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Schlagwortarchiv für: UBS

René Zeyer

Finanzkunde für Anfänger

7. Oktober 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

16 Milliarden für das Ja der UBS.

Die offizielle Erzählung war bislang einfach: Die Credit Suisse musste gerettet werden, der Staat sprang ein, dadurch wurde ein sogenanntes «Viability Event» ausgelöst – und die FINMA durfte AT1-Anleihen im Umfang von rund 16,5 Milliarden Franken auf null setzen.

Additional Tier 1 Convertible Bonds sollen ein Eigenkapitalpuffer sein und können unter genau definierten Umständen abgeschrieben oder in Aktien gewandelt werden.

Nur: Die Dokumente erzählen eine kompliziertere Geschichte.

Die UBS wollte die Credit Suisse zunächst nur mit einer vollständigen Staatsgarantie übernehmen. Finanzministerin Karin Keller-Sutter lehnte das ab. Schliesslich erhielt die UBS eine begrenzte Verlustgarantie über neun Milliarden Franken.

Und noch etwas: Die AT1-Anleihen verschwanden.

Das war offenbar kein zufälliger Nebeneffekt. Bereits in den revidierten Forderungen der UBS vom 16. März 2023 tauchte die AT1-Abschreibung auf. Am 18. März wurde der FINMA-Verwaltungsrat informiert, dass sie ein notwendiger und nicht verhandelbarer Bestandteil der UBS-Transaktion sei.

Noch deutlicher wurde die parlamentarische Untersuchungskommission: Sie hielt es für glaubwürdig, dass die UBS die Credit Suisse ohne die Vernichtung der AT1-Anleihen nur gegen wesentlich höhere Bundesgarantien übernommen hätte.

Das lässt die Abschreibung in einem anderen Licht erscheinen. Sie rettete nicht einfach die Credit Suisse. Sie half auch dabei, der UBS den Deal schmackhaft zu machen.

Von besonderer Bedeutung ist die bislang wenig beachtete Position der Credit Suisse selbst.

Am 19. März 2023 um 16.24 Uhr, also noch vor der Abschreibungsverfügung, widersprach die CS gegenüber der FINMA ausdrücklich der Auffassung, dass der vertragliche Auslöser für eine Abschreibung eingetreten sei.

Ihre Argumentation war grundsätzlich: Die staatlichen Massnahmen dienten der Behebung eines Liquiditätsproblems, nicht eines Mangels an Eigenkapital. Die Bank sei also nicht wegen unzureichender Kapitalisierung gerettet worden. Genau diese Unterscheidung wurde später auch für das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts entscheidend.

Noch explosiver war die wirtschaftliche Einschätzung der Credit Suisse. Das durch die Abschreibung entstehende zusätzliche Eigenkapital sei in der Bewertung der Übernahme nicht berücksichtigt. Die Vernichtung der AT1-Forderungen bedeute deshalb nach Einschätzung der CS

«ein Geschenk von ca. CHF 16 Mrd. an die Aktionäre der übernehmenden Partei».

Damit stammt der Vorwurf, die UBS habe durch die AT1-Abschreibung wirtschaftlich profitiert, nicht erst von geschädigten Investoren oder deren Anwälten. Die Credit Suisse selbst warnte davor – bevor die Anleihen vernichtet wurden.

Die FINMA liess sich nicht beeindrucken. Um 18.24 Uhr kündigte sie an, die Abschreibung nötigenfalls anzuordnen. Um 20 Uhr trat der neu geschaffene Artikel 5a der Notverordnung in Kraft, der der FINMA eine entsprechende Befugnis gab. Um 22.01 Uhr wurde die Verfügung zugestellt.

Und dann kam das Bundesverwaltungsgericht.

Es entschied 2025, dass weder der vertragliche Auslöser noch eine ausreichende gesetzliche Grundlage für die Abschreibung vorhanden gewesen seien. Auch Artikel 5a genügte nach Auffassung des Gerichts den verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht. Das Urteil ist allerdings angefochten und damit noch nicht rechtskräftig.

Die zentrale Frage: Kam zuerst das Recht – oder zuerst das gewünschte Ergebnis?

In einem Rechtsstaat müsste die Reihenfolge eigentlich lauten: Zuerst gibt es eine Rechtsgrundlage, dann tritt der darin definierte Tatbestand ein, daraus folgt die Rechtsfolge.

Bei den AT1-Anleihen lief es möglicherweise umgekehrt: Zuerst stand das gewünschte Ergebnis fest – die UBS übernimmt die Credit Suisse, aber nur zu akzeptablen Risiken. Dafür mussten 16,5 Milliarden Franken irgendwo verschwinden.

Sie verschwanden bei den AT1-Investoren.

AT1-Anleihen sind ausdrücklich dafür konstruiert, unter vertraglich genau definierten Bedingungen Verluste zu absorbieren. Dass ihre Abschreibung eine Übernahme erleichtert oder für den Käufer attraktiver macht, ist dagegen kein vertraglicher Abschreibungsgrund.

Daher liefen am Rettungswochenende zwei verschiedene Ebenen zusammen: Einerseits musste die Schweiz die UBS dazu bringen, die Credit Suisse zu übernehmen. Andererseits brauchte die Vernichtung von 16,5 Milliarden Franken privater Forderungen eine rechtliche Grundlage.

Wurden die AT1-Anleihen abgeschrieben, weil die zuvor festgelegten rechtlichen und vertraglichen Voraussetzungen tatsächlich eingetreten waren? Oder stand das gewünschte Ergebnis – die Übernahme der CS durch die UBS zu akzeptablen Bedingungen – bereits fest, und erst danach wurde nach einer Rechtsgrundlage gesucht, mit der sich die Vernichtung der Anleihen rechtfertigen liess?

Das Bundesverwaltungsgericht sagt bislang: So geht das nicht.

____

Der Artikel basiert auf «Der Preis für das Ja der UBS» des Botschafters und Rechtsanwalts Dario Item auf antigua.news.

Er erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-09-30-um-13.14.44.png 510 1427 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-07 05:00:592026-09-30 13:16:05Finanzkunde für Anfänger
René Zeyer

«Weltwoche» und Putin

5. Oktober 2026/15 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wenn schon Irrtum, dann richtig.

Die Unfähigkeit der «Weltwoche», den Kreml-Herrscher zu begreifen oder seine Absichten zu verstehen, hat eine lange Geschichte.

Ausgerechnet an dem Tag, an dem Putin in die Ukraine einmarschieren liess, publizierte die «Weltwoche» die Titelstory «Der Missverstandene». So nach der Devise «er will doch nur spielen».

Das erinnerte fatal an «La crise n’existe pas», eine Jubelgeschichte über «UBS und CS wieder auf dem Vormarsch», publiziert ausgerechnet an dem Tag, als die UBS zu Kreuze kriechen und Staatshilfe erbetteln musste.

Neben dem Autor und regelmässigen Mitarbeiter von «Russia Today» Thomas Fasbender widmeten sich ganze sieben Artikel dem grossen Missverstandenen im Kreml. In einer «Kleinen Psychologie der Putin-Kritik» versteigt sich Hobby-Historiker Roger Köppel von einem schrägen historischen Vergleich zu einer Abrechnung zwischen «Tradition, Familie, Patriotismus, Krieg, Religion, Männlichkeit, Militär, Machtpolitik und nationale Interessen», verkörpert durch Putin.

