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Schlagwortarchiv für: TX Group

René Zeyer

Im Herbst fallen die Blätter

28. August 2026/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Im Elendsjournalismus heisst das: das nächste grosse Rausschmeissen.

Im Kopfblattsalat von der Werdstrasse herrscht das grosse Zittern. Einerseits fuchteln all die Besserwisser und Zurechtweiser weiterhin mit dem Zeigefinger in alle Richtungen.

Erklären der Welt und dem Leser, wie sie zu sein hätten. Schrecken auch vor übelster Demagogie und Fake News nicht zurück. Verspielen so die letzten Reste an Glaubwürdigkeit.

Es gibt ein Datum, auf das alle gebannt starren: der 1. Oktober 2026. Denn dann wird das nächste Fallbeil niedersausen. Denn dann endet die 2024 vereinbarte Beschäftigungsgarantie bei Tamedia.

Einen Vorgeschmack auf das kommende Massaker gab CEO Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar) bereits mit einem Interview im März dieses Jahres. Während ihr Terminator, die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi, sicherlich zur Qualitätssteigerung mal kurz die bewährte Produktionschefin Viviane Joyce feuerte.

Seither ist gegangen, wer konnte. Die Starschreiberin Michèle Binswanger. Bewährte Schreibkräfte wie Edgar Schuler. Auch Flachzangen wie Christian Brönnimann. Der geht ausgerechnet zur Trümmel-Behörde Bundesanwaltschaft. Und noch viele mehr.

Wer nicht kann, hält sich verzweifelt an seinem Schreibtisch im Glashaus fest, wo er unter Umständen arbeiten muss, die den Tierschutz auf die Barrikaden triebe, wenn es sich um Nutztiere handelte.

Noch rund 600 Kostenstellen umfasst das, was einstmals eine stolze Redaktion war. Wo es noch ein Feuilleton gab, während es heute nur noch Nora Zukker gibt. Wo es noch ernstzunehmende politische Analysen gab, wo es heute nur noch einen Adrian Schmid gibt.Wo ein Leitartikel kein Leid auslöste, während es heute nur noch eine Raphaela Birrer gibt.

2024 hatte nach langem Nachdenken Peppel-Schulz den unvermeidlichen Abbau von 90 Vollzeitstellen angekündigt, während sich Bärtschi damit lächerlich machte, das als Beitrag zur Steigerung des Qualitätsjournalismus zu verkaufen. Am Schluss waren es dann lediglich 17. So sorgt man für Stimmung in der Belegschaft.

In diesem Herbst dürften es einige mehr werden. Wie hiess es noch im Juni so schön: «Aktuell sind keine weiteren Massnahmen geplant.» Aktueller wird das dann am 1. Oktober.

Denn bei Tamedia sieht es nach den neusten Halbjahreszahlen noch schütterer aus als bei der TX Group. 8,6 Prozent Umsatzrückgang, minus 27,1 Prozent EBIT, bei Print-Abos und im Einzelverkauf um 10,9 Millionen geschrumpfter Umsatz. Das sei «deutlich höher als erwartet».

Und was kann man von dieser Führungsriege schon erwarten. Die EBIT-Marge beträgt schlappe 2,7 Prozent, das auch wieder von Peppel-Schulz verkündete Ziel von 8 bis 10 Prozent liegt in weiter Ferne, wenn der Umsatz gleichzeitig um 8,6 Prozent fällt.

Also was tun?

Dumme Frage. Dumme Antwort: weiter runterholzen. Weil einem sonst nichts einfällt. Noch mehr KI, noch mehr Übernahme von der «Süddeutschen» aus München, da ist die Schmerzgrenze längst überschritten.

Also weiter im Todesmarsch. Mit dem Irrwitz-Geschäftsmodell, dem Konsumenten immer weniger für immer mehr Geld zu bieten. Begleitet vom untauglichen Versuch, ihn für dumm zu verkaufen, indem man das als angebliche Qualitätssteigerung anpreist.

Mehr bieten, um mehr Einnahmen zu generieren? So ginge es eigentlich im normalen Geschäftsleben zu und her. Aber doch nicht bei TX, doch nicht bei Tamedia.

Da wird viel einfacher gerechnet. Jeder gefeuerte Journalist spart mit allem Drum und Dran 200’000 Franken im Jahr. Sind bei zehn Nasen bereits 2 Millionen. Bei 60, das wären dann zehn Prozent, bereits 12 Millionen.

Von der neuerlichen Qualitätssteigerung ganz zu schweigen. Denn viele würden eine Lücke hinterlassen, die sie vollständig ersetzt.

Allerdings ist es auch eine Negativauslese. Zurück bleiben nur die Schleimer, die Angepassten, die Mietmäuler, die Opportunisten, die es problemlos schaffen, ein freundliches Gesicht aufzusetzen, wenn die Totengräber in der Chefetage vorbeihuschen.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-26-um-09.39.35.png 533 1216 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-08-28 05:00:122026-08-26 09:44:57Im Herbst fallen die Blätter
René Zeyer

Das Ende der Swiss Marketplace Group?

11. Juli 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die KI frisst den Marktplatz – warum ImmoScout, Ricardo & Co. um ihre Existenz kämpfen.

Lange Zeit schien das Geschäftsmodell unschlagbar. Wer ein Haus kaufen wollte, ging auf ImmoScout. Wer sein Auto verkaufen wollte, auf AutoScout. Wer eine gebrauchte Uhr suchte, auf Ricardo. Diese Plattformen lebten von einem einfachen Prinzip: Sie kontrollierten Angebot und Nachfrage und kassierten dafür eine Maut.

Doch nun taucht ein Konkurrent auf, der dieses Modell im Kern infrage stellt. Er heisst künstliche Intelligenz.

Bisher musste sich der Nutzer durch Dutzende Webseiten klicken. Er verglich Preise, las Beschreibungen und sortierte Resultate. Genau diese mühsame Arbeit übernehmen nun KI-Agenten. Der Nutzer wird künftig nicht mehr fragen: «Auf welcher Plattform finde ich das?» Sondern: «Finde mir das beste Angebot.»

Der Unterschied ist fundamental.

Die klassische Plattform lebt davon, dass möglichst viele Menschen ihre Website besuchen. Dort werden Inserate, Werbung und Zusatzdienstleistungen monetarisiert. Ein KI-Agent dagegen besucht die Plattform stellvertretend für Millionen Nutzer, extrahiert die relevanten Informationen und präsentiert sie in einer einzigen, personalisierten Antwort. Die Plattform wird vom Ziel zum blossen Datenlieferanten degradiert.

