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Müllers Müll

Der Komiker ist auch im realen Leben eher unlustig.

Wer sich für einen Satiriker hält, zudem für eine prominente Persönlichkeit, neigt dazu, die Wichtigkeit der eigenen Meinung zu ziemlich allem schwer zu überschätzen.

Vor allem, wenn er wie Mike Müller die Weisheit mit grossen Löffeln gefressen hat. «Oh je, Sibylle», japste er, als sich die Autorin Sibylle Berg erfrechte, ihre Opposition gegen das verschärfte Covid-Gesetz publik zu machen.

Inzwischen wird der virulente Virologe Müller recht rabiat und unkomisch:

Da stellt er eine blöd-polemische Frage über einen angeblichen «Freiheitsverlust» an ein «ungeimpftes Arschloch». Zu solchen Unfällen kommt es immer wieder, wenn ein geskripteter Komiker, dem bei jedem Gag geholfen wird, einfach mal so frisch von der Leber weg poltert.

Von einem Profi wie Müller dürfte man erwarten, dass er in der Lage ist, den Gefahren der Hass- und Hetzeschleuder Twitter zu entgehen. Also muss Absicht dahinterstecken. Das bestätigt auch seine Antwort auf eine Anfrage des «Blick»:

«Ein Tweet braucht keine Erläuterung, ausser er ist grottenschlecht. Letzteres ist meiner Meinung nach nicht der Fall.»

Da hat er recht. Sein Rülpser ist nicht grottenschlecht, er ist unter jeder Sau. Primitiv, unanständig, beleidigend, ein Schlag in die Fresse für seine Fans und für die Sache, die Müller eigentlich unterstützen möchte.

Man sollte keine Scherze über Namen machen, aber hier muss das sein. Der Tweet ist das, was entsteht, wenn man bei seiner Namensnennung in TV oder Radio so schnell wie möglich abschaltet und dadurch die letzten beiden Buchstaben seines Nachnamens verlorengehen.

 

 

Twitter ist blöd

Nicht gewusst? Gewusst, aber doch twittern? Zu viel Zeit zum Vernichten?

Schön ist’s, wenn man einen Gedanken fassen kann. Und ihn in 140 Zeichen giessen. Also «gies», der Rest wäre bereits zu lang. Aber Jack Dorsey sei Dank kann man schon lange sagenhafte 280 Zeichen verwenden.

Die letzten zwei Wörter wären allerdings schon wieder jenseits. Nun hofft der gesunde Menschenverstand, dass es doch nur ein paar wenige Kurzdenker geben kann, die einen solchen Quatsch verwenden.

Alles ist relativ, im Jahr 2021 rechnet man mit 322 Millionen. Hoch von 290 Millionen im Jahr 2019. Dummheit ist lernbar, sagte mal einer.

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Bei Twitter gibt es zunächst die üblichen Nebenwirkungen. Während wohl die meisten, die in der Lage sind, ihre Ansichten auf 280 Zeichen einzudampfen, bzw. gar nicht mehr brauchen, sicher annehmen, dass es doch nett ist, gratis und franko diese Zeitvernichtungsmaschine benützen zu dürfen, verdient sich die Twitter Inc. natürlich an den Nutzerdaten dumm und krumm.

Schliesslich müssen die rund 5000 Mitarbeiter bezahlt werden, und einen Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar alleine im zweiten Quartal 2021 erreicht man auch nicht mit Menschenfreundlichkeit.

Twitter hält einerseits die Anonymität der Nutzer hoch, jeder Trottel kann sich ein Pseudonym zulegen (Wutbürger, Giftspritze, was auch immer) und losbelfern. Während ein anonymer Leserbrief oder ein Schreiben («wir wissen, wo du wohnst, du Sauhund, hör auf zu schreiben, sonst holen wir deine Kinder») doch einigen Aufwand kostet, am Einrichten eines vermeintlich anonymen Mailkontos schon manche gescheitert sind, ist das bei Twitter dem IQ der meisten Nutzer angepasst.

Datenschutz? Selten so getwittert

Allerdings ist die Bude dann doch gerne bereit, Nutzerdaten herauszurücken, wenn man sie nett oder weniger nett fragt. Sollte sie da etwas zicken, sind die Daten so gut geschützt, dass es nicht mal eine Brigade russischer Hacker braucht, um dran ranzukommen. Der Sohn des Nachbarn schafft das mit oder ohne die Hilfe eines Billig-Programms aus dem Darknet.

Auch sonst sorgt dieser Dienst dafür, dass das Schlechteste im Menschen öffentlich zum Vorschein kommt. Eine Anzahl sogenannter Follower verleiht die Illusion von Bedeutsamkeit. Wer nicht mal zu eigenen 280 Zeichen in der Lage ist, kann retweeten, also den Schwachsinn eines anderen weiterverbreiten.

