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Wumms: Markus Somm

Der Fehlanalyst vom Dienst schlägt wieder zu.

Der Betreiber des «Nebelspalter», der inzwischen mehr ein «Nabelspalter» ist, darf in der «SonntagsZeitung» eine Kolumne führen. Das überfordert ihn regelmässig. Zum Beispiel hier:

Somm am Irrweg. Oder: der oder die Micky Maus?  Zunächst, das ist er sich als Historiker schuldig, ein Ausflug in den Zweiten Weltkrieg, als Winston Churchill die USA um Hilfe bat. Ein historischer Fakt.

Nun der sommsche Fake: «Hätte der damalige Bewohner des Weissen Hauses Donald J. Trump geheissen, wäre ein solches Szenario denkbar: «Winston, I’m sorry, you have to surrender», sagte dieser am Telefon, zumal die Amerikaner mit den Deutschen – man nannte sie seinerzeit Nazis – insgeheim längst einen «Deal» ausgehandelt hatten, wonach Hitler alles annektieren durfte, was er bereits verschlungen hatte – ausser Paris, das Trump seiner Familie vorbehielt, und Churchill dafür noch zu danken hatte.»

Denkbar ist alles, was die Hirnwindungen hergeben. Auch ein Vergleich zwischen Churchill und Selenskjy. Ob das allerdings auch Sinn macht, ist eine ganz andere Frage. Solche «was wäre gewesen, wenn …»-Spielchen sind meistens eher dröge, langweilig und sollen zu offensichtlich eine These des Autors untermauern, indem er sie in ein historisches Gewandt steckt.

Robert Harris schrieb die Dystopie «Vaterland»; ein Thriller unter der Annahme, dass Nazideutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte. Das ist immerhin unterhaltend.

Kaum hat Somm diesen schrägen Vergleich gewagt, rudert er zurück: «Ich weiss, Hitler-Vergleiche sind nicht beliebt – und es geht mir hier nicht um Hitler.» Nur: warum macht er dann diesen irren Ausflug in eine Parallelgeschichte mit Hitler?

Denn eigentlich geht es ihm doch um etwas ganz anderes:

«Was bisher von den jüngsten Vorschlägen aus Washington durchgesickert ist, hat nicht bloss das Zeug, als ehrlosester Kompromiss in die Weltgeschichte einzugehen, es wäre auch kurzsichtig, wenn nicht dumm, würden die USA tatsächlich so verfahren – und es auch ernst meinen.»

Man kann wieder einmal für die USA, für Europa und für die ganze Welt nur hoffen, dass im Oval Office dieser Kommentar intensiv studiert wird und Trump dann sagt: «Great guy, he’s right. This peace-plan is a piece of shit.»

Nachdem er so den US-Präsidenten zur Ordnung gerufen hat, kommt der übliche Moment der Selbstkritik eines ewigen Renegaten: «Bei Trump, den ich meistens verteidigt habe, ist man sich da ja nie ganz sicher.»

Noch unsicherer ist man sich allerdings bei Somm, was er denn nun schon wieder meint. Vor allem, da nach dem Ausflug in die Historie ein Ausflug in die Tierwelt folgt: «Trump ist bereit, die Ukraine dem Panther gefesselt in die Pranken zu legen – und die übrigen Antilopen, man nannte sie früher Europäer – haben das nicht nur hinzunehmen, sondern auch noch zu ertragen, dass sie nie mehr wissen, wann sie zur russischen Verspeisung vorgesehen sind

Man fragt sich, welche Tierrolle sich Somm selbst zubilligen würde. Eule? Erdmännchen? Micky Maus?

