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«Blick»-Mitarbeiter, fürchtet Euch

CEO Marc Walder übt sich im Doublespeak nach Orwell.

Der Umsatz schrumpfte um 13 Prozent auf nur noch 800 Millionen. Der Digital-Anteil am Geschäft ging von zwar beeindruckenden 83 auf 82 Prozent zurück. Walder: «Der Online-Werbemarkt ist nicht mehr gewachsen.» Dabei wächst er weltweit mit zweistelligen Raten, letztes Jahr um über 15 Prozent.

2024 wurden 500 Mitarbeiter entsorgt. Walder verkündete nur den «operativen Gewinn», was davon als eigentlicher Profit übrigbleibt, ist Geschäftsgeheimnis. Auch das kann er knapp schönreden: das Ergebnis sei «gut und zufriedenstellend». Jubel hört sich anders an.

Es habe halt «Portfolio-Bereinigungen» gegeben, Doublespeak für die Schliessung der letzten Druckerei und den Abschied vom Flop «meindeal». Der Zusammenschluss mit Tx bei den Verkaufs- und Handelsplattformen spülte einen noch nicht realisierten Gewinn bei einem möglichen Börsengang in die Kasse. Ob und wann der stattfindet?

Sobald die Platzhirsche Google, Facebook und Amazon ernsthaft in der Schweiz in diesen Markt eindringen, wird das wie Eis an der Sonne schmelzen. Die kassieren bereits heute mehr als 80 Prozent vom Online-Werbekuchen. Dank eines jahrelangen Versagens der Verlagsmanager. Und wer sucht, geht immer auf die grösste Plattform, nicht auf die kleinen Brüder und Schwestern.

Apropos, wer meint, mit dem Trio Ladina Heimgartner, Marc Walder und einem «wie heisst er doch gleich»-«Blick»-Oberofficer für die Zukunft gut aufgestellt zu sein: viel Glück!

Knüppeldick kommt es aber mal wieder für die vermeintlich so glückliche «Blick»-Familie. Das Bezahlmodell «Blick+» plusst überhaupt nicht. Nach einer völlig verunglückten Werbekampagne, die immerhin für Heiterkeit sorgte. Rund 25’000 Abonnenten werden eingestanden, mehr als ein «Ok-Wert» fällt dazu selbst Walder nicht ein.

Dabei ist es nicht klar, wie viele Schnupper-, Gratis- und Kurzzeit-Abos mitgezählt werden.

Dann kommen wir zum Spassfaktor. «Über die vergangenen Jahre sind mehrere Hundert Millionen an klassischem Medienumsatz weggebrochen», jammert Walder, als sei ihm diese Erkenntnis erst neulich gekommen. Aber Ringier bekenne sich sich weiterhin zu einem «qualitativ hochwertigen Journalismus». Auch VR-Präsident Michael Ringier, der trotz fortgeschrittenen Alters (76) sich nicht traut, Walder als seinen Nachfolger zu inthronisieren, behauptet: «Wir sehen einen steigenden Bedarf an gutem Journalismus als Chance

Der Bedarf ist tatsächlich da. Die Ausnützung dieser Chance zeigt die «Blick»-Familie auf allen Kanälen täglich und wöchentlich. Ein enteierter Boulevard, der weiblicher und runder werden will. Was allerdings nur zu einem Regenrohr in den verunstalteten neuen Kasten-Logos geführt hat. Wie viel Schnauf Ringier da hat, zeigte sich auch im Flop «Blick TV».

Das regelmässige Feuern des «Chief Content Officer» und der Aufbau einer amüsanten Riege von Officers, Chiefs, Heads of und Heads off, bei denen niemand mehr weiss, wer wofür zuständig ist, trägt auch nicht zur qualitativen Verbesserung bei. Das Fehlen eines Chefredaktors wie Christian Dorer, der ganz übel entsorgt wurde (und seither gibt es seinen Titel nicht mehr), ein gravierender Fehler.

Nun soll ausgerechnet mit dem Einsatz von KI «mehr Tiefe im Journalismus» erreicht werden. Kleiner Denkfehler: chatgpt und Co. kann inzwischen fast jeder selbst bedienen. Der Unterschied zu dem, was ein Kindersoldat im Newsroom in seiner Verrichtungsbox daraus macht, ist nicht sichtbar.

Grosser Fehler: «Blick» & Co. haben keine USP mehr, kein übergreifendes Konzept, keine Richtung, keine erkennbare Position, keine Mission. Was sich nicht zuletzt in einem Niedergang der Zahl der online-User niederschlägt. Kam der «Blick» mal auf Augenhöhe mit «20 Minuten», ist er inzwischen wieder abgeschlagen.

Und die Print-Auflage beträgt laut letzten Zahlen kümmerliche 73’869 Exemplare. Wie viele davon tatsächlich verkauft werden, ist ebenfalls Betriebsgeheimnis.

Online 25’000 wie auch immer geartete Abos seit dem Start 2023. Bei 800’000 täglichen Nutzern sind das aufgerundet 3,13 Prozent. Darauf kann man eine solide Zukunft bauen. Ganz abgesehen davon, dass alle Leser sauer gemacht werden, die einen «Blick+»-Artikel mangels Abo nicht zu sehen kriegen.