Natürlich, bevor hier einige getroffene Leser aufheulen, gibt es auch wenige sinnvolle Verwender. Gibt es die Möglichkeit, mit entsprechend vielen Followern, meinungsbildend zu wirken. Kann Twitter in Unterdrückerstaaten als Plattform für Meinungsaustausch und Organisation dienen. Allerdings schon unter der Einschränkung, dass Datenschutz ein besserer Witz ist, dem Dienst auch schnell der Stecker gezogen werden kann, wenn er ein Regime nervt.

Das Schönste an Twitter ist aber die Schnelligkeit. Keinen Gedanken haben, ihn nicht ausdrücken können, und schwups, schon ist der Tweet draussen. Und der Twitterer öffentlich blamiert. Oder sagen wir so: was kann an einem Kanal richtig sein, den Donald Trump so gerne und ausführlich benützte, bis er selbst gesperrt wurde?

Kann auch einem US-Präsidenten passieren.

Natürlich kann ein Präsident oder ein Möchtegern versuchen, seinen Schwachsinn nachträglich wieder einzufangen. Wenn Amok Hansi Voigt beispielsweise 72 Schweizer Parlamentarier und über 140’000 Unterzeichner eines Referendums mal kurz als «Freunde des Faschismus» tituliert. Um dann halblaut zurückzurudern.

Gezwitscher, um den Ruf zu ruinieren

Aber der Ruf, so vorhanden, ist restlos ruiniert. Denn wie kein anderes asoziales Medium sorgt Twitter für das Entstehen von Ingroups. Ballungen von Gleichgesinnten, die sich gegenseitig be- und verstärken. Zur japsenden Meute werden, wo jeder Kläffer den anderen an Lautstärke und Grobheit übertreffen will. Ein erschütterndes Beispiel dafür ist der Twitterkanal von Jolanda Spiess-Hegglin.

Wer sich richtig elend fühlen will, sollte seinen Verlauf mal fünf Minuten lang anschauen. ZACKBUM lehnt aber jede Verantwortung für Nebenwirkungen ab.

Das hätte die neue Sprecherin der Grünen Jugend in Deutschland wohl auch gerne. Die heute 20-Jährige muss sich wegen eines Tweets in den Staub werfen, den sie 2015 (!) abgesetzt hat, also mit 15 Jahren. Das sei «maximal dumm» gewesen, räumt sie zerknirscht ein. Das stimmt allerdings, nur begann ihre Dummheit damit, überhaupt einen Account zu eröffnen.

Aber auch erfahrenen Politikern kann das passieren. So musste unlängst Sloweniens Premierminister mit schäumenden Schlägen zurückrudern, nachdem er EU-Abgeordnete als Marionetten des Investors und Politaktivisten George Soros beschimpft hatte.

Man könnte unendlich viele Beispiele aufführen, wie Geschwindigkeit, Kürze und Gruppenzwang zu unappetitlichen Ergebnissen führten. Dazu, dass sich der Twitterer selbst eins in die Fresse haute, sich selbst desavouierte. Womit die maximale Länge eines Tweets erreicht wäre und wir hier schliessen.

Nein, noch ein Tweet: Es wird niemals einen von ZACKBUM geben. Ehrenwort. Denn wir sind doch nicht blöd. Zudem haben wir sehr wenige Gedankengänge, die sich auf 240 Zeichen reduzieren liessen. Denn alleine schon diese Erkenntnis erreicht hier …

Ging auch andersrum …

Der leitende Zeusler

Brandstifter wäre ein zu grosses Wort für Pascal Hollenstein, die publizistische Leiter nach unten.

Weihnachtszeit, Besinnlichkeit, etwas Ruhe und Milde in diesem schrecklichen Jahr. Selbst ZACKBUM.ch fährt den Output ein wenig zurück. Ausserdem haben wir uns vorgenommen, lieber, verzeihender, verständiger, sanfter zu werden.

Aber man lässt uns nicht. Hollensteins Leiter geht tief, ganz tief hinunter. Wir halten uns die Nase zu und steigen hinterher. Hollenstein twittert; dort bezeichnet er sich stolz als «Leiter Publizistik bei CH Media». Vorsichtshalber schiebt er hinterher: «Hier halbprivat.» Was das sein soll, weiss wohl nur eine Leiter. Wahrscheinlich soll es sagen: Wenn ich Gegenwind kriege, wie ich so einen Stuss als Leiter herauslassen kann, sage ich einfach: das war ich, aber halbprivat.

Anknüpfen an welche Traditionen beim «Nebelspalter»?