Auf jeden Fall steht er nicht am Scheideweg, aber vor dem Problem, dass dann mal Ende Gelände ist mit der Kolumne. Da muss nun geschwind wie ein Panther – oder eine Antilope – ein Schluss her:

«Wenn Amerika die Ukraine im Stich lässt, dann verliert es auf Dauer Europa. Entweder an Russland – oder an die EU, die dann wirklich aufrüstet. Donald Trump am Scheideweg: Ist er ein Elefant oder ein Micky Maus

Äh, Trump verliert Europa an die EU? Die ist doch eigentlich Europa, wie kann sie sich da an sich selbst … Aber gut, wer das zu verstehen versucht, scheitert dann am Schlussgag: Elefant oder Micky Maus? Panther oder Antilope? Schimpanse oder Schlange? Fuchs oder Gans? Als welches Tier könnte Trump die Antilope Ukraine dem Panther Russland gefesselt – wir geben auf.

Lässt Trump die Ukraine nicht im Stich, ist er ein Elefant? Im Porzellanladen?

Ob ein Blick in Brehms Tierleben hülfe? Oder das Rezitieren von Rilkes «Panther»? Oder einfach die Abgabe eines Beruhigungsmittels?

Heile Welt mit Stöhninseraten

Das Tierwelt-Heftli lebt von Kleininseraten. Doch die Erträge daraus «sind nun endgültig am Versiegen», wie es vom herausgebenden Verband «Kleintiere Schweiz» heisst.

Die Tierwelt ist wohl die einzige Vereinszeitschrift, die am Kiosk erhältlich ist. Sie ist eines der ältesten Heftli der Schweiz. Schon 1891 erschien die erste Ausgabe. Bis heute stehen dahinter Kleintierzüchter, respektive deren Verein. In Journalistenkreisen spricht man oft verächtlich über Chüngelizüchtervereine. Doch der Dachverband bringt jede Woche ein Heft mit beachtlichen gut 80 Seiten heraus. Der Preis ist mit 6 Franken moderat. Normalerweise agiert das Blatt unter dem Radar der breiteren Öffentlichkeit, ausser letzthin, als im Kleinreport der Abgang des Chefredaktors vermeldet wurde. Doch nun scheint wieder Ruhe eingekehrt. Zeit für eine Blattkritik (der Ausgabe vom 4. Februar), aber auch einen Blick auf das Rumoren hinter den Kulissen.

Zum allgemeinen Thema passt das weissbraune Chüngeli auf der Titelseite. Dank dem Anriss «Katzen: die häufigsten Todesursachen» werden auch Tierfreunde abgeholt, die nicht unbedingt aufs Züchten aus sind. Das Layout kommt, etwa beim Inhaltsverzeichnis, modern und luftig daher. Wenn nur nicht diese kursive Schrift wäre. In der Rubrik «Hallo was gibt’s» beweist die Redaktion durchaus Humor und Sinn für Ästhetik. Auch die Panoramaseite mit Kurzfutter aus der ganzen Welt lässt den vermeintlichen Vereinsmief hinter sich. Die Titelgeschichte, selbstredend über Kaninchen, spricht den Profi sicher an. Als Laie hört man schon bei den Belgischen Riesen (Idealgewicht 7-9 Kilo) auf, spätestens aber bei der «offiziellen Anerkennung als Schweizer Eulach-Scheckenkaninchen» am 10. Mai 1984.

Schmuser landen nicht in der Küche

Die nächste Geschichte handelt von der Selbstversorgung dank Kaninchen. Etwas, was etwa für die Weltkriegsgeneration ganz selbstverständlich war. Später war der Begriff Selbstversorger für den Staatsschutz ein Alarmzeichen, die Parole Moskau einfach herauszugeben. Der Artikel zeigt, dass die Redaktion erfrischend unverkrampft an die Themen herangeht. Und falls mal ein Kaninchen den Artikel in die Pfoten bekommen sollte, bitte besonders auf diesen Passus achten: «Schmuser landen sicher nicht in der Küche. Wer eher distanziert auftritt, hat schlechtere Karten, weil die Bindung zu ihnen weniger stark ist.»

Nun kommt ein solides Portrait über den neuen Co-Präsident der Schweizer Jungbauern. Daniel Hasler ist ein klassischer Jungunternehmer, der mit seiner Direktvermarktung von Hofprodukten Erfolg hat. Konkret liefert er den Kunden Gemüse, Milch, Joghurt und Käse in seinem auffälligen «Dänumobil». Der Artikel erfüllt sein Ziel. Das Klischee vom trägen, subventionshangenden Bauern abzuschwächen. Einzig der Titel «Der Bauer von morgen» schreit förmlich nach der Ergänzung PUBLIREPORTAGE.