Der sei eine «wandelnde Kriegserklärung an den Zeitgeist, an die «Woke»- und «Cancel-Culture», der unsere Intellektuellen und viele unserer Politiker so inbrünstig huldigen». Also kurz, er entlarve «den hohlen Moralismus seiner Gegner. Und die Dekadenz des Westens.» Der gesunde Naturbursche Putin, der sich gerne mit nacktem Oberkörper auf dem Pferd präsentiert, als Gegenbild zum verweichlichten westlichen Intellektuellen, der unter Bedenkenträgerei fast zusammenbricht.

Das war vielleicht peinlich. Wird aber konsequent weitergeführt. Auch nachdem die nur wenige Tage dauernde «militärische Spezialoperation» zu einem jahrelangen Abnützungskrieg mit Zehntausenden von Toten und immensen materiellen Schäden auf beiden Seiten geworden ist.

Aktuell warnt Köppel immer verzweifelter vor einem möglichen Krieg in Europa. Woran, wenn es denn stattfinden sollte, einer nicht schuld ist. Der Friedensfürst im Kreml.

Der wird wieder mal absichtlich missverstanden, dabei sagt er doch glasklar, laut WeWo:

«Viele Menschen in Europa, so Putin, sagten inzwischen, sie erwarteten einen Angriff Russlands und müssten sich deshalb auf Kampfhandlungen und einen Krieg mit Russland vorbereiten. Genau dieser Darstellung widersprach der russische Präsident ausdrücklich.

«Ich möchte noch einmal betonen, dass wir uns nicht auf Kampfhandlungen mit Europa vorbereiten», sagte Putin. «Wir haben keine derartigen Pläne, keine Gründe dafür und vor allem keine wirklichen Motive, die Lage mit Europa zu verschärfen – unabhängig davon, was gesagt wird, auch von den baltischen Staaten.»»

Das entlarvt natürlich alle gegenteiligen Befürchtungen als typische Propagandalüge, ja Kriegshetze des Westens.

Denn niemals nicht macht die ehrliche Haut in Moskau das Gegenteil von dem, was er sagt. Das beweisen seine treuherzigen Ankündigungen vor seiner Invasion der Ukraine.

Noch im Dezember 2021 behauptete er, «wir bedrohen niemanden». Noch am 15. Februar 2022, neun Tage vor dem Angriff, antwortete er auf die Frage, ob es Krieg geben würde: «Wollen wir einen Krieg oder nicht? Natürlich nicht.»

Am 20. Februar 2022, vier Tage vor Kriegsbeginn, sagte der russische Botschafter in Washington Anatoli Antonow: «Es gibt keine Invasion, und es gibt auch keine solchen Pläne.»

Bei solch tiefer Wahrheitsliebe ist es völlig klar, dass man auch heute seine Beteuerungen, dass keine Mauer gebaut werde, Pardon, dass sich Russland auf keine Kampfhandlungen gegen Europa vorbereite, unbedingt Glauben schenken sollte.

All die kleineren oder grösseren Provokationen, die Behauptung Deutschlands, Russland stecke hinter dem missglückten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig, das sind westliche Propagandalügen, gegen die sich der grosse Missverstandene zu wehren versucht.

Schön, dass es wenigstens ein Organ gibt, das ihm Gerechtigkeit widerfahren lässt. Eigentlich sollte die WeWo all diese unzähligen Gegen-den-Strom-Geschichten mit einer Unterzeile versehen:

Statt «Proletarier aller Länder, vereinigt euch», sollte es heissen: Wahrheitsliebende aller Länder.

Denn inzwischen hatte Köppel seine Sternstunde. Präsident Putin höchstpersönlich geruhte, ihm ein paar nichtssagende Antworten zu geben, was die Journaille in der Schweiz in Schnappatmung versetzte.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-30-um-09.18.36.png 235 994 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-05 05:00:382026-10-04 12:11:45«Weltwoche» und Putin
René Zeyer

Viel Money, wenig Brain

30. September 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wer ist an der gewaltigen Klatsche gegen die UBS im Ständerat schuld?

An zu wenig Geld oder zu wenig Einfluss kann’s nicht gelegen haben.

«Gebt mir eine Million, und ich mache aus einem Kartoffelsack einen Bundesrat», soll Rudolf Farner, der Gründer der gleichnamigen PR-Agentur, gesagt haben.

Die UBS gibt weltweit eine halbe Milliarde Dollar für Marketing und Kommunikation aus.

Da sollte man meinen, dass es der Monsterbank ein Leichtes wäre, die Schweizer Parlamentarier dazu zu bringen, das bonusschädigende Ansinnen, ihre ausländischen Töchter anständig mit Eigenkapital zu unterlegen, abzuschmettern.

CEO Sergio Ermotti warf sich höchstselbst in einem Interview mit der liebedienerischen NZZ in die Schlacht. Geniale Formulierung:

«Mit einem blauen Auge können wir leben, aber zwei blaue Augen und eine gebrochene Nase sind zu viel.»

Mit dem blauen Auge meinte er, dass die Auslandtöchter der UBS zu 50 Prozent mit AT1-Wandelobligationen unterlegt werden könnten.

Auch bekannt als Todesspiralenanlagen. Auch bekannt aus dem Untergang der Credit Suisse. Die bekam die UBS bekanntlich zum Schnäppchenpreis, machte einen Sondergewinn von 35 Milliarden und hatte noch die Frechheit, vom überforderten Bundesrat das Abschreiben per Notrecht von AT1-Bonds im Nominalwert von 16 Milliarden Dollar auf null zu fordern. Sonst kein Deal.

Aber Banker können den Kanal nie voll genug kriegen.

Um die Sache ganz sicher zu schaukeln, lobbyierte die UBS auf allen Kanälen.

Die Strategie war ganz klar: Statt um Prozentzahlen zu feilschen, wurde mit einem Abgang der letzten internationalen Grossbank gedroht. Also weg vom Risiko des Steuerzahlers, der die Bank schon einmal retten und wegen deren Bonusgier das Bankgeheimnis geschleift werden musste. Und hin zur Behauptung, dass die Schweiz durch zu viel Regulierung die Bank verlieren könnte.

Es gehe «um die Schweiz», behauptete Ermotti in seinem missglückten Interview grossmäulig. Natürlich auch um den Finanzplatz, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Kreditversorgung, internationale Wettbewerbsfähigkeit. Und Blabla.

Als Sahnehäubchen das missmutige Gemaule, dass man unter Umständen und wider besseres Wissen allenfalls mit einem Kompromiss leben könne. Auch wenn halbe-halbe, bloss 50 Prozent EK, dazu 50 Prozent AT1Todesspiralen, immer noch viel zu viel sei.

Das sollte nicht in erster Linie die UBS selbst sagen, sondern angefütterte Medien, willfährige Wirtschaftsvertreter und ängstliche Politiker.

Also weg von «die UBS braucht dringend mehr Eigenkapital» hin zu «will die Schweiz ihre letzte Grossbank vertreiben?»

So die vermeintlich geniale Idee. Vor allem bei Ringier fand die Monsterbank damit offene Spalten. Auch nach der Kanterniederlage im Ständerat macht der «Blick» weiterhin auf Angstszenarien. Wegzug aus der Schweiz, «Schnappen sich die Amerikaner die UBS?», «Was würde eine Fusion der UBS für die Schweiz bedeuten?»

Dass zwei Mitglieder des VR von Ringier ehemalige UBS-Grössen sind, das hat damit sicherlich nichts zu tun.

Zudem wäre die Führungsriege der UBS mit dem Klammerbeutel gepudert, sich in den Machtbereich des Amok-Präsidenten Donald Trump zu begeben.