Nicht halbprivat, sondern völlig öffentlich ist seine bösartige Unterstellung Richtung «Nebelspalter». Es hat ein Weilchen gedauert, bis er etwas gefunden hat, womit er auf das Projekt von Markus Somm einprügeln kann. Natürlich nicht auf seinem Mist gewachsen, aber er sorgt für die skandalöse Einrahmung.

Denn als @p_holle (auf so einen Schwachsinn muss man auch erst mal kommen) hebt er an: «Möglich, dass der „Nebelspalter“ mit neuer Mannschaft an derartige Traditionen anknüpft.» An welche denn? Nun, obwohl Hollenstein scheint’s Historiker ist, bezieht er sich auf einen Tweet des Landesmuseums Zürich: «Heute vor 140 Jahren nahm sich der damalige Bundesrat Fridolin Anderwert auf der «kleinen Schanze» in Bern das Leben. Dem Suizid des 52-jährigen Ostschweizers ging eine mediale Schlammschlacht voraus.»

Man muss es sehen, ums zu glauben.

Wollen Somm und Hummler Politiker in den Selbstmord treiben?

Bis 12.25 Uhr am 25. Dezember brauchte Hollenstein, um den Festtagsbraten zu verdauen und sich zu überlegen, wem er erhaltene Geschenke aufs Auge drücken könnte. Dann vielleicht ein leichter Lunch, und auf geht’s. Unterstellen wir doch mal Somm und seiner Mannschaft von honorablen Investoren, dass sie finster entschlossen sind, Politiker in den Selbstmord zu treiben.

Bevor der neue «Nebelspalter» auch nur einmal erschienen ist. Bevor auch nur im Ansatz öffentlich bekannt ist, was Somm eigentlich mit dem Traditionsblatt machen will. Aus Angst vor rechtlichen Verwicklungen mit einem «Möglich» abgedämpft, aber das Verb im Indikativ (was das ist, erklären wir der Leiter ein Andermal) verrät, dass es eine ernstgemeinte Unterstellung ist.

Der erste und einzige Bundesrat, der durch Suizid aus dem Leben schied. (Screenshot Blog Landesmuseum)

Nehmen wir mal an, obwohl das eine schreckliche Vorstellung ist, Hollenstein hätte den «Nebelspalter» gekauft. Es wäre zwar fraglich, ob diese Pfeife genügend Investoren finden würde, die gerne ihr Geld zum Fenster rausschmeissen. Aber item, Hollenstein verkündet stolz, dass er neuer Besitzer sei, durchaus an einige Veränderungen denke, sich aber freue, dieses weit in die Geschichte zurückreichende Satireblatt vor dem Vergessen gerettet zu haben.

Der preislose und niveaulose Hollenstein

Und sein Twitter-Klon würde denselben abgründigen Anwurf publizieren. Wenn das nicht unter seinem Niveau wäre, würde der «Nebelspalter»-Hollenstein sicherlich – und völlig zu Recht – fuchsteufelswild. Interessant ist auch, dass der reale Hollenstein zwar nicht auf ZACKBUM.ch oder auf mich replizieren will, obwohl ich mich angeblich schon lange, und ohne dass er einen Grund wüsste, an ihm «abarbeiten» würde. Das sei ihm «zu low», wie seine Kollegin Simone Meier wäffelte, als sie gefragt wurde, ob die Formulierung, dass im Dritten Reich Juden «gecancelt» wurden, nicht geschmacklos, peinlich und einer Entschuldigung wert sei.

Aber gut, Meier hat ja dafür den Preis als Kulturjournalistin des Jahres gewonnen, Hollenstein, schluchz, wurde noch nie gewürdigt. Es ist nun so, dass eine Beschäftigung mit ihm – obwohl wir abgehärtet sind – langsam wirklich unappetitlich wird.

Halbprivat und vollbescheuert

Glücklicherweise hat dieser halbprivate und vollbescheuerte Tweet nur ganz wenig Reaktionen ausgelöst. Natürlich darf dabei Jolanda Spiess-Hegglin nicht fehlen. Sie findet es «tragisch, dass sowas heute noch passiert». Muss uns entgangen sein, dass unlängst ein Bundesrat Selbstmord begangen hätte.

Man fragt sich zunehmend, wie lange Peter Wanner, der doch ein anständiger Mensch ist, dem noch zuschaut. Dem Treiben seines publizistischen Oberaufsehers, der immer wieder als negatives Beispiel auffällt: mit grundloser Anschwärzung, mit dummem Gewäsch eines überbezahlten Sesselhockers, der keinerlei unternehmerische, publizistische oder sonstigen Risiken trägt, sich dafür gerne lächerlich macht.

So, nun nichts wie nach oben an die frische Luft, heraus aus der Kloake des journalistischen Untergrunds.