Genau das ist ihre grösste Gefahr.

Denn die Marktmacht der Plattformen beruhte nie auf ihrer Technologie. Sie beruhte auf Netzwerkeffekten. Käufer gingen dorthin, wo viele Verkäufer waren; Verkäufer inserierten dort, wo viele Käufer suchten. Diese Spirale schuf hohe Eintrittsbarrieren.

KI hebelt diesen Mechanismus aus.

Wenn ein intelligenter Suchagent gleichzeitig Hunderte Quellen durchsucht, verschwinden die Grenzen zwischen den einzelnen Plattformen. Für den Kunden spielt es keine Rolle mehr, wo ein Angebot ursprünglich veröffentlicht wurde. Er sieht nur noch das beste Resultat.

Damit verlieren Plattformen ihre wichtigste Währung: Aufmerksamkeit.

Besonders gefährdet sind Portale mit weitgehend standardisierten Daten. Immobilien, Fahrzeuge oder Occasionsartikel lassen sich hervorragend maschinell vergleichen. Preis, Lage, Baujahr, Kilometerstand oder Ausstattung sind strukturierte Informationen, die sich von einer KI problemlos analysieren und gewichten lassen.

Hinzu kommt ein zweiter Effekt.

Schon heute investieren Plattformen enorme Summen in Suchmaschinenoptimierung und Werbung bei Google. Wenn künftig immer mehr Suchanfragen direkt an KI-Assistenten gehen, sinkt der direkte Besucherstrom dramatisch. Weniger Besucher bedeuten weniger Werbeeinnahmen, weniger Premium-Abonnements und sinkende Zahlungsbereitschaft der Inserenten.

Die Plattform gerät in eine Abwärtsspirale.

Überleben werden deshalb wahrscheinlich nur jene Plattformen, die sich vom Marktplatz zum Dienstleister entwickeln. Automatische Preisbewertungen, Vertragsabwicklung, Finanzierung, Bonitätsprüfung, digitale Notare oder komplette Verkaufsagenten könnten neue Einnahmequellen schaffen. Reine Inserateplattformen dagegen geraten unter enormen Druck.

Bedeutet das den Untergang von ImmoScout, Ricardo oder ähnlichen Portalen?

Nicht morgen. Aber der Erosionsprozess dürfte bereits begonnen haben. Innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre werden KI-Agenten den Suchverkehr spürbar verändern. In fünf bis zehn Jahren könnten klassische Plattformen einen erheblichen Teil ihrer heutigen Gatekeeper-Rolle verloren haben. Wer sich bis dahin nicht neu erfindet, droht das Schicksal vieler einst dominanter Internetportale zu teilen.

Denn die Geschichte der Digitalisierung kennt kein Mitleid.

Zeitungen glaubten einst, niemand könne ihre Inserate ersetzen – dann kamen die Onlinebörsen. Reisebüros hielten Flugportale für eine Randerscheinung – bis Booking und Expedia den Markt umkrempelten. Nun stehen die digitalen Marktplätze selbst vor demselben Schicksal.

Die Ironie ist offensichtlich: Die Disruption, mit der sie einst andere Branchen zerstörten, trifft nun sie selbst.

Besonders betroffen ist SMG, die Swiss Marketing Group. 2021 als Joint Venture von TX Group, Ringier, Mobiliar und General Atlantic gegründet, erreichte sie eine Marktkapitalisierung von 4,7 Milliarden Franken. Ringier fuhr einen hübschen Sondergewinn ein, gleichzeitig sorgte die SMG mit dafür, dass die bereits als sicher geglaubte Subventionsmilliarde für geldgierige Medienclans mit einem Referendum gebodigt wurde.

Wenn die Chefetagen der Verlage wieder gleich unfähig auf KI reagieren, wie sie das bereits beim Internet taten, dann gute Nacht.

____
Dieser Text wurde – bis auf die beiden Schlussabsätze – von einer KI geschrieben. Das Aufmacherbild wurde von ihr gemalt. Und ist damit besser als der Grossteil des Gestammels, das in den Mainstreammedien von überforderten Kindersoldaten in Verrichtungsboxen in der Hölle des Newsrooms abgesondert und mit aufgeblasenen Symbolbildern illustriert wird.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-03-um-08.56.31.png 524 1177 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-07-11 05:00:262026-07-09 15:01:28Das Ende der Swiss Marketplace Group?
René Zeyer

Sonntagszeitungen ade?

10. Februar 2026/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Fällt noch eine, ist die Distribution futsch.

Auf Englisch gibt es ein grossartiges, wenn auch etwas rustikales Erfolgsprinzip im Detailhandel: get the shit on the shelves. Hau das Zeugs in die Regale. Denn nur was in der Auslage liegt, kann verkauft werden.

Bei den drei verbleibenden Deutschschweizer Sonntagszeitungen heisst das: hau das Zeugs in die Briefkästen. Früher gab es noch die Zeitungsboxen, alleine der SonntagsBlick unterhielt über 3000. Weg, rentierte sich nicht mehr.

Die gesamte Auflage ist in den letzten 15 Jahren um bis zu 60 Prozent eingebrochen, auf rund 400’000 Exemplare (Print plus E-Paper). Der SoBli verkauft noch knapp 100’000 Exemplare, die NZZaS rund 90’000 und die SoZ um die 80’000.

CH Media eierte eine Zeitlang auch im Sonntagsmarkt herum. Zuerst mit «Der Sonntag», dann ab 2013 mit der «Schweiz am Sonntag», die dann im Februar 2017 eingestellt und durch die «Schweiz am Wochenende» ersetzt wurde. Die erscheint kostengünstiger am Samstag. und ist mit einer Auflage von rund 380’000 der Platzhirsch am Wochenende.

Denn Sonntag ist in erster Linie teurer als Wochentage. Die Redaktion muss am Samstag arbeiten, was vielen verweichlichten Familienvätern kräftig auf den Zeiger geht. Die Druckerei muss Samstagnacht arbeiten, und schliesslich muss in aller Herrgottsfrühe die Verteilung in die Briefkästen und an die Kioske klappen, die sonntags geöffnet haben.

Dabei greift der Staatsbetrieb Post den Verlegern kräftig unter die Arme. Diese Zustellung gehört zur universellen Dienstleistungspflicht oder Grundversorgung. Dabei liegen die verrechneten Preise deutlich unter den tatsächlichen Kosten. Diese Subvention läppert sich auf insgesamt bis zu 100 Millionen Franken im Jahr.