Nicht etwa hauchdünn, sondern mit 33 zu 10 Stimmen entschied sich der Ständerat dafür, dass 90 Prozent hartes Eigenkapital her müsse.

Tschakata.

Peinlicher ist selten bis nie eine Ansammlung von Spin Doctors und grossartigen Strategen untergegangen.

Dabei hatten sie bedeutende Redaktionen wie die der NZZ im Sack, bequatschten unbedarfte Politiker wie die GLP-Ständerätin Tiana Moser dazu, Sprechblasen wie «Verschärfung mit Augenmass» von sich zu geben – und konnten bis vor der Abstimmung vor Siegesgewissheit kaum geradeaus laufen.

Und jetzt der Katzenjammer und die verzweifelte Hoffnung, das im Nationalrat noch drehen zu können. Der wird in der Wintersession abstimmen.

Neuster Versuch: Der Kompromiss zum Kompromiss, angeführt durch den LGT-Banker Hans-Peter Portmann.

Da erhebt sich die Frage: wer war das? Wer hat die wohl dümmste PR-Kampagne der letzten Jahre zu verantworten? Am 25. September 2025 titelte «Inside Paradeplatz» unwidersprochen: «Teuerste PR-Agentur zieht Fäden in UBS-Schmierenkomödie». Damals reagierten weder die Dynamics Group noch die UBS auf seine Anfragen.

Das ist inzwischen anders.

«Ich möchte Sie aber bitten, zur Kenntnis zu nehmen, dass Dynamics Group kein solches Mandat hat oder hatte», antwortet Michael Willi, Senior Partner. Dass er zuvor Chief Communication Officer der UBS war, na und.
Die UBS selbst knirscht nach längerem Nachdenken über die Frage, ob sie die Dynamics Group auf der Payroll habe: «Wir kommentieren dies nicht.» Ein Dementi sieht anders aus, vor allem, wenn die Null-Antwort mit der Frage ergänzt wird: «Wissen Sie bereits, wann und wo Ihr Beitrag publiziert wird?»

Die Angstmacher-Idee war von Anfang an Schrott, als Dynamics sie via den UBS-Aktionär Cevian in die Medien einspeiste. Als deren offizieller Medienansprechpartner.

Nach all den Finanzkrisen und der weiterhin ungehemmten Bonusgier der Banker reicht es halt nicht, sich ein Bettlaken überzuziehen und «buhu» zu sagen. Obwohl bei einer Krise tatsächlich nicht in erster Linie mangelndes Eigenkapital, sondern versiegende Liquidität der Brandbeschleuniger ist.

Das Problem ist hier mal wieder: die einzige Goldmine in der Kommunikation ist die geniale Idee und ihre strategisch richtige Umsetzung.

Wenn die fehlt, dann ist die Sache klar: viel Money, wenig Brain, dann lass es sein.

Denn so wird das nix.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-28-um-15.30.01.png 380 1061 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-09-30 05:00:192026-09-29 12:11:50Viel Money, wenig Brain
René Zeyer

Die NZZ auf einem Kreuzzug

5. Mai 2026/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Mehr Eigenkapital für die UBS? Blöde Idee.

Nun holt die alte Tante schon emeritierte Professoren aus dem wohlverdienten Ruhestand. So darf der ehemalige Professor für Accounting an der Universität Zürich Dieter Pfaff von  Leder ziehen:

«Mehr Eigenkapital macht die UBS nicht automatisch sicherer».

Damit hat er natürlich grundsätzlich recht. Wenn Zockermentalität und Bonusgier herrschen, dann schützt auch ein leicht erhöhtes Eigenkapital nicht vor der nächsten Krise.

Pfaff legt sich schwer ins Zeug: «Mehr Kapital, so die verbreitete Annahme, bedeute automatisch mehr Sicherheit.» Falsch, donnert er: «Gerade diese Annahme verdient Widerspruch.»

Lustiges Argument: das könne statt zu weniger zu mehr Risiko führen. «Der Grund liegt darin, dass Banken versuchen, die Rentabilität des knapper und teurer gewordenen Eigenkapitals aufrechtzuerhalten.» Dann kommt eine Portion Geschwurbel: «Wer nur auf die rechte Seite der Bilanz blickt, übersieht die linke Seite des Problems: das Verhalten des Instituts.»

Nehmt das, ihr Eigenkapitalverschärfer von Karin Keller-Sutter abwärts. Hättet ihr nicht gedacht, dass eine Bilanz zwei Seiten hat, die Aktiven und die Passiven. Wahrscheinlich wisst ihr nicht mal, wo das Eigenkapital hier eingereiht wird. Macht aber nichts, das wissen die meisten Wirtschaftsjournalisten auch nicht.

Nach seinen Nebelgranaten biegt der Alt-Professor auf die Zielgerade ein: «Eine kluge UBS-Regulierung misst sich nicht an der Symbolik zusätzlicher Milliarden, sondern daran, ob sie riskanteres Verhalten tatsächlich verhindert. Sonst könnte ausgerechnet jene Verschärfung, die als Lehre aus der letzten Krise gedacht ist, den Keim der nächsten in sich tragen.»

Tja, wie sagte der Philosoph Adorno so richtig: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen.» Das bedeutet hier, dass falsche Voraussetzungen zu falschen Schlussfolgerungen führen.

  1. Wie absurd dieses Argument ist, beweist schon seine Fortschreibung. Das würde also bedeuten: je mehr EK eine Bank vorhält, desto risikoreicher würde sie geschäften. So ab 50 Prozent EK wäre sie dann wohl zum sicheren Untergang verurteilt. Es darf gelacht werden.
  2. Höheres Eigenkapital bedeutet mehr Verlusttragfähigkeit. Mit wenig Eigenkapital gehen die Gewinne an die Aktionäre (und an die Bonusetage), Verluste werden sozialisiert (too big to fail). Dagegen tragen bei mehr EK die Eigentümer mehr Risiko.
  3. Die Behauptung «mehr Eigenkapital = mehr Risiko» ist empirisch nicht robust belegt. Es kann ein gewisses risk-shifting geben, aber insgesamt gibt es weniger Ausfallraten und ein stabileres System.
  4. Banken können Risiko sowieso nicht beliebig erhöhen, genau dagegen gibt es regulatorische Vorschriften und eine Aufsicht.
  5. Die Behauptung unterstellt, dass Banken eine fixe ROE-Zielzahl haben (Return on Investment). Eine vernünftige Bank passt bei einer niedrigeren Leverage mit geringerem Risiko ihre Renditeziele entsprechend an. Denn jede Bank sollte wissen, dass es Rendite ohne Risiko nicht gibt.
  6. Nach den bitteren Erfahrungen der letzten grossen Finanzkrise ist es völlig klar, dass mehr Puffer weniger Insolvenzwahrscheinlichkeit bedeutet. Mehr EK erhöht die Resilienz deutlich.
  7. Im Umkehrschluss würde die absurde Behauptung von Pfaff bedeuten, dass möglichst wenig EK am besten für eine Bank sei.
  8. Last, but not least: eine Bank, deren Bilanzsumme doppelt so gross ist wie das BIP der Schweiz, eine Bank, die schon mehrfach gestrauchelt ist, eine Bank , die gratis eine implizite Staatsgarantie hat, eine Bank, der der Staat 16 Milliarden AT1 Bonds geschenkt hat, sollte diese minime EK-Erhöhung kommentarlos hinnehmen.
  9. Die aktuellen Bankenführer der UBS scheinen der Devise des Versager-Bankers Marcel Ospel nachzuleben: «Die Banken müssen der Politik wieder einmal die Grenzen aufzeigen.»

