Wumms: Christof Münger
Der Auslandchef ohne Ausland stümpert über 250 Jahre USA.
Er hatte unermüdlich vor ihm gewarnt, den senilen Joe Biden als einzig denkbare Alternative hochgejubelt, dann der untauglichen Kamala Harris die Daumen gedrückt. Aber nun das:

Also eigentlich verkörpert Trump das, was Münger am meisten fürchtet. Und ärgert, denn niemand in den USA (oder ausserhalb) interessiert es gross, was der Holmerbringmer der Auslandredaktion des «Süddeutschen Zeitung» so meint. Nun soll es sich hier um ein «Essay» handeln. Das wäre ein argumentativ-reflektierender Text, in den persönliche Sichtweise einfliesst.
Gewisse Grundkenntnisse wären allerdings Voraussetzung. So orgelt Münger los:
««All men are created equal» steht am Anfang der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776. «Alle Menschen sind gleich erschaffen» – nur fünf Wörter, aber eine revolutionäre Feststellung in einer Welt, in der die Herkunft das Schicksal bestimmte, in der Könige und Fürsten in den Palästen Europas über die Untertanen zu Hause und in den Kolonien verfügten.»
Das sei eine «revolutionäre Feststellung» gewesen. Allerdings nicht wirklich originell, sondern auf der fast identischen Formulierung von John Locke beruhend, beeinflusst von Francis Hutcheson. Und gültig war sie nur für reiche, männliche Grossgrundbesitzer, die wie Thomas Jefferson Hunderte von Sklaven hielten.
Auch die Gewaltentrennung war keine Erfindung der Gründerväter, sondern stark von Montesquieu («De l’esprit des lois») beeinflusst, wobei sie durch die Position eines starken Präsidenten und die Idee von Checks and Balances erweitert wurde. Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der Französischen Revolution von 1789 wiederum ging entschieden weiter und ist viel umfassender (Definition von Freiheiten, Unschuldsvermutung, Gleichheit auch vor dem Gesetz).
Aber trotz über 10’000 A geht Münger auf solche Feinheiten eher holterdipolter ein, wärmt nochmal den alten Kalauer der «Sister Republics» USA und Schweiz auf, um dann auch bei dieser Gelegenheit auf seinen Lieblingsfeind einzuprügeln: «Aus Sicht der Gründerväter hingegen ist mit Trump das eingetreten, was sie am meisten befürchtet hatten, nämlich dass ein Präsident versucht, sich über die Verfassung zu erheben.»
Dazu zitiert Münger einen der ganz grossen Denker über die lange Geschichte der USA: Herbert Grönemeyer. Denn der habe schon Anfang der 80er-Jahre gesungen: «Oh Amerika, du hast so viel für uns getan, oh Amerika, tu uns das nicht an.» Den Knittelreim verbrach der Barde angesichts der damaligen Friedensbewegung gegen die Nachrüstung. Womit er und sie «falsch lagen», wie Mümger falsch behauptet. Denn damals wehrte man sich dagegen, dass die USA mit Mittelstreckenraketen einen möglichen Atomkrieg mit der UdSSR in Europa austragen wollten – ohne dass beispielsweise Deutschland auch nur ein Wörtchen mitzureden hatte.
Also wendet Münger das seiner Meinung nach falsche Zitat auf Trump an: «Heute trifft es Grönemeyer besser als damals.» Das ergänzt Münger mit einem weiteren Zitat, diesmal des deutsch-amerikanischen Historikers Volker Depkat: «Die USA sind noch keine Diktatur, ungeachtet des diktatorischen Wollens der Clique um Donald Trump». Da besteht ja noch Hoffnung.
Die lässt Münger optimistisch am Schluss richtig leuchten: «Der eigentliche Souverän in den USA sind der Wähler und die Wählerin.» Denn: «Die Tradition der amerikanischen Demokratie ist stärker als ein verhaltensauffälliger Bewohner des Weissen Hauses.»
Nun ja. Im gesamte US-Wahlzirkus von 2024 wurden von den Parteien 16 Milliarden Dollar zur Wählerbeeinflussung ausgegeben. Die US-Wahlbezirke gleichen inzwischen einem Mosaik, das von einem Irren im Delirium gezeichnet wurde. Es gibt zwar Wahlprogramme, aber die interessieren eigentlich keinen. Grosse Teile der US-Wählerschaft verfügen über politische oder historische Kenntnisse eines Sechsjährigen. Nur 44 Prozent der Amis sind in der Lage, einen Satz mit Nebensatz zu lesen und zu verstehen.
Zwischen 1776 und 1790 hatten in den USA nur weisse Männer mit Grundbesitz (und/oder einer Steuerleistung) das Wahlrecht. Die «Tradition der amerikanischen Demokratie» gab Frauen erst 1920 das Wahlrecht, Schwarzen faktisch erst nach 1965. Okay, in der Schwesterrepublik Schweiz dauerte das mit dem Frauenstimmrecht noch etwas länger.
Wie auch immer, ein weiterer Beitrag dazu, dass viele Redaktoren bei Tamedia inzwischen völlig schamfrei sind und ungehemmt Peinliches publizieren. Dürfen.
