffentlich einknicken muss.

Denn das Opfer solcher Behauptungen steht nicht nur am öffentlichen Pranger. Es muss auch beweisen, dass etwas nicht passiert ist, es gilt die Schuldvermutung. Besonders übel ist das, wie im Fall der 76 erregten Tamedia-Frauen, wenn anonymisierte, zeitlich nicht verortete Behauptungen aufgestellt werden. Ob da wirklich ein Mann irgendwann und irgendwo etwas Abschätziges oder Anzügliches gesagt hat oder nicht – unmöglich, das zu verifizieren oder zu falsifizieren.

Selbstverständlich gibt es auch und gerade am Arbeitsplatz übergriffiges Verhalten. Da sich der Vorwurf aber immer mehr in eine Waffe verwandelt hat, mit der eine Karriere beendet, eine soziale Existenz vernichtet, die Reputation eines Menschen schwer beschädigt werden kann, ist es mehr als stossend, dass das bislang in keinem Fall strafrechtliche oder zivilrechtliche Konsequenzen hatte.

Keine der Tamedia-Frauen wurde für ihr verbal übergriffiges Verhalten zur Verantwortung gezogen, mit dem sie wirklichen Opfern sexueller Attacken einen Bärendienst geleistet hatten.

Auch Schilling ist bislang nur der Peinlichkeit ausgesetzt, ihre diversen Lügenmärchen öffentlich dementieren zu müssen. Während ihr zuvor ihre Partei (und viele Kampffeministinnen) beiseite standen und entsprechende Recherchen österreichischer Medien als üble Schmutzkampagne sexistischer Männer verschrien.

Hier solle ein Opfer nochmals fertiggemacht werden, so der Tenor.

Nun herrscht allgemeines «reden wir nicht mehr drüber, Fall erledigt».

Auch in der Schweiz gibt es den Fall einer Betreiberin einer sogenannten Finanzplattform für Frauen, der jedes Mittel recht ist, in die Öffentlichkeit zu kommen. Auch sie behauptete, vor vielen Jahren Opfer einer sexuellen Attacke geworden zu sein. Ein Arbeitskollege habe sie in einen Raum gedrängt und dort zu küssen versucht, was sie körperlich abwehren musste. So ihre Erzählung. Der Gutmenschenfunk SRF untersuchte den Vorwurf, soweit sich ein dermassen lang zurückliegendes Geschehen überhaupt untersuchen liess.

Resultat: nichts dran, keine Belege, keine Indizien vorhanden, nichts erurierbar. Gewaltiger Gap zwischen Behauptung und Wirklichkeit. Die Dame tat dann befremdet, behauptete, sie zweifle an der Objektivität der Untersuchung und werde dem nachgehen. Anschliessend herrschte auch hier das übliche «reden wir nicht mehr davon».

Zuvor hatte die verzweifelt nach Aufmerksamkeit gierende Frau auf Instagram behauptet: «Redaktor versucht, mich als junge Praktikantin zu küssen. Muss mich körperlich wehren. Er versucht es genau gleich bei der nächsten Praktikantin. Er sitzt immer noch in Leitungsfunktion beim SRF».

Resultat: «Laut Untersuchungsbericht konnte die externe Fachstelle aufgrund der widersprüchlichen Aussagen der Befragten nicht abschliessend klären, wie sich das damalige Treffen vor 20 Jahren abgespielt hat und wie es überhaupt dazu gekommen ist», schrieb SRF. Bei der Befragung habe sich zudem herausgestellt, dass sich der Vorfall nicht am Arbeitsplatz ereignet habe.»

Nebenresultat: es meldeten sich fünf weitere Mitarbeiter, die diesem Kadermann ungebührliches Verhalten (nicht auf sexuellem Gebiet) vorwarfen. Daraufhin verliess er, der niemals persönlich mit auch nur einem Vorwurf konfrontiert worden war, frustriert SRF.

Die Frau mopste nach: «Ich gehe von schweren Verfahrensmängeln bei der Untersuchung aus und habe bereits ein Gesuch um Akteneinsicht gestellt, um den Bericht und das Verfahren juristisch prüfen zu lassen.» Ergebnis der «Prüfung»: unbekannt.

Was es hier dringend braucht, ist eine Schärfung des Straftatbestands der üblen Nachrede, Verleumdung, Persönlichkeitsverletzung. Denn es kann ja nicht sein, dass neben berechtigten Klagen Trittbrettfahrerinnen die Keule «sexuelle Belästigung» ungestraft schwingen – und wenn sich herausstellt, dass alles nur erfunden war, einfach «Schwamm drüber» sagen dürfen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/07/Bildschirmfoto-2024-07-12-um-08.24.41-e1720765513906.png 558 717 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-07-14 05:30:162024-07-13 11:30:06Wird die Waffe stumpf?

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
© Copyright - Zackbum | Webdesign: 60francs.ch |  info@zackbum.ch | Datenschutz |  Impressum
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen
Unsere Website verwendet Cookies zur besseren Bedienbarkeit. Durch Ihre Nutzung unserer Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.