Wohin das geführt hat, weiss man inzwischen zur Genüge. Zweimal musste die UBS vor dem Abgrund gerettet werden. Dass das beim ersten Mal kein Verlustgeschäft für den Steuerzahler wurde, ändert nichts daran, dass Geldgier, Zockerei und Inkompetenz herrschten. Und beim zweiten Mal musste per Notrecht das Bankgeheimnis geschleift und Kundenverrat begangen werden.

Wieso also der em. Professor Pfaff seine Reputation verspielt und sich als Bankenbüttel aufführt, ist ebenso unverständlich wie die Rolle der NZZ in dieser Debatte.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-04-um-09.04.27.png 548 1148 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-05-05 05:00:162026-05-04 13:29:34Die NZZ auf einem Kreuzzug
René Zeyer

Wenn die NZZ fies wird

30. April 2026/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die alte Tante verliert jeden Anstand.

Beatrice Bösiger kann man als Job-Hopperin bezeichnen. «Wirtschaftsblatt» in Österreich, dann Korrespondentin in Moskau, dann F&W, dann Tamedia und schliesslich ab Oktober 2024 Wirtschaft bei der NZZ.

Das muss noch nicht gegen sie sprechen. Aber offenbar hat sie aus ihrer Wiener Zeit den Schmäh mitgenommen. Die Fähigkeit, zuckersüss Bösartiges abzusondern.

Denn direkte Angriffe der NZZ auf die Forderung des Bundesrats, dass die Monsterbank UBS mit einer doppelt so hohen Bilanz wie das BIP der Schweiz, ihr Eigenkapital um lächerliche 20 Milliarden aufstocken soll, gab und gibt es genug. Dabei bliebe das EK immer noch im niedrigen einstelligen Bereich, was bedeutet, dass mehr als 90 Prozent fremdfinanziert und gehebelt sind.

Das ist so, wie wenn ein Formel-1-Pilot sich den Helm aufsetzt, das Visier runterklappt, nichts mehr sieht – und Vollgas gibt.

Nun beklagt Bösiger nicht etwa die harsche Gegenwehr der too-big-to-jail-Bank. Sondern sie steigt auf eine Metaebene: «Die Debatte um die UBS-Regulierung» sei «entgleist», behauptet sie. Wie das?

Seit Finanzministerin Karin Keller-Sutter «ihre Pläne» (die die Pläne des Gesamtbundesrats sind) präsentiert habe, «wird weniger über den Inhalt der Gesetzesvorlage diskutiert als vielmehr über das Lobbying der Grossbank. Hört man ihr zu, so muss man zum Schluss kommen, ein wahrer Lobby-Tsunami fege über die schutzbedürftigen Parlamentarier hinweg».

Schlimmer noch: «Die bürgerliche Bundesrätin bedient sich sogar eines typischen Arguments der Linken: Sie habe gehört, dass Parlamentarier befürchteten, die UBS könnte die Zuwendungen an ihre Partei kürzen, sagte sie im «Blick».»

Nun habe die UBS ihr Lobbying «tatsächlich hochgefahren», räumt Bösiger zuckersüss ein. Um dann Vitriol zu tropfen. Denn «dass sie damit ihre Interessen bei der geplanten Regulierungsverschärfung verteidigt, ist legitim». Also nimm das, jammernde KKS: «Das ist kein Grund, dass die Finanzministerin das Lobbying der UBS ständig zum Thema machen muss. Statt sich immer wieder öffentlich darüber zu beklagen, wäre Keller-Sutter besser beraten, der UBS stärker auf einer inhaltlichen Ebene Paroli zu bieten.»

Damit reduziere sie die Auseinandersetzung «auf eine Stildebatte». Und damit werde sie baden gehen: «Nur mit Klagen über das Lobbying der UBS wird die Finanzministerin im Parlament nicht durchkommen. Zudem können Parlamentarier durchaus damit umgehen, dass diverse Akteure sie von allen Seiten beeinflussen wollen.»

Ds ist nun wirklich hinterfotzig. Eigentlich müsste sich die UBS im Sinne des Trennbankenregimes von ihren Auslandtöchtern trennen, damit deren Risiken nicht in die Schweiz hineinschwappen, wo die Bank über eine implizite Gratis-Staatsgarantie verfügt. Oder aber, sie mindestens ausreichend mit Kapital unterlegen, um das zu verhindern.

Glasklar, für jeden verständlich, der selbst mit Hilfe von Fingern auf vier zählen kann. So minim ist nämlich das harte Eigenkapital der Monsterbank.

Dagegen wehrt sich die Bonus-Etage der Gierbanker mit allem, was modernes Influencertum zu bieten hat. Mit Schreckensszenarien (Schaden für die Schweiz, teure Hypotheken, Arbeitsplatzverlust, Wettbewerbsnachteile, etc.). Mit der absurden Drohung (verkleidet als Prüfung von Optionen), aus der Schweiz wegzuziehen. Als ob die Bank anderswo die Sicherheit hätte, zum dritten Mal vom Staat gerettet zu werden, sollte sie schon wieder am Abgrund stehen.

Zudem zeigt sich die UBS mehr als undankbar für das Geschenk von 16 Milliarden AT 1 Bonds, die ihr vom Staat als Zückerchen auf den Schnäppchen-Deal Credit Suisse draufgelegt wurden.

Da inhaltlich die Sache völlig klar ist, hat KKS völlig recht, wenn sie das arrogante, undankbare und alle Geschütze auffahrende Verhalten der Bank kritisiert. Die damit beweist, was sie gleichzeitig abstreitet: dass die UBS viel zu viel wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Macht hat. Und dass ihre Bankenlenker, geldgierig und bonusgetrieben, keinerlei staatspolitisches Verantwortungsbewusstsein haben.

Stattdessen bemängelt Bösiger, dass sich KKS, nachdem inhaltlich alles klar ist, dieses unverschämte Verhalten der Monsterbank als wenig eidgenössisch abqualifiziert. Womit sie völlig recht hat.

Während die NZZ nicht nur dadurch, dass sie einen als «Experten» verkleideten ehemaligen UBS-Direktor als Gastkommentator gegen diese Kapitalerhöhung wettern lässt, jeglichen Stil vermissen lässt. Denn dieses Detail enthält sie ihren Lesern vor.

Wieso sich allerdings Bösiger als Bankenbüttel betätigt, das ist ihr süss-saures Geheimnis.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-29-um-09.55.19.png 573 1177 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-30 05:00:532026-04-29 10:42:57Wenn die NZZ fies wird
René Zeyer

Die Zocker-Lobby

29. April 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die UBS lobbyiert im roten Bereich.

Eigentlich geht es nur um eine Winz-Witz-Eigenkapitalerhöhung von 20 Milliarden Franken, bei einer Bilanzsumme von 1600 Milliarden. Peanuts, viel zu wenig bei dem systemischen Risiko, das von dieser Monsterbank ausgeht, die ein viel grösseres Rad als das gesamte BIP der Schweiz dreht (einsamer Weltrekord).

Weil aber vom gehebelten EK der Bonus abhängt, wehren sich CEO Sergio Ermotti & Co. mit Händen und Füssen gegen dieses symbolische Pflästerchen. Und setzen Lobbying in einer für die Schweiz bislang ungenannten Dimension ein. Drohen sogar mit Wegzug, als ob sie anderswo eine Gratis-Staatsgarantie (von wegen too big to fail) kriegen würden.