Für die frühmorgendliche Zustellung (wochentags und am Sonntag) ist die Presto-Presse-Vertriebs AG zuständig. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der Schweizerischen Post AG und beschäftigt ungefähr 8000 Zusteller. Daneben gibt es noch die Somedia Distribution AG, die sich um die Zustellung von Tages- und Sonntagszeitungen in Graubünden und Teilen der Ostschweiz kümmert. Auch die TX Group (das Mutterhaus von Tamedia) beschäftigt noch ein paar eigene, kleine Zustelldienste.

Im Elendstal der Printdistribution sind die Sonntagsblätter besonders gefährdet. Ihr mögliches Ende würde durch ein Bündel von Faktoren beschleunigt:

– die Auflage sinkt unter eine kritische Schwelle, die keinen Deckungsbeitrag mehr erwirtschaftet
– die Inserate im Print nehmen weiter ab
– Druck- und Papierkosten steigen weiter
– das Frühzustellungsnetz reisst
– die zahlende Leserschaft, die nur noch digital konsumiert, überschreitet die Schwelle von 75 Prozent, während die Print-Abos weiter überaltern
– Die Preissteigerungen erreichen ein Level, bei dem die Zusatzeinnahmen die Abgänge nicht mehr kompensieren

Es kein Naturgesetz, dass wochentags um 6.30 Uhr und sonntags um 7.30 Uhr ein Druckexemplar im Briefkasten des Abonnenten liegt. Nicht allzu selten ist der Inhalt bereits online überholt worden und altert auch durch den Tag relativ schnell.

Gegen eine Einstellung spricht, dass die Sonntagszeitung hohe Reichweitenmultiplikatoren haben und werbliche Pluspunkte (Lesezeit, Freizeit, ergänzende Hochglanzbeilagen) sammeln.

Sollte allerdings eine der drei verbleibenden Deutschschweizer Sonntagsblätter auch noch das Handtuch werfen (am ehesten wohl die «SonntagsZeitung», gell Herr Supino?), dürfte die Distributionsinfrastruktur in Frage gestellt werden.

Daher ist zu vermuten, dass sich Ringier, Tamedia und NZZ belauern, ob einer der Drei plant, den Sonntag im Print aufzugeben. Nachdem Tamedia bereits bei «20 Minuten» diesen Schritt vollzogen hat, würde ZACKBUM Wetten in nicht unbegrenzter Höhe halten, dass sich dieses Jahr hier was bewegen wird.

Dafür spricht auch, dass bereits die Integration der früher unabhängigen Sonntagszeitungsredaktionen in die Stammredaktion weitgehend stattgefunden hat. Vorbei die lustigen Zeiten, als eine Sonntagszeitung einen raushaute, worauf ihr vom eigenen Verlag am Montag selbst eine reingehauen wurde.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/02/Bildschirmfoto-2026-02-09-um-13.27.17.png 611 915 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-02-10 05:00:042026-02-10 10:12:40Sonntagszeitungen ade?
René Zeyer

Kein Markt für die SMG?

13. November 2025/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Hat Pietro Supino schon wieder einen Fehler gemacht?

Eine solche Kursentwicklung der mit grossem Trara gestarteten Swiss Marketplace Group (SMG) sieht kein Aktionär gerne:

IPO, gestartet mit knapp 50 Franken an der Börse, 4,5 Milliarden Gesamtwert der Ansammlung von Handelsplattformen wie Homegate, Autoscout, Tutti, usw. Das grosse Joint Venture von Tx Group und Ringier.

Die neue Geldquelle, die Zukunft, nachdem Tamedia langsam aber sicher der Schnauf ausgeht. Daher gab es schon zum Start der SMG eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken für die Tx-Aktionäre, also in erster Linie den Coninx-Clan. Dann in Champagnerlaune ein grosses Aktienrückkaufprogramm.

Während die SMG-Mitbesitzer Ringier und Mobiliar vom Höchstkurs profitierten und Cash machten, meinte Big Boss Supino, dass er keine einzige Aktie hergeben wolle. Denn das Teil würde doch sicher weiter fliegen, the sky is the limit und so.

Tja. Stattdessen innert nur acht Wochen seit Börsengang ein Absturz um 30 Prozent, von 48.25 auf um die 33 Franken. 1,4 Milliarden haben sich in Luft aufgelöst.

Nach dem IPO-Hype ein Taucher, dann geht’s sicher wieder aufwärts? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber es gibt viele Faktoren, die dagegen sprechen.

Der Immobilien- und Onlinemarkt kühlt sich ab. Investitionen in Technologie und Kosten der Zusammenlegungen belasten das Ergebnis. Die Integration kostet halt Zeit und Geld. Wichtiger noch: der Markt ist hoch kompetitiv, und bislang sind die grossen Player wie Google & Co. noch gar nicht richtig eingestiegen.

Sollte das passieren, gilt im Internet immer: the biggest is the winner and takes it all. Niemand geht auf die zweit- oder drittgrösste Plattform …

Als wären das nicht schon genug schlechte Nachrichten: welche Bedeutung KI auf diesem Gebiet gewinnen wird, ist zurzeit unabsehbar. Als persönlicher Agent eines Suchenden oder Anbietenden. Womit der Marktplatz, der Vermittler, knallhart ausgeschaltet würde.

Zudem haben die happigen Preissteigerungen auf den Marktplätzen der SMG auch nicht viele neue Freunde gemacht. Newhome und andere Anbieter profitieren davon.

Die P/S Ratio, das Kurs-Umsatz-Verhältnis, liegt momentan bei 11. Stagniert der Gesamtumsatz (statt erwarteter Steigerungsraten von bis zu 10 Prozent), fällt die Gewinnmarge von 35 auf 25 Prozent, dann fällt die P/S Ratio dadurch auf 5 bis 6. Das entspräche einer Marktkapitalisierung von maximal 1,8 Milliarden Franken. Und einem Aktienkurs von rund 20 Franken …

Schliesslich gibt es noch einen Soft Factor, der gar nicht so soft ist. Was ist von einem wohlbezahlten Management zu halten, das sich seit Jahren in der Online-Werbung von Google & Co. die Butter vom Brot nehmen lässt – ohne dass ihm eine Gegenstrategie einfällt? Die meisten Herren (und wenigen Damen) in der obersten Führungsetage sind zudem nicht gerade Digital Natives.

Oder einfacher gesagt: sie kapieren bis heute das Internet nicht.