Und dann die Büsigschicht. Obwohl das Foto etwas anderes erahnen lässt, sind nicht plattwalzende Autos, sondern eher unspektakulär chronische Nierenleiden als Todesursache Nummer eins aufgezählt.

Die Rubrik «Zum Verwechseln ähnlich» erinnert an die verwandte Rubrik «Bei der Geburt getrennt». Hier geht es aber nicht um Fussballer wie im Fanheft «11 Freunde», sondern natürlich um Tiere. Diesmal um den Bolonka Zwetna und den Havaneser. Das Auseinanderhalten falle sogar Besitzern schwer, schreibt Carmen Epp. Die Autorin weckt Erinnerungen an «Was macht eigentlich?». Epp hat eine Zeitlang in der Medienwoche geschrieben und bei der Urner Zeitung gearbeitet.

Von tiefgefrorenen Embryonen und Oberwalliser Schwarznasen

Der Artikel über das Walliser Schwarznasenschaf befasst sich mit dem Jöööh-Effekt dieser auffälligen Tiere. Dank einen BBC-Bericht scheinen die Wesen nun in Neuseeland und in den USA der Renner zu sein. Dass wegen dem Einfuhrverbot lebender Schafe  tiefgefrorene Embryonen per Post verschickt und nachher in Mutterschafe anderer Rassen eingesetzt werden, tönt nach Science Fiction. Auf jeden Fall wäre das eine heisse Story auch für den Blick. Auffällig der Infokasten am Artikelende mit den Infos über den Oberwalliser Schwarznasen-Zuchtverband. Einerseits ist das schon interessant, andererseits wertet es den lesenswerten Artikel ab. So wirkt er wie bestellt.

Der Artikel über Fassadenschindeln ist irgendwie fehl am Platz. Ein bezahltes Firmenportrait? Dass Holzschindeln vielleicht Lebensraum sein könnten für Kleinst-Insekten (Themenbezug!), findet man nirgends.

Doch weil nun ein Artikel folgt über die vernachlässigten Seitenbeete links und rechts von Wohngebäuden, dämmert es dem ZACKBUM-Kritiker langsam. Tatsächlich: In der Oberzeile zur Tierwelt steht: Die Schweizer Zeitschrift für Tier und Natur.

Der berüchtigte Personalshop-Preis

Die eingeheftete Werbebeilage mit Kleidern und Schuhen taucht immer mal wieder auf in Vereinsheften, etwa auch in jenem des VPOD.  Der Firmen-Name «Personalshop» soll wohl Nähe zu den Lesern und Verbandsmitgliedern suggerieren. Die knalligen Preisvorteile (-25% für Sie, Personalshop-Preis gegenüber UVP-Preis) wertet die Tierwelt ab. Doch noch sind wir nicht bei den Kleinanzeigen. Und ja, von irgendwas muss ein 80-Seiten-Magazin finanziert werden.

Also vor den Kleinanzeigen zuerst noch der kürzere Text darüber, «dass sich der Klimawandel auch auf den heimischen Garten auswirkt». Nein, die Tierwelt packt durchaus auch heisse Eisen an. Eher schwierig wir der nun folgende Veranstaltungsteil. Das heimtückische Coronavirus macht fast allen Events einen Strich durch die Rechnung. Dafür sind die Tierschnappschüsse aus der Leserschaft ein Aufsteller.

Nun wird’s wieder richtig expertig. Das A und O der Zuchtvorbereitung bei Geflügel. Für vertiefte Gespräche rund um Eier kann so ein Text enorm wertvolle sein. Einfach nur faszinierend, aber auch sehr schräg.