Natürlich ist es auch eine mediale Schlacht, mit interessanten Kampflinien. Dass ein Dumpfschwätzer wie Markus Somm auf die UBS-Propaganda reinfällt, nun ja, bedauerlich, nicht überraschend, so what.

Bedenklicher ist schon, dass die NZZ sich plötzlich zum Sprachrohr der UBS aufschwingt und einen kritischen Kommentar nach dem anderen veröffentlicht, dass diese durch Aktienausgabe kinderleicht zu finanzierende Kapitalerhöhung eigentlich des Teufels sei und unbedingt vermieden werden müsse.

Sonst drohe mehr oder minder der Untergang der Eidgenossenschaft. Sogar ehemalige UBS-Direktoren dürfen hier als «Experte» verkleidet dagegen anstänkern.

Währenddessen ist der «Blick» das Sprachrohr der Kritiker der UBS geworden, wo wahre Experten wie Marc Chesney die dürftigen Argumente der UBS zerpflücken dürfen und sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter in gewählten Worten über die Propagandaschlacht der UBS erregen darf: «Es entspricht aber nicht dem gängigen Stil, dass man so dezidiert gegen unsere Institutionen antritt. Das ist ein eher neuer Stil im Umgang eines Unternehmens mit dem Staat.»

Chesney geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert die nächste Bankenkrise. Aus einem einfachen Grund. US-Präsident Donald Trump lockert wieder einmal die Regulierungsvorschriften für Banken in den USA: «Erste Erleichterungen sind bereits in Kraft, die zentralen Punkte wie eine tiefere Eigenkapitalquote sollen bis Anfang 2027 folgen. Darüber hinaus werden die Aufsichtsbehörden zurückgebunden und wird ihr Personalbestand erheblich gekürzt», fasst der «Blick» zusammen. Chesney setzt noch einen drauf: «Die Zutaten für die nächste akute Krise sind vorhanden, die Frage ist nur, wann sie kommt.»

Denn die letzte von 2008 begann genau mit solchen Lockerungsübungen.

Aber auch Gegner der Kapitalerhöhung wie der emeritierte Bankenprofessor Martin Janssen kommen zu Wort, er spricht gar von «einer Erpressung des Parlaments». Allerdings nicht durch das Lobbying der UBS, sondern durch die Finanzministerin.

Die NZZ unkt: «Keller-Sutter droht eine Niederlage im Parlament». Auch Beat Balzli steuert einen seiner verpeilten Kommentare bei: «Die UBS-Phobie oder warum die reine Fixierung auf das Kapital von gestern ist».

Tamedia tut das, was das Qualitätshaus an der Werdstrasse am besten kann: es eiert herum und interviewt. Auch CH Media ist sich nicht sicher, ob sich der Wannerclan das Wohlwollen der UBS verspielen will oder nicht. «Scharfe UBS-Regulierung würde Kredite verteuern», darf hier der Gastkommentator Urs Furrer schreiben. Er ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und offenbar von Finanzkenntnissen eher unbeleckt.

Redaktorin Florence Vuichard flüchtet sich ebenfalls in ein gepflegtes Einerseits-Andererseits: «Der Bundesrat verschärft die Eigenkapitalvorschriften für die Grossbank, macht aber auch Konzessionen.» Ist das gut oder schlecht? Eben, einerseits, andererseits.

Und «20 Minuten» macht ebenfalls das, was das Pendlerorgan am besten kann: es zitiert Artikel der anderen. So habe die «Financial Times» geschrieben, «Parlamentarier hätten führenden UBS-Managern zugesichert, die strengen neuen Vorschriften würden abgeschwächt».

Was die UBS hier tut, ist tatsächlich ein professionelles, nicht gerade billiges Lobbying mit allen Schikanen. Direktkontakte zu Parlamentariern und Medienschaffenden. Einsatz von Verbänden als Multiplikatoren. Drohung mit Abstrichen bei der Parteienfinanzierung.

Zugleich werden die Narrative gesetzt («Schweiz verliert Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalregeln gefährden Jobs»). Dazu typisches Framing. Diese Reform gefährde die Schweiz (weniger Kredite, teurere Hypotheken, Schwächung Finanzplatz). «Experten» werden mobilisiert, Reputations- und Elitennetzwerke aktiviert.

Klare Drohungen werden umgeschminkt (Vermeidung des Worts Bestrafung, Ersatz durch «Überdenken» von Optionen).

Bei den Medien ist die Drohung mit Inserateboykott bei unbotmässiger Berichterstattung Vergangenheit. Heute kommen andere Formen von Sponsoring zum Einsatz:

  • Konferenz-Sponsorings (Wirtschaftsforen, Debattenformate)
  • Content-Partnerschaften / Thought Leadership
  • Podcast- und Video-Sponsoring
  • Beilagen, Themen-Specials, Roundtables

Die Drohung mit einem Streichen dieser Anlässe wirkt genauso …

All das belegt ironischerweise genau das, was die Monsterbank abstreitet: sie hat offensichtlich viel zu viel politische Macht, weil sie systemrelevant ist.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-28-um-11.18.16.png 553 1180 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-29 05:00:152026-04-28 12:08:36Die Zocker-Lobby
René Zeyer

Somm, der Exhibitionist

27. April 2026/10 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Zeigen was man nicht hat. Die Spezialität des nebulösen Chefredaktors.

Es gibt Menschen, die verspüren den merkwürdigen Drang, sich vor anderen öffentlich zu entblössen. Dabei empfinden sie Erregung oder Befriedigung.

Markus Somm, der schon viele Millionen mit seinem Steckenpferd «Nebelspalter» verbraten hat, bei dem er so ziemlich alles falsch machte, was man falsch machen kann, pflegt eine Kolumne in der «SonntagsZeitung». Keiner weiss, wieso eigentlich. Denn er will sich ständig mit Fehlprognosen selbst übertreffen. Oder mit absurden Aussagen (die Israelis sind die Guten, man sollte Moskau bombardieren).

Das scheint ihm auf Dauer langweilig geworden zu sein, neu versucht er sich in Exhibitionismus. Er entblösst sich öffentlich, indem er zeigt, dass er von Banken, Bankenregulierung und der Gefahr, die von der Monsterbank UBS ausgeht, nicht den blassesten Schimmer hat, nackt und unbeleckt von jeglicher Kenntnis dasteht.

Die NZZ lässt einen «Bankenexperten» Andreas Uta zu Wort kommen, der gegen die Vorschläge des Bundesrats zur Eigenkapitalausstattung der monströsen Bank vom Leder zieht. Der ist allerdings Experte, weil es bis 2019 UBS-Direktor war, wie der «Infosperber» enthüllt. Und ist weiterhin Bankberater und VR einer Regionalbank. Also alles andere als unabhängig oder neutral.

Wieso sich Somm ohne Not zu einem Thema äussert, von dem er noch weniger Ahnung hat als von Geschäftsführung, ist hingegen schleierhaft. Auf jeden Fall macht er sich wieder zur Lachnummer.

«Nun will unsere Regierung die letzte verbliebene Grossbank zur Strecke bringen. O. k., nicht deren Ruin wird betrieben, aber doch in Kauf genommen, dass die UBS ins Ausland zieht, da sich die Rahmenbedingungen für ihr Geschäft in der Schweiz irreversibel verschlechtert haben.» Daran stimmt nun schlichtweg nichts.