Wenn also der vermeintliche Goldesel SMG Verstopfung kriegt und keine Dukaten mehr scheisst, woher sollen dann noch die Gewinne kommen, um den Coninx-Clan bei Laune zu halten? Von Tamedia sicher nicht, das wilde Zusammenkaufen eines Kopfblattsalats hat sich nicht rentiert und erinnert etwas an die Hunter-Strategie der Swissair.

Goldbach ist auch nicht gerade ein ewigwährender Strom von Profit.

Was bleibt dann noch? Als letzte Option der Verkauf des ganzen Ladens, solange man noch genügend Geld verlangen kann.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/11/Bildschirmfoto-2025-11-12-um-10.05.26.png 1030 1876 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-11-13 05:00:472025-11-12 14:02:27Kein Markt für die SMG?
René Zeyer

Der Coninx-Clan

4. November 2025/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Die Schweiz hat schon Pech mit ihren Verlegerfamilien. Ehemals Herausgeber, jetzt mehr Herausnehmer.

Im Vergleich mit dem Wanner– und dem Ringier-Clan ist die Besitzerfamilie des Unternehmens Tx (oder TX oder «Tages-Anzeiger» AG, inkl. Tamedia AG) speziell.

Ihr Gesamtvermögen wird auf rund 1,5 Milliarden Franken geschätzt. Nach dem Börsengang des Joint-Venture Swiss Marketplace Group (SMG) dürfte es nochmals kräftig angeschwollen sein.

Der deutsche Bergbauingenieur Otto Coninx-Girardet legte den Grundstein, indem er seit 1918 den «Tages-Anzeiger» herausgab. Otto Coninx-Wettstein führte weiter und baute aus, dann kam Hans-Heinrich Coninx und ab 2007 schliesslich sein Neffe Pietro Supino.

Die TX Group, wie die Holding inzwischen heisst, verfügt über einige Grossaktionäre. Darunter Pietro Supino ~ 13,6 %, Dr. Severin Coninx ~ 13.20%,  Rena Maya Coninx Supino ~ 12.95 %, Dr. Hans Heinrich Coninx ~ 11.93 %, Fabia Schulthess~ 5.53 %, Andreas Schulthess~ 5.53 %, Regula Hauser-Coninx~ 4.63 %, etc.

Schätzungsweise hält die Familie – inklusive Verwandten und Beteiligten – zusammen knapp 74 % der Aktien von TX Group, wobei eine Gruppe von 19 Kleinaktionären der Familie sich bloss 2.14 % des Kapitals teilen.

Der Umsatz der TX Group liegt etwas unter einer Milliarde Franken im Jahr. Das Sorgenkind der Holding ist Tamedia, der Medienteil. Weder dem Big Boss Supino, noch seinen wohlbezahlten Medienmanagern fällt eine Strategie ein, wie man das profitabel machen könnte. Ausser, indem man das Angebot und die Woke Force (Pardon, Work Force) runterholzt und das als «Synergie» und «Qualitätssteigerung» verkaufen will.

Die Zukäufe eines ganzen Kopfblattsalats haben zudem viel gekostet und wenig gebracht.

Auf der anderen Seite besteht die ganze Coninx-Sippe, wenn man auch Angeheiratete und Lebenspartner dazuzählt, aus ungefähr 70 bis 90 Personen, reine Blutsverwandte gibt es etwa 50 bis 65.

Die wollen alle durchgefüttert werden und ihren teils kostspieligen Hobbys frönen.

Sie verstehen sich auch nicht mehr unbedingt als Herausgeber von Medienprodukten im klassischen Sinn.

Sondern vielmehr als Herausnehmer von Dividenden, Sonderdividenden und Profiteure von teuren Aktienrückkaufprogrammen.

Die zentralen Segmente der Tamedia AG, Pardon, der TX Group AG, sind Tamedia (Medien), «20 Minuten», Goldbach Group und TX Markets.

TX Markets machen dabei Margen im zweistelligen Bereich von bis zu 40 Prozent, Goldbach liegt bei 10 bis 20 Prozent, 20 Minuten bei 7, Tendenz stark abnehmend, und Tamedia bei 0 bis 1 Prozent.

Also ist völlig klar, wenn man keine Herausgeber-, sondern vielmehr eine Herausnehmer-Perspektive hat, wo die Zukunft der Firma liegt – und wo die Vergangenheit ohne Zukunft.

Das haben nur noch nicht alle 1800 Mitarbeiter (wobei die Zahl ständig schrumpft) von Tamedia mitgekriegt. Aber in naher Zukunft werden sie ihre Lieblingsbeschäftigungen – Bauchnabelbetrachtung, Befehle und Ratschläge an die Welt – aufgeben müssen.

Wenn die Stellensuche erste Priorität bekommt. Denn zu Herausgeben und Herausnehmen gehört eben auch Herausschmeissen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/10/Bildschirmfoto-2025-10-31-um-12.33.24.png 1152 1806 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-11-04 05:00:112025-11-01 12:44:56Der Coninx-Clan
René Zeyer

TX Group weiter auf Clan-Gewinnkurs

10. Oktober 2025/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Der Börsengang von Swiss Marketplace Group (SMG). Nun ein Aktienrückkauf. Den Coninx-Clan freut’s.

Investitionen in Journalismus dagegen: nada. Dafür dort sparen bis aufs Skelett.

Grandioser Börsengang, Ausgabepreis von 46 Franken pro SMG-Aktie, das entspricht schon mal einer Marktkapitalisierung von 4,5 Milliarden Franken. Davon gehören der TX Group (die Holding oberhalb von Tamedia & Co.) 30,7 Prozent. 1,38 Milliarden.

Das ist obendrauf auf die Marktkapitalisierung der TX Group von rund 2,17 Milliarden.  Daran hält der Coninx-Clan rund 69 Prozent aller Aktien.

Also eigentlich sollte das doch für ihre rund 50 Mitglieder reichen, um ihren Hobbys nachzugehen, Yachten, Villen und Kunstsammlungen zu unterhalten. Sowie sich jeden Tag ein Kotelett mit satt Kaviar drauf zu leisten.

Auf der anderen Seite wird Tamedia bis auf die Knochen runtergehobelt. Entlassungswellen, Schliessung von Druckereien, Sparziel 70 Millionen. Nur Traumtänzer wie die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi können das als Qualitätssteigerung schönschwatzen.

Redaktionen wurden zusammengelegt, verwirrliche Zahlen von geplanten Rausschmissen verkündet. Die überlebenden Redaktoren, vor allem die Ü-50, haben Schiss, wen es als nächsten treffen wird.

Dementsprechend herrscht eine Bombenstimmung in der Käfigtierhaltung der Zentralredaktion. Einziger Zugang in letzter Zeit: Anuschka Roshani. Nun ja.