Also in einem Satz: Blickler, fürchtet Euch. Oder eher: ihr 6000 übrig gebliebenen Ringier-Mitarbeiter, fürchtet Euch. Viele werden es nicht zur ersehnten Frühpensionierung schaffen. Und wohin dann?

Oder in Umformulierung des bescheuerten Slogans «Ich bin dabei»: «Ich war dabei.»

«Republik» rechnet

Es darf gelacht werden, denn Zahlen sind Feinde, so wie die Wirklichkeit.

Es ist halt schon dumm, dass der Aufenthalt in der gemütlichen Gesinnungsblase von fast 50 Nasen viele Millionen kostet. Denn ob sie etwas leisten oder nicht, wenn etwas sicher ist, dann das Gehalt.

Nun berichtet die «Republik» mal wieder über «die wichtigsten Zahlen». Packungsbeilage: es darf gelacht werden, verstehen muss das aber niemand:

«3,5 Millionen Franken: Der Umsatz, den wir kumuliert bis Ende Januar erreichen müssen, um Kürzungen im laufenden Geschäfts­jahr zu vermeiden.
1,8 Millionen Franken: Der Umsatz, den wir kumuliert von Juli bis Ende November erreicht haben.

Mal schauen, wie weit ZACKBUM, die Gratis-Postille mit einem gleich hohen Output wie die «Republik»,  beim Versuch kommt, das zu verstehen.

Also, von Juli bis Ende November, das sind fünf Monate, wurde ein kumulierter Umsatz von 1,8 Millionen Franken erzielt. Das sind pro Monat, Moment, 360’000 Franken. Nun müssen angeblich von Dezember bis Ende Januar 3,5 Millionen Umsatz geschafft werden. Oder von Juli bis Januar, das ist nicht so ganz klar.

Aber nehmen wir doch hoffnungsfroh an, dass es sich um insgesamt 7 Monate handelt. Nun sind 3,5 Millionen das Ziel, minus 1,8 Millionen, das bislang Erreichte, nach Adam Riese 1,7 Millionen. Das bedeutet, dass in den zwei verbleibenden Monaten haargenau zweimal 850’000 Franken Umsatz gemacht werden müsste. Mehr als das Doppelte des bislang erzielten Umsatzes.

Ähm.

«Allein im Dezember und im Januar steht für mehr als 7000 Verleger die Erneuerung ihrer Mitgliedschaft an – das ist ein Viertel von Ihnen! Entschliessen Sie sich alle, an Bord zu bleiben, wären das über 1,5 Millionen Umsatz.»

Ähm.

Also wenn sich alle 7000 Verleger entscheiden würden, «an Bord» zu bleiben, fehlten immer noch 200’000 Franken in der Kasse. Wobei eine Erneuerung aller Abos in der Höhe von 240 Franken nicht 1,5 Millionen Umsatz wäre, sondern 1,68 Millionen. Ausser, eine grössere Anzahl profitiert von einer der vielen Rabattmöglichkeiten. Ausserdem ist auch nicht bekannt, wie viele Monatsabos denn so abgeschlossen werden.

Ähm.

Aber keine Bange: «77 Prozent: Die durch­schnittliche Erneuerungs­rate seit Beginn des Geschäfts­jahres im Juli. Sie ist um 2 Prozent­punkte höher als in vorherigen Jahren, was zum Jahresende einen wichtigen Unterschied machen kann.
Damit sind wir auf dem geplanten Kurs.»

Ähm.

77 Prozent von 7000 sind 5’390. Wenn also so viele ihr Abo erneuern und alle die volle Jahresgebühr zahlen, sind das haargenau 1’293’600 Franken. Also fehlten dann rund 400’000 zum Ziel. Auf dem geplanten Kurs in den Konkurs?

Ähm.

Jedes normale Unternehmen, das nicht auf die tiefen Taschen zweier reicher Erben und die Spendenfreudigkeit von Sympathisanten zählen kann, wenn es mal wieder mit Selbstmord droht, würde bei solchen Zahlen ernsthaft an zwei Dinge denken.

Entweder, die Ausgaben endlich mal den Einnahmen anzupassen. Oder aber, das ganze Unternehmen, ohnehin eigentlich überschuldet, einzustellen. Hat der «Kosmos» doch schliesslich auch gemacht.

Der Unterschied ist allerdings: den Betreibern des «Kosmos» waren die 72 Angestellten, die damit ihren Job verloren, schlichtweg scheissegal. Bei der «Republik» sind die Angestellten die wichtigsten Shareholder und kämen nie im Traum auf die Idee, ihre üppigen Gehälter zu kürzen oder gar das Hausen in der warmen Gesinnungsblase im Rothaus aufzugeben.

Aber immerhin, wenn sie Zahlenakrobatik betreiben, darf laut gelacht werden. Und lachen ist nicht nur gesund, sondern richtig hilfreich in diesen trüben Zeiten.