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Ukrainer welcome

Oder doch nicht? Sascha Britsko weiss es besser.

Die gebürtige Ukrainerin arbeitet als Reporterin beim Tagi. Das ist legal und ein schönes Beispiel gelungener Integration. Gut auch, dass in der Schweiz weitgehend Meinungsfreiheit herrscht, von der Britsko reichlich Gebrauch macht. Die allerdings in ihrer Heimat nicht existiert.

Sie ist aber schon mehrfach verhaltensauffällig geworden. Indem sie negative und stossende Auswirkungen der Massenflucht von Ukrainern in die Schweiz ausblendet, die hier vom Schutzstatus S profitieren. Dadurch geniessen sie diverse Privilegien (Arbeitsbewilligung, Unterstützung durch das RAV, Ausreise für Ferien in der Ukraine, was vor Kriegsgefahr Flüchtende normalerweise eher nicht tun).

Allerdings ist die Erwerbsquote mit knapp 37 Prozent bei den ungefähr 70’000 in der Schweiz lebenden Ukrainern unterdurchschnittlich tief, alle Integrationsmassnahmen haben nicht die gewünschten Ziele erreicht. Da gibt es offensichtlich ein Problem.

Das sieht Britsko anders: «Doch was nach Kontrolle und Härte aussieht, ist bei genauerer Betrachtung reine Symbolpolitik. Ein Manöver, das kein Problem löst, sondern es nur von einem System ins andere verlagert.» Ihr Kommentar zum Versuch, der zunehmenden Kritik am Verhalten von Exil-Ukrainern mit schärferen Massnahmen gegen den Missbrauch des Schutzstatus S zu begegnen.

Indem genauer überprüft wird – wie bei jedem Flüchtling –, dass nur noch dann dieser Schutzstatus gewährt wird, wenn der Gesuchsteller aus «unsicheren Gebieten» in der Ukraine kommt.

Das findet Britsko empörend: «Statt eines schnellen, unbürokratischen Verfahrens beginnt ein monate-, wenn nicht jahrelanges teures Asylverfahren, das am Ende womöglich auch noch das Bundesverwaltungsgericht beschäftigt.»

Sie bezeichnet es als «Illusion», dass die Schweiz nur noch – von ihr in Anführungszeichen gesetzte – «richtige» Flüchtlinge aufnehmen will. Also wäre es besser, nicht zwischen richtigen, die Asyl verdienen, und falschen zu unterscheiden. Wohin eine solche Politik führt (Merkel: «Wir schaffen das»), das zeigt sich in Deutschland in aller Schärfe. Und dabei nimmt die Schweiz, prozentual auf die Einwohnerzahl umgerechnet, viel mehr Asylanten auf als der grosse Kanton im Norden.

Zum Schluss schwingt sie sich zu einer Behauptung auf, die zumindest gelinde Zweifel erweckt, ob ihr rechtsstaatliche Prinzipien vertraut sind:

«Wir schaffen Rechtsunsicherheit für Geflüchtete und einen administrativen Mehraufwand für uns selbst. Das ist keine Steuerung. Das ist die organisierte Verwaltung von Absurdität

Was meint sie mit «Rechtsunsicherheit»? Die soll durch die Anwendung gültiger Regeln und Gesetze entstehen?

Sie wiederholt sich, ZACKBUM muss sich auch wiederholen:

Es sei ihr unbenommen, immer wieder eine Lanze für ihre Landsgenossen zu brechen und völlig einseitig zu berichten. Wieso aber Tamedia – als angebliche Qualität- und Podiumszeitung – kein Gegensteuer gibt oder die Mitarbeiterin auffordert, vielleicht auch weniger positive Seiten der ukrainischen Flüchtlinge in einem ausgewogenen Artikel darzustellen – was für ein Elend.

Denn eigentlich ist es ganz einfach und leicht zu verstehen: Wer Rechte in Anspruch nimmt, hat auch Pflichten. Wer dem Schweizer Steuerzahler zur Last fällt, hat Rechenschaft abzulegen und muss sich Prüfungen seiner Berechtigung unterziehen.

Im Rahmen der Meinungsfreiheit darf Britsko natürlich immer wieder die gleiche Suada schreiben. Dass in der angeblichen Podiumszeitung mit Kopfblättersalat von Tamedia niemand wagt, ihr Kontra zu geben, dass man ihre Meinung unwidersprochen und zum Unbehagen vieler Leser einfach so stehen lässt: das ist ein Beitrag zu echter Leser-Blatt-Bindung.

Oder weniger vornehm ausgedrückt: Leserverarschung.

Wiederholungstäter

Ukrainerinnen wollen, dürfen aber nicht.

Der «Tages-Anzeiger» ist auf einem pädagogisch-didaktischen Feldzug. Denn es gibt doch tatsächlich Stimmen (allerdings vornehmlich aus dem rechtspopulistischen Nationalistenlager), die etwas gegen den Sonderstatus S der rund 70’000 in die Schweiz geflüchteten Ukrainer haben.