Eher kleine Schlagzeilen machte dagegen eine weitere Massnahme zur Profit- und Besitzsteigerung der Coninx-Aktionäre (und den versprengten übrigen).

Unter «Investor Relations» verkündete die TX Group, bezugnehmend auf eine Medienmitteilung, dass sie «über einen Zeitraum von maximal drei Jahren bis zu 662’000 Namensaktien zurückkaufen» werde, was bis zu 6,25 Prozent des Aktienkapitals entspricht.

Oder einem Wert von rund 128 Millionen Franken.

Ein Aktienrückkauf hat angenehme Auswirkungen – für die Aktionäre. Gleicher Gewinn des Unternehmens, weniger Aktien, höherer Profit pro Aktie. Wer seine Aktien verkauft, bekommt Kohle auf die Hand. Wer sie behält, profitiert längerfristig.

Schon nach der Gründung der SMG klingelte eine Sonderdividende von rund 44,5 Millionen Franken in den Kassen der Aktionäre, wenn alle rund 10 Millionen Aktien anspruchsberechtigt waren.

Durch diesen Aktienrückkauf steigt der Anteil des Coninx-Clans am Aktienwert von TX auf rund 73,5 Prozent.

Das sind rund Dreiviertel von Fantastilliarden. Nun können die Mitglieder des Coninx-Clans zwar nicht wie Dagobert Duck ein erfrischendes Bad im Geldspeicher nehmen.

Aber eigentlich haben sie in letzter Zeit doch das Problem: wohin mit all der Kohle? Big Boss Pietro Supino kann schlecht auf die Villa noch eine Villa stellen. Die Zeiten von noch grösseren Yachten oder Fliegern sind auch etwas vorbei.

Und mehr als ein Rolls-Royce Droptail für rund 32 Millionen Dollar geht auf vier Rädern auch nicht.

Ach, vielleicht könnte man sich darauf besinnen, wodurch eigentlich der Grundstein dieses Vermögens gelegt wurde?

Mit Journalismus.

Mit Otto Coninx fing’s an,  schliesslich Urenkel Pietro Supino, seit 2007 auf dem Thron. Was von der Tradition übrig geblieben ist, sind grosse Worte über die Bedeutung der Vierten Gewalt, von Qualitätsjournalismus, Kontrolle und wenn nötig Korrektur des Handelns der Mächtigen im Lande.

Aber statt für knapp 130 Millionen Franken einen eigentlich völlig überflüssigen Aktienrückkauf finanzieren, wieso nicht in einen Aus- statt Abbau von Tamedia investieren?

Tamedia machte im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatz von 191,5 Millionen Franken. Da würde eine Finanzspritze von 130 Millionen Franken über die nächste drei Jahre Wunder wirken.

Träume würden wahr. Journalisten könnten tatsächlich Tage oder sogar Wochen auf Recherchen verwenden. Und müssten nicht länger irgendwelche Hehlerware in «Papers» oder «Secrets» verwandeln.

Journalisten könnten wieder Dossiers aufbauen und Themen vertieft begleiten. Und wer weiss, vielleicht gelänge ihnen auch ab und an ein Artikel von der Tiefe einer «Financial Times», «The Atlantic» oder gar des «New Yorker».

Die übrigens alle beweisen, dass sich Qualitätsjournalismus auch finanziell lohnt. Allerdings nur, wenn man ihn auch finanziert.

Also, liebe Grossfamilie Coninx, wie wäre es mit etwas staatsbürgerlichem Bewusstsein?

Der Gesellschaft etwas zurückgeben. Verantwortung, Haltung, Verpflichtung.

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Der Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/10/Bildschirmfoto-2025-10-09-um-16.09.08.png 576 933 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-10-10 05:00:082025-10-09 16:11:24TX Group weiter auf Clan-Gewinnkurs
René Zeyer

TX: So kann gespart werden

18. Juli 2024/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Der Fisch stinkt vom Kopf …

Sparen à la Pietro Supino heisst: Jungs (und Mädels), rudert schneller, der Käpt’n will Wasserski fahren. Sparen in den sorgfältig separierten Profitcentern innerhalb der TX Group heisst: Mitarbeiter rausschmeissen, Budgets kürzen, die Leser für dumm verkaufen, dass es bei gleichen oder höheren Preisen weniger Ware gibt, das aber als qualitative Verbesserung umgelogen wird.

Dabei gäbe es so viele Sparmassnahmen, die auf der Hand liegen und nicht nur dem Content zugute kämen, sondern finanzielle Mittel für Sinnvolles freimachen würden. Gleichzeitig würde der Konsument nur Positives davon merken. Blöd wäre das nur für einige Amtsträger, aber damit müssten die leben.

Schliesslich hat TX schon den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht, indem es die überflüssigen Verwaltungsräte der einzelnen Bestandteile der glücklichen Medienfamilie abgeschafft hat.

Allerdings herrscht auf der Chefetage immer noch Wildwuchs, können Lücken geschaffen werden, die den bisherigen Amtsinhaber völlig ausfüllen und ersetzen. Niemand merkt’s. Garantiert.

Fangen wir im Verwaltungsrat an. Da hätten wir Pascale Bruderer. Medienkompetenz null, unternehmerische Fähigkeiten null, strategische Kenntnisse null. Tripple-Null, verdient aber 112’000 Franken im Jahr. Money for nothing.

Dann Stephanie Caspar. Die deutsche Managerin baute einen Schuh-Onlineshop für Otto auf. War mal vier Jahre im Vorstand von Axel Springer. Meckerte über angebliche patriarchalische Strukturen und heuerte bei einer Investmentfirma an. Kenntnisse des Schweizer Medienmarkts null. Kassiert dennoch 80’000 Franken im Jahr als VR der TX Group. Money for nothing.

Oder Claudia Coninx-Kaczynski. Studium der Rechtswissenschaften und Spezialistin im Gesundheitswesen. Mediale Kenntnisse null. Mitglied des Familienclans. Verdient 85’000 im Jahr. Money for nothing.

Der gesamte VR von TX kassiert im Jahr rund 2,4 Millionen Franken. Schwergewicht Supino räumt alleine 1,71 Millionen ab. Dafür hat er die Subventions-Milliarde in den Sand gesetzt. In der Roshani-Affäre und beim Brandbrief von 72 erregten Tamedia-Frauen eine ganz schlechte Falle gemacht. Ist durch ruppige Interventionen in den Redaktionsalltag aufgefallen. Hat null Vision, aber 100 Prozent Sparwillen und Profitstreben. Money for nothing.

