Ha, hä, Häsler
Da gurgelt er wieder. Und die NZZ lässt ihn.
Der Mann im Kämpfer, die martialische Kriegsgurgel Georg Häsler darf sich in den heiligen Hallen der NZZ austoben. Während dort sonst das Prinzip gilt: zuerst nachdenken, dann schreiben, ist für ihn immer Angriff die beste Verteidigung. Aus dem Stand galoppiert er auf jedes rote Tuch los, wie das auch andere Säugetiere tun.
Wer stoppt Häsler, fragte ZACKBUM resigniert. Die Antwort ist: nichts und niemand. Immer ist es höchste Eisenbahn, könnte Russland Europa, natürlich auch die Schweiz, noch viel früher als erwartet angreifen. Bloss: Putin, dieser Schlingel, tut der Kassandra aus der Falkenstrasse den Gefallen nicht.
Also muss sich der heisse Krieger anderen Themen zuwenden. Zum einen greift er weit, ganz weit in die Geschichte zurück: «Der Aufruf des alten Atheners Thukydides an die Europäer von heute: Tragt Sorge zu eurem Friedensprojekt». Also eigentlich hatte der chinesische Staatschef Xi Jinping vor dem Schicksal Spartas und Athens gewarnt. Was Donald Trump mit einem «what the fuck is he talkin‘ about?» beantwortet haben dürfte.
Häsler hingegen schlaumeiert zum Thema: «Die Thukydides-Falle scheint – trotz der grundsätzlich milderen Rhetorik Trumps – weiterhin weit offen zu sein.» Au weia. Aber gleich gibt der Militärhistoriker Entwarnung: «Doch der Rückgriff auf die Antike geht nicht ganz auf: Die USA sind nicht Sparta, China ist nicht Athen.» Gut, dass wir das nun wissen.
Dann allerdings verliert sich Häsler etwas im Dunklen der Geschichte:
«Der Bruch der Normen als Katalysator der Eskalation … In dieser Deformation der attischen Demokratie erkennt Thukydides schliesslich eine weitere, tieferliegende Ursache dafür … Dieses Spiegelspiel ist durchaus im Sinne Thukydides’, der von der Prämisse ausging … Der alte Athener Thukydides warnt die Europäer, in die Fallen des Populismus, der Sonderbünde und des gegenseitigen Misstrauens zu treten.»
Da ruft also der alte Thucydides (ca. 454 bis 399 v.u.Z.) warnend zu den heutigen Europäern und den Schweizer Sonderbündlern hinüber. Wahnsinn, und Häsler ist sein Sprachrohr.
Aber der Mann ist auch für scharfe Zurechtweisungen in der Jetztzeit zuständig: «Es reicht: Die Sicherheit der Bevölkerung ist wichtiger als eine Musterbuchhaltung». Da muss er mit der Landesregierung mal wieder ganz streng werden: «Nach wie vor weigert sich der Bundesrat, die geopolitischen Veränderungen in ihrer ganzen Tragweite anzuerkennen.» Diese Vaganten, Diversanten, Weicheier. Denen muss mal wieder «deutlich gesagt» werden: so geht das ja nicht.
Denn, der Iwan ist bekanntlich zu allem fähig. Zum Beispiel: «Doch wenn Russland – oder übrigens auch Iran – in Westeuropa den Strom abstellen will, dann beschiesst es die Schweiz.» Weil die Schweiz bekanntlich zu wesentlichen Teilen die westeuropäische Stromerzeugung garantiert? Öhm, also ihr Anteil an der Stromproduktion der EU beträgt 2,4 Prozent. Nimmt man Europa insgesamt, sind es 2 Prozent.
Vielleicht weiss das – im Gegensatz zu Häsler – der Kremlherrscher, und würde aus diesem Grund von einer Beschiessung der Schweiz Abstand nehmen. Aber der Sandkastengeneral sieht das natürlich ganz anders und erteilt mal wieder hemmungslos Befehle:
«Deshalb muss der Bundesrat seine Haltung revidieren und sich nach der Sommerpause doch noch mit der Sonderarmeebotschaft auseinandersetzen. Alles andere wäre verantwortungslos gegenüber der Bevölkerung – und auch gegenüber dem Wirtschaftsstandort Schweiz.»
Mit Verlaub: solches Geschwätz zu veröffentlichen, das ist verantwortungslos von der NZZ gegenüber ihren Lesern.