Gaga-Begründung: Die Forderung nach einer vollständigen Unterlegung ausländischer Töchter mit Eigenkapital sei «erstens teuer, und zweitens erhält die Schweiz damit die wohl humorlosesten, da härtesten Eigenmittelvorschriften des Westens – was die UBS im internationalen Wettbewerb zu einem Invaliden macht, der den übrigen Banken nachhumpelt, als hätte er sich selbst in die Knie geschossen».

Humorlos? Ist Bankenregulierung eine Spassveranstaltung? Wieso sollte die UBS ins Ausland ziehen, wo sie in der Schweiz doch eine implizite Staatsgarantie geniesst, für die sie nichts zahlt? Und harte Eigenkapitalvorschriften, das ist nun eine humoristische Bemerkung. Bei einer Bilanz, die grösser ist als das BIP der Schweiz (mit Abstand Weltrekord), müsste das EK noch viel höher sein als die lausigen paar Prozent vor und nach einer Erhöhung. Und dass mehr EK mehr Vertrauen gibt und damit einen Marktvorteil, wer bringt das Somm bei?

Wenn er mehr Geld für seine Dilettantenveranstaltung braucht, muss er seine Investoren anbetteln, nachzuschiessen. Wenn die UBS mehr EK braucht, kann sie einfach Aktien ausgeben. Das Einzige, was dagegenspricht: das verwässert ein wenig den Bonus der geldgierigen Bankenlenker.

Anderswo sei man flexibler. Wieso? Die Erklärung zum Tränenlachen: «Weil niemand so besinnungslos den eigenen Finanzplatz ruiniert wie die schweizerische Regierung.» Wenn der Dinosaurier UBS schon wieder ins Straucheln geraten würde, dann hinterliesse sein Fall einen Krater, der nicht viel kleiner als die Schweiz wäre. Und dass Bankenlenker besinnungslos zocken und bonusgetrieben sind, haben sie wohl zur Genüge unter Beweis gestellt.

Neuerdings mit Investments in Schattenbanken (soll Somm mal einer erklären, was das ist), mit dem die UBS letzthin den Kleckerbetrag von 500 Millionen in den Sand setzte.

Weiter im Fantasieland Somm: «Gewiss, 2008 musste die UBS vom Staat gerettet werden». Was er unterschlägt: zweimal. Das erste Mal, weil sie sich verzockt hatte. Und das zweite Mal musste der Staat das Bankgeheimnis schleifen, weil die UBS schon wieder am Abgrund stand. «Genauso wenig kostete es den Staat 2023 etwas, als die UBS auf Drängen des gleichen Staates die CS übernahm.» So etwas wie 16 Milliarden Tier 1 Bonds sind für Somm offenbar Peanuts, die gar nicht erwähnenswert sind. Oder er weiss nicht, was das ist.

Und dann noch, obwohl das Zwerchfell schon schmerzt, der Schlussgag: «Politiker haben den Steuerzahler bisher sehr viel mehr gekostet als alle Bankenkrisen zusammen.» Nun, es ist die Aufgabe von Politikern, Steuergelder auszugeben. Das ist allerdings nicht die Aufgabe der Banken, was man Somm behutsam näherbringen sollte.

Und Politiker haben in den letzten Jahrzehnten einiges in den Sand gesetzt, aber das gesamte, weltweite Finanzsystem fast gegen die Wand klatschen, das haben nur Banker geschafft. Die dann weltweit mit Multimultimillarden gerettet werden mussten.

Also lieber Markus Somm: versuch doch einmal über etwas zu schreiben, von dem Du den Hauch einer Ahnung hast. Kindererziehung vielleicht. Oder das Leben Blochers.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-26-um-17.06.36.png 254 665 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-27 05:00:412026-04-27 07:20:28Somm, der Exhibitionist
René Zeyer

Langer Weg zum Artikelende

27. Februar 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Roger Köppel bewirbt sich bei der «Republik».

Zugegeben, das ist eine Fake News. Aber als Interpretation zulässig. Denn es zeigt sich wieder einmal, was passiert, wenn es auf einer Redaktion keine Checks and Balances gibt.

Es kommt einem vor, als habe der Chefredaktor, Verleger, Herausgeber, Besitzer und eigen- sowie allmächtige Vielschreiber und Vielredner Köppel alle 84 Seiten der «Weltwoche» alleine gefüllt. Dabei sind es «nur» sieben plus eine Seite Wort zum Donnerstag, plus eine Spalte «Übernimmt Schweiz neue EU-Sanktionen?»

Das Hauptstück «Langer Weg zum Frieden» dauert mehr als 34’000 A lang. Zu lang. Dabei rezykliert Köppel seinen Artikel «Langer Weg zum Frieden» vom 20. Februar in der neusten Ausgabe der WeWo. Damals brauchte er «nur» knapp 20’000 A, um sich von einem Tolstoi-Zitat («schrieb in «Krieg und Frieden» …», kleiner hat’s Köppel nicht) bis zum Schluss zu mäandern.

Vielleicht kopierte er den Titel auch vom «Meininger Tagblatt», denn das schrieb am 19. Februar vom «langen Weg zum Frieden». Da brauchte es nur 1445 A, um die Story zu erzählen.

Aber Köppel ist offenbar der Ansicht, dass die 20’000 A nur ein Warmlaufen war, um mit einer seiner Lieblingsmarotten den Leser in den Tiefschlaf zu wiegen: «Die Rückkehr zu sachlichen Beziehungen mit Moskau bleibt Pflicht.» Für wen und warum?

Nun, auf jeden Fall hülfe da eine regelmässige Lektüre der «Weltwoche», meint überraschungsfrei ihr Machthaber: «Darum ist es so wichtig, dass Zeitungen wie die Weltwoche nicht einfach nur nachbeten und andächtig beklatschen, was unsere Regierungen verlautbaren.»

Wenn er allerdings von der WeWo spricht, meint er natürlich sich selbst: «Meine Einschätzungen beruhen auf Lektüre und Gesprächen, mehreren Besuchen in Russland und in der Ukraine über mehrere Jahrzehnte.» Also DIE Koryphäe für eigentlich alles, was mit Russland und der Ukraine zu tun hat.

Kleine Zwischenfälle wie ein lobhudelndes Porträt über Putin, seine Darstellung als «Der Missverstandene», dem man doch absurderweise zutraue, die Ukraine zu überfallen. Je nun, auch Koryphäen können sich mal irren. Das hatte die andere Koryphäe Thomas Fasbender verbrochen. Die Story erschien just an dem Tag, als Putin mit der kurzen militärischen Spezialoperation begann. Künstlerpech wie bei «la crise n’existe pas».

Damals jubelte die WeWo über «UBS und CS wieder auf dem Vormarsch», als die UBS genau am Erscheinungstag um Staatshilfe winselte.

Aber gut, zurück zum Eigenlob eines Chefs, bei dem sich niemand traut, ihm zu sagen: lass mal gut sein, in der Kürze liegt die Würze. Aber hallo, wenn Köppel nun mit dem grossen Pinsel auf der Leinwand der Weltbühne den Werdegang Putins nachmalt, dann kennt er kein Halten.

Nato-Osterweiterung, George Kennan, George W. Bush, «uraltes Schlachtfeld der Imperien», «in den historischen Zwischenschichten abgelagerte Sprengkörper», «bedrohlich brodelte das Giftgebräu voll übelriechender Substanzen», unermüdlich stapelt Köppel eine hochglanzpolierte Worthülse auf die andere. Maidan, Krim, «Gaunerwort «Zeitenwende»», auch wieder mit Tolstoi-Zitat, ein unverschämtes Adjektiv «… ist der Überfall vermutlich ein Bruch des Völkerrechts». Vermutlich, echt jetzt?