Dazu kommen noch die Einnahmen der «Gruppenleitung». Da hätten wir mal Ursula Nötzli. Sie ist CCO und – ganz wichtig – für Sustainability zuständig. Die war mal bei ABB, bei der Credit Suisse und der GAM Holding. Allesamt Erfolgsmodelle der Schweizer Wirtschaft. Mit Sustainability hat sie ungefähr so viel zu tun wie ein Elektriker mit Quantenphysik. Money for nothing.

Oder nehmen wir Jessica Peppel-Schulz, Geschäftsführerin von Tamedia. Hat das Betriebsergebnis (Ebit) mal kurz halbiert. Zwischen ihren «Sabbaticals» war sie CEO bei Condé Nast. Umsatz schlappe 50 Millionen im Jahr. Zuvor arbeitete sie bei einer Digitalagentur, die Umsätze im niedrigen zweistelligen Bereich machte, bevor sie aufgekauft wurde. Beste Voraussetzungen, in einem Milliardenkonzern erfolgreich die Weichen zu stellen. Daran arbeitet sie. Und arbeitet. Und arbeitet. Resultat? Ähnlich wie beim Digital-Crack Müller. Pardon, Müller von Blumencron. Der war bislang der grösste Windmacher im Bereich Digitalstrategie. Zog unter Hinterlassung eines Müllerbergs von Managersprachhülsen von dannen.

Da ist Peppel-Schulz noch dran. Messbare Ergebnisse ihres Wirkens? Ausser Minuszahlen: null. Aber nix ist immerhin besser als unter Null. Ob es einen Zusammenhang zwischen aufgeplusterten Allerweltsnamen und dieser Performance gibt?

Ein ganz anderes Kaliber (namensmässig) ist hingegen Tanja zu Waldeck. Pardon, Dr. zu Waldeck. Pardon, Tanja Dr. Prinzessin zu Waldeck, wie sie sich bescheiden auf LinkedIn anpreist. Die Prinzessin war ein paar Jährchen bei McKinsey, dann gründete sie die Webseite NetMoms, von da hopste sie in die Position des COO der BurdaForward GmbH. Nach weniger als einem Jahr dann der nächste Hopser: sie hat am 1. Juli als COO bei der TX Group angefangen. Bei dem Leistungsausweis als siebenmonatige COO bei einer Unterdivision von Burda kann da nichts schiefgehen.

Schon seit mehr als einem Jahr veredelt Ihro Durchlaucht den Verwaltungsrat der Goldbach Group. Das war so erfolgreich, dass «20 Minuten» beschlossen hat, die Inserateverwaltung wieder in die eigene Hand zu nehmen. Tamedia wird wohl folgen.

Aber nun eine COO-Prinzessin, ein «Bindeglied», wie sie so schön genannt wird. Offensichtlich soll auch sie technologische Transformationen voranbringen. Wie weiland Müller, Pardon Müller von Blumencron. Wie aktuell Schulz, Pardon, Peppel-Schulz. ZACKBUM wagt die Prognose, dass das ein lustiger Weiberkampf wird. Mit an den Haaren ziehen, giftigen Bemerkungen und Untergriffen. Prinzessin gegen Bürgerliche. Historisch gesehen müsste die Blaublüterin verlieren. Auf der anderen Seite ist sie hierarchisch übergeordnet.

Wer auch immer gewinnt, ein Verlierer steht bereits fest: die digitale Transformation.

Aber mal im Ernst. Mit den hier vorgeschlagenen Sparmassnahmen (gern geschehen) würde TX wirklich aufblühen. Ach so, den dämlichen Namen könnte man dann auch rückgängig machen, auch wenn schon wieder ein neues Logo ans Glashaus gepappt werden müsste.

Supino müsste sich nur an den Wahlspruch von Georges Danton halten; gefragt, was einen Revolutionär ausmache, sagte der: Mut, Mut und nochmals Mut. Und keine Angst, heute endet keiner mehr wie Danton. Erst recht nicht ein Mitglied des Coninx-Clans.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/09/Sparschwein.jpeg 469 910 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-07-18 05:00:172024-07-17 12:53:07TX: So kann gespart werden
René Zeyer

Tamedias tiefes Schweigen

17. April 2023/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Die Tx Group in Österreichs Korruptionssumpf?

Immerhin gibt es noch etwas Konkurrenzkampf im Schweizer Mediensumpf. So böllerte CH Media am 6. April:

Felix Austria, kann man nur sagen. Denn dort löst ein saftiger Skandal den nächsten ab, so geht das schon seit Jahren und Jahrzehnten.

Immer wieder für Schlagzeilen sorgt der gefallene Politstar und Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz. Denn dessen kometenhafter Aufstieg scheint mit einigen Hilfsraketen erfolgt zu sein, deren Verwendung – selbst für österreichische Verhältnisse – nicht ganz legal war.

Wie es sich für die Wiener Kaffeehaus-Klatschkultur gehört, gibt es einen Mitarbeiter, der auspackt. Der langjährige Kabinetts-Chef Thomas Schmid lässt die Justiz seine rund 300’000 Nachrichten auf dem Handy auswerten. Und dabei kommt Kunterbuntes heraus.

Zum Beispiel, dass die Gratis-Zeitung «heute» (und nicht nur sie) den damaligen Bundeskanzler im besten Licht darstellte, als Gegenleistung für grosszügige staatlich bezahlte Inserate. Das betrifft auch die berüchtigte «Kronen Zeitung». Beide Blätter gehören zum Imperium der Dichands, seit Jahrzehnten die gekrönten Zeitungskönige in Österreich. Hans Dichand begründete das Imperium, das seit dessen Tod im Jahr 2010 von seinem Sohn Christoph Dichand und dessen Ehegattin Eva regiert wird.

Das Ganze wird nun sehr österreichisch saftig-kompliziert, daher die Zusammenfassung aus Wikipedia: Dem «Ehepaar Dichand wird (von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft, Red.) zur Last gelegt, von Amtsträgern Inserate sowie Änderungen am Privatstiftungsgesetz gefordert zu haben und im Gegenzug dafür wohlwollende Berichterstattung in Heute und der Kronen Zeitung in Aussicht gestellt zu haben.»

Bis hierher wäre das eine innerösterreichische Angelegenheit. Ab hier nicht mehr, wie CH Media schreibt: «Das grösste Schweizer Verlagshaus, die Zürcher TX Group (ehemals Tamedia), ist über eine Beteiligungsgesellschaft mit 25,5 Prozent an der AHHV GmbH beteiligt. Das Digitalgeschäft der «Heute»-Verlagsgruppe, darunter Österreichs reichweitenstärkstes Newsportal «heute.at», ist in der DJ Digitale Medien GmbH gebündelt. Hier ist die TX Group mit 51 Prozent sogar Mehrheitseignerin.»

