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Blattschuss

So macht man das, wenn man Jositsch weghaben will.

Für den Vielschwätzer Cédric Wermuth war es ein Spaziergang, die regelwidrige nächste Kandidatur für den Nationalrat absegnen zu lassen. Hätte das nicht geklappt, wäre der Berufspolitiker allerdings in die Bredouille geraten, da er den Löwenanteil seiner Einnahmen aus politischen Ämtern bezieht. Dann wäre nix mehr mit Asien-Sabbatical gewesen.

SP-Ständerat Daniel Jositsch hätte dieses Problem nicht. Im Gegensatz zu Wermuth ist er Anwalt und Professor seit 2004. Aber auch er möchte nochmals für den Ständerat antreten. Allerdings sass er schon von 2007 bis 2015 im Nationalrat und seither im Ständerat.

In solchen Fällen gibt es eine Delegiertenversammlung, um deren Vorverlegen Jositsch gebeten hat. Denn er weiss, dass er bei den SP-Linken nicht überaus beliebt ist, weil er immer mal wieder von deren absurden Positionen abweicht. Also sinnen die Genossen auf Rache, wollen ihn schlichtweg absägen.

Wie macht man das, wenn man sich dem woken, behutsamen, respektvollen Umgang verschrieben hat? Natürlich mit einer hinterlistigen Intrige und Kampagne. Gestartet wird die im Linksorgan tsri.ch, das für alles zu haben ist. Nur nicht unbedingt für Erfolgreiches.

Aber sei’s drum:

Chefredaktor Simon Jacoby greift höchstselbst in die Tasten: «Der Konflikt schwelt bereits seit Jahren, weil sich Jositsch immer wieder gegen die Positionen der Partei gestellt hat

Zufall aber auch, wenn man keine Hemmungen hat, sich instrumentalisieren zu lassen, dann fährt man so fort: «Innerhalb der Partei kursiert derzeit ein Papier ohne klare Absender:innen mit dem Titel «16 fragwürdige Positionen von Daniel Jositsch». Das Dokument, das der Redaktion vorliegt, listet Jositschs grösste «Aussetzer» auf.» Ohne klaren Absender, welch Euphemismus für Heckenschützen, die mit dem Machwerk Jacoby anfütterten.

Aber das reicht ja noch nicht, also muss noch ein weiterer Anonymus ran: «Nicht nur weicht der Ständerat immer wieder von der Parteilinie ab, ein Insider sagt, Jositsch sei im Parlament weitgehend wirkungslos und habe in keinem Dossier den Unterschied für die SP gemacht.» Der Insider, es darf gelacht werden, wenn es nicht so aschgrau wäre.

Ausser Anpinkeleien braucht es natürlich noch einen Ersatz, sollte Jositsch abgesägt werden. Zufall wieder auch: «Gegenüber Tsüri.ch bestätigt Badran, was bereits gemunkelt wird: «Sollte Jositsch nicht nominiert werden und die Partei respektive die Delegierten wollen, dass ich kandidiere, werde ich zur Verfügung stehen.»»

Die Saftwurzel und Plaudertasche Jacqueline Badran, die es mit Zahlen nie so genau nimmt, «bestätigt» also gegenüber dieser Postille, dass sie zur Verfügung stünde.

Am Schluss der Schmiere noch der vollendete Blattschuss:

«Für einige Delegierte und Parteimitglieder wäre die Nationalrätin eine willkommene Alternative. Jemand bezeichnet sie als eine «super Kandidatin», jemand anderes eine entsprechende Kandidatur als «begrüssenswert».  Die Stadtzürcher Wohnpolitikerin, so ist man sich weitgehend einig, hätte wohl als einzige eine Chance, für die SP den Ständeratssitz zu verteidigen.»

Natürlich wird das von Tagi und NZZ und so weiter fleissig aufgenommen; et voilà.

Obwohl ZACKBUM nicht der grösste Fan von Jositsch ist, wünschen wir ihm angesichts dieser miesen Intrige von anonymen Heckenschützen, die in einem würdelosen Chefredaktor einen willigen Helfershelfer gefunden haben, für morgen alles Gute.

Teure Lehrstunde für tsri.ch

Wie man Spendengelder rausballert.