Dann der rhetorische Schlenker, den man ruhig als die Köppel-Pirouette labeln darf Zuerst der Absprung: «Natürlich hat kein Staat Anrecht auf eine Sicherheits- und Einflusszone in seiner Nachbarschaft.» Dann die Drehung und die Landung: «Doch die Russen sind beileibe nicht die erste und einzige Grossmacht, die auf ein Vordringen anderer Grossmächte in ihr Revier allergisch reagiert.»

Fritzli, der mit den Fingern in der verbotenen Keksdose erwischt wird, reumütig sein Fehlverhalten einräumt, aber zu bedenken gibt, dass Hansli das doch auch täte, also sei es dann schon nicht so schlimm. Womit Fritzl wenigstens seine Eltern zum Schmunzeln bringt. Aber als ernsthaftes Argument bei einem ernsten Thema?

Als Vergleich zerrt Köppel die Kuba-Krise aus der Mottenkiste der Geschichte. Bei der Stationierung sowjetischer Atomraketen sind die USA bekanntlich damals  in der Insel einmarschiert und haben Castro und seine Mannen in einem jahrelangen Krieg niederzuringen versucht. Oder so.

Und noch ein Beispiel für eine solche Köppel-Pirouette: «Putins Angriff war keine «full scale»-Invasion, wie die Briten schreiben. Er liess nur 190 000 Soldaten einmarschieren. Als die Wehrmacht Polen überfiel, betrug die Truppenstärke 1,5 Millionen.» Na dann …

Wer es schafft, bis zum bitteren Ende durchzuhalten, wird nicht belohnt, sondern bestraft. Mit Banalitäten wie

«Kriege sind schlimm. Das ist nichts Neues.»

Oder: «Europa, die Welt kann sich keinen Krieg mit Russland leisten.»

Köppel in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Wäre aber für die Welt besser, wenn er nicht jede Woche ihr kurz oder länglich den Tarif durchgäbe.

Diesen Sprachdurchfall könnte man ohne Imodium auf einen Satz eindicken: Putin ist gar nicht so schlimm, man sollte halt mit ihm reden.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-26-um-16.51.12.png 382 1046 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-02-27 05:00:242026-02-26 18:05:45Langer Weg zum Artikelende
René Zeyer

Wie bestellt

15. Februar 2026/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die UBS hat ein Milliardenproblem. Die NZZ will helfen.

Ganze 17 Milliarden Dollar stehen im Feuer. Denn die UBS konnte die Credit Suisse nur deswegen zum Schnäppchenpreis übernehmen, weil der willfährige Bundesrat mit heisser Nadel und per Notrecht die AT1-Bonds der untergehenden Bank auf null abschreiben liess.

Nicht nur mit ihrem fatalen Satz «this is not a bail-out», was aber eine der Voraussetzungen für den Totalverlust dieser Zwangswandel-Anleihen gewesen wäre, schuf der Bundesrat mit seiner kompetenten diplomierten Dolmetscherin Karin Keller-Sutter ein scheunengrosses Einfallstor für Milliardenklagen sich geprellt fühlender Anleger.

Darunter nicht nur kleine Würstchen wie CS-Angestellte, die solche Bonds als Bonus, als faules Ei ins Körbchen gelegt kriegten und nun laut «Inside Paradeplatz» auf jegliche Forderungen gegenüber der UBS verzichten sollen. Sondern auch multimilliardenschwere institutionelle Anleger, die überall klagen, wo sie einen Rechtsstand haben. Also vornehmlich den USA und in Grossbritannien.

Aber auch in der Schweiz. Nach längerem Brüten kam das Bundesverwaltungsgericht Anfang Oktober 2025 zu einem vernichtenden Urteil. Der Abschreiber sei sowohl vertrags- wie auch rechtswidrig. Das führte bei der UBS zu Schnappatmung, denn die Gefahr besteht, dass diese 17 Milliarden wieder in die Bücher wandern – als Schulden.

Während es im Ausland eher trübe aussieht (die USA lieben bekanntlich Schweizer Banken), bleibt hierzulande nur der Gang vors Bundesgericht. Das nun eher selten Urteile der Kollegen vom Bundesverwaltungsgericht aufhebt. Da braucht die UBS alle Hilfe, die sie kriegen kann.

Zum Beispiel in Gestalt von Luis Agustin Maiorini. Der juristische Jungspund schreibt noch an seiner Dissertation und ist «Mitarbeiter am Institut für Föderalismus der Universität Freiburg». Und neuerdings Gastautor bei der NZZ. Dort vertritt er die klare Meinung: «Dieses Urteil zur Credit Suisse überzeugt nicht». Sagen wir mal: ihn nicht …

Es ist seine erste Wortmeldung im Blatt für die gehobenen Stände und dem Hort der reinen Wirtschaftswissenschaft. Meinungsstark  und eher kenntnisschwach urteilt Maiorini: «Das Urteil ist nämlich in wichtigen Teilen eine hinreichende Begründung schuldig geblieben, und damit bleibt der Ausgang des bundesgerichtlichen Verfahrens keiner realistischen Prognose zugänglich.»

Dann schiesst er sich selber ins Knie, indem er die sorgfältige Begründung des Bundesverwaltungsgerichts zitiert:

«So überprüft das Bundesverwaltungsgericht im zweiten Teil des Urteils die Verfassungsmässigkeit der zugrunde liegenden Norm und verneint diese: Die Norm sei viel zu unbestimmt und genüge den Anforderungen des Legalitätsprinzips nicht. Betrachtet man den Wortlaut der Bestimmung in der Notverordnung isoliert, ist man geneigt, dem Bundesverwaltungsgericht zuzustimmen.»

Diese Neigung verkehrt sich dann allerdings in ihr Gegenteil. Denn nun  wird’s so sophistisch, dass jeder mittelalterliche Scholastiker seine helle Freude an diesen Pirouetten hätte. Denn: «Eine Norm ist bekanntlich nicht nur nach dem Wortlaut auszulegen. Die Entstehungsgeschichte, die Systematik und der Sinn und Zweck der Norm sind gleichwertig mit einzubeziehen.»

Wieso denn das? «Hier zeigt sich die Schwäche der Argumentation des Bundesverwaltungsgerichts: Eine Norm, die am selben Tag publiziert wird wie ihr Inkrafttreten und deren Gehalt öffentlich und weit über die Landesgrenzen hinaus medial erläutert wurde, darf nicht nur strikt nach dem Wortlaut ausgelegt werden.»

Im Gegenteil. Eine Norm, die per Notrecht nachgeschoben wird, um die wacklige Anordnung an die Finma zu unterfüttern, diese Milliarden auf null abschreiben zu lassen, ist schlichtweg fragwürdig. Wo kämen wir hin, wenn Erlasse nicht strikt nach ihrem Wortlaut ausgelegt würden? Und was für eine Rolle soll dabei die mediale Erläuterung spielen?

Eine neue Norm hiesse zum Beispiel: Es ist ab jetzt verboten, auf den Boden zu spucken. Da könnte man dann auslegen: nun ja, wenn aber einfach etwas aus dem Mund tropft, dann ist es davon nicht betroffen. Damit würde Gesetzgebung zum Jekami.