Natürlich sondert die Tx Group auf Anfrage von CH Media Staatstragendes ab: ««Heute» sowie der Eigentümerschaft sei an einer vollumfänglichen Kooperation mit den Ermittlungsbehörden und einer raschen Aufklärung des Sachverhalts gelegen. Der TX Group liegen «Stand heute keine Hinweise vor, die die erhobenen Anschuldigungen bestätigen». Ihr seien die redaktionelle Unabhängigkeit sowie die Qualität ihrer Medien sehr wichtig.»

Nun wird’s wieder lustig. Lediglich die NZZ nahm diese Meldung auf. Sie rekapituliert den Skandal und schreibt: «Indirekt betroffen ist auch die Schweizer TX Group, die Herausgeberin des «Tages-Anzeigers»». Ausser einer Bestätigung der Besitzverhältnisse, wie sie bereits CH Media darstellte, ist der NZZ aber die Verwicklung von Tamedia keine weitere Zeile wert.

Diesem Schweigen hat sich auch Ringier angeschlossen; der «Blick» übergeht die ganze Affäre, obwohl für den Boulevard wie gemacht, mit einer Stille wie aus der Kapuzinergruft.

Dass Tx, sorry, Tamedia, Pardon, «Tages-Anzeiger» nichts dazu sagt, verwundert weniger. Bis sich Chefredaktorin Birrer in die Thematik eingelesen hätte, wäre die Publizistik doch längere Zeit führerlos. Pardon, führerinnenlos.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/04/Bildschirm­foto-2023-04-11-um-11.53.26.png 349 686 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-04-17 05:30:032023-04-14 09:42:53Tamedias tiefes Schweigen
René Zeyer

Lieber Pietro Supino

2. April 2023/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Offener Brief: Sagen Sie beim Abschied leise «ciao».

Wissen, wann man aufhören sollte, ist das Schwierigste in einer Managerkarriere. Sie waren als Anwalt bei Bär & Karrer tätig, als Consultant bei McKinsey, als Gründungspartner des Vermögensverwalters Private Client Partners. Man erinnert sich an «Moonstone Trust», aber Schwamm drüber.

2007 wurden Sie als Nachfolger von Hans Heinrich Coninx Präsident des Tamedia-Verwaltungsrats. Sie gestatten, dass wir die Bude weiterhin so nennen, weil die ständigen Namenswechsel zwar gutes Geld für die Schilderwechsler am Haupteingang bedeuteten, sonst aber eher nerven. Aber gut, Sie sind auch noch «Executive Chairman» der «Tx Group».

Unter ihrer Führung wurde das Haus Tamedia um- und abgebaut. Sie verwandelten es in eine Ansammlung von Profitcentern unter dem Dach einer Holding. Die Bezahlmedien wuchsen durch den Ankauf dicker Brocken wie der «Basler Zeitung», der «Berner Zeitung», des «Bund» zum zweitwichtigsten Konglomerat in der Deutschschweiz; Sie beschallen damit über eine Million Leser.

Dem Flaggschiff «Tages-Anzeiger» wurden die Einkommensquellen der Handelsplätze weggenommen und als Tx Markets ausgegliedert. Dermassen ausgehungert, wurden die Redaktionen zu Skeletten heruntergespart; in Zürich stellt eine Zentralredaktion die Einheitssauce her, die sich dann in alle Blätter ergiesst, die dazu noch rudimentäre Lokalberichterstattung stellen. Zum inhaltlichen Schwund gesellt sich der Schwund an zahlenden Lesern.

Bei der Abstimmung über die zusätzliche Subventionsmilliarde agierten Sie als Präsident des Verlegerverbands mehr als unglücklich. Die Bekanntgabe einer Sonderdividende und des milliardenschweren Zusammengehens der Handelsplattformen mit Ringier, plus eine selten bescheuerte Kampagne, sorgten dafür, dass die Abstimmung verlorenging. Ein seltenes Kunststück, wo doch die geballte Medienmacht der Mainstream-Verlage dafür war.

Das Geschäftsergebnis des letzten Jahres ist desaströs, ein gewaltiger Gewinneinbruch, trotz weiteren Sparmassnahmen in Multimillionenhöhe, die der Glaubwürdigkeit der Bezahlorgane den Rest geben werden.

Sie sind also geschäftlich gescheitert.

Wie Sie die Affäre Roshani gehandhabt haben, ist ein Musterbeispiel, wie man es nicht machen sollte. Juristisch gingen Sie nur gegen die Konkurrenz von CH Media vor, als Sie persönlich angegriffen wurden. Ihren ehemaligen Chefredaktor Finn Canonica liessen Sie im Regen stehen, die interne Kommunikation war unter jeder Sau, offen gesagt.

Nachdem Sie und ihre beiden Geschäftsführer in dieser Affäre jämmerlich versagt hatten, liessen Sie den sachkompetenzfreien Mathias Müller von Blumencron Wortblasen zur zukünftigen Strategie schwatzen, dass es dem Leser ganz blümerant wurde und man sich zusätzlich Sorgen um die Zukunft der Tamedia-Redaktore machen musste.

Unabhängig davon, ob das angeblich schon lange geplant war; die Degradierung von Arthur Rutishauser zum Nur-noch-Chefredaktor der «SonntagsZeitung» liess klar erkennen, dass nach der versemmelten Roshani-Affäre ein Bauernopfer fällig war. Schon bei der bis heute nicht bewältigten Affäre um unbewiesene Anschuldigungen von 78 erregten Tamedia-Redaktorinnen machten Sie eine ganz schlechte Figur.

Als Krisenkommunikationsmanager sind Sie mehrfach gescheitert.

Aber als Familienmitglied des Besitzerclans Coninx sind Sie unantastbar.

Nun haben Sie mit der Wahl der Nachfolgerin von Rutishauser nochmals unter Beweis gestellt, dass Ihnen Qualität, Kompetenz, strategische Fähigkeiten und Glaubwürdigkeit bei den Bezahlmedien schnurzegal sind. Die Wahl von Raphaela Birrer kann nur als Sparmassnahme in jeder Beziehungen interpretiert werden.

Dass Charaktermasken wie Philipp Loser, Andreas Tobler, Marc Brupbacher oder Christian Brönnimann unzensiert und ungeniert von Flop zu Flop publizieren und wüten dürfen, ist ein Armutszeugnis sondergleichen.