Die Welt von heute ist beherrscht von skrupellosen Börsenspekulanten und finsteren Firmen, die vom Staat das Blut abzapfen und raffgierig ihr Geld bunkern oder unter ihresgleichen verteilen. Sie schwindeln Kurzarbeit vor, halten aber geizig an ihrer Dividenden-Ausschüttung fest.

Die ganze Welt? Nein, irgendwo in Zürich gibt es noch ein paar Journalisten, die gegen diese Abzocker ankämpfen. Dafür brauchen sie aber zuerst einmal Geld, und zwar ziemlich viel.

Tsri.ch ist ein seltsames Medium, dass zwischen Maturazeitung und Musenalp-Express oszilliert. Wer manche Titel nicht versteht, muss leider zugeben, dass er alt geworden ist: «Warum fehlen BIPoC in der Pride?».

In den Texten geht es um die Probleme der Kurden, die besten Velomechaniker, Lesbenprobleme oder die feinsten Milchkaffees in der Stadt Zürich. Wir wollen nicht harsch über tsri.ch schreiben. Wir kritisieren keine Kinder.

17’755 Franken-Recherche

Nur ein bisschen. Es geht nämlich um das erfolgreiche Crowdfunding von tsri.ch. 17’755 Franken haben die Jungen gesammelt. Das Geld sollte ihnen eine breit angelegte «Corona-Recherche» ermöglichen. Die jungen Macher stören sich nämlich daran, dass viele Firmen zwar Kurzarbeit beantragt haben, ihren Aktionären aber trotzdem eine Dividende auszahlen wollen oder dies schon gemacht haben.

tsri.ch sind nicht alleine in ihrer Empörung. Der Nationalrat und der Ständerat haben einer Motion zugestimmt, die eine Dividendenauszahlung bei Kurzarbeit verbieten will. Die Medien haben ausgiebig darüber berichtet. Das Thema ist – durch.

Yes. Ziel erreicht

Trotzdem sind also 17’000 Franken in das Konto von tsri.ch geflossen. «Yes. Ziel erreicht», jubelten die Journalisten. Mit dem vielen Geld könne man nun «einen Monat lang investigativ recherchieren», «einige Firmen genauer unter die Lupe nehmen», mit Rechtsexperten sprechen und sogar versuchen, «via Öffentlichkeitsgesetz vom Kanton Zürich an jene Firmennamen zu kommen, welche Kurzarbeit bewilligt bekommen haben. Diese überprüfen wir dann auf Dividendenzahlungen.»

Uff, ganz schön viele Ziele. Herausgekommen sind dann zehn Texte. Drei von ihnen erhalten von uns knapp das Prädikat «Recherche», bei den anderen gaben sich die Autoren immerhin Mühe. So gesehen sind 17’755 Franken ziemlich viel Geld. Darauf angesprochen reagiert der Chefredaktor Simon Jacoby natürlich pikiert: Einem Recherche-Ergebnis einen finanziellen Wert zuzuordnen, das sei nicht seriös. Sein Team habe einen super Job gemacht, die Leser und insbesondere auch die Teilnehmenden des Crowdfundings seien sehr zufrieden mit der Recherche gewesen.

Eine gute Investition

Von den vielen Versprechungen konnten einige nicht eingelöst werden. Interviews mit Rechtsexperten hätten zum Beispiel keinen Sinn gemacht, da die juristische Frage schnell beantwortet war: Dividenden sind trotz Kurzarbeit natürlich erlaubt. Sie beziehen sich ja auf das abgelaufene Geschäftsjahr. Pech hatte die motivierte Truppe auch mit ihrem Einsichtsgesuch. Da wurden sie von einer Stelle zur nächsten Stelle verwiesen, bis sie eine ablehnende Antwort erhielten. Immerhin: Ab Herbst soll wieder das Öffentlichkeitsgesetz bemüht werden. Tsri.ch will nämlich die abgerechneten Stunden der Zürcher Firmen veröffentlichen. Wie spannend ist das wohl?

17’755 Franken sind so gesehen eine gute Investition in angehende Journalisten. Die erste Lektion ist nämlich immer: Auf jede gute Idee kommen mindestens zwei Niederlagen. Und das lernt man nur im Alltag.