Von den 70’000 sind Tausende im wehrfähigen und 40’000 im erwerbsfähigen Alter. Allerdings drücken sich alle vor der Vaterlandsverteidigung, und lediglich rund 20 Prozent haben es geschafft, einen eigenen Beitrag zum Lebensunterhalt zu leisten und nicht dem Schweizer Steuerzahler auf der Tasche zu liegen.

Gegen übellaunige Kritik daran ist der Tagi auf dem Kriegspfad. Bereits hat er vier Erfolgsstorys veröffentlicht. Lustigerweise hat die Autorin nur Ukrainerinnen gefunden; ist das wohl eine implizite Kritik, dass Ukrainer arbeitsscheu sind?

Wie auch immer, was ist besser als ein Jubelartikel über arbeitswillige Ukrainerinnen? Genau, zwei Jubelartikel über arbeitswillige Ukrainerinnen.

Um das zu stemmen, hat Sascha Britsko sich der Hilfe von Charlotte Walser versichert, denn sonst wäre es wohl zu aufwendig geworden, zwei weitere Ukrainerinnen aufzutreiben. Was nach dem ersten Artikel noch ein blosser Verdacht war, verdichtet sich zur Gewissheit: ukrainische Männer sind arbeitsscheu, oder zumindest publizitätsscheu. Und Britsko samt Walser gehen langsam die Beispiele aus.

Diesmal porträtieren sie eine Ukrainerin, die bereits 250 Bewerbungen geschrieben habe – vergeblich. Aber sie «lässt den Kopf nicht hängen». Und sie ist nur ein Beispiel unter vielen: «So wie Zofia Koltun geht es vielen Ukrainerinnen und Ukrainern in der Schweiz. Zurzeit arbeiten nur knapp 24 Prozent der Geflüchteten mit S-Status im erwerbsfähigen Alter.» Ein einziges Beispiel, dann sofort der Aufschwung ins Allgemeine.

Dann sogleich das Gegenbeispiel:

«Viktoriya Plyeshakova muss sich darüber keine Gedanken machen. Sie muss auch keine Bewerbungen schreiben.
Ihr letzter Patient an diesem Tag ist ein Kind: ein Junge aus einem ukrainischen Waisenhaus, der an heftigen Zahnschmerzen leidet. Für das Wort «Waisenhaus» benötigt Plyeshakova die Übersetzungsapp – das einzige Mal in diesem Gespräch. Die 39-Jährige kann sich problemlos auf Deutsch verständigen. Und sie arbeitet in ihrem in der Ukraine erlernten Beruf als Zahnärztin.»

Auch hier sogleich die Verallgemeinerung: «Was Viktoriya Plyeshakova geschafft hat, wünschen sich viele ukrainische Geflüchtete. Die allermeisten wollten arbeiten, sagt sie. «Wir sitzen nicht gern herum.» Aber es sei sehr schwierig, in der Schweiz eine Stelle zu finden.»

Noch mal ganz langsam zum Mitschreiben. Wenn es der Tagi als seine Aufgabe ansehen würde, Expeditionen in die Wirklichkeit zu unternehmen, dann müsste er vielleicht ein Mü mehr über nicht-arbeitende Ukrainer schreiben als über arbeitstätige. Wenn zwei weibliche Autoren zur Kenntnis nehmen könnten, dass es auch viele männliche Ukrainer in der Schweiz gibt, die null in den Porträts vertreten sind, wäre die Berichterstattung auch wirklichkeitsnäher.

So aber ist es reiner Belehrung- und Erziehungsjournalismus, geschrieben aus einer luftdicht von der Realität abgeschotteten Gesinnungsblase. Hier soll der der Leser nicht informiert, sondern erzogen werden. Hier werden nebenbei noch die Kritiker an den 80 Prozent Arbeitsunwilligen abgewatscht, in erster Linie natürlich die SVP.

Wie an einer funktionierenden Qualitätskontrolle vorbei ein zweiter Artikel mit fast identischem Inhalt durchflutschen kann, ist völlig unverständlich.

Dass es mit der Restaurantkritik im Argen liegt, nun ja, muss ja nicht zur Kernkompetenz des Nutella-Tagi gehören. Aber so etwas?

Wieso sind die Redaktorinnen nicht einfach ehrlich und schreiben: lieber Leser, solltest Du zu den Wählern der grössten Partei der Schweiz gehören, solltest Du dummerweise etwas am Verhalten der Ukrainer in der Schweiz auszusetzen haben, dann nimm zur Kenntnis: Du liegst falsch. Du bist ein rechtspopulistischer Depp. Am besten verpisst Du Dich hier und lässt uns in Ruhe unseren Gesinnungsbrei anrühren.

Und da soll noch einer sagen, die Probleme der Medien seien nicht vorwiegend hausgemacht.