Während es vor Jahren noch einen Konkurrenzkampf zwischen der NZZ und dem «Tages-Anzeiger» gab, ist Ihr Blatt inzwischen runtergewirtschaftet, übernimmt im Übermass Inhalt von der Münchner «Süddeutschen Zeitung», garniert ihn mit Tickermeldungen der SDA und schmeckt das Ganze mit besserwisserischen und völlig überflüssigen Kommentaren ab.

Die Auswechslung des Kolumnistenteams ist ein weiteres Beispiel für den beschleunigten Weg nach unten. Wer sich gegen dessen Willen und auf unschöne Art von Rudolf Strahm trennt, um ihn durch No-Names zu ersetzen, darunter ein Mode-Dummschwätzer, der schneller vergessen gehen wird als er zu zweifelhaftem Ruhm aufstieg, das Wirken einer Nora Zukker als Literaturchefin, das sind alles Mosaiksteine auf einem Sargdeckel.

Dass für dieses heruntergewirtschaftete Angebot weiterhin stolze Preise im Abonnement und im Einzelverkauf verlangt werden – nach der Devise: weniger Inhalt für gleiches Geld –, ist eine Bankrotterklärung.

Sie haben als Content-Manager krachend versagt.

Offenbar sind Sie nicht in der Lage, dringend nötige strategische Impulse zu geben. Die ewige Leier, dass das alles zur Qualitätsverbesserung diene, dass man sich der Bedeutung der Medien als Vierte Gewalt und Kontrollinstanz bewusst sei – das wirkt nicht mal mehr lächerlich, sondern nur noch peinlich.

Wenn Ihnen wirklich etwas an Publizistik liegt, an dringend nötiger Kontrolle, statt liebedienerischer Lobhudelei staatlicher Massnahmen wie während der Pandemie, dann sollten Sie Platz machen für einen Nachfolger, der noch weiss, worum es bei Newsproduzenten geht.

Treten Sie zurück, Herr Supino, die Leser, das Land, die Mitarbeiter werden es Ihnen danken.

*Packungsbeilage: ZACKBUM-REdaktor René Zeyer war bei der «Sonntagszeitung» tätig.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Sonntag_Header.jpeg 313 683 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-04-02 05:00:122023-04-01 13:54:55Lieber Pietro Supino
René Zeyer

Invoice uns

16. November 2022/0 Kommentare/in Allgemein, Satire & Gelächter/von René Zeyer

TX Group setzt die Hürden für Bezahlung höher.

Es soll tatsächlich noch Journalisten oder andere externe Dienstleister geben, die von der TX Group Geld erwarten dürfen. Für geleistete Dienste.

Es ist im Geschäftsleben üblich, dass erst «money in the Bank» den erfolgreichen Versuch krönt, von einem Debitor Geld zu kriegen. Nun ist die TX Group bekanntlich das Mutterhaus von Tamedia. Tamedia wiederrum ist der Gemischtwarenladen, in den TX alle Zeitungen des Hauses geschmissen hat. Mit der Ausnahme von «20 Minuten», das Blatt generiert immer noch so viel Geld, dass es ein eigenes Profit Center darstellt. Damit TX- und Tamedia-Boss Pietro Supino die übrigen Zeitungen noch gnadenloser dazu anhalten kann, gefälligst üppigen Gewinn abzuwerfen. Koste es, was es wolle.

Um an sein Geld zu kommen, muss der Lieferant von Buchstaben oder anderem verwertbaren Material neuerdings allerdings eine ganze Reihe von Formvorschriften erfüllen. Vorausgesetzt, er beherrscht Englisch, die Dienstsprache Nummer eins in einem Schweizer Gemischtwarenladen:

 

So, nur so und nicht anders hat eine Rechnung auszusehen. Besonders wichtig ist hierbei die Rechnungs-Nummer; ohne die wird der Versuch, an sein verdientes Geld zu kommen, abgeklatscht. Die Invoice (für des Englischen nicht Mächtige: die Rechnung) wird gnadenlos an den Supplier (Lieferanten) returned (zurückgeschickt).

Aber natürlich ist das nur eine von vielen Regeln des «must comply with the TX Group’s invoicing standard»; die Rechnung muss also mit dem Rechnungsstandard der TX Group complyen, if you know what I mean:

«Information for account assignment. One of the following cost objects must be included on the invoice:

  • Cost Center

  • Project

  • Campaign

  • Sub-activity

  • Activity

  • Offsetting transaction number

  • PO number (if applicable)»

Wer es zukünftig wagen sollte, von der TX Group Geld haben zu wollen, sollte sich auf der dafür extra gestalteten Unterwebseite zuerst mal schlappmachen, Pardon, schlaumachen.

Alles klar, Herr Kommissar? Falls nicht: «For uncertainty regarding invoice addresses, cost center, etc. please contact your business partner.»

Also der Business-Partner kann dann zum Beispiel ein Redaktor sein, der es tatsächlich gewagt hat, von einem externen Schreiberling einen Text einzuverlangen und dafür sogar noch Bezahlung in Aussicht stellte. Dieser Business-Partner muss nun nur noch den Black Belt in Accounting machen (ersatzweise tut’s auch ein CPA, das steht für Certified Public Accountant, if you know what I mean).

Sollte das der Redaktor allerdings unterlassen, läuft der Supplier Gefahr, dass ihm seine Rechnung um die Ohren gehauen wird. Bzw. retourniert. Aber irgendwann, irgendwann ganz sicher hat der Lieferant dann alle Formvorschriften erfüllt (und bitte die MWST separat ausweisen).

Dann, aber nur dann, steht nur noch der Zahlungslauf dem Empfang des Geldes im Wege. Denn vom Antragsteller gesetzte Zahlungsfristen kümmern die TX Group herzlich wenig. Sie hat da ihre eigenen Zahlungsabläufe, die so geheim sind, dass wahrscheinlich nur Supino höchstpersönlich alle Details kennt. Sollte ihm etwas zustossen, darf ein weiteres Mitglied des Coninx-Clans ein versiegeltes Couvert öffnen, in dem diese Geheimnisse notiert sind. Allerdings vernichtet sich das Papier nach zehn Sekunden selbsttätig; so viel «Mission Impossible» muss dann schon sein. If you know what I mean. And I’m really mean.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/11/Bildschirm­foto-2022-11-14-um-18.11.52.png 297 513 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-11-16 05:30:012022-11-14 19:40:32Invoice uns
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  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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