Bekanntlich wurde vom Bundesrat auch die mit grossem Getöse in Kraft gesetzte TBTF-Regelung gekübelt. Also die «too big to fail»-Bestimmungen nach der Finanzkrise eins, die eine Wiederholung von Staatsrettungen wie bei der UBS verhindern sollten. Schlussfolgerung Maiorini: «Im Urteil werden also spannende Fragestellungen aufgeworfen, aber nicht beantwortet oder nur unvollständig analysiert.»

Interessanter als dieser Husarenritt durch das Recht ist die Frage, wieso die NZZ auf die Idee kommt, eine solche furiose Kritik am Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu publizieren. Eine einzelne Kritik? «Professoren sezieren das Verdikt des Bundesverwaltungsgerichts zum Milliardenabschreiber … gibt dem Bundesverwaltungsgericht schlechte Noten», zitiert die alte Tante am 24. Januar eine Urteilsbesprechung. «Das Urteil zu den AT1-Anleihen verunsichert die Anleger», unkte die NZZ Ende Oktober 2025. «Das jüngste Urteil zum Fall CS schränkt den Spielraum des Bundesrats ein», monierte das Blatt nach der Urteilsveröffentlichung. Oder: «Das AT1-Gerichtsurteil zur Credit Suisse wirft viele Fragen auf».

Kritik am Vorgehen des offensichtlich überforderten Bundesrats, Kritik an der ruppigen Art des UBS-VR-Präsidenten Colm Kelleher, der zuerst eine schlappe Milliarde für die CS bot und klarstellte, dass er ohne den Milliardenabschreiber die absaufende Bank nicht übernehmen werde?

Aber nein. Ob die jüngsten, schmerzlichen Abgänge im Wirtschaftsressort der NZZ etwas damit zu tun haben, dass offensichtlich bezüglich der letzten Grossbank der Schweiz der Schongang mit Weichspüler eingelegt wird? Man wird ja wohl fragen dürfen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-13-um-08.48.58.png 255 496 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-02-15 05:00:132026-02-13 09:48:49Wie bestellt
René Zeyer

Ex-Banker Thiam: eine Zierde seines Berufs

10. Juli 2025/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Er erfüllt alle Vorurteile vorbildlich.

Der gescheiterte Präsidentschaftskandidat in der Elfenbeinküste zahlt seiner Ex-Haushälterin den geschuldeten Lohn nicht. Und die UBS hilft dabei.

Es ist ein Mosaikstein im kläglichen Bild des Niedergangs der zweitgrössten Bank der Schweiz.

Der Versagerrat Urs Rohner, der mit prall gefüllten Taschen als VR-Präsident noch vor dem Untergang von Bord ging, hatte den Versicherungsexperten Tidjane Thiam am 1. Juli 2015 als Nachfolger des wilden Investmentbankers Brady Dougan (Schweizer Rekordhalter im Bonuskassieren) als CEO der Credit Suisse installiert.

Schon knapp fünf Jahre später musste Thiam zurücktreten. Nach einer Beschattungsaffäre, die aus einem Nachbarschaftsstreit mit seinem Konkurrenten Iqbal Kahn entstanden war. Obwohl auch der über keinerlei Bankerfahrung verfügte, wechselte Khan gelenkig zur UBS.

Dort ist er inzwischen alleiniger Chef der globalen Vermögensverwaltung.

Mit Thiam ging’s allerdings bergab. Wie sein Vorgänger Dougan hinterliess Thiam in seiner Amtszeit Milliardenverluste. Heute hat er, dank üppiger Honorierung, seinen Wohnsitz in Miami Beach und ist Vorsitzender der «Demokratischen Partei» der Elfenbeinküste. Wurde aber von der Präsidentschaftswahl wegen seiner doppelten Staatsbürgerschaft ausgeschlossen.

Und dann gibt es einen hässlichen Streit mit seiner ehemaligen Haushälterin und Assistentin.

Die arbeitete seit 2015 für ihn und musste rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Am 9. Dezember 2018 kam es in Thiams Villa in Herrliberg zum Eklat. Sie wurde um 5 Uhr morgens aufgeboten, weil der Boiler nicht funktionierte, schreibt Arthur Rutishauser in der «SonntagsZeitung». Nachdem der herbeigerufene Handwerker sich verspätete, soll sie von Thiams Lebensgefährtin übel beschimpft worden sein, die kalt duschen musste.

Die Haushälterin erlitt einen Zusammenbruch und wurde am 12. Juni 2019 gekündigt. Sie wehrte sich dagegen, es entspann sich ein übler Rechtstreit.

Der endete mit einem rechtsgültigen Urteil: Thiam muss rund 235’000 Franken zahlen. Müsste, denn er tut es nicht.

Da die Haushälterin in einem Mail mit dem Gang an die Medien gedroht hatte, reichte Thiam eine Strafanzeige wegen Nötigung und Erpressung ein. Bereits die Staatsanwaltschaft stellte die Strafuntersuchung wegen Erpressung ein, vom Bezirksgericht Meilen wurde die Haushälterin freigesprochen.

Dagegen legte Thiam Berufung ein, die am Mittwoch vor dem Obergericht verhandelt wurde. Die Haushälterin wurde erneut freigesprochen und erhält eine Genugtuung von 2000 Franken. Das deckt bei Weitem nicht ihre bislang angefallenen Anwaltskosten in sechsstelliger Höhe.

Noch widerwärtiger ist, dass sich Thiam trotz rechtsgültigem Urteil einfach weigert, das der Haushälterin zustehende Geld auszuzahlen. Deren Anwalt ist es allerdings in einem Betreibungsverfahren gelungen, Vermögenswerte von Thiam in der Schweiz beschlagnahmen zu lassen.

Eine besondere Rolle spielt dabei unsere letzte existierende Grossbank UBS.

Rutishauser: «Die UBS behauptete gegenüber dem Betreibungsamt, Thiam habe kein Geld mehr bei ihr. Nach neun Monaten schrieb sie schliesslich, dass es zu einem Fehler gekommen sei – und Thiam habe doch 50’000 Franken auf einem ehemaligen CS-Konto liegen. Warum sie dies zuerst bestritt, wollte die UBS nicht sagen.»

Angesichts des Untergangs der CS, die durch jahrelanges Missmanagement in den Ruin getrieben wurde und Milliardenverluste einfuhr, mögen das Peanuts sein, wie der Banker gerne sagt.

Aber hier kommt alles zusammen, was das moderne Banking und seine geldgierigen Banker so verächtlich macht. Die pure Arroganz der Macht gegenüber einer ausgebeuteten Mitarbeiterin.

In der Hoffnung, dass der, trotz einer gerichtlich gestützten Forderung, doch mal das Geld und der Schnauf ausgeht. Sich um ein Gerichtsurteil foutieren. Eine aussichtslose Gegenklage im Bereich Strafrecht erheben, wo der Erstatter der Strafanzeige die weitere Arbeit kostengünstig der Staatsanwaltschaft überlassen kann.

So einer war mal CEO der zweitgrössten Bank der Schweiz. Weitere Qualifikationen verbietet das Straf- und Zivilrecht.

Und dann noch die UBS, die neun Monate braucht, um ein Konto Thiams in ihren Büchern zu entdecken.

Das alles schafft viel Vertrauen, dass die UBS-Führer alles im Griff haben und sich der Schweizer Steuerzahler keine Sorgen zu machen braucht, dass er der Monsterbank in Zukunft nochmal unter die Arme greifen müsste.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/03/Neger.jpeg 236 501 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-07-10 05:00:182025-07-09 18:57:05Ex-Banker Thiam: eine Zierde seines Berufs
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