Präsident schlägt Alarm: Erträge versiegen

Langsam steigt die Spannung. Denn nun folgt der eigentliche Inserateteil. Und damit sind die legendären Kleinanzeigen gemeint. Ja, darum ist doch die Tierwelt berühmt. Zumindest vor 20, 30 Jahren galt die Tierwelt als eher kleinbürgerliches Pendant zum handgestrickten A-Bulletin. Heute sind es immerhin noch gut 18 Seiten Kleininserate. Das ist mehr als die halbe Miete für die Heftfinanzierung. Doch Urs Weiss, Präsident von Kleintiere Schweiz schlägt im Rahmen einer auf der Vereinswebsite aufgeschalteten Statutenreform Alarm: «Die Erträge aus der Tierwelt sind nun endgültig am Versiegen und eine Besinnung auf das tatsächlich Notwendige ist geboten». Ein Thema ist auch die Vereinsgrösse: «Was hat der zunehmende Mitgliederschwund für einen Einfluss?», schreibt Weiss weiter. Er lobt das Sekretariatsteam in Zofingen und stellt selbstkritisch fest, dass «ein Miteinander aller Beteiligten die Kosten besser im Griff hat als unzählige dezentrale, individuelle Lösungen».

Nicht günstig ist wohl die zur Tierwelt parallele Herausgabe des Verbandsorgan «Der Kleintierzüchter», quasi die Expertenausgabe der Tierwelt.

Die Vernehmlassung der neuen Statuten von Kleintiere Schweiz läuft noch bis am 30. Juni 2021.

Pumpfass und Radikalkur

Nun aber endgültig eingetaucht in den Mikrokosmos der Kleinanzeigen. Als erstes Inserätli fällt jenes der JVA Pöschwies auf. Handgemachte Nistkästen (32.-) und Futterhäuschen (38.-)  für Vögel. Des Rätsels Lösung: JVA heisst Justizvollzugsanstalt. Die Hüsli werden also im Pöschwies gebaut, von Sträflingen. Eine Metzgerei in Safenwil kauft laufend Schlachtlämmer, während jemand für die «sehr liebe, zahme und gesunde» Pfauenziege Daisy «einen neuen Lebensplatz» sucht. Im technischen Teil kann man wählen zwischen einem «Güllenfass mit Triebachse, einem Ladewagen Mengele 310 und einem Pumpfass zu Schilter LT2». Wie wär’s mit einem Kompostwender für 32000 Franken? Im Immobilienteil wird ein «grosses Haus für WG» angeboten. Preis 2,5 Mio, Region Rottal. Wem das zu teuer ist, kann zwei Luftrevolver Smith&Wesson kaufen, je 120 Franken. Grund des Verkaufs: «Nichtgebrauch». Die Käserei Neudorf veräussert einen «Sachentransportanhänger» für 9000 Franken. Ein Suzuki Jimny 30 km/h sucht einen neuen Käufer. Anscheinend wichtig: laut Inserat wurde der Wagen «von einer Frau gefahren». Dann wechseln sich die Inserätli immer kurzweiliger ab. Eine Firma Gerber preist sich fürs «Absaugen Festmaterial aus Jauchegruben an», während sich daneben unter dem Titel «Männer ruft an» Frauen von jung bis alt anbieten für Freundschaft und Heirat. Auf der drittletzten Seite geht’s dann zur Sache. Was im Tages-Anzeiger vor einigen Jahren mangels Inserenten fast ganz eingestellt wurde, blüht hier noch einigermassen. Das Geschäft mit dem Sex. «Er verwöhnt reife Sie»,  «Allein mit Katze! Suche Mann! Paulina, attraktiv!», «Bäuerin 38, will manchmal Sex». Dazu passt dann die letzte Seite mit viel Kleingedrucktem und einem «Leser-Angebot»: Radikalkur Prostaphytol-Elixier CHF 126.- anstatt regulär CHF 316.-

Die Tierwelt hat eine beglaubigte Auflage von 46641 Exemplaren und eine Reichweite von 218000 Leserinnen und Lesern. Es gibt 51 Ausgaben pro Jahr. Die Tierwelt ist ein Exotikum im Kiosk-Angebot, durchaus mit Potenzial zum Kultstatus.